[0001] Die vorliegende Erfindung betrifft ein Reet-Dacheindeckungselement, das aus einer
Vielzahl von etwa parallel neben- und übereinander angeordneten Kunststoffhalmen mit
spiralförmigem Querschnitt besteht, die in ihrem oberen Endbereich miteinander verbunden
sind.
[0002] Neben Dacheindeckungen aus echtem Reet oder Reed werden zunehmend solche aus mit
Kunststoff nachgeahmten Reethalmen erstellt, da letztere sowohl preisgünstiger als
auch haltbarer sind.
[0003] Aus der DE-PS 33 11 366 ist ein Kunststoffhalm mit einem spiralförmigen Querschnitt
bekannt, der für die Dacheindeckung in ähnlicher Weise verwendet wird, wie echtes
Reet, d. h. eine Anzahl von Halmen wird durch Bindungen sowohl gebündelt als auch
mit der Dachkonstruktion bzw. Dachfläche verbunden. Dieses traditionelle Dacheindeckungsverfahren
erfordert einen sehr hohen Arbeitsaufwand und ergibt eine wenig dauerhafte Verbindung
der durch die Bündelung gebildeten Reet-Dacheindeckungselemente mit der Dachkonstruktion
bzw. -fläche. Wegen der erforderlichen relativ großen Halmlängen kommt es bei starkem
Wind zu einem Anheben und Knicken oder Brechen von Halmen, was deren Lebensdauer und
damit die der gesamten Dacheindeckung verringert.
[0004] Um den genannten Nachteilen abzuhelfen, wurden verschiedene Reet-Dacheindeckungselemente
entwickelt, denen gemeinsam ist, daß sie eine feste Kunststoff-Grundplatte aufweisen,
auf der in unterschiedlicher Weise Kunststoffhalme zur Erzeugung eines Reetdach-Aussehens
befestigt sind. Zu nennen sind hier die DE-OS 20 53 642 und die DE-OS 32 24 758, in
denen eine stumpfe Verschweißung von Halmen und Grundplatte beschrieben ist, sowie
die DE-OS 19 25 494, die in eine auf die Grundplatte gebrachte Schaumschicht eingeschäumte
Halmenden beschreibt. Allen derartigen Elementen haftet der Nachteil eines sehr hohen
Herstellungs- und Materialaufwandes an, was zu hohen Kosten für eine derartige Dacheindeckung
führt.
[0005] Es stellt sich daher die Aufgabe, ein Reet-Dacheindeckungselement der eingangs genannten
Art zu schaffen, das die genannten Nachteile vermeidet und insbesondere einen geringen
Aufwand an Arbeit und Material sowohl bei der Herstellung als auch bei der Verlegung
erfordert, das Wasser gut aufnimmt und ableitet und windsicher und lange haltbar ist,
das ein geringes Flächengewicht hat und dessen optischer Eindruck dem eines echten
Reetdaches weitgehend gleicht.
[0006] Die Lösung dieser Aufgabe gelingt erfindungsgemäß durch ein Reet-Dacheindeckungselement
der eingangs genannten Art, bei dem die Halme in ihrem oberen Endbereich abgeflacht
und miteinander durch thermische Verschweißung verbunden sind. Durch die thermische
Verschweißung, die zweckmäßig bei gleichzeitigem Druck auf die Unter- und Oberseite
der oberen Endbereiche der das Element bildenden Halme erfolgt, ist auf einfachste
Weise eine dauerhafte Verbindung der Halmendbereiche untereinander geschaffen. Gleichzeitig
wird durch die Abflachung ein weitgehend glattflächiger und ebener obener Endbereich
des Elementes gebildet, der relativ formstabil und fest ist. Als Material für das
Element sind lediglich die Kunststoffhalme erforderlich, was eine wesentliche Vereinfachung
und Verbilligung der Fertigung bedeutet. Die Halme für ein Element müssen nur etwa
parallel in einer vorzugsweise durch ein Rechteck umgrenzten Form ausgerichtet und
in dieser Lage vor dem Verschweißen arretiert werden. Da keine Grundplatte benötigt
wird, ist das Flächengewicht des Elementes relativ gering.
[0007] Zur Stabilisierung der Verbindung der Halme untereinander und zur Vereinfachung der
Handhabung bei der Fertigung kann das Reet-Dacheindeckungselement einen unterliegenden
Träger aufweisen, der aus einem gitterförmigen Gewebe besteht und mit den Endbereichen
der Halme bzw. des Elementes durch thermische Verschweißung verbunden ist, wobei sich
der Träger zumindest über den Bereich der thermischen Verschweißung erstreckt. Durch
die Verschweißung von Träger und Element bzw. Halmen wird das Gewebe des Trägers wenigstens
teilweise vom Material des Elementes durchdrungen und ist so innig mit diesem verbunden.
