[0001] Die vorliegende Erfindung bezieht sich auf ein Geschoss für eine Übungsmunition mit
einer, einem scharfen Geschoss entsprechender, mindestens angenäherter Abgangs- und
Aussenballistik und einer vorgegebenen Schussfeldbegrenzung.
[0002] Beim übungsweisen Einsatz von Geschossen besteht immer wieder die Gefahr, dass diese
das vorgesehene Schussfeld verlassen und ausserhalb des Zielgebiets Schäden und/oder
Verletzungen bewirken. Dementsprechend wurden verschiedene Lösungen vorgeschlagen,
um vor allem in Ländern, in denen keine sehr grossflächigen Übungsplätze zur Verfügung
stehen, das Schussfeld der Munition zu begrenzen. Gleichzeitig wurde jedoch versucht,
das gegenüber einer scharfen Munition gleiche schiesstechnische Verhalten der Übungsmunition
beizubehalten.
[0003] In der EP-A-0 080 210 (BETHMANN u.a.) ist ein Geschoss beschrieben und dargestellt,
in dem axial ein stabilisierendes Element gelagert ist. Während des Abbrandes des
Leuchtspur-satzes wird das stabilisierende Element frei und wird aus dem Geschoss
herausgesogen bzw. herausgedrückt und zwar in der axialen Richtung nach hinten. Das
stabilisierende Element bleibt weiter mit dem Rest des Geschosses mittels eines Drahtes
verbunden. Diese Lösung ist also axial symmetrisch ausgebildet und somit ist die zu
erwartende Abbremsung bzw. Destabilisierung des Geschosses verhältnismässig schwach.
[0004] Bekannt sind Zerfallgeschosse mit einer leichten Hülle und einem Kern aus Metallpulver
(CH-PS 488 162 und CH-PS 488 989), welche zwar eine ähnliche Abgangsballistik aufweisen,
jedoch aber schon nach kurzer Zeit beim Austritt aus dem Lauf auseinanderfallen, wodurch
der gewünschte Übungswert der Munition verloren geht.
[0005] Ebenfalls bekannt sind Geschosse (CH-PS 539 834), die im Überschallbereich stabil
und im Unterschallbereich unstabil fliegen, so dass deren aerodynamisches Verhalten
das Schussfeld begrenzen.
[0006] Diese Munition simuliert den Abgang einer Gefechtsmunition und deren Flugverhalten
innerhalb der Einsatzdistanz und ist nur zur Simulation von relativ grosskalibrigen
Überschallgeschossen geeignet.
[0007] Im weiteren sind Geschosse mit Selbstzerstörungsladungen bekannt (GB-A-2028982),
welche jedoch aus Kosten- und auch aus Sicherheitsgründen (Gefahr von Blindgängern)
für die meisten Anwendungen nicht in Frage kommen.
[0008] Es ist daher Aufgabe der Erfindung, ein Geschoss zu schaffen, welches auf wirtschaftliche
Weise eine sichere Schussfeldbegrenzung ergibt und zudem das Flugverhalten einer Gefechtsmunition
wenigstens angenähert, sowohl in seiner Abgangs- als auch Aussenballistik, wiedergibt.
[0009] Diese Aufgabe wird dadurch gelöst, dass im Geschosskörper ein Hohlraum mit einem
pyrotechnischen Satz vorgesehen ist, welcher den Geschosskörper nach einer vorgegebenen
Flugzeit partiell in einem Bereich der Oberfläche des Geschosses, unsymmetrisch in
bezug auf die Achse des Geschosses, durchschmilzt und damit das Geschoss auf seiner
Flugbahn entstabilisiert und begrenzt.
[0010] Die nachfolgenden abhängigen Ansprüche beinhalten bevorzugte Ausbildungen des Erfindungsgegenstandes.
[0011] Bewährt hat sich der in Anspruch 2 genannte Leuchtspur-Satz, der das erforderliche
wärmetechnische Verhalten aufweist und zudem eine einfache optische Verfolgung der
Flugbahn des Geschosses erlaubt.
[0012] Durch den Einbau einer wärmedämmenden Isolationshülse, gemäss Anspruch 3, lässt sich
das Schmelzverhalten des Geschosses zeitlich und örtlich leicht bestimmen.
[0013] Alternativ zur Isolationshülse lässt sich nach Anspruch 4 ein Isolationsnapf verwenden,
der je nach gewählter Fabrikationsmethode Vorteile gegenüber einer Isolationshülse
aufweist.
