(19)
(11) EP 0 160 767 A1

(12) EUROPÄISCHE PATENTANMELDUNG

(43) Veröffentlichungstag:
13.11.1985  Patentblatt  1985/46

(21) Anmeldenummer: 84810182.0

(22) Anmeldetag:  12.04.1984
(51) Internationale Patentklassifikation (IPC)4D06P 5/00, B41M 5/025, D06L 3/12
(84) Benannte Vertragsstaaten:
CH DE FR GB IT LI

(71) Anmelder: SICPA HOLDING S.A.
CH-8750 Glarus (CH)

(72) Erfinder:
  • Amon, Albert
    CH-1005 Lausanne (CH)
  • Mehl, Wolfgang, Dr.
    CH-1209 Genf (CH)

(74) Vertreter: Mohnhaupt, Dietrich et al
DIETLIN, MOHNHAUPT & Cie S.A. Rue des Epinettes 19
1227 Genève
1227 Genève (CH)


(56) Entgegenhaltungen: : 
   
       


    (54) Verfahren zum Bedrucken von Naturseide-Substraten im Transferdruck


    (57) Beim Bedrucken von Seide nach der Technik des Sublimations-Transferdruckes tritt Vergilben ein. Dies verhindert man dadurch, dass man die Seide mit einem flüssigen oder festen Imprägniermittel vorbehandelt, trocknet und vor, während oder nach der Vorbehandlung einen optischen Aufheller aufbringt, der nicht für Seide, sondern für Polyesterfasern vorgesehen ist. Anstelle oder neben dieser Massnahme kann man Farbstoffe verwenden, die bei tieferen Temperaturen als solchen übergehen, die zu einer Vergilbung führen würden, an sic aber migrieren, und die Migration durch Vorbehandlung mit migrationsverhindernden, festen Imprägniermitteln verhindert.
    Man erhält farbstarke, brillante, echte Drucke.


    Beschreibung


    [0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zum Bedrucken von Textilmaterialien, die ganz oder teilweise aus Naturseidenfasern bestehen, nach dem Prinzip des Transferdrucks von einem Umdruckträger bei erhöhter Temperatur. Das Prinzip solcher Druckübertragungsverfahren ist z.B. in.den FR-PS 1 233 330 und 1 585 119 beschrieben.

    [0002] Da Naturseide und naturseidenhaltige Textilmaterialien ausgesprochen Modeartikel sind, würde der Transferdruck bei der farblichen Ausstattung dieser Textilgebilde grosse Vorteile bieten, insbesondere Flexibilität der Dessin-Lagerhaltung, die Möglichkeit, hochwertige Dessins rationell herzustellen, Einfachheit des Verfahrens, Abwesenheit von Gewässerverschmutzung, Erzeugung von Halbtönen usw. Dazu kommt, dass es sich bei der Seidenstoffen sehr oft um leichte Ware bis herunter zu 20 g/m2 handelt, die sich in Transferdruckmaschinen sehr bequem, nach den klassischen Flottenverfahren aber nur mit grossen Schwierigkeiten, wenn überhaupt, färben lässt.

    [0003] Naturseide besitzt jedoch praktisch keine Affinität zu Dispersionsfarbstoffen, die im Transferdruck verwendet werden, so dass es nicht möglich ist, echte Drucke zu erzeugen. Zur Behebung dieser Schwierigkeit wurde nun bereits vorgeschlagen, das Textilsubstrat vorzubehandeln, um eine solche Affinität zu erzeugen.

    [0004] Zwei Wege hat man grundsätzlich ins Auge gefasst. In der JP-A B-106 883 ist beschrieben, dass man Naturseidenfasern durch Aufpfropfen von Styrol oder anderen Vynilmonomeren chemisch modifiziert. Dieses Verfahren verleiht den Seidenfasern eine gewisse Affinität zu Dispersionsfarbstoffen, ist jedoch umständlich und teuer und beeinflüsst natürlich auch andere Eigenschaften der Naturfaser nicht immer in vorteilhaftem Sinne. Es hat sich daher nicht eingeführt.

