[0001] Die vorliegende Erfindung betrifft ein Verfahren zur Herstellung von Bleichwirkstoffen
in granulierter Form, die als Bleichkomponente feste Peroxycarbonsäure enthalten,
sowie die nach diesem Verfahren herstellbaren Bleichwirkstoffe und deren Verwendung.
[0002] Auf dem Gebiet der Textilbleiche werden in großem Umfang Bleichmittel auf Basis
von Persauerstoffverbindungen eingesetzt. Weite Verbreitung haben insbesondere Wasserstoffperoxid
und seine anorganischen Derivate, wie Natriumperborat und Natriumpercarbonat gefunden,
die einerseits sehr sicher handhabbare, milde Oxidationsmittel darstellen und andererseits
bei genügend hohen Temperaturen ein gutes Bleichvermögen besitzen. Für den Einsatz
bei niedrigeren Temperaturen werden dagegen, um eine Bleiche in ausreichend kurzer
Zeit zu erreichen, stärkere Oxidationsmittel, wie etwa Peroxycarbonsäuren, benötigt.
Peroxycarbonsäuren, auch kürzer als Percarbonsäuren oder einfach Persäuren bezeichnet,
sind jedoch sehr aggressive Oxidationsmittel, die zur exothermen Zersetzung und Explosion
neigen, und können in reiner Form nicht ohne Schutzvorkehrungen gehandhabt werden.
Es ist deshalb u.a. vorgeschlagen worden, um diese Nachteile zu vermeiden, diese
Verbindungen erst in situ aus den ungefährlichen anorganischen Perverbindungen und
bestimmten Acylierungsmitteln, sogenannten Aktivatoren, zu erzeugen, die als solche
keine exotherme Zersetzung oder Oxidationsreaktionen zeigen, sondern allenfalls hydrolyseempfindlich
sind. Dieses Verfahren ist durch die Verwendung von zwei getrennt zu dosierenden
Komponenten aufwendig, und zudem erfordert die Akti vierungsreaktion zwischen anorganischen
Perverbindungen und Aktivatoren vor allem bei sehr niedrigen Arbeitstemperaturen eine
unter Umständen unerwünscht lange Vorlaufzeit.
[0003] Aus diesen Gründen ist man seit langem bemüht, geeignete Maßnahmen zu finden, die
es erlauben, Percarbonsäuren trotz ihrer Instabilität und aggresiven chemischen Eigenschaften
als solche zum Bleichen von Textilien zu verwenden. Besonders für die Anwendung in
Kombination mit Waschverfahren hat sich dabei das Interesse auf die festen Percarbonsäuren
gerichtet.
[0004] So beschreibt die belgische Patentschrift 560 389 die Stabilisierung von festen
Peroxycarbonsäuren mit Hilfe von hydratisierbaren anorganischen Salzen, wobei auch
eine Granulierung möglich ist. Die Überführung in die granulierte Form ist insbesondere
dann erwünscht, wenn die Percarbonsäuren noch mit anderen Komponenten gemischt werden
sollen, die aber z. B. wegen ihrer Oxidationsempflindlichkeit nicht in direkten Kontakt
mit den Persäuren kommen dürfen. Die deutsche Offenlegungsschrift 2 422 691 erwähnt
eine besondere Ausgestaltung der Stabilisierung mit Salzen, bei der Gemische aus Magnesiumsulfat
mit wenig Natrium- oder Kaliumsulfat verwendet werden.
[0005] Eine andere Maßnahme zur Verhinderung unerwünschter Wechselwirkungen zwischen Peroxycarbonsäuren
und anderen Komponenten stellt die Umhüllung von Persäureteilchen dar. In der französischen
Patentschrift 1 262 475 werden hierzu hydrophile Filmbildner, wie Gelatine, verwendet.
In der britischen Patentschrift 1 387 167 wird vorgeschlagen, wasserundurchlässige
Materialien, wie Fette und Wachse, zur Umhüllung einzusetzten. Eine weitere Variante
bietet die deutsche Offenlegungsschrift 27 37 864, in der Tenside als Überzeugungsmaterialien
vorgeschlagen werden.
