[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur Herstellung eines feinkörnig rekristallisierten,
zur superplastischen Umformung geeigneten Bleches aus einer aushärtbaren Aluminiumlegierung.
[0002] Als aushärtbare Aluminiumlegierungen gelten diejenigen, bei welche eine Festigkeitserhöhung
ausser durch Kaltumformen auch durch Wärmebehandlung herbeigeführt werden kann. Hierzu
gehören insbesondere Legierungen vom Typus AIMgSi, AICuMg, AICuMgSi, AIZnMg, AIZnMgCu
und Li-haltige Varianten hiervon. Bei diesen Legierungen ist eine Neigung zur Grobkornbildung
vorhanden, falls die zur Ausscheidungshärtung nötige Lösungsglühung mit einer Rekristallisation
verbunden ist. Für zahlreiche Anwendungen, vor allem für die superplastische Umformung,
ist jedoch Feinkörnigkeit erwünscht oder Voraussetzung. So benötigt man bei Blechen,
welche superplastisch umgeformt werden sollen, eine Korngrösse von weniger als 25
wm, bevorzugt von weniger als 10 f.l.m. Die Körner sollen zudem nahezu globulitisch
vorliegen. Ueberdies darf sich während der superplastischen Umformung, welche bei
etwa 500
°C durchgeführt wird, auch keine wesentliche Vergröberung der Körner einstellen.
[0003] Zur Bereitstellung superplastisch umformbarer Bleche aus aushärtbaren Aluminiumlegierungen
sind einige Verfahrensvorschläge bekannt. So ist dem US-Patent 4 528 042 folgendes
Verfahren zu entnehmen:
Lösungsglühen eines Gussstrangs oberhalb 460°C, Abkühlen mit 11°C/h bis 56°C/h auf 315 bis 370°C, Warmwalzen mit einer Starttemperatur zwischen 315 und 370°C und einer Endtemperatur unterhalb 315°C, Abkühlen auf 93 bis 232°C, Warmwalzen bei niedrigen Temperaturen auf Enddicke und abschliessendes rasches
Rekristallisieren.
[0004] Dieses und ähnliche Verfahren haben sich jedoch bei Versuchen als recht empfindlich
bezüglich der resultierenden Korngrösse -- insbesondere während einer superplastischen
Umformung -- auf geringe Variation in der Legierungszusammensetzung und in weiteren
Verfahrensparametern erwiesen.
[0005] Die Erfinder haben sich deshalb die Aufgabe gestellt, ein Verfahren zu schaffen,
welches anwendbar auf alle aushärtbaren Aluminiumlegierungstypen mit hoher Sicherheit
und weiter Toleranz bezüglich nicht spezifizierter Verfahrensparameter zu einem feinkörnig
rekristallisierten, zur superplastischen Umformung geeigneten Bleches führt.
[0006] Ertindungsgemäss wird die Aufgabe dadurch gelöst, dass die verwendete Legierung zusätzlich
wenigstens eines der Elemente Ti, Zr, Hf, V Nb, Ta, Cr, Mo, W mit einem Gewichtsanteil
von insgesamt 0.08 bis 1.5 % enthält und dass die Legierung in einen Zustand A gebracht
wird, in welchem sowohl die zur Aushärtung führenden Legierungselemente als auch die
genannten Zusatzelemente zumindest grösstenteils in fester Lösung sind, worauf in
einem Schritt B die inkohärenten Aushärtungsphasen in einem Temperaturbereich zwischen
dem Entmischungszonen-Solvus T gp
s und dem Solvus der Gleichgewichts-Aushärtungsphasen T
s ausgeschieden werden und in einem folgenden Schritt C die Aluminide der genannten
Zusatzelemente durch Glühung in einem Temperaturbereich zwischen 300°C und T s-30
°C gleichmässig mit hoher Dichte ausgeschieden werden, wobei etwaige Walzverformungen
zwischen dem Zustand A und dem Schritt C bei Temperaturen von höchstens T
s-30
°C erfolgen dürfen, dass weiter die Legierung nach dem Schritt C mit mindestens 60
% Dickenabnahme derart zu einem Blech der Dicke d gewalzt wird, dass die Temperatur
des Bleches ab einer Dicke von 2.5xd 220
°C nicht überschreitet, sowie dass das Blech bei Dicke d zu einer rekristallisierenden
Behandlung D derart aufgeheizt wird, dass bis oberhalb der Rekristallisationsschwelle
die Aufheizgeschwindigkeit mindestens 20
°C/s beträgt.
