[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zum Bedrucken von Textilmaterialien, die ganz
oder teilweise aus Naturseidenfasern bestehen, nach dem Prinzip des Transferdrucks
von einem Umdruckträger bei erhöhter Temperatur. Das Prinzip solcher Druckübertragungsverfahren
ist z.B. in.den FR-PS 1 233 330 und 1 585 119 beschrieben.
[0002] Da Naturseide und naturseidenhaltige Textilmaterialien ausgesprochen Modeartikel
sind, würde der Transferdruck bei der farblichen Ausstattung dieser Textilgebilde
grosse Vorteile bieten, insbesondere Flexibilität der Dessin-Lagerhaltung, die Möglichkeit,
hochwertige Dessins rationell herzustellen, Einfachheit des Verfahrens, Abwesenheit
von Gewässerverschmutzung, Erzeugung von Halbtönen usw. Dazu kommt, dass es sich bei
der Seidenstoffen sehr oft um leichte Ware bis herunter zu 20 g/m
2 handelt, die sich in Transferdruckmaschinen sehr bequem, nach den klassischen Flottenverfahren
aber nur mit grossen Schwierigkeiten, wenn überhaupt, färben lässt.
[0003] Naturseide besitzt jedoch praktisch keine Affinität zu Dispersionsfarbstoffen, die
im Transferdruck verwendet werden, so dass es nicht möglich ist, echte Drucke zu erzeugen.
Zur Behebung dieser Schwierigkeit wurde nun bereits vorgeschlagen, das Textilsubstrat
vorzubehandeln, um eine solche Affinität zu erzeugen.
[0004] Zwei Wege hat man grundsätzlich ins Auge gefasst. In der JP-A B-106 883 ist beschrieben,
dass man Naturseidenfasern durch Aufpfropfen von Styrol oder anderen Vynilmonomeren
chemisch modifiziert. Dieses Verfahren verleiht den Seidenfasern eine gewisse Affinität
zu Dispersionsfarbstoffen, ist jedoch umständlich und teuer und beeinflüsst natürlich
auch andere Eigenschaften der Naturfaser nicht immer in vorteilhaftem Sinne. Es hat
sich daher nicht eingeführt.
[0005] Als zweite Möglichkeit, die Affinität der Seidenfaser gegenüber Dispersionsfarbstoffen
zu erhöhen, wird in der JP-A 53-78386 und der FR-A 2 296 537 vorgeschlagen, eine temporäre
Affinität der besprochenen Art dadurch herbeizuführen, dass man vor dem Transferdruck
das Textilmaterial aus Naturseide mit einem wässrigen Imprägniermittel behandelt und
das Textilgut dann trocknet. Die Wirkung dieser Vorbehandlung scheint darin zu bestehen,
dass das Wasser der Behandlungsflotte die Seidenfaser aufquellt, und dass dann der
so erzeugte Quellungszustand nach dem Wasserentzug erhalten bleibt. Beim Transferdruck
dienen dann die verbliebenen Imprägniermittel als lösende Phase für die Dispersionsfarbstoffe,
die sich auf diese.Weise - wahrscheinlich nur zu einem kleinen Teil - in Faserhohlräume
einlagern können. Für diesen Mechanismus spricht, dass annehmbare Echtheiten erst
erreicht werden, wenn man das Imprägniermittel nach erfolgtem Druck auswäscht; der
eingelagerte Farbstoff sollte dann wegen der Abwesenheit des lösenden Imprägniermittels
fixiert sein.
[0006] Allerdings hat sich dieses an sich elegante Verfahren in der Praxis auch nicht durchsetzen
können, da die Seide bei den für den Transferdruck üblichen Temperaturen von 200 bis
210° während der Transferzeit bei Anwesenheit solcher Imprägniermittel - meist Polyalkohole
- stark vergilbt; will man dies vermeiden, indem man die Transfertemperatur senkt,
z.B. auf 190 bis 200
oC, so werden die zum Seidendruck erforderlichen brillanten Farbtöne mit den für Transferdruck
von Polyester üblichen Dispersionsfarbstoffen nicht erreicht und das Vergilben auch
nur vermindert und nicht ganz behoben.
