(19)
(11) EP 0 258 704 A2

(12) EUROPÄISCHE PATENTANMELDUNG

(43) Veröffentlichungstag:
09.03.1988  Patentblatt  1988/10

(21) Anmeldenummer: 87111732.1

(22) Anmeldetag:  13.08.1987
(51) Internationale Patentklassifikation (IPC)4F42B 3/16, C06C 5/06
(84) Benannte Vertragsstaaten:
DE FR GB IT

(30) Priorität: 04.09.1986 DE 3630081

(71) Anmelder: Bayern-Chemie Gesellschaft für flugchemische Antriebe mit beschränkter Haftung
84544 Aschau (DE)

(72) Erfinder:
  • Holzinger, Walter, Dr.
    D-8024 Deisenhofen (DE)
  • Gebhardt, Robert
    D-8011 Poing (DE)
  • Hieble, Franz
    D-7910 Neu-Ulm (DE)

(74) Vertreter: Frick, Gerhard, Dipl.-Ing. 
Daimler-Benz Aerospace AG Patente Postfach 80 11 09
D-81663 München
D-81663 München (DE)


(56) Entgegenhaltungen: : 
   
       


    (54) Pyrotechnischer Verzögerungssatz


    (57) Um eine möglichst konstante Verzögerungszeit zu erhalten, ist zwischen einem pyrotechnischen Verzögerungssatz (1) und dem Verzögerungsröhrchen (2) ein Zwischenraum (3) vorgesehen.




    Beschreibung


    [0001] Die Erfindung bezieht sich auf einen pyrotechnischen Verzögerungssatz mit einer Mischung aus metallischen Reduktionsmitteln, anorganischen Oxidationsmitteln und gegebenenfalls weiteren Zusätzen in einem Verzöge­rungsröhrchen.

    [0002] Derartige Verzögerungssätze sind bekannt. Die Stoffmi­schung wird dabei in das Verzögerungsröhrchen eingepreßt und das oder die Reduktionsmittel und Oxidationsmittel sind dabei so ausgelegt, daß die Mischung möglichst ohne Freisetzung gasförmiger Reaktionsprodukte abbrennt. Die Freisetzung heißer Gase ist dennoch nicht ganz zu vermeiden. Andererseits ist der Abbrand des Treibsatzes temperatur- und druckabhängig. Die in dem durch das Verzögerungsröhrchen geschlossenen Verzögerungssatz ge­speicherten heißen Gase beeinflussen daher die Reak­tionskinetik, und damit die Verzögerungszeit. Dies wirkt sich insbesondere bei längerbrennenden Verzögerungssätzen negativ aus.

    [0003] Wie vorstehend erwähnt, läßt sich dieses Verhalten über die gewählte Mischung nicht beseitigen, weil eine völlig gaslose Reaktion bisher nicht zur Verfügung steht. Auch läßt sich zur Verringerung der Gaserzeugung der Durchmes­ser des Verzögerungssatzes nicht beliebig reduzieren. Denn bei einer solchen Verringerung wird die Wärmeabfuhr von dem abbrennenden Verzögerungssatz über das Verzögerungs­röhrchen an die Umgebung erhöht, was ebenfalls Einfluß auf die Verzögerungszeit hat und im Extremfall zu einem Verlöschen des Verzögerungssatzes führen kann.

    [0004] Der Erfindung, wie sie in den Ansprüchen gekennzeichnet ist, liegt die Aufgabe zugrunde, einen pyrotechnischen Verzögerungssatz zu schaffen, der eine möglichst reprodu­zierbare Verzögerungszeit aufweist.

    [0005] Bei dem erfindungsgemäßen Verzögerungssatz können die beim Abbrennen freigesetzten heißen Gase in den Zwischenraum zwischen dem Verzögerungssatz und dem Verzögerungsröhrchen strömen. Auf diese Weise werden die sonst auf den Verzögerungssatz einwirkende Wärme und der Druck der heißen Gase zumindest teilweise in den Zwischenraum abgeführt und damit die Beeinflussung des Verzögerungssat­zes durch die heißen Gase entsprechend reduziert.

