[0001] Die Erfindung betrifft einen Helium-II-Phasentrenner mit spaltförmigen Durchlaßkanälen
zur Ausnutzung des thermomechanischen Effektes.
[0002] Eine Einrichtung zur Phasentrennung von Helium-II, insbesondere im schwerelosen Zustand,
ist u.a. von H.D. Denner et al, Freie Universität Berlin, im Forschungsbericht W-79-47,
Dezember 1979, beschrieben. Zur Trennung von superfluidem Helium (HeII) von der Gasphase
wird dabei der thermomechanische Effekt (Fontäneneffekt) ausgenutzt. Dieser Effekt
äußert sich bei zwei durch ein Kapillarsystem verbundenen Flüssigkeitsbehältern durch
Ansteigen des Niveaus auf der wärmeren Seite. Dieser Effekt ist auch wirksam, wenn
sich auf der einen Seite des Kapillarsystems Heliumgas befindet. Ist die Temperatur
des Flüssigkeitsbades größer als die Temperatur des Kapillarsystems auf der Seite
der Gasphase, so kann die Flüssigkeit bei geeigneter Wahl der Randbedingungen aufgrund
des thermomechanischen Effektes das Kapillarsystem nicht passieren, da die zugehörige
Kraft entgegengesetzt zum Temperaturgefälle, also von der Austrittssseite zum Flüssigkeitsbad
hin, gerichtet ist. Hierauf beruht die Anwendbarkeit eines derartigen Systems als
Phasentrenner für Helium-II. Die niedrigere Temperatur der Austrittsseite wird durch
Druckerniedrigung, z.B. durch Abpumpen, erreicht, die zur Kühlung durch Verdampfen
von Flüssigkeit führt. Bei Weltraumbedingun
gen genügt hierzu lediglich ein Drosselventil inder Abgasleitung, durch welches das
Heliumgas in den Weltraum (Vakuum) ausströmt.
[0003] Ein bekanntes Kapillarsystem, das zur Erzeugung des thermomechanischen Effektes geeignet
ist, besteht im wesentlichen aus einem Stopfen aus eng gewickelter Aluminiumfolie
mit spiralförmiger Durchlaßöffnung, der in eine Halterung aus gut wärmeleitendem Material
eingesetzt und mit dieser an das Abgassystem angeschlossen ist. Bei einem derartigen
Stopfen entsteht jedoch durch den Wickelvorgang genau genommen nicht nur eine Durchlaßöffnung,
sondern eine Vielzahl unregelmäßiger, in einer Spirale nebeneinanderliegender spaltförmiger
Durchlaßöffnungen. Die Wickelspannung muß dabei so eingestellt sein, daß die größte
Durchlaßöffnung maximal eine Spaltdicke von ca. 10 µm aufweist, da sonst der thermomechanische
Effekt nicht auftritt und flüssigese Helium austreten würde. Durchlaßöffnungen dieser
Art lassen sich nicht reproduzierbar herstellen, so daß stets eine Vielzahl derartiger
Stopfen hergestellt und im Versuch auf Brauchbarkeit erprobt werden muß.
[0004] Aus der o.g. Literaturstelle ist weiterhin bekannt, daß der thermomechanische Effekt
auch in engen Ringspalten wirksam ist, deren Spaltweite ca. 10 µm oder weniger beträgt.
In Experimenten wurde jedoch gezeigt, daß bei ausschließlicher Nutzung des thermomechanischen
Effektes zur Phasentrennung der Heliumdurchsatz durch einen engen Ringspalt vergleichsweise
gering ist. Das würde z.B. im Falle eines für Weltraumexperimente typischen Heliumdurchsatzes
von ca. 45 mg/sec einen Ringspalt mit einem Durchmesser von ca. 0,8 m bei einer Spaltweite
von ca. 10 µm erfordern. Derartige Ringspalte sind jedoch kaum herstellbar und für
die Anwendung in Raumflugkörpern ungeeignet.
[0005] Es ist daher Aufgabe der Erfindung, einen Helium-II-Phasentrenner der obengenannten
Art zu schaffen, der reproduzierbar herstellbar und für die Anwendung in Raumflugkörpern
geeignet ist.
[0006] Diese Aufgabe erfüllt ein nach den kennzeichnenden Merkmalen des Patentanspruchs
1 ausgebildeter Helium-II-Phasentrenner. Die Erfindung wird im folgenden anhand zweier,
in den Figuren teilweise schematisch dargestellter Ausführungsbeispiele beschrieben.
[0007] Es zeigen:
Fig. 1 eine Seitenansicht bzw. einen Längsschnitt durch einen Helium-II-Phasentrenner
aus übereinander gestapelten, quadratischen Ringscheiben;
Fig. 2 einen Querschnitt durch einen Helium-II-Phasentrenner gemäß Fig. 1;
Fig. 3 einen Helium-II-Phasentrenner mit zylindrischem Hohlkörper und achsparallelen
Nuten;
Fig. 4 einen Querschnitt durch einen Helium-II-Phasentrenner gemäß Fig. 3 im Bereich
einer Nut;
Fig. 5 einen Längsschnitt durch einen Helium-II-Phasentrenner gemäß Fig. 3 längs der
Nut;
Fig. 6 eine Aufsicht auf einen Teilbereich eines Helium-II-Phasentrenners gemäß Fig.
