(57) Gegenstand der Erfindung ist ein Verfahren zur Herstellung von mit Bor legierten
Stählen, bei dem für das Einbringen von Bor unter desoxidierenden Bedingungen in die
Stahlschmelze in der Pfanne vor dem Vergießen Calciumhexaborid als Borlegierungsträger
verwendet wird. Das CaB
6 kann in Pulverform mit Teilchengrößen von 0,01 bis 1,00 mm mit Hilfe eines Hohldrahtes
oder eines inerten Trägergases gegebenenfalls zusammen mit Desoxidationsmitteln, wie
Al, Ca oder CaSi, eingeführt werden.
[0001] Gegenstand der Erfindung ist ein Verfahren zur Herstellung von mit Bor legierten
Stählen.
[0002] Es ist bekannt, da3 durch Zulegierung von Bor in geringen Mengen, d.h. im Bereich
von etwa 0,0005 - 0,05 Gew.-%,die Härtbarkeit von Stahl in Abhängigkeit von dessen
Kohlenstoffgehalt verbessert werden kann. Stähle mit größeren Borzusätzen, d.h. mehr
als 0,1 Gew.-%, haben bisher für den Atomreaktorbau technische Bedeutung erlangt.
Bor wird dem Stahl entweder in Form von Ferrobor zugesetzt, das nach DIN-Norm Borgehalte
im Bereich von 10 - 20 Gew.-% aufweist oder in Form besonderer Vorlegierungen mit
0,2 - 2 Gew.-% Bor (vgl. "Ullmanns Encyklopädie der techn. Chemie", 4.Aufl., Bd. 22
(1982), S. 56 - 57) .
[0003] Für die Steigerung der Härtbarkeit muß das Bor im Stahl in gelöster (metallischer)
Form vorliegen, was im allgemeinen durch Desoxidation und Denitrierung der Schmelze
vor der Borzugabe erreicht werden kann.
[0004] Es ist ferner bekannt, daß mit sehr geringen Borgehalten von 0,0001 - 0,03 Gew.-%
in Stählen neben der bekannten Erhöhung der Härtbarkeit auch eine Steigerung der Zähigkeit
erzielt werden kann, wenn die Schmelze vor der Borzugabe desoxidiert, nicht aber denitriert
wird (vgl. DE-A-1608632).
[0005] Unabhängig davon, ob diese Zähigkeitssteigerung des Stahles gewünscht wird oder nicht,
ist beim Zulegieren von Bor in der Pfanne eine besonders sorgfältige Desoxidation
erforderlich, wenn dabei der erforderliche enge Bereich von im Stahl gelöstem, metallischem
Bor gewährleistet sein soll. Das kann beispielsweise dadurch erreicht werden, daß
der Stahl in bekannter Weise mit Desoxidationsmitteln wie Mangan, Silicium und Aluminium,
vordesoxidiert und anschliessend Calcium, etwa in Form von CaSi oder CaC
2, zur weiteren Desoxidation als Pulver in die Pfanne mit Hilfe eines inerten Trägergases,
wie Argon oder Stickstoff, eingeblasen und dadurch der im Stahl gelöste Sauerstoff
so weit erniedrigt wird, daß eine Oxidation des anschließend zugegebenen Bors im wesentlichen
verhindert wird. Anschließend können
Nitri- de bildende Elemente, wie Titan oder Zirkon oder Legierungen hiervon-mittels
eines Trägergases in die Pfanne eingeblasen werden, wobei Calcium und Titan oder Zirkon
auch gleichzeitig zugegeben werden können, z.B. in Form einer Legierung. In diesem
Fall wird somit die Enddesoxidation und die Denitrierung in einer Stufe durchgeführt.
