[0001] Viele Bekleidungsstücke aus echtem Pelz können in organischen Lösungsmitteln wegen
einer zu starken Entfettung nicht ohne Gefahr einer Schädigung gereinigt werden. Aus
diesem Grunde wird die meiste Pelzbekleidung nach dem sogenannten Läuterungsverfahren
behandelt. Nach dieser Methode werden die getragenen und verschmutzten Pelze zusannen
mit Lösemittel-getränkten Hartholzspänen in einer rotierenden Läutertrommel bewegt.
Durch Berührung der Pelzhaare mit den Spänen wird diesen der Schmutz entzogen, wobei
der mechanische Abrieb die Schmutzentfernung unterstützt. Nach dem Läutern von etwa
20 Minuten werden die Pelzbekleidungsstücke in eine Schütteltonne umgeladen und von
den anhaftenden Holzspänen befreit. Die Schüttelzeit beträgt je nach Haarlänge 20-30
Minuten. Allerdings bleibt ein Teil dieses Reinigungsmittels nach dem Schütteln in
Taschen und Futtern zurück und muß von Hand entfernt werden. Bei kurzhaarigem Pelzwerk,
z.B. Persianer, besteht außerdem die Gefahr, daß diese Pelzfelle durch zu hohe Lösemittelaufnahme
zu stark entfettet und infolge der Gewichtszunahme während ihrer Bewegung in der rotierenden
Trommel geschädigt werden. Ein weiterer Nachteil ist, daß die verschmutzen Hartholzspäne
nicht mehr verwendet werden können, also nach einmaliger Behandlung verworfen werden
müssen. Da dieses Material noch Lösemittel enthält, ist die Entsorgung ein echtes
Problem. Verschmutzte Futterstoffe müssen vor dieser Prozedur mit Wasser oder einer
wäßrigen Tensidlösung angesprüht werden. Bei starker Verschmutzung muß das Futter
aus den Bekleidungsstück herausgetrennt und gesondert in einer Reinigungsmaschine
mit Lösemittel gereinigt werden. Das beschriebene Reinigungsverfahren ist demnach
zeitaufwendig und mit viel Handarbeit und Entsorgungsproblemen verbunden.
[0002] Aufgabe der Erfindung ist es, ein Verfahren zu entwickeln, bei dem die Pelzbekleidung
ebenso schonend, bzw. noch schonender im Vergleich zu den bekannten Läuterungsverfahren
behandelt, aber schneller und wirkungsvoller gereinigt wird.
[0003] In dem Fachbuch "Leder, Pelze, Kunstleder und ihre Reinigung" von R. Mari und E.
Bockelmann 1973, Seiten 29 und 30 wird ein von der Fa. Kreussler weiterentwickeltes
Läuterverfahren für Velourleder mit geringer Verschmutzung beschrieben. Danach reinigt
man die Lederbekleidung mit Polyurethan-Schwämmen (Größe 10 x 10 cm), die etwa ein
Viertel des Trommelvolumens füllen und mit Perchlorethylen (Tetrachlorethen) sowie
mit Lickeröl getränkt werden. Angaben über die Eigenschaften dieser Schwämme, z.B.
über Lösemittelaufnahne, Lösemittelretentlon in Abhängigkeit von der Zeit sowie über
die Abriebfestigkeit und Stauchhärte fehlen jedoch.
[0004] Gegenstand der Erfindung ist ein Verfahren zur Reinigung von Pelzen und Leder, indem
man diese Materialien mit Formstücken aus offenzelligem Polyurethanschaum mit einem
Raumgewicht von 60 bis 120 kg/m
3 behandelt, wobei diese Formstücke mit Halogenkohlenwasserstoffen getränkt sind.