[0006] Weiterhin sind zahlreiche Vorschläge gemacht worden, die Phlegmatisierung durch
Salzhydrate mit dem Umhüllungsverfahren zu verbinden: So beispielsweise in der deutschen
Offenlegungsschrift 24 22 735, in der ein Gemisch zweier Granulate beschrieben wird,
von denen eines aus Salzhydrate enthaltenden, mit Fettalkohol überzogenen Percarbonsäureteilchen
besteht. Ähnliche Granulate beschreiben die US-Patentschriften 3 770 816 und 4 170
453 und die deutschen Offenlegungsschrift 26 52 424. Die US-Patentschrift 4 259 201
gibt ein Beispiel für die Verwendung salzhaltiger, mit Tensiden überzogener Persäuregranulate
in Waschmitteln.
[0007] Obwohl durch die beschriebenen Maßnahmen eine Reihe von Problemen beim Einsatz der
Peroxycarbonsäuren gelöst worden sind, war man bis in jüngste Zeit noch weit von einer
Percarbonsäureformulierung entfernt, die allen Anforderungen an gefahrlose Handhabbarkeit,
mechanische und chemische Stabilität, Löslichkeit und wirtschaftliche Herstellung
gerecht wird. So stellen die Granulate aus Persäuren und anorganischen Salzen zwar
hinreichend phlegmatisierte Formen dar; sie sind aber nur wenig abriebfest, so daß
es in vielen Fällen nicht gelingt, die Freisetzung der Peroxycarbonsäuren aus den
Granulaten während der Lagerung und damit die Oxidation anderer empfindlicher Komponenten
der Bleichzubereitungen, die diese Granulate enthalten, zu verhindern. Die Anwendung
von Hüllsubstanzen verbessert zwar die mechanischen Eigenschaften der Granulate und
verringert die Wechselwirkung mit anderen Komponenten, bringt aber andere Nachteile
mit sich, wie geringe chemische Stabilität bei einigen hydrophilen Hüllsubstanzen
oder Behinderung der Auflösung in Wasser bei hydrophoben Überzügen oder solchen aus
wasserfreien Tensiden.
[0008] Man ist deshalb nach wie vor bemüht, neue Persäureformulierungen mit ingesamt besseren
Eigenschaften zu finden, und versucht dabei u.a., die Abhängigkeit der Stabilität
von der Art der zu gesetzten Hilfsstoffe zu ergründen. So haben sich viele Komplexbildner,
die in der Lage sind, Schwermetalle zu maskieren, bei nahezu allen Peroxycarbonsäuren
als Stabilisatoren gegen katalytische Zersetzung bewährt, während z. B. bei bestimmten
Peroxycarbonsäuren, wie in der US-Patentschrift 3 639 285 erwähnt wird, Tenside die
Zersetzung fördern. Bei anderen Peroxycarbonsäuren wiederum wirken, wie aus der europäischen
Offenlegungsschrift 74 730 hervorgeht, bestimmte Überzugsmittel destabilisierend.
Aufgrund dieser und weiterer ähnlicher Ergebnisse scheint sich heute die Auffasssung
durchzusetzen, daß sich die Erfahrungen mit einem Persäuretyp nur selten auf einen
anderen Typ übertragen lassen. Optimale Formulierungen sind danach nur durch Maßnahmen
zu erreichen, die auf den jeweiligen Typ von Percarbonsäure individuell zugeschnitten
sind.
[0009] Eine besonders stabile Formulierung von festen aliphatischen Peroxycarbonsäuren
wird in der älteren Anmeldung DE 35 15 712.7 beschrieben. Es handelt sich um ein Granulat
aus Persäure, hydratisierbarem anorganischem Salz und einer organischen, in alkalisch-wäßrigen
Milieu löslichen Polymerverbindung, in dem alle Komponenten gleichmäßig in den einzelnen
Körnern des Granulats verteilt sind und das in Wasser allein einen pH-Wert im schwach
sauren Bereich ergibt.
[0010] Diese Peroxycarbonsäureformulierung stellt eine ausreichend phlegmatisierte, abriebfeste
und staubfreie und somit gut handhabbare Form der festen aliphatischen Persäuren dar.
