(19)
(11) EP 0 173 925 B2

(12) NEUE EUROPÄISCHE PATENTSCHRIFT

(45) Veröffentlichungstag und Bekanntmachung des Hinweises auf die Entscheidung über den Einspruch:
19.08.1992  Patentblatt  1992/34

(45) Hinweis auf die Patenterteilung:
19.07.1989  Patentblatt  1989/29

(21) Anmeldenummer: 85110601.3

(22) Anmeldetag:  23.08.1985
(51) Internationale Patentklassifikation (IPC)5D06M 10/00, D06M 11/11, D06M 11/38, A41G 5/00

(54)

Verfahren zur Herstellung von Perücken und Haarersatz aus Kunsthaaren.

Process for the manufacture of wigs and hair substitutes from synthetic hair.

Procédé pour la fabrication des perruques et des toupets en cheveux synthétiques.


(84) Benannte Vertragsstaaten:
BE DE FR GB IT LU NL SE

(30) Priorität: 30.08.1984 DE 3431886

(43) Veröffentlichungstag der Anmeldung:
12.03.1986  Patentblatt  1986/11

(73) Patentinhaber: Bergmann GmbH & Co. KG
D-88471 Laupheim (DE)

(72) Erfinder:
  • Müller, Klaus, Dipl. Kaufm.
    D-7958 Laupheim (DE)

(74) Vertreter: Riebling, Peter, Dr.-Ing. 
Patentanwalt Postfach 31 60
88113 Lindau
88113 Lindau (DE)


(56) Entgegenhaltungen: : 
EP-A- 0 062 491
DE-B- 1 124 689
DE-U- 1 846 611
FR-A- 2 231 797
JP-A- 7 237 649
JP-A- 7 457 116
US-A- 2 889 611
US-A- 3 790 434
DE-A- 2 402 444
DE-B- 1 254 816
FR-A- 2 087 152
GB-A- 664 921
JP-A- 7 246 004
US-A- 1 957 508
US-A- 3 702 877
US-A- 4 032 689
   
  • CHEMICAL ABSTRACTS, Band 78, Nr. 4, 29. Januar 1973, Seiten 82-83, Nr. 17554s, Columbus, Ohio, US;
 
Bemerkungen:
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Beschreibung


[0001] Die Erfindung bezieht sich auf ein Verfahren zur Herstellung von Perücken und Haarersatz aus Kunsthaaren durch chemische oder physikalische Behandlung von thermoplastischen Monofilamenten.

[0002] Bei den bekannten Kunsthaaren, die für die Herstellung von Perücken, Haarersatz usw. verwandt wurden, ergab sich der Nachteil, daß diese Haare zwar in Bezug auf die Lichtreflektion dem natürlichen Haar ähnelten, indem die Lichtreflektion diffus erfolgte, jedoch bestand ein Nachteil dieser Haare darin, daß sie aus PVC-Material oder aus Modacryl bestanden und diese Werkstoffe einen an sich niedrigen thermoplastischen Verformungspunkt aufweisen. Dadurch ergab sich der Nachteil, daß schon bei Körpertemperatur, bei heißem Duschen oder bei Verwendung in tropischen Ländern das Haar glatt wurde bzw. die Frisur unansehnlich wurde. Es war z. B. kaum möglich, gute Frisuren in Ländern zu tragen, in denen die Temperatur vorwiegend über 30°C lag. Auf keinen Fall war es möglich, derartige Haarteile und/oder Perücken in der Sauna zu verwenden.

[0003] Bei diesen Werkstoffen für die bisher bekannten Kunsthaare muß man besondere Werkzeuge, d. h. ein besonderes Instrumentarium für die Behandlung der Frisur verwenden, weil das natürliche Haar viel höhere Temperaturen aushält, z. B. beim Fönen 160 bis 180°C, während die bisher bekannten Werkstoffe für die Kunsthaare Schmelzpunkte bei 140°C hatten und die thermoplastische Verformung bei ca. 24°C anfing.