    [0005] Als zweite Möglichkeit, die Affinität der Seidenfaser gegenüber Dispersionsfarbstoffen zu erhöhen, wird in der JP-A 53-78386 und der FR-A 2 296 537 vorgeschlagen, eine temporäre Affinität der besprochenen Art dadurch herbeizuführen, dass man vor dem Transferdruck das Textilmaterial aus Naturseide mit einem wässrigen Imprägniermittel behandelt und das Textilgut dann trocknet. Die Wirkung dieser Vorbehandlung scheint darin zu bestehen, dass das Wasser der Behandlungsflotte die Seidenfaser aufquellt, und dass dann der so erzeugte Quellungszustand nach dem Wasserentzug erhalten bleibt. Beim Transferdruck dienen dann die verbliebenen Imprägniermittel als lösende Phase für die Dispersionsfarbstoffe, die sich auf diese.Weise - wahrscheinlich nur zu einem kleinen Teil - in Faserhohlräume einlagern können. Für diesen Mechanismus spricht, dass annehmbare Echtheiten erst erreicht werden, wenn man das Imprägniermittel nach erfolgtem Druck auswäscht; der eingelagerte Farbstoff sollte dann wegen der Abwesenheit des lösenden Imprägniermittels fixiert sein.

    [0006] Allerdings hat sich dieses an sich elegante Verfahren in der Praxis auch nicht durchsetzen können, da die Seide bei den für den Transferdruck üblichen Temperaturen von 200 bis 210° während der Transferzeit bei Anwesenheit solcher Imprägniermittel - meist Polyalkohole - stark vergilbt; will man dies vermeiden, indem man die Transfertemperatur senkt, z.B. auf 190 bis 200oC, so werden die zum Seidendruck erforderlichen brillanten Farbtöne mit den für Transferdruck von Polyester üblichen Dispersionsfarbstoffen nicht erreicht und das Vergilben auch nur vermindert und nicht ganz behoben.

    [0007] In diese Gruppe des Transferdruckes von Seide gehört die in der JP-A 53-78386 beschriebene Verfahrens-. variante, die gut reibechte Drucke liefern soll und darin besteht, dass ein Seidengewebe mit einem mehrwertigen Alkohol behandelt wird, dessen Siedepunkt über 140oC liegt, und das vorbehandelte Gewebe mit basischen Farbstoffen thermisch trocken bedruckt wird. Die Waschechtheit ist nicht angegeben, dürfte aber unzureichend sein, da die Färbung nicht waschechter sein kann als das eingebrachte Polyol. Da weiterhin der Transferdruck mit basischen Farbstoffen umständlich und die Anzahl der erreichbaren Farbtöne mit solchen Farbstoffen begrenzt ist, die Seidenstoffe von diesen Farbstoffen schlecht penetriert werden und ausserdem ebenfalls ein Vergilben des Substrats beobachtet wird, kann dieser Vorschlag auch nicht zum Ziel führen.

    [0008] Schliesslich sind Farbstoffe bekannt geworden, z.B. C.I. Solvent Blue 36, die bei relativ tiefen Temperaturen, z.B.170 bis 180°C, in 30 bis 40 sec und mit guter Ausbeute vom Umdruckträger auf Seide übertragen werden. Diese Farbstoffe sind aber bei Zimmertemperaturen so beweglich, dass sie in den verwendeten, in der Seide befindlichen Quellmitteln so schnell und stark migrieren und rekristallisieren, dass bereits nach einer Lagerzeit von wenigen Stunden - also eine Lagerzeit, die vor dem Waschen in der Regel in Kauf genommen werden muss und kaum verkürzt werden kann, deutliche Niveauunterschiede und Verfärbungen im ursprünglich erhaltenen Druckbild eintreten. Auch beidenbeiden eingangs besprochenen, mit Imprägniermittel arbeitenden bekannten Verfahren soll recht bald gewaschen werden; nach der FR-A 2 296 537 wird gleich nach dem Transferdruck kalt gespült'und 15 Minuten bei 500 geseift.

    [0009] Es ist das Ziel und die Aufgabe der vorliegenden Erfindung, ein Verfahren zum Transferdruck von Reinseiden-und Mischfasertextilien anzugeben, das die besprochenen Nachteile nicht besitzt, während die dem Transferdruck innenwohnenden Vorteile beibehalten werden. Auch die bisher benutzten Vorrichtungen zur Verfahrensdurchführung sollen weiterbenutzt werden können.

    [0010] Die Vergilbung der Naturseide beim Transferdruck könnte grundsätzlich dadurch kompensiert, d.h. unsichtbar gemacht werden, indem man die Seide mit einem für dieses Material speziell entwickelten optischen Aufheller behandelt (z.B. "Uvitex WG", Ciba-Geigy AG). Solche optische Aufheller eignen sich jedoch nicht für kombinierte Anwendung und müssen getrennt, d.h. in einem gesonderten Färbeprozess, aufgetragen werden. Eine solche zweite Vorbehandlung bzw. Nachbehandlung wäre für das betrachtete Transferdruckverfahren zu kompliziert und teuer und daher nicht tragbar.

