[0001] Die Erfindung bezieht sich auf eine Flachbildröhre gemäß dem Oberbegriff des Anspruchs
1. Eine solche Röhre wird beispielsweise in der DE-PS 2412869 beschrieben.
[0002] Das bekannte Flachdisplay arbeitet nach folgendem Prinzip: In einer rückwärtigen
Gasentladung werden Elektronen erzeugt, die durch ausgewählte Löcher einer Steuereinheit
in einen vorderen Raum gelangen, dort Energien von einigen kV aufnehmen und schließlich
auf einer kathodolumineszenten Schicht Lichtflecke erzeugen. Die Steuereinheit besteht
dabei aus einer Isolatorplatte, die rück- und frontseitig jeweils Zeilenleiter bzw.
Spaltenleiter einer Steuermatrix trägt und zusammen mit diesen Leitern in jedem Matrixelement
durchbrochen ist. Das darzustellende Bild wird zeilenweise aufgebaut, das heißt, die
Zeilenleiter dienen nacheinander als Plasmaanode und die Spaltenleiter erhalten die
jeweils zugehörigen Zeileninformationssignale.
[0003] Bildhelligkeit und Darstellungskontrast hängen u.a. auch davon ab, wie groß die zur
Verfügung stehenden Elektronenströme sind und wie sauber sie sich - mit vertretbar
hohen Spannungen - schalten lassen. Um hier die Verhältnisse zu verbessern, wird in
der US-PS 3845241 folgende Bauform vorgeschlagen: Der Gasentladungsraum wird durch
horizontale Wände in eine Vielzahl von Kammern unterteilt. Jede Kammer ist eine Zeilenleiterbreite
hoch, nach hinten durch einen zeilenparallelen Kathodenstreifen und nach vorn durch
eine Anode aus spaltenparallel erstreckten Elektroden begrenzt. Dieses Anodengitter
ist dabei so beschaffen, daß die Plasmaelektronen nur auf gewundenen Pfaden hindurchtreten
können; sie sind dabei Ablenkfel-Les 1 Lk/24.4.1984 dem ausgesetzt, die dafür sorgen,
daß die langsamen Elektronen hindurchgeschleust werden und die schnellen Elektronen
auf die Kanalwände prallen und dort Sekundärelektronen herauslösen. Diese niederenergetischen
Elektronen können ebenfalls die Gitterelektrode passieren. Im Ergebnis erhalten also
die von der Gasentladung gelieferten Elektronen eine neue Energieverteilung, bei der
die Anzahl der energiearmen Elektronen auf Kosten der energiereichen vergrößert ist.
Dieses Geschwindigkeitsprofil ist so günstig, daß man mit Schaltspannungen von wenigen
10V auskommt. Allerdings dürfte es nicht so ohne weiteres gelingen, die Stromstärke
zu erhöhen; in der zitierten Patentschrift ist von einem Verstärkungsfaktor um 1 die
Rede (vgl. die dortige Spalte 7, Abs.5). Unbefriedigend ist auch, daß die Konstruktion
kompliziert ist, keine hohe Bildpunktdichte gestattet und überdies auf ein kleinvolumiges
Plasma mit einer entsprechend geringen Elektronenergiebigkeit angewiesen ist.
[0004] Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, eine Flachbildröhre der eingangs genannten
Art auf einfache Weise so weiter zu entwickeln, daß die zu verarbeitenden Elektronenströme
eine hohe Intensität bei niedriger mittlerer Energie haben. Diese Aufgabe wird erfindungsgemäß
durch eine Bildwiedergaberöhre sowie ein Herstellungsverfahren mit den Merkmalen der
Patentansprüche 1 bzw. 8 gelöst. Die in diesen Ansprüchen verwendeten Ausdrücke "Sekundäremissionsfaktar
δ
max" und "elektrisch isolierend" sind dabei folgendermaßen definiert: "d
max" bedeutet die mittlere Anzahl an Sekundärelektronen, die ein auf die Vervielfacherschicht
treffendes Primärelektron aus dieser Schicht herauslöst; das Primärelektron hat dabei
eine Energie, bei der der Effekt am größten ist. Die Vervielfacherschicht wirkt "elektrisch
isolierend", wenn ihr Flächenwiderstand so hoch ist, daß es zu keinen störenden Zeilenleiterkopplungen
kommt.
