[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zum Elektroschlackeumschmelzen von Metallen,
die in Form mindestens einer stromführenden Abschmelzelektrode durch ein geschmolzenes
Schlackenbad hindurch unter unteratmosphärischem Druck zu einem Block umgeschmolzen
werden, wobei die Schlacke mittels Wechselstrom beheizt wird.
[0002] Beim Elektroschlackeumschmelzen wird das metallische Ausgangsmaterial durch eine
flüssige bzw. geschmolzene Schlackeschicht hindurch zu einem Ingot oder Block umgeschmolzen,
an dessen Oberseite eine flüssige Zone, der sogenannte Schmelzsee, aufrechterhalten
wird. Der Block kann dabei stationär (in einer sogenannten Standkokille) festgehalten
werden oder kontinuierlich (aus einer sogenannten Strangkokille) abgezogen werden.
Das Ausgangsmaterial wird dabei in Form einer Abschmelzelektrode zugesetzt. Die Schmelz-
und Prozeßwärme wird durch den elektrischen Widerstand der flüssigen Schlacke erzeugt,
wobei die Stromzufuhr sowohl durch die Abschmelzelektrode als auch durch eine zusätzliche
Permanentelektrode erfolgen kann. In der Regel ist der Block und/oder die Kokille
der elektrische Gegenpol. Es ist bekannt, das Elektroschlackeumschmelzverfahren wahlweise
mittels Gleichspannung oder Wechselspannung durchzuführen.
[0003] Durch die DE-A-1 483 646 ist es bekannt, das Elektroschlackeumschmelzverfahren auch
unter unteratmosphärischem Druck, d.h. unter einem Druck unterhalb 1 bar durchzuführen,
und für die Zuführung des Schmelzstroms Permanentelektroden zu verwenden. Das den
Block bildende Metall kann dabei in Form von Stangen, Granulat oder einer Schmelze
zugesetzt werden, die an anderer Stelle erzeugt wurde. Über die Zusammensetzung des
Ausgangsmaterials werden keine Angaben gemacht. Bezüglich geeigneter Schlakkenzusammensetzungen
wird auf die allgemeine Literatur verwiesen.
[0004] Durch die US-A-4 117 253 ist es ferner bekannt, in einem vakuumdichten Ofengehäuse
einen Elektroschlacke-Umschmelzprozeß durchzuführen, bei dem Abschmelzelektroden unter
unteratmosphärischem Druck zu Blöcken umgeschmolzen werden. Die Schmelzwärme wird
durch Wechselstrom erzeugt; über die Zusammensetzung des Elektrodenmaterials sowie
der Schlacke finden sich hingegen keine Angaben.
[0005] In der Zeitschrift "Neue Hütte", Heft 4, April 1979, Seite 157, findet sich eine
Kurzbeschreibung eines Forschungsberichtes von Gammal und Hajduk über die Entwicklung
von umweltfreundlichen Schlacken für das Elektroschlackeumschmelzverfahren. Es wird
eine Schlacke mit einem Masseverhältnis von CaO zu Al₂O₃ von etwa 1,0 und einigen
Prozenten MgO angegeben. Die Auswahl erfolgte unter dem Gesichtspunkt der Vermeidung
einer Freisetzung von Fluor bzw. Fluor-Verbindungen. Ein Hinweis darauf, daß die spezielle
Schlackenzusammensetzung einen vorteilhaften Einfluß auf das Umschmelzen von Nickel-Basis-Legierungen
haben könnte, ist nicht zu finden. Darüberhinaus wird das beschriebene Verfahren nicht
unter Vakuum durchgeführt, und das Verhalten von Reaktionskomponenten und Schlacke
ist unter Vakuum ein anderes als an Atmosphäre.