[0007] In diese Gruppe des Transferdruckes von Seide gehört die in der JP-A 53-78386 beschriebene
Verfahrens-. variante, die gut reibechte Drucke liefern soll und darin besteht, dass
ein Seidengewebe mit einem mehrwertigen Alkohol behandelt wird, dessen Siedepunkt
über 140
oC liegt, und das vorbehandelte Gewebe mit basischen Farbstoffen thermisch trocken
bedruckt wird. Die Waschechtheit ist nicht angegeben, dürfte aber unzureichend sein,
da die Färbung nicht waschechter sein kann als das eingebrachte Polyol. Da weiterhin
der Transferdruck mit basischen Farbstoffen umständlich und die Anzahl der erreichbaren
Farbtöne mit solchen Farbstoffen begrenzt ist, die Seidenstoffe von diesen Farbstoffen
schlecht penetriert werden und ausserdem ebenfalls ein Vergilben des Substrats beobachtet
wird, kann dieser Vorschlag auch nicht zum Ziel führen.
[0008] Schliesslich sind Farbstoffe bekannt geworden, z.B. C.I. Solvent Blue 36, die bei
relativ tiefen Temperaturen, z.B.170 bis 180°C, in 30 bis 40 sec und mit guter Ausbeute
vom Umdruckträger auf Seide übertragen werden. Diese Farbstoffe sind aber bei Zimmertemperaturen
so beweglich, dass sie in den verwendeten, in der Seide befindlichen Quellmitteln
so schnell und stark migrieren und rekristallisieren, dass bereits nach einer Lagerzeit
von wenigen Stunden - also eine Lagerzeit, die vor dem Waschen in der Regel in Kauf
genommen werden muss und kaum verkürzt werden kann, deutliche Niveauunterschiede und
Verfärbungen im ursprünglich erhaltenen Druckbild eintreten. Auch beidenbeiden eingangs
besprochenen, mit Imprägniermittel arbeitenden bekannten Verfahren soll recht bald
gewaschen werden; nach der FR-A 2 296 537 wird gleich nach dem Transferdruck kalt
gespült'und 15 Minuten bei 50
0 geseift.
[0009] Es ist das Ziel und die Aufgabe der vorliegenden Erfindung, ein Verfahren zum Transferdruck
von Reinseiden-und Mischfasertextilien anzugeben, das die besprochenen Nachteile nicht
besitzt, während die dem Transferdruck innenwohnenden Vorteile beibehalten werden.
Auch die bisher benutzten Vorrichtungen zur Verfahrensdurchführung sollen weiterbenutzt
werden können.
[0010] Die Vergilbung der Naturseide beim Transferdruck könnte grundsätzlich dadurch kompensiert,
d.h. unsichtbar gemacht werden, indem man die Seide mit einem für dieses Material
speziell entwickelten optischen Aufheller behandelt (z.B. "Uvitex WG", Ciba-Geigy
AG). Solche optische Aufheller eignen sich jedoch nicht für kombinierte Anwendung
und müssen getrennt, d.h. in einem gesonderten Färbeprozess, aufgetragen werden. Eine
solche zweite Vorbehandlung bzw. Nachbehandlung wäre für das betrachtete Transferdruckverfahren
zu kompliziert und teuer und daher nicht tragbar.
[0011] Ueberraschenderweise wurde gefunden, dass eine Vergilbung der Seide beim oben genannten
zweiten Verfahren des Standes der Technik zuverlässig vermieden werden kann, wenn
man vor, bei oder nach der beschriebenen Vorbehandlung des Textilgutes einen für die
optische Aufhellung von Polyestermaterialien, also nicht für Naturseide, vorgesehenen
optischen Aufheller aufbringt, d.h. vor dem Transferdruck selbst. Normalerweise gibt
man solche Aufheller der wässrigen Vorbehandlungsflotte bei, die das Imprägniermittel
enthält.
[0012] Als optische Aufheller für Polyester, die beim erfindungsgemässen Verfahren verwendbar
sind, kommen im allgemeinen solche in Betracht, die nichtionogene heterocyclische
Verbindungen darstellen, insbesondere Oxazol- und Triazinderivate. Nach dem heutigen
Stand der Technik sind die bekannten optisch aufhellend wirkenden Stilbenderivate
nicht für Polyester und daher auch nicht im Rahmen der Erfindung geeignet. Als Industrieprodukte,
die erfindungsgemäss verwendbar sind und in obige Klasse gehören, kommen beispielsweise
die folgenden in Betracht :

Die angewendete Menge der optischen Aufheller in der wässrigen Vorbehandlungsflotte
soll so gewählt werden, dass die nach der Applikation auf der Seide zurückbleibende
Menge zur Vermeidung eines vergilbten Aussehens gerade ausreicht; höhere Mengen bringen
keinen Vorteil. Die ausreichende Menge lässt sich durch ganz wenige Versuche sehr
rasch bestimmen. Sie liegt in der Grössenordnung von 0,2 bis 5 Gew.-%, bezogen auf
trockenes, vorzubehandelndes Seidengewebe. Wenn man die Vorbehandlungsflotte in solchen
Mengen auf das Seidengewebe aufbringt, dass eine ca. 100 %ige Auflage resultiert,
so enthält die Vorbehandlungsflotte bevorzugt 0,2 bis 5 Gew.-% an Aufheller.
