[0001] Die vorliegende Erfindung betrifft ein Verfahren zur Erkennung und Lokalisierung
von Schäden in elektrischen Anlagen gemäß dem Oberbegriff des Anspruchs 1, sowie Vorrichtungen
zur Durchführung des Verfahrens. Aus einem Fachaufsatz von H. Nieschwietz und W. Stein
in der "Elektrotechnischen Zeitschrift etz-a", Band 97 (1976), Heft 11, S. 657 bis
663, von dem die vorliegende Erfindung ausgeht, ist ein gattungsgemäßes Verfahren
bekannt. Es wird gemäß diesem Aufsatz als Mittel der Qualitätskontrolle an Hochspannungs-Transformatoren
angewendet. In dem Aufsatz werden als alternative Verfahren elektrische Teilentladungs-Messungen
und Schall-Messungen beschrieben. Ferner sind in der noch nicht veröffentlichten deutschen
Patentanmeldung P 35 26 149.8 und den europäischen Patentanmeldungen 86117 085.0 und
86117 807.7, auf die hier ausdrücklich Bezug genommen wird, Verfahren und Vorrichtungen
zur Teilentladungs-Messung bzw. Hochfrequenz-Auskopplung und Ultraschallüberwachung
bekannt. Zur Vermeidung von Wiederholungen wird daher für Einzelheiten dieser Messungen
auf diese beiden Anmeldungen verwiesen.
[0002] Aufgabe der vorliegenden Erfindung ist es, aus den bisher bekannten Meßanordnungen
bzw. -verfahren, eine Anordnung bzw. ein Verfahren zur globalen Betriebsüberwachung
von elektrischen Anlagen, insb. Generatoren bzw. Kraftwerksblöcken, zu schaffen, welches
eine Früherkennung von Schäden und vor allem eine Diagnose und Lokalisierung der Schäden
ermöglichen soll. Ferner soll durch Angabe besonders geeigneter und ohne große Umbaumaßnahmen
einrichtbarer Meßstellen die Nachrüstung von Kraftwerksblöcken mit den erfindungsgemäßen
Anordnungen zur Durchführung des Verfahrens ermöglicht werden.
[0003] Zur Lösung dieser Aufgabe wird gemäß dem Anspruch 1 vorgeschlagen, an mindestens
drei Meßstellen kontinuierlich oder periodisch Meßwerte zu gewinnen. Anders als bei
den nach dem Stand der Technik bekannten Verfahren soll die Auswertung dieser Meßsignale
nicht nur durch Vergleich mit Kalibriersignalen erfolgen, sondern es soll die gesamte
elektrische Anlage in einem Rechner als Hochfrequenz-Netzwerk nachgebildet werden,
was auch die Simulierung von Schäden und die Verfolgung der durch diese Schäden entstehenden
Signale durch das gesamte Netzwerk ermöglicht. Auf modernen Rechenanlagen ist es in
an sich bekannter Weise möglich, Netzwerke nachzubilden und die Eingabe von Signalen
an beliebigen Stellen in solchen Netzwerken zu simulieren und die Signalwege und dabei
auftretenden Veränderungen der Signale zu verfolgen. Durch Vergleich von Meßsignalen
mit simulierten Signalen läßt sich so eine sehr genaue Diagnose der Schadensart und
des Schadensortes bewerkstelligen, wobei die Qualität der Diagnose naturgemäß mit
der Anzahl der gewonnenen Meßwerte zunimmt.
[0004] Geeignete Meßstellen werden im Anspruch 2 angegeben und weitere vorteilhafte Ausgestaltungen
der Erfindungen sind in den Ansprüchen 3 bis 6 enthalten, wie sie anhand der Zeichnung
näher erläutert werden.
[0005] Vorrichtungen zur Durchführung des Verfahrens werden in den Ansprüchen 7 und 8 beschrieben
und ebenfalls anhand der Zeichnung näher erläutert.
[0006] Beispielhaft anhand eines Kraftwerksblockes ist eine Ausführungsmöglichkeit der Erfindung
in der Zeichnung dargestellt. Es zeigen
Fig. 1 ein schematisches, an sich bekanntes Schaltbild eines Kraftwerksblockes mit
Meßstellen zur Auskopplung von Hochfrequenz-Signalen und Schall-Signalen,
Fig. 2 einen schematischen Längsschnitt durch einen Turbogenerator mit Erregereinrichtung,
Fig. 3 und 4 schematische Flußpläne für die Verarbeitung und Auswertung der Meßsignale.