[0007] Bei der Bemessung des Anteils an den genannten Zusatzelementen ist darauf zu ach
ten, dass beim Giessen keine groben Primärausscheidungen entstehen können. Dementsprechend
kann der Bereich bis zur Obergrenze von 1.5 Gew.-% nur bei hinreichend rascher Erstarrung
voll ausgeschöpft werden. Der erfindungsgemässe Anteil an Zusatzelementen kann teilweise
oder vollständig bereits in den gewählten aushärtbaren Aluminiumlegierungen gemäss
Norm vorhanden sein.
[0008] Der Schritt B kann sowohl als Glühung im Temperaturbereich zwischen T gp
s und T
s durchgeführt werden, als auch in Form einer Warmwalzoperation mit Starttemperatur
unterhalb T s -30
°C und Endtemperatur oberhalb Tgps, oder auch als Kombination solcher Glühungen und
Walzoperationen. Ebenso kann der Schritt B als Haltestufe beim Aufheizen zum Schritt
C gestaltet werden.
[0009] Die charakterischen Temperaturen T
s und T gp
s sind bei allen üblichen Legierungen bekannt; T gp
s liegt in jedem Fall unter 180
°C and T
s beträgt beispielsweise:

[0010] Die in Schritt B ausgeschiedenen Gleichgewichtsphasen (vor allem AI
2Cu bei den 2xxx-, Mg
2Si bei den 6xxx- und MgZn
2 bei den 7xxx- Legierungen) sind als 0.5 bis 2 µm grosse Partikel gleichmässig dicht
verteilt. Deren zur Aluminium-Matrix inkorärenten Grenzflächen bilden zu Beginn des
Schrittes C Keimstellen für die Ausscheidung der Aluminide der Zusatzelemente aus
den Gruppen IV B bis VI B. Hieraus entsteht ein dichtes Netzwerk dieser Aluminid-Ausscheidungen.
Die ausgeschiedenen Gleichgewichtsphasen ihrerseits vergröbern sich anschliessend.
Die Dauer der Glühung des Schrittes C, sowie die Temperatur im Rahmen des genannten
Bereichs zwischen 300°C und T s -30°C ist bevorzugt so zu wählen, dass die Aluminide
der Zusatzmetalle möglichst weitgehend ausgeschieden werden; die optimale Temperatur
ergibt dich aus der Löslichkeit der Aluminide im Aluminiumgitter einerseits und aus
der Diffusität der entsprechenden Zusatzelemente andererseits. Wird Cr als Zusatzelement
gewählt, so beträgt die bevorzugte Temperatur der Glühung im Schritt C, sofern die
T s der betreffenden Legierung dies erlaubt, etwa 380 bis 420
°C. Bezüglich Zr liegt die entsprechende Temperatur bei etwa 350 bis 380
°C.
[0011] Das Fertigwalzen auf Enddicke d hat zumindest in einer letzten Phase, ab 2.5-facher
Enddicke, als Kaltwalzen zu erfolgen, wobei Temperaturen bis 220
°C tolerierbar sind.
[0012] Die rekristallisierende Behandlung D ist in der Regel eine Glühung, vorzugsweise
eine kontinuierliche Durchlaufglühung. Zumindest ab 220
°C bis zum Ueberschreiten der Rekristallisationsschwelle muss die Aufheizgeschwindigkeit
mindestens 20
°C/s betragen. Die rekristallisierende Behandlung D kann jedoch auch in eine Warmumformung
integriert sein, wobei dieselbe Aufheizvorschrift zu beachten ist.
[0013] Das erfindungsgemässe Verfahren führt im ganzen Blechdickenbereich von 0.5 mm bis
5 mm zu einem nahezu globulitischen Korn mit einer mittleren Schnittfläche von etwa
25
um
2 bis kaum über 100
11m2.
[0014] Eine im Hinblick auf die Feinkörnigkeit des Produkts besonders geeignete Art, die
Legierung in den verfahrensgemässen Zustand A zu bringen, besteht darin, dass die
Legierung schroff erstarrt wird. Hierbei soll die Zeitspanne zwischen Liquidus und
Solidus 5s nicht überschreiten. Dazu eignet sich beispielsweise Giesswalzen, pulvermetallurgische
Verfahren oder melt spinning.
[0015] Weitere Vorteile, Merkmale und Einzelheiten der Erfindung ergeben sich aus der nachfolgenden
Beschreibung bevorzugter Ausführungsbeispiele.