3 im Bereich der Nut;
Fig. 7 die Anordnung eines Helium-II-Phasentrenners an einem Helium-II-Kyrostaten
mit Durchsatzregelung.
[0008] Der in Fig. 1 dargestellte Phasentrenner weist im wesentlichen einen Tankflansch
1 zur Befestigung innerhalb eines mit Helium-II gefüllten Tankes eines Kyrostaten
auf. An der Stirnseite einer zylindrischen Verlängerung 1.1 des Tankflansches 1 ist
ein Stapel aus gleichen quadratischen Ringscheiben 2 mit jeweils dazwischen befindlichen
Abstandsstücken 3 angeordnet. Dieser Stapel ist an dem in den Tank hineinragenden
Ende mit einer Abdeckscheibe 4 dicht verschlossen und wird zusammen mit dieser Abdeckscheibe
durch Zuganker 5 unter elastischer Vorspannung an dem Flansch 1 befestigt. Im Innern
des durch den Ringscheibenstapel und die Abdeckscheibe 4 entstandenen Hohlraumes (s.
Fig. 2) ist ein mit der Abdeckscheibe 4 verbundener Verdrängungskörper 6 befestigt,
der zwischen sich und dem Innenrand jeder Ringscheibe, sowie zum Flansch 1 einen topfförmigen
Spalt 7 freiläßt. Dieser topfförmige Spalt 7 steht mit einer durch den Flansch 1 geführten
Abgasleitung 8 in Verbindung, welche um die zylindrische Verlängerung 1.1 des Flansches
1 und den Ringscheibenstapel herumgewickelt und somit als Wärmetauscher ausgebildet
ist, bis sie in einem zentralen Auslaß 1.2 des Flansches 1 endet.
[0009] Die Spaltweite zwischen den Scheiben
2beträgt ca. 10 µm; sie kann zwischen 5 und 15 µm liegen, wobei dieser Abstand für
die zeichnerische Darstellung um das etwa 200-fache überhöht wurde. Die Oberflächengüte
der Ringscheiben 2 ist besonders hoch; die Oberflächenwelligkeit sollte <1 µm betragen.
Bei einer Außenabmessung der Scheiben 2 von 50 mm, einer durch die Abstandsstücke
3 begrenzten Kanalbreite von 30 mm und einer Strömungskanallänge von 10 mm im Spalt
würden für den eingangs erwähnten He-Durchsatz von 45 mg/sec bei dieser Ausführungsform
21 übereinandergestapelte Scheiben erforderlich sein, was bei einer angenommenen Scheibendicke
von 2 mm eine Höhe des gesamten Scheibenpaketes von nur ca. 42 mm ergibt.
[0010] Die Funktionsweise dieses Phasentrenners ist bereits aus seinem Aufbau erkennbar:
[0011] Zwischen je zwei benachbarten Ringscheiben 2, die in den Ecken quadratische Abstandshalter
3 aufweisen, entstehen vier spaltförmige Durchlaßkanäle, in denen Helium ausschließlich
in einer zweidimensionalen Strömung fließen kann. Die Dicke jedes Durchlaßkanales
ist gleich und so bemessen, daß bei geeigneten Randbedingungen der thermomechanische
Effekt auftritt, aufgrund dessen superfluides Helium (Helium-II) am Durchtritt durch
die spaltförmigen Kanäle gehindert wird. In dem topfförmigen Sammelspalt 7 strömt
daher nur noch gasförmiges Helium, welches über die Abgasleitung 8 abgezogen wird.
Über die i*eiteren als Wärmetauscher ausgebildete Abgasleitung 8 wird die im Heliumgas
noch vorhandene Restkälte ausgenutzt.
[0012] Der in Fig. 3 dargestellte Helium-II-Phasentrenner besteht aus einem zylindrischen
Hohlkörper 9, der, ähnlich wie die aufeinandergestapelten Ringscheiben des Phasentrenners
gemäß Fig. 1,an einem nicht dargestellten Flansch mit zentraler Abgasleitung befestigt
ist. Der Hohlkörper 9 weist verteilt auf seinem äußeren Umfang keilförmige Nuten 10
in Richtung der Zylinderlängsachse auf, welche mit dem Innenraum 11 über Bohrungen
12 in Verbindung stehen (sh. Fig. 4 und 5). Im Zentrum der keilförmigen Nuten 10 befinden
sich keilförmige Leisten 13, die aufgrund von eingelegten Abstandsstücken 14 jeweils
zwei gegenüberliegende Reihen aus gleichen spaltförmigen Durchlaßkanälen 15 erzeugen
(sh. Fig. 4,5 und 6). Der Hohlraum 11 ist, ähnlich wie in Fig. 1, auf der dem Flansch
abgewendeten Seite mit einem Deckel gasdicht verschlossen, an welchem, ebenfalls wie
in Fig. 1, ein zylindrischer Verdrängungskörper zur Erzeugung eines topfförmigen Sammelspaltes
befestigt sein kann.
