(19)
(11) EP 0 220 342 A1

(12) EUROPÄISCHE PATENTANMELDUNG

(43) Veröffentlichungstag:
06.05.1987  Patentblatt  1987/19

(21) Anmeldenummer: 85201775.5

(22) Anmeldetag:  01.11.1985
(51) Internationale Patentklassifikation (IPC)4C10J 3/84
(84) Benannte Vertragsstaaten:
AT BE DE FR GB IT NL SE

(71) Anmelder: METALLGESELLSCHAFT AG
D-60015 Frankfurt (DE)

(72) Erfinder:
  • Ergezinger, Jakob
    D-6368 Bad Vilbel 4 (DE)

(74) Vertreter: Rieger, Harald, Dr. 
Reuterweg 14
60323 Frankfurt
60323 Frankfurt (DE)


(56) Entgegenhaltungen: : 
   
       


    (54) Verfahren zum Behandeln von wasserhaltigem Kondensat


    (57) Feste Brennstoffe werden mit Sauerstoff, Wasserdampf und Kohlendioxid bei einem Druck von 5 bis 100 bar im Festbett vergast. Das Rohgas aus der Vergasung wird gekühlt, wobei ein wasserhaltiges Kondensat entsteht. Das Kondensat wird zumindest teilweise in einer Wirbelschichtverbrennung bei Temperaturen im Bereich von etwa 750 bis 1000°C verbrannt, das dabei entstehende wasserdampfhaltoge Verbrennungsgas wird in die Vergasung geleitet. Das beim Kühlen des Rohga­ses anfallende Kondensat kann in einem Abscheider zumin­dest teilweise von Staub und Teer befreit werden, bevor man das Kondensat der Wirbelbettverbrennung zuführt. Die Wirbelbettverbrennung arbeitet vorzugsweise als zirkulie­rende Wirbelschicht.




    Beschreibung


    [0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zum Behandeln von wasserhaltigem Kondensat aus der Kühlung des Rohgases der Vergasung fester Brennstoffe mit Sauerstoff, Wasserdampf und Kohlendioxid enthaltenden Vergasungsmitteln unter ei­nem Druck von 5 bis 100 bar, wobei die Brennstoffe ein Festbett bilden, das sich langsam nach unten bewegt und unter dem man die unverbrennlichen mineralischen Bestand­teile des Brennstoffs als feste Asche oder flüssige Schlacke abzieht.

    [0002] Die Vergasung fester Brennstoffe, insbesondere von Kohle oder Braunkohle, im Festbett mit festbleibender Asche ist z.B. in Ullmanns Enzyklopädie der Technischen Chemie, 4. Auflage (1977), Band 14, Seiten 383-386, dargestellt. Einzelheiten dieser bekannten Vergasungsmethode sind auch in den US-Patentschriften 3 540 867 und 3 854 895 veröf­fentlicht. Die Vergasung des Brennstoffs im Festbett mit Abzug flüssiger Schlacke ist in den britischen Patent­schriften 1 507 905, 1 506 671 und 1 512 677 erläutert. Beim Verfahren des europäischen Patents 12 456 und dem da­zu korrespondierenden US-Patent 4 295 864 wird das beim Kühlen des Rohgases unter erhöhtem Druck anfallende Kon­densat entspannt, wobei Entspannungsdampf und eine flüssi­ge Phase entstehen. Der Entspannungsdampf wird einer Brennkammer zugeführt und bei Temperaturen oberhalb von 800°C verbrannt. Ein Teil der flüssigen Phase muß aus dem Prozeß entfernt und aufgearbeitet werden, weil sich sonst die Konzentration der Verunreinigungen im Gas oder im Kon­densat auf unzulässige Werte steigern würde. Das Aufarbei­ten und Reinigen von Flüssigkeit verursacht jedoch be­trächtliche Kosten.

    [0003] Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, den Anteil des Kondensats, der nicht in die Vergasung zurückgeführt oder beim Behandeln des Rohgases wiederverwendet werden kann, auf einfache und wirtschaftliche Weise zu beseitigen. Beim eingangs genannten Verfahren geschieht dies erfindungsge­mäß dadurch, daß man das Kondensat zumindest teilweise in einer Wirbelschichtverbrennung bei Temperaturen im Bereich von etwa 750 bis 1000°C verbrennt und das wasserdampfhal­tige Verbrennungsgas aus der Verbrennung in die Vergasung leitet. Das Reinigen eines Kondensatanteils entfällt hier­bei völlig und das Verbrennungsgas dient in der Vergasung als Vergasungsmittel.

    [0004] Eine Weiterbildung der Erfindung besteht darin, daß man das beim Kühlen des Rohgases anfallende Kondensat in einem Abscheider von Staub und Teer zumindest teilweise befreit, bevor man das Kondensat der Wirbelbettverbrennung zuführt. Staub und Teer werden in bekannter Weise in der Vergasung zurückgeführt.