Beispiel 1
[0016] Aus der Legierung AA 7475 mit 5.6% Zn, 2.2% Mg, 1.5% Cu, 0.20% Cr, 0.07% Si, 0.10%
Fe und 0.05 % Ti wurde mittels einer elektromagnetischen Stranggusskokille ein Walzbarren
von 350 mm Dicke gegossen. Nach einer 2-stufigen Homogenisierungsglühung von 3 Stunden
bei 470
°C und 10 Stunden bei 485
°C (Zustand A) wurde der Barren zum Warmwalzen auf eine Starttemperatur von 400 bis
450
°C aufgewärmt. Das 9 mm dicke Warmwalzband wurde bei 320 bis 380
°C gehaspelt und mit etwa 20
°C/h unter 150
°C abgekühlt (Schritt B). Der Bund wurde sodann bei 390 bis 400
°C während 8 Stunden geglüht und an ruhender Luft abgekühlt (Schritt C). Das 9 mm-Band
wurde auf eine Enddicke von 2 mm kaltgewalzt. Dabei entwickelte sich eine Bandtemperatur
von höchstens 150
°C. Das Band wurde einem Banddurchlaufofen zugeführt, in welchem das Metall innert
20s auf 475
°C aufgewärmt, bei dieser Temperatur während 190s gehalten und anschliessend wieder
rasch abgekühlt wurde (Behandlung D).
[0017] Das Blech weist, auf einem lichtmikroskopischen Schnittbild ermittelt, eine durchschnittene
Kornfläche von 32 gm
2 auf. Eine elektronenmikroskopische Aufnahme (TEM) im selben Zustand zeigt in Figur
1 a in 10000-facher und in Figur 1 b in 16000-facher Vergrösserung das resultierende
Gefüge. Daraus ist die feindisperse Verteilung der Aluminide, vornehmlich die ternäre
Phase Al
18Mg
3Cr
2, ersichtlich. Die Partikel weisen einen Durchmesser von etwa 0.03 bis 0.5 µm und
einen mittleren Abstand von etwa 0.5 µm auf. Sie stabilisieren, wie insbesondere aus
Figur 1 hervorgeht, die Korngrenzen und verhindern so die Kornvergröberung bei nachfolgenden
Warmumformungen.
[0018] Die 2 mm dicken Bleche wurden daraufhin bei 500°C mit einer Umformgeschwindigkeit
von 10-
3/s erfolgreich zu umgeformten Teilen gefertigt. Eine Kornvergröberung konnte nicht
festgestellt werden.
Beispiel 2
[0019] Aus derselben Legierung wie in Beispiel 1 wurde auf einer Giesswalzanlage vom Typus
CASTER I mit einer Giessgeschwindigkeit von 9 mm/s ein Band von 8 mm Dicke gegossen
(Zustand A). Das Band wurde bei 270°C gehaspelt und innert 4 Stunden auf 150
°C abgekühlt (Schritt B). Nach einem ersten Kaltwalzschritt auf 5 mm wurde die Legierung
als Bund bei 400°C während 8 Stunden geglüht (Schritt C). Anschliessend wurde auf
Enddicke 1.2 mm kaltgewalzt und wie im Beispiel 1 rekristallisiert (Behandlung D).
[0020] Die resultierende mittlere Kornfläche beträgt etwa 70 µ
mε.
Beispiel 3
[0021] Die Legierung aus Beispiel 1 wurde auf einem CASTER I zu einem Band von 7 mm Dicke
vergossen (Zustand A). Das bei 260
°C gehaspelte Band kühlte innert 4 Stunden auf 150
°C ab (Schritt B). Der Bund wurde innert 6 Stunden auf 400
°C aufgewärmt und bei dieser Temperatur 8 Stunden geglüht (Schritt C). Das Band wurde
sodann auf die Enddicke von 1.2 mm kaltgewalzt und im Banddurchlaufofen nach einer
Aufheizzeit von 16s bei 475
°C während 170s geglüht (Behandlung D).
[0022] Dies führte zu einer mittleren Kornfläche von 28 w
m2.
[0023] Blechstreifen wurden bei 490
°C im Zugversuch superplastisch mit 0.8 mm/Minute gedehnt. Die resultierende Bruchdehnung
betrug 640 % der Ausgangslänge von 20 mm.
