[0001] Die vorliegende Erfindung betrifft einen Schnittpolteppich mit verminderter Neigung
zum Shading, ein Verfahren zum Vermindern von Shading an Schnittpolteppichen, Teppichgarge
dafür sowie die Verwendung von Lösungen, Emulsionen oder Dispersionen enthaltend filmbildende
Polymere oder Prepolymere hierfür.
[0002] Als Schnittpolteppiche werden textile Bodenbeläge mit geschnittenen Polnoppen verstanden,
die auch als Veloure bezeichnet werden. Dazu gehören nicht nur maschinell hergestellte
Teppiche, sondern auch handgeknüpfte Teppichwaren, sofern sie geschnittene Polnoppen
aufweisen. Die Schnittpolteppiche können unifarbig, mehrfarbig oder gemustert sein.
[0003] Mit dem Begriff ''Shading'' (Schattierungen), bezeichnet man fleckenartige Veränderungen
des Schnittpols von Teppichwaren. Diese werden jedoch nicht durch Farbveränderungen,
sondern durch eine partielle, irreversible Änderung der urspriinglichen Strichrichtung
der Polfädcn hervorgerufen. Solche Strichabweichungen führen zu einer veränderten
Lichtreflexion an den betroffenen Stellen, wodurch
fleckenartig
e Gebilde sichtbar werden.
[0004] Der Shading-Effekt ist also eine optische Erscheinung, der zwar die Repräsentationsgüte
einer Teppichware mehr oder weniger stark beeinträchtigen kann, die Haltbarkeit jedoch
nicht beeinflußt.
[0005] Es ist bekannt, daß der Shading-Effekt an allen Schnittpolteppichen auftreten kann,
unabhängig von den eingesetzten Pol-Fasermaterialien. Von diesen Effekten werden also
Naturfasern (z.B. keratinhaltige Fasern wie Wolle, Kokosfasern) ebenso betroffen,
wie Chemiefasern (z.B. Polyamid, Polyester, Polyacryl). Shading tritt auch bei allen
Arten des Fadenaufbaues-auf, also sowohl bei Filamentgarnen als auch bei Spinnfasergarnen,
weiterhin bei Einfachgarnen und Zwirnen. Das gleiche gilt auch für alle Herstellungsverfahren
von Schnittpolteppichen, das heißt, der Effekt kann bei gewebten, getufteten und geklebten
Teppichen auftreten. Betroffen davon sind auch alle üblichen Verlegearten (lose verlegt,
verspannt, verklebt) sowie alle Unterbodenarten (z.B. Holz, Kunststoff, Estrich usw.).
Außerdem ist aus Erfahrung heraus bekannt, daß an Schnittpolteppichen, die aufgrund
von Shadingbildungen an Ort und Stelle ausgewechselt werden, wieder Shading entsteht.
[0006] Das alleinige, typische Merkmal für Shading ist - wie bereit angedeutet - die Irreversibilität
der Verlagerung des Pols aus.seiner ursprünglichen Strichrichtung, Das bedeutet, die
Strichabweichungen lassen sich weder durch mechanische Mitte. noch durch den zusätzlichen
Einfluß von Feuchtigkeit wieder entfernen
[0007] Kennzeichnend für Shading ist außerdem, daß die fleckenartigen Erscheinungen oft
übergangslos von der einen Warenbahn in die andere übergehen, auch wenn Schnittpolteppiche
verschiedener Hersteller nebeneinander verlegt werden.
[0008] Trotz intensiver Forschungsarbeit auf diesem Gebiet ist es bisher nicht gelungen,
die Ursachen für die Shading-bildung zu klären. Die Annahme, ortgebundene Umgebungseinflüsse
- wie geringe Unterschiede in Feuchtigkeit, Temperatur und Luftgeschwindigkeit - könnten
die Shading-bildung auslösen, hat sich meßtechnisch bisher nicht nachweisen lassen.
