[0001] Die vorliegende Erfindung betrifft ein Verfahren zur Nachgerbung (Nachchromierung)
von Chromledern, bei dem Chrom-(III)-salze eingesetzt werden und eine sehr hohe Chromauszehrung
der Flotte erreicht wird.
[0002] Bei einer üblichen Nachchromierung werden die Chromleder gewaschen, mit einem Chrom(III)-salz,
evtl. in Gegenwart eines Syntans, behandelt und anschließend in neuer, beziehungsweise
der gleichen Flotte mit den bekannten säurebindenden Mitteln wie Natrium- oder Ammoniumbicarbonat,
Natriumformiat und anderen auf pH-Werte je nach Ledertyp zwischen 4 und 7 gestellt.
Bei diesen Verfahren wird häufig weniger als die Hälfte des angebotenen Chromgerbstoffes
vom Leder fixiert. Im Verlaufe der nachfolgenden Operationen wird ein weiterer Teil
des ungebundenen Chroms aus dem Leder herausgelöst (vgl. S.C. O'Connor, The Leather
Manufacturer 1984, 8, 20 - 29).
[0003] Es hat daher nicht an Versuchen gefehlt, die Chromauszehrung bei der Nachchromierung
zu verbessern.
[0004] So wurden beispielsweise Kombinationen von Chrom(III)-salzen, Natriumsulfit und einer
intermediär Formaldehyd freisetzenden heterocyclischen Verbindung eingesetzt (vgl.
S.C. O'Connor loc. cit.). Abgesehen von der aus ökologischen Gründen häufig nicht
erwünschten Anwesenheit von Formaldehyd muß bei diesem Verfahren zur Erzielung einer
hohen Auszehrung ein pH-Wert von beispielsweise 6,9 in der Flotte eingestellt werden.
pH-Werte in dieser Größenordnung sind jedoch nur bei der Neutralisation von durchzufärbenden
Möbel- beziehungsweise Bekleidungsledern üblich.
[0005] Bei Oberledern dagegen führen sie zu einer Beeinträchtigung von Narbenfestigkeit
und -feinheit (siehe auch US-PS 3 888 625).
[0006] Weiterhin wurde vorgeschlagen, zur Neutralisation von Nachchromierungen stark puffernde
Syntanmischprodukte in Kombination mit Magnesiumoxid einzusetzen (vgl. Wachsmann und
Hilzinger, Leder- und Häutemarkt 32 (1980), 188 - 191).
[0007] Auch bei diesem Verfahren muß auf einen pH-Wert von ca. 6 gestellt werden, um eine
Auszehrung von ca. 0,1 g Cr
2O
3/1 zu erhalten. Der hohe pH-Wert sowie die umständliche getrennte Zugabe der Produkte
haben jedoch eine weite Verbreitung der Methode bisher verhindert.
[0008] Daneben wurde versucht, die Chromauszehrung der Nachgerbflotten durch Zusätze von
Dicarbonsäuresalzen zu verbessern. Damit Chromausfällungen aufgrund der hohen Alkalinität
dieser Salze vermieden werden, müssen zusätzlich große Mengen an Maskierungsmitteln
angeboten werden, die jedoch ihrerseits einer guten Chromauszehrung entgegenwirken.
Hohe Mengen an vernetzenden Dicarbonsäuren und höhere End-pH-Werte als 4,0 führen
nach diesem Verfahren zu einer Beeinträchtigung der Narbenfeinheit und der Egalität
der Färbungen (Magerkurth u. Miller, The Leather Manufacturer 1981, 8, 10 - 31).
[0009] Es wurde nun gefunden, daß man die Auszehrung der Nachgerbflotten erheblich verbessern
kann, wenn die Chromleder mit Gemischen aus
a) Chrom(III)-salzen,
b) 1,0 - 2,5 Mol (pro Mol Cr203 des verwendeten Chrom-(III)-salzes), vorzugsweise 1,5 - 2,3 Mol aliphatischer Dicarbonsäuren
mit 4 - 6 C-Atomen beziehungsweise aromatischer Dicarbonsäuren mit 8 - 12 C-Atomen
und/oder deren Salzen,
c) solchen Mengen an Calciumcarbonat und/oder Dolomit sowie eventuell anderen Abstumpfmitteln,
daß sich unter Berücksichtigung der eingesetzten Dicarbonsäuren und Abstumpfmittel
eine theoretische Basizität des verwendeten Chromsalzes von 80 - 120 % einstellt,
wobei das Molverhältnis der übrigen Abstumpfungsmittel zu Calciumcarbonat und/oder
Dolomit 0-3 : 1 beträgt sowie
d) 150 - 250 g (pro Mol Cr203 des verwendeten Chromgerbstoffes) eines synthetischen organischen Gerbstoffes (Syntan)
beziehungsweise einer Syntanmischung
nachgegerbt werden.
[0010] Gegenstand der vorliegenden Erfindung ist somit ein Verfahren zum Nachgerben von
Chromledern, welches dadurch gekennzeichnet ist, daβ die Nachgerbung mit einem Gemisch
bestehend aus
a) Chrom(III)-Salzen,
b) 1,0 - 2,5 Mol (pro Mol Cr203 des verwendeten Chrom-(III)salzes) aliphatischer Dicarbonsäuren mit 4-6 C-Atomen
bzw. aromatischer Dicarbonsäuren mit 8-12 C-Atomen und/oder deren Salzen
c) solchen Mengen an Abstumpfmitteln, um eine theoretische Basizität des verwendeten
