(57) Es wird ein Verfahren zum Herstellen von Schutzschichten angegeben, und zwar u. a.
gegen thermische und/oder chemische und/oder mechanische Beanspruchungen von Bauteilen,
insbesondere auf kompliziert geformten Bauteilen wie Turbinenschaufeln, welches im
wesentlichen folgende Verfahrensschritte beinhaltet:
- Ein Pulver eines Ausgangsmaterials für die Schicht wird mit Lösungsmittel in eine
Suspension gebracht.
- Die Suspension wird auf einer Temperatur, knapp oberhalb des Gefrierpunktes des
Lösungsmittels bereitgehalten.
- Das zu beschichtende Bauteil wird auf einer Temperatur unterhalb des Gefrierpunktes
des Lösungsmittels bereitgehalten.
- Das Bauteil wird in die Suspension eingetaucht, und es friert eine Schicht des in
der Suspension vorhandenen Ausgangspulvers fest, deren Dicke von der Temperatur des
Bauteils und der Zeitdauer des Eintauchens des Bauteils in das Bad der Suspension
abhängt.
- Das mit der Schicht überzogene Bauteil wird einer Gefriertrocknung ausgesetzt und
bis zum Abschluß des Gefriertrocknens nicht auf eine Temperatur oberhalb des Gefrierpunktes
des Lösungsmittels erwärmt.
[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zum Herstellen von Schutzschichten gegen thermische
und/oder chemische und/oder mechanische Beanspruchungen von Bauteilen, insbesondere
auf kompliziert geformten Bauteilen, wie Turbinenschaufeln.
[0002] Stand der Technik: Bekannte Schutzschichten oder Schichtverbundwerkstoffe nutzen
die Tatsache, daß es mit heutiger Verfahrenstechnologie möglich ist, in der Oberfläche
eines Bauteils andere Eigenschaften zu erzeugen, als sie der Grundwerkstoff besitzt.
Beispiele solcher Schichten bzw. Verbundwerkstoffe mit Schichten dieser Art sind
Wärmedämmschichten (Pittingcorrosion), Verschleißschutzschichten (auch tribologische
Schichten), Anstreif- und Einlaufbeläge. Die genannten Schichten werden in der Praxis
überwiegend durch thermische Spritzverfahren aufgebracht.
[0003] Der Nachteil bekannter Verfahren besteht darin, daß bei kompliziert geformten Bauteilen
nur mit großen Schwierigkeiten eine ausreichend gleichmäßige Schichtdicke auf das
Bauteil aufgebracht werden kann. Zur - wenn auch nur teilweisen - Beseitigung dieser
Schwierigkeiten ist ein erheblicher Aufwand erforderlich.
[0004] Aufgabe der Erfindung ist es, Bauteile bzw. Schichtverbundkörper mit einer geschützten
Oberfläche zu versehen, auf bereits einer Formgebung unterworfenen Teilen, insbesondere
kompliziert geformten Teilen und diese dabei in gleichmäßiger Schichdicke, ohne großen
Aufwand überziehen zu können.
[0005] Die lösung der Erfindung besteht, allgemein gesprochen, in einem Verfahren zur Abscheidung
von Schichten auf einem physikalischen Wege. Dabei wird ein Ausgangspulver in einer
Suspension auf einem gekühlten Bauteil durch Eintauchen in das Bad in der Suspension
aufgebracht und das mit dem Tauchüberzug versehene Bauteil einer Gefriertrocknung
ausgesetzt.
[0006] Ausgehend von einem Verfahren nach der eingangs genannten Gattung ist die gestellte
Aufgabe insbesondere durch die im Kennzeichnungsteil des Patentanspruchs 1 angegebenen
schrittweisen Verfahrensmerkmale erfindungsgemäß gelöst.
[0007] In vorteilhafter Weise kann mit der Erfindung praktisch jede gewünschte Schichtdicke
gleichmäßig erzeugt werden, und dabei können einzelne Schritte des Verfahrens beliebig
oft wiederholt werden, wie z.B. die Herstellung des Tauchüberzuges.