Trotz der hohen mechanischen Stabilität lösen sich die Granulate schnell in Wasser
oder alkalisch-wäßrigem Milieu, so daß die enthaltenen Persäuren ohne Verzögerung
als Bleichmittel in der Flotte zur Verfügung stehen. Die Persäuren sind in dieser
Form chemisch ungewöhnlich stabil und deshalb auch unter ungünstigen Bedingungen lange
lagerbar. Bevorzugtes Anwendungsgebiet ist die Bleiche von Textilien im Waschprozeß.
[0011] Obwohl als ein besonderer Vorteil der Granulate aus dieser älteren Anmeldung DE 35
15 712.7 ihre Verträglichkeit mit anderen Waschmittelbestandteilen, insbesondere alkalisch
reagierenden Substanzen und oxidationsempfindlichen Komponenten angesehen wird, zeigte
sich, daß diese Granulate, wenn auch wesentlich schwächer als andere, während der
Lagerung mit gewissen Parfümkomponenten, die in Waschmitteln eingesetzt werden, störende
Reaktionen eingehen können.
[0012] Im Bemühen, die unerwünschten Wechselwirkungen zwischen granulierten festen Persäuren
und leicht oxidierbaren Stoffen,insbesondere Parfümbestandteilen auszuschalten, wurde
nun gefunden, daß es möglich ist, mit ganz bestimmten Substanzen Persäuregranulate
derart einzuhüllen, daß diese Wechselwirkungen wesentlich verringert werden. Dieser
Befund beschränkte sich nicht auf die Granulate der DE 35 15 712.
[0013] Gegenstand der Erfindung ist daher ein Verfahren zur Umhüllung von granulierten festen
Peroxycarbonsäuren, das darin besteht, vorgefertigte Persäuregranulate unter Bewegung
mit der wäßrigen Lösung oder Dispersion eines in alkalisch-wäßrigen Milieu löslichen
Homo- oder Copolymerisats einer ungesättigten, 3 bis 6 Kohlenstoffatome enthaltenden
Carbonsäure zu besprühen und gleichzeitig und/oder anschließend zu trocknen. Weitere
Gegenstände der Erfindung sind die nach diesem Verfahren herstellbaren Bleichwirkstoffe
und deren Verwendung.
[0014] Das neue Verfahren führt zu einem granulierten Bleichwirkstoff, dessen einzelne Teile
jeweils aus einem persäurehaltigen Kern umgeben mit einer zusammenhängenden Hülle
von Polymeren bestehen. Derartige Granulate neigen in besonders geringem Maße zur
Wechselwirkung mit umgebenden Materialien und führen deshalb in Mischung mit oxidationsempfindlichen
Substanzen zu außergewöhnlicher Lagerstabilität. Besonders bemerkenswert ist die
Beständigkeit oxidationsempfindlicher Substanzen, vor allem Parfüms, wenn sie im
Gemisch mit alkalischen Komponenten, etwa in pulverförmigen Waschmitteln mit den Granulaten
zusammen vorliegen.
[0015] Über die Verbesserung der Lagerstabilität hinaus führt die Umhüllung mit den in
alkalisch-wäßrigen Milieu löslichen polymeren Carbonsäuren zu einer mechanischen Verfestigung
der Granulatteilchen, die sich in verringertem Abrieb bemerkbar macht und es auf
diese Weise ermöglicht, auch Granulate für technische Zwecke nutzbar zu machen, die
bisher als zu wenig stabil galten. Dies wird erreicht, ohne daß andere vorteilhafte
Eigenschaften der zu umhüllenden Granulate, insbesondere die Löslichkeit in Wasser
oder wäßrig-alkalischem Milieu, wesentlich beeinträchtigt würden.