[0007] In Fig. 1, dem schematischen Schaltbild einesKraftwerksblockes, sind die nach dem
Stand der Technik an sich bekannten Einzelheiten, die für die Erfindung nicht von
Bedeutung sind, nicht weiter bezeichnet. Wesentliche Teile sind der Generator GE,
der Generator-Schutz GS, die beiden Maschinen-Transformatoren MT a, MT b, die beiden
Eigenbedarfs-Transformatoren EBT a, EBT b und die Netzschutz-Kondensatoren NSK. Gemäß
an sich bekannten oder in den noch nicht veröffentlichten o. g. Patentanmeldungen
enthaltenen Anordnungen, sind die angegebenen Einzelteiledes Kraftwerksblockes mit
Schallaufnehmern, insbesondere für Ultraschall-Signale, ausgerüstet. Die Maschinen-Transformatoren
MT a bzw. MT b weisen je drei Schallaufnehmer US 1a bzw. US 1b auf, während die Eigenbedarfs-Transformatoren
EBT
a, bzw. EBTb. mit beispielsweise je zwei Schallaufnehmern US 7a bzw. US 7b ausgestattet
sind. Ferner weist der Generator GE in seinem vorderen und in seinem hinteren Wassersammelring
(wie in Fig. 2 besser zu erkennen ist) beispielsweise je drei Schallaufnehmer US 3,
US 4, US 5 auf. Alle diese Schallaufnehmer bilden insgesamt einen Zweig des vorgeschlagenen
Betriebsüberwachungs-Systems, welcher Erkennung und teilweise Lokalisierung von Schäden
aufgrund von Schall-Signalen ermöglicht.
[0008] Erfindungsgemäß wird zusätzlich vorgeschlagen, einen Kraftwerksblock mit mindestens
3, vorzugsweise jedoch wesentlich mehr Meßstellen zur Auskopplung von Hochfrequenz
(HF) auszurüsten. Solche Meßstellen können insbesondere in folgenden Einrichtungen
bestehen:
a) HF 1a, HF 1b: Kapazitive Teiler der Hochspannungs-Durchführungen der Maschinen-Transformatoren
MT a, MT b;
b) HF 2a, HF 2b: Hochfrequenz-Widerstände in Verbindung mit Ankopplungsvierpolen als
Unterteiler zu den vorhandenen Netzschutz-Kondensatoren NSK;
c) HF 3: Kapazitive HF 3.1 oder induktive HF 3.2 Kopplung innerhalb des Generators,
strangweise an den Schaltleitungen durch Erdungsbeläge oder zusätzliche Koppelkapazitäten;
d) HF 4: Hochfrequenz-Stromwandler über Sternpunkt-Ableitung HF 4.1 oder kapazitiven
Teiler HF 4.2 im Sternpunkt gegen Erde;
e) HF 5: Hochfrequenz-Stromwandler über eine separate Erdungsleitung des Ständerblechpaketes;
f) HF 6: Kapizitive Auskopplung über Generatorwelle und Erregerlager evtl. mit zusätzlicher
Antenennen-Kopplung;
g) HF 7 a: Kapazitive Auskopplung unter Benutzung HF 7 b: des Kabel-Erdbelages oder durch ohmsche Teiler mit Hochfrequenz-Charakteristik auf Eigenbedarf-Spannungsebene;
h) HF 8: Kapazitive oder galvanische (ohmsche Anbindung im Generatorschutz GS.
[0009] Fig. 2 zeigt im Längs-Axialschnit einen Turbogenerator GE mit Erregeranordnung, anhand
dessen die räumliche Anordnung der in Fig. 1 im Schaltbild gezeigten Meßstellen verdeutlicht
wird. An sich bekannte Teile des Turbogenerators, die für die vorliegende Erfindung
nicht von Bedeutung sind, werden dabei im einzelnen nicht erläutert. Erkennbar ist
die Anordnung von Schallaufnehmern in den vorderen bzw. hinteren Wassersammelringen
des Generators GE, wobei nur einer von jeweils 3 Aufnehmern in jedem Wassersammelring
schematisch angedeutet ist. Im vorderen Wassersammelring ist dies der Aufnehmer US
3.2, im hinteren Wassersammelring der Aufnehmer US 3.1. Außerdem sind aus dieser Figur
mehrere der in Fig. 1 angegebenen Meßstellen zur Hochfrequenz-Auskopplung mit ihrem
schematisch angedeuteten Aufbau angegeben. Wie dargestellt, ist eine Hochfrequenz-Auskopplung
durch kapazitive HF 3.1 oder induktive HF 3.2 Kopplung innerhalb des Generators strangweise
an den Schaltleitungen möglich, und zwar durch Erdungsbeläge oder zusätzliche Koppelkapazitäten.
