[0001] Trägermaterialien für fotografische Schichten sind üblicherweise auf der Rückseite
mit einer antistatischen Schicht versehen, um zu verhindern, daß sich während der
Verarbeitung des Materials, d.h. während des Begießens mit lichtempfindlichen Emulsionen
oder auch nach dem Bäderdurchgang bei Sortiervorgängen auf der Oberfläche statische
Ladungen aufbauen. Die Entladungen würden zur Belichtung der fotografischen Schicht
führen, so daß unerwünschte Markierungen im Bild sichtbar werden. Die statische Aufladung
führt außerdem während des Sortierens zur Haftung der Bilder aneinander, so daß die
weitere Verarbeitung gestört wird.
[0002] Neben den genannten antistatischen Eigenschaften soll die rückseitige Schicht des
fotografischen Materials gleichzeitig folgende Anforderungen erfüllen:
- Geringe Schmutzaufnahme beim Durchgang des fotografischen Materials durch Walzentransportentwicklungsmaschinen,
bei dem sich leicht Schmutzfilme aus den Oxydationsprodukten des Entwicklers ablagern.
- Möglichst hohe Abriebfestigkeit und Beständigkeit in alkalischen Entwicklerlösungen,
die z.B. beim Durchgang des fotografischen Materials durch mit Walzen ausgerüstete
Verarbeitungsmaschinen bedeutsam ist.
- Gute Bedruckbarkeit beim Bedrucken mit herkömmlichen Druckfarben sowie gute Beschriftbarkeit.
- Gute Klebebandhaftung, da beim Durchlauf des fotografischen Materials durch moderne
Entwicklungsautomaten die jeweils nächstfolgende Rolle an die vorhergehende Rolle
geklebt wird und die Klebehaftung beim Durchgang der Klebestelle durch Entwicklungsbäder
gewährleistet sein muß.
[0003] Es ist in der Praxis sehr schwierig, diese Eigenschaften gleichzeitig zu verwirklichen,
weil die dafür bekannten Komponenten die Materialeigenschaften zum Teil gegensätzlich
beeinflussen.Hydrophobe Komponenten haben beispielsweise den Nachteil einer hohen
Schmutzaufnahme und geringer antistatischer Wirksamkeit, während hydrophile Komponenten
eine geringe Klebebandhaftung, schlechte Bedruckbarkeit und ungenügende Bäderfestigkeit
ergeben.
[0004] Es ist bekannt, daß die statische Aufladung der rückseitigen Schicht durch Mattierungsmittel
vermindert werden kann, weil durch sie die Adhäsion zweier aufeinanderliegender fotografischer
Materialien herabgesetzt wird. Weiter ist bekannt, daß die bereits vorhandene statische
Aufladung durch elektrisch leitende Zusätze in der Schicht entfernt wird. So ist z.B.
aus der EP-A-O 160 912 ein fotografisches Material mit einer Silberhalogenidemulsionsschicht
auf einer Seite eines polyolefinbeschichteten Papierträgers und einer antistatischen
Schicht auf der anderen Seite des Trägers bekannt, bei dem die antistatische Schicht
ein Natriummagnesiumsilikat, ein Natriumpolystyrolsulfonat und bestimmte Bernsteinsäurehalbester
enthält. Die Leitfähigkeit ist bei dieser Kombination so, daß die gewünschten antistatischen
Eigenschaften ausreichend sind. Außerdem weist das Material auch eine relativ geringe
Schmutzaufnahme auf. Dies geht jedoch einher mit Verlusten bei den anderen erforderlichen
Eigenschaften. Da antistatisch wirksame Stoffe wegen der ionischen Leitfähigkeit
in der Regel wasserlöslich oder zumindest wasserquellbar sind, führt eine gute Leitfähigkeit
gewöhnlich zu einer schlechten Haftung der Schicht beim Durchgang durch Bäder. Eine
Folge der guten Leitfähigkeit ist also eine verringerte Abriebfestigkeit sowie eine
verschlechterte Klebebandhaftung.
[0005] Es ist nun grundsätzlich schwierig, ein fotografisches Material zu erhalten, das
bezüglich aller der oben genannten fünf Eigenschaften den Anforderungen entspricht.