[0004] Die Verwendung von Kunststoffen höherer Schmelztemperatur scheiterte daran, daß es dann nicht möglich war, diesem Haar einen natürlichen Glanz zu geben. Die Haare sahen ähnlich Angelschnüren aus, d. h. sie waren durchsichtig und wirkten sehr unnatürlich. Waren Haare gut pigmentiert, so kam trotzdem bei starkem Sonnenlicht der Angelschnurcharakter wieder durch, d. h. man sah von weitem schon, daß es sich um künstliche Haare handelte.

[0005] Die bekannten Werkstoffe, nämlich Modacryl und PVC, waren in ihrer Struktur schon so beschaffen, daß sie ähnlich dem natürlichen Haar das Licht reflektierten, es mangelte ihnen jedoch an thermischer Beständigkeit.

[0006] Aus der US-A-3 702 877 sind Haarteile und Perücken bekannt, deren Fasern aus Mischungen verschiedener Polymerer, nämlich Nylon-6 und einer Masse aus Polyalkylmethacrylat und Butadien-Styrol-Copolymerisat aufgebaut sind, um das Erscheinungsbild der Fasern zu beeinflussen.

[0007] Auch werden in Chem. Abstr. 78 Nr. 4 S. 82, 83 Nr. 17554s (JP-A-72 26 963) für Perücken verwendbare Monofilamente mit rauher Oberfläche beschrieben. Danach werden thermoplastische Monofilamente mit Phenol gequollen und anschließend durch ein enges Rohr abgequetscht. Phenol fällt nicht unter den Begriff Säuren im Sinne der vorliegenden Erfindung und besitzt darüberhinaus toxischen Charakter. Die durch Auswaschen nicht völlig zu beseitigenden Phenolreste in der Faser machen deren Anwendung für Perücken höchst problematisch.

[0008] Aufgabe der Erfindung ist es, Perücken und Haarersatz. aus Kunsthaaren herzustellen, die nicht nur thermische Beständigkeit mit diffuser Lichtbrechung vereinigen, sondern unter Anwendung physiologisch verträglicher Mittel und unter Vermeidung hautreizender, nicht restlos aus der Faser entfernbarer Quellmittel zu einer ähnlich dem natürlichen Haar lichtreflektierenden Oberfläche aufgerauht werden.

[0009] Diese Aufgabe wird dadurch gelöst, daß die Struktur und/oder Oberfläche von monofilen Fasern hoher Temperaturbeständigkeit entweder durch chemische Behandlung mit Alkali oder Säure oder Laserstrahlbehandlung so verändert wird, daß eine diffuse Lichtbrechung erzielt wird.

[0010] Unter Anwendung dererfindungsgemäßen Maßnahmen kann man jetzt Werkstoffe für das Kunsthaar verwenden, die hohe Temperaturbeständigkeit haben, jedoch bisher unter Lichteinwirkung « Angelschnurcharakter » zeigten oder physiologisch unzuträglich waren. Es hat sich herausgestellt, daß, wenn man die Oberfläche und/oder Struktur dieser Werkstoffe in der angegebenen Weise ändert, man die Vorteile des Werkstoffes hoher Temperaturbeständigkeit, d. h. auch der Beständigkeit der Frisur, mit dem Vorteil des natürlichen Glanzes dieser Haarteile bzw. Haare vereinigen kann. Dabei wird eine Übereinstimmung zwischen der Lichtreflektion des natürlichen Haares und des Kunststoffhaares erhalten, d. h. Kunsthaar und Echthaar können nicht mehr unterschieden werden. Dieser Gleicheffekt muß auch bei unterschiedlichen Lichtquellen vorhanden sein, beispielsweise bei natürlichem Licht oder Kunstlicht.

