[0001] Die Erfindung betrifft eine teilverbrennbare Treibladungshülse nach dem Oberbegriff
des Patentanspruches 1.
[0002] Aus der DE-B 1 446 889 ist es bekannt, Treibladungshülsen auf der Basis von Nitrozellulose
herzustellen, wobei auf einem Ansaugwerkzeug ein verbrennbares Vlies erzeugt wird,
das nach seiner Trocknung zusätzlich imprägniert wird.
[0003] Aus der DE-B 1 453 842 ist es bekannt, für eine teilverbrennbare Treibladungshülse
eine rohrförmige Hülle aus einem Vlies auf Nitrozellulose-Basis zu verwenden, die
zwischen einem äußeren und bodenseitig angeordneten Verbindungsbecher eingeklemmt
wird, wobei der innere Verbindungsbecher entsprechende Löcher aufweist, die eine rückstandsfreie
Verbrennung des Vliesses sicherstellen. Der äußere Verbindungsbecher wird in einen
Boden eingesetzt. Diese Anordnung erfordert jedoch einen relativ aufwendigen Aufbau
der Treibladungshülse im Bodenbereich.
[0004] Weiterhin ist es aus der DE-B 341 861 bekannt, den Boden von gewickelten Geschützpatronenhülsen
mittels eines Versteifungsringes zu verstärken, während die DE-A 1 578 153 bei einer
Treibladungshülse für Jagdpatronen einen Metalleinsatz zur Verstärkung des Hülsenbodens
und einer Öffnung für die Zündkapsel in axialer und radialer Richtung offenbart.
[0005] Weiterhin ist aus der US-A 3 832 951 eine Munition mit vorderseitigem Geschoß und
rückwärtiger vollständig verbrennbarer Treibladungshülse bekannt. Zu deren Verbindung
bzw. gegenseitigen Befestigung weist das Geschoß heckseitig einen Gewindezapfen und
die Treibladungshülse frontseitig eine entsprechende Ausnehmung auf. Zur Laborierung
der Munition muß zunächst das Geschoß mit dem Gewindezapfen in die Ausnehmung der
Treibladungshülse eingesetzt werden;
[0006] von innen wird nun - es fehlen noch der Boden der Treibladungshülse und das Treibladungspulver
- die verbrennbare Treibladungshülle am Geschoßboden dadurch fixiert, daß eine Spannscheibe
bzw. Federblechscheibe über den Gewindezapfen geschoben und mit einer Schraubenmutter
festgesetzt wird. Die Treibladungshülle wird dabei von dem Befestigungsmittel - der
Federblechscheibe - gegen den Geschoßboden geklemmt. Erst danach kann das Treibladungspulver
eingefüllt und der Boden der Treibladungshülse eingeklebt werden. Nachteilig bei dieser
Munition ist, daß das Geschoß mit heckseitigem Gewindezapfen und - nach Abschuß und
Verbrennen der Treibladungshülle - lose daraufsitzender Federblechscheibe und Schraubenmutter
schlechte Flugeigenschaften aufweist und die Gefahr besteht, daß bei Handhabung wie
z. B. Laden, Entladen, Transport der Munition sich die Klemmverbindung zwischen Geschoß
und Treibladungshülse lockert bzw. das verbrennbare Material der Treibladungshülse
einreißt.
[0007] Die US-A 2 837 456 offenbart weiterhin ein Herstellungsverfahren für eine großkalibrige
leichtgewichtige Treibladungshülse, die aus einem separaten metallischen Hülsenboden
und einem vorderseitigen zylindrischen Hülsenteil aus Kunstharz-gebundenem Fasergewebe
besteht. Diese Treibladungshülse ist nicht verbrennbar. Im Verbindungsbereich zwischen
Hülsenbodenflansch und zylindrischem Hülsenteil können aufgrund der extrem hohen inneren
Gasdrücke bei Abschuß der Munition Materialtrennungen bzw. Hülsenteilaufweitungen
auftreten. Dies kann zum Festsetzen der Treibladungshülse im Rohr und damit verbundenen
Entladungsproblemen führen. Um diese Gefahr auszuräumen kann als Verstärkungselement
der Treibladungshülse ein um die Kante des Hülsenbodenflansches gewickeltes mehrlagiges
dünnes Metallband vorgesehen sein. Festigkeitsprobleme bei der Handhabung dieser Munition
vor Abschuß treten offensichtlich nicht auf; das bekannte Verstärkungsmittel im Verbindungsbereich
der nichtverbrennbaren Treibladungshülsenteile soll also ausschließlich negative Auswirkungen
des hohen Gasdruckes vermeiden und eine bessere Entladbarkeit der abgeschossenen Treibladungshülse
ermöglichen. Diese Probleme treten bei verbrennbaren bzw. teilverbrennbaren Treibladungshülsen
nicht auf.
