[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren und eine Vorrichtung zum Stranggiessen von Stahl,
insbesondere zum Antreiben eines gegossenen Stranges, wobei der Strang mittels einer
Antriebsvorrichtung aus einer Durchlaufkokille und einer Sekundärkühlzone ausgezogen
wird.
[0002] Zum Ausziehen des Stranges aus einer Kokille und einer nachfolgenden Strangführung
sind in jeder Stranggiessanlage Treibaggregate vorgesehen, die in der Regel Treibrollen
aufweisen. Als Antrieb sind auch angetriebene Führungsstäbe unter dem Namen "Walking
Beams" bekannt. Dem Antriebsaggregat ist im weiteren die Aufgabe zugeordnet, einen
Anfahrstrang vor Giessbeginn in die Kokille einzufahren.
[0003] Während des Stranggiessens wird mit möglichst gleichmässiger Ausziehgeschwindigkeit
der gegossene Strang aus der Kokille und aus der Strangführung ausgezogen. Bei Störungen
und bei langen Sequenzgüssen mit Zwischengefässwechsel ist es unvermeidlich, die Stahlzufuhr
in die Kokille zu unterbrechen und das Strangausziehen abzuschalten. Bei Giessende
wird in der Regel bei stillstehendem oder in einem Schleichgang bewegten Strang der
Badspiegel in der Kokille abgeschlackt und durch Wasserkühlung zur Erstarrung gebracht.
Anschliessend wird der Strang mit einer langsamen Strangbewegung aus der Kokille gezogen.
[0004] Jeder Strangstillstand und jede Schleichgangbewegung bringt wesentliche Nachteile
für das gegossene Produkt und für die Stranggiessanlage selbst mit. Je nach vorangehender
Giessgeschwindigkeit, Strangformat, Rollenabstand in der Strangführung treten Strangausbauchungen,
verursacht durch den ferrostatischen Druck, auf. Nach einer Wiederinbetriebsetzung
der Treibrollen werden solche Strangausbauchungen flach gewalzt, was zu Innenrissen
im Strang führt.
[0005] Durch eine starke Kühlung lassen sich die Ausbauchungen bei einem stillstehenden
Strang in ihrer Grösse reduzieren. Dies führt jedoch zu lokalen Ueberkühlungen, während
Nachbarstrangelemente nicht oder nur schwach gekühlt werden. Solche Unterschiede in
der Strangkühlung erzeugen Oberflächenrisse am gegossenen Strang. Im weiteren werden
die Richt- und Biegerollen und deren Lager um ein Mehrfaches beansprucht, wenn die
überkühlten Strangabschnitte durch das Biege-, respektive Richtaggregat transportiert
werden.
[0006] Strangstillstände sind aber, wie bereits erwähnt, auch für die Stranggiessanlage
selbst, insbesondere für die Rollen, sehr schädlich. Die starke und zeitlich je nach
Stillstand lange Erhitzung im Bereich der Kontaktfläche der Rolle mit dem heissen
Strang führt zu Rollenoberflächenrissen einerseits und die Abkühlung der von der Wärmestrahlung
des Stranges weggerichteten Rollenhälfte anderseits führt zu Rollendeformationen und
Rollendurchbiegungen. Dabei entsteht ein unrunder Lauf der Rolle, auch Rollenschlag
genannt, der zu Lager- und Segmentüberlastungen führt. Der Rollenschlag ist, ähnlich
wie das Abwalzen von Ausbauchungen, auch für den Strang selbst schädlich. Durchgebogene
Rollen führen im weiteren zu Rollenausrichtfehlern und zu Ueberlastungen von Rollen
und ihrer Antriebsmotoren, was zu Gussabbrüchen zwingen kann. Um solche Störungen,
Strangschäden und Rollenschäden mindestens teilweise vermeiden zu können, werden mehrfach
abgestützte Rollen, grosse Antriebsmotoren oder sogar zusätzliche Strangausziehgerüste
gebaut. Um die Rollen gegen Oberflächenrisse unempfindlich zu machen, sind teure Rollenkonstruktionen
und Rollenbeschichtungen vorgeschlagen worden, die die Anlage verteuern und die Unterhaltskosten
vergrössern. Insbesondere bei Brammenanlagen mit grosser Strangbreite und bei Vorblockanlagen
mit langen Stützführungen sind solche Massnahmen kostspielig.
