(19)
(11) EP 0 160 795 A2

(12) EUROPÄISCHE PATENTANMELDUNG

(43) Veröffentlichungstag:
13.11.1985  Patentblatt  1985/46

(21) Anmeldenummer: 85102012.3

(22) Anmeldetag:  23.02.1985
(51) Internationale Patentklassifikation (IPC)4D01G 19/22
(84) Benannte Vertragsstaaten:
CH DE GB IT LI

(30) Priorität: 07.05.1984 CH 2219/84

(71) Anmelder: MASCHINENFABRIK RIETER AG
CH-8406 Winterthur (CH)

(72) Erfinder:
  • Eichenberger, Hansulrich
    D-8406 Winterthur (CH)
  • Lacher, Ludwig
    D-8620 Wetzikon (DE)
  • Schmid, Titus
    D-8406 Winterthur (DE)


(56) Entgegenhaltungen: : 
   
       


    (54) Reinigungsvorrichtung für die Druckwalzen einer Kämmmaschine


    (57) Die vorliegende Erfindung bezieht sich auf eine Reinigungsvorrichtung für Druckwalzen an Kämmaschinen. Gemäss derselben ist eine frei rotierbare, faserhaftfreie und eine glatte Oberfläche aufweisende Putzwalze (19) auf den Druckwalzen (17) aufgelegt.
    Im Betrieb der Kämmaschine werden Putzwalzen (19) beim Wechsel der Rotationsrichtung der Druckwalzen (17) nicht augenblicklich mitgenommen, so dass diese auf den Druckwalzen um einen gewissen Betrag rutschen. Dadurch werden die an den Druckwalzen haftenden Fasern abgestreift. Sie fallen auf das zwischen den Druckwalzen (17) und den Abreisszylindern (16) geführte Vlies (22). Wegen der relativ kleinen Menge von abfallenden Fasern haben diese auf die Qualität des Vlieses praktisch keinen Einfluss.
    Gemäss der Erfindung ist das heute gebräuchliche, periodische Reinigen der Plüschbeläge von Putzrollen oder Putzbrettchen nicht mehr nötig.




    Beschreibung


    [0001] Die vorliegende Erfindung bezieht sich auf eine Reinigungsvorrichtung für an Abreisszylinder angepresste Druckwalzen einer Kämmaschine, bei welcher sich zwei Druckwalzen auf mindestens ungefähr gleicher Höhe nebeneinander und oberhalb der Abreisszylinder, an die sie angepresst sind, befinden.

    [0002] Es ist bekannt, dass bei Kämmaschinen an den Abreisszylindern und den zugehörigen Druckwalzen Abfallteilchen, vor allem einzelne Fasern, hängen bleiben, welche weggeschafft werden müssen. Zur Reinigung der Druckwalzen werden im allgemeinen Putzrollen oder Putzbrettchen, welche mit einem Plüschüberzug versehen sind, verwendet. Dabei werden die Fasern vom Plüsch erfasst und bleiben an diesem hängen. Dies bringt jedoch den Nachteil mit sich, dass der Plüsch periodisch gereinigt werden muss. Dabei ist vor allem nachteilig, dass dies in der Regel ungefähr alle zwei Stunden geschehen muss, was für das Bedienungspersonal eine relativ aufwendige Arbeit bedeutet. Gemäss vorliegender Erfindung soll dieser Nachteil vermieden werden. Diese ist dadurch gekennzeichnet, dass mindestens eine zu den Druckwalzen parallele, frei rotierbare und eine glatte, faserhaftfreie Mantelfläche besitzende Putzwalze vorgesehen ist, welche auf mindestens einer der Druckwalzen aufliegt, wobei ihre Oberfläche und diejenige der Druckwalze von solcher Beschaffenheit sind, dass im Betrieb der Kämmmaschine ein Rutschen der Putzwalze auf der Druckwalze eintritt. Es zeigt sich, dass bei der erfindungsgemässen Vorrichtung sowohl an den Druckwalzen als auch an der Putzwalze keine Fasern hängen bleiben, d.h. dass die letztere selbstreinigend ist. Somit fällt das periodische Reinigen der Putzrollen oder Putzbrettchen weg. Die reinigende Wirkung und die Selbstreinigung kommen zustande, weil bei Kämmaschinen die Abreisszylinder und die Druckwalzen im Betrieb vorwärts und rückwärts drehen, wobei das Inbewegungsetzen der Rotationsbewegungen ruckartigen Charakter hat. Bei jedem Wechsel der Drehbewegung tritt ein Rutschen zwischen der Druckwalze und der Putzwalze auf, weil die letztere frei rotierbar ist und wegen ihren speziellen Eigenschaften nich augenblicklich mitgenommen wird. Dieses Rutschen erz~ugt eine Schab- und Abstreifwirkung. Dadurch fallen die Fasern als Einzelfasern oder kleine Faserbüschel von den Walzen ab. Es ist ein besonderer Vorteil der Erfindung, dass die abfallenden Fasern dabei auf das Vlies gelangen, welches sich zwischen den nebeneinander verlaufenden Paaren von Abreisszylindern und Druckwalzen erstreckt. Da es sich dabei um eine relativ kleine Menge von Fasern handelt, erleidet die Qualität des Vlieses dadurch keine Einbusse. Die Erfindung sei nun anhand von Ausführungsbeispielen und der Zeichnung ausführlich erläutert. In der letzteren ist Fig. 1 eine schematische Darstellung einer Kämmwalze, von Abreisszylindern, Druckwalzen und einer Putzwalze, von der Seite gesehen und Fig. 2 eine weitere Ausführungsform der Erfindung, ebenfalls von der Seite gesehen. In beiden Figuren bezeichnen gleiche Bezugszeichen gleiche Teile.

