[0001] Die vorliegende Erfindung betrifft ein Klotz-Kaltverweil-Verfahren zum Färben von
Wolle mit Reaktivfarbstoffen.
[0002] Kaltverweil-Färbeuerfahren für Wolle sind dem-Coloristen seit langem bekannt. Hierbei
wird das Textilgut mit Säure-, Metallkomplex- oder auch Reaktivfarbstoffen aus saurem
Medium geklotzt und zur Farbstoff-Fixierung im allgemeinen bei Raumtemperatur eine
gewisse Zeitspanne gelagert. Neben den dafür eingesetzten Farbstoffen enthalten die
verwendeten Klotzflotten gewöhnlich hohe Mengen (bis zu 300 g/1) an Harnstoff. Unter
diesen Bedingungen fixieren Reaktivfarbstoffe, besonders solche vom Vinylsulfon-Typ
nur unvollständig und ergeben verminderte Echtheitseigenschaften.
[0003] Aus der Praxis erhebt sich immer wieder die Forderung, zu Drucken mit Reaktivfarbstoffen
auf Wolle im Farbton passende und mit den gleichen Farbstoffen erstellte Unifärbungen
anbieten zu können, welche sich auf nicht aufwendige Weise realisieren lassen. Abgesehen
von der vereinfachten Lagerhaltung mag der Hintergrund dafür wohl hauptsächlich in
der Tatsache zu erblicken sein, im Falle von Composb-Artikeln sowohl für den bedruckten
als auch den unigefärbten Anteil des Textilguts Übereinstimmung bezüglich der bei
Wollartikeln ausschlaggebenden Abendfarbe zu erzielen, was ansonsten beim Einsatz
von andersartigen Farbstoff-Kombinationen für ein solches Dessinierungsvorhaben nicht
gegeben ist. Darüber hinaus bereitet das Nachstellen der Nuance der Färbung in Anlehnung
an ein vorhandenes Druckrezept weit weniger Umstände.
[0004] Der zuvor angesprochene Sachverhalt führte somit zu der Aufgabenstellung, ein preiswertes,
wenig maschinellen Aufwand erforderndes Färbeverfahren, eben ein Klotz-Kaltverweil-Verfahren
zum Färben von Wolle mit Reaktivfarbstoffen, zu entwickeln, das die oben aufgezeigten
Unzulänglichkeiten bzw. Nachteile des Standes der Technik nicht aufweist.
[0005] Diese Aufgabe wird erfindungsgemäß dadurch gelöst, daß man das Fasermaterial mit
die gelösten Reaktivfarbstoffe aufweisenden wäßrigen Flotten bei einem pH-Wert zwischen
9 und 13 klotzt und sodann diese Klotzung zwecks Farbstoff-Fixierung im feuchten Zustand
6 bis 24 Stunden, im allgemeinen 12 bis 18 Stunden, bei Temperaturen bis maximal 25°C,
vorzugsweise im Bereich von Raumtemperatur, unter den hergebrachten stark alkalischen
Bedingungen verweilen läßt.
[0006] Als Fixieralkali für die Reaktivfarbstoffe in den Klotzflotten nach der vorliegenden
Erfindung können verwend-et werden: Natronlauge in Mengen von 5 g/1 bis 60 g/1 gegebenenfalls
zusammen mit bis zu 50 g/1 Kochsalz oder Glaubersalz, d.h. in Mengen, wie sie durch
das für Baumwolle bekannte Klotz-Kurzverweil-Verfahren bekannt sind, oder Gemische
aus Natronlauge mit Wasserglas im Verhältnis von 1 : 1 bis 1 : 10 sowie in Mengen
von 5 g/1 bis 250 g/l.
[0007] Eine solche Arbeitsweise im alkalischen Medium, wie sie durch das beanspruchte Verfahren
praktiziert wird, war für den Wollfärber aber völlig neuartig. Nach seinen bisherigen
Vorstellungen mußte dabei mit einer starken Wollschädigung, verursacht durch das anwesende
starke Alkali und die für die Fixierung erforderlichen langen Lagerzeiten, gerechnet
werden. Es sind also lange gehegte und begründete Vorurteile zu überwinden gewesen,
um zu der hierin niedergelegten Erfindung zu gelangen.
[0008] Erstaunlicherweise wurde in diesem Zusammenhang jedoch gefunden, daß die Schädigung
der Wolle deutlich geringer ausfällt als erwartet, vor allem dann, wenn auf Harnstoff
als Zusatz zu den Klotzflotten verzichtet wird.