[0008] Treibladungshülsen mit einer Hülle aus einem Vlies auf Nitrozellulose-Basis besitzen
den Vorteil eines kleinen spezifischen Gewichts und der rückstandsfreien Verbrennung
in Waffenrohren unter Druck und Temperatur. Ferner fällt in den Kampfräumen kein "Leergut"
an, und außerdem ist die CO-Konzentration im Vergleich zu Metallhülsen sehr gering.
[0009] Nachteilig ist jedoch, daß die Eigenfestigkeit dieses Materiales nicht weiter gesteigert
werden kann, ohne die genannten Vorteile nachteilig zu verändern. Dies beeinträchtigt
die Verwendung insbesondere bei Munition größerer Kaliber, etwa Panzermunition, die
erheblichen mechanischen Beanspruchungen durch das Laden und Entladen von nichtabgeschossener
Munition sowie Schock und Vibration ausgesetzt ist, da hierbei das Vlies an Schwachstellen
beschädigt oder zerstört werden kann. Die Folgen sind Schwierigkeiten beim Laden oder
Entladen oder auch Herausrieseln des Treibladungspulver. Dies alles stellt eine Gefahr
für den Soldaten dar.
[0010] Aufgabe der Erfindung ist es, eine Treibladungshülse insbesondere für großkalibrige
Munition mit einer verbrennbaren Hülle aus einem Vlies auf Nitrozellulose-Basis von
erhöhter Festigkeit zu schaffen, bei der die zu erwartenden mechanischen Beanspruchungen
wie z. B. Transporthandhabungen, Laden in die Waffe und insbesondere Entladevorgänge
bei nichtabgeschossener Munition, keine Beschädigungen der verbrennbaren Hülle hervorrufen,
wobei jedoch die rückstandsfreie Verbrennung des Vlieses ohne wesentliche Verringerung
des inneren Ladevolumens oder Gewichtszunahme der Treibladungshülse erhalten bleibt.
[0011] Diese Aufgabe wird erfindungsgemäß mit den im Kennzeichnungsteil des Patentanspruches
1 angegebenen Merkmalen gelöst.
[0012] Mit der Anbringung einer Versteifung aus Metall oder Kunststoff auf der verbrennbaren
Hülle oder direkt als Einlage in die Hülle wird eine Erhöhung der mechanischen Festigkeit
der Munition geschaffen, so daß die Gefahr von Beschädigungen durch Handhabungen vor
Abschuß der Munition wesentlich vermindert werden.
[0013] Gleichzeitig wird hierdurch sichergestellt, daß die Versteifungen für die Schwachstellen
der Treibladungshülse, die mit dem Vlies verbunden sind, nicht im Waffenrohr liegenbleiben.
Die Versteifungen können bei der Herstellung des Vlieses entsprechend in das Herstellungswerkzeug
eingelagert werden und dadurch direkt in die verbrennbare Hülle eingearbeitet bzw.
eingebettet werden.
[0014] Weitere vorteilhafte Ausgestaltungen der Erfindung sind den Unteransprüchen und der
nachfolgenden Beschreibung zu entnehmen.
[0015] Die Erfindung wird nachstehend anhand der in den beigefügten Abbildungen dargestellten
Ausführungsbeispiele näher erläutert.
Fig. 1 zeigt ausschnittweise ein Geschoß mit Treibladungshülse im Schnitt.
Fig. 2 zeigt vergrößert den Bodenbereich der Treibladungshülse von Fig. 1.
Fig. 3 bis 9 zeigen weitere Ausführungsformen von Treibladungshülsen entsprechend
der Darstellung von Fig. 2.
[0016] In Fig. 1 ist ein Geschoß 1 mit Treibkäfig 2 dargestellt, das über eine Dichtung
3 mit einer Treibladungshülse 4 verbunden ist. Die Treibladungshülse 4 besitzt einen
metallischen wiederverwendbaren Boden 5 mit einer Bohrung 6 zur Aufnahme einer Zündkapsel
7. Die Treibladungshülse 4 besitzt ferner eine Hülle 8 aus einem Vlies auf Nitrozellulose-Basis.
Die Hülle 8 besitzt benachbart zur Dichtung 3 einen gekrümmten Abschnitt 9, der bis
zu einer Bohrung 10 verlängert ist, durch die sich das Geschoß 1 erstreckt. Der Bereich
9 kann auch im Schnitt winkelförmig ausgebildet sein, etwa bei Aufnahme eines Geschosses
1 ohne Treibkäfig durch die Treibladungshülse 4. Ferner besitzt die Hülle 8 im Bodenbereich
einen gekrümmten Abschnitt 11 in Anpassung an die Krümmung des Bodens 5, der sich
bodenseitig bis zum Mittelzapfen 12 des Bodens, der die Bohrung 6 enthält, erstreckt.
