(19)
(11) EP 0 157 179 A1

(12) EUROPÄISCHE PATENTANMELDUNG

(43) Veröffentlichungstag:
09.10.1985  Patentblatt  1985/41

(21) Anmeldenummer: 85102232.7

(22) Anmeldetag:  28.02.1985
(51) Internationale Patentklassifikation (IPC)4H05B 3/26
(84) Benannte Vertragsstaaten:
AT BE CH DE FR GB IT LI LU NL SE

(30) Priorität: 29.02.1984 DE 3407444
13.09.1984 DE 3433669

(71) Anmelder: Buchtal GmbH Keramische Betriebe
D-8472 Schwarzenfeld/Opf. (DE)

(72) Erfinder:
  • Cremer, Gottfried, Dr.
    D-5000 Köln 40 (Junkersdorf) (DE)
  • Bard, Martin, Dipl.-Ing.
    D-8450 Amberg (DE)

(74) Vertreter: Bockhorni, Josef, Dipl.-Ing. et al
Herrmann-Trentepohl, Kirschner, Grosse, Bockhorni & Partner Forstenrieder Allee 59
81476 München
81476 München (DE)


(56) Entgegenhaltungen: : 
   
       


    (54) Mit einer elektrischen Widerstandsbeschichtung versehener flächiger keramischer Formkörper und Verfahren zur Einstellung des Widerstandswertes der Widerstandsbeschichtung


    (57) Es wird ein flächiger keramischer Formkörper beschrieben, der auf der seiner Sichtseite abgewendeten Seite mit einer elektrischen Widerstandsbeschichtung versehen ist. Um es möglich zu machen, die auf einer damit zu verkleidenden Wand-, Decken- oder Bodenfläche zur Verfügung stehende Strahlungsfläche optimal zu gestalten, mit möglichst wenigen elektrischen Anschluß- und Verbindungselementen auszukommen und eine gleichmässige Wärmeabstrahlung zu gewährleisten, ist unter Verwendung einer aus plastischem keramischem Ausgangsmaterial gepreßten, gewalzten und gebrannten Platte, deren Dicke im Verhältnis zur Oberfläche 1:45000 und deren flächenmässige Erstreckung mindestens das Vierfache einer Platte von 30x30 cm beträgt, die elektrische Widerstandsbeschichtung als Widerstandsschicht aus einem Material ausgebildet, bei dem nichtmetallische, große spezifische Oberfläche aufweisende, elektrisch leitende bei Temperaturerhöhung ihre elektrische Leitfähigkeit nicht wesentlich ändernde Partikel in einer elektrisch nicht oder nur schlecht leitenden Trägersubstanz eingebettet sind, wobei dieses Material so aufgetragen ist, daß die Widerstandsbeschichtung eine gleichmäßige elektrische und thermische Leitfähigkeit aufweist.




    Beschreibung


    [0001] Die Erfindung bezieht sich auf einen flächigen keramischen Formkörper, der auf der seiner Sichtseite abgewendeten Seite mit einer elektrischen Widerstandsbeschichtung versehen ist. Unter einer elektrischen Widerstandsbeschichtung soll eine Beschichtuna verstanden werden, die zwar elektrisch leitfähig, aber schlecht leitend ist, so daß die in sie eingeleitete elektrische Energie in Wärmeenergie umgewandelt wird.

    [0002] Raumheizkörper sind im allgemeinen unterhalb von Fensteröffnungen angebracht, damit die von ihnen erwärmte Raumluft über die Fensteröffnungen hochsteigt und so einen Warmluftvorhang vor der Fensteröffnung erzeugt. Auch bei an Wänden aufgestellten Heizkörpern entsteht eine Luftbewegung vom Boden zur Decke des mit ihnen beheizten Raumes, wobei die vom Heizkörper in den Raum abgestrahlte Wärme nur eine geringe Rolle spielt.

    [0003] In Räumen angebrachte übliche reine Strahlungsheizkörper besitzen nur einen örtlich sehr begrenzten Strahlungsbereich und arbeiten mit hohen Temperaturen.

    [0004] Zum Stande der Technik gehören ferner Fußbodenheizungen, bei denen im Estrich oder unterhalb des obersten Bodenbelages mit flüssigem Wärmeträger beaufschlagte Heizschlangen, aber auch elektrische Heizleiter untergebracht sind. Fußbodenheizungen sind im Aufbau jedoch vergleichsweise umständlich und teuer und bedürfen einer vergleichsweise aufwendigen Steuerung.