Chrom(III)-salzes von ca. 80-120 % einzustellen und
d) 150-250 g (pro Mol Cr203 des verwendeten Chrom(III)-salzes) eines oder mehrerer synthetischer Gerbstoffe (Syntan)
durchgeführt wird.
[0011] Die Nachgerbung erfolgt dabei zweckmäßig bei Flottenlängen von über 100 X (bezogen
auf Falzgewicht) und Flottentemperaturen von 35-55°C über einen Zeitraum von 1,5 bis
4 Stunden bei End-pH-Werten von über 4,0. Das Cr
20
3-Angebot beträgt 0,3-1,0 % (bezogen auf Falzgewicht), vorzugsweise 0,4 - 0,6 % (bezogen
auf Falzgewicht).
[0012] Als Chrom(III)-salze für die Nachgerbung eignen sich die üblichen für die Chromgerbung
einsetzbaren Chrom(III)-salze, insbesondere Chrom(III)-sulfate, basische Chrom(III)-sulfate,
ferner mit organischen Säuren, zum Beispiel Ameisensäure oder Essigsäure, maskierte
Chrom(III)-salze, Chromgerbstoffe, die neben Chrom(III)-salzen noch anorganische Salze,
wie Natriumsulfat, enthalten oder Umsetzungsprodukte von sechswertigen Chromverbindungen
mit Reduktionsmitteln.
[0013] Aliphatische Dicarbonsäuren mit 4 bis 6 C-Atomen sind zum Beispiel Berneteinsäure,
Glutarsäure, Adipinsäure, Maleinsäure, Fumarsäure, Asparaginsäure, Glutaminsäure oder
deren Gemische. Bevorzugt werden Glutarsäure und Adipinsäure oder Gemische dieser
Säuren, gegebenenfalls mit weiteren anderen Dicarbonsäuren, eingesetzt.
[0014] Aliphatische Dicarbonsäuren mit 4 bis 6 C-Atomen, die eine Hydroxygruppe in alpha-Stellung
zur Carboxylgruppe und/ oder die Sulfonsäuregruppen enthalten, sollen nur bis zu etwa
1/3 der insgesamt verwendeten Dicarbonsäuremengen mitverwendet werden.
[0015] Aromatische Dicarbonsäuren mit 8 bis 12 C-Atomen sind solche der Benzol- und Naphthalinreihe,
die neben den Carboxylgruppen noch Hydroxy-, Amino- oder Nitrogruppen und/ oder Halogenatome
enthalten können. Bevorzugt werden Phthalsäure und Isophthalsäure eingesetzt.
[0016] Die Carbonsäuren können sowohl in Form von freien Säuren, in Form von Gemischen der
freien Säuren und den Salzen solcher Carbonsäuren, als auch allein in Form der Salze,
zweckmäßig der Alkalimetallsalze, angewendet werden.
[0017] Als synthetische organische Gerbstoffe können anionische aromatische Syntane (vgl.
Ullmanns Encyklopädie der technischen Chemie, Verlag Chemie, Weinheim, 4. Auflage,
Band 16 (1978), S. 138-139), aromatische Syntane aus Ligninsulfonaten (vgl. Ullmann,
loc. cit., S. 139), Harzgerbstoffe (vgl. Ullmann, loc. cit. S. 142-143) Polymer-Gerbstoffe
(Ullmann, loc. cit. S. 144) bzw. deren Mischungen eingesetzt werden.
[0018] Geeignete Syntane sind beispielsweise Naphthalinsulfonsäure-Formaldehyd-, Diarylethersulfonsäure-Formaldehyd-,
Polyphenylsulfonsäure-Formaldehyd-, Phenolsulfosäure-Formaldehyd-, Naphthalinsulfonsaure-4,4'-Dihydroxydiphenylsulfon-Formaldehyd-Kondensate,
Polyphenylsulfonsäuren, Ligninsulfosäuren sowie deren Mischungen.
[0019] Ebenfalls geeignet als synthetische organische Gerbstoffe sind Eiweißhydrolysate
(vgl. K.Faber, Bibliothek des Leders, Band 3, Umschau-Verlag, Franktfurt am Main,
S. 236).
[0020] Vorzugsweise werden Dicyandiamid-Formaldehyd-Kondensate sowie deren Mischungen mit
anionischen Dispergiermitteln auf Basis Ligninsulfonat beziehungsweise Naphthalinsulfonsäure
verwendet.
[0021] Als abstumpfende Mittel - neben Calciumcarbonat und/oder Dolomit - eignen sich Alkali-
bzw. Ammoniumcarbonate sowie Magnesiumoxid.
[0022] Bevorzugt werden Magnesiumoxid oder Natriumbicarbonat beziehungsweise deren Mischungen
eingesetzt.
[0023] Unter Dolomit wird das mineralische Doppelsalz CaC0
3 . MgC0
3, das einen Gehalt von 20-40 X CaO, vorzugsweise 25-35 X Ca0 und einen MgO-Gehalt
von 10-25 %, vorzugsweise 16-24 % MgO, aufweist, verstanden.
[0024] Die Zugaben von Calciumcarbonat und/oder Dolomit und den übrigen abstumpenden Mitteln
richten sich nach der Basizität der verwendeten Chromsalze sowie dem Neutralisationsgrad
der eingesetzten Dicarbonsäuren. Sie sind so zu bemessen, daß unter Berücksichtigung
der Dicarbonsäuren beziehungsweise ihrer Salze, des Calciumcarbonates und/oder Dolomit
und der übrigen abstumpfenden Mittel die resultierende theoretische Basizität des
Chromsalzes 80 - 120 % beträgt.
[0025] Die Berechnung der Gesamtbasizität sei an folgendem Beispiel erläutert:
[0026]