[0006] Für die Herstellung von Werkstücken mit hohen Anforderungen, insbesondere aus Superlegierungen
für rotierende scheibenförmige Teile in Luftfahrt-Triebwerken, wird von den Abnehmern
verlangt, daß die Ingots durch das bekannte Vakuum-Umschmelzverfahren (VAR) hergestellt
werden, da das Umschmelzen unter Vakuum zu relativ reinen Blöcken führt, die einen
sehr geringen Gasgehalt aufweisen. Trotz der Tatsache, daß beim VAR-Verfahren aufgrund
einer gerichteten Erstarrung die Blöcke normalerweise frei von Makroseigerungen sind,
können einige typische Segregationserscheinungen, wie beispielsweise Pünktchen ("Freckles"),
Ringmuster und weiße Flecken ("White Spots") in den Blöcken auftreten. Während Segregationserscheinungen
wie die Pünktchen und Ringmuster mehr oder weniger durch sorgfältige Einstellung der
Schmelzparameter beherrscht werden können, erscheint die Ausbildung der weißen Flecken
unabhängig von den Schmelzbedingungen zu sein. Kürzlich durchgeführte Untersuchungen
haben gezeigt, daß die Ausbildung von weißen Flecken nicht die Folge unregelmäßiger
Erstarrungsbedingungen an der Erstarrungsfront sind. Es kann angenommen werden, daß
die Bestandteile der weißen Flecken folgende sind:
- Skelette aus Dendriten, die während des Abschmelzens von der gegossenen Abschmelzelektrode
herabfallen,
- Teilchen, die von der sogenannten "Krone" am oberen Blockrand herunterfallen (die
"Krone" ist ein dünner, scharfer Rand oberhalb des Schmelzsees durch Kondensation
bzw. Erstarrung von Dämpfen und Spritzern),
- Ablösung von Teilchen von der Erstarrungskante des Schmelzsees.
[0007] Eine weitere Quelle der weißen Flecken, die nach eigenen Erfahrungen des Erfinders
aus Teilchen bestehen kann, die aus der gegossenen Elektrode stammen können, wenn
diese aus einer Superlegierung besteht, die sehr häufig entlang der Stengelkristalle
aufreißt. Es ist daher schwer, wenn nicht gar unmöglich, diese Fehler bei einem VAR-Block
auszuschliessen.
[0008] Bei dem eingangs beschriebenen ESU-Verfahren wird das Umschmelzen unter einem überhitzten
Schlackebad durchgeführt, dessen Temperatur üblicherweise mehr als 300 °C über der
Liquidus-Temperatur der Superlegierung liegt. Die Dendriten-Skelette oder die aus
der Elektrode herausgebrochenen Teilchen fallen notwendigerweise durch die überhitzte
Schlacke und haben infolgedessen ausreichend Zeit zum Aufschmelzen, bevor sie den
Schmelzsee erreichen. Auch gibt es beim ESU-Verfahren keine Ausbildung einer Krone
am oberen Blockrand. Infolgedessen führt das ESU-Verfahren auch nicht zur Ausbildung
von weißen Flecken.
[0009] Obwohl die aus dem ESU-Verfahren hervorgegangenen Blöcke mindestens ebenso gut sind
wie die aus dem VAR-Verfahren hervorgegangenen Blöcke, fordern die Abnehmer bei Superlegierungen
regelmäßig die Anwendung des VAR-Verfahrens für die Herstellung rotierender Scheiben
von Luftfahrt-Triebwerken. Der Grund hierfür ist darin zu sehen, daß bei den üblichen
ESU-Verfahren nicht nur keine Entgasung des Materials stattfindet, sondern sogar in
gewissen Fällen eine zusätzliche Gasaufnahme zu befürchten ist. Hierbei spielen Wasserstoff
und Stickstoff die gefährlichste Rolle.
[0010] Eine weitere, sehr wesentliche, Gefahr besteht in der Bildung von Oxiden und oxidischen
Einschlüssen durch Oxidation des Metalls, insbesondere der sauerstoffaffinen Legierungsbestandteile,
durch den umgebenden Luftsauerstoff. Bei diesen sauerstoffaffinen Legierungsbestandteilen
handelt es sich um die Elemente Aluminium, Bor, Titan, Zirkonium u.a.. Durch die Oxidation
derartiger Legierungsbestandteile entsteht dann ein entsprechender Mangel.
[0011] Der Erfindung liegt daher die Aufgabe zugrunde, ein Verfahren zum Herstellen von
Blöcken aus einer nickelhaltigen Superlegierung anzugeben, die zusätzlich zum Nickel
mindestens eine sauerstoffaffine Legierungskomponente aus der Gruppe der Elemente
Aluminium, Bor, Titan und Zirkonium enthält, bei dem eine Oxidation verhindert wird,
eine Entgasung stattfindet und weder Pünktchen, noch Ringmuster, noch weiße Flecken
auftreten. Es ist dabei ganz entscheidend, daß die betreffende Aufgabe im Hinblick
auf alle Teilaufgaben gleichzeitig gelöst wird.