[0016] Als Hüllsubstanzen eignen sich in wäßrig-alkalischem Milieu lösliche polymere Carbonsäuren,
die durch Homo- oder Copolymerisation ungesättiger Carbonsäuren mit 3 bis 6 C-Atomen
oder deren Anhydriden hergestellt werden. Als solche gelten im Rahmen der Erfindung
auch Partialsalze dieser polymeren Carbonsäuren, soweit sie in 1 prozentiger Mischung
mit Wasser einen pH-Wert nicht über 8, vorzugsweise nicht über 6,5 ergeben. Besonders
bevorzugt werden die Homopolymerisate von Acrylsäure, Methacrylsäure, alpha-Hydroxyacrylsäure,
Maleinsäure, Fumarsäure und Crotonsäure sowie die Copolymerisate dieser Monomeren
untereinander und die Copolymeren mit nicht Carboxylgruppen tragenden Monomeren,
insbesondere Ethylen, Vinylacetat, Vinylmethylether, Styrol und ähnlichen.
[0017] Von diesen wiederum werden die Copolymeren aus Acrylsäure und/oder Methacrylsäure
mit Maleinsäure (Molverhältnis 1 : 5 bis 5 : 1) und, insbesondere, Polyacrylsäure
als Hüllmaterial ganz besonders bevorzugt.
[0018] Das mittlere Molekulargewicht der polymeren Carbonsäuren liegt üblicherweise oberhalb
von etwa 1000, vorzugsweise oberhalb von etwa 5000, und insbesondere oberhalb von
etwa 10 000. Die Obergrenze des Molekulargewichts wird in erster Linie durch die
Viskosität der Lösung bestimmt und kann über 1 000 000 liegen. Vorzugsweise liegt
das Molekulargewicht der als Hüllsubstanzen verwendeten Polymeren aber unterhalb
von etwa 250 000, insbesondere unterhalb von etwa 100 000.
[0019] Selbstverständlich ist es auch möglich, neben den Polymeren andere als Hüllsubstanzen
verwendbare Stoffe mit in die Hülle einzubauen, sofern dadurch die Eigenschaften des
Überzugs und des Granulats nicht nachteilig verändert werden.
[0020] Die Aufbringung der Hüllsubstanzen kann mit an sich bekannten Methoden vorgenommen
werden, beispielsweise durch Aufsprühen wäßriger Lösungen oder Dispersionen der Hüllsubstanz
auf die vorgefertigten Granulate, während diese auf einem Teller oder in einer Trommel
bewegt werden. Durch geeignete Wahl der Flüssigkeitsmenge, der Zugabebeschwindigkeit
und der Mechanik läßt sich erreichen, daß die Teilchen nicht miteinander verbacken.
Bereits während des Aufbringens der Lösung kann mit der Trocknung des Granulates,
etwa durch einen Luftstrom, begonnen werden, bei der es zweckmäßig sein kann, das
Granulat weiter in Bewegung zu halten. Der Trocknungsgrad läßt sich weitgehend den
späteren Anforderungen an das Granulat anpassen, wird aber meist so gewählt, daß die
fertigen Granulate etwa den Wassergehalt aufweisen, den auch die Ausgangsgranulate
hatten.
[0021] Ein besonders bevorzugtes Umhüllungsverfahren besteht darin, die wäßrigen Polymerlösungen
oder -dispersionen in einem Wirbelbett auf die Granulatteilchen aufzuprühen, während
gleichzeitig mit warmer Luft getrocknet wird. Dieses Verfahren ist einerseits besonders
flexibel hinsichtlich der Variation nahezu aller Ver fahrensparameter und liefert
andererseits eine besonders dichte Umhüllung. Als Verfahren im Wirkbelbett werden
im Rahmen dieser Erfindung auch solche Verfahren angesehen, bei denen die Wirbelschicht
nicht im herkömmlichen Sinne begrenzt ist, die Granulatteilchen aber im wesentlichen
im Gasstrom mit dem Hüllmaterial versehen werden.
[0022] Es versteht sich von selbst, daß das erfindungsgemäße Verfahren bei Temperaturen
durchgeführt wird, die nicht zu einer Beeinträchtigung des eingesetzten Granulates,
etwa durch Aufschmelzen oder Zersetzung der Persäure führen. Vorzugsweise wird deshalb
die Temperatur so geführt, daß die Granulatteilchen keine Temperaturen über 45 °C,
insbesondere nicht über 40 °C annehmen. Dabei darf die Umgebungstemperatur, solange
die Granulate ausreichend feucht sind, durchaus über diesen Grenzen liegen. So kann
bei Trocknung mit Luft die Zulufttemperatur bis zu 70 °C und sogar darüber betragen,
wird aber vorzugsweise zwischen 40 und 60 °C, insbesondere zwischen 55 und 60 °C gehalten.
