[0001] Die Erfindung betrifft das Verfahren zum Aufwickeln von Fäden, insbesondere von frischgesponnenen
oder verstreckten Chemiefäden zu zylindrischen Kreuzspulen in Stufenpräzisionswicklung.
[0002] Dabei wird davon ausgegangen, daß die Fäden mit konstanter Geschwindigkeit anfallen,
so daß die Spule mit im wesentlichen konstanter Umfangsgeschwindigkeit angetrieben
werden muß.
[0003] Das Verfahren der Stufenpräzisionswicklung ist durch das japanische Patent 50-65628
bekannt. Dabei ist vorgesehen, die Umschaltzeitpunkte so festzulegen, daß die Aufspulspannung
innerhalb bestimmter Grenzen bleibt. Zu Beginn der Spulreise fällt jedoch die Changiergeschwindigkeit
proportional mit der Spindeldrehzahl sehr schnell ab, da der Durchmesser der Spule
sehr schnell anwächst. Das hat zur Folge, daß die Umschaltzeitpunkte, zu denen die
Changiergeschwindigkeit von dem unteren Grenzwert wieder zurück auf ihren oberen
Grenzwert geschaltet werden muß, sehr schnell einander folgen.
[0004] Das gleiche gilt für das Verfahren, das in der europäischen Patentanmeldung 86103045.0
= copending U.S. application, Serial No. 838,390, beschrieben ist. Bei diesem Verfahren
ist vorgesehen, daß die Changiergeschwindigkeit zwischen einer fest vorgegebenen Obergrenze
und einer fest vorgegebenen Untergrenze in einer wiederkehrenden Folge von Zyklen
zunächst proportional zur Spindeldrehzahl vermindert und sodann zur Erreichung eines
vorgegebenen, kleineren Spulverhältnisses wieder erhöht wird, wobei Ober- und Untergrenze
im Verlaufe der Spulreise gleichsinnig vermindert oder vergrößert wird.
[0005] Bei diesem Verfahren hat sich herausgestellt, daß in allen Bereichen der Spulreise,
in denen die Obergrenze und die Untergrenze der Changiergeschwindigkeit laufend erhöht
wird, sehr viele dicht aufeinanderfolgende Umschaltungen der Changiergeschwindigkeit
erforderlich sind. Die Umschaltungen folgen ganz besonders dicht aufeinander, wenn
die Obergrenze und die Untergrenze der Changiergeschwindigkeit gleich zu Beginn der
Spulreise erhöht werden. Durch die Notwendigkeit, die Umschaltung der Changiergeschwindigkeit
sehr schnell hintereinander durchzuführen, wird der elektronische Aufwand sehr stark
erhöht, wenn eine stufenweise Präzisionswicklung gefahren werden soll, bei der Kreuzungsverhältnisse
(Spindeldrehzahl/Changierfrequenz) mit ausreichender Genauigkeit eingehalten werden,
die einen guten Spulenaufbau ergeben.
[0006] Changierfrequenz und Doppelhubzahl bezeichnen in dieser Anmeldung die Anzahl der
Changierzyklen pro Zeiteinheit, wobei jeder Changierzyklus aus einer Hin- und einer
Rückbewegung besteht.
[0007] Die Erfindung hat die Aufgabe, das Aufwickelverfahren insbesondere für Chemiefäden
in der Weise zu verbessern, daß der Schaltungsaufwand, insbesondere der elektronische
Aufwand vermindert wird und daß trotzdem ein guter Spulenaufbau gewährleistet bleibt.
[0008] Das Verfahren der Stufenpräzisionswicklung, das z.B. durch die US-PS 4,049,211 sowie
die japanische OS 50-65628 bekannt ist, ist geeignet, die sog. Spiegelbildung zu vermeiden.
[0009] Voraussetzung hierfür ist jedoch, daß die vorausberechneten Kreuzungsverhältnisse
sehr genau eingehalten werden. Um die Genauigkeitsanforderungen zu reduzieren, ist
bereits vorgeschlagen worden, die eingestellten Kreuzungsverhältnisse mit einer Modulationsbreite
von ± 0,1% zumindest zeitweise wiederkehrend zu modulieren (EP 86102619.3 = Bag. 1452).
Ziel des Verfahrens nach dieser Erfindung ist neben der Verminderung des elektronischen
Aufwandes, eine Alternative zu dem bekannten Verfahren bereitzustellen, die geringere
Genauigkeit erfordert.
[0010] Die Lösung geschieht dadurch, daß die Bereiche der Spulreise, in denen wegen des
schnell wachsenden Spulendurchmessers besonders hohe Genauigkeitsanforderungen für
die Einstellung der einzuhaltenden Kreuzungsverhältnisse erforderlich sind, in wilder
Wicklung gewickelt werden und daß nur in den übrigen Bereichen eine Stufenpräzisionswicklung
hergestellt wird.
[0011] Durch dieses Verfahren wird dem Umstand Rechnung getragen, daß gerade zu Beginn der
Spulreise die erforderlichen Umstellungen der Changiergeschwindigkeit so schnell vorgenommen
werden müssen, daß insbesondere wegen Massenträgheit und Schwingungsverhalten die
exakte und sprunghafte Einstellung eines geänderten Kreuzungsverhältnisses durch
Änderung der Changiergeschwindigkeit nur mit unverhältnismäßig großem Aufwand möglich
ist.
[0012] Durch die japanische Patentschrift 47-49780 ist ein Verfahren bekannt, bei dem zu
Beginn der Spulreise eine wilde Wicklung und anschließend eine Präzisionswicklung
angewandt wird. Dies geschieht, um die Changiergeschwindigkeit zu Beginn der Spulreise
senken zu können. Die Senkung der Changiergeschwindigkeit geschieht bei der Erfindung
durch Anwendung der Stufenpräzisionswicklung, während die Anwendung der wilden Wicklung
den Zweck hat, die Umschaltung der Changiergeschwindigkeit, die bei einer Stufenpräzisionswicklung
notwendig ist, in den Bereichen der Spulreise zu vermeiden, in denen sehr häufige
Umschaltungen mit großer Genauigkeit erforderlich sind.
