(19)
(11) EP 0 160 840 A2

(12) EUROPÄISCHE PATENTANMELDUNG

(43) Veröffentlichungstag:
13.11.1985  Patentblatt  1985/46

(21) Anmeldenummer: 85104020.4

(22) Anmeldetag:  03.04.1985
(51) Internationale Patentklassifikation (IPC)4F17C 13/00
(84) Benannte Vertragsstaaten:
DE FR GB NL

(30) Priorität: 09.05.1984 DE 3417055

(71) Anmelder: Messerschmitt-Bölkow-Blohm Gesellschaft mit beschränkter Haftung
D-81663 München (DE)

(72) Erfinder:
  • Seidel, Albert, Dipl.-Ing.
    D-8011 Siegertsbrunn (DE)
  • Neuking, Hartmut, Ing.-grad.
    D-8000 München 81 (DE)
  • Blenninger, Ernst
    D-8000 München 83 (DE)


(56) Entgegenhaltungen: : 
   
       


    (54) Helium-II-Phasentrenner


    (57) Der reproduzierbar herzustellende Helium-II-Phasentrenner basiert auf der Ausnutzung des thermomechanischen Effektes und besteht aus mehreren, nebeneinander gelegenen spaltförmigen Durchlaßkanälen gleicher Spaltdicke, welche in den Wandungen eines in flüssiges Helium hineinragenden Hohlraumes angeordnet sind, aus dessen Innenraum gasförmiges Helium abführbar ist.




    Beschreibung


    [0001] Die Erfindung betrifft einen Helium-II-Phasentrenner mit spaltförmigen Durchlaßkanälen zur Ausnutzung des thermomechanischen Effektes.

    [0002] Eine Einrichtung zur Phasentrennung von Helium-II, insbesondere im schwerelosen Zustand, ist u.a. von H.D. Denner et al, Freie Universität Berlin, im Forschungsbericht W-79-47, Dezember 1979, beschrieben. Zur Trennung von superfluidem Helium (HeII) von der Gasphase wird dabei der thermomechanische Effekt (Fontäneneffekt) ausgenutzt. Dieser Effekt äußert sich bei zwei durch ein Kapillarsystem verbundenen Flüssigkeitsbehältern durch Ansteigen des Niveaus auf der wärmeren Seite. Dieser Effekt ist auch wirksam, wenn sich auf der einen Seite des Kapillarsystems Heliumgas befindet. Ist die Temperatur des Flüssigkeitsbades größer als die Temperatur des Kapillarsystems auf der Seite der Gasphase, so kann die Flüssigkeit bei geeigneter Wahl der Randbedingungen aufgrund des thermomechanischen Effektes das Kapillarsystem nicht passieren, da die zugehörige Kraft entgegengesetzt zum Temperaturgefälle, also von der Austrittssseite zum Flüssigkeitsbad hin, gerichtet ist. Hierauf beruht die Anwendbarkeit eines derartigen Systems als Phasentrenner für Helium-II. Die niedrigere Temperatur der Austrittsseite wird durch Druckerniedrigung, z.B. durch Abpumpen, erreicht, die zur Kühlung durch Verdampfen von Flüssigkeit führt. Bei Weltraumbedingungen genügt hierzu lediglich ein Drosselventil inder Abgasleitung, durch welches das Heliumgas in den Weltraum (Vakuum) ausströmt.

    [0003] Ein bekanntes Kapillarsystem, das zur Erzeugung des thermomechanischen Effektes geeignet ist, besteht im wesentlichen aus einem Stopfen aus eng gewickelter Aluminiumfolie mit spiralförmiger Durchlaßöffnung, der in eine Halterung aus gut wärmeleitendem Material eingesetzt und mit dieser an das Abgassystem angeschlossen ist. Bei einem derartigen Stopfen entsteht jedoch durch den Wickelvorgang genau genommen nicht nur eine Durchlaßöffnung, sondern eine Vielzahl unregelmäßiger, in einer Spirale nebeneinanderliegender spaltförmiger Durchlaßöffnungen. Die Wickelspannung muß dabei so eingestellt sein, daß die größte Durchlaßöffnung maximal eine Spaltdicke von ca. 10 µm aufweist, da sonst der thermomechanische Effekt nicht auftritt und flüssigese Helium austreten würde. Durchlaßöffnungen dieser Art lassen sich nicht reproduzierbar herstellen, so daß stets eine Vielzahl derartiger Stopfen hergestellt und im Versuch auf Brauchbarkeit erprobt werden muß.