[0013] Die Vorbehandlung an sich kann nach den Arbeitsweisen der oben aufgeführten Veröffentlichungen
ausgeführt werden; am verbreitetsten ist das .Klotzen auf dem Foulard. Die Vorbehandlungsflotte
enthält soviel Imprägniermittel, dass nach dem Aufbringen auf das Seidengewebe und
dem Trockenen 15 bis 30 Gew.-%, bevorzugt etwa 20 Gew.-% an Imprägniermittel im Gewebe
verbleiben.
[0014] Als Imprägnierungsmittel, die vor dem Transferdruck in wässriger Phase, d.h. in Lösung,
Suspension oder Dispersion, als Vorbehandlungsmittel aufgebracht werden können, dienen
im allgemeinen mehrwertige, monomere oder polymere Polyalkohole, die bei Temperaturen
unter 60°C fest sind und im Temperaturbereich von 60 bis 160°C schmelzen, farblos
sind, Seide nicht angreifen und im flüssigen, jedoch nicht im festen Zustand auf die
verwendeten Dispersionsfarbstoffe lösend einwirken, wobei diese letztere Bedingung
natürlich nur auf die Kombination aus gewähltem Farbstoff und eingesetztem Imprägnierungsmittel
zuzutreffen braucht.
[0015] Als Imprägniermittel im erfindungsgemässen Verfahren haben sich besonders bewährt
:
Polyäthylenglycol mit einem durchschnittlichen Molekulargewicht von 200 bis 1000,
insbesondere 300 bis 600; Polypropylenglycol mit einem durchschnittlichen Molekulargewicht
von 400 bis 1100, insbesondere 400 bis 900; Polyäthylen-polypropylen-glycol; 1,1,1-Tris-(hydroxymethyl)-propan;
1,1,1-Tris-(hydroxymethyl)-äthan; f -Caprolactam; Nicotinsäureamid; Isonicotinsäureamid;
Isopropylenharnstoff; Aethylenharnstoff und Glyoxylmonourein.
[0016] Als Farbstoffe eignen sich die für den Transferdruck normalerweise auf Polyestersubstrate
verwendeten Farbstoffe, im allgemeinen Dispersionsfarbstoffe, wie beispielsweise C.I.
Disperse Red 60, C.I. Disperse Yellow 54, C.I. Disperse Blue 331, C.I. Disperse Blue
72, C.I. Disperse Blue 19, C.I. Disperse Violet 1. Je wasserunlöslicher die Farbstoffe
sind, desto besser sind in der Regel die erzielbaren Waschechtheiten.
[0017] Die Verwendung der Trichromien, die als Blaufarbstoff 1,4-Diisopropylaminoanthrachinon,
als Rotfarbstoff l-Amino-2-chlor-4-hydroxyanthrachinon (es kann auch l-Amino-2-brom-4-hydroxyanthrachinon
benutzt werden), und als Gelbfarbstoff das Produkt mit der Formel

enthalten zum Bedrucken von Seide ist neu und soll - besonders hervorgehoben werden.
[0018] Allerdings handelt es sich dabei um migrierende Farbstoffe, und zur Vermeidung von
Migration sollen die angegebenen Trichromien nur in Verbindung mit Seidensubstraten
eingesetzt werden, die mit einem der vorstehend beschriebenen Imprägniermittel vorbehandelt
sind, die bis mindestens 60°C fest sind.
[0019] Die Ausführung des Transferdruckes kann in der Praxis wie üblich vorgenommen werden;
es wird auf die oben genannten Veröffentlichungen zum Stand der Technik verwiesen.
