[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur Herstellung von 5-Fluortoluol-2,4-disulfochlorid
durch Chlorsulfonierung von 3-Fluortoluol.
[0002] Aus J. Pharm. Pharmacol. 12, 419 (1960) und J. Org. Chem. 27, 951 (1962) ist bekannt,
3-Fluortoluol mit Chlorsulfonsäure umzusetzen. Nachteilig bei diesem Verfahren sind
die ungenügenden Ausbeuten von ca. 50 % der Theorie und der eingesetzte große Überschuß
an Chlorsulfonsäure.
[0003] Es wurde nun ein Verfahren zur Herstellung von 5-Fluortoluol-2,4-disulfochlorid durch
Chlorsulfonierung von 3-Fluortoluol gefunden, das dadurch gekennzeichnet ist, daß
man zunächst das 3-Fluortoluol mit Chlorsulfonsäure und anschließend mit einem anorganischen
Säurechlorid bei Temperaturen von bis zu 130°C bis zum Ende der Gasentwicklung umsetzt,
dann das Reaktionsgemisch auf Temperaturen bis zu 200°C erhitzt und nach Beendigung
der Gasentwicklung bei tieferer Temperatur mit weiterem anorganischen Säurechlorid
umsetzt oder das 3-Fluortoluol mit starken Sulfonierungsmitteln bei erhöhter Temperatur
gegebenenfalls in Gegenwart von inerten Lösungs- und/oder Verdünnungsmitteln zur entsprechenden
Disulfosäure umsetzt und anschließend die Disulfosäure mit anorganischen Säurechloriden
behandelt.
[0004] Als anorganische Säurechloride kommen für das erfindun
gs-gemäße Verfahren in Frage: Thionylchlorid, Phosphortrichlorid, Phosphoroxychlorid,
Phosphorpentachlorid und/ oder Phosgen, bevorzugt Thionylchlorid.
[0005] Als starke Sulfonierungsmittel seien genannt: Oleum, S0
3, S0
3-Addukte, wie Pyridin-SO
3, und/oder Schwefelsäure, bevorzugt SO
3.
[0006] Die erfindungsgemäße Umsetzung des 3-Fluortoluols mit Chlorsulfonsäure und anschließend
mit einem anorganischen Säurechlorid wird vorteilhafterweise bei Temperaturen von
70 bis 130°C, bevorzugt bei Temperaturen von 90 bis 100°C durchgeführt. Dabei wird
im wesentlichen das entsprechende Monosulfochlorid gebildet. Nach Beendigung der Gasentwicklung
wird das Reaktionsgemisch vorteilhafterweise auf Temperaturen von 130 bis 200°C, bevorzugt
auf Temperaturen von 150 bis 170°C erhitzt. Nach Beendigung der Gasentwicklung wird
das Reaktionsgemisch abgekühlt, im allgemeinen auf Temperaturen von etwa 50 bis 130°C,
bevorzugt 70 bis 100°C, und mit weiterem anorganischen Säurechlorid umgesetzt (Variante
1).
[0007] Nach einer anderen Verfahrensvariante (Variante 2) wird das 3-Fluortoluol mit starken
Sulfonierungsmitteln bei Temperaturen im Bereich von etwa 50 bis 120°C, bevorzugt
90 bis 110
.C, gegebenenfalls in Gegenwart von inerten Lösungs- und/oder Verdünnungsmitteln zunächst
zur Disulfonsäure und anschließend mit anorganischen Säurechloriden zum entsprechenden
Disulfochlorid umgesetzt.
[0008] Als inerte Lösungs- und/oder Verdünnungsmittel kommen dabei vor allem in Frage: Schwefelsäure
und Chlorsulfonsäure, bevorzugt Chlorsulfonsäure.
[0009] Die inerten Lösungs- und/oder Verdünnungsmittel können sowohl einzeln als auch im
Gemisch untereinander eingesetzt werden. Die Menge der eingesetzten Lösungs- und/oder
Verdünnungsmittel ist nicht kritisch und kann in weiten Bereichen schwanken. Üblicherweise
wird eine Menge von etwa 20 bis 200, bevorzugt 30 bis 100 Gew.-%, bezogen auf 3-Fluortoluol,
eingesetzt.
