[0001] Es sind Verfahren zur Herstellung keramischer Formlinge bekannt, gemäss welchen serienmässig
ein anorganisches und/oder organisches Material verarbeitet wird, das einen Flüssigkeitsanteil
zwischen 3 und 90 Gew.-% enthält, wobei das Material in einen zwischen mindestens
zwei porösen Formkörpern befindlichen Hohlraum eingebracht und im Kontakt mit den
angrenzenden Formkörpern entfeuchtet wird.
[0002] Um den früher fast ausschliesslich verwendeten Gips durch ein haltbareres, wiederverwendbares
Material zu ersetzen, das neben seiner erhöhten Lebensdauer auch eine glatte Oberfläche
und gleichmässige Porenstruktur im Mikrobereich aufwies, wurde bereits vorgeschlagen,
den Gips durch poröse Materialien wie Sintermetall oder speziell geeignete Kunststoffe
zu ersetzen.
[0003] Als solche Ersatzmaterialien für Gips haben sich in letzter Zeit insbesondere poröse
Kunststoffe wie z.B. Acrylharze, Polyurethanharze und Furanharze als zweckmässig erwiesen.
Die mit diesen Materialien hergestellten Giessformen zeigten nun bei den durchgeführten
Versuchen ein zufriedenstellendes Absorptionsverhalten, doch brachte deren Verwendung
verschiedene andere Probleme mit sich:
- Diese Materialien sind im Verhältnis zu Gips relativ kompressibel, so dass sie sich
während des Arbeitsvorganges unter Last verformen, was zu Unregelmässigkeiten und
Ausschuss bei den herzustellenden Keramikprodukten führt.
- Infolge der Kompressibilität des Materiales entstehen unter dem Einfluss der auf
die Form einwirkenden Kräfte unerwünschte Rissbildungen.
- Im Hinblick auf die erforderliche Abdichtung im Grenzbereich der beiden Formhälften
ist ein relativ hoher Schliessdruck erforderlich.
- Die Formen zeigen eine relativ hohe und schwer kontrollierbare Schwindung, was insbesondere
bei Mehrteilformen ins Gewicht fällt.
- Die Erstellung der Formen erfordert speziell geschultes Fachpersonal.
[0004] Es ist daher die Aufgabe der vorliegenden Erfindung, die erwähnten Nachteile der
Giessformen zu beheben und eine neuartige Giessform vorzuschlagen, welche einerseits
die erforderliche Filtrierfunktion (Wasseraufnahme) voll erfüllt, andererseits aber
dank ihrer erhöhten Festigkeit unerwünschte Verformungen und deren negative Konsequenzen
zu vermeiden gestattet.
[0005] Die den Gegenstand der Erfindung bildende Giessform ist in den beiden unabhängigen
Patentansprüchen 1 und 7 definiert. Bevorzugte Ausführungsformen ergeben sich aus
den abhängigen Ansprüchen.
[0006] Nachstehend wird anhand der beiliegenden Zeichnung ein Ausführungsbeispiel der erfindungsgemässen
Giessform einschliesslich einiger Konstruktionsvarianten erläutert.
Fig. 1 ist eine vereinfachte Schnittdarstellung einer aus zwei Formhälften bestehenden
Giessform,
Fig. 2 bis 6 zeigen verschiedene Möglichkeiten der Verankerung der Wasseraufnahmeschicht
in der angrenzenden Lastaufnahmeschicht,
Fig. 7 zeigt in schematischer Form anhand eines Teilschnittes eine Möglichkeit der
praktischen Ausführung,
Fig. 8 veranschaulicht eine weitere Ausführungsvariante anhand einer Schnittdarstellung
und
Fig. 9 zeigt die Struktur des in der Ausführungsform nach Fig. 8 verwendeten Formmateriales.
[0007] Gemäss Figur 1 sind zwei Anpressplatten 1 und 2 über gleitend gelagerte Kolbenstangen
3 und 4 mit einer nicht dargestellten hydraulischen Anpressvorrichtung ver bunden.
Zwischen den beiden Anpressplatten 1 und 2 sind zwei Formkörper 5 und 6 angeordnet,
die einen Hohlraum H umschliessen. In den Formkörpern 5 und 6 sind Bohrungen 7 bis
10 angeordnet, welche in bekannter Weise zur Zufuhr des Keramikschlickers sowie zur
Zu- und Ableitung von Gas und Wasser dienen.