[0013] Nach dieser Erfindung wird also zu Beginn der Spulreise eine wilde Wicklung angewandt,
während im Rest der Spulreise eine Stufenpräzisionswicklung erfolgt. Dies ist besonders
dann vorteilhaft, wenn zu Beginn der Spulreise auch eine Erhöhung der Changiergeschwindigkeit
erfolgen soll.
[0014] Dabei geht die Erfindung von der Erkenntnis aus, daß die Spiegel-Probleme, die beim
Aufwickeln eines Fadens auf Spulen mit verhältnismäßig kleinem Durchmesser oder bei
sich ändernder Chanigergeschwindigkeit entstehen, auch bei dem Verfahren der wilden
Wicklung in zufriedenstellender Weise mit verhältnismäßig geringem Aufwand gelöst
werden können. Es ist möglich, während des Bereichs der Spulreise, in dem in wilder
Wicklung gewickelt wird, die Changiergeschwindigkeit überhaupt konstant zu lassen.
Dies ist immer dann möglich, wenn die entstehenden Spiegel bei schnell wachsendem
Spulendurchmesser (z.B. bei dicken Fadentitern und hohen Fadengeschwindigkeiten) sehr
schnell durchlaufen werden.
[0015] Als Verfahren der wilden Wicklung (random winding) wird hier jedes Aufspul- und Changierverfahren
bezeichnet, bei dem kein für eine gewisse Zeitdauer festes Kreuzungsverhältnis = Spindeldrehzahl/Changierfrequenz
(Spulverhältnis) eingehalten wird und bei dem die Änderung der Changiergeschwindigkeit
unabhängig von der Spindeldrehzahl erfolgt.
[0016] Lediglich im übrigen Bereich der Spulreise erfolgt die Fadenverlegung in einer sog.
Stufenpräzisionswicklung (stepped precision winding). Dabei wird eine Obergrenze der
Changiergeschwindigkeit und eine Untergrenze der Changiergeschwindigkeit festgelegt.
Die Differenz zwischen beiden beträgt ca. 4% der Obergrenze. Es wird sodann die Changiergeschwindigkeit
zunächst proportional mit der Spindeldrehzahl derart erniedrigt, daß ein bestimmtes
vorausberechnetes Kreuzungsverhältnis (Spulverhältnis) eingehalten wird. Bei oder
kurz vor Erreichen der Untergrenze erfolgt sodann eine sprunghafte Erhöhung der Changiergeschwindigkeit
auf einen Wert, der nahe an oder auf der Obergrenze liegt und der wiederum ein erniedrigtes,
vorausberechnetes Kreuzungsverhältnis ergibt. Es erfolgt sodann wiederum eine der
Spindeldrehzahl proportionale Abnahme der Changiergeschwindigkeit. Das Verfahren
der Stufenpräzisionswicklung wird sowohl in den Bereichen mit konstanter mittlerer
Changiergeschwindigkeit als auch in Bereichen mit abnehmender, mittlerer Changiergeschwindigkeit
eingehalten.
[0017] In den Bereichen mit wilder Wicklung kann der Changiergeschwindigkeit zusätzlich
auch eine Spiegelstörung durch Wobbelung überlagert werden. Bei der Wobbelung schwankt
die Changiergeschwindigkeit mit einer Amplitude von ca. 2% um den Mittelwert. Derartige
Spiegelstörungsverfahren sind z.B. in der DE-OS 28 55 616 beschrieben.
[0018] Alternativ kann auch ein Verfahren zur Vermeidung von Spiegeln angewandt werden,
bei dem die Changiergeschwindigkeit bei Annäherung an einen Spiegel zeitweise von
ihrem Basiswert sprunghaft auf einen bis zu 4% höheren Wert, der oberhalb des Spiegels
liegt, erhöht und anschließend wieder sprunghaft auf ihren Basiswert abgesenkt wird.
Ein derartiges Verfahren ist in der EP-OS 83102811 beschrieben.
[0019] In der weiteren Ausgestaltung der Erfindung wird dafür Sorge getragen, daß die Aufwickelspannung
unzulässige Werte nicht erreicht und sich insbesondere nicht in unzulässiger Weise
ändert. Dabei wird insbesondere berücksichtigt, daß die Fadenspannung innerhalb bestimmter
Grenzwerte liegen muß und daß die Fadenspannung im Verlauf der Spulreise im wesentlichen
konstant bleiben muß. Es wird daher weiterhin vorgeschlagen, daß beim Wickeln der
Basisschicht die Umfangsgeschwindigkeit der Spule abhängig von der Erhöhung der Changiergeschwindigkeit
derart herabgesetzt wird, daß die Aufwickelgeschwindigkeit des Fadens als geometrische
Summe von Umfangsgeschwindigkeit und Changiergeschwindigkeit im wesentlichen konstant
bleibt.
[0020] Das erfindungsgemäße Verfahren hat den Vorteil, daß es die Herstellung einer Stufenpräzisionswicklung
auch dann erlaubt, wenn der Mittelwert der Changiergeschwindigkeit über Strecken der
Spulreise sehr stark erhöht werden soll.
[0021] Dies ist insbesondere zu Beginn der Spulreise gefordert, um den Spulenaufbau zu verbessern,
eine stabile Spule zu wickeln mit einer großen Wickelschicht (Außendurchmesser der
Spule minus Hülsendurchmesser), um zu verhindern, daß die inneren Lagen der Spule,
die unmittelbar auf der Hülse abgelegt sind, zur Längsmitte der Spule hin rutschen
und daher mit einer geringeren Ablagelänge abgelegt werden als die weiteren Lagen
der Spule, um zu verhindern, daß die Spule insbesondere in ihrem ersten Drittel Ausbauchungen
zeigt, und um zu verhindern, daß die Spule insbesondere zu Anfang der Spulreise Abschläger
(Fadenstücke, die aus der Stirnkante der Spule heraustreten und innere Lagen sekantial
überspannen) bildet.