[0010] Bei der erfindungsgemäßen Umsetzung wird die Chlorsulfonsäure im allgemeinen in einer
Menge von etwa 2 bis 5 Mol, bevorzugt 2 bis 2,5 Mol, pro Mol 3-Fluortoluol eingesetzt.
[0011] Die Menge an anorganischem Säurechlorid beträgt üblicherweise ca. 2 bis 4 Mol, bevorzugt
2 bis 3 Mol, pro Mol 3-Fluortoluol. Dabei wird bei der Variante 1 zunächst die Umsetzung
mit 0,5 bis 2 Mol, bevorzugt 1 bis 1,5 Mol, an anorganischem Säurechlorid pro Mol
3-Fluortoluol durchgeführt und dann nach Beendigung der Gasentwicklung das Reaktionsgemisch
mit weiterem anorganischen Säurechlorid (ca. 0,5 bis 2 Mol, bevorzugt 1 bis 1,5 Mol,
pro Mol 3-Fluortoluol) umgesetzt.
[0012] Die Menge der erfindungsgemäß eingesetzten starken Sulfonierungsmitteln beträgt im
allgemeinen etwa 2 bis 4 Mol, bevorzugt 2 bis 2,5 Mol, pro Mol 3-Fluortoluol.
[0013] Nach Beendigung der erfindungsgemäßen Umsetzung kann man zur Isolierung des 5-Fluortoluol-2,4-disulfochlorids
überschüssiges Thionylchlorid und Chlorsulfonsäure abdestillieren. Eine weitere Möglichkeit
zur Isolierung des Reaktionsprodukts ist das Eingießen der Reaktionsmischung in Eiswasser
und Absaugen des ausgefallenen Produkts. Zur Reinigung kann das Rohprodukt destilliert
oder aus einem geeigneten Lösungsmittel, z.B. Ligroin, umkristallisiert werden.
[0014] Nach dem erfindungsgemäßen Verfahren fällt das 5-Fluortoluol-2,4-disulfochlorid jedoch
in so hoher Reinheit an, daß es ohne weitere Reinigung direkt weiter verarbeitet werden
kann.
[0015] Der Vorteil des erfindungsgemäßen Verfahrens gegenüber dem Stand der Technik liegt
darin, daß in einer Ausbeute bis zu ca. 98 % der Theorie ein reines (bis zu 99,8 %),
isomerenfreies 5-Fluortoluol-2,4-disulfochlorid erhalten wird und durch den geringen
Sulfonierungsmittel-Überschuß kein unnötiges Abluft- und Abwasserproblem durch die
hydrolytische Aufarbeitung von überschüssigen Sulfonierungsmitteln entsteht bzw. ein
technisch aufwendiges Abdestillieren großer Mengen an Sulfonierungsmittel vermieden
wird.
[0016] Das erhaltene 5-Fluortoluol-2,4-disulfochlorid kann in bekannter Weise zu 2,4-Dichlor-5-fluorbenzotrichlorid
chloriert werden (vgl. DE-PS 234 913; Frdl. 10, 117) und durch partielle Hydrolyse
unter FeCl
3-Katalyse zu 2,4-Dichlor-S-fluorbenzoylchlorid weiter umgesetzt werden (vgl. Ullmanns
Encyclopädie der technischen Chemie, Band 8, Seite 373, 4. Auflage, 1974).
