[0001] Die Erfindung bezieht sich auf ein Verfahren zum Biegen länglicher Werkstücke, insbesondere
Rohre, gemäß dem Oberbegriff von Anspruch 1, sowie auf eine Vorrichtung zum Ausführen
des Verfahrens gemäß dem Oberbegriff von Anspruch 11. Als die induktiv aufheizbaren
und somit elektrisch leitenden länglichen Werkstücke kommen neben den Rohren insbesondere
auch Stäbe in Frage und allgemeiner alle solchen länglichen Werkstücke, die durch
ungleichmäßige Temperaturverteilung längs des Umfangs einer erhitzten, meist schmalen,
Umfangszone biegbar sind.
[0002] Ein ungleichmäßiges Erhitzen des Querschnitts z.B. von zu biegenden Rohren und allgemeiner
zu biegenden länglichen Werkstücken ist in manchen speziellen Fällen von großer Bedeutung
und bringt außerdem allgemein gesehen besondere Vorteile. Es gibt nämlich Werkstoffe,
welche bei starker plastischer Verformung, insbesondere Dehnung, rißempfindlich sind,
wenn die Verformung bei Temperaturen oberhalb des Umwandlun
gspunktes AC3 (ca. 800°C-Austenit) stattfindet. Wenn man nun während des Biegens eines
Bogens die Temperatur an der Dehn- oder Streckseite, dem sogenannten Extrados, niedrig,
z.B. auf 750°C, und an der Stauchseite, dem sogenannten Intrados, hoch, z.B. 950°C,
hält, verlegt sich die neutrale Biegelinie zum Extrados hin; das ergibt mehr Stauchung
am Intrados und weniger Streckung bzw. Dehnung am Extrados. Weniger Streckung am
[0003] Extrados ist nicht nur vorteilhaft; weil dadurch dort die Rißgefahr erniedrigt wird,
sondern weniger Streckung bedeutet auch weniger Verdünnung einer Rohrwand. Durch Anwendung
des richtigen Temperaturunterschiedes zwischen Extrados und Intrados ist es möglich,
ausgehend von Rohren mit normaler Wandstärke Bogen herzustellen, welche den Bedingungen
der maximal zulässigen Wandverdünnung (am Extrados) bzw. Wandverdickung (am Intrados),
wie z.B. vorgeschrieben in DIN 2413, entsprechen.
[0004] Das Erhitzen länglicher Werkstücke, z.B. Rohre, mittels eines Induktors zu deren
fortschreitendem Biegen ist vielfach bekannt, z.B. allgemein gesehen aus der NL-PS
142 607 und der DE-PS 2 112 019.
[0005] Das ungleichmäßige Erhitzen mittels eines Induktors für das fortschreitende Biegen
von Rohren und anderen länglichen Werkstücken mit dem Ziel, das Maß der Verformung
bzw. Wandstärkenänderung zu beeinflussen bzw. zu korrigieren, ist nach einer ersten
Ausführungsmöglichkeit aus der DE-PS 2 738 394 bekannt, welche eine asymmetrische
Aufstellung des Induktors vorsieht. Ähnliches strebt eine von mehreren alternativen
Ausführungsmöglichkeiten der DE-OS 22 20 910 an, wonach der den Extrados umschließende
Teil des Induktors einen größeren Abstand von der Rohroberfläche als der den Intrados
umschließende Teil haben soll.
[0006] Zum gleichen Zweck ist aus der DE-OS 22 20 910, zweite Alternative, die Möglichkeit
bekannt, eine ungleichmäßige oder asymmetrische Erhitzung mittels örtlich im Umkreis
des Induktors angebrachter Blechpakete zu erreichen, die als Jochbleche dienen und
mittels derer die Intensität der induktiven Erhitzung beeinflußt werden kann. Eine
dritte aufwendige und räumlich schwer beherrschbare Alternative der DE-OS 22 20 910
[0007] sieht schließlich vor, in Kombination mit derartigen Jochblechen einen ersten Induktor
zur Vorwärmung mit einem zweiten Induktor zur Hauptwärmung am Erhitzungsquerschnitt
vorzusehen.
[0008] Weiter ist zu dem gleichen Zweck aus der US-PS 4 177 661 ein Induktor bekannt, bei
dem ein Teil der induzierten Energie durch ein Schild aufgefangen wird, das zwischen
dem Induktor und einem zu biegenden Rohr aufgestellt wird. Es wird dort auch eine
Vorrichtung beschrieben, gemäß der vor der ringförmig ausgeführten und induktiv arbeitenden
Erhitzungsquelle am Intrados eine Extraerhitzungsquelle angelegt wird.
[0009] All diese bekannten Verfahren und Vorrichtungen für das . ungleichmäßige Erhitzen
des Biegequerschnitts von auf fortschreitende Weise zu biegenden Rohren oder anderen
länglichen Werkstücken haben aber bestimmte Nachteile und führen nicht oder sehr schwer
zu einem guten Erfolg.
[0010] Die asymmetrische Erhitzung mittels exzentrischer Aufstellung oder radialer Verstellung
des Induktors hat den Nachteil, daß bei der Querverstellung des Induktors zwecks Erniedrigung
der Temperatur des Extrados gleichzeitig eine Erhöhung der Temperatur des Intrados
erfolgt, obwohl zur Vermeidung einer unerwünschten Wandverdünnung, z.B. eines Rohres
am Extrados, die Temperatur vornehmlich nur am Extrados zu ändern wäre und auch eine
übermäßige Stauchung am Intrados nicht erwünscht ist. Weiterhin weisen die Anwendung
findenden Induktoren meist Sprühlöcher auf, die unter einem bestimmten Winkel in Vorwärtsrichtung
Wasser auf das schon gebogene Rohr spritzen, um die erhitzte Zone zu begrenzen. Durch
Querverstellung des Induktors ändert sich auch die Stelle, an der die Wasserstrahlen
auf das Rohr auftreffen, mit der Folge, daß die Breite der erhitzten Zone ungleichmäßig
wird und dadurch ein ungünstiger Einfluß auf die Biegung entsteht.
