(19)
(11) EP 0 236 900 A1

(12) EUROPÄISCHE PATENTANMELDUNG

(43) Veröffentlichungstag:
16.09.1987  Patentblatt  1987/38

(21) Anmeldenummer: 87102916.1

(22) Anmeldetag:  02.03.1987
(51) Internationale Patentklassifikation (IPC)4C11D 3/22
(84) Benannte Vertragsstaaten:
DE

(30) Priorität: 08.03.1986 DE 3607673

(71) Anmelder: Henkel Kommanditgesellschaft auf Aktien
40191 Düsseldorf (DE)

(72) Erfinder:
  • Altenschöpfer, Theodor, Dr.
    D-4000 Düsseldorf 13 (DE)
  • Jeschke, Peter, Dr.
    D-4040 Neuss (DE)
  • Schumann, Klaus, Dr.
    D-4006 Erkrath (DE)


(56) Entgegenhaltungen: : 
   
       


    (54) Pulverförmige, aktivchlorhaltige, maschinell anwendbare Geschirreinigungsmittel


    (57) Eine Schutzfunktion für aktivchlorinstabile Verbindungen erfüllt der Zusatz geringer Mengen (0.005 - 0.5 Gew.-%) an bestimmten Polysacchariden zu den pulverförmigen Bestandteilen. Bevorzugt ist Xanthangummi.
    Die Reinigungsmittel enthalten vorteilhaft zusätzlich 0.5 - 5 Gew.-% paraffinhaltige Kompositionen als schauminhibierende Ver­bindungen sowie 0.1 - 10 Gew.-% an reinigungsverstärkenden Ver­bindungen.
    Vorteil: Stabilisierung von Zusatzstoffen und Verminderung der Schaumwerte.


    Beschreibung


    [0001] Reinigungsmittel für das maschinelle Geschirrspülen, insbesondere in Haushalten, enthalten bekanntlich als reinigungswirksame Hauptbestandteile Alkaliphosphate, Alkalisilikate sowie geringe Mengen Alkalicarbonate und/oder Alkalisulfate. Außerdem sind meist noch kleine Mengen aktivchlorabspaltender Verbindungen enthalten, die speziell auf bleichbare Anschmutzungen, wie z.B. Tee, Kaffee oder Obst- und Gemüsesäfte wirken. Auf diese bisher wichtigsten aller Wirkstoffe kann bis auf weiteres kaum verzichtet werden.

    [0002] Wünschenswert sind aber auch noch Zusätze weiterer Wirkstoffe wie insbesondere

    a) nicht- beziehungsweise schwachschäumende nichtionische Tenside, die zur besseren Benetzung der zu reinigenden Oberflächen führen und dadurch einen verbesserten Zutritt der reinigungswirksamen Hauptbestandteile an diese ermöglichen,

    b) schauminhibierende Verbindungen, die in der Lage sind, den durch Speisereste in der Haushaltgeschirrspülmaschine hervorgerufenen Nahrungsmittelschaum zu beseitigen, der die Maschinenmechanik beeinträchtigen und den weiteren Reinigungsmittelzutritt zu den Geschirroberflächen erschweren kann, oder gegebenenfalls auch

    c) reinigungsverstärkende Zusatzstoffe auf Basis von organischen Verbindungen, die gezielt bei der Verwendung moderner Haushaltgeschirrspülmaschinen (HGSM) mit herabgesetzter Temperatur im Reinigungsprogramm Einsatz finden.