[0022] Im folgenden wird die Erfindung anhand eines Ausführungsbeispiels beschrieben.
[0023] Es zeigen:
Fig. 1 den Querschnitt;
Fig. 2 die Ansicht einer Aufspulmaschine, teilweise schematisch;
Fig. 3 bis 9 Diagramme der Changiergeschwindigkeit;
Fig. 10 Diagramm der Basisschichtdicke in Abhängigkeit vom Hülsendurchmesser;
Fig. 11 Diagramm des theoretischen Böschungswinkels über dem Hülsendurchmesser;
Fig. 12 Ansicht der Kreuzspule (theoretisch).
[0024] Fig. 1 zeigt den Querschnitt, Fig. 2 die Ansicht einer Aufspulmaschine (teilweise
schematisch), auf denen die Erfindung ausgeführt werden kann.
[0025] Für Fig. 1 und 2 gilt folgendes:
Der kontinuierlich mit Richtung 2 anlaufende Faden 3 wird über die Galetten 28 und
30 geführt, die durch die Motoren 29 und 31 mit unterschiedlicher Drehzahl angetrieben
werden. Die die Drehzahl der Galetten 28 und 30 bestimmende Energie wird durch die
Frequenzwandler 32 und 33 geliefert. Infolge der unterschiedlichen Drehzahlen der
Galetten 28 und 30 wird der Faden zwischen ihnen verstreckt und sodann mit konstanter
Geschwindigkeit zunächst durch den ortsfesten Fadenführer 1 und sodann durch die Changierung
4 geführt. Die Spulspindel 5 ist frei drehbar gelagert. Auf der Spulspindel 5 ist
eine Leerhülse 10 aufgesteckt. Der Faden 3, der mit konstanter Geschwindigkeit anläuft,
z.B. frisch gesponnene und/oder verstreckte Chemiefasern, wird auf der Leerhülse 10
zu einer Kreuzspule 6 aufgewickelt. Hierzu werden zu Beginn der Spulreise die Leerhülse
10 und sodann die sich bildende Spule 6 an ihrem Umfang durch eine Treibwalze 21
(in Fig. 2 nicht sichtbar) mit konstanter Umfangsgeschwindigkeit angetrieben. Dabei
wird der Faden 3 durch die Changierung 4, die weiter unten beschrieben wird, längs
jeder Kreuzspule hin- und herverlegt. Die Changierung 4 und die Treibwalze 21 sind
gemeinsam auf einem Schlitten 22 gelagert, der auf- und abbeweglich ist (Pfeil), so
daß die Treibwalze 21 dem wachsenden Spulendurchmesser der Spule 6 ausweichen kann.
[0026] Der Faden 3 läuft von der Changierung 4 aus mit einer Schlepplänge L1 auf die Walze
11, umschlingt diese und läuft mit Schlepplänge L2 tangential auf die Spule. Die Schlepplängen
L1 und L2 bewirken, daß die Ablagelänge H des Fadens auf der Spule bzw. Hülse (vgl.
Fig. 8) durch Erhöhung der Changiergeschwindigkeit und nach dieser Erfindung bei Wicklung
der Basisschicht von HB auf H (Fig. 8) verkürzt wird.
[0027] Die Changierung 4 besteht aus einer Flügelchangierung und einer dieser im Fadenlauf
nachgeschalteten Walze 11. Die Changierung besitzt einen eigenen, später beschriebenen
Antrieb. Flügelchangierung und Walze 11 sind getrieblich (nicht dargestellt) verbunden.
Alternativ kann die Walze mit Treibwalze 21 getrieblich verbunden sein. Der besondere
Vorteil der gezeigten Changierung liegt darin, daß der Ablagewinkel des Fadens auf
der Spule - in Grenzen - verändert werden kann, da die Changiergeschwindigkeit unabhängig
von der Spulgeschwindigkeit einstellbar ist. Insbesondere ist es möglich, die Changiergeschwindigkeit
zum Zwecke der Spiegelvermeidung ständig um einen Mittelwert pendeln zu lassen oder
zwischen zwei nahe beieinander liegenden Werten bei Spiegelgefahr umzuschalten oder
proportional zur Spulendrehzahl jedenfalls zeitweilig zu verändern.
[0028] Die Flügelchangierung weist den Rotor 12 und den Rotor 13 auf. Beide Rotoren können
konzentrisch oder exzentrisch zueinander gelagert sein. Beide Rotoren werden durch
einen später beschriebenen Antrieb und Getriebe in Getriebegehäuse 20 gegensinnig
angetrieben. Der Rotor 12 trägt zwei oder drei oder vier Mitnehmerarme 8, die in der
Drehebene I rotieren (Pfeil 18). Der Rotor 13 trägt die gleiche Anzahl von Mitnehmerarmen
7, die in der eng benachbarten Drehebene II rotieren (Pfeil 17). Die Mitnehmerarme
führen den Faden an dem Leitlineal 9 entlang. Jeder Mitnehmerarm 8 transportiert
den Faden - in Fig. 2 - nach rechts und übergibt ihn dort am Führungsende an einen
Mitnehmerarm 7, der den Faden in die Gegenrichtung bis zum anderen Führungsende transportiert,
wo wiederum einer der Mitnehmerarme 8 die Rückführung übernimmt.
[0029] Weitere Einzelheiten ergeben sich aus den Anmeldungen EP 84100433.6 und EP 84100848.5
sowie DE-OS 34 04 303.9, auf die Bezug genommen wird.