[0011] Das Anbringen von Jochblechen auf dem Induktor an der Stelle des Induktors, wo eine
höhere Temperatur erwünscht wird, ist eine sehr umständliche und zeitraubende Arbeit.
Hat man schließlich aber für eine bestimmte Rohrwand und den Biegeradius den erwünschten
Effekt erreicht, so ist dieser Induktor nur noch für diesen Fall geeignet.
[0012] Das Anbringen eines Schildes zwischen dem Induktor und dem zu erhitzenden Werkstück
ist in der Praxis sehr schwer durchzuführen, da der zur Verfügung stehende Spalt zwischen
Induktor und Werkstück gering ist. Der Schild muß auch noch wassergekühlt werden,
um Überhitzung vorzubeugen, so daß praktisch kein Raum übrigbleibt. Auch hier ist
der Effekt schwer vorherzusagen,und Position und Abmessung müssen empirisch bestimmt
werden, wobei der Erfolg nur für den einen bestimmten Fall gilt.
[0013] Das lokale Aufstellen einer Extrawärmequelle mit dem Zweck, eine höhere Temperatur
an der Innenseite des Bogens, also am Intrados, zu erreichen, hat den Nachteil, daß
die erhitzte Zone auf dieser Stelle extra breit gemacht wird, was nachteilig ist für
das Behalten eines guten runden Rohres (fehlende Ausbeulungen oder Stauchstellen)
während des Biegens.
[0014] Die Erfindung geht gattungsgemäß von der Möglichkeit aus, entweder gemäß notorischem
Stand der Technik zur asymmetrischen induktiven Aufheizung des Werkstücks den Induktor
exzentrisch aufzustellen (z.B. DE-PS 2 738 394) oder bei konzentrischer Aufstellung
eine teilweise Abschirmung der Induktion vorzunehmen (US-PS 4 177 661). Der erstgenannte
Fall ermöglicht schon a priori keine konzentrische Induktoranordnung; der zweitgenannte
Fall ist aufwendig und schwierig zu realisieren. Die Gattung ist auch auf die Anordnung
mit Jochblechen gemäß der DE-OS 22 20 910 zu lesen, die sich jedoch in sehr aufweniger
Weise immer nur auf ein bestimmtes Werkstück genau abstimmen läßt.
[0015] Der Erfindung liegt daher die Aufgabe zugrunde, ein Verfahren und eine Vorrichtung
zum Biegen länglicher Werkstücke, insbesondere Rohre, unter ungleichmäßiger Temperaturverteilung
längs des Umfangs einer induktiv aufgeheizten Querschnittszone des Werkstücks zu schaffen,
die eine konzentrische oder nahezu konzentrische Induktoraufstellung zulassen und
es in einfacher Weise ermöglichen, mit demselben Induktor verschiedene Biegeradien
einzustellen.
[0016] Diese Aufgabe wird nach der Erfindung bei einem Verfahren gemäß dem Oberbegriff von
Anspruch 1 durch die kennzeichnenden Merkmale von Anspruch 1 und bei einer Vorrichtung
gemäß dem Oberbegriff von Anspruch 11 durch die kennzeichnenden Merkmale von Anspruch
11 gelöst.
[0017] Die Erfindung ermöglicht es, den Induktor streng oder annähernd konzentrisch rund
um das Werkstück, d.h. mit etwa gleichem radialen Abstand in bezug auf den zu biegenden
Gegenstand, z.B. ein Rohr, aufzustellen und in dem Umfangsbereich des Werkstücks,
wo eine niedrigere Temperatur erwünscht ist, den Induktor in zwei oder mehrere parallele
Ströme zu verzweigen und die Erhitzungsenergie, welche durch die verzweigten Teilströme
in dem zu biegenden Gegenstand induziert wird, ganz oder teilweise zu vernichten,
z.B. mittels des üblichen Aufspritzens gerichteter und regelbarer Wasserstrahlen.
[0018] Die Realisierung der Erfindung ist verhältnismäßig einfach, ohne auf eine asymmetrische
Aufstellung des Induktors in bezug auf das Rohr angewiesen zu sein. Nach erfolgter
radialer Justierung in bezug auf das zu biegende Werkstück ist meist überhaupt nicht
und jedenfalls seltener und in geringerem Ausmaß als bei bekannten Verfahren und Vorrichtungen
eine radiale Quernachstellung bei welchselnden Biegeradien erforderlich, die mit demselben
Induktor realisierbar sind. Die erforderlichen Anpassungen lassen sich dabei über
Ort und Ausmaß der Abkühlung vornehmen. Dabei läßt sich praktisch jedes gewünschte
Temperaturprofil längs des Umfangs der erhitzten Querschnittszone des Werkstücks einstellen,
so daß auch unerwünschte Stauchungen am Intrados vermieden werden können. Allgemeiner
gesprochen läßt sich, auf Rohre bezogen, in besonders gut beherrschbarer Weise die
Wandstärke rings
. um den Umfang des gebogenen Rohres zuverlässig einstellen, sogar bei Röhren mit unterschiedlichen
dicken Wänden. Ähnliches gilt bezüglich einer vergleichmäßigten Querschnittsbeanspruchung
von Werkstücken mit Vollquerschnitt, z.B. Stäben, insbesondere auch Profilstäben,
z.B. mit T- oder H-Profil. Erwähnenswert ist auch noch die Möglichkeit, die Induktionsenergie
in das Werkstück dissipationsarm einleiten und über den Biegequerschnitt verteilen
zu können. Auch lassen sich mit dem Induktor kombinierte Sprühorgane gleichmäßig über
den Umfang des zu biegenden Werkstücks verteilen, insbesondere, aber nicht ausschließlich,
bei konzentrischer oder nahezu konzentrischer Anordnung des Induktors selbst in bezug
auf das Werkstück.
