[0001] Die Erfindung bezieht sich auf die neue Verwendung eines Schmelzwerkstoffes aus Kupfer
und Chrom als Kontaktwerkstoff für den Einsatz in Schaltröhren von Vakuumschützen.
Daneben bezieht sich die Erfindung auch auf den Kontaktwerkstoff selbst und auf Verfahren
zu dessen Herstellung, auf Kontaktstücke aus diesem Werkstoff und Verfahren zu deren
Fertigung sowie auf spezielle Kontaktanordnungen in Schaltröhren für Vakuumschütze.
[0002] Werkstoffe aus Kupfer und Chrom sind vom Stand der Technik bekannt. Sofern sie als
Kontaktwerkstoffe eingesetzt werden, dienen sie durchweg der Verwendung für Vakuum-Leistungsschalter.
Bei solchen Leistungsschaltern, beispielsweise Mittelspannungs-Leistungsschaltern,
kommt es darauf an, gleichermaßen hohe Spannungen im kV-Bereich und hohe Ströme im
kA-Bereich zu schalten. Da die Schalthäufigkeit bei Leistungsschaltern vergleichsweise
gering ist, wird deren Lebensdauer auf Schaltzahlen von einigen 10
4 ausgelegt.
[0003] In die Klasse der Vakuumschaltgeräte gehören neben den Leistungsschaltern auch die
Vakuumschütze. Diese zeichnen sich durch ihre hohe Lebensdauer aus, wobei üblicherweise
Schaltzahlen >- 10
6 bei Nennstrom angestrebt werden.
[0004] An das Material für Kontaktstücke von Vakuumschützen werden aufgrund der notwendigen
langen Lebensdauer besonders hohe Anforderungen speziell hinsichtlich des Abbrandverhaltens
gestellt. Es müssen während der gesamten Lebensdauer einerseits Kurzschlußschaltströme
bis etwa 5 kA sicher beherrscht werden; andererseits
muß zugleich ein günstiges Schweißverhalten, d.h. eine niedrige Schweißkraft, gefordert
werden, so daß das Öffnen der Kontaktstücke auch nach Kurzschlußeinschaltströmen gewährleistet
ist. Das Häufigkeitsmaximum der
Abreißstromwerte soll dabei deutlich unter 5 A liegen.
[0005] Es ist bekannt, als Kontaktmaterial für Vakuumschütze einen Verbundwerkstoff auf
der Basis von Wolfram und Kupfer einzusetzen. Dabei wird das Wolfram (W) als hochschmelzende
und damit besonders abbrandfeste Komponente genutzt, während das Kupfer (Cu) als elektrisch
und thermisch gutleitendes Material eine Uber-
hit
zung der Schaltfläche verhindert. Da solche WCu-Werkstoffe durch Sintern eines Gerüstes
aus der hochschmelzenden Komponente und anschließendes Tränken die-
ses Gerüstes mit der niedrigschmelzenden Komponente erzeugt werden, kann gleichermaßen
auch der Effekt der
Gerüstkühlung durch das niedriger siedende Material gegen die Überhitzung genutzt werden.
Zur Senkung der
Schweißkraft und des Abreißstromes werden dabei üblicherweise weitere metallische Komponenten,
beispielsweise Tellur oder Antimon, hinzugefügt.
[0006] Werkstoffe auf der Basis Wolfram und Kupfer werden für
Va-
kuumschüt
ze im Hochspannungsbereich mit Schaltströmen bis
ca.
3 kA erfolgreich eingesetzt. Durch gestiegene techni-
sche Anforderungen bezüglich Schaltströme und Schaltzah-
len, insbesondere im Bereich der Niederspannungstechnik bis 1 kV, sind Verbesserungen
des Kontaktwerkstoffes notwendig, die WCu-Werkstoffe nur bedingt erfüllen. Der Grund
liegt im speziellen Abbrandmechanismus dieses Systems: Bei
Li
chtbogenbelastung wird zwar in den Kathodenfußpunkten aufgrund der extrem hohen Temperaturen
Kupfer und Wolfram zugleich aufgeschmolzen und verdampft, in den Randbereichen der
Fußpunkte mit ihrer geringeren Temperaturbelastung wird jedoch bevorzugt Kupfer aus
dem Gerüst abgedampft. Nach Ablauf zahlreicher Nennstromschaltungen oder nach einer
Reihe von Hochstromschaltungen kann es dadurch zu lokalen Kupfer-Verarmungen im Gefüge
und damit zur Bildung von wolframreichen Stellen in der Schaltfläche kommen. Eine
typische Struktur einer durch häufiges Schalten belasteten Wolfram-Kupfer-Kontaktfläche
enthält daher aufgerissene und schuppenförmge Bereiche.
