[0001] Zur Herstellung von Papier mit hoher Trockenfestigkeit und niedriger Naßfestigkeit
ist es bekannt, auf die Oberfläche von Papier verdünnte wäßrige Lösungen von synthetischen
Polymerisaten, die als Trockenverfestigungsmittel wirken, aufzutragen und das so imprägnierte
Papier zu trocknen. Die Mengen an Trockenverfestigungsmittel, die möglichst gleichmäßig
auf die Oberfläche des Papiers aufgebracht werden sollen, betragen in der Regel 0,1
bis 4 Gew.%, bezogen auf trockenes Papier. Geeignete Trockenverfestigungsmittel sind
beispielsweise aus der DE-PS 27 41 753 und den EP-Patentschriften 13969 und 36993
bekannt. Da die Trockenverfestigungsmittel auf einer verdünnten wäßrigen Polymerlösung
aufgetragen werden - im allgemeinen beträgt die Polymerkonzentration der Präparationslösungen
1 bis 10 Gew.% - ist beim folgenden Trocknungsprozeß eine beträchtliche Menge an Wasser
zu verdampfen. Der Trocknungsschritt ist daher sehr energieaufwendig. Die Kapazität
der üblichen Trocknungseinrichtungen an Papiermaschinen ist aber nicht so groß, daß
man bei der maximal möglichen Produktionsgeschwindigkeit der Papiermaschinen durch
Auftrag von wäßrigen Polymerlösungen Papiere mit verbesserter Trockenfestigkeit herstellen
kann. Die Produktionsgeschwindigkeit der Papiermaschinen muß vielmehr zurückgenommen
werden, damit das Papier in ausreichendem Maße getrocknet wird.
[0002] Eine Möglichkeit, die Produktionsgeschwindigkeit der Papierherstellung zu erhöhen,
besteht zwar darin, höher konzentrierte wäßrige Polymerlösungen auf die Oberfläche
des Papiers aufzutragen. In diesem Fall enthält das Papier jedoch auch eine höhere
Menge an Polymerisat, die aber nicht zu einer weiteren Verbesserung der Eigenschaften
des Papiers führt. Dieser Weg zur Herstellung von Papier mit hoher Trockenfestigkeit
ist daher schon aus wirtschaftlichen Gründen nicht gangbar. Eine andere Möglichkeit
ist darin zu sehen, die wäßrigen Polymerlösungen zu verschäumen und dann den Schaum
auf die Oberfläche des Papiers aufzutragen und den üblichen Trocknungsschritt anzuschließen.
Diese Verfahrensweise erfordert aber einen zusätzlichen Arbeitsgang und führt zu Papieren,
die das Polymerisat nicht homogen genug verteilt enthalten und die somit nicht die
optimale, mit einer bestimmten Polymerisatmenge erreichbare Festigkeit besitzen.
[0003] Aus der DE-A-28 43 612 ist ein Verfahren zur Herstellung von Papier nach dem Naßlegeverfahren
bekannt, bei dem man wenigstens 3 polymere Zusatzstoffe in der folgenden Reihenfolge
einem Papierstoff zusetzt :
(1) eine wäßrige Lösung oder Dispersion eines polykationischen wasserlöslichen oder
in Wasser dispergierbaren quatemären Salzes eines Polymerisats,
(2) einen Binderlatex und
(3) eine wäßrige Lösung eines polyanionischen hydrophilen wasserlöslichen Polymerisats,
wie beispielsweise Acrylsäurepolymerisate.
[0004] Aus dem so erhaltenen Papierstoff wird anschließend unter Entwässerung das Blatt
gebildet und getrocknet. Wesentlicher Gesichtspunkt bei diesem Verfahren ist, daß
man eine betächtliche Menge an Binderlatex (2) einsetzt, nämlich 10 bis 50 Gew.% an
Binderfeststoffen ausschließlich anderer polymerer Zusatzstoffe.
[0005] Aus der DE-B-11 76 990 ist ein Verfahren zur Erhöhung der Trockenfestigkeit von Faserstoffbahnen
bekannt, bei dem der Faserstoffbrei mit einer wäßrigen Dispersion eines nicht ionischen
Dispergiermittels und eines oder mehrerer linearer Polymerisate von Vinylverbindungen,
die Carbonxylgruppen und/oder Salze dieser enthalten, in Gegenwart einer oder mehrerer
polykationischer Stickstoffverbindungen behandelt wird. Vorzugsweise verwendet man
dabei 10 bis 50 Gew.% an carboxylgruppenhaligem Harz.