[0019] Wenn im Gattungsbegriff der Ansprüche 1 und 11 bereits von einem Abkühlen des Werkstücks
in mindestens einer Nachbarzone die Rede ist, so ist hiermit das Abschrecken des bereits
gebogenen Werkstücks hinter der auf Biegetemperaturen erhitzten Querschnittszone angesprochen,
um dort möglichst bald wieder das Werkstück zu einem starren Hebelelement innerhalb
der gesamten Biegeeinrichtung zu machen. Diese Kühlung wird auch im Stand der Technik
meistens bereits durch Wasserstrahl bewirkt, vielfach direkt durch eine Mehrzahl kleiner
Seitenlöcher aus der Kühlflüssigkeit des Induktors selbst oder aber durch gesonderten
Kühlring. Es gibt aber auch Biegevorrichtungen, bei denen die Abkühlung hinter der
Wärmzone statt mittels Kühlflüssigkeit durch Kühlluft (z.B. zwangskonvektierte forcierte
Preßluft) erfolgt. All diese Möglichkeiten sind in den Rahmen der Erfindung einbezogen.
Das gilt auch für eine Übertragung der an sich nur beim Biegen von Plastikrohren bekannten
Möglichkeit, eine Kühlung sowohl vor als auch hinter einer Erwärmungszone vorzusehen
(US-PS 2 480 774).
[0020] Die im Gattungsbegriff auch angesprochene Induktionsschleife ist meist eine Einzelschleife.
Die Einzelschleife kann in praxi allerdings zu einer breiteren Induktorschleife zusammengebaut
sein, beispielsweise dadurch, daß man zwei parallele Induktionsschleifen noch durch
Verbindungsblech überbrückt. Eine mehrmalige Schleife durch Schraubenform des Induktors
ist weniger üblich, ohne daß auch sie von vornherein auszuschließen ist (z.B. in der
gattungsgemäßen DE-OS 22 20 910 genannt).
[0021] In aller Regel und nach der zugrundeliegenden allgemeinen Theorie wird man die Temperaturherabsetzung
durch Verzweigung des Induktors nur an der Streckseite des Bogens vorsehen, dem sogenannten
Extrados. Es soll jedoch im Rahmen der Erfindung auch die umgekehrte Möglichkeit zumindestens
theoretisch eingeschlossen bleiben, falls die Lehre der DE-PS 28 22 613 noch einen
technischen Sinn ergeben sollte, nach der eine umgekehrte Temperaturbeaufschlagung
vorgesehen wird.
[0022] Im Normalfall wird sich die Verzweigung etwa über die Hälfte des Rohrumfangs oder
Umfangs des sonstigen Werkstücks erstrecken. Dabei ist es durchaus möglich, auch noch
die Streckzone beidseitig etwas zu übergreifen, was qualitativ mit der nicht so genau
zahlenmäßig zu nehmenden Obergrenze von 60 % des Werkstückumfangs im Anspruch 10 erfaßt
ist. Es ist dabei mit wesentlich einfacheren und variableren Mitteln als in der gattungsgemäßen
DE-OS 22 20 910 möglich, wie dort angestrebt nur etwa ein Viertel des Umfangs auf
niedrige Temperatur und den übrigen Umfang auf höhere Temperatur, insbesondere Schmiedetemperatur,
zu bringen.
[0023] Der Erhitzungsquerschnitt braucht nicht unbedingt senkrecht zur Werkstückachse angeordnet
zu sein, sondern kann auch beispielsweise gemäß den Fig. 4 und 5 der DE-OS 22 10 715
schräg oder abgeknickt verlaufen.
[0024] Die Erfindung ist ferner invariant bezüglich der Art, mit welcher das Biegemoment
aufgebracht wird. So ist es sowohl möglich, das Werkstück axial relativ zum ortsfesten
Induktor zu verschieben als auch umgekehrt den Induktor relativ zum ortsfest bleibenden
Werkstück zu verschieben oder gar beide Elemente verschiebbar zu machen und nur auf
eine Relativbewegung abzustellen.
[0025] Verbreitet ist es, das Werkstück kontinuierlich oder inkremental vorzuschieben und
den Induktor, abgesehen von Regelbewegungen, ortsfest anzuordnen, vgl. DE-PS 21 12
019.
[0026] Das Biegemoment kann entweder durch axiales Drücken auf das ungebogene Rohr (DE-PS
27 38 394) oder durch Einleiten eines Drehmoments über den Biegearm (vgl. DE-OS 19
35 100) oder auch anders, z.B. nach einer Flitzebogenspannung (vgl. US-PS 783 716),
aufgebracht werden.
[0027] Diesbezüglich ist die Erfindung in keiner Weise beschränkt.
[0028] Im Rahmen der Erfindung können nicht nur Induktoren mit rundem Querschnitt, sondern
auch z.B. solche mit eckigem, insbesondere etwa rechteckigem, dreieckigem oder trapezförmigem,
Querschnitt Verwendung finden, wobei das Profil sowohl quer als auch längs zu den
Anschlüssen stehen kann.
[0029] Die Verzweigung des Induktors kann beispielsweise durch eine rechtwinklige gabelartige
Abbiegung erfolgen. Bevorzugt sind stromlinienförmige schräge Abwinklungen, die nicht
nur strömungstechnische Vorteile haben, sondern gleichzeitig auch eine Anpassung an
die unterschiedliche Erwärmung längs des Werkstückumfangs darstellen können.