    [0011] Ueberraschenderweise wurde gefunden, dass eine Vergilbung der Seide beim oben genannten zweiten Verfahren des Standes der Technik zuverlässig vermieden werden kann, wenn man vor, bei oder nach der beschriebenen Vorbehandlung des Textilgutes einen für die optische Aufhellung von Polyestermaterialien, also nicht für Naturseide, vorgesehenen optischen Aufheller aufbringt, d.h. vor dem Transferdruck selbst. Normalerweise gibt man solche Aufheller der wässrigen Vorbehandlungsflotte bei, die das Imprägniermittel enthält.

    [0012] Als optische Aufheller für Polyester, die beim erfindungsgemässen Verfahren verwendbar sind, kommen im allgemeinen solche in Betracht, die nichtionogene heterocyclische Verbindungen darstellen, insbesondere Oxazol- und Triazinderivate. Nach dem heutigen Stand der Technik sind die bekannten optisch aufhellend wirkenden Stilbenderivate nicht für Polyester und daher auch nicht im Rahmen der Erfindung geeignet. Als Industrieprodukte, die erfindungsgemäss verwendbar sind und in obige Klasse gehören, kommen beispielsweise die folgenden in Betracht :

    Die angewendete Menge der optischen Aufheller in der wässrigen Vorbehandlungsflotte soll so gewählt werden, dass die nach der Applikation auf der Seide zurückbleibende Menge zur Vermeidung eines vergilbten Aussehens gerade ausreicht; höhere Mengen bringen keinen Vorteil. Die ausreichende Menge lässt sich durch ganz wenige Versuche sehr rasch bestimmen. Sie liegt in der Grössenordnung von 0,2 bis 5 Gew.-%, bezogen auf trockenes, vorzubehandelndes Seidengewebe. Wenn man die Vorbehandlungsflotte in solchen Mengen auf das Seidengewebe aufbringt, dass eine ca. 100 %ige Auflage resultiert, so enthält die Vorbehandlungsflotte bevorzugt 0,2 bis 5 Gew.-% an Aufheller.

    [0013] Die Vorbehandlung an sich kann nach den Arbeitsweisen der oben aufgeführten Veröffentlichungen ausgeführt werden; am verbreitetsten ist das .Klotzen auf dem Foulard. Die Vorbehandlungsflotte enthält soviel Imprägniermittel, dass nach dem Aufbringen auf das Seidengewebe und dem Trockenen 15 bis 30 Gew.-%, bevorzugt etwa 20 Gew.-% an Imprägniermittel im Gewebe verbleiben.

    [0014] Als Imprägnierungsmittel, die vor dem Transferdruck in wässriger Phase, d.h. in Lösung, Suspension oder Dispersion, als Vorbehandlungsmittel aufgebracht werden können, dienen im allgemeinen mehrwertige, monomere oder polymere Polyalkohole, die bei Temperaturen unter 60°C fest sind und im Temperaturbereich von 60 bis 160°C schmelzen, farblos sind, Seide nicht angreifen und im flüssigen, jedoch nicht im festen Zustand auf die verwendeten Dispersionsfarbstoffe lösend einwirken, wobei diese letztere Bedingung natürlich nur auf die Kombination aus gewähltem Farbstoff und eingesetztem Imprägnierungsmittel zuzutreffen braucht.

    [0015] Als Imprägniermittel im erfindungsgemässen Verfahren haben sich besonders bewährt :

    Polyäthylenglycol mit einem durchschnittlichen Molekulargewicht von 200 bis 1000, insbesondere 300 bis 600; Polypropylenglycol mit einem durchschnittlichen Molekulargewicht von 400 bis 1100, insbesondere 400 bis 900; Polyäthylen-polypropylen-glycol; 1,1,1-Tris-(hydroxymethyl)-propan; 1,1,1-Tris-(hydroxymethyl)-äthan; f -Caprolactam; Nicotinsäureamid; Isonicotinsäureamid; Isopropylenharnstoff; Aethylenharnstoff und Glyoxylmonourein.



    [0016] Als Farbstoffe eignen sich die für den Transferdruck normalerweise auf Polyestersubstrate verwendeten Farbstoffe, im allgemeinen Dispersionsfarbstoffe, wie beispielsweise C.I. Disperse Red 60, C.I. Disperse Yellow 54, C.I. Disperse Blue 331, C.I. Disperse Blue 72, C.I. Disperse Blue 19, C.I. Disperse Violet 1. Je wasserunlöslicher die Farbstoffe sind, desto besser sind in der Regel die erzielbaren Waschechtheiten.

