[0001] Die Erfindung betrifft eine Vorrichtung zum Längsfalzen einer oder mehrerer übereinanderliegender
Bahnen.
[0002] Aus dem Fachbuch "Techniken, Systeme, Maschinen", Polygraph-Verlag, von Oscar Frey,
1979, Seite 49 ff., ist es beispielsweise bekannt, Druckträgerbahnen über einen Falztrichter
zur Bildung eines Längsfalzes zu ziehen. Dabei wird die Bahn in einem Zug gefaltet,
wobei die Falzkraft selbst dem Bahnzug entnommen wird. Durch die Trichtergeometrie
wird die Bahn um 90° umgelenkt, was insbesondere bei mehreren Lagen zu Wegdifferenzen
führt, so daß ein einwandfreier Bahnlauf nicht immer gewährleistet ist.
[0003] Aufgabe der Erfindung ist es, die Herstellung des Längsfalzes kontinuierlich in mehreren
Schritten vorzunehmen, um die besonders bei mehrbahnigem Betrieb auftretenden Laufprobleme
zu eliminieren. Diese Aufgabe wird durch die Anwendung der Merkmale des kennzeichnenden
Teils des Anspruchs gelöst. Vorteilhafte Weiterbildungen ergeben sich aus den Unteransprüchen
sowie aus der Beschreibung in Verbindung mit den Zeichnungen. In diesen zeigen jeweils
schematisch:
Fig.1 eine Vorderansicht auf die erfindungsgemäße Längsfalzvorrichtung,
Fig.2 eine Seitenansicht der Längsfalzstufen gemäß Fig.1 und
Fig.3 und 4 eine Abwicklung der X-Y-Ebene und der Z-Y-Ebene.
[0004] Die beispielsweise aus einer nicht dargestellten Druckmaschine bzw. aus dem dieser
nachgeordneten Falzaufbau kommende Druckträgerbahn soll in mehreren Stufen S1 bis
S5 längsgefalzt werden. Jede der Stufen S1 bis S5 umfaßt ein Walzenpaar 1, 1', 2,
2', 3, 3', 4, 4', 5, 5'. Zwischen diesen Walzenpaaren wird die erwähnte längs zu falzende
Bahn 6,beispielsweise eine oder mehrere übeeinanderliegende bedruckte Papierbahnen,
in Richtung des Pfeiles 7 durchgeführt. Wie im Zusammenhang mit der Darstellung gemäß
Fig.2 angedeutet, umfaßt jedes der Falzwalzenpaare 2, 2', 3, 3', 4, 4', 5, 5' mit
einem Winkelprofil versehene Walzen, von denen jeweils die Walzen 2, 3, 4, 5 oberhalb
und die Walzen 2', 3', 4', 5' unterhalb der Druckträgerbahn 6 angeordnet sind. Das
nicht profilierte Walzenpaar 1, 1' dient lediglich als Klemmstelle bzw. als Zugwalzenpaar.
Das gleiche gilt für das hinter der Längsfalzvorrichtung angedeutete, in der Falzebene
liegende Walzenpaar 8, 8', zwischen dem die bereits gefalzte Bahn 6 hindurchgeführt
wird. Vorzugsweise eignet sich die erfindungsgemäße Längsfalzvorrichtung zum Falzen
von mehreren Bahnen, jedoch versteht es sich, daß auch nur eine einzige Bahn 6 längsgefalzt
werden kann.
[0005] Wie aus Fig.2 ersichtlich ist, sind in erfindungsgemäßer Weise die einzelnen Falzstufen
S2, S3, S4 und S5 höhenversetzt, d.h. sie liegen höhenmäßig in υnterschiedlichen Ebenen.
Dadurch ergibt sich der in der Darstellung nach links abfallende Falzweg für die Bahn
6. Des weiteren läßt Fig.2 erkennen, daß die durch die Mittelpunkte eines jeden Falzwalzenpaares
verlaufenden Koordinaten Z
B bis Z nach links geneigt sind, während die Koordinate Z senkrecht zu der einlaufenden
Bahn 6 steht.
[0006] Die Profilierungen der Falzwalzenpaare 2, 2' bis 5, 5' zeigen, daß der Falzvorgang
schrittweise von rechts nach links durchgeführt wird. Das der Erfindung zugrunde liegende
Längsfalzprinzip besteht nun darin, daß bei einem vorgegebenen Abstand von einer Falzstufe
zur anderen, beispielsweise von S1 zu S2, der Höhenversatz der nachfolgenden Falzstufe,
d.h. des Falzwalzenpaares 2, 2', bezogen auf das vorangehende Walzenpaar, hier 1,
1', um einen bestimmten Wert verändert, hier nach unten versetzt wird, und daß die
