[0001] Die Erfindung betrifft einen Träger für eine lithographische Druckplatte aus einem
Walzblech, bestehend aus einer Aluminium-Legierung mit bis zu 2% Eisen. Zudem liegt
im Rahmen der Erfindung ein Verfahren zur Herstellung eines solchen Trägers.
[0002] Lithographische Druckplatten bestehen in der Regel aus einem mit einer lichtempfindlichen
Schicht versehenen Aluminiumblech. Dieses muss einer Reihe von Anforderungen genügen.
Die in schnellaufenden Rotationszylindern eingespannten Druckplatten müssen hohe
Streck- und Bruchfestigkeiten aufweisen und dürfen auch nach einer langen Betriebsdauer
von mehreren hunderttausend Durchgängen mechanisch nicht versagen. Die Einspannbedingungen
verlangen eine hohe Duktilität. Ein allfälliges Einbrennen der lichtempfindlichen
Schicht setzt das Aluminiumblech Temperaturen von 220 bis 270 °C aus; auch nach einer
solchen Behandlung muss das Blech genügend hohe statische und dynamische Fertigkeit
aufweisen. Um die Wasserführung beim Druck zu gewährleisten, um eine reflexionsarme
gleichförmige Oberfläche zu erreichen, sowie um einen geeigneten Haftgrund für die
Fotoschicht zu erstellen, wird die Blechoberfläche mechanisch, chemisch oder elektrolytisch
aufgerauht. Diese Aufrauhung darf keine zu grossen Poren entstehen lassen, welche
undefinierte Aufnahme und Abgabe von Druckflüssigkeit zur Folge hätten. Die Blechoberfläche
muss deshalb frei von grossen ausgeschiedenen intermetallischen Partikeln und auch
frei von grösseren Ansammlungen feiner Partikel sein, da eine Herauslösung derselben
beim Aufrauhen entsprechend grosse Poren hinterliesse.
[0003] Gebräuchliche Werkstoffe für Druckplattenbleche sind die Aluminiumlegierungen AA
1050 (mit 99.5% Al), AA 1200 (mit 99.2% Al) und AA 3003 (mit mindestens 1% Mn). Während
die Legierungen AA 1050 und AA 1200 zwar eine gute Oberfläche, jedoch für viele Druckplattenanwendungen
eine zu tiefe statische und dynamische Festigkeit aufweisen, führt die Legierung
AA 3003 zu hohen Festigkeiten, bietet aber infolge grober Ausscheidungen und Ausscheidungsnestern
Probleme bei höheren Druckqualitätsanforderungen.
[0004] Es wurden auch Legierungen mit höheren Eisengehalten vorgeschlagen, beispielsweise
in der EP-A-67056 eine Aluminiumlegierung mit höchstens 1.2% Fe, Rest Aluminium und
Verunreinigungen in einer Menge von jeweils höchstens 0.15%. Von noch höheren Eisengehalten
wird in dieser Schrift abgeraten, da diese zu störenden groben Ausscheidungen führen;
für eine weitere Festigkeitssteigerung wird jedoch empfohlen, als Druckplattenträger
einen Verbund zu verwenden, welcher die genannte Legierung lediglich als Deckblech
zu einem Kernmaterial aus einer beliebigen Aluminiumlegierung höherer Festigkeit einsetzt.
Aus der JP-A-52 029 301 ist eine Aluminiumlegierung für lithographische Druckplatten
bekannt, welche 0.6 bis 2% Fe, höchstens 0.15% Si, gegebenenfalls mindestens 0.5%
Mg, Rest Aluminium und Verunreinigungsspuren enthält. Da aus einer Schmelze mit dieser
Zusammensetzung gegossene Stranggussbarren an der Oberfläche Al₃Fe Partikel und im
Barreninnern Al₆Fe - Partikel als Ausscheidungen aufweist, den Al₃Fe - Partikeln
jedoch eine gröbere ungünstigere Form als den Al₆Fe - Partikeln zu eigen ist, müssen
diese Barren stark überfräst werden.
[0005] Der Erfindung liegt daher die Aufgabe zugrunde, einen Träger für lithographische
Druckplatten aus einem Walzblech, bestehend aus einer Aluminiumlegierung bereitzustellen,
welcher den genannten hohen Anforderungen an die mechanischen Eigenschaften und die
Oberflächenbeschaffenheit bzw. Aetzbarkeit genügt, ohne hierzu aufwendige Zusatzoperationen
zu erfordern. Weiter soll ein Verfahren geschaffen werden, welches zu solchen Trägern
führt.
[0006] Erfindungsgemäss wird die Aufgabe dadurch gelöst, dass das Blech folgende Legierungszusammensetzung
aufweist (Gewichts-%):
0.8 bis 2.0% Eisen, bis 0.8% Silizium, bis 1.0% Mangan, wobei die Summe der Si- und
Mn-Gehalte zwischen 0.3 und 1.3 liegt, bis 0.5% Kupfer, bis 0.8% Magnesium, bis 2.0%
Zink und je bis 0.3%, insgesamt bis 1.0% andere Bestandteile, Rest Aluminium.