Die Ankopplung an den Schaltleitungen ermöglicht eine besonders günstige Meßstelle.
Ferner ist eine Auskoppelstelle durch Hochfrequenz-Stromwandler über Sternpunktableitung
HF 4.1 oder einen kapazitiven Teiler im Sternpunkt gegen Erde HF 4.2 angedeutet. Eine
weitere besonders günstige Meßstelle HF 5 ergibt sich durch einen Hochfrequenz-Stromwandler
über eine separate Erdungsleitung des Ständerblechpaketes. Ferner ist eine weitere
Meßstelle HF 6 gemäß der älteren nicht vorveröffentlichten Anmeldung P 35 43 927.0
angegeben, welche eine kapazitive Auskopplung über Generatorwelle und Erregerlager
ermöglicht.
[0010] Die Auswertung der gewonnenen Betriebsmeßsignale wird anhand von Flußplänen in den
Fig. 3 und 4 schematisch dargestellt. Dabei wird davon ausgegangen, daß m Meßstellen
für Hochfrequenzsignale und n Meßstellen für Schall-Signale an der elektrischen Anlage
vorhanden sind. Sowohl Hochfrequenzsignale (HF) wie auch Schall-Signale (US) werden
zunächst daraufhin überprüft, ob die Signale vom störungsfreien Betrieb der Anlage
stammen. Solche Signale sind für die überwachung nicht von Bedeutung und werden nicht
weiter verarbeitet. Abnorme Signale jedoch werden weitergegeben, gespeichert und zur
weiteren Analyse verarbeitet. Dabei kann zunächst ein Vergleich zwischen den HF- und
den US
-Signalen für eine erste Plausibilitätsuntersuchung herangezogen werden. Bei der Weiterverarbeitung
der HF-Signale kann zunächst durch Vergleich der Meßsignale aus verschiedenen Phasen
die schadhafte Phase festgestellt werden. Ferner ist durch Hinzuziehung der Schallsignale
meist eine Feststellung der betroffenen Anlagenkomponente möglich. Nach dieser Grobortung
kann eine Feinanalyse mit Hilfe eines simulierten Fehlers in einem Modellnetzwerk
des betroffenen Kraftwerksblockes bzw. der Komponente durchgeführt werden. Diese Feinanalyse
liefert dann eine Diagnose mit Angaben über die Fehlerart und den Fehlerort. Auch
in diesem Stadium ist wiederum ein Vergleich mit den sich aus den Schall-Signalen
ergebenden Diagnosen möglich. Ggf. noch vorhandene Diskrepanzen können ebenfalls angezeigt,
ausgedruckt oder gespeichert werden.
[0011] Fig. 4 zeigt weitere Einzelheiten der Auswertung. Zunächst wird angedeutet, daß es
sich bei den HF- bzw. US-Signalen jeweils um eine größere Zahl von Meßstellen und
Meßwerten handeln kann. Die Meßstellen für Hochfrequenz-Signale sind dabei teilweise
noch für jeweils drei Phasen R, S, T, ausgelegt. über Grenzwertgeber wird eine Vorauswahl
der erfaßten Signale getroffen, wobei Signale, die vorgebbare Grenzwerte überschreiten,
gespeichert und weiter analysiert werden. Wiederum erfolgt eine Analyse zur Erkennung
von Systemimpulsen, d. h. von Impulsen, welche nicht auf eine Störung, sondern auf
den üblichen Betrieb der Anlage hinweisen. Erkannte Störimpulse werden - wie schon
erläutert - mit simulierten Signalen verglichen und das Ergebnis ausgedruckt oder
angezeigt. Zusätzlich ist eine Untersuchung durch Transienten-Rekorder und dgl. möglich
mit einem Ausdruck der sich ergebenden Bilder. Bei den Schall-Signalen ist eine Ortung
auch über reine Laufzeitanalyse in an sich bekannter Weise möglich.
[0012] Die vorliegende Erfindung eignet sich besonders zur Früherkennung von Störungen bei
elektrischen Anlagen, die sich durch Teilentladungen oder Abreißfunken u. dgl. bemerkbar
machen.