    [0005] Es besteht also ein Bedürfnis, Gestaltungselemente der Raumumgrenzung selbst so auszubilden, daß sie einzeln, in Gruppen oder als die gesamte Raumumgrenzung bzw. eines wesentlichen Teiles davon die Aufgabe der Beheizung des Raumes oder eines zu erwärmenden bzw. warmzuhaltenden Teiles der Raumumgrenzung übernehmen können.

    [0006] Als Beispiele für solche Gestaltungselemente von Raumumgrenzungen seien keramische Formkörper, wie Platten genannt, die als Fußboden- oder Wandverkleidungsplatten für die Gestaltung der Wände oder des Fußbodens bzw. der Decke von Wohn-, Geschäfts-und Büroräumen, aber auch von Sanitärräumen, Sport- und Schwimmhallen dienen. Solche keramischen Formkörper können aber auch Formsteine für Schwimmbeckenauskleidungen u. ä. sein.

    [0007] Aus einem Prospekt, herausgegeben von der.Firma Canespa KG, 3005 Hemmingen-Westerfeld, Gutenbergstraße 13, im Jahre 1975, läßt sich bereits ein drahtloses Heizsystem "Canespa-Therm" entnehmen, bei dem auf der Rückseite von Formkörpern und zwar von keramischen Platten, eine Heizlackschicht als elektrische Widerstandsbeschichtung aufgebracht ist. Diese Heizlackschicht ist durch einen Polyurethanschaumkörper abgedeckt. Dieses System konnte sich jedoch nicht durchsetzen, da es immer wieder zu örtlichen überhitzungen mit daraus resultierenden schädlichen Weiterungen kam, die sogar zur Gefährdung von Personen und Sachen führten.

    [0008] Die bisher verwendeten flächigen Formkörper haben Abmessungen von maximal 30 x 30 cm, weil nur bis zu diesen Maßen ihre Herstellung im Trockenpreßverfahren möglich ist, wenn man zu einer möglichst geringen Plattenstärke kommen will.

    [0009] Will man z.B. eine Wandfläche zur Raumbeheitung mit solchen Platten verkleiden, dann benötigt man eine Vielzahl solcher Platten und damit auch eine entsprechend große Anzahl von elektrischen Anschluß-und Verbindungselementen. Außerdem verbleiben zwischen den einzelnen Platten Fugen, die Temperaturlücken bedeuten, so daß der Anteil, der auf der verkleideten Wand an Strahlungsfläche zur Verfügung steht, erheblich verringert wird.

    [0010] Aus der DE-A 19 24 202 und der nicht vorveröffentlichten DE-A 33 25 204 ist eine flächenförmige elektrische Heizvorrichtung mit einem ein Heizelement aufnehmenden flächigen Träger bekannt, bei der das Heizelement die Form einer dünnen Schicht aus elektrisch leitendem Material aufweist, das auf eine Oberfläche des Trägers aufgetragen ist. Selbst wenn, wie in der DE-A 33 25 204 beschrieben, das elektrisch leitende Material ganz oder teilweise aus Halbleitermaterial besteht, läßt sich damit kein Erfolg erzielen, weil sich aus derartigem Material die Schichten hinsichtlich ihres elektrischen Widerstandes nicht reproduzierbar herstellen lassen. Die Heizvorrichtungen weisen also von Stück zu Stück unterschiedliche Heizleistungen auf.

    [0011] Die Erfindung hat sich zum Ziel gesetzt, einen flächigen keramischen Formkörper vorzuschlagen, mit dessen Hilfe es möglich ist, die auf einer damit zu verkleidenden Wand-, Decken- oder Bodenfläche zur Verfügung stehende Strahlungsfläche optimal zu gestalten, mit möglichst wenigen elektrischen Anschluß- und Verbindungselementen auszukommen und eine gleichmäßige Wärmeabstrahlung zu gewährleisten.

    [0012] Die _der Erfindung zugrunde liegende Aufgabe wird durch einen Formkörper mit den Merkmalen nach Anspruch 1 gelöst.