[0007] Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, die vorerwähnten Mängel zu beseitigen.
Insbesondere sollen bei unvermeidlichen Unterbrüchen der Stahlzufuhr in die Kokille
und bei Giessende Schäden am Strang undan der Stranggiessanlage vermieden werden.
Zusätzlich soll die Erfindung aber auch Sequenzunterbrechungen von 10 und mehr Min.
ermöglichen, die gemäss dem Stand der Technik zu Gussabbrüchen oder Qualitätseinbussen
am Produkt sowie zu Beschädigungen an der Maschine führten. Durch die genannten Massnahmen
soll die Produktivität und Rentabilität der Anlage erhöht werden.
[0008] Nach der Erfindung wird diese Aufgabe durch die kennzeichnenden Merkmale von Anspruch
1 gelöst.
[0009] Die erfindungsgemässe Vorrichtung zeichnet sich dadurch aus, dass die Antriebsregeleinrichtung
mit einem Antriebsprogramm für vorbestimmte Oszillationsbewegungen des gegossenen
Stranges versehen ist.
[0010] Durch die erfindungsgemässe Verfahrensweise bzw. durch die erfindungsgemässe Vorrichtung
ist es möglich, die Strangqualität im Stranginnern und an der Oberfläche zu verbessern
und gleichzeitig den Maschinenverschleiss zu vermindern, insbesondere die Standzeit
der Rollen und die Erhaltung der Rollenausrichtung zu verlängern. Die Unterhaltskosten
werden dadurch reduziert. Die verminderte Maschinenbelastung durch Vermeidung von
Strangstillständen kann zu einer günstigeren Auslegung der Anlage führen. Beispielsweise
kann die Anzahl Lager je Rolle vermindert werden.
[0011] Ein Strangoszillieren kann auch sofort nach einem Strangdurchbruch zugeschaltet werden,
um den sogenannten Auslaufbär bei noch hoher Strangtemperatur,beispielsweise an einem
Kühlgitter,abzuscheren oder durch Strangführungsrollen einzuwalzen.
[0012] Die Hublänge der Oszillation kann auf den grössten Rollenabstand abgestimmt werden
und beispielsweise einen halben Rollenabstand betragen. Um im wesentlichen die ganze
Strangoberfläche zyklisch abzustützen, kann im Sinne eines weiteren Verfahrensschrittes
die Länge der Oszillationsbewegung des gegossenen Stranges etwa der Länge des grössten
Rollenabstandes in der Zone mit Strangschalenabstützung angepasst werden. Die Hublänge
der Oszillationsbewegung kann zusätzlich weiter optimiert werden, wenn sie etwa der
Hälfte des durchschnittlichen Umfanges aller Rollen im Bereich der Strangschalenabstützung
entspricht.
[0013] Die maximale Hublänge der Strangoszillationsbewegung kann, nach einem weiteren Verfahrensschritt,
nach der Formel H = KL-250 mm begrenzt werden, wobei H die Hublänge und KL das Mass
der gesamten Kokillenlänge in mm darstellt.
[0014] Je nach dem durchschnittlichen Rollenabstand in der Zone der Strangschalenabstützung
kann die Oszillationsgeschwindigkeit des gegossenen Stranges so gewählt werden, dass
mit grösserem Rollenabstand die Oszillationsgeschwindigkeit entsprechend erhöht wird.
Gemäss einem zusätzlichen Merkmal wird vorgeschlagen, den gegossenen Strang mit einer
Geschwindigkeit zu oszillieren, die mindestens der SollGiessgeschwindigkeit vor dem
Unterbruch der Stahlzufuhr entspricht. Zwischen den beiden Totpunkten der Oszillationsbewegung
des gegossenen Stranges kann ein beliebiger Geschwindigkeitsverlauf gewählt werden.