[0009] Nun hat man die Fixierung von Reaktivfarbstoffen aus alkalischen Milieu durch Verweilen
gemäß der Europäischen Patentanmeldung EP-A1-0 126 026 wohl auch schon für das Färben
von Seide oder seidenhaltigen gemischten Fasermaterialien vorgeschlagen. Seide, insbesondere
Wildseide, gilt indessen in der auf diesem Arbeitsgebiet tätigen Fachwelt gegenüber
alkalischen Einflüssen weitaus weniger empfindlich als dies für Wolle unterstellt
worden ist. So wird beispielsweise die Entbastung von Seide mittels sodaalkalischer
Flotten vorgenommen. Aus den zuvor dargelegten Beweggründen blieb daher eine Anwendung
alkalischer Bedingungen im allgemeinen für die Behandlung von Wollfasern verschlossen.
Wenn Maßnahmen dieser Art gelegentlich schon einmal nicht zu umgehen waren, dann sind
dieselben jeweils so kurzzeitig wie nur möglich und allerhöchstens aus ammoniakalischen
Bädern durchgeführt worden. Eine Übertragung der auf dem Seidengebiet gewonnenen Erfahrungen
für den Einsatz auf Wolle hat unter diesen Umständen in keiner Weise nahegelegen.
[0010] Als Reaktivfarbstoffe für die Durchführung des erfindungsgemäßen Verfahrens kommen
alle im Colour Index, 3. Auflage 1971 sowie Ergänzungen 1975 unter dem Gattungsbegriff
"Reactive Dyes" aufgeführten chemischen Verbindungen infrage, die mit OH-gruppen-
und/oder NH-gruppenhaltigen Fasern eine kovalente Bindung einzugehen in der Lage sind.
Speziell solche Farbstoffe mit reaktiven Gruppen vom Vinylsulfon-Typ ergeben unter
den Bedingungen dieser Erfindung deutlich erhöhte Farbausbeuten und bessere Echtheits-
eigenschaften als im Falle der bekannten Verfahren bei Anwendung von sauren Klotzflotten.
[0011] In den Klotzflotten können außer dem Farbstoff noch sonstige Hilfsmittel der üblichen
Art, wie Netzmittel oder Hilfsmittel zur Förderung oder zum Verhindern von Farbstoffmigration
eingesetzt werden, sofern sich das als notwendig erweisen sollte.
[0012] Durch einen Zusatz von bis maximal 50 g/1 Harnstoff kann, unter der Gefahr größerer
Wollschädigung, oft ein besseres. Warenbild, vor allem im Hinblick auf den sogenannten
Grauschleier erhalten werden.
[0013] Die beiden Verfahrensvarianten werden im allgemeinen wie folgt durchgeführt:
a) Verfahren mit Natronlauge/Kochsalz als Fixieralkali
Zum Ansetzen der wäßrigen Klotzflotte werden zunächst 2 Lösungen hergestellt. Die
erste enthält Farbstoff und Kochsalz, die andere die benötigte Natronlauge. Beide
Lösungen weisen Raumtemperatur auf.
Unmittelbar vor dem Klotzen der Wolle werden diese beiden Lösungen im bestimmten Verhältnis
vereinigt und die so erhaltene Flotte wird dann auf das Textilgut aufgeklotzt. Die
Flottenaufnahme kann dabei in weiten Grenzen (zwischen 50 und 130 Gew.-%) variieren.
Danach wird zur Farbstoff-Fixierung die geklotzte Ware 6 bis 24 Stunden bei Raumtemperatur
verweilt, was üblicherweise im aufgerollten Zustand unter langsamem Rotieren der Kaule
erfolgt. Zweckmäßigerweise wird diese Maßnahme unter weitgehendem Luftabschluß vorgenommen,
was durch Einschlagen der aufgedockten Ware in eine Plastikfolie erreicht wird. Bei
entsprechend niedriger Flottenaufnahme kann der Verweilprozeß mit dem feuchten Textilgut
auch in abgetafeltem Zustand bewerkstelligt werden. Anschließend wird hergestellte
Färbung gespült, gewaschen und abgesäuert.
Das Verfahren nach Variante a) weist gegenüber dem nachfolgenden (Variante b) den
Vorteil auf, daß nach Abschluß der Färbebehandlung die nicht umgesetzte Lauge leichter
ausgespült werden kann als ein Gemisch Lauge/ Wasserglas; gegebenenfalls kann die
erhaltene Färbung direkt mit Säure neutralisiert und sauer gestellt werden.
b) Verfahren mit Natronlauge/Wasserglas als Fixieralkali
Bei größeren Metragen an zu färbender Ware werden die wäßrige Farbstofflösüng und
die Lösung von Natronlauge/ Wasserglas ebenfalls getrennt angesetzt und dann unter
Mischung entsprechend dem vorgegebenen Verhältnis kontinuierlich oder portionsweise
in den Foulardtrog eindosiert.