    [0017] Die Verwendung der Trichromien, die als Blaufarbstoff 1,4-Diisopropylaminoanthrachinon, als Rotfarbstoff l-Amino-2-chlor-4-hydroxyanthrachinon (es kann auch l-Amino-2-brom-4-hydroxyanthrachinon benutzt werden), und als Gelbfarbstoff das Produkt mit der Formel

    enthalten zum Bedrucken von Seide ist neu und soll - besonders hervorgehoben werden.

    [0018] Allerdings handelt es sich dabei um migrierende Farbstoffe, und zur Vermeidung von Migration sollen die angegebenen Trichromien nur in Verbindung mit Seidensubstraten eingesetzt werden, die mit einem der vorstehend beschriebenen Imprägniermittel vorbehandelt sind, die bis mindestens 60°C fest sind.

    [0019] Die Ausführung des Transferdruckes kann in der Praxis wie üblich vorgenommen werden; es wird auf die oben genannten Veröffentlichungen zum Stand der Technik verwiesen. Allerdings wurde gefunden, dass für spezielle Substrate und Effekte auch besonders angepasste Verfahrensbedingungen eingestellt werden sollten. Die für Naturseide erforderlichen brillanten Farbtöne und ausreichenden Allgemeinechtheiten des Druckes werden mit Umdruckbedingungen von 30 Sekunden/ 205°C erreicht. Die Penetration des Druckbildes, die für viele Seidenprodukte wie Schals usw. verlangt wird - Vorder- und Rückseite sollen sich nicht sichtbar voneinander unterscheiden -, ist für leichtere Seidenstoffqualitäten mit einem Flächengewicht von höchstens 50 g/m2 hervorragend. Höhergewichtige Stoffe erhalten dieses Druckbild, wenn der Anpressdruck des Umdruckträgers an das Textilmaterial erhöht wird, z.B. auf 10 bis 10 Pa, z.B. und bevorzugt 5 x 10 Pa und darüber.

    [0020] Eine andere Möglichkeit, schwerere Seidenqualitäten, d.h. über 50 g/m2, mit perfekter Penetration zu drucken, besteht in der Verwendung von Farbstoffen, die bei Temperaturen von 190°C und darunter in 30 Sekunden mit praktisch 100%iger Ausbeute vom Umdruckträger auf die vorbehandelte Seide übergehen. Um das bekannte Problem der Verschlechterung des Druckbildes zu lösen, wurden Versuche angestellt. Es ist gelungen, Imprägnierungsmittel zu finden, die mit diesen rasch sublimierenden Farbstoffen, z.B. C.I. Solvent Blue 36, keine migrierenden Systeme bilden; dies scheint auf Unverträglichkeit von Farbstoff und Imprägniermittel zurückzuführen zu sein, die bei Temperaturen unter etwa 60°C gefordert wird, wie oben bereits angegeben wurde. Solche Imprägniermittel sind diejenigen der oben aufgeführten Aufzählung mit Ausnahme der flüssigen Polyglycole. Die hergestellten Transferdrucke sind bis zu 8 Wochen bei einer Lagerung unter 40°C gegen eine Veränderung des Druckbildes beständig; dann sollte allerdings mit dem Spülen bzw. Waschen nicht länger zugewartet werden. Es genügt, die Ware einige Zeit mit warmem Wasser von 40°C zu spülen.

    [0021] Die verwendeten Farbstoffe sind in der Regel schwach wasserlöslich. Beim Nachwaschen des bedruckten Substrates ist darauf Rücksicht zu nehmen. Wenn bei der Vorbehandlung des Seidengewebes flüssige, leicht und schnell lösliche Glycole eingesetzt wurden, ist eine Kaltspülung ausreichend. Bei Verwendung (oder Mitverwendung) wachsartiger Glycole, die etwas länger zur Auflösung brauchen, wendet man am besten warmes Wasser an. Bei einem Zusatz von Tensiden zum rascheren Benetzen sollte sorgfältig auf die Löslichkeit der Farbstoffe geachtet werden. Der Spülflotte können, wenn gewünscht, Tenside zugesetzt werden. Dann wird getrocknet.

    [0022] Bei dieser Verfahrensvariante ist es nicht erforderlich, einen optischen Aufheller für Polyester einzusetzen. Die Erfindung beruht also auf einer zweifachen Grundlage : Entweder man wendet Bedingungen beim Transfer an, bei denen Materialvergilbung auftreten würde, verhindert sie aber durch Zugabe von optischem Aufheller; oder man wendet Bedingungen an, bei denen anschliessend eine schnelle Farbstoffmigration auftreten müsste, verhindert diese aber durch Verwendung migrationsverhindernder Imprägniermittel. Beide grundlegenden Massnahmen können kombiniert werden.