    [0013] Soll beispielsweise eine Fläche von 120 x 120 cm mit Platten belegt werden, so ergibt sich bei Belegung mit 30 x 30 cm - Platten, wie sie bisher üblich waren, eine Verlustfläche von ca. 19,8 %, berechnet auf die Gesamtfläche, die für die Abstrahlung nicht zur Verfügung steht. Diese Verlustfläche wird bei Anwendung des Vorschlages nach der Erfindung auf 8,8 % verringert, wenn man Platten der angegebenen Art in der Größe von 60 x 60 cm verwendet. Diese Werte lassen sich noch weiter verbessern, wenn die Flächenabmessungen der Platten weiter vergrößert werden.

    [0014] Es gibt von der Anmelderin hergestellte Platten mit Abmessungen bis zu 200 x 200 cm, die sich mit entsprechenden Widerstandsbeschichtungen versehen lassen und außerdem durch Aufgliederung und in Kombination mit Platten kleinerer Abmessungen auch eine beliebige Dekoration zu gestalten gestatten. Überhitzungen, insbesondere örtliche Überhitzungen sind nach den Erfahrungen der Anmelderin nicht beobachtet worden.

    [0015] Man kann somit ein Heizelement in Form eines Strahlungsheizelementes schaffen, das durch beliebige Vervielfachung beispielsweise eine gesamte Wand-, Decken- oder Fußbodenfläche abdecken kann und über den gesamten Rauminhalt wirkt, ohne daß es zu einer Umwälzung der Raumluft kommt. Da keine abkühlende Luftbewegung vorhanden ist, läßt sich ein gleiches Wohlbefinden im Raum mit wesentlich niedrigerer Raumtemperatur erzielen, was zu einer erheblichen Energieeinsparung führt.

    [0016] Beimerfindungsgemäßen heizbaren keramischen Formkörper erhält man eine gleichmäßige flächige Beheizung, da die Formkörper hinsichtlich ihrer Heizleistung exakt reproduzierbar sind.

    [0017] Bei örtlichen Fehlern in der elektrischen Widerstandbeschichtung wird die Heizleistung praktisch nicht unterbrochen. Es kommt allenfalls zu einer geringfügigen örtlichen Minderung der Heizleistung, nicht aber zu einer vollständigen Unterbrechung derselben. Außerdem kommt es nicht zu örtlichen Überhitzungen.

    [0018] Die elektrische Widerstandsbeschichtung kann aus einer Schicht aus einem alterungsbeständigen Kunstharz mit elektrisch leitender Beimischung z.B. einer reinen Graphitbeimischung und von solchem Aufbau bestehen, daß die Schicht einen entsprechend der benötigten elektrischen Leistung notwendigen Widerstandswert aufweist.

    [0019] Der Widerstandswert kann dabei auf Werte von wenigen Ωbis zu mehreren kΩ eingestellt werden, und zwar durch Änderung des Anteiles an leitender, z.B. Graphitbeimischung und/oder Änderung der Schichtstärke. Die Schichtstärke liegt normalerweise zwischen 10 und 50 µm.

    [0020] Bei einer Platte von 100 cm x 100 cm beträgt die elektrische Leistungsaufnahme beispielsweise ca. 100 W, bei einer solchen von 60 x 60 cm ca. 30 W.

    [0021] Alterungsbeständig bedeutet im Falle der erfindungsgemäß gewählten Schicht eine Beständigkeit bei einer Dauerbeanspruchung bis ca. 100°C über die Lebensdauer des keramischen Formkörpers.

    [0022] In alternativer Ausbildung der Erfindung besteht die elektrische Widerstandsbeschichtung aus einer elektrischen Widerstandsfolie, die eine Polyester-Deckschicht, eine mit Zu- und Ableitungen versehene elektrisch leitende Zwischenschicht, z.B. eine Graphit- und/oder Rußschicht als Widerstandsschicht und eine Polyester-Unterschicht aufweist. Solche Widerstandsfolien sind an sich bekannt. Die Zu-und Ableitungen zur Widerstandsschicht sind im allgemeinen in Form von Kupferbändern ausgebildet. Das Problem der Verwendung solcher Widerstandsfolien besteht jedoch darin, daß Polyesterschichten nur schlecht an der Widerstandsschicht haften, so daß ein auf der der Sichtseite abgewendeten Seite mit einer solchen Widerstandsfolie versehene keramische Formkörper auch bei Verwendung eines z.B. auf einer verputzten Wandung bzw. der Formkörperrückseite und an den Polyesterschichten haftenden Klebers ein Halt des Formkörpers, z.B. einer keramischen Platte, an der Anbringstelle nicht mit ausreichender Sicherheit gewährleistet ist.

