(19)
(11) EP 0 212 446 A1

(12) EUROPÄISCHE PATENTANMELDUNG

(43) Veröffentlichungstag:
04.03.1987  Patentblatt  1987/10

(21) Anmeldenummer: 86110859.5

(22) Anmeldetag:  06.08.1986
(51) Internationale Patentklassifikation (IPC)4B21B 1/16
// B21B31/20, E04C5/03
(84) Benannte Vertragsstaaten:
AT BE CH DE FR GB IT LI NL SE

(30) Priorität: 16.08.1985 LU 86043

(71) Anmelder: ARBED S.A.
L-2930 Luxembourg (LU)

(72) Erfinder:
  • Schmitz, Fernand
    L-7353 Lorentzweiler (LU)

(74) Vertreter: Freylinger, Ernest T. et al
Office de Brevets Ernest T. Freylinger 321, route d'Arlon Boîte Postale 48
8001 Strassen
8001 Strassen (LU)


(56) Entgegenhaltungen: : 
   
       


    (54) Verfahren und Vorrichtung zum Einstellen des Gleichlaufs eines Walzenpaars


    (57) Die beiden Walzen (5,6) sind seitlich in je zwei nebeneinander ange­ordneten Baustücke (3,4) gelagert und die Baustücke (3,4) stützen sich an einem Ständer (2) ab. Das Einstellen des Gleichlaufs wird durch ein Verstellen der relativen Lage der nebeneinander angeordne­ten Baustücke (3,4) in oder gegen die Walzrichtung vorgenommen. Die relative Lage der Walzen (5,6) kann mittels an den Ballendurch­messern der Walzen (5,6) eingravierten Kerben eingestellt werden und kontinuierlich mit Hilfe einer Stroboskop-Lampe überwacht werden. Zur Ueberwachung eignen sich auch magnetische Signalgeber und Sensoren. Ein kontinuierliches Verstellen der Walzen-Lage wird über Schrauben (9) mit geringer Steigung oder über hydraulische oder elektrische Stell-Motoren vorgenommen.




    Beschreibung


    [0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zum Einstellen des Gleichlaufs eines Walzenpaars, sowie die hierzu benötigte Vorrichtung.

    [0002] Eine interessante Entwicklung in der Betonbewehrungstechnik führte zu Bewehrungsstäben, die an zwei einander gegenüberliegenden Seiten des Stabes Rippen besitzen, die derart schraubenlinienförmig ver­laufen, dass eine Gewindeform entsteht. Die Verwendung dieser Stä­be, die über mit ensprechendem Gegengewinde versehenen Muffen mit­einander verbunden werden, bringt Materialersparnisse mit sich und zwar entfallen die Ueberlängen, die bei der normalerweise üblichen Verbindungstechnik durch Verhaken oder Ueberlappen und Schweissen unumgänglich sind.

    [0003] Leider werden diese Ersparnisse zum Teil aufgehoben durch gewisse Schwierigkeiten, die beim Einwalzen der Gewinde in die Stäbe zu be­obachten sind und die in der Notwendigkeit eines Gleichlaufs des entsprechenden Walzenpaares bestehen, während beim Walzen von Stäben ohne Gewinde ein Gleichlauf nicht zwingend notwendig ist.

    [0004] Ein Synchrongetriebe zum Gewährleisten des benötigten Gleichlaufs ist zwar ohne weiteres konstruierbar, bringt jedoch hohe Kosten mit sich, insbesondere dann, wenn es sich um die Umrüstung bestehender Antriebe handelt und sich herausstellt, dass ein solches Symmetrie­getriebe nicht ohne weiteres in alle Antriebe eingebaut werden kann (z.B. Vertikalgerüste) und so zusätzliche Unkosten durch Anschaffung leistungsfähigerer Antriebe entstehen.