[0008] Wie Figur 1 ferner zeigt, ist jeder der beiden Formkörpern 5 und 6 zweiteilig aufgebaut:
So weist der Formkörper 5 an seiner dem Hohlraum H zugewandten Seite eine Wasseraufnahmeschicht
11 auf, an welche sich - auf der dem Hohlraum H abgewandten Seite - eine Lastaufnahmeschicht
12 anschliesst. In ähnlicher Weise besitzt auch der Formkörper 6 eine dem Hohlraum
H zugewandte Wasseraufnahmeschicht 13 und eine demselben abgewandte Lastaufnahmeschicht
14.
[0009] Die Wasseraufnahmeschichten 11 und 13 haben die Aufgabe, dem im Hohlraum H befindlichen
Schlicker das Wasser zu entziehen und einem zwischen jeder Wasseraufnahmeschicht
11, 13 und der angrenzenden Lastaufnahmeschicht 12, 14 angeordneten, der Entwässerung
dienenden Kanalnetz 15, 16 zuzuführen. Dieses Kanalnetz kann beispielsweise aus gelochten
Kupferröhrchen oder Kunststoffschläuchen bestehen, welche entweder in die Wasseraufnahmeschicht
11, 13 oder in die Lastaufnahmeschicht 12, 14 oder in deren gemeinsame Grenzzone eingegossen
sind. In den beiden letzteren Fällen sollte die Lastaufnahmeschicht 12, 14 in ihrem
die Kanäle umgebenden Teil ebenfalls porös, d.h. flüssigkeitsdurchlässig sein.
[0010] Das Kanalnetz 15 kann gemäss einem Herstellungsverfahren beispielsweise durch Einlegen
von Plastikschnürchen gebildet werden, die sich nach dem Giessvorgang abziehen lassen.
[0011] Die Lastaufnahmeschichten 12 und 14 bestehen aus einem druckfesten, praktisch inkompressiblen
Material und sollen den beiden Wasseraufnahmeschichten 11 und 13 als Widerlager dienen
und damit deren Verformung entweder ganz vermeiden oder doch innerhalb zulässiger
Grenzen halten. Dementsprechend können die Lastaufnahmeschichten 12, 14 beispielsweise
aus einem kunstharzgebundenen Quarzsand bestehen. Es ist dem Fachmann bekannt, dass
ein solcher kunstharzgebundener Quarzsand je nach Herstellungsverfahren (insbesondere
in Abhängigkeit vom prozentualen Harzanteil) dem Bedarfsfalle entsprechend flüssigkeitsabstossend
oder mehr oder weniger flüssigkeitsabsorbierend sein kann. Wird ein solches flüssigkeitsabsorbierendes
Material verwendet, bei welchem die Quarzkörner lediglich an ihren gegenseitigen Berührungsstellen
miteinander verklebt sind und zahlreiche Poren offenlassen, dann ist das Kanalsystem
15 nicht erforderlich. Das von den Wasseraufnahmeschichten 11, 13 aus dem Schlicker
aufgenommene Wasser wird in diesem Falle durch die Lastaufnahmeschichten 12 und 14
abgeleitet.
[0012] Die Bindung der Wasseraufnahmeschichten 11 und 13 an die jeweils benachbarten Lastaufnahmeschichten
12 und 14 kann beispielsweise auf chemischen Wege durch Kunstharzkleber oder mit mechanischen
Mitteln erfolgen. Figur 2 zeigt eine Wasseraufnahmeschicht W, welche mit der darunter
befindlichen Lastaufnahmeschicht L durch ein Kunstharz K verklebt ist. Da beide Schichten
W und L bereits kunstharzhaltig sind, ergibt diese Verklebung eine ausserordentlich
gute und dauerhafte Bindung.
[0013] Figur 3 bis 6 zeigen verschiedene Möglichkeiten der mechanischen Verankerung, die
aber vom Fachmann ohne weiteres durch weitere Varianten ergänzt werden können. Die
ausgewählten Beispiele zeigen gemäss
- Fig. 3 eine Verbindung mittels untergriffigen Elementen, die nach Art schwalbenschwanzförmiger
Nuten 16a, 16b ineinander vergossen sind,
- Fig. 4 eine Verbindung mittels Schrauben 17,
- Fig. 5 ineinandergreifende Elemente 18 und 19, wobei hier die Wasseraufnahmeschicht
W um den Umfang der Lastaufnahmeschicht L herumgezogen ist,
- Fig. 6 eine Verbindung mittels schraubenlinienförmiger Stahldrahtelemente, z.B.
Stahlfedern F.