    [0023] Andererseits empfiehlt sich über die Verwendung von Polyester als Material für die Deck- und Unterschicht, weil Polyester sehr alterungsbeständig ist.Das beim Einsatz von Polyestermaterial für die Deck- und Unterschicht der Widerstandsfolie auftretende Problem läßt sich aber lösen, wenn gemäß einer abgeänderten Ausführungsform der Erfindung die Widerstandsschicht unter Belassung von von ihr nicht abgedeckter Bereiche flächenmäßig gegliedert ist, die Gliedflächen untereinander elektrisch in Verbindung stehen und in den von der Widerstandsschicht nicht abgedeckten Bereichen örtlich Durchbrechungen der Widerstandsfolie vorgesehen sind.

    [0024] Man kann dabei mit einem Kleber arbeiten, der nur an Putz- und Keramikflächen, nicht aber oder nur schlecht an einer Polyesteroberfläche haftet, weil die Widerstandsfolie örtlich durchbrochen, z.B. durchstanzt und über den in den Durchbrechungen freiliegenden oder sie wenigstens teilweise durchsetzenden Kleber auf die der Sichtseite des keramischen Körpers abgewendete Seite desselben aufgebracht ist.

    [0025] Klebt man einen derart ausgebildeten keramischen Formkörper auf eine Putzschicht od. dgl. mit Hilfe eines für das Ankleben von keramischen Formkörpern auf Wandflächen od. dgl. üblichen Kleber, dann erfolgt die Haftung über den in den Durchbrechungen freiliegenden oder aus ihnen heraustretenden Kleber und man erhält so eine zwar nur örtliche, aber bei richtiger Bemessung des Durchbrechungsrasters ausreichende Befestigung des keramischen Formkörpers an dem für seine Aufnahme vorgesehenen Untergrund.

    [0026] Besonders vorteilhaft ist es, die elektrische Widerstandsbeschichtung in Form einer Widerstandsglasur aufzubringen. Diese Glasur wird auf den bereits gebrannten Formkörper aufgebracht und durch nochmaliges Brennen des Formkörpers fixiert. Als Glasur muß eine solche Glasur gewählt werden, deren Schmelzpunkt nicht über 750°C liegt. Glasuren mit höherem Schmelzpunkt haben sich als ungeeignet erwiesen.

    [0027] Eine weitere Möglichkeit besteht darin, den Kleber, mit dem der keramische Formkörper auf dem Trägeruntergrund fixiert werden soll, selbst als elektrischen Widerstand auszubilden. Es ist dabei möglich, zwei verschiedene Kleberarten zu verwenden, wobei der dem Formkörper benachbarte Kleber aus elektrischem Widerstandsmaterial besteht, während der auf dem Untergrund zu liegen kommende Kleber ein elektrisch isolierender Kleber ist. Die Kleber weisen im wesentlichen gleiche Wärmeausdehnungseigenschaften und chemische Verträglichkeit auf, so daß auf diese Weise eine besonders einfache Befestigung des keramischen elektrischen Widerstandsformkörpers möglich ist.

    [0028] Es ist zwar bereits aus der DE-A 19 24 202 bekannt, auf der Sichtseite von keramischen Formkörpern eine elektrisch leitende Glasur aufzubringen. Diese Glasur dient aber nur zur Ableitung statischer Elektrizität, d.h. sie ist so hochohmig, daß sie für Heizzwecke ungeeignet ist.

    [0029] Als Material für die elektrisch leitende Widerstandsschicht kann ein Material gewählt werden, das bei Beaufschlagung mit elektrischem Strom einen solchen Temperaturgang aufweist, daß die Stromaufnahme des Materials bei zunehmender Erwärmung stark abnimmt.

    [0030] In der DE-A 33 25 204 wird bei der Verwendung von Halbleitern als leitendes Material für ein Heizelement zwar angegeben, gerade Halbleiter würden einen gewünschten negativen Temperaturkoeffizienten aufweisen, dem stehen aber die Ausführungen in Römpp entgegen, wonach in Halbleitern die Leitfähigkeit normalerweise stark mit der Temperatur zunimmt.