    [0003] Die Fig. 1 zeigt eine Kämmwalze 11 mit über einen Teil ihres Umfangs angebrachten Kämmnadeln 12. Angrenzend sind eine Unterzange 13, eine Oberzange 14 und neben dieser noch ein Fixkamm 15 vorgesehen. Ausserdem sind zwei Abreisszylinder 16 und zwei gegen diese angepresste Druckwalzen 17 vorhanden. Sowohl die Zylinder 16 als auch die Walzen 17 liegen parallel zueinander.

    [0004] Auf den Druckwalzen 17 aufliegend ist eine um ihre Längsachse 18 frei rotierbare Putzwalze 19 vorhanden. Sie besteht aus einem faserhaftfreien Material, d.h. aus einem Material, an welchem die Fasern nicht haften, sondern von welchem sie leicht abfallen. Sie besitzt eine glatte, geschliffene Mantelfläche. Die Putzwalze 19 ist an jedem ihrer Enden durch eine Führung 20 in ihrer achsialen oder Längsrichtung fixiert. Dabei gestatten die Führungen 20 eine freie Auf- und Abwärtsbewegung der Achsen 18 über die Länge eines in der Führung 20 vorhandenen, vertikalen Schlitzes 21.

    [0005] Zwischen den beiden je aus einem Zylinder 16 und einer Walze 17 bestehenden Paaren und von den Zangen 13, 14 ist ein bandförmiges Vlies 22 gehalten.

    [0006] Die durch die Zangen 13, 14 und den Fixkamm 15 gebildete Anordnung ist gegen die Zylinder 16 und Walzen 17 hin und wieder in die gezeichnete Stellung zurück bewegbar.

    [0007] Im Betrieb der Kämmaschine wird bei dieser Bewegung der Zangen 13, 14 das von diesen gehaltene Vlies 22 dem in Fig. l rechten, aus einem Zylinder 16 und einer Walze 17 bestehenden Paar übergeben. Andererseits führen die Zylinder 16 und Walzen 17 während des Kämmens im Takte der Hin- und Herbewegung der Teile 13, 14, 15 erfolgende Drehbewegungen in beiden Drehrichtungen aus. Bei den heutigen Kämmaschinen werden bei normaler Arbeitsweise ca. 350 Kammschläge pro Minute ausgeführt. Damit erfolgen pro Minute auch ebensoviele Rotationsbewegungen der Zylinder 16 und damit der Walzen 17 in beiden Rotationsrichtungen. Die Arbeitsweise der Kämmaschine bedingt daher an sich, dass die Rotationsbewegungen der Druckwalzen 17 einen ruckartigen Charakter haben. Als Folge davon ergibt sich für vorliegende Erfindung, dass wegen des Beharrungsvermögens der Putzwalze 19 diese bei jeden Wechsel der Rotationsrichtung der Walzen 17 auf diesen rutscht. Dadurch streift die Putzwalze 19 die Fasern von den Druckwalzen 17 ab. Diese fallen auf das Vlies 22 und werden von diesem mitgenommen. Die Menge der abfallenden Fasern ist relativ klein, so dass dadurch die Qualität des Vlieses praktisch nicht beeinträchtigt wird. Dadurch resultiert der Vorteil, dass sich das periodische Reinigen der Putzwalze 19 erübrigt.

    [0008] Gemäss der in Fig. 2 gezeigten, weiteren Ausführungsform sind wiederum zwei Abreisszylinder 16 und zwei Druckwalzen 17 vorhanden, mittels welchen ein Vlies 22 gehalten und von rechts nach links befördert wird. Auf jedem Druckzylinder 17 liegt eine Putzwalze 19 auf. Auch diese Putzwalzen sind um ihre Achsen 18 frei rotierbar. Sie sind wiederum durch Führungen 20 in ihrer achsialen Richtung fixiert und in Schlitzen dieser Führungen in vertikaler Richtung frei beweglich. Eine Kämmwalze und Zangen sind in dieser Figur nicht gezeichnet.

    [0009] Im Betrieb der Anordnung nach Fig. 2 findet ebenfalls bei jeder Umkehrung der Drehbewegung der Druckwalzen 17 ein Rutschen zwischen diesen und den Putzwalzen 15 und dadurch ein Abstreifen der an den Druckwalzen 17 haftenden Fasern statt. Auch in diesem Beispiel fallen diese auf das Vlies 22, wodurch die periodische Reinigung der Putzwalzen 19 nicht mehr nötig ist.