[0014] Die vergrösserte Darstellung gemäss Figur 7 zeigt wiederum die Wasseraufnahmeschicht
W, welche mittels Verankerungselementen 20 von hammerkopfförmigem Querschnitt in
der darunter befindlichen Lastaufnahmeschicht L sicher verankert ist. Die Wasseraufnahmeschicht
W sollte je nach Einzelfall eine Schichtdicke d von 20 bis 50 mm haben. Die hier mit
21 bezeichneten Entwässerungskanäle können als gelochte Kupferröhrchen ausgebildet
sein. Falls diese Kupferröhrchen, wie in Figur 7 gezeigt, innerhalb der Lastaufnahmeschicht
L liegen, so muss dieselbe in ihrem die Röhrchen umgebenden Abschnitt ebenfalls wasserdurchlässig
sein. Die Röhrchen 21 können aber auch im unteren, der Lastaufnahmeschicht L benachbarten
Bereich der Wasseraufnahmeschicht W oder im Zwischenbereich zwischen den beiden Schichten
L und W angeordnet sein.
[0015] Die Vermeidung der eingangs erwähnten, den bekannten Giessformen anhaftenden Nachteile
lässt sich jedoch noch auf einem weiteren Wege erzielen. Eine Ausführungsform desselben
zeigen die Figuren 8 und 9.
[0016] Auch in Figur 8 sind wiederum zwei Formkörper 22 und 23 zwischen zwei Anpressplatten
24 und 25 eingespannt und umschliessen einen Hohlraum H. Im Gegensatz zur Ausführungsform
nach Figur 1 bis 7 ist jedoch hier jeder Formkörper nicht mehrschichtig ausgebildet,
sondern besteht aus einem Material, das die doppelte Funktion der Wasseraufnahme und
Lastabstützung übernimmt. Dieses Material besteht aus Glas- und/oder Keramikpartikeln,
welche vorzugsweise kugelförmig und, eventuell unter Verwendung eines Haftvermittlers,
durch ein Kunstharz miteinander verbunden sind. Wie die vergrösserte Darstellung
der Figur 9 zeigt, umgibt das Kunstharz, vorzugsweise ein Acryl-, Polyurethan- oder
Furanharz, die einzelne Glas- oder Keramikkügelchen 26 in einem dünnen Film 27, so
dass zwischen aneinandergrenzenden Kügelchen 26 ein zusammenhängendes Netz 28 von
Zwischenräumen und Kapillarkanälchen frei bleibt, welche die anfallende Flüssigkeit
aufsaugen.
[0017] Bei einer Ausführungsvariante werden Keramikkügelchen mit einem Durchmesser zwischen
0,1 und 0,25 mm verwendet und vor Aufbringung des Bindemittels zur Erhöhung der Festigkeit
in einem der bereits genannten Kunstharze getränkt. Hierzu werden vorteilhafterweise
die nach dem Sprühtrocknungsverfahren erstellten Keramikkügelchen verwendet, welche
bei relativ niedriger Temperatur von 600 bis 900°C gebrannt werden und daher eine
relativ hohe Oberflächenporosität besitzen. Letztere verbessert die Wasser- und Harzaufnahme
und übt beim Bindevorgang eine Haftvermittlerfunktion aus. Mit solchen Kügelchen
aus Porzellan- oder Steinzeugmasse wurden gute Resultate erzielt.
[0018] Bei Verwendung der anhand der Figuren 1 bis 9 beschriebenen Giessformen ergeben sich
die folgenden Vorteile, welche insbesondere bei der Massenfabrikation von Sanitärkeramikteilen
ins Gewicht fallen:
a) Es können ca. 80 % des teuren, porösen Kunststoffmateriales eingespart werden.
b) Da gegenüber dem bisher verwendeten Verfahren die Aluminiumplatten, Stahlrahmen,
Armierungsschrauben sowie Bohr- und Fräserarbeiten entfallen, ergibt sich hierdurch
eine weitere beträchtliche Kostenersparnis.
c) In Anbetracht des geringeren Schliessdruckes ergibt sich eine verbesserte Lösung
für die gegenseitige Dichtung der beiden Formenhälften.
d) Da sich die Formkörper nur noch im Dichtflächenbereich und nicht mehr ihrer Gesamtgeometrie
entsprechend verformen, ergibt sich eine reduzierte Gefahr für die Rissbildung.
e) Die auftretende Schwindung wird vermindert und kontrollierbar, was insbesondere
bei Mehrteilformen von grosser Bedeutung ist und
f) Die neuen Formen können nach einer gewissen Anlernzeit von den vorhandenen Modelleuren
gefertigt werden.