[0009] Es wurde auf verschiedene Weise versucht, das Auftreten von Shading zu vermindern
bzw. zu verhindern. Nach DE-B-1 123 630 wurde dies versucht durch den Einsatz von
Garnen mit entgegengesetzter Drehungsrichtung. Nach einem anderen .Vorschlag sollen
die Konstruktionsdaten wie Fasertiter, Garnfeinheit, Maschinenteilung, Polhöhe und
Warengewicht gezielt geändert werden (vergleiche Chemiefasern/Textilindustrie 29/81
(1979), Seiten 602 bis 607). Nach BE-A-876 236 soll ein Erfolg durch ein ableitfähiges
Verkleben des Teppichbodens erzielt werden. Gemäß DE-A-30 33 124 soll unter Verwendung
natürlicher, metallischer, chemischer oder physikalisch wirkender Mittel eine Abschirmung
gegen Erdstrahlen, wodurch Shading zu verhindern sein soll, erfolgen.
[0010] Alle diese Verfahren haben jedoch nicht zu einer auch nur annähernd befriedigenden
Lösung des Problems des Auftretens von Shading geführt.
[0011] Der vorliegenden Erfindung liegt die Aufgabenstellung zugrunde, das Auftreten von
Shading an Schnittpolteppichen in einfacher Weise wirksam zu verhindern.
[0012] Gegenstand der Erfindung ist demgemäß ein Schnittpolteppich mit verminderter Neigung
zum Shading, der dadurch gekennzeichnet ist, daß die Polfasern, vorzugsweise im Bereich
der Noppenschenkel über Grund, ganz oder teilweise mit einem filmbildenden Polymer
derart überzogen sind, daß zumindest ein Teil der Polfasern durch das filmbildende
Polymer miteinander verbunden ist.
[0013] Weiterhin ist Gegenstand der Erfindung ein Verfahren zum Vermindern von Shading an
Schnittpolteppichen, das dadurch gekennzeichnet ist, daß
(a) durch Behandlung des Teppichs auf die Polfasern, vorzugsweise . im Bereich der
Noppenschenkel über Grund, eine Lösung, Emulsion oder Dispersion, enthaltend filmbildende
Polymere oder Prepolymere, aufgebracht wird, wobei das Lösungsmittel verdunstet und
gegebenenfalls der behandelte Teppich zur Härtung des Polymer oder Prepolymer erwärmt
wird, oder
(b) auf das Teppichgarn eine Lösung, Emulsion oder Dispersion, enthaltend filmbildende
Polymere oder Prepolymere, aufgebracht wird, wobei das Lösungsmittel verdunstet und
gegebenenfalls das Garn oder der daraus hergestellte Teppich zur Härtung des Polymers
oder Prepolymers erwärmt wird.
Weiterhin ist Gegenstand der Erfindung ein Teppichgarn zur Herstellung von Schnittpolteppichen
mit verminderter Neigung zum Shading, das ganz oder'teilweise mit einem filmbildenden
Polymer überzogen-ist.
[0014] Außerdem ist Gegenstand der Erfindung die Verwendung von Lösungen, Emulsionen oder
Dispersionen enthaltend filmbildende Polymere oder Prepolymere zur Behandlung von
Teppichen und Teppichgarnen zur Verminderung von Shading.
[0015] Die Erfindung ist anwendbar auf alle Schnittpolteppiche, wie sie in der Einleitung
beschrieben wurden. Besonders gute Ergebnisse wurden erzielt an Teppichen, deren Flor
aus keratinhaltigen Fasern besteht, vorzugsweise Wolle, sowie den entsprechenden Teppichgarnen.