Im Falle der Färbung kleinerer Metragen können die wäßrigen Flotten gemeinsam angesetzt
werden, wobei allerdings das Gemisch Natronlauge/Wasserglas der Färbeflüssigkeit erst
unmittelbar vor dem Klotzvorgang zugegeben wird. Diese Variante kann auch in Betracht
gezogen werden, wenn niedrige Natronlauge/Wasserglas-Mengen zur Anwendung gelangen
(siehe Beispiel 1). Im übrigen wird zur Farbstoff-Fixierung wie beim Verfahren gemäß
Variante a) vorgegangen.
Bei der Nachbehandlung der Färbung gemäß Variante b) ist zu beachten, daß die Ware
zunächst gründlich mit Wasser gespült wird, bis alles Wasserglas ausgewaschen ist.
Erst dann darf die so erzeugte Wollfärbung angesäuert werden.
[0014] Man erhält nach der vorliegenden Erfindung auf diese beiden Weisen Färbungen mit
guten Farbausbeuten und hohen Echtheits- eigenschaften, auch mit Farbstoffen vom Vinylsulfon-Typ.
[0015] Besonders gute färberische Ergebnisse lassen sich auf chlorierten Wollqualitäten
oder solchen, die durch Auflage eines Polyacryl- oder Polyimin-Harzfilms filzfrei
oder filzarm ausgerüstet worden sind, erzielen.
Beispiel 1
[0016] Man klotzt ein Gewebe aus mit einer Antifilzausrüstung nicht vorbehandelter-Wolle
mittels einer Flotte von 20°C, die aus einer wäßrigen Lösung von
15 g/1 des Farbstoffes Reactive Blue 19 mit der C.I.-Nr. 61200,
2 g/1 eines Netzmittels auf Basis von mit 8 Mol Ethylenoxid pro Mol umgesetztem Isotridecylalkohol,
5 em3/1 Natronlauge 32,5 %ig (38° Be) und
5 cm3/1 Wasserglas von 38°C Bé.
zusammengesetzt ist. Die Flottenaufnahme beträgt hierbei 94 %, bezogen auf das Gewicht
des trockenen Fasermaterials. Nach dem Klotzen sowie Abquetschen des Flottenüberschusses
wird das feuchte Textilgut aufgedockt und zur Farbstoff-Fixierung 16 Stunden bei Raumtemperatur
unter langsamem Rotieren der Kaule gelagert.
[0017] Sodann wird die in dieser Weise erzeugte Wollfärbung zunächst mittels Wasser von
20°C gründlich gespült. Höhere Temperaturen als 40°C sind, solange die Ware alkalisch
ist, beim Spülprozeß zu vermeiden. Daraufhin wird das gefärbte Substrat durch Behandlung
mit Essigsäure neutralisiert und abermals mit Wasser gepült.
[0018] Man erhält eine klare, egale Blaufärbung der Wolle.
[0019] Durch Zusatz von bis zu 50 g/1 Harnstoff zur Klotzflotte kann das Oberflächenbild
der Färbung noch weiter verbessert werden. In diesem Fall wirkt Harnstoff nicht als
Quellmittel für die Faser, sondern dient dazu, die Löslichkeit des Farbstoffes zu
erhöhen.
Beispiel 2
[0020] Man bereitet eine wäßrige Flotte von (25°C), welche
(I) 37,5 g/1 des Farbstoffes Reactive Black 5 mit der C.I.-Nr. 20505,
6,25 g/l eines Netzmittels auf Basis eines Umsetzungsproduktes von 1 Mol Isotridecylalkohol
mit 8 Mol Ethylenoxid, sowie
37,5 g/1 Kochsalz
enthält, sowie eine zweite wäßrige Flotte von etwa gleicher Temperatur aus
(II) 70 cm3/1 Natronlauge 32,5 %ig (38° Bé).
[0021] Beide Flotten I und II werden unmittelbar vor dem Klotzen mittels einer Dosiervorrichtung
im Volumenverhältnis 4:1 gemischt und damit wird ein Gewebe aus durch Chlorierung
filzfrei ausgerüsteter Wolle bei einer Flottenaufnahme von 100 Gew.-% geklotzt. Danach
wird die feuchte Textilbahn wie in Beispiel 1 aufgedockt, die Verweilzeit zur Farbstoff-Fixierung
bei Raumtemperatur beträgt in diesem Fall 24 Stunden.