[0011] Nach einem weiteren Merkmal der Erfindung kann das Verfahren so geleitet werden, daß die Oberfläche einer monofilen Polyester-Faser, z. B. durch eine Ätz-Alkalilauge aufgerauht wird, wobei eine Flotte von ca. 20 g/I Natriumhydroxid auf die Faser bei Temperaturen um 96 bis 100°C einwirkt.Für die Aufrauhung durch Alkalilauge ist dies das Beispiel.

[0012] Die Polyester-Faser, die zur Herstellung des Haares dient, wird chemisch aufgerauht. Man kann diesen Aufrauhungsvorgang so leiten, daß eben eine diffuse Lichtbrechung, die der dem natürlichen Haar entspricht, vorhanden ist.

[0013] Eine weitere Möglichkeit besteht darin, daß die Oberfläche einer monofilen Polyamid-Faser, z. B. durch eine Säurebehandlung, aufgerauht wird.

[0014] Hier kann der Fachmann an sich bekannte Verfahren verwenden, um diesen diffusen Lichtbrechungscharakter zu erreichen, der auch dem natürlichen Haar zueigen ist. Selbstverständlich kann man diesen chemischen Vorgang so leiten, daß er auch eine so ungleichmäßige Lichtbrechung bewirkt, wie sie beim natürlichen Haar vorhanden ist. Dabei kann man sowohl die Temperatur dieser Laugen bzw. Säuren als auch deren Zusammensetzung entsprechend ändern.

[0015] Eine weitere Möglichkeit besteht darin, daß die Oberfläche des Kunststoffhaares z. B. durch eine Laserstrahlbehandlung durch Erzeugung unterschiedlicher Schmelzperlen aufgerauht wird.

[0016] Auch diese Behandlung kann im Durchlaufverfahren durchgeführtwerden, und es werden wiederum durch die Aufrauhung verschiedene brechungsflächen erzeugt, um den Lichtbrechungseffekt wie beim natürlichen Haar zu erreichen.

[0017] Hinsichtlich derÄnderung der Struktur besteht eine weitere Möglichkeit darin, daß die Kunststoffhaare Einschlüsse, z. B. Luftblasen, zur Änderung der Struktur bzw. Lichtbrechung aufweisen. Durch diese Maßnahme kommt man wieder dem natürlichen Haar sehr nahe. Das echte Haar hat nämlich eine Schuppenschicht. Diese Schuppenschicht wird jetzt imitiert, so daß die Lichtbrechung identisch bzw. ähnlich ist.

[0018] Die Änderung der Lichtbrechung kann auch dadurch erreichtwerden, daß die Kunststoffhaare zwecks Änderung der Lichtbrechung eine Beschichtung z. B. Polyacryl besitzen. Diese Beschichtung kann auch als Wärmeschutz für das Kunststoffhaar dienen.

[0019] Durch diese Maßnahme kann man die bisher bekannten, auf dem Markt befindlichen Haare gewissermaßen veredeln, indem man ihnen einen Wärmeschutz zuordnet. Es bleibt dann die gleiche Lichtbrechung vorhanden. Durch die Beschichtung mit einem wärmebeständigen Werkstoff werden diese Kunststoffhaare aber auch bei hohen Temperaturen verwendbar mit den gleichen thermischen Eigenschaften, als wenn man von vornherein einen anderen Kunststoff gewählt hätte.

[0020] Ausführungsbeispiele der Erfindung sind in der Zeichnung dargestellt. Dabei gehen aus der Zeichnungsbeschreibung hierzu weitere Erfindungsmerkmale hervor.

Figur 1 zeigt die Oberfläche eines künstlichen Haares mit einer entsprechenden Aufrauhung der Oberfläche zwecks diffuser Lichtbrechung.

Figur 2 zeigt eine Möglichkeit der Anordnung von Pigmenten wie beim natürlichen Haar.

Figur 2 zeigt weiter Möglichkeiten, wie z. B. durch Einbringen von Luftblasen oder Einschlüssen ein ähnlicher Effekt wie beim natürlichen Haar erreicht wird. Durch diese Maßnahme ist man in der Lage, die Haarstruktur verschiedener Völker entsprechend zu imitieren. Es ist z. B. dann nur die Struktur an der Oberfläche eines echten japanischen oder chinesischen Haares festzustellen, um dann durch die in der Erfindung gezeigten Verfahren das gleiche Ergebnis beim Kunsthaar zu haben.