[0012] Die Lösung der gestellten Aufgabe erfolgt bei dem eingangs beschriebenen Verfahren
erfindungsgemäß dadurch, daß die mindestens eine Abschmelzelektrode aus einer nickelhaltigen
Superlegierung besteht, die zusätzlich zum Nickel mindestens eine sauerstoffaffine
Legierungskomponente aus der Gruppe der Elemente Aluminium, Bor, Titan und Zirkonium
enthält, und daß als Schlacke eine zu mindestens 80 Gewichtsprozent oxidische Schlacke
aus solchen Oxiden verwendet wird, deren Siedepunkte über 2000 °C liegen.
[0013] Sofern eine Schutzgasatmosphäre aus Inert- oder Edelgas verwendet wird, kann mit
einem Druck von höchstens 900 mbar gearbeitet werden. Bei Verwendung von Vakuum ist
es besonders zweckmäßig, in einem Druckbereich zwischen 200 und 10⁻² mbar zu arbeiten.
In sämtlichen Fällen findet eine ausreichende Entgasung der Schmelze statt, und jegliche
Oxidation des Elektrodenmetalls und der Legierungsbestandteile wird wirksam ausgeschaltet,
ohne daß dabei auf die Vorteile des ESU-Verfahrens hinsichtlich einer guten Blockoberfläche,
einer metallurgischen Arbeit und die Vermeidung der weißen Flecken verzichtet werden
muß.
[0014] Von ganz besonderer Bedeutung ist dabei auch die Schlackezusammensetzung. So ist
es z.B. aus der Literatur bekannt, daß aus Schlackenmischungen mit hohen Fluoranteilen
infolge der chemischen Reaktionen der Fluorverbindung mit oxidischen Schlackenanteilen
laufend gasförmige Fluorverbindungen austreten. Würde man eine derartige Schlacke
mit hohen Fluoridanteilen unter Vakuum verwenden, so würde aufgrund der Herabsetzung
des Partialdrucks die Reaktion in Richtung auf die Bildung weiterer flüchtiger Fluoride
verschoben, so daß der Prozeß schwer kontrollierbar würde.
[0015] Wenn man erfindungsgemäß eine Schlacke verwendet, die zu mindestens 80 Gewichtsprozent
aus oxidischen Komponenten besteht, deren Siedepunkte über 2000 °C liegen, so bleibt
die Schlackezusammensetzung stabil. In Frage kommen insbesondere reine Oxid-Systeme
wie beispielsweise solche aus CaO, Al₂O₃ und MgO. Mit besonderem Vorteil können dabei
CaO und Al₂O₃ zu je 48 % und MgO zu 4 Gewichtsprozent vorhanden sein.
[0016] Die Vorteile des erfindungsgemäßen Verfahrens lassen sich wie folgt darstellen:
1. Anwendung von Wechselstrom zur besseren Steuerung der gewünschten metallurgischen
Reaktionen und zur Vermeidung von gleichgerichteten Magnetfeldern, die die Pünktchenbildung