    [0003] Theoretisch wäre die Kombination aller unter a) bis c) genannten Wirkstoffe in einem einzigen Geschirrspülmittel möglich, doch sind aus anwendungstechnischer Sicht gewisse Auswahlkriterien notwen­dig, weil aktivchlorabspaltende Verbindungen und die Wirkstoffe a) bis c) schon bei der Lagerung aufeinander einwirken und nicht alle miteinander verträglich sind. So führt z.B. eine Kombination mit a) auch bei dessen gezielter aktivchlorstabiler Auswahl immer wieder sowohl zu einem verstärkten Abbau des Aktivchlorgehaltes als auch zu einer Zersetzung des Tensids. Das macht sich mit zunehmender Lagerzeit unter anderem durch verstärkte Schaum­bildung bei der Anwendung der Geschirrspülmittel bemerkbar. Diese verstärkte Schaumbildung führt zwar nicht zwangsläufig zur Unbrauchbarkeit des Reinigungsmittels, jedoch wird durch den Schaum in der Reinigungsflotte die Einspülbarkeit des Mittels aus dem Dosiergerät der HGSM erheblich verzögert, wodurch es zu Leistungseinbußen des Mittels kommt. Speziell bei Maschinen mit niedrigem Flottenstand, kann von der Reinigerumwälzpumpe durch verstärkte Schaumbildung Luft angesaugt werden, wodurch der Pumpendruck abfällt und somit die Reinigungsleistung gemindert wird. Die Kombination mit b) führt ebenfalls zu einem verstärkten Aktivchlorabbau unter gleichzeitigem Verlust der schauminhi­bierenden Wirkung, wobei der Zusatznutzen der schauminhi­bierenden Verbindungen durch die Gegenwart von aktivchlorab­spaltenden Verbindungen fast aufgehoben wird. Schließlich führt auch die Kombination mit c) zur gegenseitigen Beeinflussung und Aufhebung der Einzelwirkungen. Das hat immer wieder zur Suche nach einer Lösung dieses Problems geführt. Dabei sind die unter­schiedlichsten Wege beschritten und beschrieben worden.

    [0004] Aufgabe der Erfindung war es daher, einen neuen Weg aufzu­zeigen, der es ermöglicht, zumindest die erwähnten Zusatz­wirkstoffe gegenüber den aktivchlorabspaltenden Verbindungen zu stabilisieren. Aus der deutschen Auslegeschrift 16 17 088 ist bekannt, daß der Zusatz von weißem Paraffinöl zu trockenen Mischungen aus Alkaliphosphaten und -silikaten, nichtionischen Tensiden und Aktivchlorträgern eine Verbesserung der Lagerstabi­lität der Reinigungsmittel bewirkt, was insbesondere durch gute, d.h. niedrige Schaumwerte dokumentiert wird.

    [0005] Nach der Lehre der europäischen Patentschrift 54094 wird ein ent­sprechendes Ergebnis dadurch erzielt, daß der Aktivchlorträger in körniger Form, überzogen mit einer dünnen hydrophoben Schicht eines Diesters der Phthalsäure oder der Adipinsäure mit einem C4-18-Alkanol, eingesetzt wird.

    [0006] Überraschenderweise wurde nun gefunden, daß der Zusatz geringer Mengen an bestimmten Polysacchariden zu den pulver­förmigen Bestandteilen von aktivchlorhaltigen, maschinell anwendbaren Geschirreinigungsmitteln eine unerwartet gute Schutzfunktion für aktivchlorinstabile Verbindungen bewirkt.

    [0007] Die Erfindung betrifft daher pulverförmige, aktivchlorhaltige, maschinell anwendbare Geschirreinigungsmittel auf Basis von Alkalitriphosphaten, Alkalimetasilikaten und/oder Alkalicarbonaten und/oder Alkalisulfaten, schwachschäumenden nichtionischen Ten­siden und gegebenenfalls weiteren aktivchlorempfindlichen Ver­bindungen, die dadurch gekennzeichnet sind, daß sie einen Zusatz an 0,005 bis 0,5, vorzugsweise 0,01 bis 0,15 Gewichts­prozent, bezogen auf das gesamte Reinigungsmittel, an Poly­sacchariden enthalten.

