[0001] Die Erfindung betrifft ein Sicherheitsüberströmventil mit den Merkmalen des Oberbegriffes
des Patentanspruches 1.
[0002] In konventionellen Kraftwerken wird neuerdings als Verbindung vom Überhitzeraustritt
am Hochdruckteil des Dampferzeugers und dem Zwischenüberhitzereintritt eine Überströmstation
eingesetzt, die gleichzeitig als Sicherheitseinrichtung dienen soll. Diese Überströmstation
hat mehrere Aufgaben zu erfüllen. So ist der Dampfdruck von der Hochdruckschiene zur
Mitteldruckschiene der Kesselanlage geregelt zu reduzieren. Dieser teilentspannte
Dampf ist auf die Temperatur am Zwischenüberhitzereintritt abzukühlen. Schließlich
ist ein Überschreiten des Kesselkonzessionsdruckes zu verhindern.
[0003] Es sind sogenannte Dampfumformventile bekannt (DE-PS 19 45 035, DE-PS 25 44 970),
die zur Druck- und Temperaturreduzierung von Dampf dienen. Diese Dampfumformventile
weisen einen als Parabol- oder Lochkegel ausgebildetes Drosselorgan für den Dampf
auf. Gleichzeitig ist eine Spritzwasserleitung vorgesehen, die mit in mehreren Ebenen
übereinander angeordneten Einspritzbohrungen verbunden ist. Dabei sind das Drosselorgan
und die Einspritzbohrungen so miteinander funktionell verknüpft, daß der durch die
jeweilige Stellung des Drosselorgans freigegebene Querschnitt der Einspritzbohrungen
dem freigegebenen Dampfregelquerschnitt angepaßt ist. Bei den bekannten Dampfumformventilen
erfolgt die Spritzwasserzuführung von unten und innerhalb eines engen Raumes, in dem
außerdem hohe Dampfgeschwindigkeiten herrschen. Wegen dieser Enge des Raumes ist
die für die Verdampfung zur Verfügung stehende Oberfläche gering. Außerdem lassen
die hohen Dampfgeschwindigkeiten kein Durchdringen der Wasserteilchen bis zur Mitte
des Dampfstrahles zu.
[0004] Die bekannten Dampfumformventile weisen keinen von unten mit Druck beaufschlagten
Absperrkegel auf, wie er grundsätzlich bei Sicherheitsventilen verlangt und eingesetzt
wird. Wegen des von unten zugeführten Spritzwassers sind daher die bekannten Dampfumformventile
nicht ohne weiteres mit einer Sicherheitseinrichtung zu versehen.
[0005] Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, ein Sicherheitsüberströmventil der gattungsgemäßen
Art derart zu gestalten, daß gleichzeitig eine Druck- und Temperaturreduzierung möglich
ist, wobei das Spritzwasser in bestmöglicher Weise in den Dampfstrom einzubringen
ist.
[0006] Diese Aufgabe wird bei einem gattungsgemäßen Sicherheitsüberströmventil durch die
kennzeichnenden Merkmale des Patentanspruches 1 gelöst. Vorteilhafte Ausgestaltungen
der Erfindung sind in den Unteransprüchen angegeben.
[0007] Bei dem erfindungsgemäßen Sicherheitsüberströmventil erfolgt die Spritzwasserzuführung
von oben, so daß die Anordnung eines von unten mit Druck beaufschlagten Absperrkegels
möglich wird. Damit kann das Ventil die Funktion einer Sicherheitseinrichtung in Verbindung
mit einer Druck- und Temperaturreduzierung erfüllen. Die Einspritzung des Wassers
erfolgt in der Weise, daß eine große Oberfläche bereitgestellt wird, über die das
Wasser in den Strom des erst teilweise entspannten Dampfes eindringt. Dadurch findet
eine gleichmäßige Verdampfung des Wassers statt. Bei geringer Dampfmenge und nur wenig
angehobenem Absperrkegel wird gemäß den Merkmalen des Patentanspruches 3 das Spritzwasser
in die Nähe des Ventilsitzes zugeführt.
