[0001] Die Erfindung betrifft eine Einrichtung für Scheinzielerzeugung und Tarnung, insbesondere
an Schiffen, zur Erschwerung bzw. Verhinderung der Positionsbestimmung bei Fremdortung
mittels Radar und/oder Wärmemessung, wie z. B. Infrarotmessung.
[0002] Es ist aus der CH.-Z. "Internationale Wehrrevue" 8/1978, Seite 1307-1308, bekannt,
Scheinzielmaterial, z. B. von einem Schiff zu verschießen, um die Fremdortung zu erschweren.
Das Scheinzielmaterial besteht entweder aus metallischen Materialien (Dübbel), die
eine Reflektion der elektromagnetischen Strahlung im Radarbereich bewirken oder aus
sogenannten Infrarotfackeln mit wärmeabstrahlenden Substanzen, die mittels Wärmemeßgeräten,
z. B. IR-Ortungsgeräten, wahrnehmbar sind. Dieses bekannte Täuschsystem ist lediglich
für eine Scheinzielerzeugung geeignet, nicht aber für die Radar- und IR-Tarnung des
Schiffes selbst verwendbar.
[0003] Für die unterschiedlichen Ortungsverfahren über die Wärmeabstrahlung und über die
Reflektion eletromagnetischer Wellen im Radarspektrum sind bisher unterschiedliche
Mittel für die Scheinzielerzeugung erforderlich, die sehr teuer sind und einen hohen
technischen Aufwand aufgrund der unterschiedlichen Wirkungsweise erfordern und darüber
hinaus eine kurze Standzeit und Wirkung haben. Ferner besitzen derartige bekannte
Munitionsarten nur eine begrenzte Lagerfähigkeit und müssen in Abständen von ca. 2
bis 3 Jahren ersetzt werden. So ist z. B. der DE-PS 29 34 974 zu entnehmen, daß allein
für eine IR-Abschirmung der Motorabgase aufwendige Konstruktionen im oberen Bereich
des Schornsteins erforderlich sind, um mittels Zuführung von Kühlluft, gegebenenfalls
mit Hilfe von Wasserzusatzdüsen, die Temperatur des Abgasstromes zu senken.
[0004] Wenn bei dieser bekannten Vorrichtung die IR-Abschirmung auch perfekt sein dürfte,
so ist der Nachteil darin zu sehen, daß eine Tarnung eines solchen Schiffes trotz
IR-abgeschirmter Abgase nicht erreicht wird und das Schiff durch Radar einwandfrei
und konturenscharf zu orten bleibt.
[0005] Durch die DE-OS 29 11 639 ist ein Verfahren zur Erzeugung einer Wärmestrahlen emittierenden
Aerosolwolke durch bordfest installierte Zerstäubungsdüsen bekannt. Dieses Verfahren
ist nicht für eine Radarscheinzielerzeugung und auch nicht für die Tarnung des Schiffes
selbst geeignet. Außerdem ist die Verwendung von Aerosol umweltschädlich, teuer, und
Aerosol ist nur in begrenzter Menge auf dem Schiff verfügbar.
[0006] Bei allen bekannten Scheinzielmitteln, die sowohl auf Wärmemessung als auch auf elekromagnetische
Strahlung reagieren, besteht der Nachteil darin, daß trotz der Zielvervielfachung
durch die Scheinziele das zu tarnende Schiff konturenscharf zu orten ist.
[0007] Die Aufgabe der Erfindung besteht darin, die vorbeschriebenen Nachteile bei bekannten
Einrichtungen zu beheben und eine Einrichtung zu schaffen, die relativ einfach ist
und nur mit einem Mittel arbeitet, das jederzeit in unbegrenzter Menge verfügbar und
umweltfreundlich ist. Dabei soll auf die Verwendung teurer, unterschiedlicher und
umweltschädlicher Mittel verzichtet werden. Ferner besteht die weitere Aufgabe darin,
eine einheitliche Einrichtung mit nur einem Mittel zu schaffen, mit der sowohl elektromagnetisch
wirkende als auch wärmeabstrahlende Scheinziele erzeugbar sind, sowie im Bedarfsfall
auch eine IR-Abschirmung ohne zusätzliche Vorrichtung erzielt werden kann.