[0030] Die Changiereinrichtung 4 wird durch Asynchronmotor 14 angetrieben. Die Treibwalze
21 wird durch den Synchronmotor 20 mit im wesentlichen konstanter Umfangsgeschwindigkeit
angetrieben. Hierauf wird später eingegangen. Die Drehstrommotoren 14 und 20 erhalten
ihre Energie durch Frequenzwandler 15 und 16. Der Synchronmotor 20, der als Spulantrieb
dient, ist an den Frequenzwandler 16 angeschlossen, der die einstellbare Frequenz
f2 liefert. Der Asynchronmotor 14 wird durch Frequenzwandler 15 betrieben, der mit
einem Rechner 23 verbunden ist. Das Ausgangssignal 24 des Rechners 23 hängt ab von
der Eingabe. Die Eingabe erfolgt durch die Programmeinheit 19, in der folgendes programmierbar
ist: Zum einen wird der Verlauf der Changiergeschwindigkeit, d.h. der Steuerfrequenz
f3 über die Spulreise eingegeben. Sofern eine Spiegelstörung erfolgt, wird der Mittelwert
der Changiergeschwindigkeit und zusätzlich die Frequenz sowie Amplitude und Form
der periodischen Abweichung von dem vorgegebenen Mittelwert eingegeben. Alternativ
können anstelle einer Spiegelstörung mit periodisch veränderbarer Changierfrequenz
auch Spulverhältnisse eingegeben werden, in denen mit Spiegeln zu rechnen ist. Dabei
handelt es sich vor allem um die sog. ganzzahligen Spulverhältnisse (Spindeldrehzahl/Changierfrequenz)
oder Spulverhältnisse mit kleinem Nenner (1/2, 1/3, 1/4 ...). Diese kritischen Spulverhältnisse
werden sodann dadurch vermieden, daß die Changiergeschwindigkeit kurz vor Erreichen
der kritischen Spulverhältnisse von ihrem Basiswert aus derart sprunghaft erhöht wird,
daß das kritische Spulverhältnis durchsprungen wird.
[0031] Zusätzlich kann der Verlauf der Umfangsgeschwindigkeit der Spule oder - wie hier
gezeigt - der Geschwindigkeit der Galetten 28 und 30 einprogrammiert werden. Dem liegt
zugrunde, daß bei zunehmender Changiergeschwindigkeit eine Erhöhung der Fadenzugkraft,
mit der der Faden auf der Spule aufgewickelt wird, eintritt. Es kann nun vorkommen,
daß diese Fadenzugkraft die Fadenqualität und/oder die Qualität der Kreuzspule beeinträchtigt.
Zur Vermeidung einer solchen Beeinträchtigung ist nach der Erfindung vorgesehen, daß
die Geschwindigkeit zumindest der Galette 30 an die Änderung der Changiergeschwindigkeit
angepaßt wird. Gleichzeitig kann jedoch auch die Geschwindigkeit der Galette 28 entsprechend
erhöht werden, so daß das Geschwindigkeitsverhältnis zwischen Galette 30 und 28 konstant
und damit die Verstrekkung des Fadens, die zwischen den Galetten 30 und 28 erfolgt,
unverändert bleibt. Der Verlauf der Drehzahl der Galette 30 und evtl. auch der Galette
28 kann der Programmeinheit 19 zusätzlich eingegeben und über Ausgangssignal 25 des
Rechners zur Steuerung des Frequenzwandlers 33 und evtl. auch des Frequenzwandlers
32 derart benutzt werden, daß die Drehzahl der Galette 30 bzw. der Galetten 30 und
28 zur Vermeidung einer erhöhten Fadenspannung heraufgesetzt wird.
[0032] Die Hauptaufgabe des Rechners 23 besteht darin, die Sollwertermittlung der Changiergeschwindigkeit
durchzuführen. Einzelheiten sind in der europäischen Patentanmeldung 86103045 beschrieben.
[0033] Hierzu erhält der Rechner zunächst einmal durch den Programmspeicher bzw. Programmgeber
19 den vorgegebenen Verlauf der Changiergeschwindigkeit, den vorgegebenen Verlauf
der Obergrenze und der Untergrenze der Changiergeschwindigkeit sowie die vorausberechneten
idealen Spulverhältnisse. Aus diesen idealen Spulverhältnissen und dem Ausgangswert
der Changiergeschwindigkeit errechnet der Rechner "ideale" Spindeldrehzahlen. Die
Werte der "idealen" Spindeldrehzahlen werden mit den aktuellen, durch den Meßfühler
38 ermittelten Spindeldrehzahlen verglichen. Wenn der Bereich der einprogrammierten,
ansteigenden Changiergeschwindigkeit durchfahren ist und der Rechner feststellt,
daß die Changiergeschwindigkeit im Bereich zwischen Obergrenze der Changiergeschwindigkeit
und Untergrenze der Changiergeschwindigkeit liegt und daß ein eingespeichertes ideales
Spulverhältnis vorliegt bzw. daß die Spindeldrehzahl eine vorermittelte Spindeldrehzahl
erreicht hat, so beginnt die Stufenpräzisionswicklung. Hierzu gibt der Rechner als
Ausgangssignal 24 den ebenfalls durch Programmgeber 19 vorgegebenen Ausgangswert der
Changiergeschwindigkeit als Sollwert dem Frequenzwandler 13 vor. Im folgenden Verlauf
der Spulreise vermindert der Rechner diesen Sollwert proportional zur ständig gemessenen
Spindeldrehzahl, die mit wachsendem Spulendurchmesser bei konstanter Spulenumfangsgeschwindigkeit
hyperbolisch abnimmt. Das vorgegebene "ideale" Spulverhältnis bleibt also während
dieser Stufe der Präzisionswicklung konstant. Sobald der Rechner nunmehr Identität
der aktuell gemessenen Spindeldrehzahl mit der durch das nächste als "ideal" vorgegebene
Spulverhältnis ermittelten "idealen" Spindeldrehzahl feststellt, wird als Ausgangssignal
20 wiederum der Ausgangswert der Changiergeschwindigkeit als Sollwert vorgegeben.
Es folgt eine neue Stufe der Präzisionswicklung.