[0017] Schwachstellen der Hülle 8, die durch mechanische Beanspruchungen gefährdet sind,
sind die Abschnitte 9, 11 sowie die Abschnitte um die Bohrung 10 bzw. den Mittelzapfen
12. Dementsprechend sind in diesen Bereichen Versteifungen 13 aus Metall oder Kunststoff
vorgesehen.
[0018] Bei der in Fig. 2 dargestellten Ausführungsform besteht die Versteifung 13 aus einer
gelochten Einlage aus Metallblech oder Kunststoff. Da der Boden 5 die Hülle 8 im Bereich
11 schützt, kann die Versteifung 13 gegebenenfalls auch nur um die den Mittelzapfen
12 umgebende Bohrung 14 herum vorgesehen sein, wie in Fig. 3 dargestellt ist. Gegebenenfalls
reicht auch eine Versteifung 13 in Form eines Verstärkungsrings an dieser Stelle,
wie sie in Fig. 9 dargestellt ist. Die Versteifung 13 der Ausführungsformen der Figuren
2 und 3 besitzt einen die Bohrung 14 begrenzenden Innenring 15.
[0019] Bei der in Fig. 4 dargestellten Ausführungsform ist die Versteifung 13 nicht wie
bei Fig. 2 und 3 als Einlage, sondern als Auflage ausgebildet, die von der Außenseite
auf die Hülle 8 durch Kleben oder, wie in der linken Hälfte von Fig. 4 dargestellt
ist, durch Einrollen befestigt ist. Auch hierbei kann die Versteifung 13 in das Ansaugwerkzeug
zum Herstellen der Hülle 8 eingelegt werden. Da bei der Ausführungsform von Fig. 4
die Versteifung 13 sich nur außenseitig zur Hülle 8 befindet, benötigt man hier keine
Durchbrüche in der Versteifung 13, da die rückstandsfreie Verbrennung der Hülle 8
gewährleistet ist.
[0020] Bei der in Fig. 5 dargestellten Ausführungsform ist die im Schnitt L-förmige Versteifung
13 in die Wandung der Hülle 8 eingearbeitet, so daß die Hülle 8 überall im wesentlichen
gleiche Wandstärke aufweist. Die hierfür notwendige Ausnehmung ist durch mechanische
Bearbeitung hergestellt. Da infolge dieser mechanischen Bearbeitung derjenige Bereich
der Hülle 8, der den größten Festigkeits-und Dichtebereich aufweist, entfernt wird,
während der filzige Mittelbereich der Hülle 8 verbleibt, ist eine Nachimprägnierung
des verbliebenen Teils der Hülle 8 zur Verfestigung derselben zweckmäßig.
[0021] Bei der in Fig. 6 dargestellten Ausführungsform ist die Versteifung 13 im Bereich
der Bohrung 14 um die Hülle 8 herum geklemmt, wobei zumindest an der Innenseite die
Versteifung 13 Löcher 16 aufweist, um eine rückstandsfreie Verbrennung der Hülle 8
zu gewährleisten. Hierbei ist die Versteifung 13 wie bei der Ausführungsform von Fig.
5 bündig mit den Außenseiten der Hülle 8 angeordnet und die Hülle 8 in diesem Bereich
zweckmäßigerweise nachimprägniert.
[0022] Wie Fig. 7 zeigt, können zur Befestigung der im Schnitt U-förmigen Versteifung 13
auch Niet- oder Schraubverbindungen 17 verwendet werden.
[0023] Die Versteifung 13 kann auch aus Gewebe aus Metall oder Kunststoff bestehen, wie
in Fig. 8 angedeutet ist.
