(19)
(11) EP 0 163 056 A2

(12) EUROPÄISCHE PATENTANMELDUNG

(43) Veröffentlichungstag:
04.12.1985  Patentblatt  1985/49

(21) Anmeldenummer: 85103967.7

(22) Anmeldetag:  02.04.1985
(51) Internationale Patentklassifikation (IPC)4B21D 9/00
(84) Benannte Vertragsstaaten:
AT BE CH FR GB IT LI LU NL SE

(30) Priorität: 21.04.1984 DE 3415077

(71) Anmelder: Schmitz & Brill GmbH & Co. KG
D-5950 Finnentrop (DE)

(72) Erfinder:
  • Brill, Rudolf
    D-5940 Lennestadt 16 (DE)
  • Follmann, Wilhelm
    D-5952 Attendorn (DE)

(74) Vertreter: Schröter, Martin 
Schröter & Haverkamp Im Tückwinkel 22
58636 Iserlohn
58636 Iserlohn (DE)

   


(54) Verfahren zum Herstellen von doppelwandigen, gekrümmten Rohrabschnitten für Abgasanlagen an Kraftfahrzeugen od. dgl. und Werkzeug zur Durchführung des Verfahrens


(57) Vorgeschlagen wird ein Verfahren zum Herstellen von doppelwandigen, gekrümmten Rohrabschnitten für Abgasanlagen an Kraftfahrzeugen. Dabei wird zunächst das Innenrohr (2) und das koaxiale Außenrohr (1) mit Wandabstand an einer Stirnseite miteinander verbunden. Während der Biegebearbeitung im jeweiligen Krümmungsbereich wird das Innenrohr (2) von innen in bekannter Weise durch einen Abstützdorn (7) unterstützt, an dem schwenkbar ein kugelförmiger Abstützkopf (71) gehalten ist. Gleichzeitig wird des Außenrohr (1) von innen von einem zwischen Außben-und Innenrohr (1,2) in axialer Richtung verschiebbaren, rohrförmigen Werkzeug (8) abgestützt, an dem eine mindestens um eine quer zur Rohrachse gerichtete Achse verschwenkbare, ringartige Abstützhülse gehalten ist. Nach der Biegebearbeitung der Verbindung der beiden Rohre (1,2) erfolgt die Verbindung der anderen Stirnseite.
Mit diesem Verfahren lassen sich für die Geräuschdammung und die Wärmedämmung günstige Rohrabschnitte für Abgasanlagen in wirtschaftlicher Weise auf vorhandenen automatischen und halbautomatischen Biegemaschinen herstellen.
Vorgeschlagen wird auch ein Werkzeug zur Innenabstützung des Außenrohres zur Durchführung des genannten Verfahrens, welches dadurch gekennzeichnet ist, daß an der Stirnseite eines maschinell gesteuerten, in Achsrichtung verschiebbaren Abstützrohres (8) mit Abstand eine durchmesser-und im wesentlichen wandstärkengleiche Abstützhülse (81) koaxial angeordnet und gelenkig gehalten ist.




Beschreibung


[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren nach dem Oberbegriff des Anspruches 1. Die Erfindung betrifft ferner ein Werkzeug zur Durchführung dieses Verfahrens.

[0002] Für Abgasanlagen an Kraftfahrzeugen werden mehrfach gekrümmte Rohrabschnitte benötigt, die sich in Serie industriell fertigen lassen. Zur Schalldämmung und zur Reduzierung von Wärmeverlusten in den Abgasleitungen sind bereits doppelwandige Rohrabschnitte für den genannten Zweck bekannt, die auf halbautomatischen Biegeeinrichtungen hergestellt werden.

[0003] Bei einem solchen aus der DE-AS 1 627 531 bekannten Verfahren werden vor dem Biegen Innenrohr und Außenrohr durch Einziehen des Außenrohres an einem Ende miteinander verbunden, so daß sie ein Mantelrohr bilden, welches auf eine Dornvorrichtung geschoben wird, deren Führungsdorn im Innenrohr und deren Rohrdorn zwischen Innen-und Außenrohr fixiert sind. Danach werden Innen-und Außenrohr mittels Spannvorrichtung auf ein Biegeschablone befestigt. Durch Drehen der Schablone werden Innen-und Außenrohr über feststehende Dorne hinweg gleichzeitig gebogen. Bei diesem bekannten Verfahren sind im Biegebereich Verformungen unerwünschter Art zu erwarten, da die Abstützungen nicht in den Biegebereich hineinreichen.