    [0008] Als Polysaccharide können solche mit Molgewichten von 100 000 bis 10 000 000 wie Alginate und vorzugsweise Xanthangummi verwen­ det werden. Die Zusatzmenge liegt damit an der unteren Grenze oder weit unter den Mengen, die üblicherweise beim bekannten Zusatz dieser Substanzen als Verdickungsmittel für flüssige oder zu verflüssigende aktivchlorfreie Reinigungsmittel verwendet werden (z.B. US-PS 4 260 528, US-PS 4 226 736,WO 83/3621, DE-OS 33 01 577). Der Zusatz erfolgt durch gemeinsames trockenes Mischen der pulverförmigen Reinigungsmittelbestandteile in dafür bekannten Vorrichtungen.

    [0009] Unter "Xanthangummi" wird hier in Anlehnung an Römpps Chemie-­Lexikon, 7. Auflage (1973), Seiten 1355 und 1356 und Kirk-Othmer "Encyclopedia of Chemical Technology", 3. Auflage (1980), Band 12, Seiten 62 bis 64 ein Produkt verstanden, das unter der angelsächsischen Bezeichnung "Xanthan Gum" bekannt ist.

    [0010] Xanthangummi ist ein hochmolekulares Polysaccharid, d.h. ein exozelluläres Heteropolysaccharid mit einem Molgewicht von etwa 2 000 000 bis 10 000 000 und höher, das von verschiedenen Xanthomonasarten, zum Beispiel Xanthomonas campestris, produ­ziert wird. Es sind hydrophile Kolloide. Zahlreiche Veröffent­lichungen befassen sich mit ihrer Herstellung durch die aerobe Vermehrung und Züchtung von Bakterien der Gattung Xanthomonas in wäßrigen Nährmedien. Die grundlegenden Arbeiten sind in der US-PS 3 000 790 beschrieben.

    [0011] Derartige Produkte sind handelsüblich und werden beispielsweise von der Firma Kelco Comp. Oklahoma/USA unter dem Namen Kelzan ® vertrieben und in Kelco "Xanthan Gum", 2. Auflage (1975) beschrieben.

    [0012] Auch Alginate, vorzugsweise die Natriumsalze der Alginsäure mit Molgewichten von etwa 100 000 bis 240 000, werden u.a. von der Firma Kelco Comp. unter der Bezeichnung Kelco-gel® ver­trieben.

    [0013] Die Schonung der organischen Zusatzstoffe vor dem Angriff von Aktivchlorverbindungen in alkalisch reagierenden Reinigungs­mitteln ist umso überraschender, als für Kelzan ® bekannt ist, daß das Polysaccharid zwar mit nichtionischen Tensiden sehr gut verträglich ist, aber von stark oxidierend wirkenden Verbin­dungen wie Perverbindungen oder Hypochloriten abgebaut wird.

    [0014] Als Alkalitriphosphate werden die Alkalisalze des Penta­alkalitriphosphats, insbesondere Pentanatriumtriphosphat, wasserfrei oder als Hexahydrat und beliebige Mischungen der beiden Formen in Mengen von 5 bis 60, vorzugsweise 10 bis 55 Gewichtsprozent, bezogen auf das Gesamtgemisch des Reinigungs­mittels, eingesetzt. Die Alkalimetasilikate, deren Einsatz erforderlich ist, um den Reinigungsmitteln den für die Reinigungswirkung notwendigen alkalischen pH-Wert von 11 bis 14 zu vermitteln und außerdem die Korrosionswirkung der Triphos­phate zu unterdrücken, werden üblicherweise als Na₂O : SiO₂ = 1 : 1 -Verbindungen, sowohl als wasserfreies Natriummetasilikat als auch hydratwasserhaltig, eingesetzt. Ihr Anteil am Gesamt­gemisch des Reinigungsmittels beträgt 10 bis 60, vorzugsweise 15 bis 50 Gewichtsprozent, bezogen auf die wasserfreien Verbin­dungen.

    [0015] Als zusätzliche Alkalispender werden meist noch geringe Mengen an Alkalicarbonaten zugesetzt. Die Einsatzmenge beträgt 0 bis 15, vorzugsweise 1 bis 10 Gewichtsprozent. Auch hierbei wird bevor­zugt das Natriumsalz verwendet.