[0007] Obige Oberflächenstrukturen begrenzen aus dielektrischen und thermischen Gründen
natürlicherweise die Schalteigenschaften und damit die Lebensdauer des Kontaktwerkstoffes.
Bisher wurde durch Wahl geeigneter Konzentrationsverhältnisse und spezifischer Pulverteilchengrößen
der Kontaktwerkstoff auf die speziell geforderten Eigenschaften optimiert. Es besteht
aber insbesondere im Bereich der Niederspannung das Bedürfnis, nach anderen Kontaktmaterialien
mit verbessertem Abbrandverhalten zu suchen.
[0008] Aufgabe der Erfindungist es daher, einen Kontaktwerkstoff zu finden, der möglichst
die gleich guten Schalteigenschaften wie Wolfram-Kupfer (WCu) im Anfangszustand besitzt,
der aber darüber hinaus durch ein günstigeres Abbrandverhalten eine ungefährdet große
Lebensdauer bei durchgehend gleichbleibender hoher Kurzschlußstromfestigkeit aufweist.
[0009] Die Aufgabe ist durch die Verwendung eines Schmelzwerkstoffes aus Chrom und Kupfer
gelöst. Es wurde gefunden,
daß nach dem Verfahren gemäß der deutschen Patentanmeldung P 33 03 170.3 hergestellte
Kupfer-Chrom-Schmelzlegierungen in hervorragender Weise als Kontaktwerkstoff in Schaltröhren
von Vakuumschützen im Niederspannungs-und Hochspannungsbereich geeignet sind.
[0010] Der Erfindung ging eine Analyse der metallurgischen und insbesondere der thermodynamischen
Verhältnisse voraus: Das gesuchte Material sollte ein Verbundwerkstoff sein, um die
günstigen Eigenschaften dieser Kontaktwerkstoffklasse zu nutzen. Es wurde erkannt,
daß die beschriebene ungünstige Abbrandstruktur von Wolfram-Kupfer vor allem auf die
stark differierenden Dampfdrücke der beiden bisher verwendeten Metalle zurückzuführen
ist. Der Erfindung lag nun die Erkenntnis zugrunde, daß nach einer Metallkombination
gesucht werden mußte, deren Komponenten trotz unterschiedlicher anderer Eigenschaften
nach Möglichkeit ähnliche Dampfdrücke aufweisen. Eine solche Kombination ist speziell
durch einen Werkstoff auf der Basis Chrom und Kupfer gegeben.
[0011] Wie bereits eingangs erwähnt ist ein Werkstoff auf der Basis von Chrom und Kupfer
als Kontaktwerkstoff an sich bekannt. Dieser wurde aber bisher vorteilhafterweise
als Kontaktstück bei strom- und spannungsmäßig hochbelasteten Vakuum-Mittelspannungs-Leistungsschaltern
benutzt. Für diesen Einsatzbereich wird das günstige ebene Abbrandbild und die daraus
resultierende gute dielektrische Festigkeit genutzt. Da hierbei. keine hohen Schaltzahlen
gefordert sind, kann dort die bei hohen Ausschaltströmen erhebliche Abbrandrate von
Chrom-Kupfer leicht toleriert werden.
[0012] Insbesondere aufgrund der vermuteten Abbrandrate im Va-
kuumleistungsschalter wurden bisher Chrom-Kupfer-Werkstoffe von der Fachwelt als untauglich
für Vakuumschütze angesehen. Beispielsweise ist eine solche Differenzierung des Einsatzbereiches
der bekannten Kontaktwerkstoffe aus der Monographie von A. Keil et alii "Elektrische
Kontakte und ihre Werkstoffe", (Springer Verlag 1984), Kap. 4.3 "Schaltgeräte", insbes.
Tabelle 4.7, S. 359, entnehmbar.
[0013] Mit der Erfindung wurde nun überraschenderweise erkannt, daß ein Werkstoff auf der
Basis Chrom-Kupfer auch für
Vakuumschütze verwendbar ist. Damit wird das bei der Fachwelt herrschende Vorurteil
überwunden!