[0034] Es ergibt sich hieraus, daß in der geschilderten Ausführung der obere Wert der Changiergeschwindigkeit
eine im Laufe der Spulreise feste Größe ist. Sie wird immer dann eingestellt, wenn
diese Größe in Relation zur aktuellen Spindeldrehzahl ein vorberechnetes, ideales
Spulverhältnis ergibt. Der untere Grenzwert der Changiergeschwindigkeit ist dagegen
lediglich eine rechnerische Größe, die den größten zulässigen Abfall der Changiergeschwindigkeit
angibt, der in Wirklichkeit jedoch selten oder nie erreicht wird und lediglich bei
der Berechnung des oberen Grenzwerts eine Rolle spielt. Es sei bemerkt, daß das Verfahren
auch umgekehrt gesteuert werden kann. Man kann den unteren Grenzwert der Changiergeschwindigkeit
als realen, immer wieder angefahrenen Grenzwert vorgeben. Der obere Grenzwert gibt
dann den größten zulässigen Sprung der Changiergeschwindigkeit nach oben an. Er wird
jedoch in Wirklichkeit nur in Ausnahmesituationen angefahren, wenn dieser obere Grenzwert
in Relation zur augenblicklichen Spindeldrehzahl zufällig einen als ideal vorausberechneten
Wert hat.
[0035] Bei diesem Betrieb dieser Aufwickelmaschine wird z.B. das Changiergesetz nach dem
Diagramm nach Fig. 3 oder Fig. 4 oder Fig. 5 einprogrammiert.
[0036] In den Diagrammen nach Fig. 3, 4 und 5 ist auf der Abszisse - ausgehend von dem Hülsendurchmesser
von 100 mm - die Spulschichtdicke S aufgetragen. Auf der Ordinate ist das Verhältnis
der Changiergeschwindigkeit zu der Umfangsgeschwindigkeit der Spule aufgetragen,
wobei davon auszugehen ist, daß die Umfangsgeschwindigkeit der Spule im wesentlichen
konstant ist. Die Ordinate zeigt also mit anderen Worten den Tangens des Ablagewinkels,
der sich ebenfalls aus der obengenannten DIN-Vorschrift ergibt.
[0037] In dem Diagramm nach Fig. 3 ist gezeigt, daß zu Beginn der Spulreise, also bei dem
Hülsendurchmesser von 100 mm zunächst eine bestimmte konstante Changiergeschwindigkeit
vorgegeben wird, deren mittlerer Kreuzungswinkel z.B. gleich 5° ist. Dieser Changiergeschiwindigkeit
kann eine Spiegelstörung nach bekannten Verfahren überlagert werden, so daß lediglich
der Mittelwert der Changiergeschwindigkeit konstant ist.
[0038] Diese konstante Changiergeschwindigkeit wird beibehalten, bis ein vorbestimmtes,
erstes ideales Spulverhältnis erreicht ist. Dabei hat die Spule eine Dicke erreicht,
bei der sich der Durchmesser zeitlich nicht mehr so stark ändert. Nach Erreichen dieses
idealen Spulverhältnisses wird die Changiergeschwindigkeit proportional zu der abnehmenden
Spindeldrehzahl vermindert, bis die Changiergeschwindigkeit angenähert ihren unteren
Grenzwert UGC erreicht. Nunmehr wird die Changiergeschwindigkeit schlagartig - wie
zuvor beschrieben - wieder bis auf ungefähr ihren oberen Grenzwert OGC erhöht, so
daß nunmehr das nächste einprogrammierte ideale Spulverhältnis eingestellt wird. Dieses
nächste Spulverhältnis bleibt erhalten, da die Changiergeschwindigkeit nun wieder
proportional zur Spindeldrehzahl abgesenkt wird, bis sie den unteren Grenzwert UGC
erreicht.
[0039] Es wird also nunmehr mit Stufenpräzisionswicklung gefahren. Dabei wird die Stufenpräzisionswicklung
erst begonnen, wenn die Spindeldrehzahl nur noch langsam abnimmt. Das hat zur Folge,
daß auch die Changiergeschwindigkeit in den einzelnen Stufen der Stufenpräzisionswicklung
nur noch langsam abnimmt, so daß in jeder Stufe, d.h. zwischen dem oberen Grenzwert
OGC und dem unteren Grenzwert UGC der Changiergeschwindigkeit ausreichend lange Zeit
zur Verfügung steht, damit die Aufspulmaschine und die elektronische Steuerung in
einen stabilen Betrieb kommen kann.
[0040] Bei dem Verfahren, das in dem Diagramm nach Fig. 4 dargestellt ist, wird die Changiergeschwindigkeit
bzw. der auf der Ordinate abgetragene Quotient zu Beginn der Spulreise, also bei dem
Hülsendurchmesser 100, verhältnismäßig niedrig angesetzt, so daß sich ein mittlerer
Kreuzungswinkel von ca. 5° ergibt. Innerhalb der verhältnismäßig geringen Basisschicht
mit der Schichtdicke SB wird sodann die Changiergeschwindigkeit stetig erhöht, bis
ein mindestens 3° größerer, mittlerer Ablagewinkel erreicht ist. Nach dem Wickeln
der Basisschicht mit der Schichtdicke SB hat die Changiergeschwindigkeit den Bereich
zwischen der Obergrenze OGC und der Untergrenze UGC der Changiergeschwindigkeit erreicht.
[0041] Genauer gesagt, bei dem einprogrammierten Verlauf der Changiergeschwindigkeit nach
Fig. 4 hat die ansteigende Changiergeschwindigkeit nach Wickeln der Basisschicht SB
die Obergrenze OGC der Changiergeschwindigkeit erreicht. Nunmehr erfolgt Umschaltung
des Changierprogramms auf Stufenpräzisionswicklung. Deshalb nimmt nunmehr die Changiergeschwindigkeit
proportional mit der Spindeldrehzahl ab bis in den Bereich der Untergrenze UGC der
Changiergeschwindigkeit. Dann wird die Changiergeschwindigkeit wieder sprunghaft bis
in den Bereich der Obergrenze erhöht usw.
