[0001] Die Erfindung betrifft einen Kran mit einem ein Hubseil und eine Hubseilwinde aufweisenden
Hubwerk.
[0002] Besondere Probleme beim Heben einer Last mit einem Kran treten dann auf, wenn die
Last relativ zu dem Kran vertikale Bewegungen ausführt. Sollen beispielsweise mit
einem auf der Plattform einer Bohrinsel stationär angeordneten Kran Lasten von einem
Schiff gehoben werden, führen diese entsprechend der Roll- und Stampfbewegungen des
Schiffes, die von den Amplituden und den Perioden der Wellen abhängen, mit dem Schiff
Vertikalbewegungen relativ zu dem auf der Plattform stehenden Kran aus. Diese Bewegungen
können entsprechend den Wind- und Wetterbedingungen beträchtliche Größen annehmen.
Werden von einem derart bewegten Schiff Lasten gehoben, können diese auf das Hubseil
und damit die Krankonstruktion beträchtliche dynamische Stoßbeanspruchungen übertragen.
Diesen Stoßbeanspruchungen wird durch den Nutzlastbeiwert Cb Rechnung getragen, der
sich aus folgender Gleichung errechnet:

[0003] In der vorstehenden Gleichung bedeuten:

[0004] Der Nutzlastbeiwert, der also von der Hubgeschwindigkeit, der Steifigkeit des Kranes
und der Vertikalgeschwindigkeit der zu hebenden Last relativ zu dem Kran abhängt,
berücksichtigt die dynamischen Beanspruchungen des Kranes, die durch Stoßwirkungen
der relativ zu dem Kran bewegten Last hervorgerufen werden. Je nach der signifikanten
Wellenhöhe und der mittleren Periode der Wellen kann dieser Hublastbeiwert zwischen
1,3 und etwa 4,5 liegen. Da ein bewegte Lasten hebender Kran unter Berücksichtigung
des größten auftretenden Hublastbeiwertes konstruiert und ausgelegt werden muß, wird
die Krankonstruktion beträchtlich verteuert.
[0005] Aufgabe der Erfindung ist es daher, einen Kran der eingangs angegebenen Art zu schaffen,
bei dem trotz erheblicher vertikaler Relativbewegungen zwischen diesem und der zu
hebenden Last, wie sie beispielsweise bei auf von Wellen bewegten Schiffen liegenden
Lasten auftreten, der Hublastbeiwert nicht berücksichtigt werden muß, so daß der Kran
im wesentlichen so ausgelegt werden kann, als würde die in vertikaler Richtung schwingende
Last von einer relativ zu dem Kran ruhenden Plattform aufgehoben.
[0006] Erfindungsgemäß wird diese Aufgabe bei einem Kran der eingangs angegebenen Art dadurch
gelöst, daß die Hubseilwinde mit einem Antrieb der eine Rutschkupplung zwischen dieser
und dem Antrieb versehen ist, die derart gesteuert sind, daß die Zugkraft des Hubseils
über einen Zeitraum, der größer als eine Sekunde ist, schrittweise oder kontinuierlich
auf die dem Gewicht der Last entsprechende bzw. die zu deren Heben erforderliche Kraft
gesteigert wird, und daß die Winde durch die jeweilige Seilkraft übersteigende Gegenkräfte
unter Abzug des Hubseils von dieser rückdrehbar ist.
[0007] Der erfindungsgemäße Kran gestattet es, eine relativ zu dem Kran in vertikaler Richtung
bewegte Last im wesentlichen ebenso zu heben, wie eine Last, die sich in relativer
Ruhelage zu dem Kran befindet. Denn wenn das zunächst schlaffe Seil über den Kranhaken
oder dergleichen an die Last angehängt wird, erfolgt zunächst eine Straffung des Seils,
das dann zunehmend an Zugkraft zunimmt und dadurch zunehmend einen größeren Teil des
Gewichts der Last trägt. Die Last führt aber dennoch ihre Relativbewegungen in Bezug
auf den Kran aus, wobei sich aber die von dem Hubseil auf die Last übertragene Hebekraft
ständig steigert. Das an die Last angehängte Hubseil befindet sich somit in relativer
Ruhelage zu der Last, weil die Relativbewegungen der Last relativ zu dem Kran durch
Vorwärts- und Rückwärtsdrehen der mit einem bestimmten Drehmoment angetriebenen Seiltrommel
ausgeglichen werden. Durch den erfindungsgemäßen Kran wird somit eine bewegte Last
grundsätzlich in der gleichen Weise gehoben wie eine unbe- wegte Last.
