[0001] Die Erfindung betrifft eine Impflegierung zur Herstellung von sphärolithischem Gußeisen,
- aus einer Fe-Si-Basislegierung mit Zusätzen von mindestens einem Metall der Gruppe
seltener Erden, von mindestens einem Element der Gruppe Erd-alkali, von Bi und A1.
[0002] Sphärolithische Gußeisen werden in der Regel aus einer naheutektischen Legierung
hergestellt. Angestrebt wird die Bildung einer möglichst großen Zahl von Sphärolithen
pro Flächeneinheit, weil mit steigender Zahl von Sphärolithen die Eigenschaften des
Gußeisens, insbesondere seine Duktilität, verbessert werden. Die Impflegierung wird
der z.B. in einem Gießpfännchen befindlichen Schmelze vor dem Abgießen in z.B. körniger
Form.zugegeben.
[0003] Eine bekannte Impflegierung der eingangs beschriebenen Gattung (DE-OS 32 29 153)
wird in Mengen von bis zu 1,3 Gewichtsprozent der Schmelze zugegeben. Je mehr Impflegierung
zugegeben wird, desto größer ist die Zahl der im Gußeisen gebildeten Sphärolithen.
In der Praxis hat sich allerdings gezeigt, daß selbst unter im wesentlichen gleichen
Verhältnissen die Zahl der Sphärolithen in einem relativ großen Bereich schwanken
kann. Um sicherzugehen, daß insbesondere in dünnwandigen Bereichen des Gußstückes
keine sogenannte Weißeinstrahlung entsteht, die auf der Bildung von Fe
3G beruht, setzt man deshalb zusätzlich eine spezielle Formimpfung ein, d.h.. man legt
an bestimmte Stellen der Form Impfsteine aus der Impflegierung ein. Im Zusammenhang
mit der schwankenden Zahl der gebildeten Sphärolithe steht auch ein anderes Problem,
nämlich die unterschiedliche Schrumpfung der erstarrenden Schmelze, weil die metallische
Schrumpfung jeweils in Abhängigkeit vom Volumen der gebildeten Spherolithe durch die
Expansion des Graphits ausgeglichen wird.
[0004] Aufgabe der Erfindung ist es, eine Impflegierung der eingangs beschriebenen Gattung
anzugeben, die zu einem selbstspeisenden Verhalten der erstarrenden Schmelze führt
und den Einsatz einer speziellen Formimpfung überflüssig macht.
[0005] Diese Aufgabe wird dadurch gelöst, daß die Impflegierung über das Lösungsgleichgewicht
der Fe-Si-Basislegierung hinaus C enthält und entsprechend metalloxidfrei ist. Überraschenderweise
hat sich gezeigt, daß bei Einsatz einer erfindungsgemäßen Impflegierung die Keimbildung
in der Schmelze und damit die Zahl der entstehenden Sphärolithe wesentlich besser
beherrscht werden können. Damit sind auch die Voraussetzungen gegeben, durch Zusatz
einer bestimmten Menge der Impflegierung ein selbstspeisendes Verhalten der abkühlenden
Schmelze zu erreichen. Außerdem kann auf spezielle Formimpfung verzichtet werden.
Die spezifische Wirkung des Kohlenstoffs der Impflegierung ist im einzelnen nicht
bekannt. Man geht jedoch davon aus, daß der Kohlenstoff einerseits in der Impflegierung
und andererseits in der Schmelze zur Unterdrückung der Sauerstoffaktivität beiträgt..
[0006] Eine Kombination der Elemente Ca, CeM und Bi als Mikrolegierungen, die durch ihre
Aktivität infolge ihrer hohen Affinität zum Sauerstoff und anderen Elementen eine
besonders hohe Keimbildungsbereitschaft hat, führt beim Vorliegen einer Rest-Sauerstoffaktivität
in einer Mg-behandelten Gußeisenschmelze zur Vermeidung der Unterkühlung während der
Erstarrung und damit zur Vermeidung der Erstarrung im metastabilen System der Eisen-Legierung
auch bei hohen Abkühlungsgeschwindigkeiten bzw. in dünnen Querschnitten (Vermeidung
der Karbidbildung, Weißeinstrahlung etc.). Des weiteren führt die Affinität des relativ
hohen C-Gehaltes bei der Erzeugung der Impflegierung zu einer Desoxydation, die die
Sauerstoffaktivität der Impflegierung vor dem Zulegieren der Mikrolegierungen begrenzt,
so daß diese als Metalle erhalten bleiben und mit ihrer Aktivität eine reproduzierbare
und gezielte Impfbehandlung während der Erstarrung in Reaktion mit dem an den Erstarrungsfronten
ausseigernden Sauerstoff erzieht werden kann. Die Aktivität der Kombination der Mikrolegierungen
bildet eine reproduzierbare Anzahl von Keimen, die zu einer-hohen Anzahl an Sphärolithen
bei der Erstarrung einer Gußeisenschmelze in Sand-und Kokillenformen und zu einer
selbstspeisenden Charakteristik des flüssigen, naheutektischen Gußeisens während der
Erstarrung führen. Die Gußeisenschmelze kann vor dem Vergießen vollständig geimpft
werden, ohne daß eine Nachimpfung während des Umgießens oder Vergießens in Form einer
Formimpfung erfolgen muß.
[0007] Durch die selbstspeisende Charakteristik des Gußeisens ist es nurmehr notwendig,
die liquide Schrumpfung im Temperaturbereich oberhalb Liquidustemperatur durch eine
Nachspeisung auszugleichen. Im Temperaturbereich zwischen Liquidus- und Solidustemperatur
ist durch die gezielte Keimbildungsbereitschaft der Schmelze, die optimale Graphitausscheidung
und die damit verbundene hohe Anzahl von Sphärolithen und deren Expansion während
der Erstarrung eine Nachspeisung nicht erforderlich. Das bedeutet ein wesentlich höheres
Ausbringen als Verhältnis vergossenes Flüssigeisen zu gutem Guß sowie geringere Form-
und Putzarbeiten. Nicht zuletzt führt die dichte Erstarrungsstruktur zu besseren mechanisch-technologischen
Eigenschaften und damit zu einer höheren Konstruktionssicherheit.
[0008] In diesem Zusammenhang wird erfindungsgemäß ein Verfahren zum Herstellen der Impflegierung
vorgeschlagen, wobei zunächst die Basislegierung erschmolzen und kurz vor oder während
der Abkühlungsphase die Zusätze beigegeben werden, welches dadurch gekennzeichnet
ist, daß der Basislegierung C in einer die Sauerstoffaktivität der Basislegierung
unterdrückenden Menge zugegeben wird. Wenn Kohlenstoff bereits der Basislegierung
zugegeben wird, dann stellt sich in der Schmelzphase der Basislegierung eine Gleichgewichtsreaktion
Si-C-0 ein, die hauptsäch- lic
h zur Bil
dung/CO führt, welches als Gasphase entweicht. Die später zugegebenen Zusätze, insbesondere
diejenigen, die eine große Sauerstoffaktivität aufweisen, können dann in der abkühlenden
Basisschmelze keine Metalloxide bilden und liegen in der fertigen Impflegierung in
metallischer Form vor. Die metallische Form der Zusätze bleibt auch erhalten, wenn
die Impflegierung in die Schmelze gegeben wird, weil der Kohlenstoff- überschuß die
Sauerstoffaktivität der Schmelze zumindest reduziert oder ganz unterdrückt.
[0009] Die Impflegierung kann bis zu 5 Gewichtsprozent, vorzugsweise 3 Gewichtsprozent,
Kohlenstoff enthalten. Bei einer Impflegierung für perlitische GuBqualität wird die
folgende Richtanalyse vorgeschlagen.