[0008] Ein Ausführungsbeispiel der Erfindung ist in der Zeichnung dargestellt und wird
im folgenden näher erläutert. Es zeigen
Fig. 1 den Längsschnitt durch ein Ventil gemäß der Erfindung, wobei in der linken
Bildhälfte die geschlossene und in der rechten Bildhälfte die offene Ventilstellung
gezeigt ist,
Fig. 2 die Abwicklung des Lochkegels,
Fig. 3 die Abwicklung des Lochkorbes und
Fig. 4 den Schnitt IV - IV nach Fig. 3 bzw. die Einzelheit Z nach Fig. 1.
[0009] Das Sicherheitsüberströmventil ist in der Dampfleitung des Hochdruckteiles einer
Kesselanlage angeordnet. Es enthält ein Gehäuse 1, das durch einen mit Hilfe von Schrauben
2 befestigten Deckel 3 geschlossen ist. Das Gehäuse 1 weist einen Dampfeintrittsstutzen
4 und einen Dampfaustrittsstutzen 5 auf. Der Ventilsitz ist durch eine Sitzbuchse
6 gebildet und wird durch einen Absperrkegel 7 freigegeben bzw. geschlossen. Der Absperrkegel
7 ist an einer axial verstellbaren Spindel 8 befestigt, die durch den Deckel 3 hindurchgeführt
ist. Auf die Spindel 8 wirkt die Andrückkraft, die durch eine Hydraulik aufgebracht
wird und die dem Druck des von unterhalb des Absperrkegels 7 anstehenden Dampfes entgegengerichtet
ist.
[0010] Der Absperrkegel 7 ist auf der dem Dampfeintrittsstutzen 4 zugewandten Seite mit
einem als Hohlzylinder ausgebildeten Lochkegels 9 verbunden. Der Lochkegel 9 ist
lose in der Sitzbuchse 6 geführt und mit Durchtrittsbohrungen 10 versehen, die gemäß
Fig. 2 in mehreren Ebenen übereinander angeordnet und über den Umfang verteilt sind.
Bei einem Anheben der Spindel 8 aus der Schließstellung (linke Bildhälfte der Fig.
1) in die Offenstellung (rechte Bildhälfte der Fig. 1) gelangen zunehmend mehr Durchgangsbohrungen
10 aus der Überdeckung mit der Sitzbuchse 6 heraus. Damit wird der Weg für den Dampf
freigegeben, der bei der Durchströmung der Durchgangsbohrungen 10 von innen nach außen
in einer ersten Stufe entspannt wird.
[0011] Eine weitere Druckreduzierung findet beim Durchgang des Dampfes durch einen Lochzylinder
11 statt, der mit radialem Abstand von dem Lochkegel 9 zwischen dem Dampfeintrittsstutzen
4 und dem Dampfaustrittsstutzen 5 in dem Gehäuse 1 angeordnet ist. Dem dargestellten
Lochzylinder 11 können weitere Lochzylinder nachgeschaltet sein.
[0012] Auf der dem Dampfeintrittsstutzen 4 abgewandten Seite ist der Absperrkegel 7 mit
einem als Hohlzylinder ausgebildeten Lochkorb 12 verbunden. Der Lochkorb 12 enthält
in seinem unteren Teil Durchgangsbohrungen 13, die in mehreren Ebenen übereinander
angeordnet und über den Umfang verteilt sind (Fig. 3). Oberhalb der Durchgangsbohrungen
13 weist der Lochkorb 12 einen geschlossenwandigen Abschnitt 14 auf.
[0013] Der Lochkorb 12 umschließt ein Führungsstück 15, durch das die Spindel 8 hindurchgeführt
ist. Das Führungsstück 15 ist mit axialen Bohrungen 16 versehen, die über einen oberen
Ringraum 17 und zwei Bohrungen 18 im Deckel 3 mit Stutzen 19 verbunden sind, die an
einer Zuleitung für Spritzwasser angeschlossen sind. Die axialen Bohrungen 16 enden
in einem zum Lochkorb 12 offenen, unteren Ringraum 20. Die Höhe des unteren Ringraumes
20 ist geringer als die Höhe des geschlossenwandigen Abschnittes 14 des Lochkorbes
12. Das Führungsstück 15 und der Lochkorb 12 sind so zueinander angeordnet, daß in
der Schließstellung des Ventils der geschlossenwandige Abschnitt 14 des Lochkorbes
12 den unteren Ringraum 20 verschließt. Bei einem Anheben der Spindel 8 kommen zunehmend
mehr Durchgangsbohrungen 13 mit dem unteren Ringraum 20 in Verbindung, so daß das
Wasser in den Strom des Dampfes eindringen kann, der beim Durchtritt durch den Lochkegel
9 in den vom Lochzylinder 11 umschlossenen Raum teilweise entspannt ist.