1. Verfahren zur Herstellung eines feinkörnig rekristallisierten, zur superplastischen
Umformung geeigneten Bleches aus einer aushärtbaren Aluminiumlegierung, welche einen
Zusatz von wenigstens einem der Elemente Ti, Zr, Hf, V, Nb, Ta, Cr, Mo, W mit einem
Gewichtsanteil von insgesamt 0.08 bis 1.5 % enthält, wobei die Legierung in einen
Zustand A gebracht wird, in welchem sowohl die zur Aushärtung führenden Legierungselemente
als auch die genannten Zusatzelemente zumindest grösstenteils in fester Lösung sind,
worauf in einem Schritt B die inkohärenten Aushärtungsphasen in einem Temperaturbereich
zwischen dem Entmischungszonen-Solvus T gps und dem Solvus der Gleichgewichts-Aushärtungsphasen T s ausgeschieden werden und in einem folgenden Schritt C die Aluminide der genannten
Zusatzelemente durch Glühung in einem Temperaturbereich zwischen 300°C und T s-30°C gleichmässig mit hoher Dichte ausgeschieden werden, wobei etwaige Walzverformungen
zwischen dem Zustand A und dem Schritt C bei Temperaturen von höchstens T s- 30°C erfolgen dürfen, wobei weiter die Legierung nach dem Schritt C mit mindestens 60
% Dickenabnahme derart zu einem Blech der Dicke d gewalzt wird, dass die Temperatur
des Bleches ab einer Dicke von 2.5xd 220°C nicht überschreitet und wobei schließlich das Blech bei Dicke d zu einer rekristallisierenden
Behandlung D derart aufgeheizt wird, dass bis oberhalb der Rekristallisationsschwelle
die Aufheizgeschwindigkeit mindestens 20°C/s beträgt.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die Legierung durch Erstarrung
mit einer Zeitspanne zwischen Liquidus und Solidus von höchstens 5s in den Zustand
A gebracht wird.
1. Process for the production of a fine-grained recrystallized sheet made of a precipitation-hardenable
aluminium alloy and suitable for superplastic forming, which alloy contains an addition
of at least one of the elements Ti, Zr, Hi, V, Nb, Ta, Cr, Mo, W with an overall proportion
by weight of 0.08 to 1.5%, the alloy being brought into a state A in which both the
alloying elements leading to the precipitation hardening and the said additional elements
are in solid solution, at least for the most part, whereupon in a step B the incoherent
hardening phases are precipitated in a temperature range between the separation zone
solvus Tgps and the solvus of the equilibrium hardening phases Ts and in a following step C the aluminides of the said additional elements are precipitated
uniformly at high density by annealing in a temperature range between 300°C and Ts , - 30°C, it being permissible for possible rolling deformations to take place between
the state A and the step Cat temperatures of no more than Ts, -30°C, further, after the step C, the alloy being rolled, with a reduction in thickness
of at least 60%, to form a sheet of thickness D in such a way that, starting from
a thickness of 2.5 x d, the temperature of the sheet does not exceed 220°C, and, finally, the sheet being heated up at thickness d for the purpose of a recrystallizing
treatment Din such a way that up to above the recrystallization threshold the heating-rate
is at least 20°C/s.
2. Process according to Claim 1, characterized in that the alloy is brought into the
state A by solidification, the time between liquidus and solidus being no more than
5s.
1. Procédé de fabrication d'une tôle recristallisée en grains fins en un alliage d'aluminium
durcissable par précipitation, qui convient à un formage superplastique, qui contient
une addition d'au moins l'un des éléments Ti, Zr, Hf, V, Nb, Ta, Cr, Mo, W en une
proportion pondérale d'au total 0, 08 à 1, 5 %, l'alliage étant amené dans un état
A dans lequel aussi bien les éléments d'alliage conduisant au durcissement par précipitation
qu'également les éléments additionnels cités se trouvent au moins pour la plus grande
partie en solution solide, après quoi dans une étape B les phases incohérentes de
durcissement par précipitation sont précipitées dans un domaine de températures compris
entre le solvus des zones de ségrégation Tgps et le solvus des phases de durcissement par précipitation d'équilibre Ts et dans une étape C suivante, les aluminates des éléments additionnels cités sont
précipités régulièrement à densité élevée par recuit dans un domaine de températures
compris entre 300°C et Ts-30°C, des formages par laminage éventuels entre l'état A et l'étape C pouvant avoir lieu
à des températures d'au plus Ts-30°C, l'alliage après l'étape C étant laminé avec une diminution d'épaisseur d'au moins
60% en une tôle d'épaisseur d de telle façon que la température de la tôle à partir
d'une 0 de 2, 5 x d ne dépasse pas 220°C, et la tôle qui présente l'épaisseur d étant finalement chauffée en vue d'un traitement
de recristallisation D de telle façon que la vitesse de chauffage soit au moins égale
à 20°C/s jusqu'au-delà du seuil de recristallisation.
2. Procédé selon la revendication 1, caractérise en ce que l'alliage est amené à l'état
A par solidification avec une durée entre le liquidus et le solidus d'au plus 5s.