[0005] Der offenzellige Polyurethanschaum wird erhalten durch Umsetzung von Gemischen aus
Polyalkylenglykolen mit einem Äquivalentgewicht von 200 bis 2000 und Polyhydroxylverbindungen
mit einem Äquivalengewicht von 30 bis 100 mit Isocyanatgruppen aufweisenden Voraddukten
aus Polyisocyanaten und Polyalkylenglykolen mit einem Äquivalentgewicht von 50 bis
500 vorzugsweise 300.
[0006] Die erfindungsgemäß verwendeten Polyalkylenglykole werden in üblicher Weise hergestellt
durch Addition von Alkylenoxiden an Verbindungen mit mindestens zwei aktiven Wasserstoffen.
Beispiele hierfür sind Ethylenglykol, 1,2-Propandiol, 1, 6-Hexandiol, Glycerin, Trimethylolpropan,
Pentaerythrit oder Sorbit. Als Alkylenoxide kommen in Frage Ethylenoxid, Propylenoxid
oder Butylenoxid oder deren Gemische. Bei Gemischen von Alkylenoxiden können die Polyalkylenglykole
als Blockpolymere vorliegen oder die Alkylenoxide sind in statistischer Verteilung
addiert. Das Molekulargewicht der Polyalkylenglykole kann in weiten Grenzen schwanken,
es wird so eingestellt, daß das oben angegebene Äquivalentgewicht von 200 bis 2000
eingehalten wird. Bevorzugt sind Polyalkylenglykole mit einem Äquivalentgewicht von
300 bis 1000 mit mehr als 50 Mol% an primären Hydroxylgruppen. Die Polyalkylenglykole
werden zusammen mit solchen Polyhydroxylverbindungen eingesetzt, die ein Äquivalentgewicht
von 30 bis 100 haben. Typische Beispiele hierfür sind Ethylenglykol,Diethylenglykol,
1,4-Butylenglykol, Glycerin und Trimethylolpropan.
[0007] Die erfindungsgemäß eingesetzte Isocyanatkomponente ist ein Diisocyanat, das mit
einem Polyethylenglykol modifiziert ist. Das Polyethylenglykol besitzt ein Äquivalentgewicht
von 50 bis 500, vorzugsweise von 300. Beispiele von geeigneten Isocyanaten sind Toluylendiisocyanat,
Hexamethylendiisocyanat, Diphenylmethandiisocyanat, Polyphenylpolymethylenpolyisocyanat
und Mischungen davon. Das bevorzugte Isocyanat ist Toluylendiisocyanat, das in seiner
isomeren 2,4-Form oder 2,6-Form oder als Mischung der beiden isomeren Formen vorliegen
kann. Eine geeignete Isomerenmischung enthält ungefähr 80% 2,4-Isomer und 20% 2,6-Isomer,
wobei andere Verhältnisse ebenfalls mit Erfolg verwendet werden können. Die Menge
an Isocyanat, die zugegeben wird, sollte den restlichen Komponenten, die in der Reaktionsmischung
vorhanden sind, so angepaßt sein, daß der Isocyanat-Index, d.h. das Verhältnis zwischen
Isocyanatgruppen und Hydroxyl- gruppen, das in der Mischung vorhanden ist, ungefähr
0,85 zu 1,25, bevorzugt 1,00 zu 1,10, beträgt. Andere Ausgangsmaterialien, die im
Rahmen der Erfindung verwendet werden, wie Schäummittel und Katalysatoren, sind die
gleichen, wie bei üblichen flexiblen Urethanschäunen. Gegebenenfalls kann zusätzlich
ein Schaumstabilisator, ein feuerfester Zusatz usw., zugegeben werden. Beispiele für
Schäummittel sind Wasser und fluorierte Kohlenwasserstoffe wie Trichlorfluormethan
und Dichlordifluormethan. Beispiele für den Katalysator sind Amino-Verbindungen wie
Trimethylamin, Dimethylbenzylamin, N-Ethylmorpholin, Triethylendiamin (und sein Ameisensäuresalz),
Dimethylpiperazin, 1,2-Dimethylimidazol, Dimethylaminoethanol, Diethanolamin, Triethanolamin,
Diethylaminoethanol, 1,8-Diazabicyclo (5,4,0) - undecen-7 (und sein Phenolsalz) und
Zinnverbindungen wie Dibutylzinndilaurat und Zinnoctoat. Beispiele für die SchauMstabilisatoren
sind Silikone und andere oberflächen aktiven Mittel.