    [0031] Die Kontaktierung der elektrischen Widerstandsbeschichtung erfolgt zweckmäßig durch Kontaktierungselemente, die symmetrisch auf der elektrischen Widerstandsschicht angeordnet sind. So können beispielsweise bei quadratischen oder rechteckigen Platten die Kontaktierungselemente längs zweier voneinander abgewendeter Kanten der Platte in Form von Kontaktierungsbändern vorgesehen sein.

    [0032] Handelt es sich bei der Platte um eine keramische Platte, die auf ihrer Rückseite eine Reliefierung aufweist, so verlegt man die Kontaktierungselemente zweckmäßig in die an den voneinander abgewendeten Kanten vorhandenen Kanäle zwischen den diese begrenzenden Stegen.

    [0033] Durch eine Weiterbildung der Erfindung ist es möglich, die Widerstandswerte von elektrischen Widerstandsbeschichtungen auf solchen Formkörpern auch nachträglich noch auf gewünschte Werte fein einzustellen.

    [0034] Dies geschieht gemäß der Weiterbildung der Erfindung dadurch, daß zur Erhöhung des Widerstandswertes die Schichtdicke der Widerstandsbeschichtung reduziert oder die Widerstandsbeschichtung erwärmt wird.

    [0035] Bei der Erhöhung des Widerstandswertes der Widerstandsbeschichtung geht man zweckmäßig so vor, daß die Schichtdecke der Widerstandsbeschichtung durch Sandstrahlen, Elektroerosion, Abbürsten o. dgl. reduziert wird, oder aber die Widerstandsschicht von außen her, beispielsweise durch Beflammen oder Bestrahlen erwärmt wird. Es ist aber auch möglich, elektrischen Strom mit erheblich höherer Stärke als bei Normalbetrieb durch die Widerstandsbeschichtung zu leiten. Dadurch wird die Struktur der Widerstandsbeschichtung so geändert, daß es zu einer entsprechenden Erhöhung des Widerstandswertes insgesamt kommt.

    [0036] Die Zeichnung zeigt in

    Fig. 1 eine Rückansicht eines als Platte ausgebildeten Formkörpers mit elektrischer Widerstandsschicht und Kontaktierungselementen;

    Fig. 2 eine Draufsicht auf eine keramische Platte, auf die eine elektrische Widerstandsfolie aufgebracht ist;

    Fig. 3 einen stark vergrößerten Teilschnitt durch die Platte nach Fig. 2; und in

    Fig. 4 einen Schnitt durch eine mit Widerstandbeschichtung versehene Platte.



    [0037] In Fig. 1 ist mit 1 allgemein eine keramische Platte bezeichnet, deren Abmessungen z. B. 85 x 125 cm bei einer Dicke von 0,8 cm betragen. Auf der Rückseite 2 befindet sich eine elektrische Widerstandsschicht. Mit 3 und 4 sind bänderartige Kontaktierungselemente bezeichnet, die auf die elektrische Widerstandsschicht aufgeklebt oder auf ihr in anderer Weise befestigt sind. 5 und 6 bedeuten die Stromzuleitungen.

    [0038] In Fig. 2 ist mit 31 allgemein ein keramischer Formkörper bezeichnet, der, wie Fig. 3 zeigt, aus einer keramischen Platte 41, einer Kleberschicht 42 und einer Widerstandsfolie 43 aufgebaut ist. Die Widerstandsfolie besteht aus einer über die Kleberschicht 42 mit der der Sichtseite 44 der Platte abgewendeten Seite 45 verbundenen Polyester-Deckschicht 46, einer am Rand mit Zu- und Ableitungen in Form von Kupferbändern 32, 33 mit Stromzuleitungen 32', 33' (Fig. 2) versehenen Graphit- und/oder Rußzwischenschicht 47 als Widerstandsschicht und einer Polyester-Unterschicht 48, über die der keramische Formkörper an die tragende Fläche 50, z.B. eine verputzte Wandung angeklebt wird. Die Widerstandsfolie 43 enthält beim dargestellten Ausführungsbeispiel drei Bahnen 43a, 43b, 43cmit Widerstandsschichtmaterial.