[0030] In praxi kann man mit Induktionsfrequenzen zwischen 500 und 1000 Hz auskommen. 1000
Hz hat eine Eindringtiefe von etwa 16 mm bei Stahlrohren, 500 Hz eine Eindringtiefe
von etwa 22 mm . Dabei benutzt man die relativ hohen Frequenzen für dünnwandige und
die relativ niedrigen Frequenzen für dickwandigere Rohre. In Grenzfällen kann man
auch noch niedrigere oder noch höhere Frequenzen anwenden.
[0031] Im Rahmen der Erfindung sind z.B. folgende Lösungen möglich:
1. Zwei oder mehr Teilströme wirken unmittelbar auf den zu erhitzenden Querschnitt.
2. Außerhalb der vornehmlich zu erhitzenden Zone wird mehr als ein Teilstrom vorgesehen.
[0032] Diese zwei oder mehr Teilströme können alle an derselben Seite des Induktors angeordnet
sein, insbesondere dann, wenn man sie alle zur Steuerung oder Regelung der gewünschten
Verhältnisse mit heranziehen will und hierzu eine größere Fläche braucht, etwa um
die Kühlflüssigkeit breitflächiger zu verteilen.
[0033] Gemäß den Ansprüchen 2 und 16 wird mindestens eine von den Teilströmen erfaßte Nachbarzone
des Erhitzungsquerschnitts, in der eine ganz oder teilweise Aufhebung der induktiven
Erhitzung erfolgt, im gebogenen Teil des Werkstücks angeordnet. Hierdurch kann man
einmal gewisse Stromanteile für die induktive Erhitzung unwirksam machen und außerdem
das zur Aufhebung der induktiven Erhitzung verwendete Kühlmittel zugleich zur Abschreckung
des Rohres hinter der erhitzten Querschnittszone nutzbar machen oder mindestens vermeiden,
daß es zu unerwünschten Wechselwirkungen zwischen beiden Kühlmitteln kommt. Wenn beispielsweise
Wasser aus dem Induktor zur Abschreckung des gebogenen Rohres hinter der erhitzten
Querschnittszone herausgespült wird, darf es sich mit Kühlwasser zur partiellen Aufhebung
der induktiven Erhitzung, das im Sinne der Erfindung aufgebracht wird, vermischen,
z.B. im Sinne der Bildung eines vereinigten Sprühstrahls. Ähnliches gilt bei Luftkühlung.
[0034] Man kann sogar daran denken, den gebogenen Teil des Werkstücks hinter der jeweiligen
Biegestelle nicht mehr aktiv zu kühlen, sondern eine bereits vorgenommene Abkühlung
des Rohres mit zu nutzen, um es nicht mehr zu einer Erweichung des bereits gebogenen
Rohres kommen zu lassen. In diesem Sinne wäre dann die bereits vorher eingetretene
Abkühlung des Rohres die Kühlung im Sinne des Hauptanspruchs, die dann nicht von außen
zugeführt wird, sondern vom Rohr eingeführt wird. Im gleichen Sinne könnte man auch
eine Vorerwärmung des Rohres mittels eines abgezweigten Teilstromes dadurch wieder
abkühlen, daß man eine verhältnismäßig lange Strecke zwischen der Vorerwärmung und
der eigentlichen Erhitzungszone einbaut und auf diese Weise eine Kühlungswirkung im
Sinne des Hauptanspruchs erzielt.
[0035] Sowohl eine Kühlung zwecks Abschreckung als auch eine Kühlung im Sinne der Erfindung
zur teilweisen Aufhebung induktiver Erwärmung können im Bedarfsfall auch von der Innenseite
eines Rohres aus erfolgen.
[0036] Bei beispielsweise einer Dreierverzweigung ist es hierbei auch möglich, eine Regelstrecke
vor der Haupterhitzung und eine konstante Abkühlungsstrecke nach der Erhitzung vorzusehen.
Im noch ungebogenen Bereich kann man bedarfsweise mehr oder minder Wärme durch mehr
oder minder starke Ablöschung induktiv eingetragener Wärme vorab hinzugeben und so
an der auf Biegetemperaturen aufzuheizenden Querschnittsstelle ein ganz gewünschtes
Temperaturprofil erhalten.
[0037] Es hat sich jedoch gezeigt, daß es schon ausreicht, eine Ablöschung induktiv eingetragener
Wärme nur hinter der zur Biegung herangezogenen Querschnittszone des Werkstücks im
Sinne der Ansprüche 2 und 16 vorzunehmen und dabei zugleich die erläuterte günstige
Wechselwirkung mit der zur Abschrekkung des Rohres nach dem Biegen erforderlichen
Kühlung zu erhalten.
[0038] Die nicht erwähnten Unteransprüche beschreiben vorteilhafte Weiterbildungen der Erfindung.
Diese wird im folgenden beispielsweise anhand schematischer Zeichnungen noch näher
erläutert.
[0039] Es zeigen:
Fig. 1 eine Draufsicht einer Basiskonstruktion einer Biegevorrichtung;
Fig. 2a und 2b Drauf- und Seitenansicht eines konventionellen Induktors;
Fig. 3a, 3b und 3c Draufsicht (nach Pfeil B in Fig. 3b), Seitenansicht und Rückenansicht
(nach Pfeil A in Fig. 3b) eines erfindungsgemäßen Induktors.
Fig. 4 einen Querschnitt durch einen erfindungsgemäßen Induktor mit Sprühlöchern für
Kühlwasser unter Darstellung des verzweigten Induktorbereichs und eines gebogenen
Rohrabschnittes, bezogen auf eine rechtwinklig zum ungebogenen Rohr verlaufende erhitzte
Querschnittszone (Biegezone); und
Fig. 5 eine Modifikation von Fig. 4, bezogen auf eine schräg bzw. S-förmig zum ungebogenen
Rohr verlaufende Querschnittszone.