    [0016] Zur Streckung der Rezeptur können auch noch geringe Mengen reinigungsinaktiver anorganischer Salze wie Alkalisulfate, vor­zugsweise Natriumsulfat, zugesetzt werden. Es handelt sich dabei dann um Mengen von 0 bis 15, vorzugsweise von 1 bis 10 Gewichtsprozent.

    [0017] Die erfindungsgemäßen Reinigungsmittel können in Kombination mit dem eingesetzten Triphosphat auch noch andere anorganische Phosphataustauschstoffe enthalten. Zu den bevorzugten anorgani­schen Phosphataustauschstoffen gehören die synthetisch herge­stellten wasserunlöslichen Zeolithe vom Typ NaA oder NaX, wie sie beispielsweise in den US-amerikanischen Patentschriften 2 882 243 und 2 882 244 beschrieben sind. Sie werden in Mengen von 3 bis 50, vorzugsweise von 5 bis 35 Gewichtsprozent, bezogen auf das gesamte Reinigungsmittel, eingesetzt. Neben ihrer reinigungsverstärkenden Wirkung zeigen die Zeolithe eine zusätzliche korrosionsinhibierende Wirkung in bezug auf Dekor­glasuren auf Porzellan oder Keramik, die über die der bekannten Tripolyphosphat/Metasilikat-Mischungen hinausgeht.

    [0018] Diese Zeolithe können gegebenenfalls auch in Form von lager­stabilen, gut fließfähigen wäßrigen Suspensionen mit möglichst hohem Zeolithgehalt weiterverarbeitet, d.h. in Reinigungsmittel­rezepturen eingearbeitet werden. Dabei ist es vorteilhaft, den Suspensionen zur Optimierung ihrer Lager- und Transportstabi­lität sogenannte Stabilisatoren zuzusetzen. Hierzu ist unter anderem gemäß der DE-OS 34 08 040 ein Zusatz von 0,01 bis 0,25 Gewichtsprozent, bezogen auf die gesamte zu stabilisierende wäßrige Zeolith-Suspension an Xanthangummi vorgeschlagen worden. Wenn auch diese Xanthangummimengen im Rahmen der hier erfindungsgemäß verwendeten Mengen liegen, so war aus diesem Stand der Technik jedoch nicht die Lehre herzuleiten, daß Xanthangummizusätze, insbesondere auch bei zeolithfreien Reinigungsmittelzusammensetzungen, zum Schutz organischer Ver­bindungen vor dem Angriff von aktivchlorabspaltenden Verbindungen zu dienen geeignet sind.

    [0019] Zu den aktivchlorabspaltenden Verbindungen gehören die Chlor­derivate der Isocyanursäure, vorzugsweise die Trichlorisocyanur­säure und das Natrium-dichlorisocyanurat und dessen Dihydrat. Ihre Zusatzmengen betragen 0,2 bis 5, vorzugsweise 0,2 bis 2,5 Gewichtsprozent.

    [0020] Für die Herstellung der erfindungsgemäßen Reinigungsmittel geeignete bekannte schwachschäumende nichtionische Tenside a) sind Anlagerungsprodukte von Ethylenoxid an Alkylphenole und vorzugsweise Fettalkohole auf Basis von Kokosöl oder Talgfett, d.h. mit einer Alkylkettenlänge von 12 bis 18 Kohlenstoffatomen und deren analoge, auf petrochemischem Wege gewonnene Ver­bindungen, die vorzugsweise mit Ethylenoxid sowie gegebenenfalls auch zusätzlich mit Propylenoxid umgesetzt worden sind. Sie werden in Mengen von 0,2 bis 3, vorzugsweise von 0,2 bis 2,0 Gewichtsprozent eingesetzt.

    [0021] Als gegebenenfalls zuzusetzende schauminhibierende Verbindungen b) kommen die in der deutschen Offenlegungsschrift 34 00 003 genannten paraffinhaltigen Entschäumungskompositionen in Betracht. Hierbei handelt es sich um physikalische Mischungen aus pyrogener hydrophobierter Kieselsäure und bei Raumtempera­tur festen Paraffinwachsen oder Paraffinwachsgemischen als Dispersion in flüssigen oder Komposition auf festen Träger­materialien. Ihre Konzentration beträgt 0 bis 5, vorzugsweise 0,05 bis 5 und insbesondere 0,5 bis 5 Gewichtsprozent.