    [0005] Zweckmäßigerweise führt man einen Teil des Verbrennungsga­ses in die Wirbelbettverbrennung zurück, wobei das Gas als Fluidisierungsmedium dient.

    [0006] Das Verfahren bietet auch die vorteilhafte Möglichkeit, aus dem Rohgas nach der Kühlung Schwefelverbindungen und Kohlendioxid zu entfernen und diese Stoffe der Wirbelbett­verbrennung zusammen mit Calciumverbindungen aufzugeben. Das CO₂ bleibt so dem Vergasungsverfahren erhalten und reduziert den Kohleverbrauch. Die Schwefelverbindungen, insbesondere H₂S, werden in der Wirbelbettverbrennung zu SO₂ umgewandelt und verbinden sich mit den Calciumver­bindungen, insbesondere Kalkstein oder Kalkmilch, zu Cal­ciumsulfat. Calciumsulfat wird dann mit der Achse der Ver­brennung abgezogen und kann problemlos deponiert werden.

    [0007] Eine vorteilhafte Ausgestaltung des Verfahrens besteht da­rin, daß man die Wirbelbettverbrennung bei einem Druck be­treibt, der um mindestens 2 bar höher ist als der Druck der Vergasung. Dadurch kann das Verbrennungsgas ohne zu­sätzliche Kompression in die Vergasung eingeleitet werden.

    [0008] Da das Rohgas und das daraus durch Abkühlung gebildete Kondensat etwa unter dem in der Vergasung herrschenden Druck anfallen, empfiehlt es sich, daß auch der Druck im Abscheider zum Behandeln des Kondensats etwa der gleiche wie in der Vergasung ist. Eine Entspannung von Kondensat, und somit die Behandlung von Entspannungsgasen, entfallen daher. Die Pumpleistung zum Einleiten der aus dem Abschei­der abgezogenen Flüssigkeiten in die Wirbelbettverbrennung und die Vergasung verringert sich.

    [0009] Beim erfindungsgemäßen Verfahren ist es ohne weiteres mög­lich, den in der Vergasung benötigten Wasserdampf allein durch den Wasserdampfgehalt des aus der Wirbelbettverbren­nung kommenden Verbrennungsgases aufzubringen. Ein Dampf­kessel zum Erzeugen zusätzlichen Wasserdampfes für die Vergasung entfällt somit. Das Verfahren kommt auch ohne Rauchgasbehandlung, z.B. Rauchgaswäsche, aus, da Stickoxi­de und Schwefeloxide in der Vergasung reduziert werden und als N₂ bzw. H₂S anfallen, wobei das H₂S zusammen mit anderen Schwefelverbindungen in der Rohgasreinigung ent­fernt werden kann. Im Ergebnis werden beim erfindungsge­mäßen Verfahren nach außen weder SO₂ noch Stickoxide ab­gegeben, es wird Wasser gespart und die Wiederverwendung von CO₂ reduziert den Kohleverbrauch. Wegen der Reini­gungswirkung der Wirbelbettverbrennung ist das Gesamtver­fahren umweltfreundlich. Ein geringer Mehrverbrauch an Sauerstoff fällt gegenüber bekannten Verfahren nicht ins Gewicht.

    [0010] Bei der Wirbelbettverbrennung kann die klassische Wirbel­schicht oder bevorzugt die zirkulierende Wirbelschicht zur Anwendung kommen, für welche Einzelheiten in der deutschen Auslegeschrift 25 39 546 und dem dazu korrespondierenden US-Patent 4 165 717 beschrieben sind. Bei der zirkulieren­den Wirbelschicht sind die Geschwindigkeiten des Fluidi­sierungsgases erheblich höher als bei der klassischen Wir­belschicht, so daß ständig große Feststoffmengen aus dem Wirbelschichtreaktor ausgetragen, vom Gas getrennt und zu­rück in den Wirbelschichtreaktor geleitet werden.

    [0011] Einzelheiten des erfindungsgemäßen Verfahrens werden mit Hilfe der Zeichnung erläutert.

    [0012] Der Vergasung 1 wird körnige Kohle mit einem Kornbereich von etwa 3 bis 60 mm durch die Leitung 2 zugeführt. Zur Vereinfachung sind in der Zeichnung Schleuseneinrichtungen nicht dargestellt. Die Vergasung 1, bei welcher sich der körnige Brennstoff im Festbett befindet, arbeitet im Druckbereich von 5 bis 100 bar. Vergasungsmittel kommen aus der Leitung 3, sie bestehen aus einem Verbrennungsgas, dem durch die Leitung 4 Sauerstoff zugegeben wird. Der un­verbrennliche Rückstand der Vergasung, bei dem es sich um feste Asche oder flüssige Schlacke handelt, wird in der Leitung 5 abgeführt.