[0027] Bei dem erfindungsgemäßen Verfahren werden die in der üblichen Weise chromgegerbten,
abgewelkten und gefalzten Wet-blues vorzugsweise ohne vorheriges Waschen in der beschriebenen
Weise nachgegerbt. Im Anschluß an die Nachgerbung kann man die Leder bei Bedarf durch
Zugabe von entsäuernden Mitteln in der gleichen oder in neuer Flotte weiter abstumpfen.
Sie werden dann in der üblichen Weise gefärbt, eventuell mit Vegetabilgerbstoffen
und/oder Syntanen nachgegerbt, gefettet etc.
[0028] Für das erfindungsgemäße Verfahren eignen sich sämtliche übliche Chromledersorten
aus Großviehhäuten oder Kleintierfellen unter Einschluß der entsprechenden Spaltleder.
[0029] Die Verwendung von Gemischen aus Chrom(III)-salzen, säurebindenden Mitteln und aliphatischen
beziehungsweise aromatischen Dicarbonsäuren wurde bereits früher beschrieben (vgl.
De-AS 24 24 300 und DE-AS 24 24 301). Die Gemische wurden hierbei jedoch nicht zur
Nachgerbung von Wet-blues, sondern zur Chromgerbung von Bloßen verwendet. Die Bedingungen
der Gerbung (Cr
20
3-Angebot: mindestens 1,2 X, Flottenlänge: max. 100 %, bezogen auf Blößengewicht) unterscheiden
sich jedoch grundlegend von denen der erfindungsgemäßen Nachgerbung.
[0030] Der Wert des Verfahrens besteht darin, daß es bei einer sehr einfachen Arbeitsweise
zu egal gefärbten, vollen, weichen, feinnarbigen und narbenfesten Ledern führt und
gleichzeitig eine hohe Chromauszehrung der Nachgerbflotten bewirkt. Die Restflotten
weisen je nach Flottenlänge, Laufzeit und Temperatur Chromoxidgehalte von weniger
als 0,5 g Cr
20
3/1 auf.
[0031] Es war nicht vorhersehbar, daß durch den gemeinsamen Einsatz der erfindungsgemäßen
Stoffe die Auszehrung so stark verbessert wird, ohne daß es trotz des Einsatzes von
mindestens 1,5 Mol Dicarbonsäuren pro Mol Cr
20
3 des verwendeten Chromsalzes und End-pH-Werten der Restflotte von oberhalb 4,0 zu
einer Beeinträchtigung von Narbenfeinheit und Narbenfestigkeit der Leder sowie der
Egalität der Färbung kommt.
[0032] Anhand der folgenden Beispiele soll das erfindungsgemäße Verfahren noch näher erläutert
werden (X-Angaben sind Gew.-%):
Beispiel 1
[0033] Nachgerbung von chromgegerbten, gefalzten Rind- bzw. Kalbledern (End-pH-Wert der
Chromgerbung: 3,6)