[0016] Die Menge an filmbildendem Polymer mit der Polfasern überzogen sind, ist mindestens
so groß, daß zumindest ein Teil der Polfasern durch das filmbildende Polymer in Teilbereichen
miteinander verbunden ist. Diese Menge hängt in gewissem Umfang ab von den Polfasermaterialien
und der Konstruktion des Teppichs. Sie hängt auch ab von der Art des Polymers. Im
allgemeinen wird ein ausreichender Effekt dann. erzielt, wenn die Menge des filmbildenden
Polymer, bezogen auf das Polgewicht des Teppichs, mindestens 0.01, zweckmäßig mindestens
0.05 und bevorzugt mindestens 0.1 Gew.% beträgt. Die obere Grenze schwankt ebenfalls
in Abhängigkeit von den vorstehend genannten Parametern. Es soll möglichst nicht mehr
Polymer aufgebracht werden, als zur Erzielung einer deutlich verminderten Neigung
von Shading erforderlich ist. Die Menge an filmbildenden Polymer soll (deshalb nicht
über 10, zweckmäßig nicht über 5, bevorzugt nicht über 2 und besonders bevorzugt nicht
über 1 Gew.%, bezogen auf das Polgewicht des Teppichs, liegen. Zu große Mengen sind
nicht nur aus wirtschaftlichen Gründen unzweckmäßig. Die angewandten Mengen sollen
auch deshalb nicht so groß sein, damit die sonstigen Eigenschaften des Teppichs, wie
der Griff, nachteilig beeinflußt werden. Es ist ein besonderer Vorteil der Erfindung,
daß so geringe Mengen Polymere angewandt werden können, wodurch eine nennenswerte
nachteilige Beeinflussung der Teppicheigenschaften vermieden wird.
[0017] Unter Polgewicht wird das Gewicht des Polmaterials über der Träger- oder Grundschicht
verstanden.
[0018] Zur Verminderung des Shadings von Teppichen können auch die zur Teppichherstellung
dienenden Teppichgarne mit dem filmbildenden Polymeren überzogen werden. Auch hier
hängt die Menge von der Art des verwandten Materials, der Konstruktion des Teppichs
und der Art des Polymeren ab. Im allgemeinen wird ein ausreichender Effekt erzielt,
wenn die Menge des filmbildenden Polymeren, bezogen auf das Garngewicht, mindestens
0.01, zweckmäßig mindestens 0.05 und bevorzugt mindestens 0.1 Gew.-% beträgt. Die
obere Grenze schwankt ebenfalls in Abhängigkeit von den vorstehend genannten Parametern.
Es soll möglichst nicht mehr Polymer aufgebracht werden, als zur Erzielung einer deutlich
verminderten Neigung von Shading erforderlich ist. Die Menge an filmbildenden Polymer
soll deshalb nicht über 10, zweckmäßig nicht über 5, bevorzugt nicht über 2 und besonders
bevorzugt nicht über 1 Gew.-% liegen.
[0019] Die Lösung, Emulsion oder Dispersion von filmbildendem Polymer kann auf verschiedene
Art'und Weise auf die. Polfasern aufgebracht werden. Bevorzugt ist der Auftrag von
der Polseite her, z.B. durch Geringmengenauftrag derart, daß die Polfasern durch die
Behandlungsflüssigkeit benetzt werden. Es ist aber bei Teppichen, die von der Rückseite
her genügend durchlässig für Flüssigkeiten sind, z.B. Rohware, möglich die Behandlungsflüssigke.it
auf die Rückseite aufzubringen, so daß die Flüssigkeit durch das Grundgewebe oder
Trägermaterial bis zu den Polfasern gelangt. Diese Verfahrensweise unterscheidet sich
eindeutig von dem Aufbringen eines Vorstrichs zur Verankerung der Polnoppen in der
Grundschicht oder vom Beschäumen der Teppichrückseite,. weil in diesen Fällen verhindert
werden soll und wird, daß die Behandlungsflüssigkeit den gesamten Bereich der Polfasern
erreicht. Es ist aber auch möglich; den gesamten Teppich mit der wäßrigen Lösung,
Emulsion oder Dispersion zu behandeln, z.B. zu Imprägnieren oder in die Behandlungsflüssigkeit
einzutauchen.