[0042] Bei dem modifizierten Changierprogramm nach Fig. 6 erfolgt die Umschaltung, wenn
der Rechner feststellt, daß die ansteigende Changiergeschwindigkeit beim Wickeln der
Basisschicht ein Spulverhältnis erreicht hat, das das erste einprogrammierte, ideale
Spulverhältnis der Stufenpräzisionswicklung darstellt.
[0043] Bei dem modifizierten Changierprogramm nach Fig. 7 erfolgt die Umschaltung auf Stufenpräzisionswicklung,
wenn die ansteigende Changiergeschwindigkeit die Untergrenze der Changiergeschwindigkeit
UGC erreicht hat. In diesem Falle wird die Changiergeschwindigkeit sprunghaft bis
in den Bereich der Obergrenze der Changiergeschwindigkeit erhöht, sobald die Obergrenze
in Relation zur Spindeldrehzahl das erste ideale Spulverhältnis der Stufenpräzisionswicklung
ergibt. Es erfolgt sodann ein Absenken der Changiergeschwindigkeit proportional zur
Spindeldrehzahl, so daß dieses erste einprogrammierte Spulverhältnis der Stufenpräzisionswicklung
gefahren wird.
[0044] Fig. 8 zeigt, daß bei Wicklung der Basisschicht SB auch eine Spiegelstörung durch
periodische (oder auch aperiodische) Änderung der Changiergeschwindigkeit erfolgen
kann. Der Mittelwert MWC der Changiergeschwindigkeit nimmt stetig zu, wie dies zuvor
für die Changiergeschwindigkeit bei Wicklung der Basisschicht geschildert wurde. Der
tatsächliche Wert der Changiergeschwindigkeit schwankt mit einer Amplitude von ± 1%
um den Mittelwert MWC. Es ist aus dem St.d.T. bekannt, daß hierdurch die Symptome
der Spiegelbildung vermieden werden können.
[0045] Fig. 9 zeigt ein anderes Verfahren zur Vermeidung von Spiegeln beim Wickeln der Basisschicht
SB. Es sind in dem Diagramm nach Fig. 9 die Spiegelwerte 12 und 11 eingezeichnet.
In diesem Bereich der Changiergeschwindigkeit ist das Spulverhältnis aus Spindeldrehzahl
zu Changierfrequenz ganzzahlig gleich 12 bzw. gleich 11. Bei diesem Verfahren nimmt
der Basiswert der Changiergeschwindigkeit zu, wie das zuvor für die Changiergeschwindigkeit
beschrieben wurde. Sobald der ansteigende Basiswert der Changiergeschwindigkeit sich
dem Bereich eines Spiegels nähert, wird die Changiergeschwindigkeit sprunghaft erhöht.
Der erhöhte Wert wird sodann so lange beibehalten, bis eine Zurückschaltung möglich
ist, ohne daß die Gefahr der Spiegelbildung besteht. In Fig. 9 ist mit BC der Basiswert
der Changiergeschwindigkeit als ansteigende Gerade über der Wickelschicht SB der
Basiswicklung dargestellt. Im Bereich der Spiegel 12 und 11 erfolgt eine zeitweise
Erhöhung der Changiergeschwindigkeit und anschließend ein Zurückschalten auf den
mittlerweile erhöhten Wert der Basis-Changiergeschwindigkeit BC.
[0046] Zur Erläuterung der Fig. 6 bis 9 sei erwähnt, daß auch diese Figuren Abszisse und
Ordinate der Fig. 4 im vergrößerten Maßstab verwenden.
[0047] Das Diagramm nach Fig. 5 verwendet zu Beginn der Spulreise während des Wickelns einer
Basisschicht mit einer Schichtdicke SB von insgesamt 15 mm eine ansteigende Changiergeschwindigkeit.
Insofern entspricht das Verfahren demjenigen nach Fig. 4. Wenn die Schichtdicke SB
erreicht ist, so wird die Changiergeschwindigkeit nicht weiter erhöht. Sie bleibt
vielmehr konstant, bis eine Schichtdicke von insgesamt 50 mm gewickelt ist. Es ist
ersichtlich, daß die wilde Wicklung zwei Phasen umfaßt, und zwar eine Phase, bei der
die Changiergeschwindigkeit erhöht wird, und eine weitere Phase, bei der die Changiergeschwindigkeit
konstant bleibt. Während der beiden Phasen können übliche Verfahren der Spiegelstörung
angewandt und überlagert werden. Nach Erreichen der Schichtdicke von insgesamt 50
mm, d.h. wenn die Changiergeschwindigkeit ein vorgegebenes, erstes ideales Spulverhältnis
(Spulverhältnis = Spindeldrehzahl/Changierfrequenz) erreicht hat, wird die Changiergeschwindigkeit
in einer ersten Stufe der Präzisionswicklung proportional zur Spindeldrehzahl abgesenkt.
Es folgt von hier an also eine Stufenpräzisionswicklung.
[0048] Bei den Verfahren nach Fig. 3 und 4 ist der Abstand zwischen der Obergrenze und der
Untergrenze der Changiergeschwindigkeit (Sprunghöhe) bei der Stufenpräzisionswicklung
konstant.
[0049] Bei allen Verfahren, die bisher beschrieben wurden, ist es jedoch auch möglich, die
sog. Sprunghöhe in Bereichen der Spulreise zu vergrößern oder zu verkleinern.
[0050] Eine vergrößerte Sprunghöhe hat den Vorteil, daß der Zeitabstand der Umschaltungen
größer wird. Daher wird eine vergrößerte Sprunghöhe vor allem zu Anfang der Spulreise,
d.h. zu Beginn der Phase der Stufenpräzisionswicklung angewandt. Anschließend kann
die Sprunghöhe stetig oder kontinuierlich verkleinert werden, da auch die Umschalthäufigkeit
abnimmt. Dies sei anhand von Fig. 5 erläutert.
