[0001] Die Erfindung bezieht sich auf ein Verfahren zum Konditionieren kontaminierten Abfalls
durch Zementieren. Es wird trockener Abfall zementiert, insbesondere Abfall, der als
Asche nach Verbrennung brennbaren Abfalls oder als Trockenrückstand bei der Aufarbeitung
von Schlamm gewonnen ist.
[0002] Es ist bekannt, schwach- bis mittelradioaktive Abfallstoffe, die brennbare Anteile
enthalten, in Verbrennungsöfen zu veraschen und radioaktive Flüssigkeiten durch Eindampfen
zu konzentrieren und den erhaltenen Schlamm zu Trockenrückstand zu verarbeiten. Da
die Radioaktivität von schwach- bis mittelradioaktiven Abfallstoffen erst in längerer
Zeit abklingt, ist es üblich, die trockenen Abfälle mit Bitumen oder Zement zu versetzen
und sie in Metallfässer einzusetzen. Der Anteil des trockenen Abfalls in solchen Zementfässern
beträgt etwa 25 Gew.%.
[0003] Es lassen sich nicht nur radioaktive Abfallstoffe durch Zementieren einschließen.
Auch toxischer Abfall, der sich nicht weiterverarbeiten läßt und wegen seiner Löslichkeit
in Wasser nicht unmittelbar deponierfähig ist, ist auf diese Weise lagerbar. Die hier
verwendete Bezeichnung ."kontaminierter Abfall" schließt solche Stoffe und andermdamit
vergleichbaren schädlichen Abfall, der zu lagern ist, ein.
[0004] Beim Zementieren kontaminierten Abfalls ist einerseits das Auslaugverhalten des nach
Abbinden und Aushärten des Zements entstandenen Gemischkörpers bei dessen Kontakt
mit Wasser, andererseits dessen Festigkeit von entscheidender Bedeutung. Es wird eine
möglichst geringe Auslaugrate des Gemischkörpers angestrebt, damit im Falle eines
mit Wassereinbruch verbundenen Störfalls in der Lagerstätte kein im Gemischkörper
eingeschlossener kontaminierter Abfall in das Wasser austreten kann. Aber auch die
Festigkeit des Gemischkörpers, insbesondere dessen Druckfestigkeit und Oberflächenhärte,
darf ein Mindestmaß nicht unterschreiten, um Abrieb und damit Freisetzung kontaminierten
Abfalls in die Umgebung zu vermeiden.
[0005] Das Auslaugverhalten des Gemischkörpers hängt stark von dessen Porosität ab. Von
der Porosität wird auch die Festigkeit des Gemischkörpers beeinflußt. Es ist deshalb
eine möglichst hohe Materialdichte anzustreben. Auch kommt es darauf an, das in Lagerstätten
einzubringende Volumen zur Ablagerung der kontaminierten Abfälle möglichst gering
zu halten, da der für die Ablagerung zur Verfügung stehende Raum in natürlichem Boden,
beispielsweise in Salzlagerstätten, nicht unbegrenzt zur Verfügung steht.
[0006] Aufgabe der Erfindung ist es, ein Verfahren zum Konditionieren von trockenem kontaminierten
Abfall zu schaffen, das eine hohe Konzentration von Abfall im Endprodukt bei zumindest
gleichem Auslaugverhalten ermöglicht. Zugleich soll die Festigkeit des abgebundenen
und ausgehärteten Gemischkörpers, insbesondere dessen Druckfestigkeit, Oberflächenhärte
und Abriebsfestigkeit verbessert werden.
[0007] Diese Aufgabe wird bei einem Verfahren der eingangs genannten Art durch die in Patentanspruch
1 angegebenen Maßnahme gelöst. Danach wird trockenem Abfall Zement in einer Menge
von nicht weniger als ca. 50 Gew. % des Abfallgewichtes zugemischt, die trockene Abfallmenge
zur Zementmenge verhält sich also maximal wie 2 : 1 und variiert im Bereich zwischen
1 : 1 bis 2 : 1. Dem Gemisch wird zum Abbinden Wasser zugegeben, wobei die Wassermenge
unter Berücksichtigung der Abbindereaktion gering überstöchiometrisch bemessen ist.
Nach Zugeben des Wassers weist das Gemisch einen etwa erdfeuchten Zustand auf, Das
Gemisch wird dann unter Druck verdichtet. Beim Abbinden des Zements härtet der den
Abfall enthaltende Gemischkörper aus. Es läßt sich nach diesem Verfahren in vorteilhafter
Weise der Anteil trockenen Abfalls im zu lagernden Gemischkörper gegenüber drucklos
in Fässern einzementierten Abfalls etwa verdoppeln, ohne daß das Auslaugverhalten
verschlechtert ist. Es entsteht darüber hinaus durch das Verpressen des nur erdfeuchten,
also einen nur geringen Wasserüberschuß aufweisenden Zement/Abfallgemisches ein Endprodukt
hoher Festigkeit mit geringem Oberflächenabrieb.
[0008] Ein Vorteil des Abbindens des Abfall/Zement-Gemisches unter Druck besteht auch darin,
daß unter diesen Bedingungen eine Vorsortierung des Abfalls in Abfallasche, -schlacke,
-schrott entfallen kann. Unter Druck füllen die fließfähigen Anteile des Abfall/Zement-Gemisches
auch enge Hohlräume aus. Das verpreßte Gemisch weist ein geringes Volumen auf.