[0020] Bevorzugt erfolgt die Aufbringung auf die Polfasern durch Behandlung des gesamten
Teppichs auf einer Stückfärbemaschine. Die Behandlung kann auch während des Färbens
erfolgen. Die Behandlung von Teppichgarnen kann auf herkömmlichen Garnfärbemaschinen
(Kreuzspul-, Strang- und Continuegarnfärbemeschinen), Bandwaschmaschinen oder auf
jeglichen Apparaturen oder Maschinen, die eine Naßbehandlung von Garnen ermöglichen,
erfolgen.
[0021] Wie bereits ausgeführt, ist es bevorzugt, und zwar im wesentlichen aus Gründen der
einfachen Verfahrensdurchführung und der Materialerspamis, daß die wäßrige Lösung,
Emulsion oder Dispersion, enthaltend filmbildende Polymere oder Prepolymere, auf die
Polseite des Teppichs aufgebracht wird. Un eine gute und schnelle Benetzung der Polfasem
zu bewirken, ist es zweckmäßig, daß die Behandlungsflüssigkeit ein übliches Netzmittel
enthält. Beispiele für solche Netzmittel sind anionische und nichtionische Tenside
wie Salze von Fettsäuren, Alkyl-, Aryl- oder Alkylarylsulfate oder -sulfonate, Alkyl-,
Aryl- oder Alkylarylpolyglykolether oder -ester usw. Solche Handelsprodukte sind z.B.
Arbyl R® (Polyglykolether), Duponol LS ® (Natriumoleylsulfat), Invadin JFC conc. ®
(Alkylphenolethoxlat), Leophen LG® (Gemisch von Natriumsalzen aliphatischer Sulfosäuren),
Perenin GNS® (Fettalkoholpolyglykolethergemisch).
[0022] Besonders vorteilhaft sind sogenannte Rapid-Netzmittel, weil eine schnelle Benetzung
der Fasern des Teppichs erwünscht ist, um eine schnelle und gleichmäßige Verteilung
der Behandlungsflüssigkeit und damit des filmbildenden Polymeren auf den Teppichfasern
zu bewirken.
[0023] Solche Rapid-Netzer sind u.a. Polyethylenoxidaddukte von aliphatischen oder.aromatischen
Alkoholen mit einem relativ kleinen Ethylenoxidanteil (kleinem HLB-Wert), z.B. Nilin
GX® oder Sulfobernsteinsäurediester-Salze, z.B. Leophen RA®.
[0024] Als filmbildende Polymere können gemäß der Erfindung Polymere der verschiedensten
Art eingesetzt werden, z.B. solche Polymere, die nach Verdunsten bzw. Verdampfen des
Lösungsmittels ohne Härtung einen Film bilden, sowie solche Polymere oder Prepolymere,.
die nach dem Aufbringen auf den Teppich oder das Teppichgarn härten. Der Begriff "Prepolymere"
umfaßt auch Gemische von miteinander polymerisierbaren Verbindungen einschließlich
Gemischen von polymeren Verbindungen mit monomeren Verbindungen, die mit den polymeren
Verbindungen unter Molekülvergrößerung reagieren.
[0025] Unter dem Begriff "Härten" wird verstanden, daß die Prepolymere oder Polymere unter
Molekülvergrößerung reagieren, wodurch ihre Löslichkeit vermindert oder so erheblich
vermindert wird, daß die ausgehärteten Polymere praktisch nicht mehr löslich sind,
wenn der Teppich während seines Gebrauchs mit Wasser in Berührung kommt. Die Behandlungsflüssigkeit
kann in üblicher Weise die Härtung bewirkende oder beschleunigende Zusatzstoffe enthalten.
[0026] Als Zusatzstoffe kommen solche, die mindestens zwei reaktionsfähige Gruppen pro Molekül
enthalten, z.B. Di- oder Polyamine und Di- oder Polythiole infrage. Andererseits können
bei selbstvernetzenden Polymeren Katalysatoren und/ oder Beschleuniger eingesetzt
werden, wie Säuren bei säurehärtenden Prepolymeren und Basen bei alkalisch härtenden
Prepolymeren.