[0008] Die gestellten Aufgaben werden nach der Erfindung durch die in den Patentansprüchen
angegebenen Mittel und Maßnahmen gelöst, wonach als Medium für die Erzeugung von Scheinzielen
und zur Tarnung insbesondere Wasser verwendet wird, das mittels Wasserwerfern als
ein aus feinen Tröpfchen bestehender Wassernebel versprüht wird.
[0009] Ein nach der Erfindung ausgestattetes Schiff ist in der Lage, z. B. bei ESM-Alarm
fast verzugsfrei mit den Flüssigkeitsnebel erzeugenden Werfern fein vernebelte Wasserwolken
mit kleinen und kleinsten Tropfen in einer derartigen Dichte zu erzeugen, die bei
Radar-Ortung als separate Ziele erscheinen, wodurch die Zielerfassung des wirklichen
Zieles erschwert wird. Dabei kann darüber hinaus durch eine kontinuierliche Wassernebelerzeugung
aufgrund der unerschöpflichen Menge des vorhandenen Scheinzielmittels, nämlich Wasser,
bei entsprechender Leistung der Werfer eine großflächige Wassernebelwolke erzielt
werden, die größer ist als das zu ortende Schiff, so daß dadurch die Täuschung und
Tarnung durch Konturenverwischung noch wirksamer ist.
[0010] Die vorliegende Erfindung nutzt dabei die Erkenntnisse der Radaranwendung in der
Meteorologie aus. So ist aus dem Buch "Radar und Funknavigation", Ausgabe 1973, Vogel-Verlag,
Würzburg, Abs. 1.9.3., u.a. bekannt, daß Radarmessungen auf größere Entfernungen durch
die Absorption und Streuung an Wolken und Regentropfung beeinträchtigt werden, ferner,
daß Wolken auf Entfernungen von einigen hundert Kilometern entdeckt werden, besonders,
wenn sie beginnen abzuregnen. Außerdem wurde festgestellt, daß Zielverfolgungsradargeräte
mit größerem Erfolg zur Bestimmung der Luftbewegungen eingesetzt werden.
[0011] Die Erfindung geht von dem Gedanken aus, künstliche Wassernebelwolken zu erzeugen,
um diese für die Tarnung von Schiffen zu nutzen. Dabei zeigte sich eine Vielzahl überraschender,
unvorhergesehener Wirkungen, u. a.,daß bei der Erzeugung von Wassernebelwolken feiner
und feinster Tropfen und einer variablen Dichte durch Druckregelung an den Verstäubungsdüsen
eine mehr oder weniger gewünschte Reflektion der Radarwellen unterschiedlicher Frequenzen
erzielt werden kann. Bei Wassernebelwolken hoher Dichte - vergleichbar mit schwerem
Regen - wird z. B. eine gewünschte starke Reflektion erreicht, die wiederum durch
die kugelige Form der Niederschlagspartikel streuende Reflektionen z. B. an Wellen
hervorrufen und bei Rücklauf zur Antenne zur erwünschten Meßverfälschung beim Gegner
führen kann. Andererseits ist es möglich, Druckregulierung eine Dichte zu erzeugen,
bei der Absorption und Reflektion der Radarwellen derart abstimmbar sind, daß das
Schiff weder durch Radar noch durch IR-Messung erfaßbar ist. Andererseits ist die
Scheinzieldarstellung für eine IR-Ortung mittels warmen Wassers, ggf. unter Beimischung
eines umweltfreundlichen Alkalimetalls, z. B. Natrium, zur Temperaturerhöhung in der
Wassernebelwolke einfach und wirkungsvoll druchführbar.
[0012] Durch eine intermittierende Arbeitsweise der Flüssigkeitsnebel erzeugenden Werfer
können außerdem auch einzelne Wasserwolken erzeugt werden, die bei geeigneter Windgeschwindigkeit
und Windrichtung sich als einzelne Objekte bei Radarortung darstellen und sich in
eine andere oder gleiche Richtung zum Kurs des Schiffes bewegen.
