[0001] Die Erfindung betrifft ein Elektrolyseverfahren, wobei man einen Elektrolyten durch
eine Elektrolysezelle hindurchleitet und dabei den Stofftransportkoeffizienten durch
Einbringen mechanischer Energie erhöht.
[0002] Um elektrochemische Umsetzungen, z.B. in wäßrigen Lösungen, zu erreichen, werden
die verschiedensten Ausführungen von elektrochemischen Zellen verwendet, bei kleineren
Konzentrationen z.B. Zellen mit einem Festbett aus Graphitgranulat, Metallwolle oder
Metallschaum oder Stapeln von Streckmetallen. Bei größeren Konzentrationen verwendet
man in allgemeinen Plattenzellen. Es ist ebenfalls bekannt, daß die Wirkungsweise
einer Zelle, besonders einer Plattenzelle, durch Erhöhung des Strofftransportkoeffizienten
zu verbessen ist. Dies wird z.B. dadurch erreicht, daß man das zu behandelnde Medium
mit hoher Geschwindigkeit im Kreise durch die Zelle fährt und die behandelte Flüssigkeit
dann chargenweise weiterführt oder dem System vor der Zelle einen kleinen Volumenstrom
zudosiert und einen entsprechenden kleinen Volumenstrom nach der Zelle abzweigt.
Andere Methoden zur Erhöhrung des Stofftransportkoeffizienten sind das mechanische
Rühren oder Einführen von Gas in die Zelle. Die aufsteigenden Gasblasen erhöhen ebenfalls
den Stofftransportkoeffizienten. Auch wird oft die Elektrode bewegt, um so eine höhere
Relativbewegung von Elektrolyt und Elektrode zu erhalten. Dies kann geschehen durch
eine Vibration der Elektrode, durch ein Verwirbeln eines Festbettes oder durch rotierende
Elektroden. Ebenfalls ist es bekannt, die Grenzschicht in einer Plattenzelle durch
mechanische Bewegung von Teilchen oder anderen Körpern zu stören und aufzubrechen
und so den Stofftransportkoeffizienten zu erhöhen.
[0003] Ebenfalls bekannt ist die Verwendung von Ultraschall. Es ist auch bekannt, daß diese
letzte Methode nicht nur den Vorteil des erhöhten Stofftransportkoeffizienten hat,
sondern zusätzlich die Gasblasenbelegung der Elektrodenoberfläche reduziert dadurch,
daß die Gasblasen besser von den Oberflächen abgelöst werden.
[0004] Eine gute Übersicht, über die hierbei anstehende Problematik mit Lösungsvorschlägen,
beruhend auf verschiedenen Bewegungsprinzipien beschreibt ein Aufsatz, der in der
Zeitschrift "Neue Hütte", September 1982, Seite 317 - 322 erschienen ist. Einen ins
Detail gehenden Lösungsvorschlag beschreibt ein anderer Aufsatz, der in der Zeitschrift
"Erzmetall", 1974, Seite 107 - 114, erschienen ist. Hier ist ein Elektrolyseverfahren
beschrieben, bei dem man den Elektrolyten durch die Elektrolysezelle hindurchleitet.
Von diesem Stand der Technik geht die Erfindung aus.
[0005] Hingewiesen werden soll auch noch auf einem zusammenfassenden Aufsatz, erschienen
in "Quarterly Reviews" 7 (1953), Seiten 84 - 101.
[0006] In den beiden erstgenannten Veröffentlichungen wird zwar der Stofftransportkoeffizient
durch Einbringen mechanischer Energie erhöht, jedoch hat man beim Stand der Technik
die gesamte Elektrolysezelle den mechanischen Schwingungen oder sonstigen Mitteln
zur Erhöhung des Stofftransportkoeffizienten ausgesetzt, und zwar ohne hierbei eine
Differenzierung entsprechend dem Elektrolytfluß in der Elektrolysezelle vorzunehmen.
[0007] Bei Festbettzellen und auch bei Plattenzellen besteht aber unabhängig vom Stofftransportkoeffizienten
das Problem, daß die kathodische und anodische Überspannung vom Zelleinlauf zum Zellauslauf
nicht konstant bleiben. (Wir bezeichnen nun mit einer elektrochemischen Zelle eine
Einheit, bei der Kathode und Anode aus jeweils einem Stück sind und nicht in Richtung
des Elektrolytflusses segmentiert, so daß damit verschiedene Potentiale eingestellt
werden können.)
