(19)
(11) EP 0 230 032 A2

(12) EUROPÄISCHE PATENTANMELDUNG

(43) Veröffentlichungstag:
29.07.1987  Patentblatt  1987/31

(21) Anmeldenummer: 86117839.0

(22) Anmeldetag:  20.12.1986
(51) Internationale Patentklassifikation (IPC)4B41F 21/10
(84) Benannte Vertragsstaaten:
AT BE CH DE FR GB IT LI NL SE

(30) Priorität: 24.01.1986 DE 3602084

(71) Anmelder: Heidelberger Druckmaschinen Aktiengesellschaft
D-69019 Heidelberg (DE)

(72) Erfinder:
  • Becker, Willi
    D-6901 Bammental (DE)
  • Wirz, Arno
    D-6901 Bammental (DE)

(74) Vertreter: Stoltenberg, Heinz-Herbert Baldo et al
c/o Heidelberger Druckmaschinen AG Kurfürsten-Anlage 52-60
69115 Heidelberg
69115 Heidelberg (DE)


(56) Entgegenhaltungen: : 
   
       


    (54) Bogenüberführtrommel zwischen den Druckwerken von Rotationsdruckmaschinen


    (57) Die Erfindung bezieht sich auf eine Bogenüberführtrommel (1) zwischen den Druckwerken von Rotationsdruckmaschinen mit mehreren symetrisch am Umfang angeordneten Greiferreihen (5, 6, 7), die ein schmier- und dublierfreies Verarbeiten von normalen Papierstärken biz zu dickem Karton ermöglicht, wobei hier­für bestimmte Bogenleitflächen vorgesehen sind.




    Beschreibung


    [0001] Die Erfindung betrifft eine Bogenüberführtrommel zwischen den Druckwerken von Rotationsdruckmaschinen gemäß dem Oberbegriff des Anspruchs 1.

    [0002] Bei derartigen Bogenüberführtrommeln werden zur Bildung der Trommelmantelfläche entweder geschlossene Blechsegment­stücke benutzt, die zwischen den Greiferreihen vorgesehen sind, oder es sind stegförmige Segmentstücke vorgesehen, die ebenfalls den Zweck haben, den wenig steifen Bogen zu tragen und zu transportieren (DE-PA 34 47 596.6-27). Wird auf einer derartigen Bogendruckmaschine steiferes Material bedruckt, so besteht die Möglichkeit, größere Trommeldurch­messer vorzusehen, so daß z.B. drei Bogentragflächen mit Greiferreihen vorgesehen sind. Beim Bedrucken von steifem Karton reicht diese Maßnahme jedoch nicht aus, denn das Ende des Kartonbogens steht steif vom Zylinder ab, so daß insbesondere bei der Übertragung von einer Trommel auf einen Zylinder die Gefahr besteht, daß das Druckbild ver­schmiert wird. Hierbei ist davon auszugehen, daß derartig steife Bogen ebenfalls mit höchster Qualität bedruckt werden, wie dies z.B. zur Herstellung von Verpackungen erforderlich ist, so daß eine Beschädigung des Druckbildes nicht hingenommen werden kann.

    [0003] Hiervon ausgehend ist es Aufgabe der Erfindung, eine Bogen­überführtrommel zu schaffen, die ein schmier- und dublier­freies Verarbeiten von normalen Papierstärken bis zu dickem Karton ermöglicht.

    [0004] Die Aufgabe wird durch die kennzeichnenden Merkmale des Anspruchs 1 gelöst. Durch die Verwendung von Leitflächen, die im Trommelkörper zwischen den Greiferreihen vorgesehen sind, wird ein Freiraum geschaffen, in dem sich das hintere Ende des steifen Bogens entspannen kann, ohne daß die bedruckte Seite beschädigt wird. Hierbei wird der Bogen nach der Übergabe an den nächsten Zylinder gezielt mit seiner Hinterkante an den Leitblechen entlanggeleitet. Mit der erfindungsgemäß ausgebildeten Bogenüberführtrommel ist somit auch ein Bedrucken von steifen Kartonbögen möglich, ohne daß eine Beschädigung des Druckbildes zu befürchten ist.