[0014] Bewährt hat sich eine Ausnehmung in der Isolationshülse bzw. im Isolationsnapf gemäss
Anspruch 5, welche durch ihre asymmetrische Ausgestaltung das Geschoss innert einer
vorgegebenen Zeit zielgerichtet mittels des pyrotechnischen Satzes durchschmelzen
lässt. Durch die resultierende Unwucht wird das Geschoss destabilisiert und/oder es
kreist durch den beim Abschuss erzeugten Drall exzentrisch um die Flugrichtung, wird
stark gebremst und fällt auf den Boden.
[0015] Die in Anspruch 6 spezifizierten Isolationshülsen bzw. Isolationsnapfe sind besonders
geeignet, da sie sich in einfachster Weise in einen Geschosskörper integrieren lassen
und genau definierte wärmeleitende und wärmeabführende Eigenschaften aufweisen.
[0016] Bewährt haben sich Geschosse nach Anspruch 7, weil damit die erforderlichen Festigkeits-
und ballistischen Eigenschaften leicht realisiert werden können und zudem der Schmelzpunkt
der entsprechenden Legierung sich im Bereich von 580° C bis 600° C bewegt, welche
Temperaturen durch einen einfachen, an sich bekannten pyrotechnischen Satz leicht
erzielbar sind.
[0017] Bei Geschossen, insbesondere im Unter- oder Transschallbereich fliegenden Raketen
mit Leit- und/oder Stabilisierungsflossen, kann durch die Plazierung der Ausnehmung,
entsprechend Anspruch 8, ein ganzes oder partielles Abschmelzen der Flossen erreicht
werden, was die Destabilisierung und damit die präzise Begrenzung der Flugbahn verbessert.
[0018] Besonders günstig ist die Verwendung des Geschosses gemäss Anspruch 9, da damit die
Gefahr von Verletzungen in der Übung und Ausbildung verringert wird.
[0019] Nachfolgend wird anhand von Zeichnungen ein bevorzugtes Ausführungsbeispiel der Erfindung
näher beschrieben.
[0020] Es zeigen:
Fig. 1 ein Geschoss mit einer pyrotechnischen Schussfeldbegrenzung in vergrösserter
Darstellung,
Fig. 2 das Geschoss Fig. 1 mit teilweise dargestellten Patronenhülsen in einem kleineren
Zeichnungsmassstab,
Fig. 3 die in Fig. 1 dargestellte Isolationshülse in einer Ansicht von der Geschossspitze
her betrachtet, einzeln gezeichnet,
Fig. 4 eine Variante eines Geschosses mit einem Isolationsnapf und
Fig. 5 den Isolationsnapf Fig. 4 in gleicher Lage wie Fig. 3, jedoch einzeln in einer
Draufsicht dargestellt.
[0021] In sämtlichen Figuren sind für gleiche Teile gleiche Bezugsziffern verwendet worden.
[0022] Nach Fig. 1 ist ein Geschoss mit 1 bezeichnet. Dieses Geschoss weist einen Vorderteil
2 auf, welches in bekannter Weise aerodynamisch optimiert ist und das Flugverhalten
eines scharfen Geschosses aufweist. Ein nutförmiger Abschnitt 3 (Eindrehung) dient
in gewohnter Weise zur Befestigung der Patronenhülse. Ein Mittelteil 4 des Geschosses
1 besitzt im Bereich seines hinteren Endes 5 eine stirnseitige Bohrung, welche eine
Isolationshülse 8 und in dieser einen Leuchtspur-Satz 6 enthält, der durch einen ebenfalls
an sich bekannten Anfeuer-Satz 10, 11, 12 gezündet werden kann.
[0023] Die Isolationshülse 8 weist Ausnehmungen 9, 9' auf, welche ebenfalls durch den Leuchtspur-Satz
ausgefüllt sind.
[0024] Fig. 2 zeigt das Geschoss 1 mit seinen vorgängig beschriebenen Bestandteilen nochmals,
jedoch in einer verkleinerten Ausführung und mit einer teilweise gezeichneten Patronenhülse
14 , der Befestigungsstelle 15, ihrer Würgerille 16 und - nicht spezifisch dargestellt
- der Pulverladung 17.
[0025] Das Geschoss besteht aus einer Hartbleilegierung (Blei-Antimon) und weist einen Schmelzpunkt
von zirka 580° C auf.
[0026] Die Isolationshülse 8 ist in Fig. 3 in einem Schnitt A - A einzeln dargestellt. Daraus
ist leicht ersichtlich, dass die Ausnehmungen 9, 9' durch einfaches geradliniges,
stirnseitiges Abfräsen der Hülse bis zu ihrem Zentrum erzeugt werden kann.
[0027] Der an sich bekannte Leuchtspur-Satz wurde nach dem Einbringen der Hülse 8 in das
Geschoss 1 eingepresst und durch stirnseitiges Bördeln mit dem in Fig. 1 bezeichneten
kegelstumpfförmigen Abschnitt fixiert.
