(19)
(11) EP 0 269 760 A1

(12) EUROPÄISCHE PATENTANMELDUNG

(43) Veröffentlichungstag:
08.06.1988  Patentblatt  1988/23

(21) Anmeldenummer: 86116744.3

(22) Anmeldetag:  02.12.1986
(51) Internationale Patentklassifikation (IPC)4B41N 3/08
(84) Benannte Vertragsstaaten:
AT BE CH DE ES FR GB GR IT LI LU NL SE

(71) Anmelder: Bernd Schwegmann GmbH & Co. KG
D-53227 Bonn (DE)

(72) Erfinder:
  • Steinhöfel, Norbert
    D-5205 St. Augustin 1 (DE)

(74) Vertreter: Werner, Hans-Karsten, Dr.Dipl.-Chem. et al
Patentanwälte Von Kreisler-Selting-Werner Postfach 10 22 41
50462 Köln
50462 Köln (DE)


(56) Entgegenhaltungen: : 
   
       


    (54) Feuchtwasserzusatz für den Offsetdruck


    (57) Ein verbessertes Feuchtwasser für den Offsetdruck ent­hält Netzmittel, pH-regulierende Substanzen, Feucht­haltemittel, gegebenenfalls Filmbildner, Enthärtungs­mittel und Konservierungsmittel, wobei als Netzmittel vorzugsweise eine oder mehrere Substanzen der Gruppe A enthalten sind, die besteht aus

    a) Polypropylenglykol (400 - 2000)

    b) 3,5 Dimethyl-1-hexin-3-ol

    c) 3,6 Dimethyl-4-octin-3,6-diol

    d) 2,4,7,9-Tetramethyl-5-decin-4,7-diol

    e) Ethoxylierungsprodukte von b, c und/oder d

    f) Kombinationen von a, b, c, d und/oder e mit weiteren üblichen Netzmitteln,

    wobei es zusätzlich enthält eine oder mehrere wasser­lösliche Substanzen der Gruppe B, die besteht aus

    g) aliphatischen oder aromatischen Sulfonsäuren oder Sulfonaten mit Kohlenwasserstoffketten mit maximal 10 Kohlenstoffatomen,

    h) gegebenenfalls alkoxilierten Ethersulfonsäuren oder Ethersulfonaten,

    i) gegebenenfalls sulfonierten Alkylphenolethoxylaten,

    j) alkoxilierten Carbonsäuren mit maximal 10 Kohlen­stoffatomen.




    Beschreibung


    [0001] Gegenstand der vorliegenden Erfindung ist ein Feucht­wasser-Zusatz für den Offsetdruck, welcher Netzmittel, pH-regulierende Substanzen, Feuchthaltemittel, gegebe­nenfalls Filmbildner, Enthärtungsmittel und Konservie­rungsmittel enthält.

    [0002] Beim Offsetdruck werden dem Feuchtwasser verschiedene Zusätze zugegeben, um das Drucken zu erleichtern und die Qualität der Druckerzeugnisse zu erhöhen. Diese Zusätze werden bisher entweder vom Drucker selbst bei­gemischt oder in Form von Konzentraten in den Handel gebracht. Diese Konzentrate enthalten meist schwache Säuren oder einen Puffer, Feuchthaltemittel wie Glyze­rin oder Glykole, Filmbildner wie Gummiarabicum, Kon­servierungsmittel, zum Teil auch Enthärtungsmittel und Netzmittel sowie gegebenenfalls Alkohole wie Ethanol oder Isopropanol. Sämtliche Feuchtwasser-Konzentrate enthalten erhebliche Mengen Wasser.

    [0003] Aus der EP-A-0 111 136 der Anmelderin ist ein Feucht­wasserzusatz für den Offsetdruck bekannt, welcher als Netzmittel eine oder mehrere Substanzen der Gruppe A enthält, bestehend aus

    a) Polypropylenglykol (400 - 2000)

    b) 3,5 Dimethyl-1-hexin-3-ol

    c) 3,6 Dimethyl-4-octin-3,6-diol

    d) 2,4,7,9-Tetramethyl-5-decin-4,7-diol

    e) Ethoxylierungsprodukte von b, c und/oder d

    f) Kombinationen von a, b, c, d und/oder e mit weiteren üblichen Netzmitteln.



    [0004] Diese Feuchtwasserzusätze haben sich bereits ausgezeich­net bewährt, jedoch ist es insbesondere in Filmfeucht­werken, beispielweise vom Typ Dahlgreen und Alcolor, notwendig, dem Feuchtwasser Alkohole wie Isopropanol oder Ethanol in erheblichen Mengen zuzusetzen, was aus arbeitstechnischen und umwelttechnischen Gründen uner­wünscht ist. Die Erfindung hat sich weiterhin die Auf­gabe gestellt, Feuchtwasserzusätze, insbesondere solche gemäß EP-A-0 111 136 weiter zu verbessern.