[0006] Aus der CA-PS 1 110 019 ist ein Verfahren zur Herstellung von Papier mit hoher Trockenfestigkeit
bekannt, bei dem man zum Papierstoff zunächst ein wasserlösliches kationisches Polymerisat,
z. B. Polyethylenimin, zugibt und danach ein wasserlösliches anionisches Polymerisat,
z. B. ein hydrolysiertes Polyacrylamid zufügt und den Papierstoff auf einer Papiermaschine
unter Blattbildung entwässert. Die anionischen Polymerisate enthalten bis zu 30 Mol.%
Acrylsäure einpolymerisiert. Da man das Trockenverfestigungsmittel bereits zum Papierstoff
zugibt, ist ein Oberflächenauftrag nicht mehr erforderlich, allerdings führen die
anionischen Polyacrylamide nach einer gewissen Laufzeit zu einer schlechteren Entwässerung
der Stoffsuspension und zu einem Verkleben der Filze der Papiermaschine.
[0007] Der vorliegenden Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, ein Verfahren zur Herstellung
von Papier mit hoher Trockenfestigkeit und möglichst niedriger Naßfestigkeit zur Verfügung
zu stellen, bei dem man gegenüber dem aus der CA-PS 1 110 019 bekannten Verfahren
Papiere mit verbesserter Trockenfestigkeit und im Fall des Einsatzes gebleichter Stoffe
Papiere mit höherer Weiße erhält.
[0008] Die Aufgabe wird erfindungsgemäß gelöst mit einem Verfahren zur Herstellung von Papier
mit hoher Trockenfestigkeit durch nacheinander erfolgende Zugabe von (A) wasserlöslichen
kationischen Polymerisaten und (B) wasserlöslichen anionischen Polymerisaten zum Papierstoff
und Entwässern des Papierstoffs unter Blattbildung, wenn man die Komponente (A) in
einer Menge von 0,01 bis 3 Gew.% und die Komponente (B) in einer Menge von 0,05 bis
3 Gew.%, jeweils bezogen auf trockenen Papierstoff, anwendet und daß man als Komponente
(B) Homopolymerisate von ethylenisch ungesättigten C
3- bis C
5-Carbonsäuren und/oder Copolymerisate mit einem K-Wert von jeweils 50 bis 250 (bestimmt
nach H. Fikentscher bei 20 °C in 5 %-iger wäßriger Kochsalzlösung und einer Polymerkonzentration
von 0,5 Gew.%) aus
(a) 35 bis 99 Gew.% ethylenisch ungesättigten C3- bis Cs-Carbonsäuren,
(b) 65 bis 1 Gew.% eines Aminds, Nitrils und/oder Esters einer ethylenisch ungesättigten
C3- bis C5-Carbonsäure
(c) 0 bis 15 Gew.% Styrol oder eines C1- bis C4-Alkylvinylethers, wobei die Summe der Gew.% im Copolymerisat jeweils 100 beträgt,
einsetzt.
[0009] Die kationischen Polymerisate werden dem Stoff zugesetzt, um die negativ geladenen
Cellulosefasern umzuladen. Als wasserlösliche kationische Polymerisate (A) kommen
beispielsweise folgende Verbindungsklassen in Betracht : Polyethylenimine, die in
10 %iger wäßriger Lösung bei einem pH-Wert von 7 eine Viskosität in dem Bereich von
5 bis 100, vorzugsweise 10 bis 40 mPas aufweisen (gemessen bei 20 °C, Rotationsviskosimeter,
20 U/min). Die Polymerisate können mit organischen Säuren wie Ameisensäure, Essigsäure
oder Propionsäure oder mit anorganischen Säuren, wie Salzsäure, Schwefelsäure oder
Phosphorsäure neutralisiert sein.
