[0001] Die vorliegende Erfindung betrifft ein Verfahren zum Färben auf einem Jigger, wobei
die notwendige Menge Farbstoff in zwei oder mehrere Teilmengen aufgeteilt wird. Der
Jigger ist wie bekannt eine Maschine der Art, wo eine Gewebebahn, auch eine Warenbahn
genannt, wechselweise von der einen zweier Rollen abgewickelt und darauf aufgewickelt
und während der Passage zwischen den beiden Rollen in einem Farbbad hineingetaucht
gehalten wird.
[0002] Die im Farbbad hineingetauchte Warenbahnlänge ist der Größenordnung 2 m, und da die
Geschwindigkeit der Warenbahn der Größenordnung 80 - 200 m/min. ist, wird eine bestimmte
Stelle der Warenbahn sich während einer Passage im Farbbad in einer Periode der Größenordnung
1/3 - 3/4 sek. aufhalten.
[0003] Es ist wahrscheinlich experimentell und allgemein anerkannt, daß nur äußerst geringe
Farbstoffmengen auf die Fasern der Ware während deren sehr kurzen Aufenhaltes im Farbbad
während der Passage substantivisch absorbiert werden. Der Farbstoff wird vom Farbbad
auf die Warenbahn durch einen Austausch eines gewissen Flüssigkeitsvolumens in der
Warenbahn mit einem entsprechenden Flüssigkeitsvolumen vom Farbbad überführt, und
die eigentliche Absorption des Farbstoffs im Fasermaterial geschieht durch die (viel
längere) Periode, wo die Warenbahn sich auf den Rollen aufgewickelt befindet, falls
die Bedingungen für Farbstoffabsorption, wie z.B. optimale Temperatur und ähnliches,
übrigens anwesend sind.
[0004] Falls der Jigger unter Verhältnissen betätigt wird, wo die Bedingungen für eine Farbstoffabsorption
optimal sind, besteht eine große Gefahr für eine ungleichmäßige Farbverteilung längs
der Warenbahn, weil die Farbstoffkonzentration in der, während der Passage von der
Warenbahn aufgenommenen, Flüssigkeitsmenge wegen des Verdünnungseffekts von der einen
Seite der Bahn zur anderen exponentiell variiert.
[0006] Der Austritt des Farbstoffs aus dem Bad ist:


mit der Randbedingung K
b = K
bo für u = 0 ist die Lösung dieser Differentialgleichung:

oder für die Konzentration in der Ware, wo K
v = K
b· P

[0007] Die nachfolgende Passage wird zwar die schiefe Konzentrationsverteilung von der ersten
Passage etwa aufgrund der entgegengesetzten Wirkung der neuen exponentiellen Farbstoffaufnahme
aufrichten. Volle Ausgleichung ist aber nicht erreichbar.
[0008] Aus der deutschen Patentschrift Nr. 106.342 ist ein Verfahren zum Färben auf einem
Jigger bekannt, wobei versucht wird, das ungleichmäßige Färben durch allmählichen
Zusatz der gesamten Farbflotte zum Jiggerbottich während der ersten Passage zu beseitigen,
wobei aber eine kleine Menge der Flotte zum Decken der Bodenwalzen im voraus zugesetzt
sein kann.
[0009] Dieses Verfahren gewährleistet auch keine gleichmäßige Farbverteilung, da die Badkonzentration
doch im Laufe der Passage aufgrund der steigenden Gewebegeschwindigkeit auf dem in
der deutschen Patentschrift beschriebenen altmodischen Jigger abnimmt. Das Verfahren
ist ferner unpraktisch, da es einen Behälter der gleichen Größe wie der Jiggerbottich
zum Aufbewahren der gesamten Farbflotte erfordert.
[0010] Um ein ungleichmäßiges Färben der Warenbahn zu vermeiden hat man daher im Laufe der
Zeit eine Praxis entwickelt, wonach:
1. Die gesamte Farbstoffmenge in mehrere Portionen aufgeteilt wird, am meisten zwei,
und der Zusatz mit einer Portion vor dem Anfang jeder neuen Passage geschieht.