[0009] Dem Abfall/Zement-Gemisch wird nach Patentanspruch 2 Wasser bevorzugt in einem Verhältnis
Wasser : Zement im Bereich von 0,29 bis 0,35 : 1 zugemischt. Dabei ist für die untere
Grenze das zum Abbinden des Zements erforderliche stöchiometrische Wasser/Zement-Verhältnis
maßgebend. Die obere Grenze wird durch die Verdichtbarkeit des Gemisches bestimmt,
denn mit zunehmendem Wassergehalt nimmt die Porigkeit des abgebundenen Gemischkörpers
zu. Der Wassergehalt ist so zu bemessen, daß unter Druck kein freies Wasser aus dem
Gemisch ausgepreßt wird. Als optimal für das Verhältnis Wasser : Zement auch bei hohen
Drücken hat sich ein Verhältnis von 0,3 : 1 herausgestellt, Patentanspruch 3.
[0010] Für eine ausreichende Verdichtung des Abfall/Zement-Gemisches ist zumindest ein Druck
von ca. 5 MPa entsprechend 51 kp/cm
2 erforderlich. Mit höherem Druck nimmt die Verdichtung des Abfall/Zement-Gemisches
unterproportional zu: bei einer Verdichtung mit einem um 8,5fach höheren Druck etwa
um das 1,2-fache. Das verdichtete Gemisch wird drucklos abgebunden.
[0011] Die Erfindung wird nachfolgend anhand von Ausführungsbeispielen näher erläutert.
[0012] Als Abfall wurde in einem Verbrennungsofen angefallene trockene radioaktive Asche
in vorliegender heterogener Struktur, also unsortiert mit Portlandzement im Gewichtsverhältnis
Asche : Zement von 2 : 1 vermischt. Zum Abbinden wurde diesem Gemisch Wasser im Verhältnis
Wasser : Zement von 0,3 : 1 zugegeben. Der Gehalt an trockenem Abfall im abzubindenden
Gemisch betrug also etwa 60 Gew. %. Bei bisher angewandtem drucklosen Verfahren betrugen
die Massenverhältnisse Abfall : Zement etwa 0,65 : 1 und Wasser : Zement Z 0,4 : 1.
Das Gemisch enthielt somit nur etwa 30 Gew. % trockenen Abfalls.
[0013] In einer Tabelle sind nachfolgend die durch Anwenden steigenden Druckes p in MPa
[beziehungsweise kp/cm
2] erzielten Dichten

in g/cm3 nach Abbinden und Aushärtung des Gemischkörpers tabellarisch zusammengestellt.

Aus der Tabelle ist ersichtlich, daß mit einer Drucksteigerung um das 8,5fache eine
Dichte- änderung um etwa das 1,2fache erreichbar ist.
[0014] Trotz des hohen Gehaltes an trockenem Abfall im Gemischkörper waren die Korrosionserscheinungen
nach 42tägigem Aufenthalt in deionisiertem Wasser nur gering und vergleichbar mit
jenen von Gemischkörpern, die als Testkörper aus der gleichen Asche in drucklosem
Zementierverfahren hergestellt worden waren und einen geringeren Abfallgehalt aufwiesen.
Auch die Auslaugeigenschaften waren ähnlich. So wurden im Vergleich mit einem Körper
aus abfallfreiem Zementstein, der durch Zugabe von Wasser zu Zement im Verhältnis
von 0,28 : 1 drucklos erzeugt worden war und bei dem nach 14 Tagen 1,29 % der Gesamtmasse
ausgelaugt worden waren, bei einem drucklos hergestellten Gemischkörper mit einem
Abfallgehalt von ca. 30 Gew. % im gleichen Zeitraum eine Auslaugrate von 1,45 % der
Gesamtmasse, bei einem unter 7 MPa verpreßten Gemi
gchkörper mit einem Abfallgehalt von ca. 60 Gew. % eine Auslaugung von 1,71 % der Gesamtmasse
festgestellt.
[0015] Durch Verpressen des Abfall/Zement-Gemisches konnte im Vergleich mit drucklos hergestellten
Gemischkörpern die Aschemasse, die in ein vorgegebenes Endvolumen einzubringen ist,
um 82 % bei einem Druck von p = 5 MPa und um 117 % bei einem Druck von p = 30 MPa
erhöht werden. Bevorzugt wird deshalb zumindest ein Druck von 7 MPa angewandt, Patentanspruch
4. Die Volumenverringerung beim übergang von der Rohasche in den gepreßten, aus Asche,
Zement und Wasser bestehenden Gemischkörper war erheblich. Bei einem Druck von p =
25 MPa ergab sich eine Volumenreduktion um den Faktor 2,7; beim drucklosen Verfahren
liegt dieser Faktor nahe 1.
1. Verfahren zum Konditionieren kontaminierten Abfalls, der insbesondere in Form von
Asche nach Verbrennung brennbaren Abfalls oder als Trockenrückstand bei der Aufarbeitung
von Schlamm gewonnen ist, durch Zementieren, dadurch gekennzeichnet , daß dem trockenen
Abfall ein Zementanteil von nicht weniger als ca. 50 Gew.% des Abfallgewichtes zugegeben
wird, daß nach Vermischen des Abfalls mit dem Zement zum Abbinden Wasser in gering
überstöchiometrischem Verhältnis zum Zement zugemischt und die Mischung unter Druck
verdichtet und abgebunden wird.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet , daß Wasser im Massenverhältnis
Wasser : Zement im Bereich von 0,29 bis 0,35 : 1 zugemischt wird.
3. Verfahren nach Anspruch 2, dadurch gekennzeichnet , daß das Massenverhältnis
Wasser : Zement 0,3 : 1 beträgt.
4. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet , daß
zum Verdichten zumindest ein Druck von ca. 7 MPa angewandt wird.