[0008] Zur Herstellung der Polyurethanschäume aus den oben genannten AusgangsMaterialien
wird keine spezielle Technik benötigt, die sich von der bekannten Herstellung von
üblichen flexiblen Urethanschäumen unterscheidet. Die Zellbildung und entsprechend
die Dichte des Polyurethanschaums werden reguliert, indem man auf übliche Weise die
Menge an zugefügtem Wasser und anderen Treibmitteln wie Trichlorfluormethan oder Methylenchlorid
einstellt. Es werden daher die Ausgangsstoffe gemäß der Erfindung in der richtigen
Reihenfolge, in den geeigneten Mengen bei Raumtemperatur oder erhöhter Temperatur
zusammengemischt und das erhaltene Gemisch geschäumt.
[0009] Die im Rahmen der vorliegenden Erfindung geeigneten Polyurethanschäume sollen ein
Raumgewicht von 60 bis 120 kg/m
3 haben. Höhere Raumgewichte sind auch möglich aber in der Herstellung unwirtschaftlich.
Der Polyurethanschaum wird in Formstücke geeigneter Größe zerschnitten. Die Formstücke
sind vorzugsweise kugel- oder würfelförmig und haben ein Volumen von 15 bis 1000,
insbesondere 100 bis 200 ml. Diese Formstücke oder Schwämme werden dann in einer üblichen
Reinigungsmaschine mit einem genügend großen Trommelinhalt mit einem Fluor- oder Chlorkohlenwasserstoff
getränkt, beispielsweise mit Trichlorfluormethan, 1,1,2-Trichlor-1,2,2-trifluorethan,
Tetrachlorethen oder Dichlormethan. Die Menge dieser Lösungsmittel bezogen auf die
Polyurethan-Schwämme, beträgt etwa 100 bis 300%. Anschließend wird zu den so imprägnierten
Schwämmen das zu reinigende Material zugegeben und man läßt dieses Material zusammen
mit den Schwämmen genügend lange in der Reinigungsmaschine rotieren. Der Füllfaktor
(kg Ware: Trommelvolunen) richtet sich nach der Art des zu reinigenden Materials.
Bei Kurzhaar- und Halbrauchpelzen (z.B. Nerz, Waschbär) sowie bei Pelzen mit veloutierter
Abseite oder Nappa]anzurichtung liegt dieser Füllfaktor bei 1:20 bis 1:30, bei Vollrauch-
und Langhaarpelzen (z.B. Mongolin-Lämmer, kanadische Rotfüchse, Edelfüchse) bei 1:50
bis 1:80.
[0010] Zur Verstärkung des Reinigungseffektes können mit der Ware zähharte Schwämme und
zur Verbesserung des Warenausfalls können dem Lösemittel Hilfsmittel wie Reinigungsverstärker,
Avivage, Glanzmittel, Hydrophobier- und Oleophobiermittel, Mottenschutz-und Rückfettungsmittel
sowie Konditioniermittel zugegeben werden. Die Ware soll im Laufe der Reinigungszeit
nicht mehr als 30% ihres Eigengewichtes aufnehmen. Die Reinigungszeit, während der
das Behandlungsgut in der rotierenden Trommel bewegt wird, hängt vom Verschmutzungsgrad
und der Art des zu reinigenden Materials ab und beträgt erfahrungsgemäß etwa 10 bis
20 Minuten. Anschließend wird die Ware abgeschleudert und die abgeschleuderte Reinigungsflotte
in den Destillierbehälter bzw. in den Vorratstank abgepumpt. Daran schließt sich die
Trocknung an, während der bei einer Temperatur zwischen 15 und 45°C (gemessen an Trommelausgang
im Gasraum) das Lösemittel zurückgewonnen wird. Nach beendeter Trocknung können Ware
und Schwämme trocken und geruchsfrei der Trommel entnommen werden. Es ist zweckmäßig,
die Schwämme vor der Trocknung der Ware mit einer besonderen Vorrichtung aus der Trommel
in einen Behälter abzusaugen. Die angeschmutzten Schwämme werden je nach Verschmutzungsgrad
von Zeit zu Zeit in einem Lösemittelbad der Reinigungsmaschine gereinigt, so daß sie
wieder verwendet werden können.