[0010] Bei einer Impflegierung für ferritische GuBqualität wird die folgende Richtanalyse
vorgeschlagen:

[0011] Im folgenden wird ein AusfUhrungsbeispiel der Erfindung beschrieben:
[0012] Zur Herstellung einer Impflegierung der Richtanalyse Ca = 2,5 Gewichtsprozent, Al=
0,5 Gewichtsprozent, CeM = 1,0 Gewichtsprozent, Bi = 2,0 Gewichtsprozent, C = 3,0
Gewichtsprozent, Si = 75 Gewichtsprozent, Rest Fe wird zunächst eine Basislegierung
aus Si und Fe bei einer Temperatur von 1400 Grad Celsius erschmolzen. Der Basislegierung
wird C in einer Menge beigegeben, die einerseits die Sauerstoffaktivität der Basislegierung
senkt und andererseits zu einem C-Gehalt von ca. 3,0 Gewichtsprozent in der fertigen
Impflegierung führt. Kurz vor der Abkühlungsphase werden die Zusätze Ca, Al, Ce, Bi
der Basisschmelze zugegeben. Die Impflegierung wird in körnige Form gebracht.
[0013] Diese Impflegierung wird zur Herstellung eines duktilen GuBei - senssphärolithischer
Gußqualität aus einer eutektischen Legierung in einer Menge von 0,3 Gewichtsprozent
der in einem Gießpfännchen befindlichen Mg-vorbehandelten Schmelze kurz vor dem Abguß
zugegeben. Bei der Abkühlung zeigt die Schmelze ein selbstspeisendes Verhalten. Die
folgenden Tabellen geben die Ergebnisse von Vergleichsversuchen wieder; Tabelle I
Versuchsergebnisse mit einer Impflegierung für ferritisches duktiles Gußeisen und
Tabelle II mit einer Impflegierung für perlitisches Gußeisen:

[0014] Unter a) sind jeweils Versuchsergebnisse zusammengefaßt, bei denen der prozentuale
Gehalt verschiedener Zusätze variiert wurde. Unter b) sind die Versuchsergebnisse
mit den jeweils optimalen Impflegierungen angegeben. Unter c) sind die Versuchsergebnisse
mit der Impflegierung D aus der DE-OS 32 29 153 wiedergegeben. Die demgegenüber besseren
Ergebnisse werden u.a. auf den relativ höheren Ca-Gehalt zurückgeführt.
1. Impflegierung zur Herstellung von sphärolithischem Gußeisen, - aus einer Fe-Si-Basislegierung
mit Zusätzen von mindestens einem Metall der Gruppe seltener Erden, von mindestens
einem Element aus der Gruppe Erdalkali,von Bi und Al,dadurch gekennzeichnet , daß
die Impflegierung über das Lösungsgleichgewicht der Fe-Si-Basislegierung hinaus C
enthält und entsprechend metalloxidfrei ist.
2. Impflegierung nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet , daß sie bis zu 5 Gewichtsprozent
C enthält.
3. Impflegierung nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet , daß sie 3 Gewichtsprozent
C enthält.
4. Impflegierung nach einem der Ansprüche 1 - 3 für perlitische Gußqualität, gekennzeichnet
durch die Richtanalyse
5. Impflegierung nach einem der Ansprüche 1 - 3 für ferritische Gußqualität, gekennzeichnet
durch die Richtanalyse
6. Verfahren zum Herstellen einer Impflegierung nach einem der An. sprüche 1 - 5,
wobei zunächst die Basislegierung erschmolzen und kurz vor oder während der Abkühlungsphase
die Zusätze beigegeben werden, dadurch gekennzeichnet , daß der Basislegierung C in
einer die Sauerstoffaktivität der Basislegierung unterdrückenden Menge zugegeben wird.