    [0022] Als reinigungsverstärkende Zusätze c), die gegebenenfalls auch zugesetzt werden können, eignen sich die in den deutschen Offenlegungsschriften 34 28 833, 34 28 834 und 34 28 848 ge­nannten Verbindungen vom Typ der end- oder innenständigen Epoxyalkane, die mit Mono- oder Diethanolamin umgesetzt und gegebenenfalls noch ethoxyliert beziehungsweise propoxyliert wurden, der primären, gerad- oder verzweigtkettigen C₈-C₁₀-­ Alkanole, die gegebenenfalls noch propoxyliert sein können oder primäre C₈-C₁₈-Alkylamine, die gegebenenfalls alkoxyliert oder quaterniert sein können. Ihre Menge macht dann 0,1 bis 10, vorzugsweise 0,2 bis 5 Gewichtsprozent aus.

    [0023] Alle Gewichtsangaben beziehen sich auf 100 % Gesamtgewicht der erfindungsgemäßen Reinigungsmittel.

    Beispiele



    [0024] Folgende Rezeptur wurde allen Beispielen als Grundrezeptur zugrunde gelegt:

    38 Gew.-% Pentanatriumtriphosphat, wasserfrei
    45 Gew.-% Natriummetasilikat, wasserfrei
    7 Gew.-% Natriumcarbonat, wasserfrei
    Rest Wasser

    [0025] Die Rohstoffe wurden gemeinsam mit Wasser in einem Lödige-­Mischer vermischt bis ein homogenes Agglomerat gebildet war, das im Anschluß daran in einem Luftstrom von 80 °C bis zu dem angegebenen Wasser- gleich Restfeuchtegehalt getrocknet wurde. Prinzipiell ist diese Rezeptur auch durch gekörnte, gegebenenfalls wasserhaltige Rohstoffe aufmischbar.

    [0026] Die flüssigen Bestandteile wurden auf diese Grundrezeptur in bekannter Weise aufgedüst. Die Zugabe des pulverförmigen Poly­saccharids erfolgte vor der Zugabe des pulverförmigen oder granulierten Aktivchlorträgers.

    Beispiel 1



    [0027] Um die Aktivchlorstabilität einer Xanthangummi-haltigen Rezeptur im Vergleich zu einer davon freien Rezeptur zu testen, wurden folgende Reinigungsmittelmischungen gelagert:

    Rezeptur a



    [0028]     99 Gew.-% Grundrezeptur
        1 Gew.-% Trichlorisocyanursäure

    Rezeptur b



    [0029]     98,9 Gew.-% Grundrezeptur
        1 Gew.-% Trichlorisocyanursäure
        0,1 Gew.-% Xanthangummi Kelzan ®


    [0030] Die Lagerung erfolgte unter verschiedenen klimatischen Bedingungen: 40 °C im Trockenschrank, im Klimaschrank bei 40 °C/80 % relative Feuchtigkeit und im Laborklima, d.h. bei 65 % Luftfeuchtigkeit und 22 °C. Die Aktivchlorgehalte wurden jodo­metrisch bestimmt. Folgende Aktivchlorverluste wurden nach 24-wöchiger Lagerung ermittelt:



    [0031] Das Beispiel zeigt, daß für die polysaccharid-haltige Rezeptur b) tendenziell vergleichbare Aktivchlorverluste wie für die davon freie Variante a) erhalten werden. Daß diese bekannten Verluste etwas erhöht sind, war auf Grund der Oxidationsempfindlichkeit von Kelzan ® zu erwarten.

    Beispiel 2



    [0032] Dieses Beispiel zeigt am Schaumverhalten der Reinigungsmittel­rezepturen, daß bei gleichzeitiger Anwesenheit eines Aktivchlor­ trägers und eines nichtionischen Tensids letzteres in Gegenwart eines Polysaccharids deutlich weniger zerstört wird.