    [0005] Diese Aufgabe kann überraschend einfach gelöst werden dadurch, daß der Feuchtwasserzusatz zusätzlich enthält eine oder mehrere wasserlösliche Substanzen der Gruppe B, die besteht aus

    g) aliphatischen oder aromatischen Sulfonsäuren oder Sulfonaten mit Kohlenwasserstoffketten mit maximal 10 Kohlenstoffatomen,

    h) gegebenenfalls alkoxilierten Ethersulfonsäuren oder Ethersulfonaten,

    i) gegebenenfalls sulfonierten Alkylphenolethoxylaten,

    j) alkoxilierten Carbonsäuren mit maximal 10 Kohlen­stoffatomen.



    [0006] Auch der erfindungsgemäß verbesserte Feuchtwasserzusatz kann in Pasten-, Pulver- oder Tablettenform vorliegen.

    [0007] Gegenstand der vorliegenden Erfindung ist somit zu­nächst ein Feuchtwasserzusatz für den Offsetdruck, ent­haltend Netzmittel, pH regulierende Substanzen, Feucht­haltemittel, gegebenenfalls Filmbildner, Enthärtungs­mittel und Konservierungsmittel, wobei als Netzmittel vorzugsweise eine oder mehrere Substanzen der Gruppe A enthalten sind, die besteht aus

    a) Polypropylenglykol (400 - 2000)

    b) 3,5 Dimethyl-1-hexin-3-ol

    c) 3,6 Dimethyl-4-octin-3,6-diol

    d) 2,4,7,9-Tetramethyl-5-decin-4,7-diol

    e) Ethoxylierungsprodukte von b, c und/oder d

    f) Kombinationen von a, b, c, d und/oder e mit weiteren üblichen Netzmitteln,

    dadurch gekennzeichnet, daß er zusätzlich enthält eine oder mehrere wasserlösliche Substanzen der Gruppe B, die besteht aus

    g) aliphatischen oder aromatischen Sulfonsäuren oder Sulfonaten mit Kohlenwasserstoffketten mit maximal 10 Kohlenstoffatomen,

    h) gegebenenfalls alkoxilierten Ethersulfonsäuren oder Ethersulfonaten,

    i) gegebenenfalls sulfonierten Alkylphenolethoxylaten,

    j) alkoxilierten Carbonsäuren mit maximal 10 Kohlen­stoffatomen.



    [0008] Ein weiterer Gegenstand der vorliegenden Erfindung ist die Verwendung von einer oder mehreren wasserlöslichen Substanzen der Gruppe B, die besteht aus

    g) aliphatischen oder aromatischen Sulfonsäuren oder Sulfonaten mit Kohlenwasserstoffketten mit maximal 10 Kohlenstoffatomen,

    h) gegebenenfalls alkoxilierten Ethersulfonsäuren oder Ethersulfonaten,

    i) gegebenenfalls sulfonierten Alkylphenolethoxylaten,

    j) alkoxilierten Carbonsäuren mit maximal 10 Kohlen­stoffatomen

    als Feuchtwasserzusatz für den Offsetdruck.



    [0009] Die Substanzen der Gruppe B sind einerseits in der La­ge, den Zusatz von Lösungsmitteln, insbesondere von Alkoholen wie Isopropylalkohol oder Ethanol überflüssig zu machen, zum anderen ein unerwünschtes Schäumen oder Emulgieren des Feuchtwasserzusatzes mit den Druckfarben zu unterbinden. Insbesondere sind sie in der Lage, die zum Teil nur schlecht oder ungenügend in Wasser lösli­chen Komponenten der Gruppe A besser wasserlöslich zu machen, ohne jedoch deren Wirksamkeit als Feuchtwasser­zusatz zu verschlechtern. Ganz im Gegenteil wurde beob­achtet, daß die guten Eigenschaften der Feuchtwasserzu­sätze gemäß EP-A-0 111 136 noch deutlich verbessert wurden.

    [0010] Als aliphatische oder aromatische Sulfonsäuren oder Sulfonate mit Kohlenwasserstoffketten mit maximal 10 Kohlenstoffatomen kommen insbesondere die relativ kurz­kettigen Derivate in Frage wie Natriumcumolsulfonat und Natriumtoluolsulfonat. Langkettige Sulfonsäuren und Sulfonate wie beispielsweise Natriumlaurylsulfat haben sich als wesentlich weniger geeignet erwiesen, da sie als starke Netzmittel und Schaumbildner wirken und bei der erforderlichen Konzentration zu einem unerwünschten Emulgieren der Druckfarben mit dem Feuchtwasser führen. Erfindungsgemäß kann hingegen Natriumisooctylsulfat ohne weiteres verwendet werden.