[0008] Gegenüber einer unbewegten Last wirken jedoch auf die in vertikaler Richtung bewegte
Last negative und positive Beschleunigungen, die je nach Bewegungsrichtung der Last
miteinander abwechseln. Wird also bei dem erfindungsgemäßen Kran die Seilzugkraft
in vorbestimmter Zeit gesteigert, erreicht diese einen Wert, der dem Gewicht der zu
hebenden Last entspricht. Dabei kann sich natürlich die benötigte Kraft zum Heben
der Last kurzfristig erhöhen, wenn auf die Last eine negative Beschleunigung wirkt.
[0009] Durch den erfindungsgemäßen Kran wird also die Last stoßfrei in einem Zeitpunkt abgehoben,
in dem die Seilzugkraft das Gewicht der Last zuzüglich einer etwaigen gerade wirkenden
Beschleunigungskraft erreicht hat.
[0010] Bei dem erfindungsgemäßen Kran braucht ein Hublastbeiwert nicht berücksichtigt zu
werden, weil während des Hebens kein schlaffes Seil vorhanden ist, auf das die bewegte
Last Stöße ausüben könnte.
[0011] Bei dem erfindungsgemäßen Kran ist lediglich ein Sicherheitsbeiwert zu berücksichtigen,
der aber nur einen Bruchteil der Nennlast zu betragen braucht, weil Stoßbelastungen
nicht auftreten können. In weiterer Ausgestaltung der Erfindung ist daher vorgesehen,
daß die Rutschkupplung oder der Antrieb die höchste Seilkraft auf eine Kraft begrenzen,
die um einen bestimmten Sicherheitsfaktor, vorzugsweise einen Sicherheitsfaktor im
Bereich von 1,5, über der Nennlast liegt. Mit höheren Beanspruchungen kann die Krankonstruktion
nicht belastet werden, weil dann der Antrieb oder die Rutschkupplung durchrutscht
und die benätigte Länge Hubseil von der Hubseilwinde abgezogen wird.
[0012] Nach einer vorteilhaften Ausgestaltung ist vorgesehen, daß die Steuerung das Hubseil
über den Antrieb der Winde oder die Rutschkupplung zunächst auf einen vorgegebenen
Bruchteil, vorzugsweise im Bereich von 5%, der Nennlast vorspannt und anschließend
die Zugkraft kontinuierlich auf den der Nennlast entsprechenden bzw. den zum Heben
der Last erforderlichen Wert steigert. Nach dieser Ausgestaltung wird also das Hubseil
zunächst verhältnismäßig gering vorgespannt, bis alles lose Seil aufgetrommelt ist
und dadurch Schlappseil vermieden wird, bevor dann durch eine Zwangsschaltung, also
automatisch, ein Schaltimpuls ausgelöst wird, der die Seilkraft bis zum Anheben der
Last kontinuierlich ansteigen läßt.
[0013] In weiterer Ausgestaltung kann die Schaltung so ausgeführt werden, daß der Zeitpunkt
des Schaltimpulses zum Ansteigen der Zugkraft durch den Kranführer gewählt wird, daß
aber auf jeden Fall das Seil vorher vorgespannt wird.
[0014] In weiterer Ausgestaltung der Erfindung ist vorgesehen, daß die Hubwinde bzw. deren
Antrieb mit einem eine Drehmomentabstützung bildenden Arm versehen ist, der bei Erreichen
einer vorbestimmten, unter der Nennlast liegenden Seilkraft einen Schalter oder ein
Ventil betätigt, die zwangsweise das Antriebsdrehmoment der Winde bis zu der höchsten
Seilkraft steigern. Eine derartige Drehmomentabstützung schafft eine zusätzliche Sicherheit,
daß die Seilzugkraft nicht absinkt, wenn einmal der Hebevorgang eingeleitet worden
ist. Der Schalter oder das Ventil der Drehmomentabstützung werden zweckmäßigerweise
bei Erreichen der Vorspannkraft des Hubseils betätigt.
[0015] Wird die Winde nur über einen Motor angetrieben, wird zweckmäßigerweise ein Hydromotor
vorgesehen, dessen Antriebsmoment durch den Druckmitteldruck gesteuert werden kann.