[0007] Durch die Auswahl der Legierungszusammensetzung, insbesondere der Fe-, Mn- und Si-Gehalte,
gelingt es, hohe statische und dynamische Festigkeiten des Druckplattenträgers, auch
nach einer thermischen Belastung von bis zu 270 °C bei der Behandlung der Druckplatte,
zu erreichen. Die erfindungsgemässe Auswahl führt zudem zu einer für die chemische
oder elektrolytische Aufrauhung nötige, gleichmässig feine Oberflächenstruktur. Die
beim Giessen sich ausscheidende Al₆(Fe,Mn) - Phase bleibt aufgrund dieser Legierungszusammensetzung
stabil und wird nicht, wie bei anderen Fe - reichen Aluminiumlegierungen, bei folgenden
Wärmebehandlungen in die unerwünschte Al₃Fe - Phase umgewandelt. Die zudem auftretende
ternäre AlFeSi - Phase zeichnet sich durch eine feine Struktur aus. Ohne das vorzügliche
Verhalten der Legierung zu beeinträchtigen, kann bei allfällig noch höher liegenden
Festigkeitsanforderungen Cu, Mg oder Zn bis zur angegebenen Höchstmenge zulegiert
werden.
[0008] Als vorteilhaft hat sich erwiesen, einen Fe-Gehalt zwischen 1.1 und 1.8%, einen Mn-Gehalt
zwischen 0.25 und 0.6%, einen Si-Gehalt zwischen 0.1 und 0.4% sowie einen Cu-Gehalt
von höchstens 0.3% zu wählen. Besonders geeignet sind Träger, deren Gewichtsverhältnis
Fe-Gehalt zu Mn-Gehalt zwischen 2.5 und 4.5 liegt.
[0009] In bezug auf das Verfahren zur Herstellung eines Trägers mit erfindungsgemässer Legierungszusammensetzung
wird die Aufgabe vorteilhaft gelöst, indem die Legierung zu einem Band von 5 bis 12
mm Dicke vergossen und zu einem Walzblech von 0.03 bis 0.6 mm Dicke verarbeitet wird.
Die beim Bandgiessen herrschenden Bedingungen lassen die Vorzüge der Legierungszusammensetzung
sich voll entwickeln. Hierzu eignen sich insbesondere Giessanlagen, bei welchen die
Schmelze dem Spalt zwischen zwei innengekühlten Walzen zugeführt wird.
[0010] Ein weiteres zweckmässiges Verfahren zur Herstellung eines Trägers im Rahmen der
Erfindung besteht darin, die erfindungsgemässe Legierung in einer elektromagnetischen
Kokille bekannter Bauart zu vergiessen, bei welcher der Metallstrang, ohne vorgängige
Wärmeabführung über eine Kokille, direkt mit einer Flüssigkeit gekühlt wird. Der Strang
wird sodann auf übliche Weise warm- und kaltgewalzt bis zu einer Enddicke von 0.03
bis 0.6 mm. Die mit dieser Giessmethode verbundenen Abkühlbedingungen führen bei der
Strang- und sodann bei der Blechoberfläche zu einer zusätzlichen Verfeinerung der
Ausscheidungsstruktur, was ein verbessertes Aetzverhalten im Sinne der Aufgabe zur
Folge hat.
[0011] Weitere Vorteile, Merkmale und Einzelheiten der Erfindung ergeben sich aus der nachfolgenden
Beschreibung eines bevorzugten Ausführungsbeispiels.
[0012] Zum Vergleich mit konventionellen Druckplattenträger wurde ein Stranggussbarren der
erfindungsgemässen Zusammensetzung (E) und 3 konventioneller Zusammensetzungen (V1,
V2 und V3) an 4.2 mm warmgewalzt und anschliessend über 1.1 mm an 0.25 mm kaltgewalzt
(Tab. 1). Alle 4 Muster wurden elektrolytisch aufgerauht, gebeizt und anodisch oxidiert.
Die Rauhigkeit dieser Trägerbleche wurde ausgemessen (Tab. 4).
[0013] Zudem wurde ein Teil der 0.25 mm dicken Bleche einer Glühung von 270 °C während
3 Stunden ausgesetzt. Sowohl an den walzharten als auch an den geglühten Proben wurden
Zugversuche durchgeführt (Tab. 2). Zur Bestimmung der Biegefesstigkeit wurden bei
einer Zwischendicke von 1.1 mm Blechproben entnommen, welche einer Wechselbelastung
von 100 MPa bis zum Bruch ausgesetzt wurden (Tab. 3).