Weitere vorteilhafte Ausgestaltungen der Erfindung sind Gegenstand der Unteransprüche.
[0013] Die Erfindung wird im folgenden anhand der Zeichnung an einem Ausführungsbeispiel
näher erläutert.
[0014] In der Figur ist ein Schiff 1 von der vorderen Ansicht dargestellt, auf dem - schematisch
dargestellt - an der Steuerbordseite ein Werfer 2 ersichtlich ist. Die Ausstoßachse
3 ist aus der Horizontalen 4 um den Winkel Alpha angehoben, wobei der Werfer in einem
Winkel von ca. 45° unter Berücksichtigung der Windrichtung 5 und -geschwindigkeit
die maximale Wurfweite erreicht und eine Wassernebelwolke 6 weit vom Schiff 1 entfernt
erzeugt. Bei kontinuierlichem Ausstoß des Flüssigkeitsnebel erzeugenden Mediums wird
eine relativ langgestreckte Wassernebelwolke 6 als Scheinziel erzeugt, welche sich
mit dem Wind scheinbar als großes Zielobjekt in Richtung 7 quer ab vom Kurs des Schiffes
1 bewegt. Bei intermittierendem Ausstoß des Flüssigkeitsnebel erzeugenden Mediums
können weitere Wassernebelwolken 8 erzeugt werden, wodurch bei Ortung der Eindruck
erreicht werden kann, daß sich mehrere Objekte in Richtung 7 bewegen.
[0015] Durch eine Druckregelung des Mediums und Wahl des Ausstoßwinkels Alpha können für
die Zielerkennung verschiedenartige Gebilde erzeugt werden, z. B. schmale hochgestreckte
bis zu breiten langgestreckten Wassernebelwolken. Für eine IR-erkennende Ortung kann
z. B. Wasser, das als Flüssigkeitsnebel erzeugendes Medium verwendet wird, in einem
Reservoir, z. B. in einem nicht dargestellten Drucktank unter Deck, erwärmt werden,
aus dem die Pumpen der Werfer gespeist werden. In ähnlicher Weise können wärmeerzeugende
Chemikalien dem Medium in einem solchen Reservoir beigemischt werden, z. B. ein Alkalimetall
wie Natrium oder auch elektromagnetisch reflektierende Zuschlagstoffe, z. B. ein geeignetes
Metallpulver.
[0016] An der Backbordseite ist ein Werfer 9 dargestellt, der von der Horizonzalen 4 in
einem Winkel 10 nach oben gerichtet ist. Mit dieser Darstellung soll gezeigt werden,
wie z. B. eine IR-Abschirmung, z. B. der Abgase 11, vorgenommen werden kann. Das Flüssigkeitsnebel
erzeugende Medium wird zunächst an der Luvseite ungefähr in senkrechter Richtung 12
vom Werfer 9 ausgestoßen. Der Ausstoßwinkel 10 und der Ausstoßdruck werden der Windgeschwindigkeit
aus Richtung 5 derart angepaßt, daß sich eine Nebelfahne 13 um den oberen Bereich
des Schornsteins 14 legt und die hieraus entweichenden Abgase 11 einhüllt und abkühlt.
Dabei kann die Nebelfahne 13 derart gesteuert werden, daß z. B. im Bedarfsfalle die
Antennen, z. B die Radarantenne 15, aus der Nebelfahne 13 herausragen und der Dämpfungseinfluß
auf die emittierte Radarstrahlung auf ein Minimum reduziert wird.
[0017] Zusätzlich können durch weitere an der Backbordseite angeordnete Werfer Wassernebelwolken
16 gegen die Windrichtung 5 erzeugt werden, um gegebenenfalls weitere wärmestrahlende
Flächen des Schiffes backbordseitig abzudecken.
[0018] Außer an den Backbord- und Steuerbordseiten sind zweckmäßig weitere Werfer 17 und
18 am Bug und am Heck des Schiffes angeordnet, so daß in jedem Fall eine konturenverwischende
Scheinzieldarstellung bzw. eine IR-Abschirmung bei Fremdortung erzielt werden kann.