[0051] Bei dem Verfahren nach Fig. 5 nimmt die Sprunghöhe zu Beginn der Präzisionswicklung
ab, indem der obere Grenzwert der Changiergeschwindigkeit zunächst hoch angesetzt
und dann auf einen konstanten Wert herabgesetzt wird.
[0052] In Fig. 4 und 5 ist ferner ein Diagramm der Galettengeschwindigkeit vG enthalten,
wobei die Galettengeschwindigkeit in Prozent vom Ausgangswert angegeben ist. Aus
dem Diagramm ist ersichtlich, daß der Ausgangswert der Umfangsgeschwindigkeit um
ca. 1% im Verlauf der Wicklung der Basisschicht heraufgesetzt wird, damit unzulässige
Änderungen der Fadenspannung ausgeglichen und im Idealfalle die Aufwickelgeschwindigkeit
konstant bleibt.
[0053] Bei den zuletzt geschilderten Verfahren nach Fig. 4 und 5, bei denen die Changiergeschwindigkeit
zu Beginn der Spulreise zunimmt, ist die Dicke der Basisschicht, während der eine
Erhöhung der Changiergeschwindigkeit erfolgt, begrenzt.
[0054] Fig. 10 zeigt die Abhängigkeit zwischen dem Hülsendurchmesser und der Dicke der
herzustellenden Basisschicht, bei deren Wicklung die Changiergeschwindigkeit linear
erhöht wird. Auf der Ordinate ist der Hülsendurchmesser, auf der Abszisse die Basisschichtdicke
SB abgetragen. Daraus ergibt sich, daß die Basisschichtdicke zu dem Hülsendurchmesser
umgekehrt proportional ist. Es wurde gefunden, daß bei Einhaltung der oben angegebenen
Abhängigkeit ein guter, stabiler und abschlägerfreier Spulenaufbau erzielt werden
kann.
[0055] Für eine Hülse mit einem Außendurchmesser von 100 mm ist aus dem Diagramm nach Fig.
7 zu entnehmen, daß die Schichtdicke SB der Basisschicht, bei der der maximale Mittelwert
bzw. die maximalen Grenzwerte der Changiergeschwindigkeit erreicht sein sollten, zwischen
14 und 16 mm betragen sollte.
Dem liegt für übliche Hülsendurchmesser folgende Formel für die Basisschichtdicke
in Abhängigkeit von dem Hülsenradius zugrunde:
S = A (100 -r) / 100, wobei
r der Hülsenradius, angegeben in Millimetern und
A ein Wert zwischen 24 und 34 ist.
[0056] In den Faktor A geht die Fadenspannung ein, mit der der Faden aufgewickelt ist. In
diesem Rahmen ist A durch Versuch zu ermitteln. Je höher die Aufwickelspannung, desto
niedriger ist der Faktor A.
[0057] Die Abschlägerneigung konnte insbesondere dadurch gemindert werden, daß die Mittelwerte
bzw. Grenzwerte der Anfangs-Changiergeschwindigkeit sehr niedrig derart gewählt wird,
daß der Ablagewinkel des Fadens auf der Hülse nicht mehr als 5° beträgt. Andererseits
beträgt der Ablagewinkel bei der höchsten Changiergeschwindigkeit nicht mehr als 10°.
[0058] Fig. 11 zeigt die Abhängigkeit zwischen dem theoretischen Böschungswinkel alpha der
Basisschicht und dem Hülsendurchmesser. Um eine Spule mit geraden Stirnseiten zu
erhalten, ist bei kleinerer Hülse theoretisch eine steilere Stirnkante zu wickeln;
der theoretische Winkel alpha ist also größer als bei Wicklung der Basisschicht auf
eine Hülse mit großem Durchmesser.
[0059] Zur Steuerung des Böschungswinkels dient die zu wählende Differenz zwischen der maximalen
Changiergeschwindigkeit und der minimalen Changiergeschwindigkeit bzw. zwischen dem
größten und dem kleinsten Ablagewinkel. Diese Erfindung sieht vor, daß zur Erreichung
gerader Stirnkanten die Differenz zwischen dem größten und dem kleinsten Ablagewinkel
mindestens 3° betragen sollte.
[0060] Fig. 12 zeigt die theoretische Ansicht einer Kreuzspule 6 nach dieser Erfindung,
die auf der Hülse 10 mit dem Radius r und dem Durchmesser d gebildet ist und die Gesamtschichtdicke
S hat. Die Kreuzspule ist zylindrisch und hat praktisch im wesentlichen gerade Stirnkanten,
die in einer Normalebene liegen. Im Bereich einer Basisschicht mit der Schichtdicke
SB hat die Spule theoretisch schräge Stirnkanten mit einem theoretischen Böschungswinkel
alpha. Die sich kreuzenden Fadenwindungen auf den äußersten Lagen der Spule sind angedeutet
mit dem Ablagewinkel, den jedes Fadenstück gegenüber der in einer Normalebene zur
Spule liegenden Tangente an die Spule hat. Praktisch dient die Basisschicht jedoch
als seitliche Stütze der Spule. Durch diese Stütze wird verhindert, daß die Stirnkanten
der Spule sich seitlich ausbauchen und Abschläger entstehen.
[0061] Der theoretische Konuswinkel alpha der Basisschicht liegt zwischen 65 und 80°. Dies
wird vor allem dadurch erzielt, daß die Changiergeschwindigkeit - vom kleinsten Ablagewinkel
ausgehend - allmählich während der Wicklung der Basisschicht erhöht wird, bis der
größte Ablagewinkel erreicht ist, wobei die Differenz zwischen dem kleinsten Ablagewinkel
und dem größten Ablagewinkel - wie gesagt - mindestens 3° beträgt. Dabei sind die
Ablagewinkel nach DIN 61 800 definiert (Winkel zwischen Faden und Tangente).