[0010] Als Komponente (A) eignen sich außerdem partiell bis vollständig hydrolysierte Homo-
und Copolymerisate des N-Vinylformamids. Der Hydrolysegrad des N-Vinylformamids in
diesen Polymerisaten beträgt mindestens 30 Mol.% und liegt vorzugsweise in dem Bereich
von 50 bis 100 Mol.%. Geht man beispielsweise von einem Homopolymerisat des N-Vinylformamids
aus und hydrolysiert zu 100 %, so erhält man ein Polyvinylamin. Copolymerisate des
N-Vinylformamids mit anderen Monomeren, z. B. Vinylacetat, Acrylnitril, Methacrylniytil,
Acrylamid und Methacrylamid können ebenfalls durch Einwirkung von Säuren oder Basen
hydrolysiert werden. Der Hydrolysegrad, der oben angegeben wurde, bezieht sich bei
den Copolymerisaten des N-Vinylformamids immer auf den Gehalt an N-Vinylformamid im
Copolymerisat. Bei der Verseifung von Copolymerisaten aus N-Vinylformamid und Vinylacetat
erhält man Polymerisate, die neben den Einheiten der diesen Polymerisaten zugrundeliegenden
Monomeren noch Einheiten von Vinylamin und Vinylalkohol aufweisen. Geeignete Homopolymerisate
des N-Vinylformamids und Copolymerisate des N-Vinylformamids mit anderen ethylenisch
ungesättigten Monomeren haben einen K-Wert (nach H. Fikentscher) von 50 bis 250 und
vorzugsweise von 100 bis 150. Der K-Wert der nichtverseiften und der verseiften" N-Vinylformamidpolymerisate
stimmt im Rahmen der Fehlergrenzen überein.
[0011] Als Komponente (A) eignen sich außerdem Homo- und Copolymerisate von N-Vinylimidazol
und N-Vinylimidazolin sowie deren Derivate. Die Copolymerisate enthalten mindestens
30 Gew.% N-Vinylimidazol oder N-Vinylimidazolin oder deren Derivate einpolymerisiert.
Als Comonomer eignen sich beispielsweise Acrylamid, Methacrylamid, Acrylnitril, Methacrylnitril,
Vinylpropionat, Vinylactat und Vinyl-C
1- bis C
4-alkylether (z. B. Vinylmethylether oder Vinylethylether). Als Derivate von N-Vinylimidazol
und N-Vinylimidazolin kommen beispielsweise jeweils die C
1- bis C3-alkylsubstituierten bzw. phenylsubstituierten Verbindungen in Betracht.
[0012] Die Polymerisate des N-Vinylimidazols und des N-Vinylimidazolins haben K-Werte (bestimmt
nach H. Fikentscher) von 50 bis 250 und vorzugsweise 100 bis 150.
[0013] Weitere wasserlösliche kationische Polymerisate (A) sind Polyamidoamine, die mit
Epichlorhydrin vernetzt sind. Geeignete Produkte dieser Art sind beispielsweise aus
der US-PS 2 926 116 bekannt. Sie werden hergestellt, indem man eine Dicarbonsäure,
wie Adipinsäure, mit einem Polyamin z. B. Diethylentriamin oder Tetraethylenpentamin
kondensiert und das dabei erhaltene Harz soweit mit Epichlorhydrin vernetzt, daß man
noch wasserlösliche Reaktionsprodukte erhält. Diese Polymeren haben in 10 Gew.%iger
wäßriger Lösung bei einer Temperatur von 20 °C eine Viskosität von 20 bis 200 mPas
(gemessen mit einem Rotations-Viskosimeter bei 20 U/min).
[0014] Zu dieser Gruppe von kationischen Polymeren gehören auch mit Ethylenimin gepfropfte
Polyamidoamine, die mit Epichlorhydrin oder gemäß der DE-PS2434816 mit Reaktionsprodukten
vernetzt sind, die durch Umsetzung der endständigen OH-Gruppen von Pölyalkylenoxiden
mit 8 bis 100 AlkylenoxidEinheiten (vorzugsweise Polyethylenoxiden) mit mindestens
äquivalenten Mengen Epichlorhydrin erhalten werden. Die Viskosität der mit Ethylenimin
gepfropften und vernetzten, wasserlöslichen Produkte beträgt - gemessen mit einem
Rotationsviskosimeter bei 20 U/min und 20 °C - 300 bis 2 500 mPas.
[0015] Außerdem eignen sich als kationische Polymerisate (A) Homopolymerisate von Diallyldi-C
1- bis C
3- alkylammoniumverbindungen und Diallylmono-C
i- bis C
3-aminen. Man kann entweder die freien Basen bzw. die Halogenide, insbesondere die
Chloride verwenden. Besonders geeignet sind Homopolymerisate von Diallyldimethylammoniumchlorid
und Diallyldiethylammoniumchlorid. Die Polymerisate dieser Stoffklasse haben K-Werte
(gemessen nach H. Fikentscher) von 50 bis 150, vorzugsweise von 100 bis 150.