[0004] Von daher liegt der Erfindung die Aufgabe zugrunde, das bekannte Biegeverfahren so auszugeschalten, daß auch in den fortschreitenden Biegezonen die genauen Verformungsmaße und Wandungsabstände genau eingehalten werden können.

[0005] Zur Lösung dieser Aufgabe wird erfindungsgemäß in verfahrenstechnischer Hinsicht das vorgeschlagen, was im Kennzeichen des Anspruches 1 erfaßt ist. Die erfindungsgemäße vorrichtungstechnische Lösung ist im Kennzeichen des Anspruches 3 erfaßt.

[0006] Vorteilhafte Ausgestaltungen der Erfindung sind in den Unteransprüchen erfaßt.

[0007] Bei der erfindungsgemäßen Lösung wird Gebrauch gemacht von einem am Innendorn gelenkig gelagerten kugelförmigen Abstützkopf, wie er aus der US-PS 2.305.951 bekannt ist. Dieser Abstützkopf wird allerdings nur eingesetzt im Zusammenhang mit dem Biegen eines einzigen Rohres.

[0008] Bei dem erfindungsgemäßen Verfahren wird auch das Außenrohr während der in bekannter Weise durchgeführten maschinellen Biegebearbeitung von innen durch ein abstandshaltendes Werkzeug abgestützt, welches von außen gesteuert verschoben werden kann.

[0009] Je nach räumlicher Richtung der Krümmung kann dann an der jeweiligen zu biegenden Krümmung das Abstützwerkzeug oder das Doppelrohr um die Achse verdreht werden. Mit diesem Verfahren ist es möglich, mit einem zusätzlichen erfindungsgemäßen Abstützwerkzeug die doppelwandigen Rohrabschnitte auf automatischen oder halbautomatischen Biegemaschinen zu fertigen.

[0010] Zu der Erfindung gehört daher auch ein Werkzeug zur Innenabstützung des Außenrohres zur Durchführung des genannten Verfahrens, welches dadurch gekennzeichnet ist, daß an der Stirnseite eines maschinell gesteuert in Achsrichtung verschiebbaren Abstützrohres mit Abstand eine durchmesser-und im wesentlichen wandstärkengleiche Abstützhülse koaxial angeordnet und gelenkig gehalten ist. Diese Abstützhülse ist dabei an ihrer freien Stirnseite in etwa schräg gegenüber der Achse angeschnitten. Vorzugsweise ist diese Hülse zumindest im Bereich ihrer größten Breite in achsparalleler Richtung ballig ausgebildet. Die Hülse kann sich dabei aufgrund ihrer Lagerung und Oberflächenausbildung dem jeweiligen zu bearbeitenden Krümmungsbereich in geeigneter Weise abstützend anlegen.

[0011] Nach einer bevorzugten Ausführungsart ist das erfindungsgemäße Werkzeug dadurch gekennzeichnet, daß achsparallel an der Abstützhülse sich diametral gegenüberliegend zwei Lagerstege angeformt sind mit endseitigen Lagerscheiben, die in entsprechend hinterschnittenen, stirnseitig offenen Ausnehmungen an der Abstützhülse schwenkbar aufgenommen sind. Die Lagerscheiben können. dabei an ihren gegeneinandergerichteten Flächen konvex ausgebildet sein. Diese Lagerung ist geeignel,in Anbetracht der relativ dünnen Wandstärken die auftretenden nonen Zugkräfte aufzunehmen. Sie läßt sich relativ leicht montieren.

[0012] Anhand eines abgebildeten Ausführungsbeispieles wird die Erfindung im folgenden näher erläutert. Es zeigen:

Fig. 1 in einer teilweisen Schnittdarstellung einen doppelwandigen, gekrümmten Rohrabschnitt im Bereich der Biegeschablone einer nicht dargestellten Biegeeinrichtung,

Fig. 2 die Ansicht des zugehörigen Werkzeuges zur Innenabstützung des Außenrohres,

Fig. 3 eine um 90° gedrehte Ansicht des Werkzeuges in Fig. 2,

Fig. 4 die Vorderansicht der Abstützhülse,

Fig. 5 die Seitenansicht dieser Hülse und

Fig. 6 die Draufsicht von vorne auf die Hülse in Fig. 4.