[0014] Wider Erwarten konnte die Abbrandfestigkeit dieses Materials speziell unter Schützbedingungen
nachgewiesen werden, womit ein solcher Werkstoff die geforderten Schaltzahlen von
≥ 10
6 bei Nennstrom unter Beibehaltung der Kurzschlußstromausschaltfähigkeit leicht erfüllt.
Beispielsweise ergaben Messungen mit 600 A Nennstrom bei ungefähr 10
6 Schaltungen einen Höhenabbrand von ∠ mm pro Kontaktstück. Bei verdoppeltem Nennstrom
wurde bei einer Schaltzahl von 3.10
5 ebenfalls ein Abbrand von L 1 mm pro Kontaktstück festgestellt.
[0015] Eine Erklärung des obigen unerwartet günstigen Abbrandverhaltens dürfte in der gegenüber
den Leistungsschaltern anderen Lichtbogenausbildungen bei Vakuumschützen zu suchen
sein. Dabei bildet insbesondere das ähnliche Abdampfverhalten aufgrund der weitgehend
gleichen Dampfdruckkurven beider Komponenten die..wesentliche Grundlage.
[0016] Durch Versuche konnte bestätigt werden, daß im Rahmen der Erfindung ein Schmelzwerkstoff
für obige Verwendung mit einer Zusammensetzung in Massenanteilen von etwa 25 bis 60
% geeignet ist. Es ergab sich, daß ein solcher Kontaktwerkstoff bereits nach der schmelzmetallurgischen
Herstellung, vorzugsweise durch Lichtbogenschmelzen, hinreichende Eigenschaften aufweist.
Schon dieses Material weist eine zeilenförmige Ausrichtung von Cr-Dendriten auf. Damit
diese zeilenförmige Ausrichtung der Cr-Dendrite senkrecht zur Schaltfläche der Kontaktstücke
verläuft, wird der Schmelzwerkstoff vorzugsweise umgeformt, so daß sich ein Richtgefüge
senkrecht zur Schaltfläche ergibt. Das Umformen erfolgt vorzugsweise durch Vollvorwärtfließpressen
mit einem Umformgrad > 60 %.
[0017] Es hat sich gezeigt, daß die Anforderungen an den Werkstoff, wie insbesondere niedrige
Schweißkraft und niedrige Abreißströme, im allgemeinen vom Grundwerkstoff Chrom-Kupfer
erfüllt werden können. In speziellen Fällen können aber die geforderten Eigenschaften
auch über spezifische Zusätze von Tellur, Antimon, Wismut und/oder Zinn verbessert
werden. Zum Einbringen solcher Zusätze sind verschiedene Verfahren, beispielsweise
Einschmelzen, Eindiffundieren oder Einlagern in Vertiefungen, möglich.
[0018] Daneben hat sich gezeigt, daß Schaltröhren eines Vakuumschützes auch eine unpaarige
Kontaktanordnung mit Kontaktstücken aus Schmelzwerkstoffen unterschiedlicher Zusätze
aufweisen können, ohne die vorteilhaften Eigenschaften im Schaltbetrieb zu verlieren.
[0019] Weitere Vorteile und Einzelheiten der Erfindung ergeben sich aus der nachfolgenden
Beschreibung von Ausführungsbeispielen, bei der teilweise auf die Figuren der Zeichnung
Bezug genommen wird.
[0020] Es zeigen jeweils in schematischer Darstellung die FIG 1 bis 4 verschiedene Möglichkeiten
zur Einbringung spezifischer Zusätze in Kontaktstücke.
Beispiel 1:
[0021] Aus einer Pulvermischung der Zusammensetzung in Massenanteilen von 60 % Kupfer (Cu)
und 40 % Chrom (Cr) soll ein Schmelzblock nach dem Lichtbogenschmelzverfahren hergestellt
werden: Beispielsweise soll der Rohling die Abmessungen von 80 mm Durchmesser und
400 mm Länge haben. Dazu wird die Pulvermischung entsprechender Zusammensetzung isostatisch
bei einem Druck von 3000 bar gepreßt und anschließend im Vakuum bei Temperaturen knapp
unterhalb' oder im Falle der Ausbildung einer flüssigen Phase etwa 50
*C oberhalb des Kupferschmelzpunktes gesintert. Der gesinterte Rohling wird als Abschmelzelektrode
in einem Lichtbogenschmelzofen eingesetzt und unter Helium als Schutzgas umgeschmolzen.
Um die geforderte hohe Energiedichte zu erreichen, muß der Lichtbogenstrom bei den
gegebenen Abmessungen wenigstens 1000 A betragen. Das abgeschmolzene Elektrodenmaterial
erstarrt in einer wassergekühlten Kupferkokille.