2. Das Färben fängt mit einer so niedrigen Temperatur an, daß die Farbstoffabsorption
in der aufgewickelten Warenbahn gering ist. Im Laufe einer Reihe von Passagen wird
das Bad dann stufenweise zur optimalen Farbtemperatur beheizt.
3. Man stellt die Geschwindigkeit der Farbstoffabsorption chemisch ein, beispielsweise
durch ein sukzessives Erhöhen der Elektrolytkonzentration im Bad (Zusatz von Salz).
[0011] Ein allgemeines Verfahren ist heute, die obigen Maßnahmen 1 und 2 in folgender Weise
beispielsweise zu kombinieren:
1.1. Die Hälfte oder zwei Drittel der gesamten Farbstoffmenge wird dem Bad vor der
ersten Passage bei einer Temperatur von 50°C zugesetzt, wo die Farbstoffabsorption
nicht zu beachten werden braucht.
1.2. Der Rest der Farbstoffmenge wird vor Anfang der zweiten Passage, noch bei 50°C,
zugesetzt.
2.1. Vor Anfang der 3. Passage wird auf 60°C beheizt
2.2." " " 4. " " " 70°C "
2.3. " " " 5. " " " 80°C "
2.4. " " " 6. " " " 90°C "
2.5. Vor Anfang der 7. Passage wird auf 100°C beheizt
2.6. Hiernach läuft eine gewisse Anzahl Passagen bei 100oC, bis Gleichgewicht zwischen der Farbstoffkonzentration in der Flüssigkeitsphase
und der Farbstoffkonzentration im Fasermaterial sozusagen erreicht worden ist.
[0012] Die normale heutige Praxis ist noch, die drei obigen Maßnahmen zu kombinieren, um
ein ungleichmäßiges Färben der Warenbahn zu vermeiden, es geht aber auch aus dem Beispiel
hervor, daß diese Praxis viel Zeit und Arbeit erfordert.
[0013] Die erwähnten Nachteile gelten dem Jigger als Maschinentyp, unabgesehen ob er eine
Maschine ist, die nicht unter Druck gesetzt werden und daher höchstens bei einer Badtemperatur
von 100°C arbeiten kann, oder ob er ein HT-Jigger (Hochtemperatur-Jigger) ist, der
unter Druck gesetzt werden und daher bei höheren Temperaturen arbeiten kann.
[0014] Die Anschaffung eines HT-Jiggers ist aber erheblich teurer als die 100°C Maschine,
und es ist daher für die Rentabilität entscheidend, daß die Vorgangzeit auf ein Minimum
herabgesetzt werden kann.
[0015] Von den Fasertypen, die Farbtemperaturen über 100°
C erfordern, ist die Polyesterfaser die wichtigste, und die optimale Farbtemperatur
dieser Faser liegt bei 115 - 135
oC, abhängig davon, ob man mit niedermolekularen oder hochmolekularen Farbstoffen arbeitet.
Bei diesen Temperaturen ist die Farbstoffabsorption nicht mit chemischen Mitteln steuerbar,
und es ist daher gewöhnlich, die Farbstoffabsorption durch stufenweises Heben der
Temperatur von einem Bereich, wo die Absorption sozusagen Null ist, bis zum optimalen
Bereich zu steuern. Da die Grenzen dieses Bereichs sehr eng sind, erwies es sich als
notwendig, die Temperatur in sehr kleinen Stufen zu heben. Das Verfahren ist ferner
dadurch schwierig, daß es notwendig sein kann, verschiedene Farbstoffgruppen für das
gleiche Färben anzuwenden, so daß man für jede Farbstoffgruppe einen kritischen Temperaturbereich
zu passieren hat. Da jede Jiggerpassage 30 - 60 Min. dauern kann, ist zu verstehen,
daß dieses Verfahren viel Zeit erfordert.