Dadurch, daß mindestens ein Teil der Fasern des Gewebes des Trägers quer oder diagonal
zur Längsrichtung der Halme verläuft, wird ein Aufreißen des Elementes in Längsrichtung
der Halme weitgehend ausgeschlossen. Der Träger kann außerdem bei Überstand über das
Element zusätzlich für die Befestigung des Elementes auf einer Dachfläche herangezogen
werden.
[0008] Als Material für die Halme ist Hart-PVC bzw. schlagfestes Hart-PVC zweckmäßig, da
es die erforderlichen Eigenschaften - Steifigkeit, Wetterfestigkeit, Form- und Färbbarkeit
und Verschweißbarkeit - in sich vereinigt.
[0009] Vorteilhaft für einen möglichst natürlichen optischen Eindruck des Elementes wirkt
es sich aus, daß die Halme ungleichmäßig lang und an ihren freien Enden unregelmäßig
geformt sind. Diese Form der Halme kann z. B. mittels eines Durchtrennens von Halmbündeln
mit einer sehr groben Säge erzielt werden.
[0010] Zur weiteren Annäherung an ein natürliches Aussehen und zur Verbesserung der Wasseraufnahme-
und Wasserableitungsfähigkeit ist vorgesehen, daß die Halme auf ihrer Außenseite wenigstens
einen längs verlaufenden vorstehenden Steg oder Flügel aufweisen. Dies ergibt eine
größere Oberfläche der Halme und erhöht deren Widerstandsfähigkeit gegen Windknickung.
[0011] Schließlich ist zur Erzielung eines möglichst naturgetreuen Aussehens des Reetdaches
eine wechselnde Farbtönung innerhalb des Halmes nach Art des natürlichen Reets vorgesehen.
Dieser Farbtonwechsel kann relativ einfach durch wechselnde Farbstoffzugaben zur Kunststoffmasse
bei der Herstellung des Halmes erzeugt werden und ist damit sehr dauerhaft.
[0012] Die Verlegung des erfindungsgemäßen Reet-Dacheindeckungselement erfolgt vorteilhaft
in der Weise, daß das Element im Verschweißungsbereich mit der Dachfläche durch Nagelung
und/oder Klammerung verbunden wird. Dieses Verlegeverfahren ist einfach und schnell
durchzuführen und erfordert weder spezielle Kenntnisse noch besondere Werkzeuge. Da
der Verschweißungsbereich eines Elementes von den Halmen des nächstfolgenden Elementes
überdeckt wird, tritt weder der Verschweißungsbereich noch die Nagelung bzw. Klammerung
optisch störend in Erscheinung, sondern es ergibt sich das Bild einer homogenen Anordnung
von Halmen.
[0013] Eine größere Sicherheit gegen das Eindringen von Feuchtigkeit in die Dachkonstruktion
ergibt sich bei einer Verlegung der Reet-Dacheindeckungselemente unter Zwischenlage
einer Bitumenschicht oder bituminösen Schicht. Neben der besseren Dichtigkeit ergibt
sich hierbei noch ein stärkerer Halt der Elemente an der Dachfläche durch die Haft-
oder Klebewirkung der Bitumenschicht, wenn die Elemente verlegt,werden, bevor diese
Schicht erstarrt ist.
[0014] Ein weiterer Vorteil des erfindungsgemäßen Reet-Dacheindeckungselementes liegt darin,
daß es durch Erwärmung auf Temperaturen im Bereich der Erweichungstemperatur an Wölbungen,
Randungen und Biegungen der Dachfläche angepaßt werden kann. Hierdurch ist ein spannungsfreies
Verlegen der Elemente ohne optisch störende Knicke in der Reetdachfläche im Bereich
von abgewinkelten Dachflächen, Dachgauben o. ä. gewährleistet. Auch erlaubt dies die
Verwendung relativ großer und rationell zu fertigender und zu verlegender Elemente.
[0015] Ein Ausführungsbeispiel der Erfindung wird im folgenden anhand einer Zeichnung näher
erläutert. Es zeigen im einzelnen:
Figur 1 eine perspektivische Ansicht eines erfindungsgemäßen Reet-Dacheindeckungselementes
und
Figur 2 einen Halm des Reet-Dacheindeckungselementes im Querschnitt.