[0008] Je nach gewünschtem Zweck der Schicht können anschließend an die Herstellung des
Überzuges eine Wärmebehandlung und andere Behandlungen des überzogenen Bauteils durchgeführt
werden, wie z.B. ein Dichtsintern oder Dichtpressen an der Oberfläche. Bei besonderen
Anforderungen können auch ein Sinter- oder ein Preßprogramm kominiert werden (heißisostatisch
Pressen). Auch Energiestrahlbehandlungen der Oberfläche, Dotieren, Infiltration von
anderen Stoffen als Schichtwerkstoff und in anderer Form als Pulver können im Rahmen
vorliegender Erfindung angewandt werden. Mit Vorteil kann in der Suspensionsflüssigkeit
ein Bindemittel, insbesondere ein organisches Bindemittel, gelöst werden, das eine
erhöhte Grünfestigkeit der Pulverschicht bewirkt, insbesondere dann, wenn als Schichtwerkstoff
ein Pulver verwendet wird, dessen mittelere Korngröße oberhalb 25 µm liegt. Das organische
Bindemittel wird dabei zu Beginn des Sintervorganges oder in einer separaten Wärmebehandlung
wieder entfernt.
[0009] Weitere vorteilhafte Merkmale der Erfindung sind den übrigen Patentansprüchen sowie
der Beschreibung von Ausführungsbeispielen zu entnehmen.
[0010] Die Anwendungen der Erfindung sind nicht auf die gegebenen Ausführungsbeispiele
beschränkt, sondern allgemein bei Schichtwerkstoffen oder Schichtverbundwerkstoffen,
deren Oberflächen eine vom Grundwerkstoff, d.h. der Basis des Bauteils, unterschiedliche
Eigenschaft aufweisen sollen. Bevorzugt wird die Erfindung für Schutzschichten angewandt,
und hier besonders für solche, die kombinierten Anforderungen unterworfen sind. Hauptanwendungsgebiet
sind der allgemeine Maschinenbau, Bauteile für Fahrzeuge jeglicher Art, aber auch
stationäre Anlagen wie Fabrikationsanlagen, insbesondere des Apparatebaus. Die Grundkörper
des als Endprodukt der Erfindung zu zählenden Verbundkörpers können aus nahezu beliebigen
Materialien ausgewählt werden, wie metallischen Werkstoffen, Metallverbindungen, intermetallischen
Phasen, Keramik, Metallkeramik, Metallglas, Glaskeramik und/oder Kombinationen der
o.g. Stoffe mit Kunststoffen. Als Schutzschichten können je nach Beanspruchungsart
hierfür an sich bekannte Stoffe bzw. Werkstoffkombinationen ausgewählt werden. Die
in den Beispielen angegebenen Prozentzahlen der Bestandteile für die Ausgangswerkstoffe
bzw. Gemische bzw. Suspensionen können in weiten Grenzen verändert werden im Rahmen
des eingangs erwähnten allgemeinen physikalischen Lösungsprinzips der Erfindung.
[0011] Die Vorrichtungen, die zur durchführung des erfindungsgemäßen Verfahrens nötig sind,
sind von einfacher und üblicher Art, insbesondere was die für das Tauchverfahren nötigen
Behältnisse anbelangt oder die Kühlmittel für das Bauteil wie Kühlschränke. Für das
Gefriertrocknen können die in der Lebensmitteltechnologie üblicherweise verwendeten
Gefriertrockner angewandt werden und ebenso sind die Glüh- und Sinteröfen bzw. Pressen
oder sonstigen Nachbehandlungseinrichtungen an sich bekannter Art.