Polare Oberflächen sind nämlich zwar leitfähig (antistatische Eigenschaft) und zeigen
eine geringe Schmutzaufnahme, aber mit zunehmender Polarität nehmen die Abriebfestigkeit
und die Klebebandhaftung durch Einwirkung der Bäder ab. Umgekehrt führte bislang
eine Verbesserung der Klebebandhaftung zu Verlusten hinsichtlich der Leitfähigkeit
und zu erhöhter Schmutzaufnahme des fotografischen Materials.
[0006] Die Aufgabe der vorliegenden Erfindung besteht darin, ein fotografisches Material
der eingangs genannten Art zu schaffen, dessen antistatisch beschichtete Rückseite
gleichzeitig gute Eigenschaften hinsichtlich aller der oben genannten fünf Anforderungen
aufweist.
[0007] Dazu enthält die antistatische Schicht eine kolloidale aluminiummodifizierte Kieselsäure,
ein Alkalisalz einer organischen Polysäure, z.B. Natriumpolystyrolsulfonat als Leitfähigkeitsmittel,
eine wässrige Dispersion von Copolymeren von Acrylsäure-Alkylestern mit einem Gehalt
an freien Carboxylgruppen von 1 -10 Mol-% und an freien Hydroxylgruppen von 0 - 20
Mol-% als Bindemittel, sowie ein trifunktionelles Aziridin als Vernetzungsmittel.
[0008] Letztere sind als Vernetzungsmittel für freie Carboxylgruppen enthaltende Kunststoffdispersionen
bekannt.
[0009] Wie Vergleichsversuche gezeigt haben, zeigt dieser erfindungsgemäße Rückseitenstrich
sowohl ausreichende Leitfähigkeit und somit gute antistatische Eigenschaften, geringe
Schmutzaufnahme hinsichtlich der meist dunkel gefärbten Oxydationsprodukte von Entwicklerlösungen,
gute Abrieb- und Wasserfestigkeit beim Durchgang durch saure und alkalische Entwicklungsbäder,
gute Bedruckbarkeit mit handelsüblichen Druckfarben und gute Beschriftbarkeit sowie
gute Klebebandhaftung auch bei chemischer und mechanischer Beanspruchung. Vorzugsweise
überschreitet die Summe der polaren Gruppen nicht 25 Mol-% des Copolymeren von Acrylsäureestern.
[0010] Gemäß einer bevorzugten Ausführungsform der Erfindung ist als Bindemittel ein Terpolymeres
aus Styrol, C₁-C₄-Alkylacrylat und 10 % Methacrylsäure vorgesehen. Gemäß einer wieteren
bevorzugten Ausführungsform der Erfindung wird die Wirksamkeit der Kombination aus
dem erfindungsgemäßen spezifischen Bindemittel und dem Vernetzungsmittel durch in
der antistatischen Schicht zusätzlich enthaltenes Natriummagnesiumsilikat des Montmorillonittyps
erhöht.
[0011] Die Mengenverhältnisse der Komponenten sind jeweils bezogen auf die trockene Schicht
folgende:
kolloidale Kieselsäure: 23 - 70 Gew.%
Alkalisalz der Polysäure: 3 - 30 Gew.%
Polymer-Binder: 30 - 70 Gew.%
Montmorillonit: 0 - 30 Gew:%
Aziridin: 2 - 18 Gew.%
[0012] Der Schichtauftrag (trocken) liegt bei 0,2 - 1,0 g/m², insbesondere 0,2 - 0,5 g/m².
[0013] Die Herstellung des erfindungsgemäßen Trägermaterials für fotografische Schichten
erfolgt insbesondere in der Weise, daß man die Einzelkomponenten in der Reihenfolge
Wasser-Alkohol-Gemisch, Montmorillonit, Kolloidale, aluminiummodifizierte Kieseläure,
Copolymerdispersion, Alkalisalz der organischen Polysäure, Aziridin langsam unter
Rühren vermischt, den gewünschten pH-Wert mit Ammoniaklösung einstellt, die so erhaltene
Gießlösung in der gewünschten Schichtdicke aufträgt und anschließend trocknet.
[0014] Die Prüfung der antistatischen Eigenschaften erfolgt durch Messung des Oberflächenwiderstands
mit einer Elektrode nach DIN 53482.