[0023] Die Konzentration der wäßrigen Polymerlösung, die zur Umhüllung aufgesprüht wird,
richtet sich in erster Linie nach technischen Randbedingungen, wie der Viskosität
der Lösung, der Verklebungsneigung der Polymeren und der Trocknungsgeschwindigkeit.
Übliche Konzentrationen liegen vorzugsweise zwischen 10 und 40 Gew.-%, insbesondere
zwischen 15 und 30 Gew.-%.
[0024] Die Menge an aufgebrachtem Hüllmaterial beeinflußt in gewissen Grade die Wirksamkeit
der Umhüllung, wobei dickere Schichten im allgemeinen stärkeren Schutz ergeben. Die
Ziele der Erfindung lassen sich meist bereits mit einer Menge von 0,2 bis 10 Gew.-%
an Hüllsubstanz, gerechnet als trockenes Polymeres und bezogen auf das fertige Granulat,
voll erreichen; besonders bevorzugt sind Granulate, die mit 0,5 bis 5 Gew.-% an Polymeren
überzogen wurden.
[0025] Als Ausgangsmaterial für das erfindungsgemäße Verfahren eignen sich die verschiedensten
Persäuregranulate, sofern sie von wäßrigen Polymerlösungen benetzt werden. Dementsprechend
können die umhüllbaren Granulate Peroxycarbonsäuren der unterschiedlichsten Typen
enthalten, wie aromatische Persäuren, aliphatische Persäuren und araliphatische Persäuren,
die gegebenenfalls substituiert sein können und die die Percarboxylgruppe -CO₃H ein-
oder mehrmals im Molekül enthalten können. Beispiele derartiger Granulate finden sich
in großer Zahl in den in der Beschreibungseinleitung zitierten Druckschriften.
Neben den Persäuren enthalten die als Ausgangsmaterial geeigneten Granulate in der
Regel wenigstens ein Phlegmatisierungsmittel, beispielsweise anorganisches Salz oder
Borsäure, daneben gegebenenfalls Wasser, Granulierhilfsmittel, Komplexbildner für
Schwermetalle und Puffersubstanzen oder Säuren, sowie andere, meist vom Anwendungszweck
der Granulate bestimmte Zusätze, wie Tenside und Substanzen zur Modifizierung der
Löslichkeit.
[0026] Im allgemeinen werden als Ausgangsgranulate solche bevorzugt, die bereits ohne die
erfindungsgemäße Umhüllung eine hohe Lagerstabilität und Phlegmatisierung aufweisen.
Ganz besonders werden deshalb die in der älteren Anmeldung DE 35 15 712 beschriebenen
Granulate aus festen aliphatischen Peroxycarbonsäuren als Ausgangsgranulate bevorzugt.
Die Lehre dieser Anmeldung wird deshalb ausdrücklich mit zum Gegenstand der vorliegenden
Erfindungsoffenbarung gemacht. Demzufolge enthalten die erfindungsgemäßen Granulate
in ihrem Kern vorzugsweise feste aliphatische Peroxycarbonsäuren mit 4 bis 36 C-Atomen,
die ein- oder mehrmals im Molekül an Kohlenstoff gebunden die Gruppe -CO₃H aufweisen.
Sie können gegebenenfalls als Substituenten die Gruppen -CO₂H, -CO₂Me, -SO₃H und -SO₃Me
oder Ethersauerstoffe enthalten, wobei Me ein Äquivalent eines Metallkations aus der
Gruppe Na⁺, K⁺, Mg²⁺ und Ca²⁺ bedeutet, sind aber vorzugsweise nicht substituierte
Verbindungen der Formel C
(n-x)H
(2n+2-3x)(CO₃H)
x mit n = 4 bis 36 und x = 1 bis 3. Besonders bevorzugt werden die Monoperoxycarbonsäuren
mit 10 - 18 C-Atomen und die Diperoxycarbonsäuren mit 6 - 22 C-Atomen, von denen
wiederum die unverzweigten alpha, omega-Diperoxydicarbonsäuren mit 9 - 13 C-Atomen
herausragende Bedeutung wegen ihrer besonders guten Bleichwirkung besitzen.
