[0001] Die Erfindung betrifft einen Brenner zum Verbrennen von Abgasen mit Hilfe von Oxidationsmitteln,
insbesondere von Abgasen aus kerntechnischen Prozessen, bestehend aus einem Hochtemperaturteil
mit Mischkammern und einem Nachreaktionsteil.
[0002] Das gesteigerte Umweltbewußtsein und die schärferen Abgasgesetze haben die Anwendung
der thermischen Nachverbrennung in den letzten Jahren stark vorangetrieben.
[0003] Üblicherweise bestehen Anlagen zur Verbrennung von schadstoffhaltigen, brennbaren
Abgasen aus einem Brenner, einer Brennkammer und einem Wärmetauscher. Die Konzentration
der entstehenden brennbaren Abgase ist bei den meisten technischen Prozessen stark
schwankend, so daß, um eine ausreichende Verbrennung zu gewährleisten, eine Stützfeuerung
vorhanden sein muß. Diese Stützbrenner werden normalerweise mit Propan, Erdgas oder
Öl als Brenngas betrieben.
[0004] Für die Abgasverbrennung werden in der Regel sehr weite Betriebsbereiche der Brenner
verlangt. Dem steht jedoch entgegen, daß sich die Leistung der meisten Verbrennungsvorrichtungen
nicht unter 20 % des Maximalwertes drosseln läßt, da die Brenner dann instabil werden
und gegebenenfalls verlöschen.
[0005] Solche Brenner müssen je nach Betriebsart und Wärmelast über sogenannte Zündeinrichtungen,
z.B. Zündbrenner, über Flammenwächter, z.B. UV-Zellen, und über Steuergeräte, z.B.
Begrenzer, Schalter, Regler, verfügen. Die Kopplung von Flammenwächter und Steuergerät
erfolgt im sogenannten Feuerungsautomat. Im Steuerungsteil des Feuerungsautomaten
laufen, je nach Brennerleistung, verschiedene, genau vorgeschriebene Zeitzyklen zum
Zünden, Spülen und Wiederzünden der Flamme ab.
[0006] Die Verbrennung der Abgase erfolgt zum überwiegenden Teil in der Flamme des Brenners,
der sogenannten Hochtemperaturzone, während die Brennkammer als Nachreaktionszone
dient.
[0007] Die bekannten Brenner zur Verbrennung von Abgasen benötigen einen erheblichen regelungstechnischen
Aufwand. Hierzu kommen noch Rohrleitungen für den Brennstoff des Stützbrenners, für
die Luftzufuhr des Stützbrenners, für den Brennstoff des Zündbrenners und für die
Luft des Zündbrenners.
[0008] Die Rohrleitungen müssen normalerweise über je ein Regelventil und über je ein Schnellschlußventil
verfügen. Alle diese geforderten technischen Einrichtungen sind aber mögliche Störungsquellen.
[0009] Die Anwendung dieser raumaufwendigen und störanfälligen Technologien zur Verbrennung
von Abgasen in kerntechnischen Kontrollbereichen, insbesondere in der Boxentechnik,
ist somit sehr problematisch.
[0010] So ist die Handhabung brennbarer Stoffe in geschlossenen Boxen nach Möglichkeit zu
minimieren. Boxenraum ist teuer, für die erforderlichen Rohrleitungen wird aber erheblich
Platz benötigt, zumal alle Einbauten mit der Manipulatortechnik handhabbar sein müssen.
Außerdem produziert ein konventionell gefeuerter Brenner zusätzliches Abgas, was wiederum
zur Vergrößerung der notwendigen Absolutfilter führt.
[0011] Unter Umständen wird beim Anfahren des Brenners durch häufige Zündversuche sehr viel
Ruß produziert. Dieser verstopft dann die nachfolgenden Filtereinrichtungen und führt
zu Betriebsunterbrechungen. Außerdem führt Stromausfall zu einer spontanen Abschaltung
der Stützflamme. Dadurch wird durch den Feuerungsautomat die Spülung der Brennkammer
mit Luft oder Inertgas eingeleitet. Auch in diesem Fall wird Ruß produziert, da weiterhin
Abgas zur Verbrennung ansteht.
[0012] Es war daher Aufgabe der vorliegenden Erfindung, einen Brenner zum Verbrennen von
Abgasen mit Hilfe von Oxidationsmitteln, insbesondere von Abgasen aus kerntechnischen
Prozessen zu entwickeln, bestehend aus einem Hochtemperaturteil mit Mischkammern und
einem Nachreaktionsteil, der raumsparend und betriebssicher ist, wenig Sekundärabgas
liefert, leicht handhabbar ist und kritikalitätssicher ausgeführt werden kann.