Allerdings wurde gefunden, dass für spezielle Substrate und Effekte auch besonders
angepasste Verfahrensbedingungen eingestellt werden sollten. Die für Naturseide erforderlichen
brillanten Farbtöne und ausreichenden Allgemeinechtheiten des Druckes werden mit Umdruckbedingungen
von 30 Sekunden/ 205°C erreicht. Die Penetration des Druckbildes, die für viele Seidenprodukte
wie Schals usw. verlangt wird - Vorder- und Rückseite sollen sich nicht sichtbar voneinander
unterscheiden -, ist für leichtere Seidenstoffqualitäten mit einem Flächengewicht
von höchstens 50 g/m
2 hervorragend. Höhergewichtige Stoffe erhalten dieses Druckbild, wenn der Anpressdruck
des Umdruckträgers an das Textilmaterial erhöht wird, z.B. auf 10 bis 10
Pa, z.B. und bevorzugt 5 x 10 Pa und darüber.
[0020] Eine andere Möglichkeit, schwerere Seidenqualitäten, d.h. über 50 g/m2, mit perfekter
Penetration zu drucken, besteht in der Verwendung von Farbstoffen, die bei Temperaturen
von 190°C und darunter in 30 Sekunden mit praktisch 100%iger Ausbeute vom Umdruckträger
auf die vorbehandelte Seide übergehen. Um das bekannte Problem der Verschlechterung
des Druckbildes zu lösen, wurden Versuche angestellt. Es ist gelungen, Imprägnierungsmittel
zu finden, die mit diesen rasch sublimierenden Farbstoffen, z.B. C.I. Solvent Blue
36, keine migrierenden Systeme bilden; dies scheint auf Unverträglichkeit von Farbstoff
und Imprägniermittel zurückzuführen zu sein, die bei Temperaturen unter etwa 60°C
gefordert wird, wie oben bereits angegeben wurde. Solche Imprägniermittel sind diejenigen
der oben aufgeführten Aufzählung mit Ausnahme der flüssigen Polyglycole. Die hergestellten
Transferdrucke sind bis zu 8 Wochen bei einer Lagerung unter 40°C gegen eine Veränderung
des Druckbildes beständig; dann sollte allerdings mit dem Spülen bzw. Waschen nicht
länger zugewartet werden. Es genügt, die Ware einige Zeit mit warmem Wasser von 40°C
zu spülen.
[0021] Die verwendeten Farbstoffe sind in der Regel schwach wasserlöslich. Beim Nachwaschen
des bedruckten Substrates ist darauf Rücksicht zu nehmen. Wenn bei der Vorbehandlung
des Seidengewebes flüssige, leicht und schnell lösliche Glycole eingesetzt wurden,
ist eine Kaltspülung ausreichend. Bei Verwendung (oder Mitverwendung) wachsartiger
Glycole, die etwas länger zur Auflösung brauchen, wendet man am besten warmes Wasser
an. Bei einem Zusatz von Tensiden zum rascheren Benetzen sollte sorgfältig auf die
Löslichkeit der Farbstoffe geachtet werden. Der Spülflotte können, wenn gewünscht,
Tenside zugesetzt werden. Dann wird getrocknet.
[0022] Bei dieser Verfahrensvariante ist es nicht erforderlich, einen optischen Aufheller
für Polyester einzusetzen. Die Erfindung beruht also auf einer zweifachen Grundlage
: Entweder man wendet Bedingungen beim Transfer an, bei denen Materialvergilbung auftreten
würde, verhindert sie aber durch Zugabe von optischem Aufheller; oder man wendet Bedingungen
an, bei denen anschliessend eine schnelle Farbstoffmigration auftreten müsste, verhindert
diese aber durch Verwendung migrationsverhindernder Imprägniermittel. Beide grundlegenden
Massnahmen können kombiniert werden.
[0023] Eine zweite Möglichkeit, farbstarke Drucke mit hoher Penetration zu erhalten, besteht
darin, Umdruckpapiere mit extrem hohem Farbstoffangebot zu benutzen. Diese Massnahme
liegt nicht auf der Hand, denn es war zu befürchten, dass sich bei grossen Farbtiefen
schlechte Reibechtheiten einstellen würden (siehe z.B. BASF-Druckschrift CTE-072 d,
Seite 10). Ueberraschenderweise wurde dies jedoch nicht beobachtet. Stattdessen wurde
gefunden, dass mit den bekannten Farbstoffen für den Transferdruck auf Polyester,
beispielsweise C.I. Disperse Red 60, C.I. Disperse Yellow 54 und C.I. Disperse Blue
331 für den Transferdruck auf seide die Richttyptiefe 2/1 bei Erhaltung der Textilechtheiten
erreicht werden konnte , wenn Transferpapiere mit einem Farbstoffangebot von 1 bis
2,5 g/m
2, bevorzugt etwa 1,5 g/m benutzt werden. Wenn man diese Hilfsträger im Tiefdruck mit
der üblichen Gravur herstellt, so wird dieser Wert mit einer Drucktinte erhalten,
die einen Farbstoffgehalt von 15 Gew.-% aufweist. Beim Transferdruck von Polyester
wird im allgemeinen ein Farbstoffangebot von 0,75 g/m
2 nicht überschritten.