[0013] Zunächst wird auf Fig. 1 Bezug genommen. Die an ihrem von der Maschine her gesehen vorderen Ende miteinander in geeigneter Weise verbundenen Rohre 1 und 2 sind von den in Pfeilrichtung verfahrbaren Haltebacken 5 aufgenommen. Von der Maschinenseite her sind in das doppelwandige Rohr gesteuert in axialer Richtung Abstützwerkzeuge eingeschoben, die die beiden um die Schablone 6 zu biegenden Rohre 1 und.2 im Krümmungsbereich von innen jeweils abstützen. Vor dieser Biegeschablone 6 'wird das Außenrohr von einer Seite von einer Gleitschiene 4 geführt und abgestützt, von der anderen Seite liegt das Außenrohr an einem ortsfesten Faltenglätter 9 an.

[0014] Zur Innenabstützung des Innenrohres 2 dient ein Abstützdorn 7, der an seinem vorderen Ende einen gelenkig gelagerten kugelförmigen Abstützkopf 71 aufnimmt. An diesem Abstützkopf 71, dessen Außenfläche 711 kugelförmig ist, ist eine Lagerachse 72 in Rohrachsrichtung befestigt, die an ihrem Ende eine Kugel 74 aufweist. Mit diesem Kugelende ist der Abstützkopf 71 mit Abstand vom Abstützdorn in dem entsprechend ausgebildeten pfannenartigen Lager 73 schwenkbar gehalten.

[0015] Zur Innenabstützung des Außenrohres 1 während der Biegebearbeitung im Krümmungsbereich ist in den Zwischenraum 3 zwischen den beiden Rohren 1 und 2 das insgesamt mit der Ziffer 8 bezeichnete rohrförmige Werkzeug eingeführt, an dem eine mindestens um eine quer zur Rohrachse gerichtete Achse verschwenkbare,ring - artige Abstützhülse gehalten ist.

[0016] Bei diesem aus den Figuren 2 - 6 erkennbaren Abstützwerkzeug ist die Abstützhülse 81 im Innen-und Außendurchmesser dem rohrförmigen Werkzeug 8 angepaßt. Um diese Abstützhülse 81 schwenkbar mit Abstand am Werkzeug 8 zu halten sind an ihr sich diametral gegenüberliegend zwei Lagerstege 814 angeformt mit endseitigen Lagerscheiben 815, die in entsprechend hinterschnittenen, stirnseitig offenen Ausnehmungen 816 an dem Abstützrohr 8 aufgenommen sind. Die Lagerscheiben 815 sind an ihren gegeneinandergerichteten Flächen 818 konvex ausgebildet zur Erhöhung des Verschwenkungsbereiches der Hülse 81.

[0017] An ihrer Vorderseite ist die Abstützhülse 81 schräg zur Rohrachse angeschnitten, so daß diese Hülse über den Umfang gesehen einen schmalsten Bereich 817 und einen breitesten Bereich 811 aufweist. Der Schrägschnitt ist dabei in einer der abzustützenden Krümmung angepaßten Kurve vorgenommen. Die Stirnkante 812 der Abstützhülse 81 ist abgerundet ausgeführt und kann eine reduzierte Einführungsschräge besitzen.

[0018] Zur Herstellung der erfindungsgemäßen doppelwandigen Rohrabschnitte für Abgasanlagen wird zunächst in geeigneter Länge das Innenrohr 2 in das Außenrohr 1 eingesteckt. Es erfolgt die Verbindung der Rohre koaxial an einer Seite unter Einhaltung des umlaufend gleichen Wandabstandes. Diese Verbindung kann dabei durch Einziehung des Außenrohres auf den Außendurchmesser des Innenrohres oder umgekehrt durch Aufweitung des Innenrohres auf den Innendurchmesser des Außenrohres erfolgen, ebenso sind abstandshaltende Schweißverbindungen möglich. Der auf diese Weise miteinander verbundene Doppelrohrabschnitt wird in die vorzugsweise automatisch oder halbautomatisch arbeitende Biegemaschine eingebracht. Dabei wird der Abstützdorn 7 in das Innenrohr 2 und das Abstützrohr 8 in den Zwischenraum 3 maschinell eingeführt und auf den jeweiligen Krümmungsbereich verfahren. Nach Fertigstellung einer Krümmung erfolgt ein Vorschub des Doppelrohres bis zur nächsten Krümmung. Durch Steuerung der einzelnen Werkzeuge, gegebenenfalls unter Verdrehung des Doppelrohres um die Achse wird die nächste Krümmung in der geschilderten Weise unter vollständiger Innenabstützung hergestellt. Nach Fertigstellung aller Krümmungen erfolgt die Verbindung der zur Maschinenseite hin gerichteten Enden der Rohre 1 in der gleichen Weise wie auf der anderen Stirnseite nach dem Abziehen von den Abstützwerkzeugen.