[0016] Die vorliegende Erfindung schafft ein Verfahren zum Färben auf einem Jigger, das
ein gleichmäßiges Färben der Warenbahn sichert, und das nicht die Nachteile der bekannten
Verfahren, d.h. eine schlechte wirtschaftliche Ausnutzung des Jiggers aufgrund eines
zeitraubenden und arbeitserfordernden stufenweisen und langsamen Heizens des Farbbads,
darstellt. Das Verfahren gemäß der Erfindung ist dadurch gekennzeichnet, daß eine
erste Teilmenge dem Farbbad während eines Stillstehens des Jiggers zugesetzt wird,
wenn das Farbbad bis auf den Temperaturbereich für eine optimale Farbstoffabsorption
beheizt worden ist, und der Jigger danach betätigt wird, und die übrige oder übrigen
Teilmengen von Farbstoff ins Farbbad linear als Funktion der Gewebemenge, die das
Farbbad passiert hat, und im Laufe einer Anzahl von Passagen entsprechend der Anzahl
von Farbstoffteilmengen dosiert werden, während das Farbbad eine Temperatur innerhalb
des Bereiches für optimale Farbstoffabsorption aufweist.
[0017] Es erwies sich in der Praxis, daß hierdurch ein gleichmäßiges Färben erreicht wird,
und ein Berechnen, vgl. unten, bestätigt dieses Ergebnis.
[0018] Als Grundlage für das Berechnen bestehen zwei Voraussetzungen:
1. Der Farbstoff wird in die Warenbahn während der Passage durch das Bad infolge eines
Austausches einer bestimmten Flüssigkeitsmenge zwischen der Flüssigkeitsphase der
Warenbahn und dem Farbbad aufgenommen. Diese Voraussetzung gilt auch der ersten Passage,
da die Warenbahn naß ist, beispielsweise durch ein vorhergehendes Waschen, wenn sie
in den Jigger eingesetzt wird.
2. Der Farbstoff wird von der Flüssigkeitsphase der Warenbahn von den Fasern absorbiert,
während die Ware im aufgewickelten Zustand ist, so daß die Flüssigkeitsphase der Warenbahn
keinen Farbstoff enthält, wenn die Ware das Bad das nächste Mal passiert.
[0019] Die zweite Voraussetzung ist im ausreichenden Grade nur korrekt, so lange der Farbvorgang
weit vom schließlichen Gleichgewichtszustand ist, es ist aber eben in dieser Anfangsphase,
daß die Gefahr für eine ungleichmäßige Farbaufnahme am größten ist. Wenn man sich
dem schließlichen Gleichgewichtszustand nähert, wird die Absorptionsgeschwindigkeit
niedriger und die Gefahr für eine ungleichmäßige Farbaufnahme herabgesetzt.
[0020] Beim Verfahren gemäß der Erfindung ist die gesamte Farbstoffmenge M. Eine Teilmenge
davon M
1 wird vor Anfang des Vorganges zugesetzt, und das Farbbad enthält somit die Farbstoffmenge
[0022] Falls gewünscht wird, daß die Teilmengen über n Passagen dosiert werden, ist die
gesamte Farbstoffmenge


[0024] Dieses Beispiel zeigt, daß eben im extremen Fall, wo n = 1 gewählt wird, sich 48%
des Farbstoffs beim Verfahren gemäß der Erfindung während der ersten Passage gleichmäßig
verteilen lassen. Die Praxis erwies dann auch, daß das Aufteilen der Farbstoffmenge
in nur zwei Teilmengen oft reicht, ein gleichmäßiges Farbverteilen zu sichern.
[0025] Nach diesem Dosieren von n Teilmengen des Farbstoffs ist die kritische Periode für
Farbabsorption vorbei, da der Gleichgewichtszustand sich nähert. Die restliche Farbstoffabsorption
geshieht dann bei traditionellem Passagelaufen ohne Gefahr für Ungleichmäßigkeiten.