[0013] Die Dicke der Abstandshalter 14 sowie deren Abstände und die dadurch erzeugten Spaltgeometrien
entsprechen denen des Phasentrenners gemäß Fig. 1. Die Strömung in diesen Durchlaßkanälen
ist somit ebenfalls rein zweidimensional. Die keilförmigen Nuten und Leisten haben
bei gleichem Keilwinkel den Vorteil, daß die Spaltdicke durch Verschiebung der Leisten
in Keilrichtung eingestellt werden kann.
[0014] In Fig. 7 ist in schematischer Weise der Einbau eines Phasentrenners 16 gemäß Fig.
1 oder 3 in den mit Helium-11 gefüllten Tank 17 eines Kyrostaten dargestellt. Das
abgeführte gasförmige Helium (GHe) wird dabei zur Kühlung der Strahlungsschilde 18
des Kyrostaten verwendet, bis es über ein Regelventil 19 zu einer Vakuumpumpe bzw.
in das Vakuum des Weltalls geführt wird. Die Regelung des Helium-Massendurchsatzes
erfolgt durch Veränderung der Druckdifferenz zwischen dem Ein- und Austritt der Durchlaßkanäle
derart, daß der thermomechanische Effekt bei den vorgegebenen Badtemperaturen stets
erhalten bleibt. Dazu wird das außerhalb des Helium-II-Kyrostaten befindliche Regelventil
19 verwendet, das über einen Regler 20 von einem Motor 21 gesteuert wird. Der Regler
20 verwendet als Meßsignal die Helium-II-Badtemperatur (T). Diese Badtemperatur muß
insbesondere bei Weltraumexperimenten sehr feinfühlig geregelt werden. Hat die Helium-II-Badtemperatur
steigende Tendenz, so öffnet das Regelventil 19 und die daraufhin in den spaltförmigen
Durchlaßkanälen des Phasentrenners 16 entstehende Druckdifferenz wird größer. Aufgrund
der steigenden Druckdifferenz steigt auch der Heliumdurchsatz, wodurch sich das Bad
wieder abkühlt. Dies wiederum hat die Umkehrung des eben beschriebenen Ablaufes zur
Folge.
1. Helium-II-Phasentrenner mit spaltförmigen Durchlaßkanälen zur Ausnutzung des thermomechanischen
Effektes gekennzeichnet durch mehrere, nebeneinander gelegene spaltförmige Durchlaßkanäle
gleicher Spaltdicke, welche in den Wandungen eines in flüssiges Helium hineinragenden
Hohlraumes angeordnet sind, aus dessen Innenraum gasförmiges Helium abführbar ist.
2. Phasentrenner nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet , daß die Geometrie der Durchlaßkanäle
lediglich eine zweidimensionale Strömung zuläßt.
3. Phasentrenner nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet , daß die Durchlaßkanäle
jeweils durch zwei planparallele Wandungen gebildet werden, zwischen denen Abstandsstücke
definierter Dicke angeordnet sind.
4. Phasentrenner nach einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet , daß der
Hohlraum und die Durchlaßkanäle durch Aufeinanderstapelung von Ringscheiben (2) mit
dazwischen liegenden Abstandsstücken (3) gebildet werden.
5. Phasentrenner nach Anspruch 4, dadurch ge- kennzeichnet, daß die Ringscheiben (2)
n-eckig oder kreisförmig ausgebildet sind.
6. Phasentrenner nach Anspruch 4 oder 5, dadurch gekennzeichnet , daß die Ringscheiben
(2) und die Abstandsstücke (3) durch Zuganker (5) mit elastischer Vorspannung miteinander
verbunden sind.
7. Phasentrenner nach einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet , daß der
Hohlraum und die Durchlaßkanäle durch einen zylindrischen Hohlkörper (9) mit achsparallelen
Nuten (10) gebildet wird.
8. Phasentrenner nach Anspruch 7, dadurch ge- kennzeichnet, daß innerhalb der Nuten
(10) in Nutlängsrichtung Leisten (13) mit Abstandsstücken (14) zur Bildung je zweier
Durchlaßkanäle angeordnet sind.
9. Phasentrenner nach Anspruch 8, dadurch ge- kennzeichnet, daß die Nuten (10) und
Leisten (13) keilförmig und mit gleichem Keilwinkel ausgebildet sind.
10. Phasentrenner nach einem der Ansprüche 1 bis 9, dadurch gekennzeichnet , daß parallel
zur Innenwand des Hohlraumes eine weitere Wandung (6) zur Bildung eines spaltförmigen
Abfuhrkanales (7) für das gasförmige Helium vorgesehen ist, dessen Abmessung quer
zur Strömungsrichtung des Gases größer ist als die der Durchlaßkanäle.
11. Phasentrenner nach einem der Ansprüche 1 bis 10, dadurch gekennzeichnet , daß
die Abfuhr des gasförmigen Heliums aus dem Hohlraum über einen mit dem flüssigen Helium
in Wärmekontakt stehenden Wärmetauscher (8) erfolgt.