[0040] Fig. 1 gibt das Basisprinzip wieder, welches bei einer Biegevorrichtung angewandt
wird und hier als Ausgangspunkt für eine Erklärung der Erfindung dienen soll. Ein
(nur als Beispiel) zu biegendes Rohr 1 wird durch eine ortsfest angeordnete Führung
2 in Richtung des Pfeils P (Ausübung einer Druckkraft P für den Rohrvorschub) durch
einen Induktor 3 geleitet, der das Rohr in der schmalen Zone 4 bis zu einer Temperatur
erhitzt, bei der das Rohr 1 an dieser Stelle die erwünschte Verformung erfahren kann.
Am Ort der Erhitzung vorbei wird das Rohr durch einen Kreis von schräg nach vorne
(in Vorschubrichtung des Rohres) gerichteten und z.B. aus dem Induktor 3 austretenden
Wasserstrahlen 5 abgekühlt und in einem Bogen 6 um den Punkt 7 geleitet, an dem das
gebogene Teil an einem um den Punkt 7 frei drehbaren Arm 8 starr befestigt ist. Zusammen
mit diesem Arm 8 bildet der bereits gebogene Rohrteil 6 praktisch eine starre Einheit
und damit einen Hebel, welcher immer senkrecht oder nahezu senkrecht auf der Längsrichtung
des ungebogenen Rohrstückes steht, wobei eine zum Rohr rechtwinklige Linie durch die
erhitzte Zone 4 und den Drehpunkt 7 führt. An der Innenseite 9 des Bogens, dem sogenannten
Intrados, tritt eine Stauchwirkung und an der Außenseite 10 des Bogens, dem sogenannten
Extrados, eine Streckwirkung auf. Das Maß von Stauchen und Strecken hängt von dem
Biegeradius R und von der Temperatur bzw. dem Verformungswiderstand des zu biegenden
Materials auf den unterschiedlichen Stellen ab. Unbeschadet der hier gegebenen vereinfachten
Darstellung kann im Rahmen der Erfindung auch eine Verstellbarkeit der angegebenen
Bezugsgrößen, z.B. des Punktes 7, im Sinne der DE-PS 2 112 019 gegeben sein.
[0041] Das Biegemoment ist bestimmt durch den Rohrquerschnitt und die Festigkeit (Streckgrenze)
des Materials. Als Faustregel kann man ansetzen:
Mb = (Da-S)2 × S × σt.
[0042] Dabei bedeuten:
Mb = Biegemoment in kgcm (oder Ncm)
Da = Außendurchmesser des Rohrs in cm,
S = Wandstärke in cm und
õt = Streckgrenze des Materials bei Tempera-
tur t in kg/cm2 (oder Ncm )
[0043] Das benötigte Biegemoment M
b wird in das Rohr durch eine Schubkraft P und den Hebel (Biegeradius R) nach der Formel
M
b = P x R eingeleitet.
[0044] Hieraus ist ersichtlich, daß bei kleiner werdendem Biegeradius die benötigte Schubkraft
größer wird und damit auch die Stauchkraft, welche auf die erhitzte Zone ausgeübt
wird. Bei gleichbleibender Temperatur von Intrados und Extrados nimmt also bei kleiner
werdendem Biegeradius die Wandverdünnung zu. Erhöht man die Temperatur am Intrados
dem Extrados gegenüber, so wird die Innenwand mehr stauchen und die Außenwand sich
weniger dehnen, d.h. weniger verdünnen. Eine gute Temperatureinstellung, gegebenenfalls
geregelt, ist deshalb sehr wichtig.
[0045] Ein konventioneller Induktor 3, wie er bei der Biegevorrichtung gemäß Fig. 1 üblicherweise
Verwendung finden kann, ist in Fig. 2a und Fig. 2b dargestellt. Er weist ein zu einer
einfachen kreisförmigen Induktionsschleife 11 in einer Ebene gebogenes Rohr 12 aus
einem für mittelfrequenten Strom (500 bis 1000 Hz) leitfähigen Material, z.B. Kupfer
oder einer Kupferlegierung, auf. Der freie Innenquerschnitt der Induktionsschleife
11 ist dabei so bemessen, daß das Rohr 1 etwa koaxial zur Induktionsschleife mit radialem
Abstand zu dieser durch sie gemäß Fig. 1 hindurchgeführt werden kann. An einer Umfangsstelle
der Induktionsschleife 11 stehen zwei Anschlußrohre 13 von der Induktionsschleife
11 radial ab. Sie sind an ihren freien Enden etwas in gegenseitigem Abstand auseinander
gebogen und tragen an ihren freien Enden je einen Anschlußflansch 14. Die Anschlußflansche
14 dienen zum Anschluß an ein mit der genannten Mittelfrequenz arbeitendes nicht gezeigtes
Induktor-Netzgerät sowie zweckmäßig auch zum Anschluß an eine Kühlwasserquelle. Dies
gilt insbesondere, falls in der Induktionsschleife 11 axial nach vorne und radial
nach innen geneigte Sprühdüsen für die Kühlwasserstrahlen 5 gemäß Fig. 1 ausgebildet
sind. In diesem Falle dient das Induktorrohr 12 zugleich als Kühlwasserleitung für
Kühlwasser, welches von einem Anschlußflansch 14 zum anderen geleitet wird. Wenn der
Induktor 3 nicht zusätzlich als Kühlwasserspritzorgan dienen soll, kann derselbe Kühlwasserstrom
(oder Strom eines anderen Kühlfluids) zur Kühlung des Induktors dienen.