[0027] Die Peroxycarbonsäuren sollen als reine Verbindungen bei Raumtemperatur, insbesondere
bis 50 °C, fest sein. Besonders bevorzugt werden solche Persäuren, die auch in technischer
Qualität, d. h., mit einem deutlichen Gehalt an der zugrunde liegenden Carbonsäure
bis 50 °C fest sind. Der Gehalt an Persäuren in den Granulaten beträgt 3 - 50 Gew.-%,
vorzugsweise 5 - 30 Gew.-%, und insbesondere 7 - 20 Gew.-%.
[0028] Neben den aufgeführten aliphatischen Persäuren enthalten die als Ausgangsmaterial
bevorzugten Granulate der DE 35 15 712 anorganische Salze als Phlegmatisierungsmittel
und eine in alkalisch-wäßrigem Milieu lösliche Polymerverbindung als Granulationshilfsmittel,
sowie gegebenenfalls Wasser, Tenside, Komplexbildner und andere Zusätze. Bezüglich
weiterer Einzelheiten wird auf den Text dieser Anmeldung verwiesen.
[0029] Das erfindungsgemäße Verfahren wird vorzugsweise so durchgeführt, daß die einzelnen
Teilchen des vorgefertigten Granulats nicht oder nur in geringem Umfang agglomerieren.
Demzufolge bleiben die Korngröße und die Korngrößenverteilung des eingesetzten Granulates
im wesentlichen erhalten. Auch as Schüttgewicht wird allenfalls unwesentlich verändert.
Für die erfolgreiche Durchführung des Verfahrens sind dabei Korngröße und Schüttgewicht
des Ausgangsgranulates ohne Bedeutung; es kann beispielsweise auf feine Granulate
von 0,1 mm Teilchendurchmesser ebenso angewendet werden wie auf grobere Typen von
5 mm Teilchendurchmesser, so daß die Korngröße und das Schüttgewicht voll und ganz
dem jeweiligen Anwendungszweck der Granulate angepaßt werden können. Von besonderer
Bedeutung für die Einarbeitung in Waschmittel ist dabei der Bereich 0,1 bis 1,6 mm,
während für unabhängig eingesetzte Spezialprodukte auch grobere Granulate mit Korngrößen
im Bereich von 1,6 bis 4 mm bevorzugt werden können. Die erfindungsgemäßen Granulate
besitzen im allgemeinen Schüttgewichte zwischen 400 und 1200 g/l, vorzugsweise zwischen
500 und 1100 g/l.
[0030] Darüber hinaus ist es aber auch möglich, mit dem erfindungsgemäßen Verfahren, beispielsweise
durch höhere Durchfeuchtung während des Aufsprühens, eine stärkere Agglomeration des
eingesetzten Granulats zu erreichen. Dies kann von Vorteil sein, wenn das Ausgangsgranulat
beispielsweise aus fertigungstechnischen Gründen nur in feiner Form zur Verfügung
steht, für die Anwendung aber ein groberes Material gewünscht wird.
[0031] Die erfindungsgemäßen Persäuregranulate lassen sich generell überall dort verwenden,
wo die enthaltenen Percarbonsäuren als Oxidations-, Bleich- oder Desinfektionsmittel
vorteilhaft eingesetzt werden können. Besonders bevorzugtes Anwendungsgebiet der erfindungsgemäßen
Bleichwirkstoffe ist die Bleiche von Textilien im Zusammenhang mit einer Waschbehandlung.
Die Granulate können für diesen Zweck in einheitlicher Form, d. h., ohne weitere
Zumischungen eingesetzt werden, doch werden sie vorzugsweise als streufähige Gemische
mit anderen festen Wirksubstanzen, die für die Textilbehandlung nötig sind, konfektioniert.