    [0004] Aus der o.g. Literaturstelle ist weiterhin bekannt, daß der thermomechanische Effekt auch in engen Ringspalten wirksam ist, deren Spaltweite ca. 10 µm oder weniger beträgt. In Experimenten wurde jedoch gezeigt, daß bei ausschließlicher Nutzung des thermomechanischen Effektes zur Phasentrennung der Heliumdurchsatz durch einen engen Ringspalt vergleichsweise gering ist. Das würde z.B. im Falle eines für Weltraumexperimente typischen Heliumdurchsatzes von ca. 45 mg/sec einen Ringspalt mit einem Durchmesser von ca. 0,8 m bei einer Spaltweite von ca. 10 µm erfordern. Derartige Ringspalte sind jedoch kaum herstellbar und für die Anwendung in Raumflugkörpern ungeeignet.

    [0005] Es ist daher Aufgabe der Erfindung, einen Helium-II-Phasentrenner der obengenannten Art zu schaffen, der reproduzierbar herstellbar und für die Anwendung in Raumflugkörpern geeignet ist.

    [0006] Diese Aufgabe erfüllt ein nach den kennzeichnenden Merkmalen des Patentanspruchs 1 ausgebildeter Helium-II-Phasentrenner. Die Erfindung wird im folgenden anhand zweier, in den Figuren teilweise schematisch dargestellter Ausführungsbeispiele beschrieben.

    [0007] Es zeigen:

    Fig. 1 eine Seitenansicht bzw. einen Längsschnitt durch einen Helium-II-Phasentrenner aus übereinander gestapelten, quadratischen Ringscheiben;

    Fig. 2 einen Querschnitt durch einen Helium-II-Phasentrenner gemäß Fig. 1;

    Fig. 3 einen Helium-II-Phasentrenner mit zylindrischem Hohlkörper und achsparallelen Nuten;

    Fig. 4 einen Querschnitt durch einen Helium-II-Phasentrenner gemäß Fig. 3 im Bereich einer Nut;

    Fig. 5 einen Längsschnitt durch einen Helium-II-Phasentrenner gemäß Fig. 3 längs der Nut;

    Fig. 6 eine Aufsicht auf einen Teilbereich eines Helium-II-Phasentrenners gemäß Fig. 3 im Bereich der Nut;

    Fig. 7 die Anordnung eines Helium-II-Phasentrenners an einem Helium-II-Kyrostaten mit Durchsatzregelung.



    [0008] Der in Fig. 1 dargestellte Phasentrenner weist im wesentlichen einen Tankflansch 1 zur Befestigung innerhalb eines mit Helium-II gefüllten Tankes eines Kyrostaten auf. An der Stirnseite einer zylindrischen Verlängerung 1.1 des Tankflansches 1 ist ein Stapel aus gleichen quadratischen Ringscheiben 2 mit jeweils dazwischen befindlichen Abstandsstücken 3 angeordnet. Dieser Stapel ist an dem in den Tank hineinragenden Ende mit einer Abdeckscheibe 4 dicht verschlossen und wird zusammen mit dieser Abdeckscheibe durch Zuganker 5 unter elastischer Vorspannung an dem Flansch 1 befestigt. Im Innern des durch den Ringscheibenstapel und die Abdeckscheibe 4 entstandenen Hohlraumes (s. Fig. 2) ist ein mit der Abdeckscheibe 4 verbundener Verdrängungskörper 6 befestigt, der zwischen sich und dem Innenrand jeder Ringscheibe, sowie zum Flansch 1 einen topfförmigen Spalt 7 freiläßt. Dieser topfförmige Spalt 7 steht mit einer durch den Flansch 1 geführten Abgasleitung 8 in Verbindung, welche um die zylindrische Verlängerung 1.1 des Flansches 1 und den Ringscheibenstapel herumgewickelt und somit als Wärmetauscher ausgebildet ist, bis sie in einem zentralen Auslaß 1.2 des Flansches 1 endet.