Bei grösseren Brammen sind während der Oszillationsbewegung grosse Massen zu beschleunigen
und zu verzögern. Es wird deshalb vorgeschlagen, den gegossenen Strang mit einer sinusförmigen
Geschwindigkeitskurve oder linearen Geschwindigkeits-Zu/Abnahme zu oszillieren.
[0015] Bei kurzen Unterbrüchen der Stahlzufuhr und wenigen Oszillationsbewegungen des Stranges
kann die Sekundärkühlung unverändert beibehalten werden. Bei längeren Unterbrüchen
oder bei einer hohen spezifischen Kühlwassermenge wird gemäss einem zusätzlichen Verfahrensschritt
empfohlen, die Sekundärkühlung während der Oszillationsbewegung des gegossenen Stranges
zu reduzieren oder abzustellen. Gemäss einem weiteren Vorschlag ist es auch möglich,
die Sekundärkühlung während der Oszillationsbewegung des gegossenen Stranges nach
einem vorbestimmten Programm stufenweise abzustellen, beispielsweise zuerst im Treiber
und zuletzt unterhalb der Kokille.
[0016] Um jegliche Verletzung der Kokillenwände im Sollbadspiegelbereich auszuschliessen,
wird zusätzlich vorgeschlagen, den Strang innerhalb der Kokille in einem Bereich unterhalb
des Sollbadspiegels zu oszillieren.
[0017] Es ist möglich, die Kokillenoszillation gleichzeitig mit der Strangoszillation in
Betrieb zu lassen. Damit die Strangkruste im Badspiegelbereich eine optimal gerundete
Kante ausbilden kann, wird gemäss einem weiteren Verfahrensschritt empfohlen, die
Kokillenoszillation vor oder spätestens während des ersten Rückwärtshubes des gegossenen
Stranges kurz anzuhalten oder stillzusetzen.
[0018] Zur Aufrechterhaltung bzw. Verstärkung der Schmierung während der Oszillationsbewegung
kann eine dünnflüssige Schlacke, vorzugsweise mit exothermen Zusätzen, aufgebracht
werden.
[0019] Zur Steuerung und/oder Kontrolle der Oszillationsbewegung kann, nach einer zusätzlichen
Ausführungsform, ein Positionsgeber laufend die Bewegung des Strangendes innerhalb
der Kokille messen. Ein solcher Positionsgeber wird steuerungsmässig mit der Antriebsregeleinrichtung
verbunden. Es ist besonders vorteilhaft, wenn der obere Totpunkt durch die Badspiegelregeleinrichtung
selbst gemessen wird und für die Messung am unteren Totpunkt nur eine einzige zusätzliche
Messeinrichtung notwendig ist.
[0020] Bei Bogenanlagen ist es schwierig, die Strangkühlung auf der Bogeninnen- und Aussenseite
des Stranges gleichmässig einzustellen. Um Kratzspuren auf der Innenseite der Kokille
beim Oszillieren leicht deformierter Stränge vermeiden zu können, wird gemäss einer
zusätzlichen Ausführungsform empfohlen, die Kokille durch den oszillierenden Strang
quer zur Strangbewegungsrichtung bewegbar anzuordnen. Bei länger dauernden Unterbrüchen
können Plattenkokillen auch geöffnet werden, d.h. der gegenseitige Abstand der beiden
Breitseiten wird vergrössert.
[0021] Bei Anlagen mit bogenförmiger Sekundärkühlstrecke werden vor dem horizontalen Strangauslauf
Richtrollen zum Geraderichten des Stranges angeordnet. Ein oszillierender Strang durchläuft
diese Richtrollen mehrmals in beiden Richtungen, d.h. der Strang wird bei jeder Vorwärtsbewegung
gerichtet und bei jeder Rückwärtsbewegung wieder gebogen. Gemäss einer weiteren vorteilhaften
Ausführungsform wird insbesondere beim Giessen rissanfälliger Stahlsorten empfohlen,
entlang der Biege-bzw. Richtstrecke die Rollenpaare durch den Strang selbst quer verschiebbar
vorzusehen. Die Biege- bzw. Richtarbeit kann dabei während der Strangoszillation ganz
wesentlich vermindert werden.