    [0010] Es ist bei vorliegender Erfindung von Wichtigkeit, dass das Rutschen der Putzwalze 19 auf der Druckwalze 17 bzw. den Druckwalzen 17 in richtiger Weise vor sich geht. Die Reibungskoeffizienten von Druck- und Putzwalzen und der Auflagedruck zwischen diesen müssen so gewählt sein, dass bei der Umkehrung des Drehsinns der Druckwalzen 17 zwischen diesen und der Putzwalze 19 bzw. den Putzwalzen 19 ein Rutschen eintritt, d.h. dass die letzteren mit ihrer Drehbewegung verzögert folgen, oder dass unmittelbar bei einer Drehrichtungsänderung der Druckwalzen 17 zwischen diesen und der Putzwalze ein Schlupf vorhanden ist. Das Rutschen lässt sich auf verschiedene Arten beeinflussen:

    a) Das Gewicht der Walze bzw. ihr Auflagedruck kann entsprechend gewählt werden, z.B. durch Wahl des Walzenmaterials oder durch Vorsehen eines Kerns von gewünschtem Gewicht im Innern der Walze.

    b) Das Material am Ort der Mantelfläche der Putzwalze kann in einer Weise gewählt werden, dass der Reibungskoeffizient zwischen Druck- und Putzwalzen von einer Grösseist, dass ein Rutschweg von gewünschtem Betrag eintritt. - Es hat sich als vorteilhaft erwiesen, für die Putzwalze das gleiche Material zu verwenden, aus welchem die Druckwalzen hergestellt sind. Allgemein empfiehlt sich als Material für die Putzwalzen, d.h. mindestens für deren Mantelflächen, Naturkautschuk, Nitrilkautschuk oder Polyvinylchlorid weich.

    c) Die Elastizität der Putzwalze ist ebenfalls von Bedeutung. Eine Härte der Putzwalze am Ort der Mantelfläche, welche zwischen 650 und 70° Shore liegt, erwies sich als vorteilhaft.



    [0011] In der Praxis hat sich eine der Fig. 1 entsprechende Anordnung bewährt, bei welcher die Kämmaschine mit 350 Kammschlägen pro Minute arbeitete. Die Länge der Druck- und Putzwalzen betrug 34 cm. Die Putzwalze besass einen Durchmesser von 5 cm und ihr Gewicht war 350 g. Sowohl die Druck- als auch die Putzwalzen wiesen eine Oberfläche aus Nitrilkautschuk auf. Zudem waren die Oberflächen der Walzen in der Weise, wie dies für Druckwalzen für Spinnereimaschinen üblich ist, geschliffen.


    Ansprüche

    1. Reinigungsvorrichtung für an Abreisszylinder angepresste Druckwalzen einer Kämmaschine, bei welcher sich zwei Druckwalzen auf mindestens ungefähr gleicher Höhe nebeneinander und oberhalb der Abreisszylinder, an die sie angepresst sind, befinden, dadurch gekennzeichnet, dass mindestens eine zu den Druckwalzen (17) parallele, frei rotierbare und eine glatte, faserhaftfreie Mantelfläche besitzende Putzwalze (19) vorgesehen ist, welche auf mindestens einer der Druckwalzen (17) aufliegt, wobei ihre Oberfläche und diejenige der Druckwalze (17) von solcher Beschaffenheit sind, dass im Betrieb der Kämmaschine ein Rutschen der Putzwalze (19) auf der Druckwalze (17) eintritt.
     
    2. Vorrichtung nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die Druckwalzen (17) zueinander parallel sind und die Putzwalze (19) auf beiden Druckwalzen (17) durch ihr Eigengewicht aufliegt.
     
    3. Vorrichtung nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die Putzwalze (19) beidendig durch Führungen (20) in ihrer Längsrichtung fixiert ist.
     
    4. Vorrichtung nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass im Betrieb der Kämmaschine das Auftreten von Rutschwegen zwischen Druckwalze (17) und Putzwalze (19) von gewünschter Grösse durch die Wahl des Gewichts der Putzwalze (19) erfolgt.
     
    5. Vorrichtung nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die Mantelfläche der Putzwalze (19) aus Naturkautschuk, Nitrilkautschuk oder Polyvinylchlorid weich oder dergleichen besteht.
     
    6. Vorrichtung nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass am Ort der Mantelfläche der Putzwalze (19) eine Materialschicht vorhanden ist, deren Härte zwischen 65° und 700 Shore liegt.
     
    7. Vorrichtung nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die Mantelfläche der Putzwalze (19) und die der Druckwalze (17) aus demselben Material bestehen.
     
    8. Vorrichtung nach Anspruch 4, dadurch gekennzeichnet, dass im Innern der Putzwalze (19) ein Kern vorgesehen ist, welcher der Festsetzung des Gewichtes und damit des Auflagedrucks der Putzwalze (19) dient.
     




    Zeichnung