    [0011] Als gegebenenfalls alkoxilierte Ethersulfonsäuren oder Ethersulfonate haben sich ebenfalls die relativ kurz­kettigen Derivate besonders bewährt. Beispielsweise ist Natriumbutylmonoglycolsulfat ausgezeichnet geeignet.

    [0012] Als gegebenenfalls sulfonierte Alkylphenolethoxylate haben sich insbesondere Alkylphenolethoxylate und deren Sulfate bewährt, wobei die Ethoxylatkette 1 bis 6 Eth­oxygruppen enthält und die Alkylgruppe maximal 10 Koh­lenstoffatome enthält.

    [0013] Als alkoxilierte Carbonsäure mit maximal 10 Kohlen­stoffatomen kommen die relativ kurzkettigen Derivate bevorzugt zum Einsatz, da diese weniger zum Schäumen und Emulgieren neigen. Besonders geeignet sind die Ester kurzkettiger Carbonsäuren von Ethylenglycol und Oligoethylenglycolen mit bis zu 6 Ethylenglycoleinhei­ten.

    [0014] Die Mengen der zusätzlichen Substanzen der Gruppe B sind nicht sehr kritisch. So kann ein flüssiges Feucht­wasserkonzentrat neben 0,1 bis 50 Teilen Netzmittel der Gruppe A 1 bis 90 Gewichtsteile der Gruppe B enthalten.

    [0015] Ein erfindungsgemäßer Feuchtwasserzusatz in Pulverform kann somit 0,05 bis 5 Teile Netzmittel der Gruppe A und 1 bis 50 Gewichtsteile der Gruppe B enthalten neben 2 bis 90 Teilen Puffersalz, 0 bis 60 Teilen Enthärtungs­mittel, 0 bis 80 Teilen Feuchthaltemittel, 0 bis 80 Teilen Filmbildner und 0,2 bis 5 Teilen Konservierungs­mittel.

    [0016] Ein solches Pulver kann auch ohne weiteres zu Tabletten verpreßt werden. Diese Tabletten lösen sich rasch und leicht in Wasser auf und gestatten somit eine leichte und einfache Dosierung und Zubereitung des Feuchtwas­sers für den Offsetdruck. Das Pulver kann aber auch ohne Schwierigkeiten direkt in Wasser gelöst werden oder in Form einer Paste mit nur geringem Wassergehalt angeboten werden. Der Vorteil der Pulver- und Tablet­tenform, aber auch der Pastenform ist das geringe La­gervolumen, die kleinere Packung, die Verminderung der Frachtkosten und die Stabilität.

    [0017] Zur Herstellung eines Feuchtwassers benötigt man je nach Gehalt an Substanzen der Gruppen A und B 0,1 bis 10 g des erfindungsgemäßen Zusatzes. Ein Gehalt von 0,001 bis 1,0 g Netzmittel und/oder 0,1 bis 2 g Sub­stanzen der Gruppe B pro Liter Feuchtwasser führt zu den erfindungsgemäß erzielbaren Vorteilen des Feucht­wassers gegenüber herkömmlichen Rezepturen, nämlich der Verbesserung des Farb-/Wasser-Emulgationsverhaltens, die Ermöglichung einer gleichmäßigen Wasserführung und der daraus resultierenden drucktechnischen Vorteile. Erfindungsgemäß ist es möglich, auf den Zusatz von Al­kohol zum Feuchtwasser auch bei Filmfeuchtwerken ganz zu verzichten. Weiterhin lassen sich die Feuchtwalzen schneller und gründlicher reinigen, und die Wiederver­schmutzung bezogener Feuchtwalzen wird reduziert.

    [0018] Die Druckplatten laufen extrem schnell frei und vermin­dern dadurch den Anfall an Makulatur. Insbesondere wer­den auch Farbablagerungen auf dem Gummituch im bild­freien Bereich noch mehr vermindert.

    [0019] Typische Rezepturen enthalten somit 0,0 1 bis 20 Teile, vorzugsweise 2 bis 5 Teile Netzmittel der Gruppe A. Sie werden mit 1 bis 70 Teilen, vorzugsweise 5 bis 20 Tei­len Substanzen der Gruppe B und 2 bis 20 Teilen Puf­fersalz (Trinatriumcitrat/Citronensäure im Gewichtsver­hältnis 5 : 1 bis 2 : 1), 0,1 bis 5 Teilen Konservie­rungsmittel und 10 bis 90 Teilen Wasser gelöst. Es wer­den 0 bis 50 Teile, vorzugsweise 3 bis 10 Teile Feucht­haltemittel, insbesondere Sorbit, 0 bis 20 Teile, vor­zugsweise 2 bis 10 Teile Enthärtungsmittel wie Ethylen­diamintetraessigsäure-Natriumsalz und 0 bis 50 Teile, vorzugsweise 2 bis 5 Teile Filmbildner wie Gummiarabi­cum zugegeben und innig vermischt. Diese Konzentrate können unmittelbar abgefüllt und verwendet werden.