[0022] In der Strangschale eines gegossenen Stranges können während der Oszillationsbewegung
des Stranges die Zug- und Druckkräfte in Strangbewegungsrichtung vermindert und gleichzeitig
ein Schlupf zwischen den Treibrollen und dem Strang vermieden werden, wenn Treibrollenpaare
an mehreren Stellen entlang der Sekundärkühlstrecke angeordnet sind.
[0023] Bei modernen Anlagen werden heute oft Warneinrichtungen für Strangschalenrisse in
der Kokille eingebaut, die Durchbruchwarnsignale erzeugen und automatisch die Strangbewegung
stillsetzen sowie die Stahlzufuhr unterbrechen. Auch solche Strangstillstände verursachen
die bereits erwähnten Nachteile sowohl für den Strang als auch für die Maschine. Insbesondere
bei Anlagen, die mit hohen Giessgeschwindigkeiten arbeiten, treten schon nach kurzen
plötzlichen Stillständen starke Strangausbauchungen auf. Um die genannten Nachteile
auszuschalten, wird im Sinne einer zusätzlichen Verfahrensvariante empfohlen, nach
dem Eintreffen eines Signales einer Durchbruchwarneinrichtung den Stahlzufluss und
die Strangausziehbewegung zu unterbrechen und eine Oszillationsbewegung des Stranges
durch einen Rückwärtshub einzuleiten.
[0024] Im nachfolgenden soll anhand von Bildern und Diagrammen die Erfindung erläutert werden.
[0025] Es zeigen:
Fig. 1 eine Seitenansicht einer schematisch dargestellten Stranggiessanlage,
Fig. 2 ein Diagramm "Stahlzufluss in die Kokille in Abhängigkeit der Zeit",
Fig. 3 ein Diagramm "Oszillationsgeschwindigkeit des Stranges in Abhängigkeit der
Zeit",
Fig. 4 ein Diagramm "Badspiegelhöhe in der Kokille in Abhängigkeit der Zeit" und
Fig. 5 ein Blockdiagramm für die Steuerung.
[0026] In Fig. 1 ist mit 2 eine Durchlaufkokille mit einem Oszillationsantrieb 3 in einer
Bogenstranggiessanlage dargestellt. Ein Strang 4 wirdmit einer Antriebsvorrichtung
6 aus einer Strangführung 7 und der Kokille 2 ausgezogen. Bis zum Ende der Antriebsvorrichtung
6, d.h. bis zum Treibrollenpaar 8, 8' reicht der flüssige Strangkern. Eine Strangschalenabstützung
ist somit vom Kokillenausgang bis zum Rollenpaar 8, 8' notwendig, um Strangausbauchungen
zu verhüten. Ueber eine Stahlzufuhr 10 wird die Kokille 2 gespiesen. Mittels einer
Badspiegelmesseinrichtung 12, 12', z.B. einem radioaktiven Strahler/Empfänger, wird
ein Badspiegel 13 gemessen und mittels einer Zuflusssteuerung automatisch auf einer
Sollbadspiegelhöhe gehalten. Eine zweite Messeinrichtung 14, 14' ist am Ende der Kokillenaustrittseite
angeordnet.
[0027] Bei einem Unterbruch der Stahlzufuhr 10 sinkt bei fortgesetztem Strangauszug der
Badspiegel 13 in der Kokille 2 ab. Für diese Absenkbewegung kann die Sollgeschwindigkeit
oder eine langsamere Geschwindigkeit vorprogrammiert werden. Erreicht der Badspiegel
den Messbereich der unteren Messeinrichtung 14, 14', so wird die Antriebsvorrichtung
6 von Ausziehen auf Zurückstossen geschaltet, damit sich der Strang rückwärts bewegt.