    [0005] Die Aufgabe der Erfindung besteht darin, ein Verfahren sowie eine Vorrichtung zu entwickeln die es erlauben, den Gleichlauf eines Walzenpaars im Hinblick auf die Ausbildung von einwandfreien Gewin­derippen auf Betonbewehrungsstäben zu gewährleisten, ohne auf ein Synchrongetriebe angewiesen zu sein und ohne eine zusätzliche Belas­tung des Walzenantriebs hervorzurufen. Desweiteren soll die Erfin­dung es erlauben, den gewünschten Gleichlauf auf jedem, in einer Walzstrasse zur Verfügung stehendem Walzgerüst, ohne kostenträchtige Umänderung am Antriebsystem vorzunehmen, zu erzielen.

    [0006] Ein zusätzliche Aufgabe ist darin zu sehen, dass das erfindungs­gemässe Verfahren es gestatten soll, ein eventuelles Abweichen des Walzenlaufs von den geforderten Bedingungen während der Produktion nicht nur festzustellen, sondern auch bequem korrigieren zu können, ohne die Produktion zu unterbrechen.

    [0007] Diese Aufgabe wird durch das in dem Patentanspruch 1 gekennzeichnete Verfahren sowie durch die im Patentanspruch 6 gekennzeichnete Vor­richtung gelöst. Vorteilhafte Ausgestaltungen der Erfindung sind in den Unteransprüchen wiedergegeben.

    [0008] Ueberraschenderweise genügt es vollkommen erfindungsgemäss vorzu­gehen, anstatt ein Synchrongetriebe zu verwenden, bei dem der ge­wünschte Gleichlauf erst nach der Walzung und Kontrolle von min­destens einem Walzstab, durch Nachstellen einer der beiden Walzen, im Drehsinn oder gegen den Drehsinn, am Symmetriegetriebe erreicht wird. Selbstverständlich ist es auch äusserst schwierig, wenn nicht gar unmöglich, ein solches Synchrongetriebe während des Walzens neu zu justieren, so dass bei jedem Justieren oder Nachjustieren des Gleichlaufes die Produktion für längere Zeit unterbrochen werden muss. Gerade dies ist jedoch aussergewöhnlich einfach zu berwerk­stelligen, wenn man das Verfahren nach der Erfindung anwendet. Und zwar genügt es zur genauen Kontrole des Gleichlaufs, vor und während des Walzens, die gewünschte Position der beiden Walzen durch Einker­bungen zu markieren und deren Stellung mit Hilfe einer Stroboskop-­Lampe zu kontrollieren.

    [0009] Die Erfindung wird anhand einer Zeichnung näher erläutert. Auf
    - Fig.1 ist eine schematische Seitenansicht einer erfindungsgemässen Vorrichtung zum Einstellen des Gleichlaufs dargestellt.

    [0010] Die auf Fig.1 sichtbare Walzgerüsthälfte 1 begreift einen Ständer 2 in dem ein oberes Baustück 3 und ein unteres Baustück 4 angeordnet sind. In den Baustücken 3 und 4 sind die Oberwalze 5 sowie die Un­terwalze 6 drehbar gelagert. Das Antriebsystem und das axiale Ver­stellungssystem der Walzen sind, um die Fig. nicht zu überladen, auf dieser Prinzipzeichnung nicht dargestellt worden. Die Lage des un­teren Baustückes 4 wird horizontal durch die Verschleissplatten 7 und vertikal durch die Platte 8 festgelegt. Die vertikale Lage eines oberen Baustückes 3 wird durch zwei hydraulische Zylinder 11, welche sich in dem unteren Baustück 4 befinden, sowie durch eine sich an dem Ständer 2 abstützende Anstellschraube 10 bestimmt. Die Zylinder 11 werden über im unteren Baustück 4 vorgesehene Bohrungen mit Druck beaufschlagt. Die horizontale Lage des oberen Baustückes 3 ist kon­tinuierlich einstellbar; in der gezeigten Ausführungsform geschieht dies mittels drei Verstellschrauben 9 mit geringer Steigung, von denen zwei auf die Austrittseite des Baustückes 3 und eine auf die gegenüberliegende Seite wirken. Die insgesamt sechs Schrauben des Gerüstes erlauben folglich nicht nur ein horizontales Verstellen der Walzen quer zur Walzrichtung, sondern auch ein bequemes Ausrichten der Oberwalze 5 relativ zur Unterwalze 6 um bspw. die Parallelität der Walzenachsen zu ereichen.