Ansprüche

1. Verfahren zur Herstellung von Perücken und Haarersatz aus Kunsthaaren durch chemische oder physikalische Behandlung von thermoplastischen Monofilamenten, dadurch gekennzeichnet, daß die Struktur und/oder Oberfläche von monofilen Fasern hoher Temperaturbeständigkeit entweder durch chemische Behandlung mit Alkali oder Säure oder Laserstrahlbehandlung so verändert wird, daß eine diffuse Lichtbrechung erzielt wird.
 
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß die Oberfläche einer monofilen Polyester-faser durch Einwirkung einer Flotte von ca. 20 g/I Natriumhydroxid auf die Faser bei Temperaturen von 96 bis 100°C aufgerauht wird.
 
3. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß die Oberfläche einer monofilen Polyamid-faser durch eine Säurebehandlung aufgerauht wird.
 
4. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß die Oberfläche der Fasern durch Erzeugung unterschiedlicher Schmelzperlen mittels Laserstrahlbehandlung aufgerauht wird.
 
5. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß die Fasern zur Veränderung der Struktur mit Lufteinschlüssen versehen werden.
 
6. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß zur Änderung der Lichtbrechung auf die Fasern eine Beschichtung aus Polyacryl aufgebracht wird.
 


Claims

1. Method for the production of wigs and hair replacements from artificial hairs by means of chemical or physical processing of thermoplastic monofilaments, characterized in that the structure and/or surface of monofilarfibres of high temperature stability is altered either by chemical treatment with alkalis or acids or laser beam treatment, in such a way that a diffuse light refraction is obtained.
 
2. Method according to claim 1, characterized in that the surface of a monofilar polyesterfibre is roughened by the action on the fibre of a dye bath containing about 20 g/I of sodium hydroxide at temperatures of 96 to 100°C.
 
3. Method according to claim 1, characterized in that the surface of a monofilar polyamide fibre is roughened by means of an acid treatment.
 
4. Method according to claim 1, characterized in that the surface of the fibres is roughened by producing varying fusion beads by means of laser beam treatment.
 
5. Method according to claim 1, characterized in that the fibres are provided with air pockets to vary the structure.
 
6. Method according to claim 1, characterized in that a coating of polyacrylate is applied on the fibres to alter the refraction of light.
 


Revendications

1. Procédé de fabrication de perruques et de postiches en cheveux synthétiques par traitement chimique ou physique de monofilaments thermoplastiques, caractérisé par, le fait qu'on modifie la structure et/ou la surface de fibres monofilaments de haute résistance à la température, soit par traitement chimique avec un alcali ou un acide, soit par traitement par rayon laser, de façon que l'on obtienne une réfraction diffuse de la lumière.
 
2. Procédé selon la revendication 1, caractérisé par le fait qu'on rend rugueuse la surface d'une fibre de polyester monofilament par action d'un bain d'environ 20 g/I d'hydroxyde de sodium sur la fibre à des températures de 96 à 100°C.
 
3. Procédé selon la revendication 1, caractérisé par le fait qu'on rend rugueuse la surface d'une fibre de polyamide monofilament par un traitement par un acide.
 
4. Procédé selon la revendication 1, caractérisé par le fait qu'on rend rugueuse la surface des fibres par création de différentes perles de fusion au moyen d'un traitement par rayon laser.
 
5. Procédé selon la revendication 1, caractérisé par le fait que, pour en modifier la structure, on dote les fibres d'inclusions d'air.
 
6. Procédé selon la revendication 1, caractérisé par le fait que, pour modifier la réfraction de la lumière, on applique sur les fibres un revêtement en matière polyacrylique.
 




Zeichnung