[0027] Die Härtung kann auch durch Einwirkung von erhöhter Temperatur erzielt werden. Die
Auswahl der Härter und der Temperatur hängt natürlich ab von dem Härtungsmechanismus
der eingesetzten Polymere oder Prepolymere. Naturgemäß können nur solche Polymere
und Prepolymere verwendet werden, die unter Bedingungen (Gehalt an Alkalien oder.
Säuren sowie Temperaturen) aushärten, die den Teppich nicht schädigen.
[0028] Beispiele für einsetzbare Polymere und Prepolymere sind Polyamide, wie ein aus Adipinsäure
und Diethylentriamin hergestelltes und mit Epichlorhydrin umgesetztes kationisches
Polymer (Hercosett 57®), Polyether auf Polyethylenoxid-, Polypropylenoxid- oder Polytetrahydrofuranbasis,
Polyester auf der Basis aliphatischer oder aromatischer Dicarbonsäuren und Dialkohole.
Sie können reaktive Gruppen enthalten wie Thiol, Thiomalat, Isocyanat, Carbamoylsulfat,
Thiosulfat, Thioglycolat oder Sulphoniumbromid, Epoxid, Aziridin usw. Handelsprodukte
dieser Art sind z.B.
[0029] Synthappret LKF ® (Polyethertriisocyanat), Synthappret BAP ® (Polyetgerecabamoylsulfanit)
Lankrolan SH 3® (Polyethertrithiosulfat, Polysiloxane wie Polydimethylsiloxan. Die
letzteren Polymere können ebenfalls reaktive Gruppen enthalten wie Thiol oder Hydroxylgruppen.
Die Verwendung eines Vernetzers wie eines Di- oder Polyamins ist hierbei in vielen
Fällen notwendig. Polyacrylat - und -Methacrylatcopolymere verschiedener Struktur
wie sie z.B. in der DE-A- 26 38 386 beschrieben sind, können ebenfalls eingesetzt
werden. Auch diese Polymere können reaktive Gruppen enthalten wie N-Methylol-, Epoxid-,
AziridinGruppen usw. Eine Zugabe von Vernetzern bzw. Katalysatoren kann auch hierbei
zweckmäßig sein, z.B. Säuren bei N-Methylolgruppen enthaltenden Polymeren oder Polyamine
bei Epoxidgruppen enthaltenden Polymeren.
[0030] Hydrophile oder wasserlösliche Polymere können zweckmäßig in Form von wäßrigen Lösungen
bzw. Dispersionen verwendet werden. Es können aber auch stabilisierte Emulsionen oder
Dispersionen von hydrophoben Polymeren verwendet werden. Diese Systeme enthalten zweckmäßig
die üblichen Emulgatoren und/oder Stabilisatoren.
[0031] Besonders gute Ergebnisse wurden mit dem Handelsprodukt Synthappret BAP ® (polyethertricarbamoylsulfat)
erzielt. Dieses Produkt sowie die Herstellung wäßriger Lösungen hiervon sind z.B.
in der DE-A-23 07 563 und DE-A-24 14 470 ausführlich beschrieben.
[0032] Die Behandlungsflüssigkeit (Lösung, Emulsion oder Dispersion) von filmbildenden Polymeren
oder Prepolymeren wird zweckmäßig aus kurzer Flotte aufgebracht, zweckmäßig in einem
Verhältnis von Polgewicht zu Flottenmenge von 10:1 bis 1:10. Die obere Grenze liegt
bevorzugt bei 5:1, besonders bevorzugt bei 2: 1. Die untere Grenze liegt bevorzugt
bei 1:5, besonders bevorzugt bei 1:2. Man kann grundsätzlich aber auch mit längeren
Flotten arbeiten, doch ist aus wirtschaftlichen Gründen in der Regel der Einsatz von
großen Wassermengen nicht vorteilhaft.