[0046] Die Fig. 3a, 3b und 3c zeigen einen gegenüber der Ausführungsform nach Fig. 2a und
2b gemäß der Erfindung abgewandelten Induktor. Wie im Fall der Fig. 2a und 2b bildet
das Induktorrohr 12 eine kreisförmige Induktionsschleife 11, die an einer Umfangsstelle
mit den Anschlußrohren 13 in Verbindung steht. Die Verhältnisse sind insoweit im wesentlichen
gleich wie bei der Ausführungsform der Fig. 2a und 2b, so daß auf die insoweit übereinstimmende
Beschreibung, z.B. bezüglich der nicht mehr gesondert dargestellten Anschlußflansche
14, verwiesen wird.
[0047] Die erfindungsgemäße Besonderheit besteht in folgendem:
[0048] Von den Anschlußrohren 13 erstreckt sich, jeweils an ein Anschlußrohr 13 anschließend,
über etwa 60 % des von der Induktionsschleife 11 beschriebenen ganzen Kreises - also
auch über etwa 60 % des Umfangs eines einzusteckenden Rohres 1 - eine auch aus dem
Induktorrohr 12 gebildete Bypassleitung 15, die sich in einer Parallelebene zur Induktionsschleife
11 erstreckt und in Draufsicht mit dieser fluchtet.
[0049] Ohne Beschränkung der Allgemeinheit geht hier die Bypassleitung 15 unmittelbar in
die Anschlußrohre 13 über. Die freien Enden der Induktionsschleife 11 sind jeweils
durch ein schräges Verbindungsrohr 16 mit dem jeweils zugeordneten Anschlußrohr 13
und die freien Enden der Bypassleitung 15 jeweils durch ein schräges Verbindungsrohr
17 mit dem benachbarten Abschnitt der Induktionsschleife 11 verbunden. Dabei fällt
die Ebene der Bypassleitung 15 mit der Ebene der Anschlußrohre 13 zusammen, während
die Induktionsschleife 11 demgegenüber axial versetzt ist. Die Neigungsrichtung der
Verbindungsrohre 16 und 17 entspricht dabei der mit Pfeilen angegebenen Strömungsrichtung
des den Induktor 3 durchströmenden Kühlmittels.
[0050] Bei der Ausführungsform gemäß Fig. 3a bis 3c ist angenommen, daß das Kühlmittel lediglich
zur Kühlung des Induktors 3, nicht jedoch zur Kühlung des Rohres 1 dienen soll. In
diesem Falle sind zur teilweisen oder ganzen Aufhebung der im Rohr 1 von der Bypassleitung
15 aus ausgeübten induktiven Erhitzung nicht gezeigte besondere Kühlmittel vorgesehen.
[0051] Die Fig. 4 und 5 zeigen nun zwei Modifikationen des Induktors der Fig. 3a bis 3c
in einer Anwendung, in welcher der Induktor selbst als auf das Rohr 1 einwirkende
Kühlmittelquelle dient. Der grundsätzliche Aufbau des Induktors 3 ist dabei derselbe
wie in den Fig. 3a bis 3c. Besonders zu bemerken/ist jedoch eine bestimmte, in den
Fig. 4 und 5 unterschiedliche Reihenfolge der kreisförmigen Induktionsschleife 11
einerseits und der Bypassleitung 15 andererseits in bezug auf die Verschieberichtung
des Rohres 1, die hier mit der Pfeilrichtung der Druckausübung P übereinstimmt. In
Verbindung mit der Tatsache, daß der Induktor 3 hier selbst Sprühorgan für auf das
Rohr 1 einwirkende Kühlwasserstrahlen 5 ist, folgt aus den beiden alternativen Anordnungen
der Fig. 4 und 5 auch eine unterschiedliche Anordnung der Sprühdüsen.
[0052] Wegen der Elemente des Induktors 3 kann wiederum auf die vorhergehenden Fig. 3a bis
3c in Verbindung mit 2a und 2b verwiesen werden.
[0053] Bei der Anordnung gemäß Fig. 4 ist die kreisförmige Induktionsschleife 11 in Verschieberichtung
des Rohres 1 vor der Bypassleitung 15 angeordnet. Die Induktionsschleife 11 bewirkt
dabei im Rohr 1 eine rechtwinklig zur Achse des Rohres stehende schmale Erhitzungszone
4 im Sinne von Anspruch 1. Die in Verschieberichtung vordere, d.h. dem bereits gebogenen
Rohr zugewandte Kante der Erhitzungszone 4 wird durch eine an der Induktionsschleife
11 ausgebildete erste Reihe von Wasserstrahldüsen 18 erzeugt, welche die Wasserstrahlen
5 im Sinne von Fig. 1 schräg nach vorne und radial nach innen auf das Rohr 1 abgeben
und an diesem die genannte Abschreckkante der Erhitzungszone 4 ausbilden.
[0054] Zur teilweisen oder völligen Aufhebung der induktiven Erhitzung des Rohres 1 aus
der Bypassleitung 15 dienen zwei weitere schräg nach vorne und radial innen auf das
Rohr 1 gerichtete Wasserstrahlen 5a und 5b aus zwei weiteren Reihen von Wasserstrahldüsen
19 und 20, welche dem gebogenen Rohr 1 zugewandt einerseits noch an der vorderen Flanke
der Induktionsschleife 11 und andererseits an der vorderen Flanke der Bypassleitung
15 über den Umfang des Induktors verteilt sind, welcher von der Bypassleitung 15 eingenommen
ist. Man erkennt, daß sich dabei die Wasserstrahlen 20 auch noch längs des Verbindungsrohrs
17 erstrecken.