    [0009] Die Spaltweite zwischen den Scheiben2beträgt ca. 10 µm; sie kann zwischen 5 und 15 µm liegen, wobei dieser Abstand für die zeichnerische Darstellung um das etwa 200-fache überhöht wurde. Die Oberflächengüte der Ringscheiben 2 ist besonders hoch; die Oberflächenwelligkeit sollte <1 µm betragen. Bei einer Außenabmessung der Scheiben 2 von 50 mm, einer durch die Abstandsstücke 3 begrenzten Kanalbreite von 30 mm und einer Strömungskanallänge von 10 mm im Spalt würden für den eingangs erwähnten He-Durchsatz von 45 mg/sec bei dieser Ausführungsform 21 übereinandergestapelte Scheiben erforderlich sein, was bei einer angenommenen Scheibendicke von 2 mm eine Höhe des gesamten Scheibenpaketes von nur ca. 42 mm ergibt.

    [0010] Die Funktionsweise dieses Phasentrenners ist bereits aus seinem Aufbau erkennbar:

    [0011] Zwischen je zwei benachbarten Ringscheiben 2, die in den Ecken quadratische Abstandshalter 3 aufweisen, entstehen vier spaltförmige Durchlaßkanäle, in denen Helium ausschließlich in einer zweidimensionalen Strömung fließen kann. Die Dicke jedes Durchlaßkanales ist gleich und so bemessen, daß bei geeigneten Randbedingungen der thermomechanische Effekt auftritt, aufgrund dessen superfluides Helium (Helium-II) am Durchtritt durch die spaltförmigen Kanäle gehindert wird. In dem topfförmigen Sammelspalt 7 strömt daher nur noch gasförmiges Helium, welches über die Abgasleitung 8 abgezogen wird. Über die i*eiteren als Wärmetauscher ausgebildete Abgasleitung 8 wird die im Heliumgas noch vorhandene Restkälte ausgenutzt.

    [0012] Der in Fig. 3 dargestellte Helium-II-Phasentrenner besteht aus einem zylindrischen Hohlkörper 9, der, ähnlich wie die aufeinandergestapelten Ringscheiben des Phasentrenners gemäß Fig. 1,an einem nicht dargestellten Flansch mit zentraler Abgasleitung befestigt ist. Der Hohlkörper 9 weist verteilt auf seinem äußeren Umfang keilförmige Nuten 10 in Richtung der Zylinderlängsachse auf, welche mit dem Innenraum 11 über Bohrungen 12 in Verbindung stehen (sh. Fig. 4 und 5). Im Zentrum der keilförmigen Nuten 10 befinden sich keilförmige Leisten 13, die aufgrund von eingelegten Abstandsstücken 14 jeweils zwei gegenüberliegende Reihen aus gleichen spaltförmigen Durchlaßkanälen 15 erzeugen (sh. Fig. 4,5 und 6). Der Hohlraum 11 ist, ähnlich wie in Fig. 1, auf der dem Flansch abgewendeten Seite mit einem Deckel gasdicht verschlossen, an welchem, ebenfalls wie in Fig. 1, ein zylindrischer Verdrängungskörper zur Erzeugung eines topfförmigen Sammelspaltes befestigt sein kann.

    [0013] Die Dicke der Abstandshalter 14 sowie deren Abstände und die dadurch erzeugten Spaltgeometrien entsprechen denen des Phasentrenners gemäß Fig. 1. Die Strömung in diesen Durchlaßkanälen ist somit ebenfalls rein zweidimensional. Die keilförmigen Nuten und Leisten haben bei gleichem Keilwinkel den Vorteil, daß die Spaltdicke durch Verschiebung der Leisten in Keilrichtung eingestellt werden kann.