[0016] Wie Figur 1 zeigt, besteht das dargestellte Beispiel des Reet-Dacheindeckungselementes
1 aus einer Vielzahl von Halmen 2, die etwa parallel neben- und übereinander in Form
eines flachen Rechteckes angeordnet sind. In ihren oberen Endbereichen 21 sind die
Halme 2 abgeflacht und miteinander durch thermische Verschweißung verbunden. Hierdurch
wird ein weitgehend ebener, relativ dünner Verschweißungsbereich 5 gebildet, der von
einem Träger 3 unterlegt ist. Dieser Träger 3 ist ein gitterförmiges Gewebe, das ebenfalls
durch thermische Verschweißung mit dem oberen Endbereich 21 der Halme bzw. des Elementes
verbunden ist. Zweckmäßig erfolgen beide Verschweißungsvorgänge in einem Arbeitsgang.
Der über das Element 1 hinausragende Teil des Trägers kann bei der Herstellung zur
besseren Handhabung des Elementes dienen und bei der Verlegung zur Befestigung herangezogen
werden.
[0017] Die Halme 2 sind ungleichmäßig lang, wobei vorzugsweise die Länge der Halme 2 von
unten nach oben abnimmt. An ihren freien Enden 22 sind die Halme 2 unregelmäßig geformt.
[0018] Figur 2 schließlich zeigt einen Kunststoffhalm 2 für die Verwendung in dem erfindungsgemäßen
Reet-Dacheindeckungselement im Querschnitt. Die Grundform des Querschnitts ist eine
Spirale, die einer offenen Sechs ähnelt. Zusätzlich weist der Halm 2 an seiner Außenseite
25 etwa radial nach außen vorstehende Stege oder Flügel 4 auf. Diese Stege oder Flügel
4, im dargestellten Beispiel sind zwei angeordnet, dienen zu einer Vergrößerung der
Oberfläche des Halmes 2 und zu einer Erhöhung der Knickfestigkeit. Hierdurch und infolge
der geringeren erforderlichen Halmlängen ist das Reet-Dacheindeckungselement 1 und
damit ein hiermit eingedecktes Dach sehr unempfindlich gegen starken Wind.
1. Reet-Dacheindeckungselement, das aus einer Vielzahl von etwa parallel neben- und
übereinander angeordneten Kunststoffhalmen mit spiralförmigen Querschnitt besteht,
die in ihrem oberen Endbereich miteinander verbunden sind,
dadurch gekennzeichnet, daß die Halme (2) in ihrem oberen Endbereich (21) abgeflacht
und miteinander durch thermische Verschweißung verbunden sind.
2. Reet-Dacheindeckungselement nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß das Reet-Dacheindeckungselement
(1) einen unterliegenden Träger (3) aufweist, der aus einem gitterförmigen Gewebe
o. ä. besteht und mit den Halmen (2) bzw. dem Element (1) durch thermische Verschweißung
verbunden ist.
3. Reet-Dacheindeckungselement nach den Ansprüchen l und 2, dadurch gekennzeichnet,
daß die Halme (2) aus Hart-PVC bzw. schlagfestem Hart-PVC bestehen.
4. Reet-Dacheindeckungselement nach den Ansprüchen 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet,
daß die Halme (2) ungleichmäßig lang und an ihren freien Enden (22) unregelmäßig geformt
sind.
5. Reet-Dacheindeckungselement nach den Ansprüchen 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet,
daß die Halme (2) auf ihrer Außenseite (25) wenigstens einen längs verlaufenden vorstehenden
Steg oder Flügel (4) aufweisen.
6. Verfahren zur Verlegung des Reet-Dacheindeckungselementes nach den Ansprüchen 1
bis 5, dadurch gekennzeichnet, daß das Reet-Dacheindeckungselement (1) im Verschweißungsbereich
(5) mit der Dachfläche durch Nagelung und/oder Klammerung verbunden wird.
7. Verfahren nach Anspruch 6, dadurch gekennzeichnet, daß das Reet-Dacheindeckungselement
(1) unter Zwischenlage einer Bitumen-Schicht oder bituminösen Schicht mit der Dachfläche
verbunden wird.
8. Verfahren nach den Ansprüchen 6 und 7, dadurch gekennzeichnet, daß das Reet-Dacheindeckungselement
(1) durch Erwärmung auf Temperaturen im Bereich der Erweichungstemperatur an Wölbungen,
Randungen und Biegungen der Dachfläche angepaßt wird.
9. Reet-Dacheindeckungselement nach den Ansprüchen 1 bis 5, gekennzeichnet durch eine
wechselnde Farbtönung innerhalb des Halmes (2) nach Art des natürlichen Reets.