[0055] Bei der axial umgekehrten Anordnung gemäß Fig. 5, bei der die Induktionsschleife
11 in Verschieberichtung des Rohres 1 vorne, d.h. dem gebogenen Rohr 1 zugewandt,
angeordnet ist, wird stattdessen die erhitzte Querschnittszone 4 des Rohres 1 S-förmig
ausgebildet, indem sie von der Bypassleitung 15, den dazugehörigen Verbindungsrohren
17 und dem Umfangsabschnitt der Induktionsschleife 11 beschrieben wird, zu dem die
Bypassleitung 15 mitsamt Verbindungsrohren 17 nicht parallel verläuft. Dementsprechend
erstreckt sich auch die erste Reihe von Wasserstrahldüsen 18 entsprechend S-förmig
über alle drei genannten Elemente des Induktors 3. Die axiale Abfolge der weiteren
Reihen von Wasserstrahldüsen 19 und 20 ist dann wie im Falle der Fig. 4, jedoch an
anderen Elementen des Induktors angeordnet. So sind die Wasserstrahldüsen 19 hier
an der Bypassleitung 15 und die Wasserstrahldüsen 20 an dem Bereich der Induktionsschleife
15 angeordnet, welcher parallel mit der Bypassleitung 15 verläuft.
[0056] In beiden Anordnungsfällen der Fig. 4 und 5 machen also die Wasserstrahldüsen 19
und 20 einen Teil oder die Gesamtheit der induktiven Erhitzung des Rohres 1 unwirksam,
und zwar auf dem Umfangsbereich, welcher von der Bypassleitung 15 beschrieben ist.
Das bedeutet, daß in dem Abschnitt, in welchem die Induktionsschleife 11 parallel
zur Bypassleitung 15 verläuft, von dem Induktor 3 aus eine geringere Erhitzung auf
das Rohr 1 ausgeübt wird als in dem Bereich, in welchem die Induktionsschleife 11
unverzweigt verläuft-und die volle Induktionswärme im Rohr 1 wirksam wird. Durch entsprechende
Neigung der Verbindungsrohre 17 und entsprechende Anordnung der Wasserstrahldüsen
19 und 20 kann man dabei den Übergang zwischen den unterschiedlichen Erhitzungszonen
am Umfang des Rohres nach Wunsch einstellen. Man erkennt, daß bei den Ausführungsformen
der Fig. 4 und 5 die Erhitzung am Intrados 9 groß und am Extrados 10 klein ist, da
am Extrados die volle Induktionswärme in der Erhitzungszone wirksam wird, während
sie im Bereich des Extrados abgeschwächt ist.
[0057] In nicht dargestellter üblicher Weise kann man bei zweckmäßig gleichem Material des
Induktorrohres 12 die von ihm gebildeten einzelnen Leitungsabschnitte im Induktor
3 durch Wahl unterschiedlicher Querschnitte des Induktorrohres 12 und gegebenenfalls
seiner Wandstärke so anpassen, daß in den einzelnen Leitungsabschnitten die Stromverzweigung
streng nach dem Kirchhoff'schen Gesetz, oder alternativ in einer gewünschten abweichenden
Weise, erfolgt. Dabei kann je nach Wahl der Metallquerschnitt der Bypassleitung 15
und des verzweigten Leitungsabschnitts der Induktionsschleife 11 gleich oder verschieden
gewählt werden.
[0058] An der Anordnung nach Fig. 4 wird ferner ein Hilfselement erläutert, das ebenso bei
der Anordnung nach Fig. 5 vorgesehen sein kann. Es handelt sich um ein dem Induktor
3 in Vorschubrichtung des Rohres 1 vorgeschaltetes Gebläserohr 21 mit Luftstrahldüsen,
die entsprechend dem schräg nach innen und vorne gerichteten Strömungspfeil 22 eine
Luftströmung in Richtung auf das durch den Induktor 3 hindurchgeschobene Rohr 1 erzeugen.
Dadurch wird sichergestellt, daß das aus den Wasserstrahldüsen 18, 19 und 20 austretende
Kühlwasser nicht in die zu erhitzende schmale Querschnittszone 4 am Rohr zurückschlagen
kann. Die Stärke und Richtung der Gebläsestrahlung muß man sinngemäß mit der Stärke
und Richtung der Kühlwasserstrahlung aus den genannten Kühlwasserdüsen 18 bis 20 abstimmen.
[0059] Wie bereits anhand der Ausführungsformen der Fig. 3a und 3b deutlich gemacht wurde,
kann man aber auch anstelle der aus dem Induktor 3 selbst hervortretenden Kühlwasserstrahlen
5, 5a und 5b besondere Kühlorgane vorsehen, die etwa nach Art des ringförmigen Gebläserohres
21 gesondert vom Induktor 3 ringförmig um das Rohr 1 an geeigneter Stelle und in geeigneter
Ausbildung angeordnet sein können. Dies ist zwar aufwendiger als die anhand der Fig.
4 und 5 erläuterte kombinierte Bauweise des Induktors zugleich als Kühlorgan, bietet
aber den Vorteil einer größeren Variabilität der Aufbringung des Kühlmittels. Dabei
kann man besonders einfach einzelne Düsen oder Düsengruppen der Menge des Kühlmittels
und vorzugsweise auch der Richtung des Kühlmittels nach einstellbar ausbilden und
auch manchmal erwünschte Flachstrahldüsen einsetzen.