[0008] Die Verschiebung der kathodischen und anodischen Überspannung rührt daher, daß die
Zellspannung ja am Zelleinlauf und Zellauslauf gleich ist, die Stromdichte aber im
allgemeinen am Zellauslauf wesentlich geringer. Bleibt nun der Widerstand der behandelten
Lösung von Zelleinlauf zum Zellauslauf im wesentlichen gleich, wie das im allgemeinen
der Fall ist, so verändert sich mit der geringer werdenden Stromdichte auch der Anteil
des ohmschen Spannungsabfalls. Dadurch, daß die Zellspannung konstant ist, müssen
notwendig die Überspannungen steigen. Dies wird beschrieben durch die Gleichung
Zellspannung = kathodische Überspannung + anodische Überspannung + lokaler Zellwiderstand
x lokalem Strom
[0009] Die Änderung der Elektrodenüberspannungen kann sehr störend sein, weil man dadurch
am Zellauslauf in einen Bereich kommt, in dem unerwünschte Nebenreaktionen an der
Elektrode stattfinden. In den meisten Fällen ist das an der Kathode z.B. die Produktion
von Wasserstoff.
[0010] Es ist bekannt, daß man bei der Verwendung von Festbettzellen dieses Problem dadurch
entschärfen kann, daß beim Zellauslauf ein größeres Festbettvolumen angeboten wird
oder die Packungsdichte auf eine andere Weise erhöht wird, z.B. durch kleinere Körnung
des verwendeten Granulats oder eine stärkere Komprimierung einer Füllung mit Metallwolle
oder Metallschaum. Auf diese Weise kann dann der dort lokal fließende Strom gesteigert
werden, und der Beitrag des ohmschen Spannungsabfalls wird wieder etwas größer. (Siehe
z.B. die DE-PS 26 22 497 oder 35 32 573.)
[0011] Der Erfindung liegt daher die Aufgabe zugrunde, ein Elektrolyseverfahren der eingangs
genannten Art vorzuschlagen, bei dem die Stromdichte am Zellauslauf fühlbar erhöht
wird, und zwar ohne das Auftreten unerwünschter Nebenreaktionen.
[0012] Zur Lösung dieser Aufgabe ist die Erfindung dadurch gekennzeichnet, daß die Erhöhung
des Stofftransportkoeffizienten entlang der Richtung des Elektrolytflusses im wesentlichen
zunimmt.
[0013] Der der Erfindung zugrundeliegende Gedanke ist es also, die Stromdichte am Zellauslauf
dadurch zu erhöhen, daß dort der Stofftransportkoeffizient im Vergleich zum Zellauslauf
erhöht wird, z.B. dadurch, daß man den Elektrolyten Druckwellen aussetzt, deren Intensität
am Zellauslauf stärker ist als am Zelleinlauf. Es ist offensichtlich, daß in einem
flüssigkeitsgefüllten, oben offenen Behälter, dessen Gehäuse man z.B. durch Schläge
in Schwingungen versetzt, die Amplitude der Schwingung im oberen Bereich größer ist
als im unteren Bereich, bei dem die Seitenplatten durch einen Boden zusammengehalten
werden. Besteht eine elektrochemische Zelle also z.B. aus einem rechteckigen Kasten,
in den die Elektroden als Platten eingehängt sind, und wird dieser Kasten von außen
durch Vibratoren in Schwingung versetzt, so ist die Amplitude der Schwingung im oberen
Bereich des Kastens größer als im unteren. Legt man nun den Zelleinlauf nach unten
in den Kasten und den Zellauslauf nach oben, so läßt sich auf diese Weise der Strofftransportkoeffizient
entlang der Richtung des Elektrolytflusses beeinflussen, und zwar nimmt dieser im
wesentlichen zu. Dadurch kann dann die Gasblasenbildung am Zellauslauf verringert
oder vermieden werden.
[0014] Damit ist es nun möglich, einen größeren Abreicherungsfaktor in einer einzigen Zelle
zu erreichen, ohne daß an den Elektroden eine Gasentwicklung auftritt. Es können damit
dann die unerwünschten Nebenreaktionen vermieden werden. Bei vielen Reaktionen kann
man davon ausgehen, daß bei beginnender Gasblasenbelegung der Elektrodenoberfläche
die elektrochemische Umsetzung nahezu vollständig zum Stillstand kommt.