1. Verfahren zur Erkennung und Lokalisierung von Schäden in elektrischen Anlagen,
insbondere Generatoren bzw. Kraftwerksblöcken, wobei an einer oder mehreren Stellen
der elektrischen Anlage Teilentladungsmessungen bzw. Hochfrequenzmessungen (HF 1a,
HF 1b, HF 2a, HF2b, HF 3, HF 4, HF 5, HF 6, HF 7a, HF7b, HF 8), ggf. an jeweils allen
Phasen, durchgeführt werden und wobei die Meßwerte untereinander oder mit Kalibriersignalenverglichen
werden und daraus auf den Ort und die Art des Schadens geschlossen wird, gekennzeichnet
durch folgende Merkmale:
a) Die Messungen werden während des Betriebes der Anlage kontinuierlich oder periodisch
an mindestens drei Stellen durchgeführt;
b) die elektrische Anlage wird in einem Rechner als Hochfrequenz-Netzwerk nachgebildet,
wobei auch Schäden mit ihren daraus an den Meßstellen entstehenden Signalen simulierbar
sind;
c) bei Auftreten von Meßwerten, die auf Schäden hinweisen, werden diese mit den simulierten
Signalwerten für verschiedene Schäden und Schadensorte verglichen, insbesondere bezüglich
Frequenzspektrum, Laufzeit, Amplitude und/oder Phasenlage;
d) die Art und der Ort des Schadens werden aus den am besten mit den Meßwerten übereinstimmenden
simulierten Signalwerten und den zugehörigen simulierten Schäden ermittelt.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß während des Betriebes mindestens
drei der im folgenden angegebenen Messungen durchgeführt werden:
a) Hochfrequenz-Auskopplung über an sich bekannte kapazitive Teiler der Hochspannungs-Durchführungen
der Trafos (HF 1a, HF 1b);
b) Hochfrequenz-Auskopplung HF 2a, HF 2b über Hochfrequenz-Widerstände in Verbindung
mit Ankopplungsvierpolen als Unterteiler zu den vorhandenen Netzschutzkondensatoren
(NSK);
c) Hochfrequenz-Auskopplung durch kapazitive (HF 3.1) oder induktive (HF 3.2) Kopplung
innerhalb des Generators (GE) strangweise an den Schaltleitungen;
d) Hochfrequenz-Auskopplung durch Hochfrequenz-Stromwandler über Sternpunktableitung
(HF 4.1) oder kapazitiven Teiler im Sternpunkt gegen Erde (HF 4.2);
e) Hochfrequenz-Auskopplung durch Hochfrequenz-Stromwandler über eine separate Erdungsleitung
des Ständerblechpaketes (HF 5);
f) Hochfrequenz-Auskopplung, kapazitiv, über Generatorwelle und Erregerlager (HF 6),
evtl. mit zusätzlicher Antennenkopplung;
g) Hochfrequenz-Auskopplung über kapazitive Benutzung des Kabel-Erdbelages oder ohmsche
Teiler mit Hochfrequenz-Charakteristik auf der Eigenbedarf-Spannungsebene (HF 7a,
HF 7b);
h) Hochfrequenz-Auskopplung über kapazitive oder galvanische bzw. ohmsche Anbindung
(HF 8) im Generator- schutz (GS).
3. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, daß zur Ortung der betroffenen
Phase die Meßwerte der 3 Phasen untereinander verglichen werden.
4. Verfahren nach Anspruch 1, 2 oder 3, dadurch gekennzeichnet, daß die Meßstellen
untereinander, ggf. getrennt nach Phasen verglichen werden.
5. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet, daß die Störsignale der verschiedenen Meßstellen über Transienten-rekorder
und/oder auf dem Oszillographenbildschirm nach Höhe, Form und/oder Phasenlage analysiert
werden.
6.Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet, daß zusätzlich Meßwerte von Schallmeßaufnehmern (US 1a, US
1b, US 3, US 4, US 5, US 7a, US 7b) mit überwacht und bei der Analyse des Schadens
mit herangezogen werden.
7. Vorrichtung zur Durchführung des Verfahrens an einem Kraftwerksbock, dadurch gekennzeich,
n e t, daß der Kraftwerksblock an seinem Generator (GE) und/oder weiteren Bauteilen
drei oder mehr Betriebsmeßstellen zur Hochfrequenz-Auskopplung (HF 1a, HF 1b, HF2a,
HF 2b, HF 3, HF 4, HF 5, HF 6, HF 7a, HF 7b, HF 8) aufweist.
8. Vorrichtung nach Anspruch 7, dadurch gekennzeichnet, daß der Kraftwerksblock zusätzlich
Ultraschallaufnehmer (US 1a, US 1b, US 3, US 4, US 5, US 7a, US 7b) als Betriebsmeßgeräte
aufweist, insbesondere im Wassersammelring einer ggf. vorhandenen Kühlung der Ständerwicklung
und in den Maschinen- bzw. Eigenbedarfs-Transformatoren (MT a, MT b, EBT a, EBT b).