Diese Vor- und Rückwärtsbewegung wiederholt sich nun mehrmals, und zwar so lange,
als die Stahlzufuhr 10 unterbrochen ist. Es wird somit auf den Strang 4 eine Oszillationsbewegung
aufgebracht, wobei zwischen der Strangoberfläche und der Strangführung 7 sowie den
Treibrollen 8, 9 im wesentlichen ohne Unterbruch eine Relativbewegung erzeugt wird.
[0028] Die Länge der Oszillationsbewegung des Stranges 4 kann auf die Länge des grössten
Rollenabstandes 16 der Strangabstützungszone oder mehr eingestellt werden. Bei der
Hublängenbestimmung der Strangoszillation kann auch die Länge der Kokille 2 berücksichtigt
werden, wobei mit Vorteil der Hub H nach der Formel: H = KL-250 mm begrenzt wird.
KL stellt die Länge der Kokille in Stranglaufrichtung dar.
[0029] Bei einer optimalen Abstimmung aller Parameter bei Hublängenbestimmung beträgt die
Hublänge etwa die Hälfte des durchschnittlichen Umfanges der Rollen im Bereich der
Strangschalenabstützung.
[0030] Bei einer Kokillenlänge KL von 900 mm könnte die max. Hublänge somit 650 mm betragen.
Der maximale Rollenabstand bei einer Brammenanlage im Strangabstützungsbereich beträgt
in der Regel 400 - 600 mm und der halbe Rollenumfang bei einer olle von 400nm Durchmesser
ist 628 mm. Bei einer Hublänge von 630 mm sind somit die drei beschriebenen Hubparameter
(Kokillenlänge, Rollenabstand, Rollendurchmesser) optimal erfüllt. Bei einem kleineren
durchschnittlichen Rollendurchmesser von z.B. 350 mm genügt eine Hublänge von 550
mm. Wenn die Hublänge bestimmt ist, wird die Länge 19 der Hubbewegung innerhalb der
Kokille festgelegt. Der Strang soll während der Oszillation die Kokille nicht verlassen,
er soll aber in der Regel auch nicht im Badspiegelbereich oszillieren.
[0031] Nach Einleitung der Strangoszillationsbewegung wird eine Sekundärkühlung 17 reduziert
oder abgeschaltet. Je nach Stahlqualität kann die Sekundärkühlung 17 während der Oszillationsbewegung
nach einem vorbestimmten Programm, beispielsweise vom Treiber zur Kokille hin, stufenweise
abgestellt werden. Die Oszillationsbewegung des Stranges kann im weiteren mit der
Oszillationsbewegung der Kokille 2 koordiniert werden, um Verschleiss durch Kratzspuren
auszuschliessen.
[0032] Damit der Strang 4 im Bereich einer Biege- oder Richtstrekke 15 nicht bei jedem Hub
ganz gerichtet bzw. wieder gebogen werden muss, können die Rollenpaare innerhalb dieser
Richtstrecke 15 in Pfeilrichtung 20 quer verschiebbar angeordnet werden. Diese Querverschiebbarkeit
kann bei normalem Giessbetrieb spielen oder nur während einer Strangoszillation durch
Fernsteuerung freigegeben werden.
[0033] Mit 9' ist ein Treibrollenpaar etwa in der Mitte der Sekundärkühlstrecke dargestellt.
[0034] Durch Rollen 25 ist angedeutet, dass die Kokille quer zur Strangbewegungsrichtung
50 gemäss Pfeil 51 verschiebbar ist und sich auf den oszillierenden Strang selbst
einstellen kann. Zusammen mit der Kokille kann auch eine mit der Kokille verbundene
erste Zone verschiebbar angeordnet sein.
[0035] Im Diagramm in Fig. 2 ist mit 21 eine Stahlzuflusskurve in Abhängigkeit der Zeit,
beispielsweise bei einem Zwischengefässwechsel, dargestellt. Während der Zeitdauer
22 bleibt in diesem Beispiel der Stahlzufluss unterbrochen. Im Knick 52 der Kurve
21 wird der Stahlzufluss abgestellt.