[0015] Das erreichbare Abreichungsverhältnis (=Einlaufkonzentration durch Auslaufkonzentration)
ist dann im wesentlichen davon bestimmt, bis zu welcher Konzentration man in einer
Zelle die Entwicklung von Gasblasen durch eine Nebenreaktion vermeiden kann. Mit dem
angegebenen Verfahren kann man dabei einen beträchtlichen Vorteil erzielen, wie
an folgender Rechnung klargemacht werden soll.
[0016] Die Gasblasenentwicklung tritt also ein, wenn die Differenz der Stromdichte an Zelleinlauf
und Zellauslauf einen gewissen Wert G überschreitet. Diese Stromdichte ist proportional
dem Produkt aus Stofftransportkoeffizient und Konzentration. Bezeichnen wir mit dem
Index 0 die Werte für den Zelleinlauf, mit dem Index 1 die Werte für den Zellauslauf,
mit K den Stofftransportkoeffizienten und mit C die Konzentration, so muß also folgende
Ungleichung erfüllt sein, damit keine unerwünschte Nebenreaktion auftritt.
G > K 0 x C 0 - K 1 x C 1
[0017] Kann man es nun erreichen, daß das Verhältnis von K 0 : K 1 = 1 : 2, so wird das
mögliche C 1, die Auslaufkonzentration, offenbar halb so groß sein wie in dem Fall,
daß K 0 = K 1. Das bedeutet, man kann die erreichbare Endkonzentration noch einmal
halbieren. Die Änderung des Stofftransportkoeffizienten kann ohne weiteres auch sehr
viel größer sein und eine entsprechend stärkere Verringerung der Auslaufkonzentration
ist dann möglich.
[0018] Die Erfindung wird im folgenden anhand eines Ausführungsbeispiels näher erläutert,
aus dem sich weitere wichtige Merkmale ergeben. Es zeigt:
Fig. 1 - schematisch in einer Ansicht eine Elektrolysezelle zur Erläuterung des Prinzips
des erfindungsgemäßen Elektrolyseverfahres;
Fig. 2 - ein Diagramm, wobei als Beispiel über der Länge der Elektrolysezelle in Richtung
des Elektrolytflusses (entsprechend der Höhe der Elektrolysezelle in Fig. 1) die Amplitude
der hierbei angewendeten Druckwellen aufgetragen ist.
[0019] Fig. 1 zeigt ein Gefäß 1 einer Elektrolysezelle, in dem sich ein Elektrolyt 2 befindet.
In den Elektrolyten tauchen ein eine Anode 3, die von einem Diaphragma 4 umgeben ist,
sowie mehrere Kathoden 5. Der Elektrolyt wird über einen seitlichen Einlaß 8 in Richtung
des Pfeiles 9 in das Gefäß 1 kontinuierlich eingeführt. Er verläßt das Gefäß über
einen Überlauf am oberen Rand des Gefäßes oder über dort vorgesehene Löcher oder dergl.
Ein nicht gezeigtes und über dem Boden des Gefäßes verlegtes Verteilerrohr sorgt
für eine gleichmäßige Verteilung des Elektrolyten, dessen Strömungsrichtung in der
Zelle durch die Pfeile 10 angedeutet ist.
[0020] Links in Fig. 1 ist zur Erläuterung des Prinzips des erfindungsgemäßen Verfahrens
angedeutet, daß sich in Richtung des Elektrolytflusses 10 hintereinander mehrere Quirle
11,12,13,14,15 befinden. Der unterste Quirl 11, der sich also in der Nähe des Elektrolyteneinlaufs
befindet, wird mit geringer Drehzahl angetrieben, während der oberste Quirl 15, der
sich in der Nähe des Auslasses befinet, mit der höchsten Drehzahl angetrieben wird.
Die dazwischen befindlichen Quirle 12,13,14 werden mit einer mittleren Drehzahl angetrieben
derart, daß die von den Quirlen hervorgerufene Verwirbelung des Elektrolyten in Richtung
des Elektrolytflusses 10 zunimmt.