[0011] Während dieser Reinigungsoperation geben die Schwämme der erfindungsgemäßen Qualität
auch bei unterschiedlicher Stauchung nur einen Teil des aufgesaugten Lösemittels an
das Reinigungsgut ab. Diese Lösemittelmenge reicht aus, den Schmutz in der Ware zu
lösen. Die Schmutzentfernung geschieht durch die Reibung des Reinigungsgutes an der
Oberfläche der Lösemittel-haltigen Schwämme, die den abgelösten Schmutz aufnehmen.
Durch Zugabe von Tensiden, Fettungsmitteln usw. können der Reinigungsausfall, die
Geschmeidigkeit des Leders und das Aussehen des Pelzhaares verbessert werden.
[0012] Da das Pelzwerk bei der Behandlung in einer Lösemittelflotte auch bei Zugabe von
Fettungsmitteln aufgrund seiner besonderen Zurichtung zu stark entfettet wird und
dabei geschädigt werden kann, muß bei der Reinigung in der Trommel ein Material zugesetzt
werden, das eine besondere Affinität zu dem Lösemittel besitzt. Ein solches Material
dient also als Lösemittelpuffer. Die erfindungsgemäß verwendeten Polyurethanschäume
mit dem angegebenen Raumgewicht geben weniger als 20 % der aufgenommenen Lösemittelmenge
an die zu reinigende Ware ab, dadurch wird eine Schädigung von empfindlichem Textil-und
Ledermaterial durch zu starke Extraktion vermieden.
[0013] Dieses Reinigungsverfahren eignet sich sowohl für Leder-und Pelzbekleidung als auch
für andere Arten von Textilien, die bei der Behandlung in einem Lösemittelbad geschädigt
werden. Hierzu gehören z.B. Kleidungsstücke aus Weich-PVC, dessen Weichmacher von
den in der Textilreinigung verwendeten Lösemitteln weitgehend extrahiert wird, wodurch
der Stoff hart, spröde und rissig wird. Weiterhin eignet sich dieses Verfahren auch
für die Entfettung von Pelzfellen während des Zurichtprozesses.
Beispiel 1 (Vergleichsbeispiel)
[0014] 100 Gew.-Teile einer Glycerin/Propylenoxid/Ethylenoxid-Additionsverbindung (mittleres
Molekulargewicht 3500, Hydroxylzahl 47, Anteil primärer Hydroxylgruppen 20 Mol-%)
wurden mit 2,5 Gew.-Teilen Wasser, 0,8 Gew.-Teilen Schaumstabilisator auf Polysiloxanbasis,
0,36 Gew.-Teilen einer Mischung aus 33 Gew.-% Triethylendiamin und 67 Gew.-% Dipropylenglykol,
0,18 Gew.-Teilen Zinn-(II)-octoat und 35 Gew.-Teilen Toluylendiisocyanat innig vermischt
und in einer Papierform aufgeschäumt. Es resultiert ein typischer weichelastischer
Schaumstoff mit einem Raumgewicht von 39 kg/m
3.