    [0033] Folgende Reinigungsmittelrezepturen wurden nach oben ange­führtem Schema aufgemischt:

    Rezeptur a



    [0034]     99 Gew.-% Grundrezeptur
        1 Gew.-% Umsetzungsprodukt von 1 Mol C12-18-Fettalkohol mit 5 Mol Ethylenoxid

    Rezeptur b



    [0035]     98 Gew.-% Grundrezeptur
        1 Gew.-% Tensid (wie Rezeptur a)
        1 Gew.-% Trichlorisocyanursäure

    Rezeptur c



    [0036]     97,9 Gew.-% Grundrezeptur
        1 Gew.-% Tensid (wie Rezeptur a)
        1 Gew.-% Trichlorisocyanursäure
        0,1 Gew.-% Xanthangummi Kelzan ®


    [0037] Diese Reinigungsmittelzusammensetzungen wurden ebenfalls unter den in Beispiel 1 angegebenen verschiedenen klimatischen Bedingungen gelagert. Während der Lagerung der Reinigungs­mittel reagierte das Tensid mit dem Aktivchlorträger, was daran zu erkennen war, daß die Reaktionsprodukte beziehungsweise deren Zwischenprodukte zu relativ starker Schaumbildung des Mittels führte. Das aber ist bei der maschinellen Reinigung sehr unerwünscht, weil daraus ein Druckabfall an der Reinigungsmittelumwälzpumpe resultiert, was gleichbedeutend ist mit einer verringerten mechanischen Wirkung der Maschine.

    [0038] Während der Lagerung der Reinigungsmittel wurde in gewissen Abständen ihr Schaumverhalten sowie ihr Aktivchlorgehalt überprüft. Hierzu wurde eine Miele-HGSM benutzt. Die Ergebnisse sind den nachfolgenden Tabellen 2 und 3 zu entnehmen.



    [0039] Die in der Tabelle 2 angegebenen Werte für das Schaumverhalten sind Relativwerte, bezogen auf das Druckverhalten der HGSM beim aktivchlorfreien Reiniger 2 b (= 100 %). Im Schaumverhalten verhielt sich das Xanthangummi-haltige Reinigungsmittel deutlich günstiger als der Xanthangummi-freie. Teilweise waren die Werte fast so günstig, wie bei der aktivchlorfreien Rezeptur 2 a.



    [0040] Die Werte in Tabelle 3 zeigen eindeutig, daß für die Xanthan­gummi-haltige Rezeptur wiederum kein erhöhter Aktivchlorverlust erhalten wurde.

    Beispiel 3



    [0041] Um zu zeigen, daß die Herabsetzung der Schaumbildung durch ein Polysaccharid nicht tensidspezifisch ist, wurden die Versuche auf weitere reinigungsmittelübliche Tenside ausgedehnt, nämlich auf das Umsetzungsprodukt von 1 Mol C12-18-Alkohol mit 2 Mol Ethylenoxid und 4 Mol Propylenoxid und 1 Mol Nonylphenol mit 3 Mol Ethylenoxid.

    [0042] Von diesen beiden Tensiden ist bekannt, daß sie im Rahmen von handelsüblichen HGSM-Reinigungsmitteln in Gegenwart von Aktiv­chlorverbindungen nach der Lagerung zu starker Schaument­wicklung neigen. Gemäß Rezepturvariante 2 c wurden beide Tenside in eine Xanthangummi-haltige Rezeptur eingearbeitet.

    Rezeptur a



    [0043]     97,9 Gew.-% Grundrezeptur
        1 Gew.-% Nonylphenolethoxylat
        1 Gew.-% Trichlorisocyanursäure
        0,1 Gew.-% Xanthangummi

    Rezeptur b



    [0044]     97,9 Gew.-% Grundrezeptur
        1 Gew.-% C12-18-Alkohol-ethoxy-propoxylat
        1 Gew.-% Trichlorisocyanursäure
        0,1 Gew.-% Xanthangummi


    [0045] Nach 24 Wochen Lagerung wurde der Druckabfall an der Reiniger­pumpe bei Ablauf eines Reinigungsprogrammes gemessen. Die in der nachfolgenden Tabelle 4 wieder angegebenen Werte für das Schaumverhalten sind Relativwerte, bezogen auf das Druck­verhalten der HGSM ohne Einsatz von Reinigungsmittel (Maximaldruck).