[0036] In Fig. 3 stellt die Kurve 23 den Verlauf der Geschwindigkeit der Strangoszillation
in Abhängigkeit der Zeit dar. Nach dem Unterbruch 52 des Stahlzuflusses (Fig. 2) wird
der Strang vorerst während einer Zeitperiode 24 weiter ausgezogen, bis er den unteren
Totpunkt seiner Oszillationsbewegung erreicht hat. Anschliessend wird er nach der
Kurve 23 mit einem sinusförmigen Geschwindigkeitsverlauf entlang der Strecke 19 (Fig.
1) oszilliert. Der Geschwindigkeitsverlauf könnte aber auch nach einer gestrichelten
Linie 26, 26' eingestellt werden.
[0037] In Fig. 4 ist in einem Weg-Zeit (t) Diagramm die Lageveränderung des Badspiegels
oder des Strangendes in der Kokille während der Oszillationsbewegung dargestellt.
Am unteren Totpunkt 27 und am oberen Totpunkt 28 wechselt jeweils die Bewegungsrichtung.
Der obere Totpunkt 28 liegt unterhalb der Sollbadspiegelhöhe 29 in der Kokille. Die
Koordinatenmarke Null stellt die untere Begrenzung der Kokille dar.
[0038] In Fig. 5 sind schematisch die steuerungsmässigen Zusammenhänge dargestellt. Ein
Computer 30 erhält laufend ein Signal 31 der Stopfen- oder Schiebersteuerung bzw.
der Stahlzuflussregelung. Mit 32 ist eine laufende Eingabe eines Signales der Badspiegelmesseinrichtungen
12, 14 (Fig.l) und mit 33 die Eingabe der Höhenlage der oszillierenden Kokille dargestellt.
Wenn die Anlage mit einer Durchbruchwarneinrichtung ausgestattet ist, die beispielsweise
auf der Kokillenwandtemperaturmessung basiert, so wird auch dieses Signal 34 dem Computer
30 zugeführt. Die Eingänge 35 und 36 sind Programmeingaben für die vorgesehene Antriebsbewegung
und für die vorgesehene Kühlung des Stranges während der Oszillationsbewegung. Mittels
diesem Input kann der Computer 30 automatisch oder auf Knopfdruck bei einem Unterbruch
der Stahlzufuhr oder in einem Störungsfalle die Stranggiessanlage verfahrensgerecht
steuern. Leitungen 40 - 43 sind mit der Treibmaschine 45, der Sekundärkühlung 46,
der Stopfenreglung 47 und der Kokillenoszillation 48 verbunden, die durch den Computer
30 verfahrensgerecht gesteuert werden.
1. Verfahren zum Stranggiessen von Stahl, insbesondere zum Antreiben eines gegossenen
Stranges, wobei der Strang mittels einer Antriebsvorrichtung aus einer Durchlaufkokille
und einer Sekundärkühlzone ausgezogen wird, dadurch gekennzeichnet, dass bei einem
Unterbruch der Stahlzufuhr (10) dem gegossenen Strang (4) durch wechselweises Ausziehen
und Zurückstossen eine Oszillationsbewegung aufgebracht wird nach der Massgabe, dass
zwischen der Strangoberfläche und Strangführungs- (7) und Treibrollen (8, 9) im wesentlichen
ohne Unterbruch eine Relativbewegung erzeugt wird.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die Länge (19) der Oszillationsbewegung
des gegossenen Stranges (4) auf eine Länge des grössten Rollenabstandes (16) in der
Zone der Strangschalenabstützung eingestellt wird.
3. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass die Länge H der
Oszillationsbewegung zusätzlich auf die Kokillenlänge abgestimmt wird nach der Formel
H = KL-250 mm, wobei KL die Gesamtlänge der Kokille darstellt.
4. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 - 3, dadurch gekennzeichnet, dass die Länge
der Oszillationsbewegung des gegossenen Stranges (4) zusätzlich etwa der Hälfte des
durchschnittlichen Umfanges der Rollen (7, 8, 9) im Bereich der Strangabstützung entspricht.
5. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 - 4, dadurch gekennzeichnet, dass der gegossene
Strang (4) mit einer Geschwindigkeit oszilliert wird, die mindestens der vorangegangenen
Sollgiessgeschwindigkeit entspricht.
6. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 - 5, dadurch gekennzeichnet, dass der Strang
(4) mit einer Geschwindigkeitskurve (26') oszilliert wird, die eine lineare Geschwindigkeits-
Zu- bzw. Abnahme aufweist.
7. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 - 6, dadurch gekennzeichnet, dass die Sekundärkühlung
(17) während der Oszillationsbewegung des gegossenen Stranges (4) reduziert oder abgestellt
wird.
8. Verfahren nach Anspruch 7, dadurch gekennzeichnet, dass die Sekundärkühlung (17)
während der Oszillationsbewegung des gegossenen Stranges (4) nach einem vorbestimmten
Programm stufenweise vom Treiber (6) zur Kokille (2) hin abgestellt wird.
9. Verfahren nach einem der Ansprüche l - 8, dadurch gekennzeichnet, dass der Strang
innerhalb der Kokille (2) in einem Bereich unterhalb der Sollbadspiegelhöhe (13, 29)
oszilliert wird.
10. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 - 9, dadurch gekennzeichnet, dass die Kokillenoszillation
vor dem ersten Rückwärtshub des gegossenen Stranges (4) mindestens kurz angehalten
wird.
11. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 - 10, dadurch gekennzeichnet, dass die Kokillenoszillation
spätestens während dem ersten Rückwärtshub des gegossenen Stranges (4) stillgesetzt
wird.
12. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 - 11, dadurch gekennzeichnet, dass eine dünnflüssige
Schmierschlacke vorzugsweise mit exothermen Zusätzen zugegeben wird.
13. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 - 12, dadurch gekennzeichnet, dass durch
ein Signal einer Durchbruchwarneinrichtung der Stahlzufluss (10) unterbrochen wird,
die Strangabzugsbewegung stillgesetzt und die Oszillationsbewegung des Stranges (4)
durch einen Rückwärtshub eingeleitet wird.
14. Vorrichtung zum Stranggiessen von Stahl, insbesondere zum Antreiben eines gegossenen
Stranges (4), wobei einer Strangführung (7) Treibrollen (8, 9) mit einer Antriebsregeleinrichtung
nachgeordnet sind, dadurch gekennzeichnet, dass die Antriebsregeleinrichtung mit einem
Antriebsprogramm für vorbestimmte Oszillationsbewegungen des gegossenen Stranges (4)
versehen ist.
15. Vorrichtung nach Anspruch 14, dadurch gekennzeichnet, dass Positionsgeber (12,
12'; 14, 14') laufend die Lage des Strangendes innerhalb der Kokille (2) messen und
diese Positionsgeber (12, 12'; 14, 14') steuerungsmässig mit der Antriebsregeleinrichtung
verbunden sind.
16. Vorrichtung nach einem der Ansprüche 14 oder 15, dadurch gekennzeichnet, dass
die Kokille (2) durch den oszillierenden Strang (4) quer zur Strangbewegungsrichtung
(50) bewegbar ist.
17. Vorrichtung nach einem der Ansprüche 12 - 16, dadurch gekennzeichnet, dass bei
Anlagen mit bogenförmiger Sekundärkühlstrecke eine Biege- bzw. Richtstrecke (15) mit
durch den Strang (4) quer verschiebbaren Rollenpaaren (9) versehen ist.
18. Vorrichtung nach einem der Ansprüche 14 - 17, dadurch gekennzeichnet, dass Treibrollenpaare
(9') an mehreren Stellen entlang der Sekundärkühlstrecke angeordnet sind.