[0021] Diese Darstellung soll nur das Prinzip des erfindungsgemäßen Verfahrens verdeutlichen;
in der Praxis wird man die hierdurch bewirkte Erhöhung des Stofftransportkoeffizienten
auf ander Art und Weise durchführen, bevorzugt durch einen Vibrator 6. Dieser ist
an der Wand des Gefäßes 1 befestigt, und zwar bevorzugt im oberen Bereich der Wand,
so daß die von ihm ausgehenden Schallwellen ihre größte Amplitude im Auslaßbereich
des Gefäßes haben. Man könnte auch übereinander mehrere der Vibratoren 6 an der Wand
des Gefäßes befestigen, wobei man dann den obersten Vibrator mit einer größeren Amplitude
beaufschlagt als den untersten der Vibratoren.
[0022] Versuche haben gezeigt, daß die Anregung wenigstens einer der Wände des Gefäßes 1
mit diesen Vibratoren oder mit wenigstens einen der Vibratoren für den gewünschten
Effekt ausreicht.Man muß also nicht das gesamte Elektrolysegefäß in Schwingungen versetzen,
wie dies beim Stand der Technik der Fall war, ganz abgesehen davon, daß man bei diesem
Verfahren den Stofftransportkoeffizienten nicht in Richtung des Elektrolytflusses
beeinflussen kann.
[0023] Auf andere Lösungswege wurde in den Patentansprüchen bereits hingewiesen, beispielsweise
darauf, daß man auch die Elektroden 3 und/oder 5 zu den Schwingungen anregen kann
usw. Allen Prinzipien ist es gemeinsam, daß die hierbei in das Bad eingeführte Schwingungsenergie
im Bereich des Auslaufs größer ist als im Bereich des Einlaufs.
[0024] Fig. 1 zeigt auch noch, daß der Vibrator 6 Schwingungen in Richtung des Pfeiles 7
aussendet, die also im wesentlichen senkrecht zur Ebene der Platten 3, 5 verlaufen.
[0025] Fig. 2 zeigt als weitere Erläuterung ein Diagramm, wobei die Richtung des Elektrolytflusses
10 als Abszisse x angegeben ist. Als Ordinate y sind die Amplituden der mechanischen
Schwingungen aufgetragen, mit denen die Elektrolysezelle beaufschlagt wird. Auch hieraus
ergibt sich, daß am Einlaß 16 der Elektrolysezelle eine geringere Amplitude auf den
Elektrolyten einwirkt als am Auslaß 17. Dies ist durch die Kurve 18 dargestellt.
1. Elektrolyseverfahren, wobei man einen Elektrolyten (2) durch eine Elektrolysezelle
(1) hindurchleitet und dabei den Stofftransportkoeffizienten durch Einbringen mechanischer
Energie erhöht,
dadurch gekennzeichnet,
daß die Erhöhung des Stofftransportkoeffizienten entlang der Richtung (10) des Elektrolytflusses
im wesentlichen zunimmt.
2. Verfahren nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet,
daß die Erhöhung des Stofftransportkoeffizienten durch eine Relativbewegung von Elektroden
und Elektrolyt erreicht wird.
3. Verfahren nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet,
daß die Erhöhung des Stofftransportkoeffizienten dadurch erreicht wird, daß der Elektrolyt
Druckwellen ausgesetzt wird, die sich im wesentlichen senkrecht zu den zueinander
parallel verlaufenden Elektrodenflächen ausbreiten.
4. Verfahren nach Anspruch 3,
dadurch gekennzeichnet,
daß der Unterschied im Stofftransportkoeffizienten entlang der Richtung des Elektrolytflusses
durch eine Änderung der Amplitude der Druckwelle erreicht wird.
5. Verfahren nach Anspruch 4,
dadurch gekennzeichnet,
daß die Amplitude der Druckwelle im Bereich des Zellauslaufs mindestens um den Faktor
4 größer ist als im Bereich des Zelleinlaufs.
6. Verfahren nach Anspruch 4 oder 5,
dadurch gekennzeichnet,
daß die Druckwelle durch einen oder mehrere Vibratoren erzeugt wird, die am Gehäuse
der elektrochemischen Zelle befestigt sind.
7. Verfahren nach Anspruch 6,
dadurch gekennzeichnet,
daß die Änderung der Amplitude der Druckwelle entlang der Richtung des Elektrolytflusses
durch die Anordnung der Vibratoren und/oder die konstruktive Gestaltung des Zellgehäuses
erreicht wird.
8. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet,
daß die angestrebte elektrochemische Umsetzung an einer Festbettelektrode erfolgt.