[0017] Das 2,4-Dichlor-5-fluorbenzoylchlorid stellt ein wertvolles Zwischenprodukt zur Herstellung
antibakterieller Arzneimittel, insbesondere von 1-Cyclopropyl-6-fluor-1,4-dihydro-7-(1-piperazinyl)-4-oxo-chinolincarbonsäure
der nachfolgenden Formel dar (siehe DE-OS 30 33 157):

Beispiele
Beispiel 1
[0018] Zu 876 g (7,25 Mol, 0,7 % Überschuß) Chlorsulfonsäure (Gehalt 96-97 %) tropft man
in 65 Minuten 396 g (3,60 Mol) 3-Fluortoluol. Man rührt eine Stunde bei 97-99°C, läßt
auf 89°C abkühlen und tropft 588 g (4,94 Mol) Thionylchlorid in 75 Minuten zu. Man
rührt 30 Minuten bei 90-95°C nach und heizt in 75 Minuten auf 160°C hoch. Nach dem
Ende der Gasentwicklung tropft man bei 78°C 402 g (3,38 Mol) Thionylchlorid in einer
Stunde zu. Bei 120°C rührt man bis zum Ende der Gasentwicklung. Überschüssiges Thionylchlorid
und etwas Chlorsulfonsäure werden abdestilliert. Beim Abkühlen kristallisiert das
Produkt aus. Ausbeute 1087 g, 98,3 % der Theorie, Reinheit 99,8 %.
Beispiel 2
[0019] Zu 146 g (1,824 Mol) S0
3 tropft man bei 50-80°C in 60 Minuten 99 g (0,899 Mol) 3-Fluortoluol. Man rührt eine
Stunde bei 106°C nach, gibt 25 ml Chlorsulfonsäure zu und tropft bei 80-90°C 248 g
(2,084 Mol) Thionylchlorid zu. Bei 120°C rührt man bis zum Ende der Gasentwicklung.
Die Aufarbeitung erfolgt wie in Beispiel 1. Ausbeute 268,5 g, 97,2 % der Theorie,
Reinheit 98,7 %.
1. Verfahren zur Herstellung von 5-Fluortoluol-2,4-disulfochlorid durch Chlorsulfonierung
von 3-Fluortoluol, dadurch gekennzeichnet, daß man zunächst das 3-Fluortoluol mit
Chlorsulfonsäure und anschließend mit einem anorganischen Säurechlorid bei Temperaturen
bis zu 130.C bis zum Ende der Gasentwicklung umsetzt, dann das Reaktionsgemisch auf Temperaturen
von bis zu 200°C erhitzt und nach Beendigung der Gasentwicklung bei tieferer Temperatur
mit weiterem anorgani- schen Säurechlorid umsetzt oder das 3-Fluortoluol mit starken Sulfonierungsmitteln
bei erhöhter Temperatur gegebenenfalls in Gegenwart von inerten Lösungs-und/oder Verdünnungsmitteln
zur entsprechenden Disulfosäure umsetzt und anschließend die Disulfosäure mit anorganischen
Säurechloriden behandelt.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß man das 3-Fluortoluol mit
Chlorsulfonsäure und anschließend mit einem anorganischen Säurechlorid bei Temperaturen
von 90 bis 100°C umsetzt.
3. Verfahren nach Ansprüchen 1 und 2, dadurch gekennzeichnet, daß man dann das Reaktionsgemisch
auf Temperaturen von 150 bis 170°C erhitzt.
4. Verfahren nach Ansprüchen 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, daß man als anorganische
Säurechloride Thionylchlorid, Phosphortrichlorid, Phosphoroxychlorid, Phosphorpentachlorid
undloder Phosgen einsetzt.
5. Verfahren nach Ansprüchen 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, daß man die Chlorsulfonsäure
in einer Menge von 2 bis 5 Mol pro Mol 3-Fluortoluol einsetzt.
6. Verfahren nach Ansprüchen 1 bis 5, dadurch gekennzeichnet, daß man pro Mol 3-Fluortoluol
2 bis 4 Mol an anorganischem Säurechlorid einsetzt.
7. Verfahren nach Ansprüchen 1 und 6, dadurch gekennzeichnet, daß man pro Mol 3-Fluortoluol
2 bis 4 Mol an starken Sulfonierungsmitteln einsetzt.
8. Verfahren nach Ansprüchen 1, 6 und 7, dadurch gekennzeichnet, daß man als starke
Sulfonierungsmittel Oleum, Schwefeltrioxid, Schwefeltrioxid-Addukte und/ oder Schwefelsäure
einsetzt.