    [0039] Zwischen den Bahnen 43a und 43b bzw. 43b und 43c befinden sich Bereiche 51 und 52, in denen kein Widerstandsschichtmaterial vorhanden ist. Dagegen grenzt die Bahn 43a über ein Leitungsband ähnlich dem Leitungsband 32 oder 33 an den Bereich 51. Desgleichen die Bahn 43 über ein entsprechendes Leitungsband an den Bereich 52,während die Bahn 43b beidseitig über Leitungsbahnen an die Bereiche 51 und 52 angrenzt. In den Bereichen 51 und 52, in denen die Schichten 46 und 48 aufeinander liegen, befinden sich Durchbrechungen 53, durch die der Kleber 42 hindurchgreift und mit dem Kleber 54 auf der tragenden Fläche 50 in Verbindung steht. Die einzelnen Leitungsbahnen lassen sich in beliebiger Weise zusammenschalten. Anstelle einer einzigen Platte 31 können auch drei jeweils den Bahnen 43a, 43b und 43c entsprechend zugeordnete Teilplatten treten.

    [0040] Bei der möglichen Ausgestaltung der leitenden Zwischenschicht oder Widerstandsschicht in einer Ausbildung, bei der sie unter Belassung von von ihr nicht abgedeckten Bereichen flächenmäßig gegliedert ist, kann es sich z. B. um eine mäanderartige Anordnung der Widerstandsschicht oder um eine Aufgliederung derselben in mehrere flächige, aber elektrisch miteinander verbundene oder nachträglich noch zu verbindende Teilschichten in Form von Bändern, Flächenstücken od. dgl. handeln. Die Auswahl des entsprechenden Musters richtet sich nach den örtlichen Gegebenheiten und/oder den technischen Erfordernissen.

    [0041] In Fig. 4 ist bei 91 eine keramische Platte angedeutet, auf die eine Widerstandsschicht 92 auf getragen ist. Die Auftragsdicke dieser Widerstandsbeschichtung 92 wird mittels einer geeigneten Maßnahme, z. B. Sandstrahlen, Elektroerosion, Abbürsten od. dgl. in ihrer Dicke reduziert, im wiedergegebenen Ausführungsbeispiel mit Hilfe einer z. B. rotierenden Bürste 93, so daß die Auftragsdicke auf die Solldicke, wie sie im Bereich 94 angedeutet ist, abnimmt.

    [0042] 05 Damit nimmt auch die Leitfähigkeit dieser Schicht ab, d. h. der Flächenwiderstand steigt.


    Ansprüche

    1. Flächiger keramischer Formkörper, der auf der seiner Sichtseite abgewendeten Seite mit einer elektrischen Widerstandsbeschichtung versehen ist, dadurch gekennzeichnet, daß unter Verwendung einer aus plastischem keramischen Ausgangsmaterial gepreßten, gewalzten und gebrannten Platte, deren Dicke im Verhältnis zur Oberfläche 1:45000 und deren flächenmäßige Erstreckung mindestens des Vierfache einer Platte von 30 x 30 cm beträgt, die elektrische Widerstandsbeschichtung als Widerstandsschicht aus einem Material ausgebildet ist, bei dem nichtmetallische, große spezifische Oberfläche aufweisende, elektrisch leitende bei Temperaturerhöhung ihre elektrische Leitfähigkeit nicht wesentlich ändernde Partikel in einer elektrisch nicht oder nur schlecht leitenden Trägersubstanz eingebettet sind und dieses Material so aufgetragen ist, daß die Widerstandsbeschichtung eine gleichmäßige elektrische und thermische Leitfähigkeit aufweist.
     
    2. Formkörper nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß die elektrische Widerstandsbeschichtung aus einer Schicht aus einem alterungsbeständigen Kunstharz mit elektrisch leitender Beimischung, z.B. einer Graphitbeimischung und von solchen Aufbau besteht, daß die Schicht einen entsprechend der benötigten elektrischen Leistung notwendigen elektrischen Widerstandswert aufweist.
     
    3. Formkörper nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß die elektrische Widerstandsschicht aus einer elektrischen Widerstandsfolie besteht, die auf der der Sichtseite des keramischen Formkörpers abgewendeten Seite desselben wenigstens örtlich fixiert, vorzugsweise flächig aufgeklebt ist und die aus einer Polyester-Deckschicht, einer mit Zu- und Ableitungen versehenen leitenden Zwischenschicht als Widerstandsschicht und einer Polyester-Unterschicht besteht, und daß die Widerstandsfolie auf der der Sichtseite des keramischen Formkörpers abgewendeten Seite desselben mit einem sowohl an einer keramischen Fläche als auch an einer Polyesterfläche haftenden Kleber befestigt ist.
     