[0014] Das Resultat der Zugproben zeigt, dass im walzharten Zustand das erfindungsgemässe
Trägerblech (E) sowohl höhere Zugfestigkeit und höhere Streckgrenze, als auch höhere
Dehnung als die Vergleichsbleche (V1) und (V2) aufweist. Festigkeit und Streckgrenze
von (E) wird nur durch das Vergleichsblech (V3) übertroffen, dieses weist jedoch
eine wesentlich tiefere Dehnung auf. Die während 3 Stunden bei 270 °C geglühten Bleche
zeigen das unterschiedliche Entfestigungsverhalten der erfindungsgemässen Variante
(E) einerseits und der Vergleichsvarianten (V1) und (V2) andererseits; (E) weist
bei höherer Festigkeit und wesentlich höherer Streckgrenze eine nur geringfügig kleinere
Bruchdehnung auf. Das Vergleichsblech (V3) übertrifft (E) auch im geglühten Zustand
bzgl. Festigkeit und Streckgrenze und steht diesem bzgl. Bruchdehnung erheblich nach.
[0015] Das angesichts der Einsatzbedingungen lithographischer Druckplatten bedeutungsvolle
dynamische Verhalten der Trägerbleche wird durch das Resultat der Biegewechselfestigkeitsversuche
demonstriert. Die Anzahl Lastspiele bis zum Bruch liegen bei der Variante (E) um 25%
höher als bei der Vergleichsvariante (V1).
[0016] Die aufgabengemässe Aetzbarkeit wurde durch eine Rauhigkeitsmessung der behandelten
Trägerbleche quantifiziert. Bezüglich der mittleren Rauhigkeit entspricht das erfindungsgemässe
Trägerblech (E) dem Vergleichsblech (V1). Der laterale Abstand der Rauhigkeitsspitzen
ist bei (E) jedoch um etwa 25% geringer als bei (V1), Ausdruck einer feineren Oberflächenstruktur.
Die Höhendifferenz zwischen den höchsten Spitzen und den tiefsten Tälern ist bei
(V1) um 25% grösser als bei (E) und birgt somit bereits eine erhöhte Gefahr unkontrollierter
Ablagerungen von Druckflüssigkeit. Das Vergleichsblech (V3) schliesslich, weist eine
etwa 50% höhere mittlere Rauhigkeit auf; die maximale Höhendifferenz liegt gar um
125% oberhalb des entsprechenden Wertes bei (E) bzw. 80% oberhalb (V1). Diese Messungen
bestätigen die aus Druckversuchen bekannte schlechtere Druckqualität mit der für (V3)
eingesetzten Legierung AA 3003 im Vergleich mit der für (V1) eingesetzten Legierung
AA 1200, sodass bei hohen Druckqualitäts-Anforderungen die Legierung AA 3003 trotz
ihrer hohen Festigkeit gemieden wird.
[0017] Die erfindungsgemässen Trägerbleche jedoch vereinen hohe statische und dynamische
Festigkeit und hohe Duktilität mit vorzüglichem Aetzverhalten.

Tab. 3
[0018] Resultat der Biegewechselfestigkeits-Versuche bei 1.1 mm, hart. Anzahl Lastspiele
bis zum Bruch:
E 585 000
V1 470 000

[0019] R
a: = arithm. Mittel der Abweichungen von der Mittellinie
R
tm: = Höhendifferenz zwischen den höchsten Spitzen und den tiefsten Tälern.
1. Träger für eine lithographische Druckplatte aus einem Walzblech bestehend aus einer
Aluminiumlegierung mit bis zu 2% Eisen,
gekennzeichnet
durch folgende Legierungszusammensetzung:
0.8 bis 2.0 Gew.-% Eisen, bis 0.8% Silizium, bis 1.0% Mangan, wobei die Summe der
Silizium- und Mangangehalte zwischen 0.3 und 1.3% liegt, bis 0.5% Kupfer, bis 0.8%
Magnesium, bis 2.0% Zink und je bis 0.3%, insgesamt bis 1.0% andere Bestandteile,
Rest Aluminium.
2. Träger aus einer AlFe-Legierung nach Anspruch 1, gekennzeichnet durch einen Fe-Gehalt
von 1.1 bis 1.8%, einen Mn-Gehalt von 0.25 bis 0.6%, einen Si-Gehalt von 0.1 bis 0.4%
und einen Cu-Gehalt von höchstens 0.3 %.
3. Träger aus einer AlFe-Legierung nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet,
dass das Gewichtsverhältnis Fe-Gehalt zu Mn-Gehalt zwischen 2.5 und 4.5 liegt.
4. Verfahren zur Herstellung eines Trägers für eine lithographische Druckplatte aus
einer AlFe-Legierung nach wenigstens einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet,
dass die Legierung zu einem Band von 5 bis 12 mm Dicke vergossen und zu einem Walzblech
von 0.03 bis 0.6 mm Dicke verarbeitet wird.
5. Verfahren zur Herstellung eines Trägers für eine lithographische Druckplatte aus
einer AlFe-Legierung nach wenigstens einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet,
dass die Legierung durch elektromagnetische Formgebung mit direkter Flüssigkeitskühlung
zu einem Strang vergossen und zu einem Walzblech von 0.03 bis 0.6 mm Dicke verarbeitet
wird.