Nach erfolgter Abbindung des Sauerstoffs und gegebenenfalls des Stickstoffs wird dann
ebenfalls mittels eines Trägergases Bor, bzw. eine Borverbindung, wie Borax, Ferrobor,
NiB oder FeSiB,in genau dosierten Mengen und ebenfalls in Pulverform zugeführt. Es
ist auch möglich, ein Gemisch oder eine Legierung aus dem Nitride bildenden Element
und Bor bzw. einer Borverbindung einzublasen. Das Einbringen der genannten Bestandteile
wird dabei vorteilhaft mittels einer Tauchlanze vorgenommen oder über einen an der
Pfanne angebrachten Schieber, während sich die bekannte Zugabe von Bor in Drahtform
weniger bewährt hat (vgl. EP-B-12226).
[0006] Obwohl mit Hilfe dieser Verfahren, wie Vordesoxidation der Stahlschmelze und Nachdesoxidation
mittels Calcium in Form von
Calciumlegierungen oder Calciumverbindungen, sowie den verbesserten Methoden des Einbringens
der erforderlichen Bestandteile, wie Einblasen mit Hilre eines inerten Trägergases,
gute Ergebnisse bei der Herstellung von mit Bor legierten Stählen erzielt werden konnten,
waren dennoch Schwankungen in der Borausbeute nicht zu vermeiden, d.h. die im fertigen
Stahl gelösten geringen Bormengen konnten nicht mit hinreichender Sicherheit in den
geforderten engen Toleranzen eingestellt werden.
[0007] Das ist darauf zurückzuführen, daß auch durch Einsatz der schärfsten Desoxidationsmittel
in der Praxis keine vollkommene Sauerstofffreiheit in der Schmelze erreicht werden
kann, so daß beim Einbringen ein Teil des Bors mit lokal angereichertem Restsauerstoff
reagieren kann und somit nicht mehr für die Lösung im Stahl zur Verfügung steht. Darüberhinaus
ist mit den bisher verwendeten Borlegierungsträgern, die entweder in Form von Sauerstoff
enthaltenden Verbindungen, wie Borax oder Boraten, nicht mit ausreichender Reinheit
verfügbar sind oder in Form von Legierungen mit herstellungsbedingten unterschiedlichen
Borgehalten eine genaue Dosierung nur schwierig zu erreichen.
[0008] Es stellt sich somit die Aufgabe,ein Verfahren zur Herstellung von mit Bor legierten
Stählen zur Verfügung zu stellen, bei dem die Treffsicherheit der Einführung von Bor
unter desoxidierenden Bedingungen in Stahlschmelzen in der Pfanne vor dem Vergießen
nicht durch eine besondere Maßnahme des Einbringens selbst, sondern durch die Verwendung
eines speziellen Borlegierungsträgers verbessert werden kann.
[0009] Diese Aufgabe wird erfindungsgemäß dadurch gelöst, daß als Borlegierungsträger Calciumhexaborid
verwendet wird.
[0010] Calciumhexaborid ist eine handelsübliche Verbindung von definierter Zusammensetzung,
die in ausreichender Reinheit zur Verfügung steht. In der Technik finden Calciumboride
seit langem als Reduktionsmittel Verwendung, beispielsweise für die Desoxidation von
Kupferschmelzen. Es ist ferner bekannt, daß bei der Herstellung von Eisen und Stahl
unter vorwiegend sauren Bedingungen für das Einbringen von basischen Oxiden seltener
Erden ein Reduktionsmittel für diese Oxide mitverwendet werden kann. Als Beispiel
für derartige Reduktionsmittel wird u.a. neben Calciumsilicid auch Calciumborid genannt
(vgl. US-A-2799575). Nach diesem Verfahren werden jedoch keine borlegierten Stähle
erhalten, weil die Dosierung der Reduktionsmittel so bemessen isi daß sie für die
Reduktion der genannten Oxide vollständig verbraucht werden, wobei auch ggf. im ursprünglich
eingesetzten Reduktionsmittel vorhandenes Bor vollständig unter Bildung von Boroxiden
verbraucht worden ist, die durch Abbrand verloren gehen und somit das Bor nicht mehr
für die Lösung im Stahl verfügbar ist. Die Verwendung von Calciumhexaborid als Borlegierungsträger
wird hierdurch nicht nahegelegt.