    [0046] Die Ergebnisse in Tabelle 4 zeigen den gleichen Befund wie in Beispiel 2: Xanthangummi wirkt tensidstabilisierend.

    Beispiel 4:



    [0047] Bei den bisherigen Versuchen wurde als Aktivchlorträger Tri­chlorisocyanursäure eingesetzt. In diesem Beispiel soll gezeigt werden, daß bei Verwendung anderer Chlorträger ebenfalls eine Stabilisierung des Tensides bei vergleichbarer Chlorstabilität erreicht wird. Als Chlorträger wurden eingesetzt:
        Na-dichlorisocyanurat
        Na-dichlorisocyanurat-Dihydrat
        Trichlorisocyanursäure

    [0048] Mit diesen Chlorträgern wurden folgende Rezepturen hergestellt, die im Aktivchlor-Gehalt alle gleich waren:

    Rezeptur a



    [0049]     97,6 % Grundrezeptur
         1 % Tensid (in allen Beispielen wie wie Rezeptur 2 a)
        1,4 % Na-dichlorisocyanurat

    Rezeptur b



    [0050]     97,5 % Grundrezeptur
        1 % Tensid
        1,4 % Natrium-dichlorisocyanurat
        0,1 % Xanthangummi

    Rezeptur c



    [0051]     97,4 % Grundrezeptur
        1 % Tensid
        1,6 % Na-dichlorisocyanurat-Dihydrat

    Rezeptur d



    [0052]     97,3 % Grundrezeptur
        1 % Tensid
        1,6 % Na-dichlorisocyanurat-Dihydrat
        0,1 % Xanthangummi

    Rezeptur e



    [0053]     98,0 % Grundrezeptur
        1 % Tensid
        1 % Trichlorisocyanursäure

    Rezeptur f



    [0054]     97,9 % Grundrezeptur
        1 % Tensid
        1 % Trichlorisocyanursäure
        0,1 % Xanthangummi


    [0055] Die Reinigungsmittel wurden 24 Wochen lang im Trockenschrank bei 40 °C und im Klimaschrank bei 40 °C und 80 % r.F. gelagert. Nach Beendigung der Lagerung wurden der Aktivchlorgehalt überprüft. Die Ergebnisse sind in der nachfolgenden Tabelle 5 zusammengefaßt.



    [0056] Auch für diese Aktivchlorträger wurde bei den Xanthangummi-­haltigen Varianten kein erhöhter Aktivchlorverlust festgestellt.

    [0057] Zusätzlich wurden nach der Lagerung das Schaumverhalten in der HGSM überprüft. Die Ergebnisse sind in der nachfolgenden Tabelle 6 zusammengefaßt.



    [0058] Im direkten Paarvergleich wurde bei sonst gleicher Zusammen­setzung ein günstigeres Schaumverhalten bei den xanthangummi-­haltigen (Kelzan ®) Rezepturen beobachtet.

    Beispiel 5



    [0059] Dieses Beispiel zeigt, daß durch ein Polysaccharid auch weitere Reinigungsmittelbestandteile, die normalerweise vom Aktivchlor­träger angegriffen werden, stabilisiert werden können. Folgende Rezepturvarianten wurden hergestellt und unter verschiedenen Klimabedingungen gelagert:

    Rezeptur a



    [0060]     98 % Grundrezeptur
        1 % Trichlorisocyanursäure
        1 % Entschäumer

    Rezeptur b



    [0061]     97,9 % Grundrezeptur
        1 % Trichlorisocyanursäure
        1 % Entschäumer
        0,1 % Xanthangummi


    [0062] Der Entschäumer war flüssig und bestand aus 95,0 Gewichtsteilen 2-n-Octyldecanol, 0,5 Gewichtsteilen Vaseline, 1,7 Gewichtsteilen Paraffinwachs mit einem Erstarrungspunkt von 42 bis 44 °C, 2,2 Gewichtsteilen eines mikrokristallinen Wachses mit einem Er­starrungspunkt von 85 bis 86 °C und 0,6 Gewichtsteilen hydro­phobierter Kieselsäure, wie in der DE-OS 34 00 003 beschrieben.