So kann ein Bleichmittel auf Basis der erfindungsgemäßen Granulate als weitere Wirkstoffe
beispielsweise Alkalisierungsmittel, Persäureaktivatoren und gegebenenfalls noch
andere Bleichwirkstoffe, wie etwa Perborat, enthalten. Für ein kombiniertes Wasch-
und Bleichmittel sind als Wirkstoffe darüberhinaus insbesondere Tenside, Builder,
schaumdämpfende Substanzen, optische Aufheller und Parfüm zu erwähnen. In diesen konfektionierten
Formen wirkt sich die außerordentlich geringe Neigung der Granulate zu Wechselwirkungen
mit oxidationsfähigen Mischungsbestandteilen besonders vorteilhaft aus.
Beispiele
[0032]
1. Als Ausgangsgranulat diente ein analog DOS 35 15 712, Beispiel 1, hergestelltes
Persäuregranulat mit einer Korngröße von 0,2 bis 1,6 mm und einem Schüttgewicht von
ca. 1000g/l. Es wies folgende Zusammensetzung auf:
11,5 Gew.-% alpha, omega-Diperoxydodecandisäure
1,9 Gew.-% alpha, omega-Dodecandisäure
3,8 Gew.-% MgSO₄
78,8 Gew.-% Na₂SO₄
1,0 Gew.-% Polyacrylsäure
3,0 Gew.-% Wasser
2. In einer Wirbelschichtanlage wurden 40 kg des Granulates aus Beispiel 1 vorgelegt
und durch einen Luftstrom von ca. 35 - 40 m³/min in Bewegung gebracht. Die Temperatur
der Zuluft wurde auf 60 °C gesteigert und gleichzeitig eine wäßrige Lösung (20 Gew.-%)
von Polyacrylsäure (Mittleres Molekulargewicht ca. 70 000) mit einer Geschwindigkeit
von 150 g Lösung pro Minute durch eine zentrale Düse auf das bewegte Granulat aufgesprüht.
Nach 28 Minuten wurde die Zugabe beendet; die Trocknung wurde jedoch noch 5 Minuten
fortgesetzt.
Es resultierten 40,5 kg eines umhüllten Granulats, das 2 Gew.-% Polyacrylsäure in
seiner Hülle aufwies und ein gegenüber dem Ausgangsmaterial nahezu unverändertes Kornspektrum
zeigte. Das Schüttgewicht betrug ca. 950 g/l.
3. In gleicher Weise wie in Beispiel 2 wurden 1 kg des Ausgangsgranulats nach Beispiel
1 in einer kleinerer Wirkbelschichtanlage mit einer Hüllschicht von 5 Gew.-% Polyacrylsäure
versehen. Bei diesem Versuch betrug die Geschwindigkeit der Polyacryl säurezugabe
(als 20 prozentige Lösung) 6 g Lösung pro Minute. Es wurde 10 Minuten nachgetrocknet.
Auch in diesem Versuch wies das Produkt ein gegenüber dem Ausgangsmaterial weitgehend
unverändertes Kornspektrum auf. Das Schüttgewicht betrug ca. 900 g/l.
4. Zur Bestimmung der Wechselwirkung zwischen Persäuren und umgebenden oxidierbaren
Stoffen wurde untersucht, inwieweit das Parfüm eines handelsüblichen pulverförmigen
perborathaltigen Vollwaschmittels bei Lagerung beeinträchtigt wird, wenn dieses Waschmittel
Persäuregranulate enthält.
[0033] Dazu wurde das Waschmittel mit einer Menge des jeweiligen Granulates versetzt, die
0,05 Gew.-% reiner Persäure, bezogen auf das Gewicht des persäurefreien Waschmittels
entsprach, und gründlich gemischt. Die Lagerung erfolgte bei 30 °C und 80 % relativer
Luftfeuchtigkeit in unkaschierten Pappkartons. Nach jeder Woche wurde die Stärke und
die Qualität des Geruchs von ausgebildeten Parfümeuren im Vergleich zum persäurefreien
Waschmittel, das unter gleichen Bedingungen gelagert wurde, beurteilt.
[0034] Es zeigte sich, daß die beiden Granulate nach den Beispielen 2 und 3 innerhalb von
4 Wochen keine Geruchsveränderungen gegenüber der Blindprobe verursachten, während
mit dem nicht umhüllten Granulat nach Beispiel 1 bereits nach 1 Woche deutliche Veränderungen
der Geruchsnote festgestellt wurden.