[0062] Das bedeutet allerdings nicht, daß die Spule wirklich konische, d.h. schräge Stirnkanten
besitzt. Vielmehr ist der Konuswinkel der Basisschicht rein theoretisch und bedeutet
lediglich, daß durch Änderung der Changiergeschwindigkeit auch eine Änderung des Changierhubs
mit dem Faktor 15% bis 45% der Schichtdicke eintritt. Dieser Faktor wird im folgenden
als Böschungsfaktor B bezeichnet. Dabei ist der Böschungsfaktor 8 der Reziprokwert
des Tangens des theoretischen Böschungswinkels. B = einseitige Hubminderung/Schichtdicke.
1. Verfahren zum Aufwickeln von Fäden,
insbesondere frischgesponnenen und/oder verstreckten Chemiefäden,
zu zylindrischen Kreuzspulen in einer Stufenpräzisionswicklung, bei der die Changiergeschwindigkeit
zwischen einer fest vorgegebenen Obergrenze und einer fest vorgegebenen Untergrenze
in mehreren Stufen je einer Präzisionswicklung proportional zur Spindeldrehzahl vermindert
und sodann zur Erreichung eines vorgegebenen kleineren Spulverhältnisses (Spindeldrehzahl/Doppelhubzahl)
wieder erhöht wird,
dadurch gekennzeichnet, daß
zu Beginn der Spulreise das Verfahren der wilden Wicklung angewandt wird,
und daß anschließend eine Umschaltung auf Stufenpräzisionswicklung erfolgt.
2. Verfahren nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet, daß
die Changiergeschwindigkeit während der wilden Wicklung konstant bleibt.
3. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 2,
dadurch gekennzeichnet, daß
die Changiergeschwindigkeit
in Bereichen der Spulreise, insbesondere zu Beginn der Spulreise,
im Verfahren der wilden Wicklung erhöht wird, während im übrigen die Changiergeschwindigkeit
zwischen einer fest vorgegebenen Obergrenze und einer fest vorgegebenen Untergrenze
in mehreren Stufen je einer Präzisionswicklung proportional zur Spindeldrehzahl vermindert
und sodann zur Erreichung eines vorgegebenen, kleineren Spulverhältnisses (Spindeldrehzahl/Doppelhubzahl)
wieder erhöht wird, wobei die Ober- und Untergrenze in diesem Teil der Spulreise
konstant bleiben oder gleichsinnig vermindert werden.
4. Verfahren nach Anspruch 3,
dadurch gekennzeichnet, daß
in einem Teilbereich der Spulreise nach Erreichen des Maximalwertes der Changiergeschwindigkeit
die wilde Wicklung im wesentlichen mit dem Maximalwert fortgesetzt wird.
5. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 4,
dadurch gekennzeichnet, daß
während der wilden Wicklung eine Spiegelstörung durch Wobbelung erfolgt, wobei der
effektive Wert der Changiergeschwindigkeit periodisch oder aperiodisch, mit konstanter
oder nicht-konstanter Amplitude um den Mittelwert pendelt.
6. Verfahren nach Anspruch 3 und 4,
dadurch gekennzeichnet, daß
während der wilden Wicklung die effektive Changiergeschwindigkeit sprunghaft zwischen
einem Oberwert, der oberhalb eines Mittelwerts liegt, und einem Unterwert, der unterhalb
des Mittelwerts liegt, umgeschaltet wird, wenn sich der Oberwert bzw. der Unterwert
einem Spiegelbereich annähert.
7. Verfahren nach einem der vorangegangenen Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet, daß
Obergrenze und Untergrenze der Stufenpräzisionswicklung konstant sind.
8. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 6,
dadurch gekennzeichnet, daß
Obergrenze und Untergrenze der Stufenpräzisionswicklung nach einem vorgegebenen Gesetz
verändert werden.
9. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 6,
dadurch gekennzeichnet, daß
Obergrenze und Untergrenze der Changiergeschwindigkeit bei der Stufenpräzisionswicklung
parallel zueinander verändert werden.
10. Verfahren nach einem der vorangegangenen Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet, daß
die Umfangsgeschwindigkeit der Spule während der Wicklung der Basisschicht abhängig
von der Erhöhung der Changiergeschwindigkeit derart herabgesetzt wird, daß die Aufwickelgeschwindigkeit
des Fadens als geometrische Summe von Umfangsgeschwindigkeit und Changiergeschwindigkeit
im wesentlichen konstant bleibt.
11. Verfahren nach Anspruch 10,
dadurch gekennzeichnet, daß
die Umfangsgeschwindigkeit der Spule nach einem eingespeicherten Programm herabgesetzt
wird.
12. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 9,
dadurch gekennzeichnet, daß
die Liefergeschwindigkeit zumindest eines des der Aufwicklung unmittelbar vorgeordneten
Lieferwerkes zur Kompensation der Fadenspannungsschwankung erhöht wird.
13. Verfahren nach einem der vorangegangenen Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet, daß
die Changiergeschwindigkeit in Abhängigkeit von dem Außenradius r der Hülse bis zu
einer Fadenschicht mit der Dicke S = A (100 -r) / 100 ansteigt,
wobei A zwischen 24 und 34 liegt.
14. Verfahren nach Anspruch 13,
dadurch gekennzeichnet, daß
die Changiergeschwindigkeit zwischen
F × sin (2°) und F × sin (10°), vorzugsweise zwischen
F × sin (4°) und F × sin (9°)
erhöht wird, wobei
F die Fadengeschwindigkeit ist.
15. Verfahren nach einem der vorangegangenen Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet, daß
die Changiergeschwindigkeit derart geändert wird, daß der Böschungsfaktor bei der
Wicklung der Basisschicht 15% bis 45% beträgt, wobei der Böschungsfaktor das Verhältnis
der Hubminderung an einer Stirnkante zu der Basisschichtdicke ist.