[0013] Diese Aufgabe wurde erfindungsgemäß dadurch gelöst, daß im Hochtemperaturteil zwei
oder mehrere von voneinander unabhängigen Heizkreisen gesteuerte Heizwicklungen angeordnet
sind und daß in der ersten der hintereinander angeordneten Mischkammern tangential
vier Zuführungen für das Oxidationsmittel und in den weiteren Mischkammern tangential
jeweils zwei Zuführungen für das Oxidationsmittel angebracht sind. Vorzugsweise ist
die erste Mischkammer zur Hochtemperaturzone hin konisch erweitert. Weiterhin ist
es vorteilhaft, das Verhältnis Mischkammerausgangsdurchmesser D zu Mischkammereingangsdurchmesser
d der ersten Mischkammer so zu wählen, daß der Wert zwischen 1,2 und 1,5 liegt. Als
günstig hat es sich auch herausgestellt, durch Rohreinsätze den freien Durchmesser
des Hochtemperaturteils variabel gestalten zu können.
[0014] Bei der Verwendung des Brenners in abgeschlossenen Boxen ist es vorteilhaft, den
Hochtemperaturteil aus Einzelteilen zusammenzusetzen, die einzeln durch eine Deckelöffnung
aus dem Gehäuse des Hochtemperaturteils entfernt werden können.
[0015] Ein solcher Brenner ist leicht handhabbar und betriebssicher, raumsparend und liefert
keine zusätzlichen Sekundärabgase, wie sie bei einer Stützfeuerung zwangsläufig entstehen.
[0016] Die Aufteilung der Verbrennung der schadstoffhaltigen, brennbaren Abgase in mehrere
Abschnitte mit gesonderten Mischkammern und gesondert gesteuerten Heizwicklungen erbringt
im Zusammenwirken mit der tangentialen Zuführung des Oxidationsmittels, im Normalfall
Luft, eine optimale, praktisch quantitative Umsetzung der Schadstoffe. Auf eine Stützfeuerung
kann völlig verzichtet werden, so daß keine zusätzlichen Abgase entstehen.
[0017] Die Abbildungen I und II zeigen schematisch eine beispielhafte Ausführungsform des
erfindungsgemäßen Brenners, wobei Abbildung I einen Längsschnitt und Abbildung II
einen Querschnitt entsprechend der Linie A-B wiedergibt.
[0018] Die Abgase strömen dem Brenner im Hochtemperaturteil (18) durch den Anschluß (1)
an der ersten Mischkammer (3) mittig zu. In der konischen Mischkammer (3) befinden
sich an vier Stellen über den Umfang verteilt tangential angeordnete Zuführungen (2)
für das Oxidationsmittel. Die Konizität begünstigt die Durchmischung des Abgases mit
dem Oxidationsmittel. Hierfür wird vorzugsweise Luft oder z.B. ein Luft-Sauerstoffgemisch
verwendet. Es hat sich als günstig herausgestellt, wenn das Öffnungsverhältnis der
ersten Mischkammer (3), Austrittsdurchmesser (D) zu Eintrittsdurchmesser (d), im Bereich
von 1,2 bis 1,5 liegt. Das Abgas-Luftgemisch strömt nach der ersten Mischkammer (3)
in die erste Hochtemperaturzone (19) und zündet an der Heizwendel (6) des ersten elektrischen
Heizkreises. In dieser ersten Hochtemperaturzone (19) findet eine leicht unterstöchiometrische
Verbrennung statt.
[0019] In der nächsten Mischkammer (5) wird über zwei Zuführungen (8) ebenfalls tangential
Oxidationsmittel (Luft, Sauerstoff oder Luft-Sauerstoffgemisch) überstöchiometrisch
eingeblasen und in der zweiten Hochtemperaturzone (20) mit Hilfe der zweiten Heizwendel
(9) das Gemisch weiterverbrannt. Die Art, mehrere Mischkammern (3,5) und Hochtemperaturzonen
(19,20) hintereinander anzuordnen, verhindert die Überhitzung an einer Stelle des
Brenners. Ebenso wird die Bildung von Stickoxiden stark eingeschränkt. Nach der Reaktion
in der letzten Hochtemperaturzone (20) strömt das Gas durch den Endring (10) und die
Flanschverbindung (11) in den Nachreaktionsteil (17) des Brenners. Der Endring (10)
dient vornehmlich der Wärmeabfuhr und ist vorzugsweise aus Aluminiumoxid angefertigt.