Beispiel 2
[0015] 100 Gew.-Teile einer Glycerin-Propylenoxid-Ethylenoxid-Additionsverbindung von mittlerem
Äquivalentgewicht 450 (Hydroxyzahl = 125) mit einem Anteil an primären Hydroxyl-Gruppen
von 60 Mol-x, 8 Gew.-Teile 1,4-Butandiol, 0,5 Gew.-Teile Wasser, 10 Gew.-Teile Trichlorfluormethan,
0,5 Gew.-Teile Schaumstabilisator (®Tegostab B 4113 der Goldschmidt AG), 0,6 Gew.-Teile
einer 33 %igen Lösung von Triethylendiamin in Dipropylenglykol, 0,05 Gew.-Teile Dibutyl-Zinn-dilaurat
wurden mit einem Reaktionsprodukt aus 72 Gew.-% Toluylendiisocyanat 80/20 und 28 Gew.-%
Polyethylenglykol von mittleren Molekulargewicht 600 innig vermischt und in einer
vorbereiteten Papierform zur Aufschäumung gebracht. Nach Abschluß des Aufschäumens
wird der Schaum in einem Ofen bei 70°C über 15 Minuten gehärtet, der abgekühlte Schaum
in entsprechend kleine Teile geschnitten. Es resultiert ein offenporiger weichelastischer
Schaumstoff mit einem Raumgewicht von 90
kg/
M3.
[0016] Weitere erfindungsgemäße Schwämme von unterschiedlicher Stauchhärte können gemäß
folgender Beispiele 3 bis 6 hergestellt werden, wobei in gleicher Weise wie bei Beispiel
2 gearbeitet wurde. Die in Tabelle 1 zusammengefaßten Rezepturen basieren auf folgenden
Rohstoffen:
A = Verzweigtes Polyol der OH-Zahl 75 mit Handelsnamen Tercarol L 200 (Lieferant Carbochim,
B - 7340 Tertre)
B = 1,4-Butandiol
C = Glycerin
D = Wasser
E = 33 %ige Lösung von Triethylendiamin in Dipropylenglykol
F = (R)Tegostab B 4113 (Lieferant Goldschmidt AG, D - 4200 Essen)
G = Dibutylzinndilaurat
H = Dibutylzinndiversatat
K = Trichlorfluormethan
L = Reaktionsprodukt aus 72 Gew.-% Toluylendiisocyanat 80/20 und 28 Gew.-% Polyethylenglykol
vom mittleren Molekulargewicht 600

[0017] In der folgenden Tabelle 2 wird gezeigt, daß je nach Rezeptur ein unterschiedlich
hoher "Verformungsdruck" der Schwämme resultiert, was sich aus den Meßwerten der Stauchhärte
von 10 bis 50 % Verformung zeigt. Je nach Art des zu reinigenden Materials kann die
entsprechende Schaunhärte gewählt werden, wobei zur Erreichung des Reinigungseffektes
sich die Schwämme bis zu 50 % verformen dürfen. Der progressive Verformungsdruck von
10 % auf 50 % ist dabei von Vorteil
- einmal für die schonende Reinigungswirkung bei Reibung und geringer Verformung
- zum anderen für die Belastbarkeit der Schwämme ohne deren vollständige Zusammendrückung,
was den Austritt des Lösemittels aus den Schwämmen zur Folge hätte.
[0018] Im Gegensatz zu den erfindungsgemäßen Schäumen ist der normale Polyurethan-Weichschaum
gemäß Beispiel 1 kaum progressiv hinsichtlich des Verformungsdruckes, denn schon im
Lastbereich von 10 % Verformung, bei der die Reinigungswirkung durch die Reibungskräfte
beginnen kann, ist auch eine Verformung von 50 % möglich, was den Austritt von Lösemittel
aus dem Schwamm begünstigen würde und schädlich wäre für das Reinigungsgut.

[0019] Die besondere Eignung des Polyurethan-Schaumstoffs mit dem angegebenen Raumgewicht
für die Reinigung von Pelzen soll an folgendem Versuch demonstriert werden. Drei verschiedene
Materialien wurden auf ihre Affinität zu den Lösemitteln Trichlorfluormethan (Figur
1), 1,1,2-Trichlor-1,2,2-trifluorethan (Figur 2) und Tetrachlorethen (Figur 3) untersucht:
1. Sägemehl in der Qualität, wie es zum Läuterungsverfahren für die Pelzreinigung
verwendet wird.