    [0020] Dem Feuchtwasser werden 1 bis 100 g, vorzugsweise ca. 10 g/l des Konzentrates zugesetzt.

    [0021] Pulverrezepturen enthalten hingegen 0,05 bis 5 Teile, vorzugsweise 0,5 bis 2 Teile Netzmittel der Gruppe A und 1 bis 50 Teile, vorzugsweise 10 bis 40 Teile der Gruppe B mit 2 bis 90 Teilen Puffersalz (Trinatriumci­trat/Citronensäure im Gewichtsverhältnis 5 : 1 bis 2 : 1). Weiterhin enthalten sie 0,2 bis 5 Teile, vorzugs­weise 1 bis 3 Teile Kaliumsorbat, 0 bis 80 Teile, vor­zugsweise 20 bis 40 Teile Sorbit als Feuchthaltemittel, 0 bis 60 Teile, vorzugsweise 2 bis 20 Teile Ethylendia­mintetraessigsäure-Natriumsalz als Enthärtungsmittel und 0 bis 80 Teile, vorzugsweise 0 bis 5 Teile Gummi­arabicum als Filmbildner. Die Komponenten werden als Pulver homogen vermischt und auf Wunsch instantisiert oder zu Tabletten verpreßt. Das Pulver bzw. die Tablet­ten werden in Mengen von 1 bis 100 g, vorzugsweise 10 g/l Feuchtwasser zugesetzt.

    [0022] Um handelsübliche Feuchtwasserzusätze weiter zu verbes­sern, ist es möglich, ein Gemisch aus 0,01 bis 50 Tei­len, vorzugsweise bis 10 Teilen Substanzen der Gruppe A mit 5 bis 20 Teilen Substanzen der Gruppe B in Wasser zu lösen. Diese Lösung kann einem Feuchtwasser, das bereits einen handelsüblichen Feuchtwasserzusatz ent­hält, in Konzentrationen von 1 bis 100 g, vorzugsweise 10 g/l Feuchtwasser zugesetzt werden, wodurch sich sei­ne Eigenschaften wesentlich verbessern.


    Ansprüche

    1. Feuchtwasserzusatz für den Offsetdruck, enthaltend Netz­mittel, pH-regulierende Substanzen, Feuchthaltemittel, gegebenenfalls Filmbildner, Enthärtungsmittel und Kon­servierungsmittel, wobei als Netzmittel vorzugsweise eine oder mehrere Substanzen der Gruppe A enthalten sind, die besteht aus

    a) Polypropylenglykol (400 - 2000)

    b) 3,5 Dimethyl-1-hexin-3-ol

    c) 3,6 Dimethyl-4-octin-3,6-diol

    d) 2,4,7,9-Tetramethyl-5-decin-4,7-diol

    e) Ethoxylierungsprodukte von b, c und/oder d

    f) Komtinationen von a, b, c, d und/oder e mit weiteren üblichen Netzmitteln,

    dadurch gekennzeichnet, daß er zusätzlich enthält eine oder mehrere wasserlösliche Substanzen der Gruppe B, die besteht aus

    g) aliphatischen oder aromatischen Sulfonsäuren oder Sulfonaten mit Kohlenwasserstoffketten mit maximal 10 Kohlenstoffatomen,

    h) gegebenenfalls alkoxilierten Ethersulfonsäuren oder Ethersulfonaten,

    i) gegebenenfalls sulfonierten Alkylphenolethoxylaten,

    j) alkoxilierten Carbonsäuren mit maximal 10 Kohlen­stoffatomen.


     
    2. Feuchtwasserzusatz gemäß Anspruch 1, dadurch gekenn­zeichnet, daß er in Pasten-, Pulver- oder Tablettenform vorliegt.
     
    3. Verwendung von einer oder mehreren wasserlöslichen Sub­stanzen der Gruppe B, die besteht aus

    g) aliphatischen oder aromatischen Sulfonsäuren oder Sulfonaten mit Kohlenwasserstoffketten mit maximal 10 Kohlenstoffatomen,

    h) gegebenenfalls alkoxilierten Ethersulfonsäuren oder Ethersulfonaten,

    i) gegebenenfalls sulfonierten Alkylphenolethoxylaten,

    j) alkoxilierten Carbonsäuren mit maximal 10 Kohlen­stoffatomen

    als Feuchtwasserzusatz für den Offsetdruck.


     





    Recherchenbericht