1. Verfahren zum Biegen länglicher Werkstücke, insbeson- . dere Rohre, durch Aufbringen
eines Biegemoments auf das Werkstück unter induktivem Erhitzen einer Querschnittszone
des Werkstücks mit ungleichmäßiger Temperaturverteilung längs des Umfangs dieser Querschnittszone
mittels einer das Werkstück umgebenden Induktionsschleife und unter Abkühlen des Werkstücks
in mindestens einer Nachbarzone,
dadurch gekennzeichnet,
daß, bezogen auf einen auf relativ niedrige Temperaturen einzustellenden Teilbereich
des Umfangs des zu biegenden Werkstücks, der elektrische Strom der Induktionsschleife
über einen Teilbereich deren Umfangs in mehrere Teilströme verzweigt wird, von denen
mindestens einer vornehmlich auf die zu erhitzende Querschnittszone und mindestens
ein anderer vornehmlich auf eine Zone außerhalb der zu erhitzenden Zone des Werkstücks
induktiv zur Einwirkung gebracht wird, und daß die induktive Erhitzung der jeweiligen
Nachbarzone durch Abkühlen teilweise oder ganz aufgehoben wird.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß mindestens eine solche Nachbarzone
mit ganz oder teilweiser Aufhebung einer induktiven Erhitzung im gebogenen Teil des
Werkstücks angeordnet wird.
3. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, daß 30 bis 50 % des Gesamtstroms
der Induktionsschleife als Teilstrom oder Teilströme zur vornehmlichen Einwirkung
auf mindestens eine Nachbarzone der zu erhitzenden Querschnittszone abgezweigt werden.
4. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, daß das Maß
der Aufhebung der induktiven Erhitzung des Werkstücks in der jeweiligen Nachbarzone
durch Einstellen (Steuern und/oder Regeln) der Kühlung dieser Nachbarzone gewählt
wird.
5. Verfahren nach Anspruch 4, dadurch gekennzeichnet, daß 30 bis 100 % der induktiv
eingebrachten Wärmemenge der Nachbarzone(n) aufgehoben werden.
6. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 5, dadurch gekennzeichnet, daß die Kühlung
der induktiv erhitzten Nachbarzone unter Verwendung von Kühlwasser und/oder Kühlluft
vorgenommen wird.
7. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 6, dadurch gekennzeichnet, daß die vornehmlich
auf die zu erhitzende Querschnittszone induktiv einwirkenden Stromanteile der Induktionsschleife
konzentrisch oder nahezu konzentrisch in bezug auf das Werkstück angeordnet werden.
8. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 7, dadurch gekennzeichnet, daß der auf
eine Nachbarzone induktiv einwirkende Teilstrom der Induktionsschleife einen Weg mit
variierendem Abstand zum Werkstück beschreibt.
9. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 8, dadurch gekennzeichnet, daß die induktive
Erhitzung der jeweiligen Nachbarzone durch unterschiedliche Kühlung längs des Umfangs
des Werkstücks in unterschiedlichem Ausmaß aufgehoben wird.
10. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 9, dadurch gekennzeichnet, daß die Verzweigung
des elektrischen Stroms der Induktionsschleife längs 20 bis 60 %, vorzugsweise 25
bis 40 %, höchstvorzugsweise etwa ein Drittel, des Umfangs des Werkstücks vorgenommen
wird.
11. Vorrichtung zum Biegen länglicher Werkstücke, insbesondere Rohre, zum Ausführen
des Verfahrens nach einem der Ansprüche 1 bis 10, mit einer ein Biegemoment auf das
Werkstück (1) aufbringenden Einrichtung (2,7,8), mit einem das zu biegende Werkstück
umgebenden Induktor (3) und mit einer Kühleinrichtung (18), deren Kühlmittel auf mindestens
eine Nachbarzone der Querschnittszone (4) des zu biegenden Werkstücks gerichtet ist,
die mittels des Induktors auf längs des Umfangs des Werkstücks unterschiedliche Biegetemperaturen
aufheizbar ist,
dadurch gekennzeichnet,
daß längs eines Teilbereichs des Umfangs des zu biegenden Werkstücks (1) mindestens
eine Bypassleitung (15) des Induktors (3) gegenüber mindestens einer in bezug auf
die Querschnittszone (4) des Werkstücks, die induktiv auf Biegetemperatur zu erhitzen
ist, in Längsrichtung des Werkstücks versetzten Nachbarzone des Werkstücks verläuft,
und daß Kühlmittel (5a,5b) auf diese Nachbarzone gerichtet ist.
12. Vorrichtung nach Anspruch 11 mit Induktorkühlung, gekennzeichnet durch eine von
der Induktorkühlung gesonderte Kühleinrichtung, deren Kühlmittel auf die Nachbarzone
gerichtet ist.
13. Vorrichtung nach Anspruch 11 oder 12, dadurch gekennzeichnet, daß die Kühleinrichtung
eine Einstelleinrichtung der Kühlmittelmenge aufweist, vorzugsweise gesondert, für
einzelne Düsen oder Düsengruppen.
14. Vorrichtung nach einem der Ansprüche 11 bis 13, dadurch gekennzeichnet, daß die
Richtung der Kühlmittelabgabe auf das Werkstück einstellbar ist, vorzugsweise gesondert
für einzelne Düsen oder Düsengruppen.
15. Vorrichtung nach einem der Ansprüche 11 bis 14, dadurch gekennzeichnet, daß die
Kühleinrichtung Flachstrahldüsen aufweist.
16. Vorrichtung nach einem der Ansprüche 11 bis 15, dadurch' gekennzeichnet, daß das
Kühlmittel (5a,5b) auf den gebogenen Teil des Werkstücks (1) gerichtet ist.
17. Vorrichtung nach einem der Ansprüche 11 bis 16, dadurch gekennzeichnet, daß der
Induktor (3) in nur zwei Leitungen (an 11,15) verzweigt ist.
18. Vorrichtung nach Anspruch 17, dadurch gekennzeichnet, daß die Bypassleitung (15)
gleich wie der andere verzweigte Leitungsabschnitt (an 11) ausgebildet ist.
19. Vorrichtung nach Anspruch 17, dadurch gekennzeichnet, daß sich die Bypassleitung-(15)
von dem anderen verzweigten Leitungsabschnitt (an 11) im Metallquerschnitt unterscheidet.