[0022] Statt der Zusammensetzung in Massenanteilen von 60 % Kupfer und 40 % Chrom können.auch
andere Zusammensetzungen im Bereich zwischen 25 und 60 % Chrom gewählt werden.
[0023] Aus dem so durch Lichtbogenschmelzen erzeugten Schmelzblock wird anschließend durch
Vollvorwärtsfließpressen ein Halbzeug für Kontaktstücke hergestellt. Dabei werden
Umformgrade von mehr als 60 % angewandt, z.B. von 78 %. In diesem Fell ergibt sich
nach Abdrehen des Schmelzblocks aus einem Rohlingdurchmesser von 75 mm ein Stangendurchmesser
von 35 mm als Halbzeug Dieses Halbzeug weist ein Richtgefüge auf, bei dem jetzt insbesondere
die im Werkstoff vorhandenen Chrom-Dendrite in zeilenförmiger Ausrichtung mit Vorzugsrichtung
vorliegen. Werden nun von dieser Stange, nach einem eventuellen Abdrehen der Oberflächen
mit Verunreinigungen, Scheiben von bespielsweise 5 mm Stärke als Kontaktstücke abgeschnitten,
so ergibt sich zwangsläufig eine Schaltfläche senkrecht zum vorliegenden Richtgefüge.
Beispiel 2
[0024] Nach schmelzmetallurgischer Herstellung, wie bei Beispiel 1, wird der Schmelzblock
mit 80mm Durchmesser in Scheiben von 5 mm geschnitten. Aus diesen Scheiben können
dann drei Kontaktstücke von 35 mm Durchmesser herausgestanzt werden.
[0025] Die nach Beispiel 1 bzw. 2 gefertigten Kontaktstücke können in die Schaltröhren von
Vakuumschützen eingebaut werden. Es können aber zuvor-, wie anhand der Beispiele 3
bis 5 in Verbindung mit den Figuren beschrieben wird, auch spezielle Zusatzkomponenten
in die Kontaktstücke eingebracht werden.
Beispiel 3:
[0026] Es sollen Kontaktstücke der Zusammensetzung in Massenanteilen von 58,5 % Kupfer (Cu),
38,5 % Chrom (Cr) und 3 % Tellur (Te) hergestellt werden: Zu diesem Zweck werden zunächst
entsprechend Beispiel 1 durch Lichtbogenschmelzen und anschließendes Umformen Kontaktstücke
aus Kupfer und Chrom gefertigt, wozu eine Zusammensetzung in Massenanteilen von 60
% Kupfer und 40 % Chrom gewählt wird. In die nach Umformung und Abschneiden vorliegenden
Kontaktscheiben soll Tellur einlegiert werden.
[0027] Letzteres wird anhand FIG 1 im einzelnen verdeutlicht: Eine CuCr-Scheibe 1 wird in
einen entsprechend ausgebildeten Graphit-Tiegel 2 unter Zwischenlage eines Graphit-Papiers
3 eingebracht. Auf die Oberfläche der CuCr-Scheibe 1 wird Tellurpulver 4 im Überschuß
aufgebracht. Anschließend wird der Tiegel 2 auf 1150 'C erhitzt und etwa 1 Stunde
bei Schutzgas gehalten. Es ergibt sich ein Kontaktstück 5 der geforderten Zusammensetzung,
wobei das angebotene Tellur quantitativ einlegiert ist.
[0028] Der Tellurgehalt kann entsprechend den Anforderungen an Schweißkraft und Abreißstrom
von 0,1 bis 10 % betragen.
[0029] In gleicher Weise wie für Tellur (Te) beschrieben, können auch Antimon (Sb), Wismut
(Bi) oder Zinn (Sn) oder Kombinationen dieser Metalle in die Kontaktstücke eingebracht
werden. ,
Beispiel 4:
[0030] Es sollen Kontaktstücke der Zusammensetzung in Massenanteilen von 48,5 % Kupfer (Cu),
48,5 % Chrom (Cr) und 3 % Antimon (Sb) hergestellt werden. Zunächst werden wieder
Kontaktstücke der Zusammensetzung in Massenanteilen von 50 % Kupfer und 50 % Chrom
durch Lichtbogenschmelzen und anschließendem Umformen gefertigt. Nach Abtrennen der
Scheiben wird das Antimon durch Diffusion eingebracht: Dazu wird in das Kontaktstück
eine Vertiefung eingearbeitet, in die das Antimon eingelegt wird.