[0024] Die angegebenen Farbstoffmengen beziehen sich auf den Quadratmeter bedruckter Fläche,
d.h. diejenigen Flächenbereiche gehen in die Rechnung nicht ein, die keinen Farbstoff
aufweisen. Es ist ganz besonders überraschend, dass die Erhöhung der Farbstärke auch
bei extrem leichten Seidenqualitäten mit einem Flächengewicht von weniger als 50 g/m
2 beobachtet wird, bei dem schon bei einem konventionellen Farbstoffangebot von 0,75
g/m
2 die Farbstärke auf Vorder- und Rückseite des Gewebes praktisch identisch ist.
[0025] Der Fachmann konnte nicht vorhersehen, dass ein Farbstoffangebot, welches etwa das
Doppelte des üblichen beträgt, zu diesen überraschenden Resultaten führt, weil schon
bei der normalen Farbstoffmenge auf dem Transferpapier nach dem Transferdruck ein
Farbstoffrest auf dem Hilfsträger zurück/bleibt. Es wird auch auf das nachfolgende
Beispiel 4 verwiesen.
[0026] Die exakte Auswahl der Parameter des.Verfahrens, insbesondere das auf dem Umdruckträger
vorliegende Farbstoffangebot, hängt vom Gewicht und von der Konstruktion des Seidensubstrates
und den gewünschten Effekten ab. Im allgemeinen sind die Ergebnisse tadellos, wenn
das
Farb- stoffangebot 50 bis 100 % grösser als beim üblichen Transferdruck auf Polyester
ist.
[0027] Ganz besonders brillante Nuancen und im allgemeinen hohe Echtheiten werden mit den
Farbstoffen C.I. Solvent Yellow 160, C.I. Disperse Red 55, C.I. Disperse Blue 56 und
C.I. Disperse Blue 60 erzielt.
[0028] Allerdings sollte man annehmen, dass diese Farbstoffe für den Transferdruck auf Seide
nicht eingesetzt werden können, da sie relativ langsam sublimieren und auf Polyester
bei 210°C/60 Sekunden umgedruckt werden müssen (siehe z.B. für C.I. Disperse Blue
60: "Transfer Printing of Polyester", Technische Anleitung
BR 1107, Yorkshire Chemicals Limited, Leeds, U.K.).
[0029] Bei diesen Umdrucksbedingungen tritt eine nicht tolerierbare Vergilbung der Seide
auch ohne Vorbehandlung mit Quellungsstabilisatoren auf,und die Penetration des Textils
mit Farbstoff ist sehr schlecht.
[0030] Ueberraschenderweise hat sich aber herausgestellt, dass durch Mischen dieser Farbstoffe
mit den für den Transferdruck auf Polyester kommerziell in grossem Umfang eingesetzten
Farbstoffen C.I. Disperse Yellow 54, C.I. Disperse Red 60 und C.I. Disperse Blue 33
ein Farbstoffsystem erhalten wurde, das bei Umdruckbedingungen 200-205°C/40 sec Drucke
mit ausgezeichneter Penetration, guter Brillanz und hervorragenden Echtheiten liefert.
[0031] Besonders überraschend war die Beobachtung, dass der Farbstoff C.I. Solvent Yellow
160, der auf Naturseide Drucke von hoher Brillanz, aber sehr schlechter Lichtechtheit
(Note 2) liefert, Drucke mit guter Brillanz und guter Lichtechtheit (Note 4,5) ergibt,
wenn in der Drucktinte etwa 30-70 % dieses Farbstoffs, insbesondere etwa 50 % mit
70-30 %, insbesondere etwa 50 % des Farbstoffs C.I. Disperse Yellow 54 gemischt werden.
[0032] Die Umdruckträger, die in aller Regel aus Papier bestehen, erhält man auf übliche
bekannte Weise. Es soll auch zu diesem Verfahrensmerkmal auf die bereits zitierte
Literatur verwiesen werden.