    [0005] Die Unteransprüche kennzeichnen vorteilhafte Ausgestaltun­gen der Erfindung, die die Handhabung vereinfachen und den Transport der Bogen unterstützen. Hierbei wirken die Leit­bleche als Luftschaufeln, die in Verbindung mit dem im keilförmigen Hohlraum erzeugten Luftstau den Bogen mit seiner bedruckten Fläche von den Leitblechen fernhalten.

    [0006] Ausführungsbeispiele der Erfindung sind in den Zeichnungen schematisch dargestellt.

    [0007] Es zeigen

    Fig. 1 eine Seitenansicht einer erfindungsgemäß ausgebil­deten Bogenüberführtrommel,

    Fig. 2 eine Seitenansicht der Bogenüberführtrommel mit zusätzlichem Blasluftstrom,

    Fig. 3 eine Bogenüberführtrommel mit Bogentragelementen, die den Zylindermantel bilden,

    Fig. 4 eine Bogenüberführtrommel, bei der der Zylinderkör­per die Form der innen vorsehbaren Leitbleche aufweist.



    [0008] Zwischen den in Reihe angeordneten Druckwerken einer Rota­tionsdruckmaschine ist gemäß Fig. 1 eine Bogenüberführtrom­mel 1 vorgesehen, die die bedruckten Bogen 2 von einem Druckzylinder 3 übernehmen und an den nachfolgenden Druck­zylinder 4 des nächsten Druckwerks abgeben. Zum Transport der Bogen sind an der Bogenüberführtrommel Greiferreihen 5, 6, 7 vorgesehen, die von den Greifern des Druckzylinders 3 die Bogen übernehmen und an die Greifer 8 des nachfolgenden Druckzylinders 4 übergeben. Hierbei sind die Zylinder und die Trommeln in bekannter Weise zwischen den Maschinensei­tengestellen gelagert und über einen Stirnradantrieb an­triebsmäßig gekoppelt.

    [0009] Die Bogenüberführtrommel 1 besteht aus einer in den nicht dargestellten Maschinenseitengestellen drehbar gelagerten Achse 9, auf der beiderseits je ein Tragkörper 10 befestigt ist. In gleicher Weise kann der Tragkörper 10 als Trommel­körper mit Achszapfen ausgebildet sein. Auf dem Tragkör­per 10 wiederum sind die Greiferauflageschienen 11 für die Greiferreihen 5-7 über Lagerkörper 12 befestigt. Die Steue­rung der Greifer erfolgt in bekannter Weise, z.B. über Kurven und Kurvenrollen, so daß der zugeführte Bogen in der Zentrale zwischen Druckzylinder 3 und Bogenüberführtrom­mel 1 übernommen und in der Zentrale zwischen Bogenüber­führtrommel 1 und Druckzylinder 4 abgegeben wird.

    [0010] Bei der Ausführung gemäß Fig. 1 sind innerhalb des Trommel­umfangs zwischen den Greiferreihen 5-7 Leitbleche 14 vorge­sehen, die so nach innen zur Trommelmitte hin geformt sind, daß sie einen Hohlraum zur Erzeugung eines Luftstaus bil­den. Die Leitflächen der Leitbleche 14 verlaufen im wesent­lichen als Sekante zum Trommelumfang und weisen eine Durch­biegung zur Trommelmitte hin auf. Die Leitbleche 14 sind an den Lagerkörpern 12 bzw. den Halterungen 15 für die Bogen­tragelemente 13 befestigt. Die Befestigung kann hierbei z.B. mittels Schrauben 16 erfolgen.

    [0011] Werden bei einer derartig ausgebildeten Bogenüberführtrom­mel dickere Papierbögen oder steife Kartonbögen bedruckt, so können diese sich in ihrem hinteren Bereich in den durch die Leitbleche 14 gebildeten Freiraum hinein entspannen und werden nach der Übergabe an den nächsten Zylinder 4 gezielt mit ihrer Hinterkante am Leitblech 14 entlanggeführt. Dadurch wird ein Abschmieren der frisch bedruckten Bogen­fläche vermieden. Weiterhin sind keine farbabweisenden Bogentragelemente erforderlich, die regelmäßig gewaschen werden müßten. Auch ist der Drucker nicht gezwungen, auf die freien Stellen im Druckbild Bogenstützelemente einzu­stellen oder gar teuere Spezialfarben zu verwenden.