[0033] Besonders gute Ergebnisse wurden erzielt, wenn die Behandlungsflüssigkeit als Schaum
lediglich auf die Polseite des Teppichs aufgebracht wird. Dies kann unmittelbar nach
der Fertigstellung des Teppichs erfolgen, ohne daß umfangreiche zusätzliche maschinelle
Einrichtungen erforderlich wären. Man kann z.B. zum Färben geeignete Vorrichtungen
für das Verfahren gemäß der Erfindung einsetzen. Wenn die Lösung, Emulsion oder Dispersion
gemäß der Erfindung als Schaum eingesetzt wird, ist es zweckmäßig, geeignete Schaumbildner
gemäß dem Stand der Technik zuzufügen. Beispiele hierfür sind u.a. die bereits als
Netzmittel erwähnten anionischen und nichtionischen Tenside.
[0034] Es können zur Verlängerung der Lebensdauer von Schaum an sich bekannte Schaumstabilisatoren
eingesetzt werden wie Polyvinylalkohol, Hydroxymethyl- oder Hydroxyethylcellulose
oder Polyelektrolyte wie Polyacrylsäuren usw.
[0035] Der Grund für den überraschenden Effekt, der gemäß der Erfindung erzielt wird, ist
nicht vollständig geklärt. Anscheinend wird eine Verlagerung'des Pols dadurch verhindert,
daß ein Teil der Polfasern durch das filmbildende Polymer in Teilbereichen miteinander
verbunden ist. Erstaunlich ist, daß schon eine außerordentlich geringe Menge an eingesetztem
Polymer diesen Effekt in vorzüglicher Weise bewirkt. Gemäß der Erfindung kann nicht
nur eine verminderte Neigung von Shading bewirkt werden, sondern es kann die Bildung
von Shading praktisch vollständig verhindert werden. Dies ist bisher nicht möglich
gewesen.
[0036] Die Konzentration an Polymeren oder Prepolymeren in der Behandlungsflüssigkeit hängt
ab von dem Flottenverhältnis in Kombination mit der gewünschten aufzubringenden Menge
an Polymeren. Sie kann aus den angegebenen Daten errechnet werden. Die untere Grenze
für die Konzentration liegt zweckmäßig bei etwa 0.01 g/Liter Flüssigkeit. Die Obergrenze
liegt zweckmäßig bei etwa 100, vorzugsweise bei etwa 50, besonders bevorzugt bei 20
g/Liter Flüssigkeit.
Beispiel 1
[0037] Auf 50 x 100 cm große Stücke eines gewebten Velourteppichs mit einer Polschicht aus
reiner Wolle wurde der nachfolgend beschriebene Schaum aufgetragen. Der unbehandelte
Teppich wies eine ausgeprägte Neigung zur Shading-Bildung auf. Sein Flächengewicht
betrug 2800 g/m
2 , das Polgewicht 900 g/m
2, die Gesamtdicke 9.5 mm und die Polhöhe 5.8 mm. Auf die Musterstücke wurde in einer
Menge von 100 Gew.-Teilen Schaum auf 100 Gew.-Teile Teppichpol eine verschäumte Flotte
mit einem Schaumlitergewicht von 94 g/l aufgetragen. Die Flotte vor dem Verschäumen
folgende Zusammensetzung:

[0038] Das Natriumcarbonat dient als Katalysator bzw. als Beschleuniger für die Härtung
des Polymer. Die beschäumten Probestücke wurden anschließend 10 Minuten bei 140°C
im Trockenschrank getrocknet.
[0039] Der Griff des Teppichs wurde nicht erkennbar verändert.
[0040] Ein Teil der so behandelten Teppichmuster wurde in Herstellungsrichtung auf einer
Teststrecke verlegt, die sich durch eine extrem hohe Begehfrequenz (8000 Begehungen
pro Woche) auszeichnete. Nach 6 Monaten Testdauer (etwa 200000 Begehungen) wies die
Probe gemäß der Erfindung keine erhennbare Shading-Bildung auf, während die an gleicher
Stelle verlegten, unausgerüsteten Kontrollproben stark ausgeprägte Shading-Effekte
zeigten.