    [0011] Um die gewünschten schraubenlinienförmig verlaufenden Rippen in zwei einander gegenüberliegenden Seiten des Betonbewehrungsstabes hineinzuwalzen, wird in die Unter- und Oberwalze eine entsprechende Anzahl Rippen eingefräst.

    [0012] Als besonders vorteilhaft hat sich aus antriebstechnischen Gründen erwiesen, den Walzendurchmesser derart zu wählen, dass sich eine ungerade Anzahl von Rippen einfräsen lässt. Hierdurch wird erreicht, dass das horizontale Verstellmass der Oberwalze nach "Vorne" (d.h. in Walzrichtung) oder "Hinten" (d.h. gegen die Walzrichtung) maximal die Viertel-Teilung zweier benachbarten Rippen beträgt. Ein grös­seres Verstellmass wird durch ein Drehen einer der beiden Walzen um 180 Grad und anschliessendes horizontales Verstellen vermieden. Das maximal benötigte horizontale Verstellmass ist folglich gering, so dass über dem Walzen keine hinderlichen Biegemomente auf das Produkt aufgebracht werden.

    [0013] Die erfindungsgemässe Verfahrensweise ist folgende:

    [0014] Nach einem Profilwechsel wird zuerst die horizontale Lage der beiden oberen Baustücke 3 mittels der Schrauben 9 grob eingestellt. Ueber dem Walzen der ersten Stablängen oder anhand von einem manuell abge­stochenen Probestück, erfolgt dann eine Fein-Einstellung der hori­zontalen Lage der Baustücke bis die Ober- und Unter-Rippen die opti­male relative Position zueinander aufweisen, welche ein späteres problemloses Aufschrauben der Muffen erlaubt. Die Verstellung der Oberwalze in Bezug auf die Unterwalze kann entweder nach "Vorne" oder nach "Hinten" vorgenommen werden. Das maximale Verstellmass (d.h. der maximale Abstand zwischen den zwei vertikalen Ebenen, in denen die Achsen der Ober- und der Unter-Walze liegen) beträgt ein Viertel des Abstandes zwischen zwei benachbarten Rippen, in Stab­achsenrichtung gemessen. Soviel freier Spielraum sollte beidseitig zwischen den oberen Baustücken 3 und dem Ständer 2 vorgesehen sein. Erfahrungsgemäss erübrigt es sich, die einmal optimal abgestellte Lage der oberen Baustücke öfters nachzustellen.

    [0015] Sollte man eine kontinuierliche Ueberwachung als wünschenswert er­achten, kann man in den Ballendurchmesser der Unter- und der Ober­walze Kerben eingravieren. Da die Umdrehungsgeschwindigkeit einer Walze etwa 700 U/min beträgt, kann die relative Lage von den Kerben bequem während des Walzens mittels einer Stroboskop-Lampe überwacht werden. Das Vorhandensein von Kerben, welche die relative Lage von Rippentälern sowie Rippen auf der Oberwalze respektiv Unterwalze markieren, erleichtert auch ungemein das Einstellen nach Kaliber­wechsel; der Gleichlauf ist bei genauer Gegenüberstellung zweier Kerben an den Walzen hergestellt.

