[0001] Die vorliegende Erfindung betrifft eine Vorrichtung zur Beschleunigung von in einem
einseitig verschlossenem Rohr befindlichen Projektilen durch ein elektrisch aufgeheiztes
Plasma mit den Merkmalen des Oberbegriffs des Anspruchs 1.
[0002] Es ist bekannt, daß mit elektrisch aufgeheizten Plasmen Projektile in metallischen
Rohren auf hohe Geschwindigkeiten beschleunigt werden können (vgl. Goldstein S.A.
et. al. Final Report on Research and Development of a Plasma Jet Mass Accelerator
as a Driver for Impact Fusion; GT-Devices, Alexandria, VA, USA, Contract DE-AC05-81-ER10846,
May 1984). Bei diesen bekannten Vorrichtungen werden in engen Isolierstoffkapillaren
Plasmastrahlen erzeugt, die auf den Projektilboden einwirken. Durch Kontakt der
Gasentladung mit den Kapillarwänden kommt es zur Ablation von Isolierstoff und zur
Aufheizung des Plasmas. Die Folge sind Plasmastrahlen, die aus den Kapillaröffnungen
austreten.
[0003] Besonders nachteilig ist bei diesen bekannten Vorrichtungen, daß ein relativ großes
Anfangsvolumen erforderlich ist, in dem das Plasma erzeugt und aufgeheizt wird.
[0004] Der vorliegenden Erfindung lag daher die Aufgabe zugrunde, eine Vorrichtung der eingangs
erwähnten Art so weiterzuentwickeln, daß das Anfangsvolumen, in dem das Plasma erzeugt
und aufgeheizt wird, möglichst gering ist.
[0005] Erfindungsgemäß wird diese Aufgabe durch die Merkmale des kennzeichnenden Teils des
Anspruchs 1 gelöst.
[0006] Die Unteransprüche geben besonders vorteilhafte Ausgestaltungen der Erfindung wieder.
[0007] Einzelheiten und Vorteile der Erfindung werden im folgenden anhand von Ausführungsbeispielen,
welche mit Hilfe von Figuren erläutert werden, beschrieben.
[0008] Es zeigen:
Fig. 1 eine bekannte Vorrichtung zur Beschleunigung von Projektilen mittels eines
elektrisch aufgeheizten Plasmas;
Fig. 2 den Schnitt einer erfindungsgemäßen Vorrichtung vor Zünden des Plasmas;
Fig. 3 den Schnitt einer erfindungsgemäßen Plasmakanone nach Zünden des Plasmas;
Fig. 4 einen vereinfachten Schaltplan zum Betrieb der erfindungsgemäßen Plasmakanone;
Fig. 5 den zeitlichen Verlauf des Stromes in der Plasmakanone.
[0009] In Fig. 1 ist noch einmal eine bekannte Beschleunigungsvorrichtung dargestellt,
wie sie etwa aus dem eingangs zitierten Bericht von Goldstein et. al. näher beschrieben
wird.
[0010] In Fig. 1 ist mit 1 ein einseitig verschlossenes Rohr bezeichnet, an dessen verschlußseitigem
Rohrboden eine erste Elektrode 2 angeordnet ist. Eine zweite von der ersten Elektrode
elektrische isoliert angeordnete Elektrode 3 (Ringelektrode) ist über eine Spannungsquelle
4 und einen Schalter mit der ersten Elektrode 2 verbunden. Durch die beiden Elektroden
2 und 3 wird in dem Rohr 1 eine mit 6 bezeichnete Plasmakammer definiert, die im Bereich
der Ringelektrode 3 zunächst durch ein zu beschleunigendes Projektil 7 abgeschlossen
ist.
[0011] Nach dem Schließen des Schalters 5 wird zwischen den Elektroden 2 und 3 ein Lichtbogen
gezündet und daß Projektil 7 durch den Druck des Lichtbogenplasmas beschleunigt.
[0012] Wie bereits eingangs erwähnt, weist diese Vorrichtung den Nachteil auf, daß die Plasmakammer
6 ein relativ großes Volumen aufweist, in der der treibende Druck sich verhältnismäßis
langsam aufbaut.
[0013] Die Fig. 2 und 3 zeigen das Ausführungsbeispiel einer erfindungsgemäßen Vorrichtung,
die mit einem spaltförmigen Plasmaraum auskommt.
[0014] Mit 10 ist das Rohr einer Plasmakanone bezeichnet, welches gleichzeitig an seinem
verschlußseitigen Ende die Ringelektrode 100 bildet. Die koaxiale Mittelelektrode
ist mit 11 und der Isolierkörper zwischen Mittelelektrode 11 und Ringelektrode 100
ist mit 12 gekennzeichnet.
[0015] Ein Teil der inneren Oberfläche des Rohres 10 ist am verschlußseitigen Ende mit einem
abbrandfesten Kontaktmaterial 13, z. B. mit einem Sinterwerkstoff aus Wolfram und
Kopfer, ausgekleidet. Das Projektil 14, die Innenwand der Ringelektrode 100 und die
koaxiale Mittelelektrode bilden einen spaltförmigen Entladungsraum 15. Zur Beschleunigung
des Projektils 14 wird dieses unmittelbar vor bzw. so, daß ein spaltförmiger Entladungsraum
15 gebildet wird, angeordnet. Der Beschleunigungsvorgang wird durch Schließen des
Schalters 5 (Fig. 3) durch eine Entladung eingeleitet, die sich in dem engen Spalt
15 zwischen Projektil 14 und Isolierstück 12 bzw. koaxialen Mittelelektrode 11 ausbildet.