    [0063] Zur Überprüfung der Wirksamkeit des Entschäumers wurden im Reinigungsgang der HGSM zur Reinigungsmittellösung 30 g Vollei hinzugesetzt; dadurch wurde in der Maschine bei Umwälzung der Reinigungsmittelflotte ein stabiler Schaum erzeugt. Dieser Schaum war so stabil, daß er sich schon nach geringer Umwälzzeit so stark aufgebaut hatte, daß die Maschine überschäumte.

    [0064] Durch den Zusatz des Entschäumers wurde die Schaumbildung zwar nicht vermieden, jedoch wurde der Schaum so stark destabilisiert (instabil), daß während des gesamten Reini­gungsganges ein bestimmtes Schaumvolumen nicht überschritten wurde. Die Stabilität dieses Nahrungsmittelschaumes ließ sich mit Hilfe von 2 Methoden messen:

    a) die bereits beschriebene Messung des Pumpendruckes;

    b) kurzes Öffnen der HGSM und visuelle Beobachtung des Schaumzerfalls:
    Instabile Schäume zerfallen wenige Sekunden nach Beendigung der Umwälzung.
    Stabile Schäume können bis in den Minutenbereich hinein existent bleiben.



    [0065] Die Ergebnisse sind in der nachfolgenden Tabelle 7 zusammen­gefaßt.



    [0066] Aus Tabelle 7 ist ersichtlich, daß bei der Xanthangummi-haltigen Rezeptur während einer Lagerzeit von 24 Wochen die destabili­sierende Wirkung von Nahrungsmittelschaum voll erhalten blieb, während bei der Xanthangummi-freien Rezeptur deutliche Leistungseinbußen beobachtet wurden.

    [0067] Ein erhöhter Aktivchlorverlust wurde nicht festgestellt.


    Ansprüche

    1. Pulverförmige, aktivchlorhaltige, maschinell anwendbare Geschirreinigungsmittel auf Basis von Alkalitriphosphaten, Alkalimetasilikaten und/oder Alkalicarbonaten und/oder Alkalisulfaten, schwachschäumenden nichtionischen Tensiden und gegebenenfalls weiteren aktivchlorempfindlichen Ver­bindungen, dadurch gekennzeichnet, daß sie einen Zusatz von 0,005 bis 0,5 Gewichtsprozent, vorzugsweise 0,01 bis 0,2 Gewichtsprozent, bezogen auf das gesamte Reinigungsmittel, an Polysacchariden enthalten.
     
    2. Reinigungsmittel nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß sie als Polysaccharid Xanthangummi enthalten.
     
    3. Reinigungsmittel nach den Ansprüchen 1 und 2, dadurch ge­kennzeichnet, daß sie zusätzlich 0 bis 5, vorzugsweise 0,05 bis 5 und insbesondere 0,5 bis 5 Gewichtsprozent an schauminhi­bierenden Verbindungen enthalten.
     
    4. Reinigungsmittel nach Ansprüchen 1 bis 3, dadurch gekenn­zeichnet, daß sie als schauminhibierende Verbindung paraffin­haltige Kompositionen enthalten.
     
    5. Reinigungsmittel nach den Ansprüchen 1 bis 4, dadurch ge­kennzeichnet, daß sie zusätzlich 0,1 bis 10, vorzugsweise 0,2 bis 5 Gewichtsprozent an reinigungsverstärkenden Verbin­dungen enthalten.
     





    Recherchenbericht