Ausführungsbeispiele
[0012]
1. Wärmedämmschicht für Turbinenleitschaufeln
- Suspension:
50 Vol % H₂O
50 Vol % Zr O₂-Pulver mit 5 % Y₂ O₃ teilstabilisiert,
mittlere Korngröße des Pulvers: 0,5 µm
Temperatur der Suspension: + 5 Grad Celsius
- Bauteil : Turbinenlaufschaufel
Temperatur - 20 Grad Celsius
- Eintauchen des Teiles: 10 s
- Gefriertrocknen (- 10 Grad Celcius, Vakuum 10⁻² mbar, 2 h)
- Sintern: 1200 Grad Celsius, 1 h im Vakuum
2. Korrosionsschutzschicht für Turbinenleitschaufeln:
- Suspension:
54,5 Vol % H₂O
45 Vol % Co Cr Al Y - Pulver, mittlere Korngröße 30 µm
0,5 Vol % Polyvinylalkohol, Rest: Wasser
- Bauteil: Turbinenleitschaufeln,
Temperatur - 10 Grad Celsius
- Eintauchen des Bauteils : 5 s
- Bauteil erneut auf - 10 Grad Celsius kühlen
- Eintauchen: 5 s
- Gefriertrocknen (- 10 Grad Celsius, Vakuum 10⁻² mbar, 4 h)
- Ausbrennen des Polyvinylalkohols:
Warmbehandlung, kontinuierliches Aufheizen von Raumtemperatur auf 600 Grad Celsius
in 24 h im Vakuum, Druck (p) < 10⁻² mbar
- Sintern der Schicht:
1150 Grad Celsius, 1/2 h, Vakuum, Druck (p) < 10⁻² mbar
1.Verfahren zum Herstellen von Schutzschichten gegen thermische und/oder chemische
und/oder mechanische Beanspruchungen von Bauteilen, insbesondere auf kompliziert geformten
Bauteilen, wie Turbinenschaufeln, gekennzeichnet durch folgende Schritte:
- Ein Pulver eines Ausgangsmaterials für die Schicht wird mit Lösungsmittel in eine
Suspension gebracht.
- Die Suspension wird auf einer Temperatur, knapp oberhalb des Gefrierpunktes des
Lösungsmittels bereitgehalten.
- Das zu beschichtende Bauteil wird auf einer Temperatur unterhalb des Gefrierpunktes
des Lösungsmittels bereitgehalten.
- Das Bauteil wird in die Suspension eingetaucht, und es friert eine Schicht des in
der Suspension vorhandenen Ausgangspulvers fest, deren Dicke von der Temperatur des
Bauteils und der Zeitdauer des Eintauchens des Bauteils in das Bad der Suspension
abhängt.
- Das mit der Schicht überzogene Bauteil wird einer Gefriertrocknung ausgesetzt und
bis zum Abschluß des Gefriertrocknens nicht auf eine Temperatur oberhalb des Gefrierpunktes
des Lösungsmittels erwärmt.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß als Ausgangspulver ein
metallisches oder ein keramisches Pulver mit einer Korngröße unterhalb von 50 µm,
insbesondere unterhalb 25 µm und ein verdampfbares Lösungsmittel verwendet wird.
3. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2, durch gekennzeichnet, daß der Suspension ein
organisches, austreibbares Bindemittel zugesetzt wird, insbesondere wenn die Korngröße
oberhalb 25 µm liegt.
Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß das Ausgangspulver in einer
Flüssigkeit wie Wasser suspendiert ist und diese Suspension in einem Gefäß auf einer
Badtemperatur zwischen 0 und 20 Grad, vorzugsweise zwischen 0 und 10 Grad Celsius,
gehalten wird.
5. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß
das Bauteil auf eine Temperatur bis etwa -20 Grad Celsius gebracht und dann einige
Sekunden in das Bad der Suspension getaucht wird.
6. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß
das mit dem Tauchüberzug versehene Bauteil im Vakuum im Größenordnungsbereich von
10⁻² mbar oder besser, gefriergetrocknet wird, bei Temperaturen zwischen etwa -10
Grad und etwa -30 Grad Celsius über mehrere Stunden.
7. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß
sich an die Gefriertrocknung eine Wärmebehandlung anschließt, bestehend aus allmählichem
kontinuierlichem Aufheizen auf eine Temperatur von etwa 600 Grad Celsius (im Vakuum
drucklos) und danach, in einer zweiten Stufe der Wärmebehandlung, eine Sinterung
bei einer Temperatur über 1.000 Grad Celsius (im Vakuum, drucklos) erfolgt.
8. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß
die Arbeitsgänge des Eintauchens des abgekühlten Bauteils in das Bad der Suspension
und des Gefriertrocknens für eine gewünschte Schichtdicke wiederholt werden.
9. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß
bei Verwendung eines Bindemittels dieses zu Beginn des Sintervorgangs oder in einer
separaten Wärmebehandlung wieder entfernt wird.
10. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß
die Gefriertrocknung unter der Verwendung eines Propanols, insbesondere Isopropanol
als Hilfsmittel, stattfindet.