[0034] Flotte ablassen

[0035] Man erhält Leder, die sich durch eine egale, tiefe Färbung, einen weichen, vollen
Griff und durch eine hervorragende Narbenfestigkeit und -glätte auszeichnen.
[0036] * Der verwendete Chrom-Syntan-Mischgerbstoff besitzt folgende Zusammensetzung.
[0037]

Beispiel 2
[0038] Verfahren wie in Beispiel 1 beschrieben. Statt mit Wasser von 50°C wird die Nachgerbung
mit Wasser einer Temperatur von 60°C durchgeführt.
[0039] Der Cr
20
3-Gehalt der Nachgerbflotte beträgt 0,1 g/l.
[0040] Die erhaltenen Leder sind identisch mit den nach Beispiel 1 hergestellten.
Beispiel 3
[0041] Verfahren wie in Beispiel 1 beschrieben. Der Syntananteil des Mischgerbstoffes besteht
aus 140 Gew.-T1. eines handelsüblichen Hilfsgerbstoffes auf Basis Ditolylether-sulfosäure.
[0042] Cr
20
3-Gehalt der Nachgerbflotte: ca. 0,25 gil, pH-Wert: 4,6.
[0043] Die Leder besitzen eine etwas hellere Färbung als die nach Beispiel 1 hergestellten.
Ansonsten sind sie in allen Eigenschaften vergleichbar.
Beispiel 4
[0044] Verfahren wie in Beispiel 1. Statt des dort angegebenen Chrom-Syntan-Gerbstoffes
werden, bezogen auf Cr
2O
3, 0,5 % der Produkte I-III eingesetzt.
[0045] Zusammensetzung (in Gew.-T1.):

Beispiel 5;
[0046] Verfahren wie in Beispiel 1 beschrieben. λnstelle des dort verwendeten Chrom-Syntan-Gerbstoffes
werden 0,5 % (bezogen auf Cr
20
3) der Produkte IV-VI eingesetzt.
[0047] Zusammensetzung (in Gew.-Tl.)
[0048]

Beispiel 6:
[0049] Nachgerbung wie beschrieben in Beispiel 1. Anstelle von 0,5 % (bezogen auf Chromoxidgehalt
des Mischproduktes) werden 0,4 % (bezogen auf Chromoxidgehalt des Mischproduktes)
eingesetzt.

Beispiel 7:
[0050] Nachgerbung wie in Beispiel 1. Anstelle von 0,5 % (bezogen auf Chromoxidgehalt des
Mischproduktes) werden 0,6 X (bezogen auf Chromoxidgehalt des Mischproduktes) angeboten.
[0051]

Beispiel 8:
[0052] Nachgerbung wie in Beispiel 1. Anstelle der dort verwendeten Syntankomponente werden
gleiche Mengen eines handelsüblichen synthetischen organischen Gerbstoffes auf Basis
einer Mischung von Diphenyl- und Terphenylsulfonsäure angeboten.
[0053] Die Leder besitzen eine tiefere Färbung als die nach Beispiel 1 erhaltenen.
[0054] Die Auszehrung der Flotte bleubt unverändert.
Beispiel 9
[0055] Nachgerbung einen Möbelleder-Wetblue (End-pH-Wart der Chromgerbung: 4,1; Falzstärke
1,0 - 1,1 mm)
[0056]

Anschließend wird nach einer für Möbelleder üblichen Rezeptur nachgegerbt, gefärbt
und gefettet.
[0057] Leder auf Bock, ausrecken, naß spannen, klimatisieren, stollen, millen, spannen.
[0058] Man erhält Möbelleder, die sich durch einen weichen, vollen Griff, eine egale, tiefe
Färbung und ein feines Millkorn auszeichnen.
Beispiel 10
[0059] Nachgerbung wie Beispiel 1, nur, daß anstelle des dort verwendeten Chrom-Syntan-Gerbstoffes
4,5 X (bezogen auf Falzgewicht) der folgenden Mischung eingesetzt werden:

[0060] Der End-pH-Wert der Nachgerbflotte beträgt 4,9 und der Cr
20
3-Gehalt 0,2 gll.