[0031] Letzteres wird anhand FIG 2 im einzelnen verdeutlicht: Ein Kupfer-Chrom-Kontaktstück
20 ist mit einer Vertiefung 21 in etwa als Napf ausgebildet. Es steht auf einer Al
2O
3-Platte 22. In die Vertiefung des Kontaktstückes 20 wird Antimonpulver 23 gebracht.
Nach Erhitzen auf etwa 1000
*C unter Schutzgas und Halten für etwa 2 Stunden bildet sich eine Diffusionszone 24
mit der oben angegebenen Konzentration in der Kupfer-Chrom-Scheibe aus. Die Tiefenausbildung
sowie Antimonkonzentration der Diffusionszone 24 läßt sich über die Temperaturhaltezeit
sowie über das Antimonangebot steuern.
[0032] Anhand der FIG 3 ist eine alternative Möglichkeit verdeutlicht: Hier befindet sich
eine Kupfer-Chromscheibe 30 in einem A1
20
3-Tiegel 31, der mit einer Platte 32 aus Kohlenstoff abgedeckt ist. Zwischen der Grundplatte
des A1203-Tiegels 31 und der Kupfer-Chrom-Scheibe 30 ist Antimonpulver 33 im Überschuß
vorhanden. Nach Erhitzung auf etwa 1000 'C bildet sich nach ca 2 Stunden von unten
ausgehend eine Diffusionszone 34 aus. Die Tiefe der Diffusionszone wird entsprechend
dem zu erwartenden Abbrandvorgegeben.
[0033] In gleicher Weise können statt Antimon (Sb) auch Zinn (Sn) bzw. Kombinationen aus
Antimon, Tellur und/oder Zinn in die Kontaktstücke eingebracht werden.
Beispiel 5:
[0034] Es sollen Kontaktstücke mit lokal eingebrachten Zusätzen gefertigt werden: Zu diesem
Zweck werden nach dem bei Beispiel 1 oder 2 beschriebenen Verfahren zunächst wieder
scheibenförmige Kontaktstücke der Zusammensetzung in Massenanteilen von beispielsweise
50 % Kupfer und 50 % Chrom hergestellt. In die Oberflächen dieser Kontaktscheiben
werden an geeigneter Stelle Vertiefungen, beispielsweise als Zentralbohrung, in Form
mehrerer Bohrungen oder auch als Ringnut, eingearbeitet. In die Vertiefungen werden
anschließend Metalle oder Legierungen mit einem Schmelzpunkt unterhalb des Schmelzpunktes
des Kupfer-Chrom-Eutektikums als Granulat oder geeigneter Form eingebracht. Als vorteilhaft
haben sich die Metalle Tellur, Antimon oder die Legierungen Antimontellurid, Wismuttellurid
und Zinntellurid erwiesen. Die Zusatzkomponenten werden'in den Vertiefungen aufgeschmolzen.
[0035] Letzteres wird anhand von FIG 4 verdeutlicht: Eine CuCr-Scheibe 40 mit zentraler
Bohrung 41 befindet sich in einem Graphit-Tiegel 42 mit Deckel 43. In die Bohrung
41 werden die Zusatzkomponenten eingebracht. Nach dem Aufschmelzen bildet sich daraus
eine dünne Schicht 46 auf der Deckfläche des Kontaktstückes 40, die als Schaltfläche
dient.
[0036] Für die Anwendung in Vakuumschützen ergibt sich nun auch insbesondere die Möglichkeit,
unpaarige Anordnungen aufzubauen. Es hat sich gezeigt, daß eine Kontaktanordnung zum
senkrechten Einbau in eine Schaltröhre vorrteilhaft derart ausgelegt sein kann, daß
das eine Kontaktstück aus Kupfer und Chrom einer der gemäß Beispiel 1 oder 2 angegebenen
Zusammensetzungen besteht, während das zugehörige gegenüberliegende Kontaktstück aus
Kupfer und Chrom mit spezifischen Zusätzen besteht. Letzteres Kontaktstück kann entsprechend
den Beispielen 3 bis 5 ausgebildet sein.
[0037] Bei der Schaltröhre kann insbesondere das obenstehende Kontaktstück aus reinem Schmelzwerkstoff
mit oder ohne Verformung bestehen.