[0016] Die Rutschkupplung besteht zweckmäßigerweise aus einer Lamellenkupplung. Die Lamellenkupplung
kann durch von Federn vorgespannte Kolben belastet sein, die zur Verringerung des
Rutschmoments mit einer hydraulischen Flüssigkeit beaufschlagbar sind.
[0017] Bei dem erfindungsgemäßen Kran kann es sich vorzugsweise um einen auf der Plattform
einer Bohrinsel montierten Kran mit wippbarem Ausleger handeln. Die Erfindung läßt
sich auch bei Kränen mit starrem Ausleger oder ohne Ausleger verwirklichen.
[0018] Ein Ausführungsbeispiel der Erfindung wird nachstehend anhand der Zeichnung näher
erläutert. In dieser zeigt
Fig. 1 eine schematische Darstellung des Hubwerks mit Winde und den zugehörigen Antriebs-
und Steuereinrichtungen,
Fig. 2 eine der Fig. 1 entsprechende Darstellung mit zusätzlichem Inkrementalgeber,
der die Stromzuführung zum Magnetventil S1 unterbricht, sobald die Kupplung schleift,
und
Fig. 3 eine den Fig. 1 und 2 entsprechende Darstellung, jedoch mit einem die Kupplung
beaufschlagenden Hydraulikzylinder in abweichender Ausführungsform.
[0019] Zum Heben wird der dargestellte Steuerhebel betätigt. Dabei werden die Schalter M1
und M2 geschaltet. Über die Leistungsstufe wird das Proportionalventil S5 erregt und
die Hubwerkspumpe P1 ausgeschwenkt und dadurch der Hydraulikmotor MA angetrieben.
Gleichzeitig wird, wenn keine Last L vorhanden ist, über den dann geschlossenen Schalter
M3 das Magnetventil Sl geschaltet. Jetzt kann sich in der Leitung 4 ein Druck aufbauen,
der dem am Überdruckventil V5 eingestellten Druck entspricht. Wie aus Fig. 1 ersichtlich
ist, ist zwischen dem Getriebe und der Welle der Winde eine Lamellenkupplung 1 eingebaut.
Das Rutschmoment der Rutschkupplung 1 wird durch die Kolbenstange des Zylinders Zl
eingestellt, wobei auf den Kolben eine Druckfeder wirkt. Auf der gegenüberliegenden
Seite der Druckfeder wird der Kolbenring von der Hydraulikflüssigkeit aus der Leitung
4 beaufschlagt, so daß die Feder zusammengedrückt und damit die Lamellenkupplung durch
den Druck in der Hydraulikleitung 4 entlastet (geöffnet) wird.
[0020] Das Überdruckventil V5 ist so eingestellt, daß sich an der Lamellenkupplung 1 ein
Rutschmoment einstellt, das etwa 5% des Nennseilzuges entspricht.
[0021] Das Getriebe ist auf der Welle drehbar gelagert und stützt sich auf der Feder 3 ab.
Die Feder 3 wird so gewählt, daß beim Erreichen von ca. 5% des Nennseilzuges, das
Ventil V6 geschaltet und gleichzeitig der Schalter M3 abfällt. Hierdurch fällt einerseits
das Magnetventil Sl ab und es wird andererseits die Druckleitung 4 über das Ventil
V6 entlastet.
[0022] Der vorhandene Hydraulikdruck im Zylinder Z1 baut sich über die Düse Dl langsam ab.
Die Zeit bis zum vollständigen Druckabfall wird über die Düse Dl reguliert und wird
ca. 1 Sec,. und länger sein. Durch den langsamen Druckabfall steigt das Rutschmoment
in der Kuplung kontinuierlich an, bis das maximale, über die Feder im Zylinder Z1,
eingestellte Moment erreicht wird.
[0023] Durch diese Schaltungsweise wird einerseits sichergestellt daß bei jedem Hub die
Lamellenkupplung geöffnet und anschließend wieder langsam geschlossen wird. Andererseits
wird über redundante Schaltung sichergestellt, daß bei schwebender Last die Kupplung
nicht geöffnet wird.
[0024] Eine Verfeinerung der Steuerung kann dadurch erreicht werden, daß wie in Figur 2
dargestellt, zusätzlich ein Inkrementalgeber Xl eingebaut wird, welcher die Stromzuführung
zum Magnetventil S1 unterbricht, sobald die Kupplung schleift. Dieses widerum hat
zur Folge, daß der oben beschriebene Schließvorgang der Kupplung eingeleitet wird.