[0019] Doppelwandige gekrümmte Rohre der erfindungsgemäßen Art für Abgasanlagen von Kraftfahrzeugen, die sich nach dem erfindungsgemäßen Verfahren beliebig faltenfrei und ohne Berührungen von Innen-und Außenrohr herstellen lassen,haben den Vorteil, daß aufgrund des gebildeten Luftzwischenraumes eine weitaus bessere Schall-und Wärmedämmung gegeben ist. Insbesondere für die Abgasleitungen in Anlagen mit Katalysatoren ist es notwendig, die Abgastemperaturen hoch zu halten. Wärmeverluste vom Motor bis zum Katalysator müssen daher gering gehalten werden. Durch die schalldämmenden doppelwandigen Rohre können zum Teil sonstige aufwendige Schalldämmaßnahmen an der Abgasanlage unnötig werden.

Zusammenstellung der Bezugszeichen



[0020] 

1 Außenrohr

2 Innenrohr

3 Zwischenraum

4 Gleitschiene

5 Haltebacken

6 Biegeschablone

7 Abstützdorn

71 Abstützkopf

711 Außenfläche

72 Lagerachse

73 Lager

74 Kugelende

8 Abstützrohr

81 Abstützhülse

811 äußerer Abschnitt

812 Abrundung

814 Lagersteg

815 Lagerscheibe

816 Ausnehmung

817 innerer Abschnitt

818 Konvexflächen

9 Faltenglätter




Ansprüche

1. Verfahren zum Herstellen von doppelwandigen, gekrümmten Rohrabschnitten für Abgasanlagen an_Kraftfahrzeugen od.dgl., bei dem vor der maschinellen Biegebearbeitung das Innenrohr und das koaxiale Außenrohr mit Wandabstand an einer Stirnseite miteinander verbunden werden, und während der Biegebearbeitung im jeweiligen Krümmungsbereich im Innenrohr eine Abstützung erfolgt über einen axial verschiebbaren Abstützdorn, während im jeweiligen Krümmungsbereich das Außenrohr von einem zwischen Außen-und Innenrohr in axialer Richtung verschiebbaren, rohrförmigen Werkzeug abgestützt wird, dadurch gekennzeichnet, daß an dem inneren Abstützdorn (7) ein bekannter kugelförmiger Abstützkopf (71) schwenkbar gehalten ist und an dem rohrförmigen Werkzeug (8) mindestens eine um eine quer zur Rohrachse gerichtete Achse verschwenkbare, ringartige Abstützhülse (81) gehalten ist und daß nach der Biegebearbeitung die Verbindung der beiden Rohre (1,2) an der anderen Stirnseite erfolgt.
 
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß zur Verbindung das Innenrohr (2) an seinen Enden auf den Innendurchmesser des Außenrohres (3) aufgeweitet wird.
 
3. Werkzeug zur Innenabstützung des Außenrohres zur Durchführung des Verfahrens nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß an der Stirnseite eines maschinell gesteuert in Achsrichtung verschiebbaren Abstützrohres (8) mit Abstand eine durchmesser- und im wesentlichen wandstärkengleiche Abstützhülse (81) koaxial angeordnet und gelenkig gehalten ist.
 
4. Werkzeug nach Anspruch 3, dadurch gekennzeichnet, daß die Abstützhülse (81) an ihrer freien Stirnseite in etwa schräg gegenüber der Achse angeschnitten ist.
 
5. Werkzeug nach Anspruch 4, dadurch gekennzeichnet, daß die Abstützhülse (81) zumindest im Bereich (811) ihrer größten Breite in achsparalleler Richtung ballig ausgebildet ist.
 
6. Werkzeug nach Anspruch 4, dadurch gekennzeichnet, daß die Stirnseite (812) abgerundet ist.
 
7. Werkzeug nach Anspruch 3, dadurch gekennzeichnet, daß achsparallel an der Abstützhülse (81) sich diametral gegenüberliegend zwei Lagerstege (814) angeformt sind mit endseitigen Lagerscheiben (815), die in entsprechend hinterschnittenen, stirnseitig offenen Ausnehmungen (816) an dem Abstützrohr (8) verschwenkbar aufgenommen sind.
 
8. Werkzeug nach Anspruch 7, dadurch gekennzeichnet, daß die Lagerscheiben (815) an ihren gegeneinandergerichteten Flächen (816) konvex ausgebildet sind.
 




Zeichnung