1. Verwendung eines Schmelzwerkstoffes aus Kupfer und Chrom als Kontaktwerkstoff für
den Einsatz in Schaltröhren von Vakuumschützen im Niederspannungs- und Hochspannungsbereich.
2. Schmelzwerkstoff für eine Verwendung nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß
der Werkstoff eine Zusammensetzung in Massenanteilen von 25 bis 6d % Chrom (Cr) hat.
3. Schmelzwerkstoff nach Anspruch 2, dadurch gekennzeichnet, daß zur Herabsetzung
der Schweißkraft Zusätze wenigstens eines der Metalle Tellur (Te), Antimon (Sb), Wismut
(Bi) und/oder Zinn (Sn) sowie deren Legierungen vorhanden sind.
4. Schmelzwerkstoff nach Anspruch 3, dadurch gekennzeichnet, daß der Massenanteil
der Zusätze zwischen 0,1 und 10 % liegt.
5. Verfahren zur schmelzmetallurgischen Herstellung eines Kontaktwerkstoffes nach
Anspruch 2, dadurch gekennzeichnet, daß die Herstellung durch Lichtbogenschmelzen
zu einem Schmelzblock erfolgt.
6. Herstellungsverfahren nach Anspruch 5, dadurch gekennzeichnet, daß der Schmelzblock
nach den schmelzmetallurgischen Verfahrensschritten einer Umformung unterzogen wird,
wodurch Halbzeug zum Fertigen von Kontaktstücken erzeugt wird.
7. Herstellungsverfahren nach Anspruch 6, dadurch gekennzeichnet, daß durch die Umformung
ein Richtgefüge geschaffen wird, bei dem Cr-Dendrite in eine Vorzugstichung gestreckt
sind.
8. Herstellungsverfahren nach Anspruch 6, dadurch gekennzeichnet, daß die Umformung
durch Vollvorwärtsfließpressen erfolgt.
9. Herstellungsverfahren nach Anspruch 8, dadurch gekennzeichnet, daß der Umformgrad>
60% ist.
10. Kontaktstück aus einem Werkstoff nach einem der Ansprüche 2 bis 4 zur Verwendung
nach Anspruch 1, mit einer Schaltfläche, dadurch gekennzeich-net, daß die Schaltfläche
senkrecht zum Richtgefüge angeordnet ist.
11. Kontaktstück aus einem Werkstoff nach einem der Ansprüche 2 bis 4 zur Verwendung
nach Anspruch 1, d a-durch gekennzeichnet, daß die Zusätze von der Schaltfläche ausgehend
lediglich bis zu einer bestimmten Eindringtiefe des Kontgaktstückes vorhanden sind.
12. Kontaktstück nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet,
daß die Zusätze lediglich lokal an vorbestimmten Orten auf der Schaltfläche des Kontaktstückes
vorhanden sind.
13. Verfahren zum Fertigen von Kontaktstücken aus einem nach Anspruch 5 hergestellten
Schmelzwerkstoff, da-durch gekennzeichnet, daß der Schmelzblock in Scheiben geschnitten
wird, aus denen Kontaktstücke ausstanzbar sind.
14. Verfahren zum Fertigen von Kontaktstücken mit den Merkmalen des Anspruchs 10,
dadurch ge-kennzeichnet, daß nach Umformung des Schmelzblockes das Halbzeug senkrecht
zur Vorzugsrichtung des Richtgefüges in Scheiben geschnitten wird.
15. Fertigungsverfahren nach Anspruch 13 oder 14, da-durch gekennzeichnet, daß die
Zusätze durch Einlegieren in der flüssigen Kupferphase in die kontaktstücke eingebracht
werden.
16. Fertigungsverfahren nach Anspruch 13 oder 14, da-durch gekennzeichnet, daß die
Zusätze durch Diffusion in der festen Kupferphase in die Kontaktstücke eingebracht
werden.
17. Fertigungsverfahren nach Anspruch 13 oder 14, da-durch gekennzeichnet, daß in
die Schaltfläche der Kontaktstücke Vertiefungen eingearbeitet werden, in welche die
Zusätze eingebracht und darin aufgeschmolzen werden.
18. Kontaktanordnung in Schaltröhren für Vakuumschütze, mit Kontaktstücken aus Schmelzwerkstoff
nach einem oder mehreren der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß
das eine Kontaktstück, aus reinem CuCr-Schmelzwerkstoff besteht, während das gegenüberliegende
Kontaktstück aus CuCr-Schmlezwerkstoff mit Zusätzen besteht.