[0005] Bei der vorgeschlagenen Röhre werden auch noch diejenigen Elektronen, die außerhalb
der Löcher auf die Steuereinheit treffen, genutzt. Sie erzeugen in der erfindungsgemäß
vorgesehenen Vervielfacherschicht Sekundärelektronen, von denen dann ein Teil in die
Löcher gelangt. Das bedeutet, daß die Elektronenstrahlen mit relativ langsamen Elektronen
angereichert werden, also an Intensität gewinnen und eine geringere Durchschnittsgeschwindigkeit
erhalten. Der Intensitätszuwachs ist bemerkenswert hoch. Offenbar sind die Potentialverhältnisse
unmittelbar vor der Zeilenleiterebene so geartet, daß den Löchern auch aus entfernteren
Schichtbereichen Sekundärelektronen zugeführt werden. Elektronenoptisch wirken sich
diese zusätzlichen Elektronen, die gewöhnlich aus schrägen Richtungen in die Steuereinheit
eintreten, nicht ungünstig aus. Im Gegenteil: Die Elektronenstrahlen werden, wie sich
herausgestellt hat, auf dem Phosphorschirm eher noch schärfer abgebildet. Auch sonst
wurden keine störenden Nebeneffekte beobachtet. Die Schicht kann insbesondere so gestaltet
werden, daß es nicht zu Aufladungen kommt, die das Plasma behindern könnten, und daß
die Ansteuerung elektrisch nicht belastet wird.
[0006] Vorzugsweise besteht die Vervielfacherschicht aus einer etwa 20nm dicken MgO-Schicht,
die auch für den Energiebereich der Plasmaelektronen (zwischen Null und etwa 200V)
recht gute δ-Werte hat und sich durch eine hohe Stabilität auszeichnet. In Frage kommen
aber auch Oxide von Elementen der Gruppe IIA oder intermetallische Verbindungen.
[0007] Es ist an sich schon wiederholt diskutiert worden, die Plasmaelektroden eines Gasentladungspanels
mit einer Schicht zu überziehen, die u.a. auch einen hohen Sekundäremissionskoeffizienten
? hat; vgl. hierzu beispielsweise IEEE Trans.Electron Devices ED-23 (1976) 31 oder
die US-PSen 3846171 und 4053804. Alle diese Literaturstellen beziehen sich aber auf
einen spezifischen Wechselstrom-Displaytyp mit Speichervermögen und sehen die emissionsfähige
Schicht für Aufgaben vor, die sich im vorliegenden Fall entweder nicht stellen (Schutz
von dielektrischen Zwischenschichten, Verbreiterung einer Zündspannungshysterese)
oder so nicht lösen lassen (Stabilisierung und Absenkung der Betriebsspannung). Überdies
entspricht δ nicht der Größe δ; δ ist der Sekundäremissionskoeffizient auf der Kathodenseite
und wird im wesentlichen durch einen Ionenbeschuß bestimmt.
[0008] Weitere vorteilhafte Ausgestaltungen und Weiterbildungen der Erfindung sind Gegenstand
zusätzlicher Ansprüche.
[0009] Der Lösungsvorschlag soll nun anhand eines bevorzugten Ausführungsbeispiels unter
Bezugnahme auf die beigefügte Figur näher erläutert werden.
[0010] Die Figur zeigt in einem schematischen Seitenschnitt ein Display, das beispielsweise
in einem Fernsehgerät Verwendung finden könnte. Das Display enthält eine flache Vakuumhülle
mit einem wannenartigen Rückteil 1 und einer Frontplatte 2. Das Hülleninnere wird
durch eine Steuerstruktur, bestehend aus einer Steuerscheibe 3 und einer Stützplatte
4, in einen Gasentladungsraum 5 und einen Nachbeschleunigungsraum 6 unterteilt. Die
Distanz zwider Stützplatte und der Frontplatte ist durch einen Abstandsrahmen 7 vorgegeben.
Alle Teile sind durch Glaslotnähte 17 hermetisch dicht miteinander verbunden.
[0011] Das Rückteil trägt in seinem Boden mehrere, parallel nebeneinander liegende Kathodenstreifen
8. Die Steuerplatte ist auf ihrer Rückseite mit Zeilenleitern 9 und frontseitig mit
Spaltenleitern 10 versehen. In den Kreuzungspunkten der beiden Leiterarten befindet
sich jeweils eine Durchtrittsöffnung 11. Die Stützplatte 4 trägt rück- und vorderseitig
zeilenleiterparallele Streifenleiter 12 bzw. eine durchgehende Leitschicht 13 und
enthält Durchbrüche 14, die sich jeweils mit einer der Durchtrittsöffnungen 11 decken.
Die Rückseite der Frontplatte 2 ist mit einem Raster aus Phosphorpunkten 15 und darüber
mit einer durchgehenden Nachbeschleunigungsanode 16 beschichtet. Je ein Phosphorpunkt
ist einem der Löcher der Steuerstruktur vorgelagert.
[0012] Um die Elektronenausbeute aus dem Gasentladungsraum zu verbessern, ist die Steuerscheibe
3 rückseitig noch mit einer durchgehenden Schicht 18 überzogen. Diese Schicht ist
20nm stark und besteht aus im Vakuum aufgedampftem Magnesiumoxid.