    [0023] Eine zweite Möglichkeit, farbstarke Drucke mit hoher Penetration zu erhalten, besteht darin, Umdruckpapiere mit extrem hohem Farbstoffangebot zu benutzen. Diese Massnahme liegt nicht auf der Hand, denn es war zu befürchten, dass sich bei grossen Farbtiefen schlechte Reibechtheiten einstellen würden (siehe z.B. BASF-Druckschrift CTE-072 d, Seite 10). Ueberraschenderweise wurde dies jedoch nicht beobachtet. Stattdessen wurde gefunden, dass mit den bekannten Farbstoffen für den Transferdruck auf Polyester, beispielsweise C.I. Disperse Red 60, C.I. Disperse Yellow 54 und C.I. Disperse Blue 331 für den Transferdruck auf seide die Richttyptiefe 2/1 bei Erhaltung der Textilechtheiten erreicht werden konnte , wenn Transferpapiere mit einem Farbstoffangebot von 1 bis 2,5 g/m2, bevorzugt etwa 1,5 g/m benutzt werden. Wenn man diese Hilfsträger im Tiefdruck mit der üblichen Gravur herstellt, so wird dieser Wert mit einer Drucktinte erhalten, die einen Farbstoffgehalt von 15 Gew.-% aufweist. Beim Transferdruck von Polyester wird im allgemeinen ein Farbstoffangebot von 0,75 g/m2 nicht überschritten.

    [0024] Die angegebenen Farbstoffmengen beziehen sich auf den Quadratmeter bedruckter Fläche, d.h. diejenigen Flächenbereiche gehen in die Rechnung nicht ein, die keinen Farbstoff aufweisen. Es ist ganz besonders überraschend, dass die Erhöhung der Farbstärke auch bei extrem leichten Seidenqualitäten mit einem Flächengewicht von weniger als 50 g/m2 beobachtet wird, bei dem schon bei einem konventionellen Farbstoffangebot von 0,75 g/m2 die Farbstärke auf Vorder- und Rückseite des Gewebes praktisch identisch ist.

    [0025] Der Fachmann konnte nicht vorhersehen, dass ein Farbstoffangebot, welches etwa das Doppelte des üblichen beträgt, zu diesen überraschenden Resultaten führt, weil schon bei der normalen Farbstoffmenge auf dem Transferpapier nach dem Transferdruck ein Farbstoffrest auf dem Hilfsträger zurück/bleibt. Es wird auch auf das nachfolgende Beispiel 4 verwiesen.

    [0026] Die exakte Auswahl der Parameter des.Verfahrens, insbesondere das auf dem Umdruckträger vorliegende Farbstoffangebot, hängt vom Gewicht und von der Konstruktion des Seidensubstrates und den gewünschten Effekten ab. Im allgemeinen sind die Ergebnisse tadellos, wenn das Farb- stoffangebot 50 bis 100 % grösser als beim üblichen Transferdruck auf Polyester ist.

    [0027] Ganz besonders brillante Nuancen und im allgemeinen hohe Echtheiten werden mit den Farbstoffen C.I. Solvent Yellow 160, C.I. Disperse Red 55, C.I. Disperse Blue 56 und C.I. Disperse Blue 60 erzielt.

    [0028] Allerdings sollte man annehmen, dass diese Farbstoffe für den Transferdruck auf Seide nicht eingesetzt werden können, da sie relativ langsam sublimieren und auf Polyester bei 210°C/60 Sekunden umgedruckt werden müssen (siehe z.B. für C.I. Disperse Blue 60: "Transfer Printing of Polyester", Technische Anleitung BR 1107, Yorkshire Chemicals Limited, Leeds, U.K.).

    [0029] Bei diesen Umdrucksbedingungen tritt eine nicht tolerierbare Vergilbung der Seide auch ohne Vorbehandlung mit Quellungsstabilisatoren auf,und die Penetration des Textils mit Farbstoff ist sehr schlecht.

    [0030] Ueberraschenderweise hat sich aber herausgestellt, dass durch Mischen dieser Farbstoffe mit den für den Transferdruck auf Polyester kommerziell in grossem Umfang eingesetzten Farbstoffen C.I. Disperse Yellow 54, C.I. Disperse Red 60 und C.I. Disperse Blue 33 ein Farbstoffsystem erhalten wurde, das bei Umdruckbedingungen 200-205°C/40 sec Drucke mit ausgezeichneter Penetration, guter Brillanz und hervorragenden Echtheiten liefert.