1. Giessform zur Erstellung von Keramikkörpern, mit mindestens zwei einen Hohlraum
umschliessenden Formkörpern, welche mit Bohrungen für die Zufuhr von Keramikschlicker
sowie die Zu- oder Ableitung von Gas oder Flüssigkeit versehen und dazu bestimmt sind,
während des Arbeitsvorganges in einer Anpressvorrichtung an einer gemeinsamen Dichtfläche
gegeneinander gepresst zu werden, dadurch gekennzeichnet, dass jeder Formkörper (5,
6) an seiner dem genannten Hohlraum (H) zugewandten Seite eine Wasseraufnahmeschicht
(11, 13, W) aus einem feinporösen Kunststoff aufweist, an welche sich auf deren dem
Hohlraum (H) abgewandter Seite eine der Kräfteaufnahme dienende Lastaufnahmeschicht
(12, 14, L) höherer Druckfestigkeit und geringerer Kompressibilität anschliesst, in
welcher die Wasseraufnahmeschicht durch chemische oder mechanische Bindung verankert
ist.
2. Giessform nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die Lastaufnahmeschicht
(12, 14, L) aus einem grobporösen und flüssigkeitsabsorptionsfähigen Material besteht.
3. Giessform nach Anspruch 2, dadurch gekennzeichnet, dass die Lastaufnahmeschicht
(12, 14, L) aus Polymerbeton oder harzgebundenem Quarzsand besteht, wobei der Harzanteil
so gering gehalten ist, dass zwischen aneinandergrenzenden Harzpartikeln der Flüssigkeitsaufnahme
dienende Freiräume verbleiben.
4. Giessform nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die Lastaufnahmeschicht
(12, 14, L) aus einem praktisch nicht flüssigkeitsabsorptionsfähigen Material erstellt
ist und im Grenzbereich zwischen Wasseraufnahmeschicht und Lastaufnahmeschicht ein
der Entwässerung dienendes Kanalnetz (15) eingearbeitet ist.
5. Giessform nach Anspruch 4, dadurch gekennzeichnet, dass das Kanalnetz (15) durch
eingegossene, allseitig gelochte Schläuche oder Röhrchen gebildet wird.
6. Giessform nach Anspruch 4 oder 5, dadurch gekennzeichnet, dass die Lastaufnahmeschicht
(12, 14, L) aus einem hochfesten, nicht flüssigkeitsabsorbierenden Material gebildet
ist, das auf seiner der Wasseraufnahmeschicht (11, 13, W) zugewandten Seite in eine
grobporöse, flüssigkeitsabsorbierende Schicht übergeht, in welche das Kanalnetz (15)
eingebettet ist.
7. Giessform zur Erstellung von Keramikkörpern, mit mindestens zwei einen Hohlraum
umschliessenden Formkörpern, welche mit Bohrungen für die Zufuhr von Keramikschlicker
sowie für die Zu- und Ableitung von Gas oder Wasser versehen und dazu bestimmt sind,
während des Arbeitsvorganges in einer Anpressvorrichtung an einer gemeinsamen Dichtfläche
gegeneinander gepresst zu werden, dadurch gekennzeichnet, dass jeder Formkörper (22,
23) mindestens in seinem dem Hohlraum (H) zugewandten Abschnitt aus Glas- und/oder
Keramikpartikeln (26) gebildet ist, welche an ihren gemeinsamen Berührungsflächen
durch ein Bindemittel (27) unter Bildung einer porösen, flüssigkeitsaufnahmefähigen
Struktur miteinander verbunden sind (Fig. 7 und 8).
8. Giessform nach Anspruch 7, dadurch gekennzeichnet, dass die genannten Glas- und/oder
Keramikpartikel (26) kugelförmig sind und einen Durchmesser zwischen 0,1 und 0,25
mm aufweisen.
9. Giessform nach Anspruch 8, dadurch gekennzeichnet, dass ein und derselbe Formkörper
kugelförmige Glas- und/oder Keramikpartikel unterschiedlichen Durchmessers enthält.
10. Giessform nach einem der Ansprüche 8 oder 9, dadurch gekennzeichnet, dass jeder
Formkörper derselben ausschliesslich aus im Sprühtrocknungsverfahren hergestellten
Keramikkügelchen erstellt ist, welche aufgrund eines zwischen 600 und 900°C durchgeführten
Brennvorganges an ihrer Umfangsfläche eine hohe Absorptionsfähigkeit für Bindemittel
und Wasser besitzen.
11. Giessform nach Anspruch 10, dadurch gekennzeichnet, dass die Keramikkügelchen,
welche z.B. aus Porzellan oder Steinzeugmasse bestehen, vor dem Aufbringen des Bindemittels
zwecks Erhöhung der Druckfestigkeit mit einem Kunstharz getränkt sind.
12. Giessform nach einem der Ansprüche 7 bis 11, dadurch gekennzeichnet, dass das
Bindemittel ein Acryl-, Polyurethan- oder Furanharz ist.