im Umschmelzblock begünstigen würden,
2. Anwendung des Vakuums zur Beseitigung der Einflüsse von Wasserstoff und Stickstoff
sowie zur Vermeidung der Oxidation von Schlacke und Metall,
3. Anwendung einer oxidischen, reaktionsfähigen Schlacke zur Erzielung eines besseren
Reinheitsgrades als beim VAR-Verfahren und
4. Vermeidung von weißen Flecken.
Beispiel:
[0017] Eine Abschmelzelektrode aus Inconel 718, eine Nickel-Basis-Legierung mit hohen Gehalten
an Titan und Aluminium, und mit einer Länge von 500 mm und einem Durchmesser von 90
mm wurde in einer wassergekühlten Standkokille mit einem Innendurchmesser von 150
mm zu einem Block umgeschmolzen. Die Höhe des Schlackenbades über dem Block betrug
70 mm. Die Schlacke bestand zu je 48 Gewichtsprozent aus CaO und Al₂O₃ und zu 4 Gewichtsprozent
aus MgO. Die Elektrode wurde mit einer Spannung von 35 V und einer Stromstärke von
2300 A betrieben. Nach einer Umschmelzdauer von 15 Minuten unter einem Vakuum von
5 x 10⁻¹ mbar war die Elektrode bis auf einen Rest abgeschmolzen. Der nach Abkühlung
aus der Kokille entnommene Block hatte eine saubere glatte Oberfläche und besaß keinerlei
"Krone". Schnittbilder ergaben, daß der Block über seine gesamte Länge und seinen
gesamten Durchmesser frei von Pünktchen weißen Flecken und Ringmustern war. Die Legierungszusammensetzung
entsprach äußerst weitgehend derjenigen der Elektrode, d.h. es wurde keinerlei Abbrand
von Aluminium und Titan beobachtet.
1. Verfahren zum Elektroschlackeumschmelzen von Metallen, die in Form mindestens einer
stromführenden Abschmelzelektrode durch ein geschmolzenes Schlackenbad hindurch unter
unteratmosphärischem Druck zu einem Block umgeschmolzen werden, wobei die Schlacke
mittels Wechselstrom beheizt wird, dadurch gekennzeichnet, daß die mindestens eine Abschmelzelektrode aus einer nickelhaltigen Superlegierung
besteht, die zusätzlich zum Nickel mindestens eine sauerstoffaffine Legierungskomponente
aus der Gruppe der Elemente Aluminium, Bor, Titan und Zirkonium enthält, und daß als
Schlacke eine zu mindestens 80 Gewichtsprozent oxidische Schlacke aus solchen Oxiden
verwendet wird, deren Siedepunkte über 2000 °C liegen.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß man das Vakuum zwischen 200 und 10⁻² mbar wählt.
3. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß der Umschmelzvorgang unter einer Inertgasatmosphäre mit einem Druck von höchstens
900 mbar durchgeführt wird.
4. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß man die Frequenz des Wechselstroms zwischen 1 und 100 Hz wählt.
1. Process for the electroslag remelting of metals, which are remelted in the form of
at least one live melting electrode through a molten slag bath under sub-atmospheric
pressure to form a block, the slag being heated by means of alternating current, characterised
in that the melting electrode, of which there is at least one, consists of a nickel-containing
superalloy, which in addition to nickel contains at least one de-oxygenated alloy
component from the group of elements aluminium, boron, titanium and zirconium, and
in that, as slag, an oxidic slag of at least 80 per cent by weight is used, composed
of such oxides, whose boiling points are above 2000°C.
2. Process according to claim 1, characterised in that a vacuum of between 200 and 10⁻²
mbar is selected.
3. Process according to claim 1, characterised in that the remelting process is carried
out in an inert gas atmosphere at a pressure of at most 900 mbar.
4. Process according to claim 1, characterised in that the frequency of the alternating
current is between 1 and 100 Hz.
1. Procédé de refusion, sous laitier électro-conducteur, de métaux qui, sous forme d'au
moins une électrode fusible conductrice du courant, sont refondus, à travers un bain
de laitier en fusion, sous pression inférieure à la pression atmosphérique, pour donner
un bloc, le laitier étant chauffé au moyen d'un courant alternatif, procédé caractérisé
par le fait que l'électrode fusible, dont il y a au moins une, est constituée d'un
superalliage contenant du nickel, qui, en plus du nickel, contient au moins un composant
d'alliage présentant de l'affinité pour l'oxygène, du groupe des éléments aluminium,
bore, titane et zirconium, et par le fait que comme laitier on emploie un laitier
oxydant pour au moins 80% en poids, constitué d'oxydes dont les points d'ébullition
sont supérieurs à 2000°C.
2. Procédé selon la revendication 1, caractérisé par le fait que l'on choisit le vide
entre 200 et 10⁻² mbar.
3. Procédé selon la revendication 1, caractérisé par le fait que le processus de refusion
s'effectue sous atmosphère inerte sous une pression d'au maximum 900 mbar.
4. Procédé selon la revendication 1, caractérisé par le fait que l'on choisit la fréquence
du courait alternatif entre 1 et 100 Hz.