2. Typischer Polyurethan-Weichschaum, hergestellt gemäß Beispiel 1 (Vergleichsbeispiel),
3. Offenzelliger Polyurethan-Weichschaum, hergestellt gemäß Beispiel 2 (erfindungsgemäßer
Schaum).
[0020] Die Verteilung der Lösemittel zwischen diesen Trägermaterialien und Pelz wurde im
(R)Linitest mit Hochtemperatur-Einsatzbehältern folgendermaßen untersucht:
1. Versuchsmaterial 1/2 Stunde im Trockenschrank bei 20°C trocknen und 1/2 Stunde
im Exsikkator abkühlen.
2. Pelzstückchen aus Persianerfell mit den Abmessungen von 5 x 5 cm und ein Säckchen
mit 10 Stahlkugeln in verschraubbaren Linitest-Becher legen.
3. Schwämme mit einer Kantenlänge von 5 x 2,5 x 1,5 cm (Volumen 18,75 cm3) bzw. 8 cm3 Sägemehl in einem Baumwollsäckchen mit dem betreffenden Lösemittel tränken.
4. Lösemittel 10 Sekunden ablaufen lassen, Schwämme bzw. Säckchen mit Sägemehl wiegen.
Beim Sägemehl das Gewicht des trocknen bzw. nassen Säckchens später abziehen.
5. 10 Schwämme sowie Säckchen getrennt nach Qualität mit den Pelzstücken und den Stahlkugeln
im Säckchen im Linitest 10 Minuten rotieren lassen.
6. Nach 10 Minuten Schwämme bzw. Sägenehlsäckchen und die Pelzstückchen einzeln herausnehmen
und wiegen.
7. Versuche mit 20 und 30 Minuten Behandlungszeit wiederholen.
[0021] Die hierbei erhaltenen Werte sind in den Diagrammen der Figuren 1-3 wiedergegeben.
Die Kurven S
1, S
2 und S
3 stellen die prozentualen Restmengen an Lösemittel dar, wie sie bei den Trägersubstanzen
PUR-Schaum nach Beispiel 1 (S
1), PUR-Schaum nach Beispiel 2 (S
2) und Sägemehl (S
3) gemessen wurden. Die Kurven P , P
2 und P
3 zeigen die entsprechenden Restmengen in dem Pelz. Je mehr die entsprechenden Kurvenpaare
von Trägersubstanzen und Pelz sich annähern, desto größer ist der Lösemittelaustausch
gewesen. So findet bei Tetrachlorethen zwischen Sägemehl und Pelz der nicht gewünschte
Lösemittelausgleich statt, d.h. die Kurven S
3 und P
3 schneiden sich vor Ablauf von 30 Minuten (siehe Figur 3). Dagegen nimmt der Pelz
in Gegenwart des erfindungsgemäßen Schaumes gemäß Beispiel 2 bei den beiden Fluorkohlenwasserstoffen
nicht mehr als 10 % (siehe Figur 1 und 2) und bei Tetrachlorethen nicht mehr als 20
% der gesamten Lösemittelmenge auf (siehe Figur 3). Alle drei Diagramme zeigen deutlich,
daß der Abstand der Kurvenpaare S
1 und P
1 am größten ist. Der Lösemittelaustausch zwischen dem Polyurethanschaum gemäß Beispiel
1 und dem Pelz liegt zwischen den Werten für den erfindungsgemäßen Schaum, der nur
geringe Mengen an Lösemittel abgibt, und den Werten für das Sägemehl. Die Kurvenpaare
S2 und
P2 zeigen in allen drei Diagrammen, daß der Pelz in Gegenwart des Polyurethanschaumes
gemäß Beispiel 1 mehr als 20 % der gesamten Lösemittelmenge aufnimmt. Diese Versuche
zeigen, daß die Polyurethan-Schaumstoffe mit dem höheren Raumgewicht, wie sie erfindungsgemäß
verwendet werden, den überwiegenden Anteil des aufgenommenen Lösemittels nicht an
die Pelzstücke abgeben, während die Lösemittelretention von typischen Weichschaumschwämmen
(gemäß Beispiel 1) und von Sägemehl wesentlich geringer ist.