[0028] In einem praktischen Beispiel gelten folgende Werte:
Masse des Geschosses: 10 g; Kaliber 7,5 mm
Legierung des Geschosses: Hartblei (98 Gew.-% Pb, 2 Gew.-% Sb)
Isolationshülse gemäss Fig. 3: aus Polyamid (Nylon) Aussendurchmesser der Hülse: 6
mm
Innendurchmesser der Hülse: 4,5 mm
Länge der Hülse: 8 mm
Abfräsung: 180° / 3 mm in der Länge
Leuchtspur-Satz: Standard Infanterie-Munition 7,5 mm Treibladung: Standard Schiesspulver
Kleinkaliber-Munition Flugdistanz des Geschosses: max. 3'000 m
Einsatzdistanz: 200 bis 500 m
Flugdauer bis zum Auftreffen auf den Boden: ca. 1,5 Sek.
[0029] Die Variante gemäss Fig. 4 weist dieselben Eigenschaften wie die Lösung gemäss Fig.
1 auf. Aus vorwiegend fabrikationstechnischen Gründen ist jedoch anstelle einer Isolationshülse
8 ein Isolationsnapf 8' verwendet worden.
[0030] Die Darstellung Fig. 5 zeigt den Isolationsnapf 8', ebenfalls aus Nylon, in einer
Ansicht auf dessen Längsachse.
[0031] Diese Variante hat den Vorteil, dass der pyrotechnische Satz vollständig vorbereitet
in den Napf 8' eingepresst und nachträglich als Gesamtes in den Geschosskörper eingesetzt
werden kann. Zudem lässt sich die Wärmeleitung des Satzes noch besser vorausbestimmen.
[0032] Der Erfindungsgegenstand ist insbesondere bei Verwendung eines Leuchtspur-Satzes
ebenfalls für grössere Geschosse geeignet. Je nach Art der verwendeten Isolationshülse
bzw. des Isolationsnapfes entsteht bei der Übungsmunition eine ablative Wirkung. Die
Wärmeabfuhr in der Form des geschmolzenen oder zersetzten Kunststoffs nach hinten
verhindert einen möglichen grösseren Wärmestau bei grösseren Kalibern und damit ein
unerwünschtes, vorzeitiges Durchschmelzen des Mantels.
1. Geschoss für eine Übungsmunition mit einer, einem scharfen Geschoss entsprechender,
mindestens angenäherter Abgangs- und Aussenballistik und einer vorgegebenen Schussfeldbegrenzung,
dadurch gekennzeichnet, dass im Geschosskörper ein Hohlraum'(5) mit einem pyrotechnischen
Satz (6) vorgesehen ist, welcher den Geschosskörper nach einer vorgegebenen Flugzeit
partiell (13) in einem Bereich der Oberfläche des Geschosses (1), unsymmetrisch in
bezug auf die Achse des Geschosses (1), durchschmilzt und damit das Geschoss auf seiner
Flugbahn entstabilisiert und begrenzt.
2. Geschoss nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass der pyrotechnische Satz
(6) ein Leuchtspur-Satz ist.
3. Geschoss nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass im Geschosskörper
eine wärmedämmende Isolationshülse (8) vorgesehen ist, welche den pyrotechnischen
Satz aufnimmt.'
4. Geschoss nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass im Geschosskörper
ein wärmedämmender Isolationsnapf (8') vorgesehen ist, welcher den pyrotechnischen
Satz aufnimmt.
5. Geschoss nach Anspruch 3 oder 4, dadurch gekennzeichnet, dass die Isolationshülse
(8) bzw. der Isolationsnapf (8') mindestens eine in radialer Richtung unsymmetrisch
in bezug auf die Achse des Geschosses (1) angeordnete Ausnehmung (9, 9') aufweist.
6. Geschoss nach Anspruch 5, dadurch gekennzeichnet, dass die Isolationshülse (8)
bzw. der Isolationsnapf (8') aus einem thermoplastischen Kunststoff oder einem entsprechenden
Copolymerisat besteht.
7. Geschoss nach einem der vorangehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass dieses
zumindest einen Mantel aus Blei, eine Bleilegierung, wie Blei-Zinn oder Blei-Antimon,
aufweist.
8. Geschoss nach Anspruch 7 mit Leit- und/oder Stabilisierungsflossen, dadurch gekennzeichnet,
dass wenigstens eine Ausnehmung (9, 9') im Bereich einer oder mehrerer Leit- und/oder
Stabilisierungsflossen liegt.
9. Verwendung des Geschosses nach einem der vorangehenden Ansprüche in Kleinkaliber-Übungsmunition
mit Einsatzläufen für grösser kalibrige Waffen.