Während des raschen Anstieges des Stromes i wird überwiegend in den Fußpunktsgebieten
des heißen Lichtbogens Material verdampft und aufgeheizt. Zusätzlich wird durch den
engen Kontakt des Lichtbogens mit den Wänden des Spalts weiteres Material verdampft.
Der dabei entstehende Druck treibt das Projektil 14 in Richtung des Rohrendes. Während
der Beschleunigung bildet sich in dem größer werdenden Plasmaraum hinter dem Projektil
14 ein Plasma 16 aus.
[0016] Fig. 4 zeigt einen vereinfachten Schaltplan zum Betrieb der erfindungsgemäßen Plasmakanone.
Mit 9 wurde dabei die schematisch dargestellte Plasmakanone und mit 20 der vereinfachte
Schaltplan bezeichnet. Mit 10 ist das Rohr und die Ringelektrode, und mit 11 die erste
Elektrode bezeichnet.
[0017] In dem Schaltplan 20 wird mit 21 ein Antrieb, z. B. ein mit einem Flüssigtreibstoff
gespeister Motor, und mit 22 ein Gleichstromgenerator bezeichnet. Die von dem Gleichstromgenerator
erzeugte Spannung wird über den Schalter 23 einer Kapazität 24 zugeführt, die als
kapazitiver Energiespeicher wirkt. Die Kapazität 24 ist einerseits über einen Schalter
25 mit der ersten Elektrode 11 und andererseits über eine strombegrenzte Induktivität
27 mit der zweiten Elektrode 10 verbunden.
[0018] Außerdem kann die Kapazität 24 über einen Schalter 26 kurzgeschlossen werden.
[0019] Zu Beginn des Beschleunigungsvorganges ist der kapazitive Energiespeicher 24 auf
die Spannung Uo aufgeladen. Nach Einlegen des Schalters 25 zum Zeitpunkt t = t0 (vgl.
auch Fig. 5), entlädt sich der Energiespeicher über die Induktivität 27 und über das
Plasma im Beschleuniger. Wenn zum Zeitpunkt t = t1 der Strom i seinen maximalen Wert
i
max erreicht hat, wird der Kurzschlußschalter 26 geschlossen. Der abnehmende Stromfluß
über das Beschleunigerplasma wird danach durch die Induktivität der Spule 27 aufrechterhalten.
[0020] Bei einem praktischen Ausführungsbeispiel der erfindungsgemäßen Vorrichtung wurde
bei eine Ladespannung von 9 kV ein Aluminiumkörper der Masse von m = 15g beschleunigt.
Der Strom erreichte nach t1 = 88 µs sein Maximum von i
max = 282 kA und fiel danach nahezu linear ab. Die Fluggeschwindigkeit des Projektiles
betrug dabei 1020 m/s.
[0021] Bei allen durchgeführten Versuchen hat sich ergeben, daß die Funktionsweise der Plasmakanone
nicht wesentlich von dem Spalt 15 zwischen Projektil 14 und der koaxialen Elektrode
10 (vgl. Fig. 2 und Fig. 3) abhängt. So war es beispielsweise auch möglich, das Projektil
15 direkt vor der koaxialen Innenelektrode 11 anzuordnen (Abstand zwischen Innenelektrode
und Projektil = 0).
[0022] Vorzugsweise kann der spaltförmige Zwischenraum 15 aber auch mit einem leicht gasenden
Material (z. B. Polyäthylen) gefüllt werden. Als leichtgasendes Material werden dabei
solche Stoffe bezeichnet, die unter der Wirkung der Lichtbogenentladung in Moleküle
(Gase) mit niedrigem Molekulargewicht (Molekulargewicht <30) zerfallen. Durch die
zusätzliche Materialverdampfung dieses Stoffes wird der Energieumsatz im Plasma gersteuert
und es erhöht sich der Plasmadruck, so daß das Projektil mit höherer Geschwindigkeit
das Rohr 10 verläßt.
1. Vorrichtung zur Beschleunigung von in einem einseitig verschlossenen Rohr befindlichen
Projektil durch ein elektrisch aufgeheiztes Plasma, bei der zur Erzeugung des Plasmas
zwei Elektroden vorgesehen sind, wobei die erste Elektrode in dem verschlußseitigen
Teil des Rohres koaxial angeordnet und die zweite Elektrode als Ringelektrode ausgebildet
ist, dadurch gekennzeichnet, daß die zweite Elektrode am verschlußseitigen Ende des Rohres (10) angeordnet ist
und daß die Elektroden (11, 10) zusammen mit dem zu beschleunigenden Projektil (14)
einen spaltförmigen Entladungsraum (15) bilden.
2. Vorrichtung nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß sich in dem spaltförmigen Entladungsraum (15) leichtgasende Stoffe befinden.
3. Vorrichtung nach einem der Ansprüche 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, daß die zweite Elektrode durch das Rohr (10) selbst gebildet wird.
4. Vorrichtung nach Anspruch 4, dadurch gekennzeichnet, daß das Rohr (10) am verschlußseitigen Ende mit abbrandfestem Kontaktmaterial (13)
ausgekleidet ist.