[0033] Das erfindungsgemässe Verfahren hat den zusätzlichen Vorteil, dass die bei den Transferdruckern
meist bereits vorhandenen umfangreichen Muster- und Dessinkollektionen ohne Mehrarbeit
und Aenderungen eingesetzt werden können.
Beispiel 1
[0034] Ein entschlichtetes und gebleichtes Seidengewebe der Qualität "Chiffon" mit einem
Flächengewicht von 25 g/m
2 wird mit einer wässrigen Flotte, die 200 g/1 Polyäthylenglycol 300 und 20 g/1 des
optischen Aufhellers "Uvitex ET" (Ciba-Geigy) enthält, auf 100%ige Gewichtszunahme
geklotzt und im Spannrahmen 1 Minute bei 120°C getrocknet.
[0035] Darauf wird ein Transferpapier mit einem Flächengewicht von 40 g/m
2 gelegt, das im Tiefdruck mit Tinte bedruckt wurde, welche die Farbstoffe C.I. Disperse
Red 60, C.I. Disperse Yellow 54 und C.I. Disperse Blue 331 enthalten.
[0036] Es wird 30 sec bei 205°C umgedruckt. Es entsteht ein brillanter Druck mit guten Echtheiten
und einem Auflösevermögen, das bei einer Ware mit diesem geringen Flächengewicht mit
konventionellen Druckverfahren nicht zu erreichen ist. Die Penetration des Gewebes
mit Farbstoff ist so gut, dass Vorder- und Rückseite praktisch die gleiche Intensität
haben.
[0037] Innerhalb von zwei Monaten nach dem Umdruck wird das Polyäthylenglycol mit Wasser
aus dem Gewebe ausgespült und dieses auf einem Spannrahmen getrocknet.
Beispiel 2
[0038] Ein entschlichtetes und gebleichtes Seidengewebe mit einem Flächengewicht von 70
g/m
2 wird mit einer wässrigen Flotte, die 20 Gew.-% ε-Caprolactam enthält, auf 100 % Gewichtszunahme
geklotzt und zwei Minuten bei 100°C getrocknet. Darauf wird ein Transferpapier mit
einem Flächengewicht von 60 g/m
2 gelegt, das im Tiefdruck mit Tinten bedruckt wurde, die als Blaufarbstoff 1,4-Diisopropylaminoanthrachinon,
als Rotfarbstoff l-Amino-2-chlor-4-hydroxyanthrachinon (es kann auch l-Amino-2-brom-4-hydroxyanthrachinon
benutzt werden), und als Gelbfarbstoff das Produkt mit der Formel enthalten.

[0039] Der Umdruck erfolgt in 30 sec bei 170°C.
[0040] Es entsteht ein brillanter Druck mit guten Echtheiten und sehr guter Penetration
der Farbstoffe in das Seidengewebe. Eine Vergilbung eines eventuellen Weissfonds tritt
nicht ein.
[0041] .Innerhalb von zwei Monaten nach dem Umdruck wird das Quellmittel mit Wasser vom
40°C aus dem Gewebe ausgespült und dieses auf einem Spannrahmen getrocknet.
Beispiel 3
[0042] Ein entschlichtetes und gebleichtes Seidengewebe mit einem Flächengewicht von 120
g/m
2 wird mit einer wässrigen Flotte, die 20 Gew.-% ε-Caprolactam enthält, auf 100 % Gewichtszunahme
geklotzt und zwei Minuten bei 120°C in einem Spannrahmen getrocknet.
[0043] Darauf wird ein Transferpapier mit einem Flächengewicht von 40 g/m
2 gelegt, das im Tiefdruck mit Drucktinte bedruckt wurde, die sich dadurch auszeichnen,
dass erstens die Gesamtkonzentration an Farbstoff etwa zweimal so gross ist wie im
konventionellen Transferdruck für Polyester üblich und zweitens die Grundfarbstoffe
aus Mischungen der Farbstoffe vom Beispiel 1 mit denen aus Beispiel 2 bestehen. Für
einen hochbrillanten Rotton wird beispielsweise eine Tinte benutzt, die 9 Gew.-% des
Farbstoffes C.I. Disperse Red 60 und 10 Gew.-% des Farbstoffes l-Amino-2-chlor-4-hydroxyanthrachinon
enthält.