Dieses bedeutet, daß wenn eventuelles Schlappseil aufgetrommelt ist, die Kupplung
durchrutscht und dann die Zugkraft kontinuierlich gesteigert wird.
[0025] Weitere Verfeinerungen sind dadurch denkbar, daß der Druckabbau im Zylinder Z1 nicht
primär über Düse D1 erreicht wird, sondern daß der Druckabbau elektronisch gesteuert
wird und die Düse D1 die Funktion als redundantes System übernimmt.
[0026] Als zusätzliche Ausrüstung kann eine elektrische Uberwachungslogik eingebaut werden,
die einmal alle Systeme überwacht und gleichzeitig bei etwaigen Ausfällen anzeigt,
wo die Störung liegt.
[0027] Selbstverständlich kann anstelle des im Beispiel angeführten Windenantriebes auch
eine andere Art des Antriebs eingesetzt werden.
[0028] Das maximal zu übertragende Moment und damit die Zugkraft wird über die Feder im
Zylinder Z1 so eingestellt, daß die maximale Zugkraft z.B. das 1,5-fache der Nennlast
nicht übersteigt. Damit wird der Kran vor Uberlastung wirkungsvoll geschützt. Hat
nun ein Kran eine mit der Ausladung veränderliche zulässige Hublast, kann das Rutschmoment,
und damit die maximale Zugkraft dadurch verändert werden, daß die Kammer 1 des Zylinders
Z2 wie in Fig.
[0029] 3 dargestellt durch hydraulischen Druck beaufschlagt wird. Dieser Zylinder wird anstelle
von Zl in Fig. 1 und 2 eingebaut.
[0030] Der entstehende Druck in der Druckleitung 5 wird über das Magnetventil V3 oder durch
ein mechanisch verstellbares Uberdruckventil V4 oder beide eingestellt. Dabei kann
die mechanische Verstellung des Ventils V4 über den Hebel 6 geschehen, welcher beispielsweise
bei Wippkranen direkt vom Ausleger angetrieben wird.
1. Kran mit einem ein Hubseil und eine Hubseilwinde aufweisenden Hubwerk,
dadurch gekennzeichnet,
daß die Hubseilwinde mit einem Antrieb oder einer Rutschkupplung zwischen dieser und
dem Antrieb versehen ist, die derart gesteuert sind, daß die Zugkraft des Hubseils
über einen Zeitraum, der vorzugsweise größer als eine Sekunde ist, schrittweise oder
kontinuierlich auf die dem Gewicht der Last entsprechende bzw. die zu deren Heben
erforderliche Kraft gesteigert wird, und daß die Winde durch die jeweilige Seilkraft
übersteigende Gegenkräfte unter Abzug des Hubseils von dieser rückdrehbar ist.
2. Kran nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß die Rutschkupplung oder der Antrieb
die höchste Seilkraft auf eine Kraft begrenzen, die um einen bestimmten Sicherheitsfaktor,
vorzugsweise einen Sicherheitsfaktor im Bereich von 1,5, über der Nennlast liegt.
3. Kran nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, daß die Steuerung des Hubseil
über den Antrieb der Winde oder die.Rutschkupplung zunächst auf einen vorgegebenen
Bruchteil, vorzugsweise im Bereich von 5%, der Nennlast vorspannt und anschließend
die Zugkraft kontinuierlich auf den der Nennlast entsprechenden bzw. den zum Heben
der Last erforderlichen Wert steigert.
4. Kran nach einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, daß die Hubwinde
bzw. deren Antrieb mit einem eine Drehmomentabstützung bildenden Arm versehen ist,
der bei Erreichen einer vorbestimmten unter der Nennlast liegenden Seilkraft einen
Schalter oder ein Ventil betätigt, die zwangsweise das Antriebsdrehmoment der Winde
bis zur höchsten Seilkraft steigern.
5. Kran nach Anspruch 4, dadurch gekennzeichnet, daß der Schalter oder das Ventil
durch den Arm bei Erreichen der Vorspannkraft des Hubseils betätigt werden.
6. Kran nach einem der Ansprüche 1 bis 5, dadurch gekennzeichnet, daß die Rutschkupplung
aus einer Lamellenkupplung besteht.
7. Kran nach Anspruch 6, dadurch gekennzeichnet, daß die Lamellenkupplung durch von
Federn vorgespannten Kolben belastet ist, die zur Verringerung des Rutschmoments mit
Hydraulikflüssigkeit beaufschlagbar sind.