[0020] Der Nachreaktionsteil (17) besteht aus einem außen beheizten Rohr (14) mit innenliegendem
Verdrängkörper (13). Der so entstehende Ringraum mit beispielsweise maximal 100 mm
Ringspaltweite, je nach Spaltstoffkonzentration in einem aus kerntechnischen Anlagen
stammenden Abgas, wird zur Nachreaktion bei Temperaturen um 800 °C verwendet. Zum
Schutz des Verdrängkörpers (13) ist an dessen Vorderseite zum Hochtemperaturteil (18)
hin eine keramische Spitze (12) angebracht. An der gegenüberliegenden Seite des Verdrängkörpers
(13) befinden sich Kühlanschlüsse (16).
[0021] Die Rauchgase entweichen durch den Stutzen (22), der radial am Ende des Nachreaktionsteils
(17) angebracht ist.
[0022] Die Möglichkeit, den freien Durchmesser des Hochtemperaturteils (18) durch Rohreinsätze
(7) zur Anpassung an verschiedene Spaltstoffgehalte zu variieren, macht den Brenner
vor allem auch für kerntechnische Einsätze brauchbar. Außerdem dienen die Rohreinsätze
(7) zum Schutz der Heizwendel (6,9) vor Korrosion und Übertemperatur.
[0023] Für den kerntechnischen Boxenbetrieb stellt sich als besonders günstig dar, daß die
Einzelteile (5,6,7,8,9,10) des Hochtemperaturteils (18) nach Entfernen des Deckels
(4) herausnehmbar sind.
[0024] Die Einfachheit der Regelung, es werden nur elektrische Heizungen mit Hilfe von Thermoelementen
geregelt, sowie das Fehlen der Anschlußleitungen herkömmlicher Brenner, machen den
Brenner sehr betriebssicher und raumsparend. Hervorzuheben sind vor allem die absolute
Zündsicherheit und der gute Ausbrand in weiten Bereichen des Abgas-Luftverhältnisses.
Wichtige Meßstellen, vor allem zur Regelung der Heizungen werden doppelt überwacht.
Am Ende des Hochtemperaturteils (18) befindet sich die vorgeschriebene Meßstelle (21)
für die Brennkammeraustrittstemperatur. Der Brenner kann auch mit den vorgeschriebenen
Einspeiseverriegelungen ausgerüstet werden.
[0025] Bei Stromausfall wird für eine gewisse Zeit das noch zugeführte Abgas am heißen Brennerstein
gezündet und sicher verbrannt. Die Anlage kann dann ohne Rußbildung bzw. Freisetzung
unverbrannter Schadgase langsam abgefahren werden.
1. Brenner zum Verbrennen von Abgasen mit Hilfe von Oxidationsmitteln, insbesondere
von Abgasen aus kerntechnischen Prozessen, bestehend aus einem Hochtemperaturteil
mit Mischkammern und einem Nachreaktionsteil, dadurch qekennzeichnet, daß im Hochtemperaturteil
(18) zwei oder mehrere von voneinander unabhängigen Heizkreisen gesteuerte Heizwicklungen
(6,9) angeordnet sind, und daß in der ersten der hintereinander angeordneten Mischkammern
(3) tangential vier Zuführungen (2) für das Oxidationsmittel und in den weiteren Mischkammern
(5) tangential jeweils zwei Zuführungen (8) für das Oxidationsmittel angebracht sind.
2. Brenner nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß die erste Mischkammer (3)
zur Hochtemperaturzone (19) hin konisch erweitert ist.
3. Brenner nach den Ansprüchen 1 und 2, dadurch gekennzeichnet, daß das Verhältnis
Mischkammerausgangsdurchmesser D zu Mischkammereingangsdurchmesser d der ersten Mischkammer
(3) zwischen 1,2 und 1,5 liegt.
4. Brenner nach den Ansprüchen 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, daß der freie Durchmesser
des Hochtemperaturteils (18) durch Rohreinsätze (7) variabel ist.
5. Brenner nach den Ansprüchen 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, daß der Hochtemperaturteil
(18) aus Einzelbausteinen (5,6,7,8,9,10) besteht, die durch einen Deckel (4) axial
aus dem Gehäuse des Hochtemperaturteils (18) entfernt werden können.