    [0013] Das Rohgas der Vergasung gelangt in der Leitung 6 zu einem Waschkühler 7, in welchen durch die Leitung 8 Wasser oder überwiegend aus Wasser bestehendes Kondensat zugeführt wird. Im anschließenden Abhitzekessel 10 erfolgt eine wei­tere Kühlung, so daß das Rohgas in der Leitung 11 mit Tem­peraturen im Bereich von 120 bis 180°C abzieht und im Sumpf des Abhitzekessels 10 ein Kondensat mit ebenfalls Temperaturen von 120 bis 180°C anfällt. Dieses Kondensat wird in der Leitung 12 einem Abscheider 13 aufgegeben.

    [0014] Der Druck im Abscheider 13 ist im vorliegenden Fall nur etwa 1 bis 5 bar niedriger als in der Vergasung 1. Im Ab­scheider 13 erfolgt in an sich bekannter Weise die Schwer­krafttrennung verschiedener Komponenten des Kondensats. Eine schwere Phase, die reich an Staub und Teer ist, wird in der Leitung 14 abgezogen, wobei es sich anbietet, diese Phase ebenfalls der Vergasung 1 zuzuführen. Eine wasser­reiche Phase, die üblicherweise als Gaswasser bezeichnet wird, zieht man in der Leitung 15 ab und gibt sie unter der Wirkung der Pumpe 16 einer Wirbelbettverbrennung 17 auf. Falls erforderlich, wird Zusatzwasser in der Lei­tung 9 herangeführt.

    [0015] Der Wirbelbettverbrennung 17 führt man auch ein Abgas aus der Leitung 18 zu, das durch das Gebläse 19 aus einer Gas­reinigung 20 angesaugt wird. In der Gasreinigung 20 wird das Rohgas aus der Leitung 11 behandelt, wobei man durch bekannte Verfahren Schwefelverbindungen, insbesondere H₂S, sowie auch teilweise CO₂ entfernt. CO₂ und die­se Schwefelverbindungen sind im Abgas der Leitung 18 ent­halten. Das gereinigte Gas, das nun vor allem aus Wasser­stoff und Kohlenmonoxid besteht, steht zur weiteren Ver­wendung in der Leitung 21 zur Verfügung.

    [0016] Der Wirbelbettverbrennung17 führt man als Brennstoff Feinkohle mit Korngrößen bis 10 mm durch die Leitung 22 und gemahlenen Kalkstein, Dolomit oder Kalkmilch durch die Leitung 23 zu. Diese Calciumverbindungen werden in der Verbrennung 17 bei den dort herrschenden Temperaturen von 750 bis 1000°C und vorzugsweise 800 bis 900°C zu CaO umge­wandelt, welches das aus den Schwefelverbindungen gebilde­te SO₂ als Calciumsulfat bindet. Als Wirbelgas wird der Verbrennung 17 ein in der Leitung 25 zurückgeführter Teil­strom der Verbrennungsgase verwendet, dem man in der Lei­tung 26 Sauerstoff, Luft oder auch mit Sauerstoff angerei­cherte Luft zumischt.

    [0017] Durch die hohen Wirbelgasgeschwindigkeiten in der Verbren­nung 17 werden zusammen mit den Verbrennungsgasen ständig erhebliche Feststoffmengen aus der Verbrennungszone ausge­tragen und durch die Leitung 27 einem Zyklon 28 zugeführt, in welchem die Feststoffe aus dem Gas weitgehend abge­schieden werden. Die Feststoffe, die überwiegend aus Brennstoffasche und Calciumsulfat bestehen, verlassen den Zyklon 28 in der Leitung 30 und werden zu etwa 80 bis 90 % in der Leitung 31 in die Verbrennung 17 zurückgeführt. Die restlichen Feststoffe zieht man in der Leitung 32 ab und kann sie nach einer nicht dargestellten Kühlung z.B. depo­nieren. Die Wirbelbettverbrennung 17 mit der Verbindungs­leitung 27, dem Zyklon 28 sowie den Leitungen 30 und 31 stellt die für die zirkulierende Wirbelschicht typische apparative Anordnung dar.

    [0018] Das im Zyklon 28 von Feststoffen weitgehend befreite Ver­brennungsgas strömt in der Leitung 33 ab, wobei es Tempe­raturen von 750 bis 1000°C und vorzugsweise 800 bis 900°C aufweist. Zum Kühlen und zum Erhöhen des Wasserdampfgehal­tes wird diesem Gas durch die Leitung 34 herangeführtes Wasser, bei dem es sich auch um Kondensat oder Gaswasser handeln kann, eingesprüht. Das mit Wasserdampf angerei­cherte Verbrennungsgas wird dann teilweise über das Geblä­se 35 und die Leitung 25 in der bereits beschriebenen Wei­se zur Verbrennung 17 zurückgeführt, das restliche Ver­brennungsgas führt man in der Leitung 3 der Vergasung 1 zu.