[0016] Von den Verbindungen der Komponente (A) verwendet man vorzugsweise Polyethylenimine,
Polyvinylamine, die durch Hydrolyse von Homopolymerisaten des N-Vinylformamids oder
von Copolymerisaten aus N-Vinylformamid und Vinylacetat, Acrylamid oder Acrylnitril
hergestellt werden, wobei der Hydrolysegrad, jeweils bezogen auf einpolymerisiertes
N-Vinylformamid, mindestens 50 bis 100 Mol.% beträgt, und Polyvinylimidazol. Bezogen
auf trockenen Papierstoff setzt man 0,01 bis 3, vorzugsweise 0,1 bis 0,5 Gew.% einer
kationischen Verbindungen (A) ein. Es ist selbstverständlich auch möglich, eine Mischung
von 2 oder 3 verschiedenen kationischen Verbindungen bei dem erfindungsgemäßen Verfahren
einzusetzen. Sofern die kationischen Verbindungen (A) stark basisch sind, können sie
in teilweise oder vollständig mit einer Säure neutralisierten Form eingesetzt werden.
Der pH-Wert dieser Lösungen beträgt dann 6 bis 8, vorzugsweise 7 bis 7,5.
[0017] Als wasserlösliche anionische Polymerisate - Komponente (B) - verwendet man beispielsweise
Homopolymerisate von ethylenisch ungesättigten C
3- bis C
5-Carbonsaüren. Hierunter beispielsweise Homopolymerisate der Acrylsäure, Methacrylsäure,
Maleinsäure, hydrolysierte Homopolymerisate von Maleinsäureanhydrid und Itanconsäure.
Die genannten ethylenisch ungesättigten Carbonsäuren können mit anderen Monomeren
copolymerisiert werden. So eignen sich als Komponente (B) Copolymerisate aus (a) 35
bis 99 Gew.% ethylenisch ungesättigten C
3- bis C
s-Carbonsäuren, (b) 65 bis 1 Gew.% eines Amids, Nitrils und/oder eines Esters einer
ethylenisch ungesättigten C
3- bis C
5-Carbonsäure und (c) 0 bis 15 Gew.% Styrol oder eines C
1- bis C
4-Alkylvinylethers. Die Copolymerisate enthalten vorzugsweise (a) 40 bis 70 Gew.% einer
ethylenisch ungesättigten C
3- bis C
5-Carbonsäure, (b) 60 bis 30 Gew.% eines Amids, Nitrils und/oder eines Esters einer
ethylenisch ungesättigten Carbonsäure und (c) 0 bis 15 Gew.% Styrol oder eines C
1- bis C
4-Alkylvinylethers. Die Summe der Gewichtsprozente im Copolymerisat beträgt jeweils
100. Die Ester von ethylenisch ungesättigten C
s- bis C
s-Carbonsäuren der Komponente (b) der Copolymerisate leiten sich vorzugsweise von Alkoholen
mit 1 bis 4 Kohlenstoffatomen ab. Besonders bevorzugt als Komponente (B) sind Terpolymerisate
aus (a) 40 bis 70 Gew.% Acrylsaüre, (b
1) 10 bis 50 Gew.% Acrylamid und (b
2) 10 bis 50 Gew.% Acrylnitril. Die anionischen wasserlöslichen Polymerisate (B) haben
einen K-Wert (nach H. Fikentscher) von 50 bis 250 und vorzugsweise von 100 bis 150.
Der K-Wert für die Copolymerisate wird bestimmt bei 20 °C in 5 %iger wäßriger Kochsalzlösung
und einer Polymerkonzentration von 0,5 Gew.%. Der pH-Wert bei der Bestimmung der K-Werte
beträgt 7. Die anionische Komponente (B) wird in einer Menge von 0,05 bis 3, vorzugsweise
0,1 bis 1,0 Gew.%, bezogen auf trockenen Faserstoff angewendet. Das Gewichtsverhältnis
der Komponenten (A) zu (B) beträgt 1 : 0,5 bis 10 und liegt vorzugsweise in dem Bereich
von 1:2 bis 4. Die anionische Komponente kann in Form der freien Säuren bzw. in partiell
oder vollständig mit Basen neutralisierter Form zur Anwendung gelangen. Wichtig ist
hierbei lediglich, daß die partiell oder vollständig neutralisierten Polymerisate
in Wasser löslich sind. Als Basen kommen Alkali- und Erdalkalilaugen sowie Ammoniak
und Amine in Betracht, z. B. Natronlauge, Kalilauge, Calciumhydroxyd, Bariumhydroxid,
Ammoniak, Trimethylamin, Ethanolamin und Morpholin.