[0041] Der restliche Teil der behandelten Muster wurde auf einer speziellen Shading-Teststrecke
verlegt, auf der bisher ausgelegte Velourwaren in kürzester Zeit (ab 1 bis 3 Wochen)
deutliche Shading-Effekte aufwiesen. Nach viermonatiger Testdauer blieben die ausgerüsteten
Proben shadingfrei, wobei die unausgerüstete Probe pregnante Shading-Effekte zeigte.
[0042] Um die Verschmutzung der Proben beurteilen zu können, wurde an allen Proben, d.h.
an Proben gemäß der Erfindung und an unbehandelten Kontrollproben, durch Farbmessung
der Farbort bestimmt. Die Messungen
.ergaben, daß der gemäß der Erfindung behandelte Teppich weniger verschmutzt war (Farbortverschiebung:
0.46) als der nicht ausgerüstete Teppich (Farbortverschiebung: 1.3).
Beispiel 2:
[0043] In einer kontinuierlich arbeitenden Bandwaschmaschine wurden Garnstränge aus 100
% Schurvolle mit einer Feinheit von Nm 6,1, mit einem nichtionogenen Waschmittel vorgewaschen
und anschließend in folgender Lösung 2 Minuten lang getränkt:

Danach wurde das Garn auf 100 % Feuchtigkeit abgequetscht und anschließend in einem
Siebtrommeltrockner bei einer Kammertemperatur von 110°C getrocknet.
[0044] Aus diesem Garn wurde ein Teppich, wie in Beispiel 1 beschrieben, hergestellt und
auf der erwähnten Teststrecke geprüft. Nach drei Monaten Prüfdauer zeigte die unbehandelte
Kontrollprobe starke Shadingeffekte, während die behandelte shadingfrei blieb.
Beispiel 3:
[0045] Ein Teppichstück von 200 m Länge wurde in einer Haspelkufe bei einem Flottenverhältnis
von 1:30 mit folgender Lösung 10 Minuten lang bei Raumtemperatur behandelt:
[0046]

[0047] Danach wurde der Teppich polseitig abgesaugt, wonach der Restfeuchtegehalt 300 %
(auf Warengewicht bezogen) betrug.
[0048] Anschließend wurde der Teppich bei 140°C 10 Minuten lang getrocknet. Aus dieser Teppichware
wurden Proben entnommen und auf der in Beispiel 1 genannten Teststrecke geprüft. Die
behandelten Teppichproben blieben nach einer 3-monatigen Testdauer shadingfrei, während
die unbehandelten Kontrollproben deutlich Shading zeigten.
1. Schnittpolteppich mit verminderter Neigung zum Shading, dadurch gekennzeichnet,
daß die Polfasern ganz oder teilweise mit einem filmbildenden Polymer derart überzogen
sind, daß zumindest ein Teil der Polfasern durch das filmbildende Polymer miteinander
verbunden ist.
2. Schnittpolteppich nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß die Polfasern im
Bereich der Noppenschenkel über Grund ganz oder teilweise mit einem filmbildenden
Polymer derart überzogen sind, daß zumindest ein Teil der Polfasern durch das filmbildende
Polymer miteinander verbunden ist.
3. Schnittpolteppich nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, daß die Menge
des filmbildenden Polymers, bezogen auf das Polgewicht des Teppichs, mindestens 0.01,
vorzugsweise mindestens 0.05 und besonders bevorzugt mindestens 0.1 Gew.-% beträgt.
4. Schnittpolteppich nach einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, daß
die Menge des filmbildenden Polymers, bezogen auf das Polgewicht des Teppichs, höchstens
10, vorzugsweise höchstens 5, besonders bevorzugt höchstens 1 Gew.-% beträgt.