    [0012] Die über die Trommelbreite reichenden Leitbleche 14 wirken nach der Bogenübernahme als Luftschaufeln, wobei die Luft den Bogen mit der unbedruckten Seite an außerhalb der Bogenüberführtrommel 1 angeordnete Bogenleitvorrichtun­gen 17 anlegt und damit stabilisiert. Hierdurch erübrigt sich ein Abstützen des Bogens und die Gefahr des Verschmie­rens ist vermieden. Die Bogenleitvorrichtung 17 ist in bekannter Weise beiderseits an den Maschinenseitengestellen befestigt.

    [0013] Nach der Übergabe des bedruckten Bogens 2 an den nachfol­genden Druckzylinder 4 bilden die Leitbleche 14, zusammen mit dem hinteren Ende des Bogens 2, einen sich verengenden keilförmigen Hohlraum 18, in dem ein Luftstau erzeugt wird. Dieser Luftstau verhindert ein Anschlagen der bedruckten Bogenfläche an dem Leitblech 14. Lediglich die hintere Bogenkante wird durch die Drehbewegung der Bogenüberführ­trommel und des Druckzylinders an dem Leitblech 14 entlang­geführt. Sind im Bereich der Befestigungsschrauben 16 für die Leitbleche 14 Schlitze vorgesehen, so lassen sich diese verstellen und hierdurch an unterschiedliche Papiersorten anpassen.

    [0014] Bei der Ausführung gemäß Fig. 2 ist zwischen Bogenüberführ­trommel und Druckzylinder 4 außerhalb ein Blasrohr 19 vorgesehen, dessen Luftstrom 20 in den keilförmigen Hohl­raum gerichtet ist und den Luftstau verstärkt bzw. unter­stützt. Anstelle von Leitblechen 14 können auch Leitbügel oder Leitzungen verwendet werden wenn z.B. nur sehr steifer Karton verarbeitet wird. Auch lassen sich zum gezielten Druckabbau in dem keilförmigen Hohlraum 18 an den Leit­blechen 14 Öffnungen vorsehen, z.B. in Form von verschließ­baren Luftschlitzen, wodurch der Luftstaudruck unterschied­lichem Material angepaßt werden kann.

    [0015] In Fig. 3 sind zum Verarbeiten von dünnen weichen Bogen 2 in die Bogenüberführtrommel 1 zwischen den Greiferrei­hen 5, 6 und 7 Bogentragelemente 13 eingefügt, die mit ihren Tragflächen den Zylindermantel bilden. Hierbei können die Tragflächen so ausgebildet sein, daß sie keine Farbe von den frisch bedruckten Bogen übernehmen. Die Leit­bleche 14 können bei diesen Druckarbeiten in der Bogenüber­führtrommel 1 unterhalb der Bogentragelemente verbleiben. Die Bogentragelemente 13 können über die Zylinderlänge durchgehend oder als Stege ausgebildet sein, und sind auf einer Seite über Bolzen 21 in eine geschlitzte Halterung 22 eingehakt. Auf der anderen Seite sind sie in der gabelför­mig ausgebildeten Aufnahme der Halterung 15 ebenfalls über einen Bolzen 23 eingehängt und durch einen Haken 24 ge­sichert. Der Haken 24 ist auf einer Spindel 28 befestigt und wird unter Federkraft in seine Haltestellung ver­schwenkt. Weiterhin ist auf einer Seite der Spindel 28 ein Schwenkhebel 29 befestigt, der einen Federbolzne 25 trägt. Beim Einlegen des Bogentragelements 13 bewirkt der Bol­zen 23 selbstätig ein Öffnen und Einrasten des Hakens 24. In der Verschlußstellung rastet zur zuzätzlichen Absiche­rung der Federbolzen 25 in eine Bohrung am Bogentragele­ment 13 ein. Zum schnellen Wechseln der Bogentragelemen­te 13 wird der Federbolzen 25 entsichert und über den Schwenkhebel 29 der Haken 24 geöffnet, so daß das Bogen­tragelement 13 entnommen werden kann. Mit einer derartig kreisförmig ausgebildeten Bogenüberführtrommel 1 lassen sich paßgenau auch extrem dünne und labile Papierbogen bei ruhigem Papierlauf überführen. Die herausnehmbaren Bogen­tragelemente können außerhalb der Maschine auf den nächsten Druckauftrag vorbereitet werden, so daß die Umrüstzeiten für die Maschine geringer sind.