[0018] Nach dem erfindungsgemäßen Verfahren können alle bekannten Papier- und Kartonqualitäten
hergestellt werden, z. B. Schreib, Druck- und Verpackungspapiere. Die Papiere können
aus einer Vielzahl verschiedenartiger Fasermaterialien hergestellt werden, beispielsweise
aus Sulfit- oder Sulfat-Zellstoff in gebleichtem oder ungebleichtem Zustand, Holz-,
Schliff- oder Altpapier. Die Papierherstellung erfolgt in dem pH-Bereich von 4,5 bis
8, vorzugsweise bei pH-Werten von 6 bis 7. Zur Einstellung des pH-Wertes der Stoffsuspension
kann man Schwefelsäure oder Aluminiumsulfat verwenden. Vorzugsweise führt man das
erfindungsgemäße Verfahren in Gegenwart von nur geringen Aluminiumsulfatmengen durch.
Erfindungsgemäß gibt man zum Stoff zunächst die kationische Komponente (A), die für
eine Umladung der Cellulosefasern verantwortlich ist. Die Komponente (A) wird sehr
rasch auf den Fasern fixiert. Direkt danach oder auch nach einer gewissen Verweilzeit,
z. B. nach 1 bis 10 Minuten, fügt man eine oder mehrere Verbindungen gemäß (B) zum
Stoff, homogenisiert die Mischung und setzt gegebenenfalls weitere übliche Hilfsmittel
zu, wie Retentionsmittel, Entwässerungsmittel, Füllstoffe, Leimungsmittel, optische
Aufheller, Entschäumer, Farbstoffe, Stärke, Polyvinylalkohol, Carboxymethylcellulose
oder Mannogalactane - und bildet daran anschließend das Blatt auf einer Papiermaschine.
[0019] Gegenüber dem bekannten Verfahren beobachtet man bei Verwendung der anionischen Komponenten
(B) eine Verbesserung der Retention von Faser- und Füllstoffen sowie üblicher Hilfsmittel,
wie Stärke oder Carboxymethylcellulose bei allen Papierqualitäten. Ein weiterer Vorteil
bei Einsatz der anionischen Verbindungen (B) besteht in einer Verbeserung der Entwässerung
der Stoffsuspension und darin, daß die Filze der Papiermaschine auch bei längerer
Laufzeit nicht verkleben. Aufgrund dieser vorteilhaften Eigenschaften hat das erfindungsgemäße
Verfahren besondere Bedeutung für die Herstellung von Papier aus Altpapier. Bei der
Herstellung von gebleichten Papierqualitäten findet man eine deutlich höhere Weiße
des Papiers gegenüber den Verfahren des Standes der Technik.
[0020] Die in den folgenden Beispielen angegebenen Teile sind Gewichtsteile, die Prozentangaben
beziehen sich auf das Gewicht der Stoffe. Der K-Wert der Polymerisate wurde nach H.
Fikentscher, Cellulosechemie 13, 58-64 und 71-74 (1932) bei einer Temperatur von 200C
in 5 %igen wäßrigen Kochsalzlösungen bei einem pH-Wert von 7 und einer Polymerkonzentration
von 0,5 % bestimmt ; dabei bedeutet K = k. 103.
[0021] In den Laborversuchen wurden die Blätter in einem Rapid-Köthen Laborblattbildner
hergestellt. Die Trockenreißlänge wurde gemäß DIN 53 112, Blatt 1 und die Naßreißlänge
gemäß DIN 53 113, Blatt 2 bestimmt. Die Weiße der Papierblätter wurde mit Hilfe eines
Reflektionsfotometers (Elrefo-Gerät) nach DIN 53 145 bestimmt. Die Ermittlung des
CMT-Wertes erfolgte nach DIN 53 143, der Trockenberstdruck wurde nach DIN 53 141 ermittelt.
(Siehe Beispiel 1 Seite 5 f.)
Beispiel 1
[0022] Aus 100 % gemischtem Altpapier wurde eine 0,5%ige wäßrige Stoffsuspension hergestellt.