[0044] Der Umdruck erfolgt in 40 sec bei 200°C. Es entsteht ein hochbrillanter Druck mit
guten Echtheiten und hervorragender Penetration der Farbstoffe in das Seidengewebe.
[0045] Innerhalb von zwei Monaten nach dem Umdruck wird das Quellmittel mit Wasser von 40°C
aus dem Gewebe ausgespült und dieses auf einem Spannrahmen getrocknet.
Beispiel 4
[0046] Ein nach Beispiel 1 vorbehandeltes Seidengewebe mit einem Flächengewicht von 25 g/m
2 wird 40
Se-kunden bei 205°C mit einem Transferpapier bedruckt, bei dem einheitlich 0,75 g Farbstoff
C.I. Disperse Red 60 per Quadratmeter verteilt sind.
[0047] Der nach dem Umdruck auf dem Papier zurückgebliebene Farbstoff wurde in Dimethylformamid
aufgelöst und spektrometrisch bestimmt. Es waren 24 % der ursprünglichen Farbstoffmenge
auf dem Papier zurückgelieben.
[0048] Zu einem zweiten Versuch wurde ein Transferpapier, das 1,5 g des gleichen Farbstoffs
pro m
2 enthielt, unter den gleichen Bedingungen wie im vorstehenden Versuch umgedruckt.
Nach dem Umdruck wurde farbmetrisch festgestellt, dass die Farbtiefe auf dem Seidengewebe
1,8 mal höher als bei dem ersten Versuch war, dass nun eine Richttyptiefe von 2/1
sowohl auf der Vorder- als auch auf der Rückseite des Gewebes erzielt worden war,
und dass 25,4 % des Farbstoffs auf dem Basispapier (Hilfsträger) zurückgeblieben waren.
Beispiel 5
[0049] Ein entschlichtetes und gebleichtes Seidengewebe mit einem Flächengewicht von 70
g/m
2 wird mit einer wässrigen Flotte, die 20 % Polyäthylenglycol 300 (und 2 % Uvitel EBF
(Ciba-Geigy) enthält, auf 100 % Gewichtszunahme geklotzt und zwei Minuten bei 100°C
getrocknet. Darauf wird ein Transferpapier mit einem Flächengewicht von 40 g/m
2 gelegt, das im Tiefdruck mit Tinten bedruckt wurde, die als Rotfarbstoff 10 % C.I.
Disperse Red 60 und 10 % C.I. Disperse Red 55, als Gelbfarbstoff 10 % C.I. Disperse
Yellow 54 und 10 % C.I. Solvent Yellow 160 und als Blaufarbstoff 10 % C.I. Disperse
Blue 331 und 10 % C.I. Disperse Blue 60 enthalten.
[0050] Der Umdruck erfolgt bei 205°C in 40 m.
[0051] Es entsteht ein sehr brillanter Druck mit sehr guten Echtheiten und guter Penetration
der Farbstoffe in das Seidengewebe.
1.- Verfahren zum Bedrucken von Textilmaterialien, die ganz oder teilweise aus Naturseidenfasern
bestehen, nach dem Prinzip des Transferdruckes von einem Umdruckträger bei erhöhter
Temperatur, bei dem man die Textilmaterialien mit einer wässrigen Zubereitung eines
Imprägniermittels vorbehandelt und das vorbehandelte Textilmaterial trocknet, dadurch
gekennzeichnet, dass man Farbstoffe verwendet, die bei Temperaturen von 190°C und
darunter in 30 Sekunden mit im wesentlichen 100 %iger Ausbeute vom Umdruckträger auf
das vorbehandelte Textilmaterial übergehen, und zwecks Erzielung eines stabilen und
echten Druckes die Vorbehandlung mit der wässrigen Lösung, Suspension oder Dispersion
eines Imprägnierungsmittels vornimmt, welches unter 600C fest ist und im Temperaturbereich von 60 bis 160°C schmilzt, im wesentlichen farblos
ist, Seide nicht angreift und im flüssigen, aber nicht im festen Zustand auf die jeweils
angewandten Farbstoffe lösend einwirkt, dass man bei Temperaturen von höchstens 210°C
umdruckt, und dass man das bedruckte Textilmaterial spült oder wäscht.
2. - Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass man als Imprägniermittel
Verbindungen der Formel

oder

verwendet, worin bedeuten :
n Null oder 1,
m eine natürliche Zahl,
R Wasserstoff, C1- bis C8-Alkyl, C7- bis C15-aralkyl oder -alkaryl,

R2SO2- oder

R1 -OH, -OR2, -SR2, -NHR2,



R2 C1- bis C8-Alkyl, C5- bis C10-Cycloalkyl, C7- bis C15-aralkyl oder -alkaryl, C6- oder C10-Aryl oder Furfuryl, A

-CH2C(CH2OR)3,

(-CH2)3CCH2OR, (-CH2)4C,


und z = 0, 1, 2, 3 oder 4, wobei z nicht grösser als y ist, und
x die Zahl der nicht abgesättigten Valenzen von A.
3. - Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass man als Imprägniermittel,
das den angegebenen Eigenschaften entspricht, ein Polyäthylenglycol, ein Polypropylenglycol,
ein Polyäthylen-polypropylen- glycol, 1,1,1-Tris-(hydroxymethyl)-propan, 1,1,1-Tris-(hydroxymethyl)-äthan,
ε-Caprolactam, Nicotinsäureamid, Isonicotinsäureamid, Isopropyilenharnstoff, Aethylenharnstoff
oder Glyoxalmonourein verwendet.
4. - Abänderung des Verfahrens gemäss Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass man
für Polyesterfärbungen geeignete Farbstoffe einsetzt, ein flüssiges oder festes Imprägniermittel
verwendet,und dass man vor, während oder nach der Vorbehandlung mit dem wässrigen
Imprägniermittel einen für die optische Aufhellung von Polyestermaterialien vorgesehenen
optischen Aufheller aufbringt.
5. - Verfahren nach Anspruch 4, dadurch gekennzeichnet, dass man als Imprägniermittel
einen mehrwertigen Alkohol, insbesondere ein Polyäthylenglycol mit einem durchschnittlichen
Molekulargewicht von 200 bis 1000, bevorzugt von 300 bis 600, oder ein Polypropylenglycol
mit einem durchschnittlichen Molekulargewicht von 400 bis 1100, bevorzugt 400 bis
900 verwendet und bei Temperaturen von 190 bis 230°C umdruckt.
6. - Verfahren nach Anspruch 4, dadurch gekennzeichnet, dass man die Flotte, die den
optischen Aufheller enthält, in solchen Mengen aufbringt, dass sich eine Menge an
Aufheller in der Seide von 0,2 bis 5 Gew.-% ergibt.
7. - Verfahren nach Anspruch 4, dadurch gekennzeichnet, dass man bei erhöhtem Anpressdruck
des Umdruckträgers an das Textilmaterial, insbesondere bei einem Kontaktdruck von
103 bis 106 Pa, bevorzugt mehr als 5.103 Pa, arbeitet.
8. - Verfahren nach einem der vorstehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass
man die wässrige Vorbehandlungs-Zubereitung in solchen Mengen aufbringt, dass das
vorbehandelte, getrocknete Seidengewebe 15 bis 30 Gew.-%, bevorzugt etwa 20 Gew.-%
an Imprägniermittel enthält.
9. - Verfahren nach einem der vorstehenden Ansprüche, zur Erzeugung von brillanten
Drucken, dadurch gekennzeichnet, dass man Umdruckträger verwendet, die 1 bis 2,5 g
Farbstoff pro m2 bedruckter Fläche, bevorzugt etwa 1,5 g/m2, aufweisen.
10. - Umdruckträger zur Ausführung des Verfahrens nach Anspruch 9, der auf einem flächigen
Substrat 1 bis 2,5 g sublimierbaren Farbstoff pro m2 bedruckter Fläche enthält.
11. - Verwendung von Trichromien aus
1,4-Diisopropylamino-anthrachinon (blau)
2) 1-Amino-2-chlor-oder-brom-4-hydroxy-anthrachinon (rot) und

(gelb) zum Bedrucken von Seidengeweben im Transferdruck, die mit einem festen Imprägniermittel
gemäss Anspruch 1 vorbehandelt sind.
12. - Verwendung von Mischungen aus
a) C.I. Solvent Yellow 160 und C.I. Disperse Yellow 54,
b) C.I. Disperse Red 66 und C.I. Disperse Red 60,
c) C.I. Disperse Blue 56 oder C.I. Disperse Blue 60 und C.I. Disperse Blue 331
zum Bedrucken von Seidengeweben im Transferdruck nach hierin beschriebenen Arbeitsweisen
mit besonders hoher Brillanz und gleichzeitig hohen Echtheiten.