    4. Formkörper nach einem oder mehreren der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß die elektrisch leitende Zwischenschicht eine Graphit- und/oder Rußschicht ist.
     
    5. Formkörper nach Anspruch 3 oder 4, dadurch gekennzeichnet, daß die Widerstandsschicht unter Belassung von ihr nicht abgedeckter Bereiche innerhalb der Widerstandsfolie flächenmäßig gegliedert ist, die Gliedflächen untereinander elektrisch in Verbindung stehen und in den von der Widerstandsschicht nicht abgedeckten Bereichen örtlich Durchbrechungen der Widerstandsfolie vorgesehen sind.
     
    6. Formkörper nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß die elektrische Widerstandsbeschichtung aus einer elektrischen Widerstandsglasur besteht, deren Schmelzpunkt nicht über 750°C liegt.
     
    7. Formkörper nach Anspruch 3, dadurch gekennzeichnet, daß die elektrische Widerstandsbeschichtung aus einem elektrischen Widerstandskleber besteht.
     
    8. Formkörper nach Anspruch 7, dadurch gekennzeichnet , daß der elektrische Widerstandskleber durch einen elektrisch isolierenden Kleber abgedeckt ist.
     
    9. Formkörper nach einem oder mehreren der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß als Material für die elektrisch leitende Widerstandsschicht ein Material gewählt ist, das bei Beaufschlagung mit elektrischem Strom einen solchen Temperaturgang aufweist, daß die Stromaufnahme des Materials bei zunehmender Erwärmung stark abnimmt.
     
    10. Formkörper nach einem oder mehreren der vorhergehenden Ansprüche , dadurch' gekennzeichnet, daß die elektrische Widerstandsbeschichtung mit leitenden Kontaktierungselementen versehen ist.
     
    11. Raumheizelement nach Anspruch 10, dadurch gekennzeichnet, daß die leitenden Kontaktierungselemente im wesentlichen aus dem Grundmaterial der Widerstandsschicht bestehen, in das zur Erhöhung der elektrischen Leitfähigkeit zusätzlich Partikel hoher elektrischer Leitfähigkeit oder die vorhandenen leitenden Partikel in einer höheren Konzentration eingebettet sind.
     
    12. Formkörper nach einem oder mehreren der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet , daß die elektrische Widerstandsbeschichtung mit Kontaktierungselementen für den elektrischen Anschluß des Formkörpers an ein Stromnetz über ein Material innig verbunden ist, das bei Beaufschlagung mit elektrischem Strom einen solchen Temperaturgang aufweist, daß die Stromaufnahme des Materials bei zunehmender Erwärmung stark abnimmt.
     
    13. Formkörper nach einem oder mehreren der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß die Schichtdicke der Widerstandsbeschichtung gegenüber der ursprünglichen Auftragsdicke reduziert ist.
     
    14. Formkörper nach einem oder mehreren der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß die Verteilung der leitfähigen Partikel in der Widerstandsbeschichtung örtlich verdichtet ist.
     
    15. Verfahren zur Herstellung eines Formkörpers nach Anspruch 13 oder 14, dadurch gekennzeichnet, daß zur Erhöhung des Widerstandswertes die Schichtdicke der Widerstandsbeschichtung reduziert bzw. die Widerstandsbeschichtung erwärmt wird.
     
    16. Verfahren nach Anspruch 15, dadurch gekennzeichnet, daß die Schichtdicke der Widerstandsbeschichtung durch Sandstrahlen, Elektroerosion, Abbürsten od. dgl. reduziert wird bzw. das Erwärmen der Widerstandsbeschichtung durch Erwärmen von außen her, wie durch Beflammen oder Bestrahlen oder durch Hindurchleiten elektrischen Stroms erfolgt.
     
    17. Verwendung eines keramischen Formkörpers nach einem oder mehreren der vorhergehenden Ansprüche als heizbarer Formkörper für Schwimmbeckenauskleidungen und/oder als heizbare Wand-, Tisch-, Decken- oder Fußbodenplatte und/oder Heizkörperabdeckung.
     




    Zeichnung













    Recherchenbericht