1. Treibladungshülse (4), insbesondere für großkalibrige Munition, mit einer verbrennbaren
Hülle (8) aus einem Vlies auf Nitrozellulose-Basis, dadurch gekennzeichnet, daß im
Bereich von gekrümmten, im Schnitt winkelförmigen und/oder eine Bohrung umgebenden
Abschnitten (9, 11) der verbrennbaren Hülle (8) eine Versteifung (13) aus Metall oder
Kunststoff in der Hülle (S) eingebettet oder auf der Hülle (8) befestigt ist, wobei
die Versteifung (13) eine die rückstandsfreie Verbrennung der Hülle (8) nicht beeinträchtigende
Gestaltung in Form eines Gewebes aufweist oder mit Löchern (16) versehen ist.
2. Treibladungshülse nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß die Versteifung
(13) einen eine Bohrung (10, 14) in der Hülle (8) begrenzenden Innenring (15) aufweist.
3. Treibladungshülse nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, daß die Versteifung
(13) auf die Hülle (8) aufgeklebt und/oder eingerollt ist.
4. Treibladungshülse nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, daß die Versteifung
(13) im Schnitt U-förmig ausgebildet ist und um die Hülle (8) geklemmt ist.
5. Treibladungshülse nach Anspruch 4, dadurch gekennzeichnet, daß die Versteifung
(13) mittels Niet- oder Schraubverbindungen (17) an der Hülle (8) befestigt ist.
6. Treibladungshülse nach einem der Ansprüche 1 bis 5, dadurch gekennzeichnet, daß
die Versteifung (13) bündig zu den Oberflächen der Hülle (8) angeordnet und die Hülle
(8) im Bereich der Versteifung (13) nachimprägniert ist.
1. Douille pour charge propulsive (4), notamment pour une munition de gros calibre,
comportant une enveloppe combustible (8) constituée par un non- tissé à base de nitrocellulose,
caractérisée en ce que, dans la zone de portions (9, 11) incurvées de l'enveloppe
combustible, ayant en coupe une forme angulaire et/ou entourant un alésage, on insère
un renforcement (13) en métal ou en matière plastique dans l'enveloppe (8) ou on le
fixe sur l'enveloppe (8), le renforcement (13) étant réalisé sous la forme d'un tissu
ne gênant pas la combustion sans résidus de l'enveloppe (8), ou étant muni de trous
(16).
2. Douille pour charge propulsive selon la revendication 1, caractérisée en ce que
le renforcement (13) comporte un anneau intérieur (15) délimitant un alésage (10,
14) dans l'enveloppe (8).
3. Douille pour charge propulsive selon la revendication 1 ou 2, caractérisée en ce
que le renforcement (13) est collé et/ou roulé sur l'enveloppe (8).
4. Douille pour charge propulsive selon la revendication 1 ou 2, caractérisée en ce
que le renforcement (13) a en coupe la forme d'un U et est serré autour de l'enveloppe
(8).
5. Douille pour charge propulsive selon la revendication 4, caractérisée en ce que
le renforcement (13) est fixé sur l'enveloppe (8) au moyen de liaisons par rivets
ou vis (17).
6. Douille pour charge propulsive selon l'une des revendications 1 à 5, caractérisée
en ce que le renforcement (13) est placé en arrivant au niveau des surfaces de l'enveloppe
(8) et l'enveloppe (8) reçoit une imprégnation ultérieure dans la zone du renforcement
(13).
1. Propulsive charge casing (4) particularly for large calibre ammunition, with a
combustible covering (8) having a fleece with a nitro-cellulose base, characterised
by the fact that in the area of bent portions (9, 11) of the combustible covering
(8) which are of angular cross section and/or surround a boring, a reinforcement (13)
of metal or plastic is embedded in the covering (8) or is affixed to the covering
(8), the reinforcement (13) having a fabric-like construction which does not adversely
affect the residue-free combustion of the covering (8), or being provided with apertures
(16).
2. Propulsive charge casing in accordance with Claim 1, characterised by the fact
that the reinforcement (13) has an internal ring (15) delimiting a boring (10, 14)
in the covering (8).
3. Propulsion charge casing in accordance with Claim or 2, characterised by the fact
that the reinforcement (13) is attached to the covering (8) by an adhesivee and/or
is rolled in.
4. Propulsion charge casing in accordance with Claim 1 or 2, characterised by the
fact that the reinforcement (13) is of U-shaped cross section and is clamped around
the covering (8).
5. Propulsion charge casing in according with Claim 4, characterised by the fact that
the reinforcement (13) is affixed to the covering (8) by rivet or screw connections
(17).
6. Propulsion charge casing in accordance with one of Claims 1 to 5, characterised
by the fact that the reinforcement (13) is arranged flush with the surfaces of the
covering (8) and that the covering (8) is reimpregnated in the zone of the reinforcement
(13).