1. Verfahren zur Umhüllung von granulierten festen Peroxycarbonsäuren, dadurch gekennzeichnet,
daß ein vorgefertigtes Persäuregranulat unter Bewegung mit der wäßrigen Lösung oder
Dispersion eines in alkalisch-wäßrigem Milieu löslichen Homo- oder Copolymerisats
einer ungesättigten, 3 bis 6 Kohlenstoffatome enthaltenden Carbonsäure besprüht und
gleichzeitig und/oder anschließend getrocknet wird.
2. Verfahren nach Anspruch 1, weiterhin dadurch gekennzeichnet, daß es sich bei dem
Polymeren um ein Homo- oder Copolymerisat von Acrylsäure, Methacrylsäure, alpha-Hydroxyacrylsäure,
Maleinsäure, Fumarsäure oder Crotonsäure handelt.
3. Verfahren nach Anspruch 2, weiterhin dadurch gekennzeichnet, daß es sich bei dem
Polymeren um ein Copolymerisat aus Acrylsäure und Maleinsäure im Molverhältnis 1 :
5 bis 5 : 1 oder, vorzugsweise, um Polyacrylsäure handelt.
4. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 3, weiterhin dadurch gekennzeichnet,
daß 0,2 bis 10 Gew.-%, vorzugsweise 0,5 bis 5 Gew.-%, des Polymeren, gerechnet als
Trockensubstanz und bezogen auf das fertig umhüllte Granulat, aufgebracht werden.
5. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 4, weiterhin dadurch gekennzeichnet,
daß das Polymere in Form einer 10 bis 40 prozentigen, vorzugsweise 15 bis 30 prozentigen,
wäßrigen Lösung aufgesprüht wird.
6. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 5, weiterhin dadurch gekennzeichnet, daß
das Aufsprühen des Polymeren und das Trocknen des Granulates weitgehend gleichzeitig
im Wirbelbett unter Zuleitung von erwärmter Luft durchgeführt werden.
7. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 6, weiterhin dadurch gekennzeichnet,
daß als vorgefertigtes Persäuregranulat ein solches gemäß der Deutschen Öffenlegungsschrift
35 15 712 eingesetzt wird.
8. Umhülltes Persäuregranulat, dessen einzelne Teilchen aus einem eine feste Peroxycarbonsäure
enthaltenden Kern und einer Hülle bestehen, wobei der Kern durch Aufbaugranulierung
hergestellt wurde, dadurch gekennzeichnet, daß die Hülle von einem in wäßrig-alkalischer
Lösung löslichen Homo- oder Copolymerisat einer ungesättigten, 3 bis 6 Kohlenstoffatome
enthaltenden Carbonsäure gebildet wird.
9. Persäuregranulat nach Anspruch 8, dadurch gekennzeichnet, daß die Hülle von einem
Homo- oder Copolymerisat von Acrylsäure, Methacrylsäure, alpha-Hydroxyacrylsäure,
Maleinsäure, Fumarsäure oder Crotonsäure gebildet wird.
10. Persäuregranulat nach Anspruch 9 dadurch gekennzeichnet, daß die Hülle von einem
Copolymerisat aus Acrylsäure und Maleinsäure im Molverhältnis 1 : 5 bis 5 : 1 oder,
vorzugsweise, Polyacrylsäure gebildet wird.
11. Persäuregranulat nach einem der Ansprüche 8 bis 10, weiterhin dadurch gekennzeichnet,
daß es in der Hülle 0,2 bis 10 Gew.-%, vorzugsweise 0,5 bis 5 Gew.-%, an dem umhüllenden
Polymerisat enthält.
12. Persäuregranulat nach einem der Ansprüche 8 bis 11, weiterhin dadurch gekennzeichnet,
daß der umhüllte Kern ein Granulat gemäß der Deutschen Offenlegungsschrift 35 15 712
ist.
13. Verwendung eines Persäuregranulats gemäß einem der Ansprüche 8 bis 12 zur Oxidation,
Bleiche oder Desinfektion, vorzugsweise als Bleichmittel in Kombination mit Waschmitteln.