[0014] Bei einer Betätigung des Sicherheitsüberströmventiles entsprechend den Anforderungen
der Kesselanlage wird der Lochkegel 9 zusammen mit dem Lochkorb 12 nach oben bewegt,
so daß dadurch die einzelnen Durchgangsbohrungen 10, 13 sowohl am Lochkegel 9 für
den Dampf als auch am Lochkorb 12 für die Wassereinspritzung freigegeben werden.
Auf diese Weise kann die Anzahl der Durchgangsbohrungen 13 im Lochkorb 12 und damit
der Strömungsquerschnitt in Abhängigkeit vom Hub variiert werden, so daß die Wassergeschwindigkeit
und damit die Relativgeschwindigkeit zum Dampf an der Einspritzstelle über die gesamte
Betriebskennlinie des Sicherheitsüberströmventils groß ist. Das Wasser wird über eine
große Oberfläche fein verteilt und mit hoher Geschwindigkeit nahe am expandierenden
Dampfstrom eingespritzt. Es kann sich damit mit dem Dampfstrom optimal vermischen
und verdampfen.
[0015] Der Lochkorb 12 ist zusätzlich zu den Durchgangsbohrungen 13 mit mehreren achsparallen,
an beiden Enden geschlossenen Bohrungen 21 versehen. Das obere Ende jeder achsparallelen
Bohrung 21 ist mit einer radialen Bohrung 22 verbunden, die nur zum Führungsstück
15 hin offen ist. Am unteren Ende jeder achsparallelen Bohrung 21 sind eine oder mehrere
Einspritzlöcher 23 vorgesehen, die zum Ventilinnenraum hin offen sind. Bei einem
geringen Hub der Spindel 8 wird zunächst eine Verbindung zwischen dem unteren Ringraum
20 des Führungsstückes 15 und der radialen Bohrung 22 hergestellt und dadurch durch
die achsparallele Bohrung 21 und die Einspritzlöcher 23 Wasser nahe am Ventilsitz
der Dampfmenge beigemischt. Damit wird auch bei geringen Dampfmengen eine für eine
optimale Durchmischung ausreichend hohe Relativgeschwindigkeit des Wassers zum Dampf
erreicht.
1. Sicherheitsüberströmventil für Dampf, das ein Gehäuse (1) mit einem Dampfeintrittsstutzen
(4), einem Dampfaustrittsstutzen (5) und einem Ventilsitz enthält, der durch einen
entgegen der Schließkraft angeströmten und mit einer axial verstellbaren Spindel
(8) verbundenen Absperrkegel (7) verschließbar ist, dadurch gekennzeichnet, daß der
Absperrkegel (7) auf der dem Dampfeintrittsstutzen (4) zugewandten Seite mit einem
Lochkegel (9) und auf der abgewandten Seite mit einem Lochkorb (12) verbunden ist,
die als Hohlzylinder ausgebildet sind und die in mehreren Ebenen übereinander über
den Umfang verteilte Durchgangsbohrungen (10, 13) aufweisen und daß der Lochkorb (12)
oberhalb der Durchgangsbohrungen (13) einen geschlossenwandigen Abschnitt (14) aufweist
und ein Führungsstück(15)dichtend umschließt, das mit einem Spritzwasseranschluß
verbunden ist.
2. Sicherheitsüberströmventil nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß das Führungsstück
(15) konzentrisch zur Spindel (8) angeordnet ist und axiale Bohrungen (16) aufweist,
die am unteren Ende in einem zum Lochkorb (12) hin offenen Ringraum (20) enden, dessen
Höhe geringer ist als die des geschlossenwandigen Abschnittes (14) des Lochkorbes
(12).
3. Sicherheitsüberströmventil nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, daß
der Lochkorb (12) zusätzlich zu den Durchgangsbohrungen (13) achsparallele Bohrungen
(21) aufweist, die am oberen Ende mit innenliegenden radialen Bohrungen (22) und am
unteren Ende mit zum Ventilinnenraum offenen Einspritzlöchern (23) in Verbindung
stehen.