durch das Falzwalzenpaar 2, 2' verlaufende senkrechte Ebene bzw. die Raumkoordinate
Z
B um einen bestimmten Betrag geneigt, hier nach links, werden muß. Der Höhenversatz
des Falzwalzenpaares 2, 2' und die Neigung der Mittelsenkrechten bzw. der Koordinate
Z
B müssen so groß sein, daß zwischen den Stufen, hier S1, S2, das Maß der Mittelfaser,
hier M', dem Maß der zugeordneten Randfaser, hier R', entspricht. Dadurch und durch
die Möglichkeit, innere Bahnspannungen während der Teilfalzvorgänge abzubauen, eignet
sich das erfindungsgemäße Prinzip besonders zum Falzen mehrerer übereinanderliegender
Bahnen. In der erfindungsgemäßen Längsfalzvorrichtung wird die Falzkraft nicht mehr
dem Bahnzug entnommen, sondern durch die Falzwalzen 2, 2' bis 5, 5' jeweils durch
Druckkraft erzeugt. Die Führung der beiden Seiten der zu falzenden Bahn kann, falls
dies erforderlich ist, durch Leitelemente, z.B. durch Leitbleche oder durch Walzen,
vorgenommen werden. Ein derartiges Falzwerk ist in Verbindung mit einer einstellbaren
Schneidvorrichtung Format-variabel, was einen weiteren Vorteil bedeutet. Besonders
bei extrem breiten Druckmaschinen werden nunmehr Laufprobleme bei mehrlagigen Bahnen
eliminiert. Der Sammelvorgang kann bereits vorwiegend im Wendeaufbau, der bekanntlich
den Druckmaschinen jeweils nachgeordnet ist, vorgenommen werden. Zur Verdeutlichung
des der Erfindung zugrunde liegenden Falzprinzips, das auch als Profilfalzprinzip
bezeichnet werden kann, wurden in jedes der Falzwalzenpaare 1, 1' bis 5, 5' der Falzstufen
S1 bis S5 ein Koordinaten- bzw. Achsenkreuz gelegt, in dem die drei Raumachsen X,
Y, Z entsprechend den einzelnen Falzstufen S1 bis S5 jeweils mit einem Index, nämlich
A bis E, gekennzeichnet wurden. In dem Achsenkreuz der Falzstufe S1 ergibt sich somit
die Bezeichnung X
A, Y
A, Z
Ag wobei der Mittelpunkt der Achsenkreuze ausschließlich mit einem Buchstaben, hier
A, bezeichnet ist.
[0007] Fig.3 zeigt dann die Abwicklung der Bahn 6 zwischen den einzelnen Stufen S1 bis S5
in X-Y-Ebene und Fig.4 in Z-Y-Ebene. Die Randfaser zwischen den einzelnen Stufen S1
bis S5 ist mit R, R' , R'', R''', R'''', R''''' bezeichnet. Das gleiche gilt für die
Abwicklung gemäß Fig.4, bei der außerdem noch die Falzwinkel für die einzelnen Stufen
S1 bis S5 angegeben sind.
[0008] Aus den Abwicklungen gemäß Fig.3 und 4 ergibt sich, daß bei einem vorbestimmten Abstand
zwischen zwei Falzstufen, beispielsweise S1 und S2, zwecks Wegausgleich zwischen Bahnmitte
und Bahnrand R Neigung und Höhenversatz des nachfolgenden Falzwalzenpaares, hier 2,
2', ein bestimmtes Maß betragen müssen.
[0009] Es ist somit erforderlich, von Stufe zu Stufe Neigung und Höhenversatz individuell
zu berechnen. Vorzugsweise werden hierzu jeweils die Koordinaten im Achsenkreuz einer
jeden der Stufen S1 bis S5 schrittweise berechnet. Diese Berechnung erfolgt unter
Anwendung der allgemein bekannten trigonometrischen Funktionen und der Ermittlung
der X-Komponenten durch die Seitenlänge im Raum.
[0010] Im nachfolgenden wird unter Bezugnahme auf Fig.3 und 4 dieser Vorgang anhand eines
Ausführungsbeispiels näher verdeutlicht.
Abwicklung des Falzvorganges
[0011]
Punkt 1: Bahnmitte
Punkt 2: Bahnrand
Index 1...n: vor dem Falzen
Index 2...(n+1): nach dem Falzen
[0012] Strangbreite vor dem Falzen z.B. 460 mm
[0013] Strangbreite nach dem Falzen z.B.230 mm
[0014] Abstand zwischen den Falzwalzen 300 mm
Stufe 1 :
[0015]
Angenommenen Falzwinkel 10°
Koordinaten im Achsenkreuz A:

Stufe 2:
[0016] Angenommenen Falzwinkel 25° (Längenänderung P
21 durch anderes Achsenkreuz 0,06 mm) Koordinaten im Achsenkreuz B:

[0017] Berechnung von X-Komponente durch Seitenlänge im Raum

Stufe 3:
[0018] Angenommenen Falzwinkel 30° Koordinaten im Achsenkreuz C:

Stufe 4:
[0019] Angenommenen Falzwinkel 15° Koordinaten im Achsenkreuz D:

Stufe 5:
[0021] Koordinaten im Achsenkreuz E:
[0022]

Mit Hilfe der vorangehend angegebenen Koordinaten lassen sich die einzelnen räumlichen
Positionen der Falzwalzenpaare 2, 2' bis 5, 5', bezogen auf das Falzwalzenpaar 1,1',
festlegen. Dabei ist sichergestellt, daß zwischen jeder der Stufen S1 bis S5, die
Mittelfaser M', M'', M"', M'''', M''''' der jeweils zugehörigen Randfaser R', R",
R''', R''''', R''''' entspricht. Ein Verwerfen und Knittern der Bahn 6 bzw. mehrerer
übereinanderliegender Bahnen ist somit nicht zu befürchten.
[0023] Fig.1 läßt des weiteren erkennen, wie die in der erfindungsgemäßen Längsfalzvorrichtung
gefalzten Druckträgerbahnen 6 hinter den Walzen 8, 8' nach vorherigem Zuschneiden
auf die gewünschte Falzproduktlänge Transportbändern 9, 10 zugeführt und über Weichen
11 geleitet werden können. Nach einer entsprechenden Anzahl von Aufsplittungs- und
Verzögerungsvorgängen können dann die gefalzten Produkte in Schaufelrädern 12 bis
15 und von diesen auf Auslegebänder 16 bis 19 ausgelegt werden.
1. Vorrichtung zum Längsfalzen einer oder mehrerer übereinanderliegender Bahnen, dadurch
gekennzeichnet, daß die Bahn (6) durch mehrere gleichartig aufgebaute höhenmäßig in
unterschiedlichen Ebenen liegende Falzstufen (S1 bis S5) hindurchführbar ist, die
jeweils mit Winkelprofilen ausgestattete Falzwalzenpaare (1, 1' bis 5, 5') umfassen,
zwischen denen die Bahn (6) stufenweise gefalzt wird, daß der Abstand der Falzstufen
(z.B. S1 zu S2) und der Falzwinkel in diesen Stufen (S1, S2) den Höhenversatz des
Falzwalzenpaares (2, 2') der nachfolgenden Falzstufe (S2) und die Neigung der durch
die Mittelpunkte des Walzenpaares (2, 2') verlaufenden Ebene (ZB) bestimmen, in der Weise, daß jeweils zwischen benachbarten Falzstufen (S1, S2) das
Maß der Mittelfaser (M') etwa dem Maß der zugehörigen Randfaser (R') entspricht.
2. Vorrichtung nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß zum Falzen der Druckträgerbahn
(6) vier profilierte Falzwalzenpaare (2, 2' bis 5, 5') vorgesehen sind, denen ein
Klemmwalzenpaar (1, 1') vorgeschaltet und ein in der Falzebene liegendes Walzenpaar
(8) nachgeschaltet sind.
3. Vorrichtung nach Anspruch 2, dadurch gekennzeichnet, daß bei einem Abstand von
300 mm zwischen den Falzstufen (S1 bis S5) eine 460 mm breite Druckträgerbahn (6)
stufenweise mit folgenden Falzwinkeln gefalzt wird:
10°, 25°, 30°, 15°, 10°, so daß sich ein Höhenversatz der in die Falzstufen (S1 bis
S5) gelegten Achsenkreuze (ZA, ZA', XA bis ZEI YE, XE) und eine Neigung der ge- nannten Mittellinien Z bis ZE ergeben gemäß folgender Koordinaten:
A. Bahnmitte
1. vor dem Falzen:
2. nach dem Falzen:
B. Bahnrand
1 . vor dem Falzen :
2. nach dem Falzen:
4. Vorrichtung nach einem der vorangehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß
die gefalzten Druckträgerbahnen (6) nach vorausgegangenem Zuschnitt über mehrere Bandleitungen
(9, 10) und Weichen (11) Schaufelrädern (12 bis 14) zuführbar sind, wonach die geschnittenen
Falzprodukte schuppenförmig auf Auslegebänder (16 bis 19) gelangen.