    [0016] Statt der Schrauben 9, kann man auch hydraulische oder elektrische Stell-Motoren verwenden. In diesem Fall bietet es sich an, den Gleichlauf mittels elektromagnetischer Sensoren zu überwachen und die horizontale Lage der oberen Baustücke kontinuierlich nachzu­stellen. Zu diesem Zweck kann man bspw. Permanentmagnete an den Walzenseiten befestigen sowie Hall-Sensoren an dem Ständer. Die von den Sensoren abgegebenen Signale werden mit gespeicherten Daten ver­glichen, welche dem Gleichlauf entsprechen. Beim Auftreten eines Differenzsignales, wird derart auf die Motoren eingewirkt, dass der Gleichlauf wieder hergestellt wird.


    Ansprüche

    1. Verfahren zum Einstellen des Gleichlaufs eines Walzenpaars, wobei die beiden Walzen (5,6) seitlich in je zwei nebeneinander ange­ordneten Baustücken (3,4) gelagert sind und die Baustücke (3,4) sich an einem Ständer (2) abstützen, dadurch gekennzeichnet, dass das Einstellen des Gleichlaufs durch ein Verstellen der relativen Lage der nebeneinander angeordneten Baustücke (3,4) in oder gegen die Walzrichtung vorgenommen wird.
     
    2. Verfahren gemäss Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die Walzen (5,6) in einem Horizontal-Gerüst übereinander oder in einem Vertikal-Gerüst nebeneinander angeordnet sind.
     
    3. Verfahren gemäss Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass die relative Lage der Walzen (5,6) mittels an den Ballendurch­messern der Walzen (5,6) eingravierten Kerben eingestellt wird.
     
    4. Verfahren gemäss einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzei­chnet, dass der Gleichlauf der Walzen kontinuierlich über an den Ballendurchmessern der Walzen eingravierten Kerben mittels einer Stroboskop-Lampe überwacht wird und beim Feststellen einer Abwei­chung vom Gleichlauf ein relatives Verstellen der Baustücke vor­genommen wird, um den Gleichlauf wieder herzustellen.
     
    5. Verfahren gemäss Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass der Gleichlauf mittels an den Walzen (5,6) befestigten Signalge­bern und am Ständer (2) befestigten Fühlern kontinuierlich über­wacht wird, dass dieses Signal mit einem vorgegebenen, dem Gleichlauf entsprechenden Signal verglichen wird und, dass in Abhängigkeit des Differenz-Signals, auf die relative Lage der Walzen (5,6) eingewirkt wird.
     
    6. Vorrichtung zum Einstellen des Gleichlaufs eines Walzenpaars, wobei die Walzen (5,6) seitlich in je zwei nebeinander angeord­neten Baustücken (3,4) gelagert sind und die Baustücke (3,4) sich an einem Ständer (2) abstützen, dadurch gekennzeich­net, dass wenigstens die Baustücke einer der Walzen sich über Mittel an dem Ständer (2) abstützen, welche ein kontinuierliches Verstellen seiner horizontalen Lage erlauben.
     
    7. Vorrichtung gemäss Anspruch 6, dadurch gekennzeichnet, dass die Mittel aus Schrauben (9) mit geringer Steigung bestehen.
     
    8. Vorrichtung gemäss Anspruch 6, dadurch gekennzeichnet, dass die Mittel aus hydraulischen oder elektrischen Stell-Motoren bestehen.
     
    9. Vorrichtung gemäss Anspruch 8, dadurch gekennzeichnet, dass ma­gnetische Signalgeber an den Walzen befestigt sind sowie Sensoren an dem Ständer, dass die Sensoren mit einer elektrischen Ver­gleichsvorrichtung in Verbindung stehen, in der dem Gleichlauf entsprechende Daten gespeichert sind und, dass die Vergleichs­vorrichtung beim Auftreten eines Differenzsignals auf die Stell-­Motoren derart einwirkt, dass der Gleichlauf wieder hergestellt wird.
     
    10. Vorrichtung gemäss einem der Aussprüche 6 bis 9, dadurch gekenn­zeichnet, dass die Walzen eine ungerade Anzahl von Rippen besitzen.
     




    Zeichnung







    Recherchenbericht