    Beispiel:



    [0019] In einer der Zeichnung entsprechenden Verfahrensführung gibt man der Vergasung 1 1000 kg Kohle (wasser- und aschefrei gerechnet) auf. Die Kohle, die einen Körnungs­bereich von 5 bis 40 mm aufweist, enthält 51 kg Feuchte, 126 kg Asche und 21 kg Schwefel. Als Vergasungsmittel führt man durch die Leitung 3 Verbrennungsgas heran, das aus folgenden Gaskomponenten besteht:
    CO₂ 107 Nm³
    O₂ 7 Nm³
    N₂ 2 Nm³
    und das 323 kg Wasserdampf enthält. Die Temperatur des Ga­ses liegt bei 400°C. Dem Verbrennungsgas werden 477 Nm³ Sauerstoff aus der Leitung 4 zugemischt. Der Druck in der Vergasung 1 liegt bei 30 bar und in der Verbrennung 17 bei 32 bar.

    [0020] Im Abhitzekessel 10 fallen bei einer Temperatur von 180°C 230 kg Kondensat an, das 185 kg Wasser enthält. Dieses Wasser wird in einem Abscheider13 als Gaswasser abge­trennt und durch die Leitung 15 der Verbrennung 17 zuge­führt. Durch die Leitung 9 wird Rohwasser in einer Menge von 20 kg zugegeben. In der Gasreinigung 20 entsteht ein Abgas aus 49 Nm³ CO₂, 14 Nm³ H₂S und 1 Nm³ COS, das über den Kompressor 19 und die Leitung 18 ebenfalls in die Verbrennung 17 gegeben wird, die als zirkulierende Wirbelschicht ausgestaltet ist. Der Verbrennung 17 gibt man ferner 26 kg Feinkohle, 110 kg gemahlenen Kalkstein und 76 Nm³ Sauerstoff auf. Das Verbrennungsgas der Lei­tung 33 weist eine Temperatur von 850°C auf, es wird mit 96 kg Rohwasser aus der Leitung 34 bedüst und dabei auf 400°C abgekühlt. 2200 Nm³ Reingas verlassen in der Lei­tung 21 die Gasreinigung 20.


    Ansprüche

    1. Verfahren zum Behandeln von wasserhaltigem Kondensat aus der Kühlung des Rohgases der Vergasung fester Brennstoffe mit Sauerstoff, Wasserdampf und Kohlendiox­id enthaltenden Vergasungsmitteln unter einem Druck von 5 bis 100 bar, wobei die Brennstoffe ein Festbett bil­den, das sich langsam nach unten bewegt und unter dem man die unverbrennlichen mineralischen Bestandteile des Brennstoffs als feste Asche oder flüssige Schlacke ab­zieht, dadurch gekennzeichnet, daß man das Kondensat zumindest teilweise in einer Wirbelschichtverbrennung bei Temperaturen im Bereich von etwa 750 bis 1000°C verbrennt und das wasserdampfhaltige Verbrennungsgas aus der Verbrennung in die Vergasung leitet.
     
    2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß das beim Kühlen des Rohgases anfallende Kondensat in einem Abscheider von Staub und Teer zumindest teilweise befreit wird, bevor man das Kondensat der Wirbelbett­verbrennung zuführt.
     
    3. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeich­net, daß man einen Teil des Verbrennungsgases in die Wirbelbettverbrennung zurückführt.
     
    4. Verfahren nach Anspruch 1 oder einem der folgenden, da­durch gekennzeichnet, daß man aus dem Rohgas nach der Kühlung Schwefelverbindungen und einen Teil des Kohlen­dioxid entfernt und diese Stoffe der Wirbelbettverbren­nung zusammen mit Calciumverbindungen aufgibt.
     
    5. Verfahren nach Anspruch 1 oder einem der folgenden, da­durch gekennzeichnet, daß man das Verbrennungsgas durch Einsprühen von Wasser kühlt.
     
    6. Verfahren nach Anspruch 1 oder einem der folgenden, da­durch gekennzeichnet, daß die Wirbelbettverbrennung bei einem Druck betrieben wird, der um mindestens 2 bar hö­her ist als der Druck in der Vergasung.
     
    7. Verfahren nach Anspruch 1 oder einem der folgenden, da­durch gekennzeichnet, daß der Druck im Abscheider etwa der gleiche ist wie in der Vergasung.
     




    Zeichnung







    Recherchenbericht