Der pH-Wert der Suspension betrug 7,2, der Mahlgrad des Stoffs 50° Schopper-Riegler
(SR). Die Stoffsuspension wurde dann in fünf gleiche Teile geteilt und unter den folgenden
Bedingungen zu Blättern einer Flächenmasse von 120 g/m
2 verarbeitet:
a) Vergleich
[0023] Aus der Stoffsuspension wurde ohne weitere Zusätze ein Blatt gebildet.
b) Vergleich
[0024] Zur Stoffsuspension gab man zunächst, bezogen auf trockenen Faserstoff, 0,25 % Polyethylenimin,
das in 10 %iger wäßriger Lösung eine Viskosität von 30 mPas hatte. 5 Minuten später
fügte man, bezogen auf trockenen Faserstoff, 0,5 % eines Copolymerisates aus 80 %
Acrylamid und 20 % Acrylsäure zu. Das Copolymerisat lag in Form des Natriumsalzes
vor und hatte einen K-Wert von 120. Nach einem guten Durchmischen und einer Verweilzeit
von 5 Minuten wurde das Blatt gebildet.
c) Vergleich
[0025] Zu der oben beschriebenen Stoffsuspension gab man, bezogen auf trockenen Faserstoff,
0,3 % Polyethylenimin wie bei b) und nach einer Verweilzeit von 5 Minuten 1,0 % des
anionischen Polyacrylamids gemäß b). Die Mischung wurde 5 Minuten gerührt und dann
unter Blattbildung entwässert.
d) Beispiel gemäß Erfindung
[0026] Zu einem weiteren Teil der oben angegebenen Stoffsuspension gab man, bezogen auf
trockenen Faserstoff, 0,25 % des Polyethylenimins, das gemäß b) verwendet wurde und
fügte nach einer Verweilzeit von 5 Minuten 0,5 %, bezogen auf trockenen Faserstoff,
eines Mischpolymerisats aus 50 % Acrylsäure und 50 % Acrylnitril in Form des Natriumsalzes
zu. Das Copolymerisat hatte einen K-Wert von 120. Nach einer Mischungszeit von 5 Minuten
wurde ein Papierblatt gebildet.
e) Beispiel gemäß Erfindung <
[0027] Zu einer Probe der oben beschriebenen Stoffsuspension gab man, bezogen auf trockenen
Faserstoff, 0,5 % des unter b) beschriebenen Polyethylenimins und fügte nach einer
Verweilzeit von 5 Minuten 1,0 % eines Copolymerisates aus 50 % Acrylsäure und 50 %
Acrylnitril zu. Nach einem Durchmischen von 5 Minuten wurde die so erhaltene Stoffsuspension
unter Blattbildung entwässert. Die Ergebnisse von Prüfungen, die an den jeweils gebildeten
Blättern vorgenommen wurden, sind in Tabelle 1 angegeben.

Beispiel 2
[0028] Aus 70 % gebleichtem Holzschliff und 30 % gebleichtem Buchensulfitzellstoff wurde
eine 0,5%ige wäßrige Stoffsuspension hergestellt, die einen pH-Wert von 7,5 und einen
Mahlgrad von 45° SR hatte. Die Suspension wurde in fünf gleiche Teile geteilt und
unter den nachstehenden Bedingungen zu Blättern mit einer Flächenmasse von 100 g/m
2 verarbeitet:
a) Vergleich
[0029] Die oben beschriebene Stoffsuspension wurde direkt zu einem Blatt verarbeitet.
b) Vergleich
[0030] Eine Probe der oben beschriebenen Stoffsuspension wurde, bezogen auf trockenen Faserstoff,
mit 0,3 % eines Polyethylenimins einer Viskosität von 50 mPas (gemessen bei einem
Feststoffgehalt von 10 % in wäßriger Lösung bei einem pH-Wert von 7) versetzt. Dadurch
erfolgte eine Umladung der Cellulosefasern. Nach einer Verweilzeit von 1 Minute fügte
man 0,9 % eines Copolymerisates aus 90 % Acrylamid und 10 % Acrylsäure zu. Das Copolymerisat
lag in Form des Ammoniumsalzes vor und hatte einen K-Wert von 90. Die Stoffsuspension
wurde noch 10 Minuten gerührt und anschließend unter Blattbildung entwässert.
c) Vergleich
[0031] Zu einer Probe der oben beschriebenen Stoffsuspension gab man, bezogen auf trockenen
Faserstoff, 0,3 % eine Homopolymerisates aus Dimethyldiallylammoniumchlorid mit einem
K-Wert von 90 und nach einer Verweilzeit von 1 Minute 0,9 %, bezogen auf trockenen
Faserstoff, des anionischen Polymerisats gemäß b) aus 90 % Acrylamid und 10 % Acrylsäure.