    [0006] Dadurch braucht der Durchmesser des Verzögerungssatzes nicht mehr nahe an den kritischen Durchmesser gelegt zu werden, wodurch der Einfluß der Umgebungstemperatur auf die Verzögerungszeit herabgesetzt wird. Dieser Einfluß wird dadurch weiter vermindert, daß die freigesetzte Gasmenge im Zwischenraum zwischen dem Verzögerungssatz und dem Verzögerungsröhrchen ein stehendes Gaspolster bildet, welches den Verzögerungssatz gegenüber der Umgebung zusätzlich isoliert.

    [0007] Der Zwischenraum wird vorzugsweise durch Abstandshalter zwischen dem Verzögerungssatz und dem Verzögerungsröhrchen aufrechterhalten. Vorteilhaft ist es, z. B. Metallringe als Abstandshalter zwischen dem Verzögerungssatz und dem Verzögerungsröhrchen anzuordnen, wobei sich eine Spiralfe­der als besonders zweckmäßig erweist. Durch die Windungen einer solchen Feder erfolgt die Wärmeleitung bevorzugt in radialer Richtung, d. h. die Wärme der heißen Gase in dem Zwischenraum wird zum Verzögerungsröhrchen hin abgeführt. Auf diese Weise wird eine vorauslaufende, die Brennge­schwindigkeit steigernde Vorerwärmung des Verzögerungssat­zes durch die heißen Gase in dem Zwischenraum weitgehend unterbunden.

    [0008] Nachstehend ist eine Ausführungsform der Erfindung anhand der Zeichnung näher erläutert, deren einzige Figur einen Längsschnitt durch einen Verzögerungssatz zeigt.

    [0009] Der Verzögerungssatz 1 besteht aus einer z. B. gepreßten oder extrudierten Stange aus einer Mischung aus metalli­schen Reduktoren, anorganischen Oxidationsmitteln und weiteren inerten Zuschlägen, wie einem Kunststoffbinder. Er ist in einem Verzögerungsröhrchen 2 angeordnet, und zwar im Abstand davon, d. h. unter Bildung eines ringför­migen Zwischenraumes 3.

    [0010] Das Verzögerungsröhrchen 2 ist an beiden Enden durch Verschlußstopfen 4 und 5 verschlossen. In beiden Ver­schlußstopfen sind Bohrungen 6 bzw. 7 zum Anschluß an eine nicht dargestellte pyrotechnische Eingangssignal- bzw. Ausgangssignalleitung vorgesehen.

    [0011] Um den Verzögerungssatz 1 bzw. in dem Zwischenraum 3 ist eine Spiralfeder 8 aus Metall angeordnet, die sich bis in eine Ringausnehmung 9 bzw. 10 in den Verschlußstopfen 4 und 5 erstreckt. Das Verzögerungsröhrchen 2 ist durch Einpressen in Nuten 11 und 12 am Umfang der Verschlußstop­fen 4 und 5 befestigt.


    Ansprüche

    1. Pyrotechnischer Verzögerungssatz mit einer Mischung aus wenigstens einem metallischen Reduktionsmittel, wenig­stens einem anorganischen Oxidationsmittel und gegebe­nenfalls weiteren Zusätzen in einem Verzögerungsröhr­chen, dadurch gekennzeichnet, daß zwischen dem Verzöge­rungsröhrchen (2) und dem Verzögerungssatz (1) ein Zwischenraum (3) vorgesehen ist.
     
    2. Verzögerungssatz nach Anspruch 1, dadurch gekennzeich­net, daß zwischen dem Verzögerungssatz (1) und dem Verzögerungsröhrchen (2) ein Abstandshalter angeordnet ist.
     
    3. Verzögerungssatz nach Anspruch 2, dadurch gekennzeich­net, daß der Abstandshalter durch eine um den Verzöge­rungssatz (1) angeordnete Spiralfeder (8) gebildet ist.
     




    Zeichnung