[0011] Das bei dem erfindungsgemäßen Verfahren als Borlegierungsträger verwendete Calciumhexaborid
wird vorteilhaft als Pulver mit Teilchengrößen von etwa 0,01 - 1,00 mm eingesetzt.
Das Einbringen in die Stahlschmelze in der Pfanne vor dem Vergießen kann mit allen
hierfür bekannten Maßnahmen vorgenommen werden, wie durch Einführen mit Hilfe eines
Hohldrahtes oder durch Einblasen mit Hilfe eines inerten Trägergases.
[0012] Beim Einbringen von Calciumhexaborid allein ist es zweckmäßig die Stahlschmelze in
bekannter Weise vorzudesoxidieren und gegebenenfalls zu denitrieren. Aufgrund seines
leichten spezifischen Gewichts kann Calciumhexaborid vorteilhaft auch im Gemisch mit
ebenfalls spezifisch leichten Desoxidationsmitteln, wie Aluminium oder Calciumsilicid
gemeinsam eingebracht werden, wobei sich das Einblasen im Gemisch mit Zusätzen für
die Enddesoxidatidn besonders bewährt hat.
[0013] Durch die erfindungsgemäße Auswahl,Calciumhexaborid als Borlegierungsträger zu verwenden,kann
die Treffsicherheit der angestrebten Bormengen, die gelöst im Stahl verbleiben, entscheidend
verbessert werden. Beim Einbringen dieser Verbindung,in der Calcium und Bor räumlich
eng benachbart vorliegen, kann das Calcium aufgrund seiner größeren Sauerstoffaffinität
bevorzugt mit lokal angereichertem Restsauerstoff in der Schmelze reagieren, so daß
die zudosierten Bormengen vor Oxidation geschützt, gelöst im Stahl verbleiben und
nicht mehr teilweise durch Abbrand verloren gehen.
[0014] Das ist insbesondere für die Herstellung von bormikrolegierten Stählen mit Borgehalten
ab 0,0001 bis zu etwa 0,05 Gew.-% von entscheidender Bedeutung, da naturgemäß im Bereich
dieser kleinen Borgehalte selbst geringe Schwankungen besonders störend sind. Aber
auch für die Herstellung von Reaktorstählen mit beträchtlich höheren Borgehalten ist
die durch die erfindungsgemäße Auswahl erzielte Treffsicherheit vorteilhaft.
1. Verfahren zur Herstellung von mit Bor legierten Stählen durch Einbringen von Bor
in Form von Borverbindungen oder Borlegierungen als Borlegierungsträger unter desoxidierenden
Bedingungen in die Stahlschmelze in der Pfanne vor dem Vergießen,
dadurch gekennzeichnet,
daß als Borlegierungsträger Calciumhexaborid verwendet wird.
2. Verfahren nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet,
daß Calciumhexaborid in Pulverform mit Teilchengrößen von 0,01 bis 1,00 mm verwendet
wird.
3. Verfahren nach Anspruch 1 und 2,
dadurch gekennzeichnet,
daß das Calciumhexaboridpulver mit Hilfe eines Hohldrahtes oder mit Hilfe eines inerten
Trägergases in die Stahlschmelze eingeführt wird.
4. Verfahren nach Anspruch 3,
dadurch gekennzeichnet,
daß das Calciumhexaboridpulver im Gemisch mit AluminiumPulver, Calcium-Pulver oder
Calciumsilicium-Pulver eingeführt wird.
5. Verfahren nach Anspruch 1, 2 und 4,
dadurch gekennzeichnet,
daß das Calciumhexaborid in Form von Preßlingen eingeführt wird.
6. Verfahren nach Anspruch 1, 2 und 4, dadurch gekennzeichnet, daß das Calciumhexaborid
verkapselt oder mikroverkapselt eingeführt wird.