    [0031] Besonders überraschend war die Beobachtung, dass der Farbstoff C.I. Solvent Yellow 160, der auf Naturseide Drucke von hoher Brillanz, aber sehr schlechter Lichtechtheit (Note 2) liefert, Drucke mit guter Brillanz und guter Lichtechtheit (Note 4,5) ergibt, wenn in der Drucktinte etwa 30-70 % dieses Farbstoffs, insbesondere etwa 50 % mit 70-30 %, insbesondere etwa 50 % des Farbstoffs C.I. Disperse Yellow 54 gemischt werden.

    [0032] Die Umdruckträger, die in aller Regel aus Papier bestehen, erhält man auf übliche bekannte Weise. Es soll auch zu diesem Verfahrensmerkmal auf die bereits zitierte Literatur verwiesen werden.

    [0033] Das erfindungsgemässe Verfahren hat den zusätzlichen Vorteil, dass die bei den Transferdruckern meist bereits vorhandenen umfangreichen Muster- und Dessinkollektionen ohne Mehrarbeit und Aenderungen eingesetzt werden können.

    Beispiel 1



    [0034] Ein entschlichtetes und gebleichtes Seidengewebe der Qualität "Chiffon" mit einem Flächengewicht von 25 g/m2 wird mit einer wässrigen Flotte, die 200 g/1 Polyäthylenglycol 300 und 20 g/1 des optischen Aufhellers "Uvitex ET" (Ciba-Geigy) enthält, auf 100%ige Gewichtszunahme geklotzt und im Spannrahmen 1 Minute bei 120°C getrocknet.

    [0035] Darauf wird ein Transferpapier mit einem Flächengewicht von 40 g/m2 gelegt, das im Tiefdruck mit Tinte bedruckt wurde, welche die Farbstoffe C.I. Disperse Red 60, C.I. Disperse Yellow 54 und C.I. Disperse Blue 331 enthalten.

    [0036] Es wird 30 sec bei 205°C umgedruckt. Es entsteht ein brillanter Druck mit guten Echtheiten und einem Auflösevermögen, das bei einer Ware mit diesem geringen Flächengewicht mit konventionellen Druckverfahren nicht zu erreichen ist. Die Penetration des Gewebes mit Farbstoff ist so gut, dass Vorder- und Rückseite praktisch die gleiche Intensität haben.

    [0037] Innerhalb von zwei Monaten nach dem Umdruck wird das Polyäthylenglycol mit Wasser aus dem Gewebe ausgespült und dieses auf einem Spannrahmen getrocknet.

    Beispiel 2



    [0038] Ein entschlichtetes und gebleichtes Seidengewebe mit einem Flächengewicht von 70 g/m2 wird mit einer wässrigen Flotte, die 20 Gew.-% ε-Caprolactam enthält, auf 100 % Gewichtszunahme geklotzt und zwei Minuten bei 100°C getrocknet. Darauf wird ein Transferpapier mit einem Flächengewicht von 60 g/m2 gelegt, das im Tiefdruck mit Tinten bedruckt wurde, die als Blaufarbstoff 1,4-Diisopropylaminoanthrachinon, als Rotfarbstoff l-Amino-2-chlor-4-hydroxyanthrachinon (es kann auch l-Amino-2-brom-4-hydroxyanthrachinon benutzt werden), und als Gelbfarbstoff das Produkt mit der Formel enthalten.



    [0039] Der Umdruck erfolgt in 30 sec bei 170°C.

    [0040] Es entsteht ein brillanter Druck mit guten Echtheiten und sehr guter Penetration der Farbstoffe in das Seidengewebe. Eine Vergilbung eines eventuellen Weissfonds tritt nicht ein.

    [0041] .Innerhalb von zwei Monaten nach dem Umdruck wird das Quellmittel mit Wasser vom 40°C aus dem Gewebe ausgespült und dieses auf einem Spannrahmen getrocknet.

    Beispiel 3



    [0042] Ein entschlichtetes und gebleichtes Seidengewebe mit einem Flächengewicht von 120 g/m2 wird mit einer wässrigen Flotte, die 20 Gew.-% ε-Caprolactam enthält, auf 100 % Gewichtszunahme geklotzt und zwei Minuten bei 120°C in einem Spannrahmen getrocknet.

    [0043] Darauf wird ein Transferpapier mit einem Flächengewicht von 40 g/m2 gelegt, das im Tiefdruck mit Drucktinte bedruckt wurde, die sich dadurch auszeichnen, dass erstens die Gesamtkonzentration an Farbstoff etwa zweimal so gross ist wie im konventionellen Transferdruck für Polyester üblich und zweitens die Grundfarbstoffe aus Mischungen der Farbstoffe vom Beispiel 1 mit denen aus Beispiel 2 bestehen. Für einen hochbrillanten Rotton wird beispielsweise eine Tinte benutzt, die 9 Gew.-% des Farbstoffes C.I. Disperse Red 60 und 10 Gew.-% des Farbstoffes l-Amino-2-chlor-4-hydroxyanthrachinon enthält.