[0019] Die rundum am Schiff angeordneten Werfer können auch aus nach Richtung, Höhe und
Druck steuerbaren Werferrohren bestehen, die aus einem gemeinsamen Druckreservoir
gespeist werden können, wobei eine beliebige Auswahl und Anzahl von Werferrohren,
je nach den taktischen Erfordernissen, in Tätigkeit gesetzt werden können. Dabei kann
die Funktion der Werfer entweder manuell oder auch automatisch durch eine elektronische
Steuerung z. B. bei ESM-Alarm, schaltbar ausgebildet sein.
[0020] Da das Wasser in Form feinster Tröpfchen versprüht wird, bleiben die Wassernebelwolken
für eine gewisse Zeit erhalten. Durch die Wahl geeigneter, gegebenenfalls auch verstellbarer
Düsen der Wasserwerfer können unter Berücksichtigung der Witterungsverhältnisse die
Dichte der Wolke und die Schwebezeit der Tröpfchen oder Partikel beeinflußt werden.
[0021] Außer an Schiffen, ist die Einrichtung auch vorteilhaft für Tarnzwecke bzw. Zieltäuschung
an feststehenden Objekten, z. B. Brücken, Schwimmbrücken, Munitionsdepots und Brennstofflagern,
aber auch an gefährdeten Landfahrzeugen, z. B. Panzern, Munitions- und Tankfahrzeugen
verwendbar.
1. Einrichtung für Scheinzielerzeugung und Tarnung insbesondere an Schiffen, zur Erschwerung
bzw. Verhinderung der Positionsbestimmung bei Fremdortung mittels Radar und/oder Wärmemessung,
z. B. Infrarotmessung, unter Verwendung von Zerstäubungsdüsen für Flüssigkeiten, dadurch
gekennzeichnet, daß die Zerstäubungsdüsen in Abständen im Bereich der äußeren Kontur
des Fahrzeuges (1) verteilt sind und nach allen Richtungen nach außen wirkende Kalt-
und/oder Warmwassernebel erzeugende Wasserwerfer (2, 9, 17, 18) sind.
2. Einrichtung nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß der Flüssigkeitsnebel
erzeugende Werfer (2, 9, 17, 18) aus einer oder mehreren Flüssigkeitspumpen und einem
oder mehreren Werferrohren besteht.
3. Einrichtung nach Anspruch 1 und 2, dadurch gekennzeichnet, daß die Ausstoßrichtung
(3, 12) der Werfer (2, 9, 17, 18) in horizontaler Ebene und aus einer etwa horizontalen
Ebene (4) bis zu ca. 90° nach oben (12) schwenkbar ist.
4. Einrichtung nach einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, daß der Druck
der Flüssigkeitsnebel erzeugenden Medien regelbar ist.
5. Einrichtung nach einem der Ansprüche 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, daß das Flüssigkeitsnebel
erzeugende Medium einen wärmeerzeugenden Zuschlagstoff, z. B. Alkalimetall, Natrium
und/oder einen elektromagnetisch reflektierenden Zuschlagstoff, z. B. Metallpulver,
enthält.
6. Einrichtung nach einem der Ansprüche 1 bis 5, dadurch gekennzeichnet, daß die einzelnen
Werfer (2, 9, 17, 18) aus nach Richtung und Druck steuerbaren Werferrohren bestehen,
die aus einem gemeinsamen Druckreservoir speisbar sind.
7. Einrichtung nach einem der Ansprüche 1 bis 6, dadurch gekennzeichnet, daß die Funktion
der Werfer (2, 9, 17, 18) manuell oder automatisch, insbesondere durch ESM-Alarm ein-
und ausschaltbar ist.
8. Verwendung der Einrichtung nach einem der Ansprüche 1 bis 7 an Landfahrzeugen,
insbesondere an Kettenfahrzeugen, Munitionsfahrzeugen und Tankfahrzeugen.
9. Verwendung der Einrichtung nach einem der Ansprüche 1 bis 7 an feststehenden Objecten,
insbesondere an Schwimm- und Festbrücken, Munitionsdepots und Brennstofflagern.