    [0016] Fig. 4 unterscheidet sich gegenüber den vorher erläuterten Ausführungen dadurch, daß die Bogenüberführtrommel 1 einen Trommelkörper 26 aufweist, der zwischen den Greiferrei­hen 5, 6 und 7 eine den Leitblechen 14 entsprechende Leit­fläche 27 aufweist. Hierdurch werden die gleichen Vorteile und Wirkungen erreicht wie mit den Leitblechen 14, und zusätzlich lassen sich in gleicher Weise Bogentragelemen­te 13 einsetzen, falls der Drucker einen entsprechenden Druckauftrag abwickeln will.


    Ansprüche

    1. Bogenüberführtrommel zwischen den Druckwerken von Rotationsdruckmaschinen mit mehreren symetrisch am Umfang angeordneten Greiferreihen,
    dadurch gekennzeichnet,
    daß innerhalb des Trommelumfangs zwischen den Greifer­reihen (5,6,7) Leitflächen vorgesehen sind, die zum Trommelumfang im wesentlichen als Sekante verlaufen.
     
    2. Bogenüberführtrommel nach Anspruch 1,
    dadurch gekennzeichnet,
    daß zwischen den Greiferreihen (5,6,7) Leitbleche (14) vorgesehen sind, die im wesentlichen als Sekante ver­laufende Leitflächen aufweisen, und daß die Leit­bleche (14) nach innen zur Trommelmitte hin, eine Durchbiegung aufweisen, so daß sie beim Verarbeiten von steifen Bögen (2) die Bogenhinterkante nach der Über­nahme durch den nachfolgenden Druckzylinder (4) ab­stützen, und mit dem Bogenende einen keilförmigen Hohlraum (18) zur Erzeugung eines Luftstaus bilden.
     
    3. Bogenüberführtrommel nach Anspruch 1,
    dadurch gekennzeichnet,
    daß der Trommelkörper (26)der Bogenüberführtrommel (1) zwischen den Greiferreihen (5,6,7) Leitflächen (27) aufweist, die im wesentlichen als Sekante verlaufen und zur Trommelmitte hin einen Knick aufweisen, so daß beim Verarbeiten von steifen Bögen (2) die Bogenhinterkante nach der Übernahme durch den nachfolgenden Druckzylin­der (4) abgestützt wird und die Leitfläche mit dem Bogenende einen keilförmige Hohlraum (18) zur Erzeu­gung eines Luftstaus bilden.
     
    4. Bogenüberführtrommel nach Anspruch 1,
    dadurch gekennzeichnet,
    daß außerhalb der Bogenüberführtrommel (1) ein Blas­rohr (19) vorgesehen ist, dessen Luftstrom (20) auf den Bogen (2), die Leitflächen (14,27) und in den Hohl­raum (18) gerichtet ist.
     
    5. Bogenüberführtrommel nach Anspruch 1,
    dadurch gekennzeichnet,
    daß die Leitflächen (14,27) als Luftschaufeln ausgebil­det sind, die den Bogen (2) an eine Bogenleitvorrich­tung (17) anlegen, die außerhalb der Bogenüberführtrom­mel (1) mit geringem Abstand zu deren Mantelfläche angeordnet ist.
     
    6. Bogenüberführtrommel nach Anspruch 1,
    dadurch gekennzeichnet,
    daß die Leitbleche (14) über Schrauben (16) einstellbar am Tragkörper (10) der Bogenüberführtrommel (1) be­festigt sind.
     
    7. Bogenüberführtrommel nach Anspruch 1,
    dadurch gekennzeichnet,
    daß in den Leitblechen (14) Luftschlitze vorgesehen sind, deren Öffnungen zum Regulieren des Staudrucks einstellbar sind.
     
    8. Bogenüberführtrommel nach Anspruch 1,
    dadurch gekennzeichnet,
    daß die Leitbleche als Leitbügel bzw. Leitzungen ausge­bildet sind.
     
    9. Bogenüberführtrommel nach Anspruch 1,
    dadurch gekennzeichnet,
    daß zwischen den Greiferreihen (5,6,7) Bogentragelemen­te (13) einhängbar befestigt sind, die den Trommelum­fang bilden, und an Halterungen (15,22) mittels Schnellverschluß (23,24,25) gelagert sind.
     




    Zeichnung