5. Verfahren zum Vermindern von Shading an Schnittpolteppichen, dadurch gekennzeichnet,
daß
(a) durch Behandlung des Teppichs auf die Polfasern eine Lösung, Emulsion oder Dispersion,
enthaltend filmbildende Polymere oder Prepolymere, aufgebracht, das Lösungsmittel
verdunstet und gegebenenfalls der behandelte Teppich zur Härtung des Polymers oder
Prepolymers erwärmt wird, oder
(b) auf das Teppichgarn eine Lösung, Emulsion oder Dispersion, enthaltend filmbildende
Polymere oder Prepolymere, aufgebracht, das Lösungsmittel verdunstet und gegebenenfalls
das Garn oder der daraus hergestellte Teppich zur Härtung des Polymers oder Prepolymers
erwärmt wird.
6. Verfahren nach Anspruch 5, dadurch gekennzeichnet, daß durch Behandlung des Teppichs
auf die Polfasern im Bereich der Noppenschenkel über Grund eine Lösung, Emulsion oder
Dispersion, enthaltend filmbildende Polymere oder Prepolymere, aufgebracht, das Lösungs-
,mittel verdunstet und gegebenenfalls der behandelte Teppich zur Härtung des Polymers
oder Prepolymers erwärmt wird.
7. Verfahren nach Anspruch 5 oder 6, dadurch.gekennzeichnet, daß die Lösung, Emulsion
oder Dispersion aus kurzer Flotte aufgebracht wird.
8. Verfahren nach einem der Ansprüche 5 bis 7, dadurch gekennzeichnet, daß die Lösung,
Emulsion oder Dispersion als Schaum aufgebracht wird.
9. Verfahren nach einem oder mehreren der Ansprüche 5 bis 8, dadurch gekennzeichnet,
daß das in der Lösung, Emulsion oder Dispersion enthaltende Polymer oder Prepolymer
unter Molekülvergrößerung nach dem Aufbringen aushärtet.
10. Verfahren nach einem oder mehreren der Ansprüche 5 bis 9, dadurch gekennzeichnet,.daß
das Polymer oder Prepolymer, bezogen auf das Polgewicht des Teppichs, in einer Menge
von mindestens 0.01, vorzugsweise mindestens 0.05 und besonders bevorzugt mindestens
0.1 Gew.-% aufgebracht wird.
11. Verfahren nach einem oder mehreren der Ansprüche 5 bis 10, dadurch gekennzeichnet,
daß das Polymer oder Prepolymer, bezogen auf das Polgewicht des Teppichs, in einer
Menge von höchstens 10, vorzugsweise höchstens 5 und besonders bevorzugt höchstens
1 Gew.-% aufgebracht wird.
12. Verfahren nach einem der Ansprüche 5 bis 11, dadurch gekennzeichnet, daß die Behandlung
des. Teppichs auf Stückfärbmaschinen erfolgt.
13. Verfahren nach einem der Ansprüche 5 bis 12, dadurch.gekennzeichnet, daß die Behandlung
des Teppichs während des Färbens erfolgt.
14. Teppichgarn zur Herstellung von Schnittpolteppichen mit verminderter Neigung zum
Shading, dadurch gekennzeichnet, daß das Teppichgarn ganz oder teilweise mit einem
filmbildenden Polymer überzogen ist.
15. Teppichgarn nach Anspruch 14, dadurch gekennzeichnet, daß die Menge des filmbildenden
Polymers, bezogen auf das Garngewicht, mindestens 0.01, vorzugsweise mindestens 0.05
und besonders bevorzugt mindestens 0.1 Gew.-% beträgt.
16. Teppichgarn nach Anspruch 14 oder 15, dadurch gekennzeichnet, daß die Menge des
filmbildenden Polymers, bezogen auf das Garngewicht, höchstens 10, vorzugsweise höchstens
5, besonders bevorzugt höchstens 1 Gew.-% beträgt.
17. Verwendung von Lösungen, Emulsionen oder Dispersionen enthaltend filmbildende
Polymere oder Prepolymere zur Behandlung von Teppichen und Teppichgarnen zur Verminderung
von Shading.