[0022] Zur Nachbehandlung wird die gefärbte Ware zunächst gründlich mit Wasser gespült,
mit Essigsäure neutralisiert, danach während 15 Minuten bei 60°C durch Behandlung
mit Ammoniak im alkalischen Milieu bei pH 8,5 gewaschen, abermals mit Wasser gespült
und schließlich abgesäuert (Essigsäure).
[0023] Man erhält eine egale, echte Anthrazitfärbung der Wolle.
Beispiel 3
[0024] Ein Wollgewebe aus Schur-Wolle wird bei 100 Gew.-% Flottenaufnahme mit einer wäßrigen
Flotte von 20°C geklotzt, welche man durch Zusammendosieren der beiden nachstehend
angegebenen Stammlösungen I und II im Volumenverhältnis 1:1 herstellt, wobei dieselben
neben Wasser als weitere Bestandteile im einzelnen
(I) 60 g/1 des Farbstoffes Reactive Black 5 mit der C.I.-Nr. 20505 und 10 g/1 des
Netzmittels aus Beispiel 1,
(II) 290 cm3/1 Wasserglas von 38° Be und 40 cm3/1 Natronlauge 32,5 %ig (38° Be),
[0025] aufweisen. Im übrigen wird beim Klotzvorgang wie in Beispiel 1 verfahren. Die Verweilzeit
zur Farbstoff-Fixierung beträgt hier 24 Stunden.
[0026] Es resultiert unter den obigen Voraussetzungen eine etwas schwächere Anthrazitfärbung
als die gemäß Beispiel 2, was auf den Einsatz von chlorierter Wolle als Textilgut
im vorhergehenden Beispiel zurückzuführen ist.
Beispiel 4
[0027] Man verfährt zum Klotzen eines Woll-Jerseys, der mittels einer Polyiminharz-Auflage
filzfrei ausgerüstet ist, wie in Beispiel 3, verwendet jedoch dazu im vorliegenden
Fall folgende wäßrige Klotzflotten, welche entsprechend dem dort beschriebenen Verhältnis
vor der Applikationsoperation miteinander vermischt werden:
(I) 40 g/1 des Farbstoffes Reactive Red 4 mit der C.I.-Nr. 18105, 6 g/1 eines nichtschäumenden,
anionischen Netzmittelgemisches und 30 g/1 eines Klotzhilfsmittels auf Basis von Acrylsäureester-Copolymerisaten.
(II) 100 cm3/1 Wasserglas von 38° Bé und 100 cm3/1 Natronlauge 32,5 %lg (38° Bé).
[0028] Im Anschluß an die Verweilstufe von 12 Stunden, folgendem Spülen, nachheriger ammoniakalischer
Nachbehandlung sowie abschließendem Absäuern der Ware erhält man eine echte, Rotfärbung
des Woll-Jerseys.
1. Klotz-Kaltverweil-Verfahren zum Färben von Wolle mit Reaktivfarbstoffen, dadurch
gekennzeichnet, daß man das Fasermaterial mit die gelösten Reaktivfarbstoffe aufweisenden
wäßrigen Flotten bei einem pH-Wert zwischen 9 und 13 klotzt und sodann diese Klotzung
zwecks Farbstoff-Fixierung im feuchten Zustand 6 bis 24 Stunden bei Temperaturen bis
maximal 25°C, vorzugsweise im Bereich von Raumtemperatur, unter den hergebrachten
stark alkalischen Bedingungen verweilen läßt.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß man in den Klotzflotten
als Fixieralkali eine Mischung aus Natronlauge und Wasserglas im Verhältnis von 1:1
bis 1:10 sowie in Mengen von 5 g/1 bis 250 g/1 einsetzt.
3. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß man in den Klotzflotten
als Fixieralkali Natronlauge in Mengen von 5 g/1 bis 60 g/1 einsetzt.
4. Verfahren nach Anspruch 3, dadurch gekennzeichnet, daß die Klotzflotten noch zusätzlich
bis zu 50 g/1 Kochsalz oder Glaubersalz enthalten.
5. Verfahren nach einem oder mehreren der Ansprüche 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet,
daß die Klotzflotten keinen Harnstoff enthalten.
6. Verfahren nach einem oder mehreren der Ansprüche 1 bis 5, dadurch gekennzeichnet,
daß man durch Chlorierung vorbehandelte, oder mit einer Auflage aus einem Polyiminharz
oder einem Polyacrylharz versehene, filzarm oder filzfrei ausgerüstete Wolle färbt.