Nach einer Verweilzeit von 10 Minuten entwässerte man den so behaldelten Stoff unter
Blattbildung.
d) Beispiel gemäß Erfindung
[0032] Zu einer Probe der oben beschriebenen Stoffs gab man, bezogen auf trockenen Faserstoff,
0,3 % des oben unter b) beschriebenen Polyethylenimins und nach einer Verweilzeit
von 1 Minute 0,9 % eines Copolymerisats aus 50 % Acrylsäure, 30 % Acrylamid und 20
% Acrylnitril. Das Copolymerisat lag in Form des Ammoniumsalzes vor und hatte einen
K-Wert von 90. 10 Minuten nach Zugabe des anionischen Copolymerisates und nach einem
Durchmischen wurde der so behandelte Stoff unter Blattbildung entwässert.
e) Beispiel gemäß Erfindung
[0033] Zu einer anderen Probe des oben beschriebenen Stoffs gab man 0,3 %, bezogen auf trockenen
Faserstoff des gleichen Dimethyldiallylammonium chloridpolymerisates, wie im Versuch
c) hinzu und anschließend nach einer Minute Verweilzeit 0,9 %, bezogen auf trockenen
Faserstoff, des Copolymerisats aus 50 % Acrylsäure, 30 % Acrylamid und 20 % Acrylnitril
gemäß d). Die Mischung wurde dann 10 Minuten gerührt und anschließend sofort unter
Blattbildung entwässert. Von allen Blättern wurden die Festigkeitseigenschaften bestimmt.
Die dabei erhaltenen Ergebnisse sind in Tabelle 2 angegeben.

Beispiel 3
[0034] Aus 70 % gebleichtem Kiefernsulfatzellstoff und 30 % gebleichtem Birkensulfatzellstoff
wurde eine 0,5 %ige wäßrige Stoffsuspension hergestellt, die einen pH-Wert von 6,5
und einen Mahlgrad von 30 °SR aufwies. Diese Suspension wurde in 5 gleiche Teile geteilt
und jeweils wie folgt beschrieben zu Blättern mit einer Flächenmasse von 80 g/m
2 verarbeitet:
a) Vergleich
[0035] Die Stoffsuspension wurde ohne jeden weiteren Zusatz unter Blattbildung entwässert.
b) Vergleich
[0036] Zu einer Probe der oben beschriebenen Stoffsuspension wurde, bezogen auf trockenen
Faserstoff, 0,25 % eines Harzes zugesetzt, das durch Kondensation von Adipinsäure
mit Diethylentriamin und Vernetzen des Polyamidoamins mit Epichlorhydrin gemäß Beispiel
1 der US-PS 2 926 116 erhalten wurde. Nach einer Verweilzeit von 2 Minuten setzte
man 0,5 % eines Copolymerisats aus 80 % Acrylamid, 10 % Acrylnitril und 10 % Acrylsäure
zu. Das Copolymerisat lag in Form des Natriumsalzes vor und hatte einen K-Wert von
130. Nach einer Einwirkungszeit von 2 Minuten wurde die Stoffsuspension unter Blattbildung
entwässert.
c) Vergleich
[0037] Zu einem anderen Teil der oben beschriebenen wäßrigen Stoffsuspension fügte man,
bezogen auf trockenen Faserstoff, 0,25 % eines Polyvinylamins mit einem K-Wert von
140 und nach einer Einwirkungszeit von 2 Minuten außerdem noch 0,5 %, bezogen auf
trockenen Faserstoff, des gleichen Polymerisats aus 80 % Acrylamid, 10 % Acrylnitril
und 10 % Acrylsäure gemäß b). Nach einer Einwirkungszeit von 2 Minuten wurde die Stoffsuspension
unter Blattbildung entwässert.
d) Beispiel gemäß Erfindung
[0038] Zu einer Probe der oben beschriebenen wäßrigen Stoffsuspension fügte man, bezogen
auf trockenen Faserstoff 0,25 % des oben unter b) beschriebenen Epichlorhydrinharzes
und nach einer Verweilzeit von 2 Minuten außerdem noch 0,5 %, bezogen auf trockenen
Faserstoff, eines Copolymerisates aus 60 % Acrylsäure, 15 % Acrylnitril und 15 % Acrylamid.