Prüfung der Abriebfestigkeit
[0022] Schwämme der beiden zu prüfenden Schaumstoff-Qualitäten wurden sowohl unter Praxisbedingungen
als auch im Labormaßstab auf Abriebfestigkeit geprüft. Beim Praxistest wurden Schwämme
in Würfelform mit einer Kantenlänge von 5 cm 12 mal in einer FKW-Reinigungsmaschine
gereinigt. Die Reinigungszeit betrug pro Behandlung 12 Minuten. Je 10 Schwämme pro
Qualität wurden außerdem mit FKW 113 und einem Säckchen mit 10 Stahlkugeln im Linitest
5 Stunden bewegt. Die Abriebfestigkeit des Schaumes gemäß Beispiel 2 war besser als
die des Schaumes gemäß Beispiel 1.
Anwendungsbeispiel für die Pelzreinigung
[0023] In eine Reinigungsmaschine mit einem Trommelinhalt von etwa 1000 1 wurden 15 kg Schwämme
mit einem Durchmesser von 5 cm,hergestellt nach Beispiel 2, geschüttet. Anschließend
wurde nach Schließen der Ladetür Lösemittel über Düsen in die Trommel eingesprüht.
Das Gewicht des aufgenommenen Lösemittels war etwa 2-mal so groß wie das Gewicht der
Schwämme. Danach wurde die Ladetür ncchmal geöffnet und bei eingeschalteter Trommelabsaugung
die Pelzbekleidung(40 kc)in die Trommel eingelegt. Der Füllfaktor (kg Ware : 1 Trommelvolumen)
betrug 1 : 25. Die Reinigungszeit betrug 10 bis 20 Minuten. Anschließend wurde die
Pelzbekleidung abgeschleudert und die abgeschleuderte Reinigungsflotte in den Destillierbehälter
bzw. in den Vorratstank abgepumpt. Daran schließe sich die Trocknung an, während der
bei einer Temperatur zwischen 15 und 45°C (gemessen am Trommelausgang im Gasraum)
das Lösemittel zurückgewonnen wurde. Nach beendeter Trocknung wurden Pelzbekleidung
und Schwämme trocken und geruchsfrei der Trommel entnommen.
Anwendungsbeispiel für die Reinigung von Kunstleder aus Weich-PVC
[0024] In eine Reinigungsmaschine mit einem Trommelinhalt von etwa 500 1 wurden 8 kg Schwämme
mit einem Durchmesser von 5 cm,hergestellt nach Beispiel 2, geschüttet. Anschließend
wurde nach Schließen der Ladetür Lösemittel über Düsen in die Trommel eingesprüht.
Das Gewicht des aufgenommenen Lösemittels war etwa 2-mal so groß wie das Gewicht der
Schwämme. Danach wurde die Ladetür nochmal geöffnet und bei eingeschalteter Trommelabsaugung
die Kleidungsstücke aus PVC-Kunstleder in die Trommel eingelegt. Der Füllfaktor (kg
Ware : 1 Trommelvolumen) betrug etwa 1 : 25 Zur Verstärkung des Reinigungseffektes
wurden mit dem Behandlungsgut hartzähe Schwämme zugegeben. Das Behandlungsgut soll
im Laufe der Reinigungszeit nicht mehr als 30 % ihres Eigengewichtes aufnehmen. Im
übrigen wurde gearbeitet wie in den vorhergehenden Beispiel für die Pelzreinigung
angegeben.