[0013] Im Betrieb des Panels brennt zwischen dem jeweils getasteten Zeilenleiter 9 und dem
jeweils dahinter liegenden Kathodenstreifen 8 ein Plasma, aus dem durch ausgewählte
Zeilenleiteröffnungen - die Vollauswahl besorgen die Spaltenleiter - Primär- und Sekundärelektronen
in den Nachbeschleunigungsraum 6 gezogen werden. Dort werden die Elektronenstrahlen
auf kurzer Strecke nachbeschleunigt und schließlich auf den jeweils zugehörigen Phosphorpunkt
geführt. Eine mehr ins einzelne gehende Darstellung der Betriebsweise findet sich
in Elektronik 14 (1982) 79.
[0014] Die Erfindung beschränkt sich nicht nur auf das dargestellte Ausführungsbeispiel.
So bleibt es dem Fachmann überlassen, die Wirkung der Vervielfacherschicht noch durch
weitere Maßnahmen zu verbessern oder abzusichern. So könnte man etwa die Zeilenleiter
etwas in die Steuerlöcher hineinreichen lassen, wenn man auf wohldefinierte elektrische
Verhältnisse in diesen Bereichen besonderen Wert legt. Davon abgesehen ist es auch
ohne Belang, wie die zusätzlich zur eigentlichen Steuermatrix vorgesehenen Steuerelektroden
gestaltet und organisiert sind. Dementsprechend wäre es beispielsweise auch möglich,
mit einer Strahlnachablenkung zu arbeiten und/oder mit den Matrixleitern lediglich
eine Vorauswahl zu treffen (ältere Patentanmeldungen P 32 41 605.9 und P 3406252.1).
1. Flache Bildwiedergaberöhre mit folgenden Merkmalen:
1) sie enthält eine vakuumdichte, gasgefüllte Hülle mit zwei in Betrachtungsrichtung
parallel hintereinander liegenden Flachteilen (Rückteil 1, Frontplatte 2);
2) das Rückteil (1) trägt innenseitig zumindest eine großflächige, frontplattenparallel
erstreckte Elektrode (Plasmakathode 8);
3) die Frontplatte (2) trägt innenseitig eine kathodolumineszente Schicht (Phosphorpunkte
15) sowie eine weitere Elektrode (Nachbeschleunigungsanode 16);
4) das Hülleninnere wird durch eine Steuereinheit in einen hinteren und einen vorderen
Raum unterteilt (Gasentladungsraum 5 bzw. Nachbeschleunigungsraum 6);
5) die Steuereinheit enthält in einer hinteren und einer vorderen frontplattenparallelen
Ebene jeweils eine Schar aus zueinander parallelen Streifenleitern;
6) die hinteren Streifenleiter (Zeilenleiter 9) befinden sich auf der Rückseite einer
Trägerplatte (Steuerscheibe 3);
7) die vorderen Streifenleiter (Spaltenleiter 10) erstrecken sich senkrecht zu den
Zeilenleitern (9);
8) in den Kreuzungspunkten der Zeilenleiter (9) mit den Spaltenleitern (10) ist die
gesamte Steuereinheit durchbrochen;
9) im Betrieb der Röhre brennt zwischen jeweils einem der Zeilenleiter (9) und der
gegenüberliegenden Plasmakathode (8) eine Gasentladung; dadurch gekennzeichnet, daß
10) die Steuerscheibe (3) auf ihrer Rückseite eine die Zeilenleiter (9) bedeckende,
elektrisch isolierende Schicht (Vervielfacherschicht 18) aufweist, die
11) höchstens 100nm dick ist und einen Sekundäremissionskoeffizienten δmax von mindestens 3 hat.
2. Bildwiedergaberöhre nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß die Vervielfacherschicht
(18) höchstens 50nm, insbesondere 30nm dick ist.
3. Bildwiedergaberöhre nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, daß die Vervielfacherschicht
(18) überwiegend ein Oxid eines Metalles der Gruppe IIA enthält.
4. Bildwiedergaberöhre nach Anspruch 3, dadurch gekennzeichnet, daß das Metall Barium,
Strontium, Beryllium oder Magnesium ist.
5. Bildwiedergaberöhre nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, daß die Vervielfacherschicht
(18) überwiegend eine intermetallische Verbindung enthält.
6. Bildwiedergaberöhre nach Anspruch 5, dadurch gekennzeichnet, daß die Verbindung
Rb3Sb ist.
7. Bildwiedergaberöhre nach einem der Ansprüche 1 bis 6, dadurch gekennzeichnet, daß
die Vervielfacherschicht (18) einen elektrisch leitenden, insbesondere aus einem Edelmetall
bestehenden Zusatz enthält.
8. Verfahren zur Herstellung einer Bildwiedergaberöhre gemäß einem der Ansprüche 1
bis 7, dadurch gekennzeichnet, daß die Vervielfacherschicht im Vakuum aufgedampft
wird.