Das Copolymerisat lag in Form des Natriumsalzes vor und hatte einen K-Wert von 130.
Nach einer Einwirkungszeit von 2 Minuten wurde auch diese Stoffsuspension unter Blattbildung
entwässert.
e) Beispiel gemäß Erfindung
[0039] Zu einer Proben der oben beschriebenen wäßrigen Stoffsuspension fügte man, bezogen
auf trockenen Faserstoff 0,25 % des oben unter c) beschriebenen Polyvinylamins und
nach einer Verweilzeit von 2 Minuten außerdem noch 0,5 %, bezogen auf trockenen Faserstoff,
des unter d) angegebenen Copolymerisats aus 60 % Acrylsäure, 15 % Acrylnitril und
15 % Acrylamid. Nach einer Einwirkungszeit von 2 Minuten wurde auch dieser Stoff unter
Blattbildung entwässert. Von allen oben hergestellten Papierblättem wurden die in
Tabelle 3 angegebenen Eigenschaften bestimmt.

Beispiel 4
[0040] Aus einem gemischten Altpapier wurde eine 0,5 %ige wäßrige Stoffsuspension hergestellt,
die einen pH-Wert von 7,5 und einen Mahlgrad von 45° SR hatte. Die Stoffsuspension
wurde dann in fünf gleiche Teile geteilt und unter den nachstehend angegebenen Bedingungen
zu Blättern eines Flächengewichts von 120 g/m
2 verarbeitet.
a) Vergleich
[0041] Aus der Stoffsuspension wurde ohne weiteren Zusatz ein Blatt gebildet.
b) Vergleich
[0042] Zu einer der oben beschriebenen Probe einer wäßrigen Stoffsuspension gab man zunächst
0,5 %, bezogen auf trockenen Faserstoff, eines Homopolymerisates von Vinylimidazol
mit einem K-Wert von 90 und nach einer Verweilzeit von 5 Minuten außerdem noch 1,0
%, bezogen auf trockenen Faserstoff eines Copolymerisates aus 85 % Acrylamid und 15
% Acrylsäure. Das Copolymerisat lag als Natriumsalz vor und hatte einen K-Wert von
130. Nach einer Einwirkungszeit von 1 Minute wurde diese Stoffmischung unter Blattbildung
entwässert.
c) Vergleich
[0043] Zu einer weiteren Probe der oben angegebenen Stoffsuspension fügte man, bezogen auf
trockenen Faserstoff, 0,5 % eines Polyvinylamins mit einem K-Wert von 110 und gab
nach einer Verweilzeit von 5 Minuten anschließend noch 1,0 %, bezogen auf trockenen
Faserstoff des Copolymerisats aus 85 % Acrylamid und 15 Acrylsäure gemäß Versuch b)
hinzu. Nach einer Einwirkungszeit von 1 Minute erfolgte die Entwässerung dieses Papierstoffs
unter Blattbildung.
d) Beispiel gemäß Erdindung
[0044] Zu einer weiteren Probe der oben beschriebenen Stoffsuspension gab man, jeweils bezogen
auf trockenen Faserstoff, 0,5 % des Vinylimidazolpolymerisats gemäß Versuch b) und
nach einer Verweilzeit von 5 Minuten, 1,0 % eines Copolymerisats aus 60 % Acrylsäure
und 40 % Acrylnitril zu. Das Copolymerisat lag in Form des Natriumsalzes vor und hatte
einen K-Wert von 130. Nach einer Einwirkungszeit von 1 Minute wurde auch der in dieser
Weise behandelte Papierstoff unter Blattbildung entwässert.
e) Beispiel gemäß Erdindung
[0045] Zu der verbliebenen Probe der oben beschriebenen Stoffsuspension gab man, jeweils
bezogen auf trockenen Faserstoff, 0,5 % des Polyvinylamins gemäß c) und nach einer
Einwirkungszeit von 5 Minuten 1,0 % des Copolymerisates auf 60 % Acrylsäure und 40
% Acrylnitril gemäß d) hinzu und entwässerte den Stoff nach einer Einwirkungszeit
von 1 Minute unter Blattbildung.
[0046] Die gemäß a) bis d) hergestellten Papierblätter wurden anschließend geprüft. Die
Meßergebnisse sind in Tabelle 4 angegeben.