    [0044] Der Umdruck erfolgt in 40 sec bei 200°C. Es entsteht ein hochbrillanter Druck mit guten Echtheiten und hervorragender Penetration der Farbstoffe in das Seidengewebe.

    [0045] Innerhalb von zwei Monaten nach dem Umdruck wird das Quellmittel mit Wasser von 40°C aus dem Gewebe ausgespült und dieses auf einem Spannrahmen getrocknet.

    Beispiel 4



    [0046] Ein nach Beispiel 1 vorbehandeltes Seidengewebe mit einem Flächengewicht von 25 g/m2 wird 40 Se-kunden bei 205°C mit einem Transferpapier bedruckt, bei dem einheitlich 0,75 g Farbstoff C.I. Disperse Red 60 per Quadratmeter verteilt sind.

    [0047] Der nach dem Umdruck auf dem Papier zurückgebliebene Farbstoff wurde in Dimethylformamid aufgelöst und spektrometrisch bestimmt. Es waren 24 % der ursprünglichen Farbstoffmenge auf dem Papier zurückgelieben.

    [0048] Zu einem zweiten Versuch wurde ein Transferpapier, das 1,5 g des gleichen Farbstoffs pro m2 enthielt, unter den gleichen Bedingungen wie im vorstehenden Versuch umgedruckt. Nach dem Umdruck wurde farbmetrisch festgestellt, dass die Farbtiefe auf dem Seidengewebe 1,8 mal höher als bei dem ersten Versuch war, dass nun eine Richttyptiefe von 2/1 sowohl auf der Vorder- als auch auf der Rückseite des Gewebes erzielt worden war, und dass 25,4 % des Farbstoffs auf dem Basispapier (Hilfsträger) zurückgeblieben waren.

    Beispiel 5



    [0049] Ein entschlichtetes und gebleichtes Seidengewebe mit einem Flächengewicht von 70 g/m2 wird mit einer wässrigen Flotte, die 20 % Polyäthylenglycol 300 (und 2 % Uvitel EBF (Ciba-Geigy) enthält, auf 100 % Gewichtszunahme geklotzt und zwei Minuten bei 100°C getrocknet. Darauf wird ein Transferpapier mit einem Flächengewicht von 40 g/m2 gelegt, das im Tiefdruck mit Tinten bedruckt wurde, die als Rotfarbstoff 10 % C.I. Disperse Red 60 und 10 % C.I. Disperse Red 55, als Gelbfarbstoff 10 % C.I. Disperse Yellow 54 und 10 % C.I. Solvent Yellow 160 und als Blaufarbstoff 10 % C.I. Disperse Blue 331 und 10 % C.I. Disperse Blue 60 enthalten.

    [0050] Der Umdruck erfolgt bei 205°C in 40 m.

    [0051] Es entsteht ein sehr brillanter Druck mit sehr guten Echtheiten und guter Penetration der Farbstoffe in das Seidengewebe.


    Ansprüche

    1.- Verfahren zum Bedrucken von Textilmaterialien, die ganz oder teilweise aus Naturseidenfasern bestehen, nach dem Prinzip des Transferdruckes von einem Umdruckträger bei erhöhter Temperatur, bei dem man die Textilmaterialien mit einer wässrigen Zubereitung eines Imprägniermittels vorbehandelt und das vorbehandelte Textilmaterial trocknet, dadurch gekennzeichnet, dass man Farbstoffe verwendet, die bei Temperaturen von 190°C und darunter in 30 Sekunden mit im wesentlichen 100 %iger Ausbeute vom Umdruckträger auf das vorbehandelte Textilmaterial übergehen, und zwecks Erzielung eines stabilen und echten Druckes die Vorbehandlung mit der wässrigen Lösung, Suspension oder Dispersion eines Imprägnierungsmittels vornimmt, welches unter 600C fest ist und im Temperaturbereich von 60 bis 160°C schmilzt, im wesentlichen farblos ist, Seide nicht angreift und im flüssigen, aber nicht im festen Zustand auf die jeweils angewandten Farbstoffe lösend einwirkt, dass man bei Temperaturen von höchstens 210°C umdruckt, und dass man das bedruckte Textilmaterial spült oder wäscht.
     