    [0014] In Fig. 7 ist in schematischer Weise der Einbau eines Phasentrenners 16 gemäß Fig. 1 oder 3 in den mit Helium-11 gefüllten Tank 17 eines Kyrostaten dargestellt. Das abgeführte gasförmige Helium (GHe) wird dabei zur Kühlung der Strahlungsschilde 18 des Kyrostaten verwendet, bis es über ein Regelventil 19 zu einer Vakuumpumpe bzw. in das Vakuum des Weltalls geführt wird. Die Regelung des Helium-Massendurchsatzes erfolgt durch Veränderung der Druckdifferenz zwischen dem Ein- und Austritt der Durchlaßkanäle derart, daß der thermomechanische Effekt bei den vorgegebenen Badtemperaturen stets erhalten bleibt. Dazu wird das außerhalb des Helium-II-Kyrostaten befindliche Regelventil 19 verwendet, das über einen Regler 20 von einem Motor 21 gesteuert wird. Der Regler 20 verwendet als Meßsignal die Helium-II-Badtemperatur (T). Diese Badtemperatur muß insbesondere bei Weltraumexperimenten sehr feinfühlig geregelt werden. Hat die Helium-II-Badtemperatur steigende Tendenz, so öffnet das Regelventil 19 und die daraufhin in den spaltförmigen Durchlaßkanälen des Phasentrenners 16 entstehende Druckdifferenz wird größer. Aufgrund der steigenden Druckdifferenz steigt auch der Heliumdurchsatz, wodurch sich das Bad wieder abkühlt. Dies wiederum hat die Umkehrung des eben beschriebenen Ablaufes zur Folge.


    Ansprüche

    1. Helium-II-Phasentrenner mit spaltförmigen Durchlaßkanälen zur Ausnutzung des thermomechanischen Effektes gekennzeichnet durch mehrere, nebeneinander gelegene spaltförmige Durchlaßkanäle gleicher Spaltdicke, welche in den Wandungen eines in flüssiges Helium hineinragenden Hohlraumes angeordnet sind, aus dessen Innenraum gasförmiges Helium abführbar ist.
     
    2. Phasentrenner nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet , daß die Geometrie der Durchlaßkanäle lediglich eine zweidimensionale Strömung zuläßt.
     
    3. Phasentrenner nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet , daß die Durchlaßkanäle jeweils durch zwei planparallele Wandungen gebildet werden, zwischen denen Abstandsstücke definierter Dicke angeordnet sind.
     
    4. Phasentrenner nach einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet , daß der Hohlraum und die Durchlaßkanäle durch Aufeinanderstapelung von Ringscheiben (2) mit dazwischen liegenden Abstandsstücken (3) gebildet werden.
     
    5. Phasentrenner nach Anspruch 4, dadurch ge- kennzeichnet, daß die Ringscheiben (2) n-eckig oder kreisförmig ausgebildet sind.
     
    6. Phasentrenner nach Anspruch 4 oder 5, dadurch gekennzeichnet , daß die Ringscheiben (2) und die Abstandsstücke (3) durch Zuganker (5) mit elastischer Vorspannung miteinander verbunden sind.
     
    7. Phasentrenner nach einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet , daß der Hohlraum und die Durchlaßkanäle durch einen zylindrischen Hohlkörper (9) mit achsparallelen Nuten (10) gebildet wird.
     
    8. Phasentrenner nach Anspruch 7, dadurch ge- kennzeichnet, daß innerhalb der Nuten (10) in Nutlängsrichtung Leisten (13) mit Abstandsstücken (14) zur Bildung je zweier Durchlaßkanäle angeordnet sind.
     
    9. Phasentrenner nach Anspruch 8, dadurch ge- kennzeichnet, daß die Nuten (10) und Leisten (13) keilförmig und mit gleichem Keilwinkel ausgebildet sind.
     
    10. Phasentrenner nach einem der Ansprüche 1 bis 9, dadurch gekennzeichnet , daß parallel zur Innenwand des Hohlraumes eine weitere Wandung (6) zur Bildung eines spaltförmigen Abfuhrkanales (7) für das gasförmige Helium vorgesehen ist, dessen Abmessung quer zur Strömungsrichtung des Gases größer ist als die der Durchlaßkanäle.
     
    11. Phasentrenner nach einem der Ansprüche 1 bis 10, dadurch gekennzeichnet , daß die Abfuhr des gasförmigen Heliums aus dem Hohlraum über einen mit dem flüssigen Helium in Wärmekontakt stehenden Wärmetauscher (8) erfolgt.
     




    Zeichnung