[0026] Die Erfindung ist an Hand der Zeichnung näher veranschaulicht worden.
[0027] Diese zeigt eine Prinzipskizze eines Hochdruckjiggers zum Ausüben des Verfahrens
gemäß der Erfindung. 1 ist der Hochdruckbehälter, 2 ist der Jiggerbottich mit der
Farbflotte oder dem Bad 3. Über dem Bottich weist der Jigger zwei Rollen 4 und 5 auf,
auf die die Warenbahn wechselweise ab- und aufgewickelt wird, da sie während einer
solchen Passage durch das Bad 3 um zwei Bodenwalzen 6 und 7 herum passiert. Der Jigger
weist ferner eine Zirkulationspumpe 8 für das Farbbad auf, die mit dem Bottich 2 durch
Rohre 9 und 10 verbunden ist. Im Anschluß der Zirkulationspumpe ist eine Dosiervorrichtung
11 für Farbstoff vorgesehen.
[0028] Da die Rolle 4 angenommen wird, die Aufwickelrolle während einer gegebenen Passage
zu sein, bewegt sich die Gewebebahn in die durch die Pfeile gezeigte Richtung, und
eine Länge der Gewebebahn entsprechend dem Abstand zwischen den Punkten.A und B via
die Bodenwalzen 7 und 8 ist immer im Bad hineingetaucht. Diese Länge ist der Größenordnung
2 m. Die Treibvorrichtungen der Rollen 4 und 5 sind nicht gezeigt, sie sind aber wohlbekannter
Art und derart, daß die Gewebebahn sich mit hauptsächlich konstanter Geschwindigkeit
bewegt.
[0029] Beim Verfahren gemäß der Erfindung werden nur Hilfsstoffe wie z.B. Egalisierungsmittel,
Metallkomplexbildner und ähnliche, aber nicht Farbstoff, von Anfang an dem Bad zugesetzt.
Der Jigger wird dann betätigt und das Bad auf den Temperaturbereich beheizt, der für
die Farbabsorption optimal ist. Während dieser Heizungsperiode kann die Gewebebahn
eine oder mehrere Passagen durch das farblose Bad durchführen, so daß ein Temperaturgleichgewicht
zwischen dem Bad und der Geweberolle besteht, wenn die gewünschte Temperatur erreicht
worden ist. Zu dieser Zeit wird dann während eines Stillstehens des Jiggers die erste
Teilmenge des Farbstoffs auf einmal zugesetzt, und wenn der Jigger betätigt wird,
wird die Dosiervorrichtung 11 geöffnet, und eine zweite Teilmenge des Farbstoffs wird
im Laufe der ersten Passage gleichmäßig dosiert. In dieser Weise wird während der
zweiten und der dritten Passage usw fortgesetzt, bis alle Teilmengen des Farbstoffs
zugesetzt worden sind. Wie oben erwähnt ist es aber oft ausreichend, die Farbstoffmenge
nur in zwei Teilmengen aufzuteilen, d.h. daß aller Farbstoff nach der ersten Passage
zugesetzt worden ist. Wenn aller Farbstoff zugesetzt worden ist, wird ein traditioneller
Passagevorgang fortgesetzt, bis die gewünschte Farbnuance erreicht worden ist, d.h.
eine Anzahl von erfahrungsgemäß bekannten Passagen, die von den betreffenden Textilfasern
und den angewendeten Farbstoffen abhängen.
[0030] Wenn oben von einem Stillstehen des Jiggers gesprochen wird, ist hier zu verstehen,
daß der Jigger keinen Passagevorgang der Gewebebahn durchführt. Er kann aber gut eine
Pendelung während des Stillstehens durchführen, d.h. daß der Jigger am einen Gewebeende
kurze Hin- und Herbewegungen durchführt, um eine Seitenschwere der Rollen zu vermeiden.