    2. - Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass man als Imprägniermittel Verbindungen der Formel

    oder

    verwendet, worin bedeuten :

    n Null oder 1,

    m eine natürliche Zahl,

    R Wasserstoff, C1- bis C8-Alkyl, C7- bis C15-aralkyl oder -alkaryl,

    R2SO2- oder

    R1 -OH, -OR2, -SR2, -NHR2,





    R2 C1- bis C8-Alkyl, C5- bis C10-Cycloalkyl, C7- bis C15-aralkyl oder -alkaryl, C6- oder C10-Aryl oder Furfuryl, A

    -CH2C(CH2OR)3,

    (-CH2)3CCH2OR, (-CH2)4C,



    und z = 0, 1, 2, 3 oder 4, wobei z nicht grösser als y ist, und

    x die Zahl der nicht abgesättigten Valenzen von A.


     
    3. - Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass man als Imprägniermittel, das den angegebenen Eigenschaften entspricht, ein Polyäthylenglycol, ein Polypropylenglycol, ein Polyäthylen-polypropylen- glycol, 1,1,1-Tris-(hydroxymethyl)-propan, 1,1,1-Tris-(hydroxymethyl)-äthan, ε-Caprolactam, Nicotinsäureamid, Isonicotinsäureamid, Isopropyilenharnstoff, Aethylenharnstoff oder Glyoxalmonourein verwendet.
     
    4. - Abänderung des Verfahrens gemäss Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass man für Polyesterfärbungen geeignete Farbstoffe einsetzt, ein flüssiges oder festes Imprägniermittel verwendet,und dass man vor, während oder nach der Vorbehandlung mit dem wässrigen Imprägniermittel einen für die optische Aufhellung von Polyestermaterialien vorgesehenen optischen Aufheller aufbringt.
     
    5. - Verfahren nach Anspruch 4, dadurch gekennzeichnet, dass man als Imprägniermittel einen mehrwertigen Alkohol, insbesondere ein Polyäthylenglycol mit einem durchschnittlichen Molekulargewicht von 200 bis 1000, bevorzugt von 300 bis 600, oder ein Polypropylenglycol mit einem durchschnittlichen Molekulargewicht von 400 bis 1100, bevorzugt 400 bis 900 verwendet und bei Temperaturen von 190 bis 230°C umdruckt.
     
    6. - Verfahren nach Anspruch 4, dadurch gekennzeichnet, dass man die Flotte, die den optischen Aufheller enthält, in solchen Mengen aufbringt, dass sich eine Menge an Aufheller in der Seide von 0,2 bis 5 Gew.-% ergibt.
     
    7. - Verfahren nach Anspruch 4, dadurch gekennzeichnet, dass man bei erhöhtem Anpressdruck des Umdruckträgers an das Textilmaterial, insbesondere bei einem Kontaktdruck von 103 bis 106 Pa, bevorzugt mehr als 5.103 Pa, arbeitet.
     
    8. - Verfahren nach einem der vorstehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass man die wässrige Vorbehandlungs-Zubereitung in solchen Mengen aufbringt, dass das vorbehandelte, getrocknete Seidengewebe 15 bis 30 Gew.-%, bevorzugt etwa 20 Gew.-% an Imprägniermittel enthält.
     
    9. - Verfahren nach einem der vorstehenden Ansprüche, zur Erzeugung von brillanten Drucken, dadurch gekennzeichnet, dass man Umdruckträger verwendet, die 1 bis 2,5 g Farbstoff pro m2 bedruckter Fläche, bevorzugt etwa 1,5 g/m2, aufweisen.
     
    10. - Umdruckträger zur Ausführung des Verfahrens nach Anspruch 9, der auf einem flächigen Substrat 1 bis 2,5 g sublimierbaren Farbstoff pro m2 bedruckter Fläche enthält.
     
    11. - Verwendung von Trichromien aus

    1,4-Diisopropylamino-anthrachinon (blau)

    2) 1-Amino-2-chlor-oder-brom-4-hydroxy-anthrachinon (rot) und

    (gelb) zum Bedrucken von Seidengeweben im Transferdruck, die mit einem festen Imprägniermittel gemäss Anspruch 1 vorbehandelt sind.


     
    12. - Verwendung von Mischungen aus

    a) C.I. Solvent Yellow 160 und C.I. Disperse Yellow 54,

    b) C.I. Disperse Red 66 und C.I. Disperse Red 60,

    c) C.I. Disperse Blue 56 oder C.I. Disperse Blue 60 und C.I. Disperse Blue 331

    zum Bedrucken von Seidengeweben im Transferdruck nach hierin beschriebenen Arbeitsweisen mit besonders hoher Brillanz und gleichzeitig hohen Echtheiten.
     





    Recherchenbericht