[0015] Zur Prüfung der Bedruckbarkeit und der Abriebund Bäderfestigkeit werden Muster mit
handelsüblichen Farbbändern bedruckt. Zur Prüfung der Muster auf chemische und mechanische
Beanspruchungen, wie sie während des Entwicklungsvorganges auftreten, wurden die Muster
nach dem Bedrucken 30 sec in einen handelsüblichen Entwickler getaucht und mit Wasser
kurz abgespült. Anschließend werden mit dem Finger Friktionen auf die bedruckte Rückseite
ausgeübt. Es wird geprüft, ob dabei der Druck verwischt wird oder Verfärbungen durch
Auswaschen einer Farbkomponente der Druckfarbe auftreten. Ein nach Entwicklerbad und
Friktion verwischter Druck ist entweder auf schlechte Haftung des Drucks auf der Rückseite
des fotografischen Materials oder auf geringe Abriebfestigkeit der rückseitigen Beschichtung
zurückzuführen. Letztere, also Beschädigungen durch Abrieb der rückseitigen Oberfläche
lassen sich bei Betrachtung im Gegenlicht erkennen.
[0016] Zur Überprüfung der Klebebandhaftung wird das Muster mit einem handelsüblichen Klebeband
(z.B. 3 M-Klebeband 8422) versehen und dieses mit einem definierten Gewicht (8 kg-Rolle)
fixiert. Anschließend wird das Muster in 1,5 cm breite Streifen geschnitten und das
Klebeband teilweise abgezogen. Die so präparierte Probe wird in einen Bruchlasttester
eingespannt, in dem das Klebeband von der Unterlage in einem Winkel von 180° mit einer
Geschwindigkeit von 20 cm/min abgezogen wird. Die zum Abziehen benötigte Kraft wird
gemessen. Da die Klebebandhaftung auch bei mechanischer Beanspruchung in Entwicklungslösungen
ausreichend sein muß, wird vor dem Abziehen des Klebebands ein Tropfen Wasser auf
die Grenze zwischen dem fotografischen Material und dem Klebeband gegeben.
[0017] Zur Prüfung der Schmutzaufnahmefähigkeit wird ein handelsüblicher Color-Entwickler
mit einer Füllhöhe von ca. 2 cm in eine offene Schale gefüllt und über eine Woche
an der Luft stehen gelassen. Nach dieser Zeit hat sich an der Oberfläche eine dunkle
Teerschicht aus Oxydationsprodukten gebildet. Diese teerartige Oberfläche wird mit
dem zu prüfenden Muster abgezogen. Anschließend wird das Muster unter fließendem Wasser
abgewaschen und an der Luft getrocknet. Das Ausmaß der Schmutzaufnahme läßt sich durch
die Verfärbung auf der Rückseite visuell gut beurteilen.
[0018] Die nachfolgende Tabelle 1 enthält beispielhaft Zusammensetzungen von Mischungen
für erfindungsgemäße antistatische Schichten. Die zugehörigen Prüfwerte sind in Tabelle
2 enthalten.

1. Trägermateial für fotografische Schichten mit antistatischem Rückseitenstrich,
dadurch gekennzeichnet, daß der Rückseitenstrich wenigstens die folgenden Komponenten
enthält:
a) Eine kolloidale aluminiummodifizierte Kieselsäure
b) Ein Alkalisalz einer organischen Polysäure
c) Eine wässrige Dispersion von Copolymeren von Acrylsäurealkylester mit einem Gehalt
an freien Carboxylgruppen von 1 - 10 Mol-% und an freien Hydroxylgruppen von 0 - 20
Mol-%
d) Ein trifunktionelles Aziridin als Vernetzungsmittel.
2. Fotografisches Trägermaterial nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß die
Summe der polaren Gruppen in c) 25 Mol-% nicht überschreitet.
3. Fotografisches Trägermaterial nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, daß
das Copolymer ein Terpolymeres aus Styrol, C₁-C₄-Alkylacrylat und 10 % Methacrylsäure
ist.
4. Fotografisches Trägermaterial nach einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet,
daß die antistatische Schicht zusätzlich ein Natriummagnesiumsilikat des Montmorillonittyps
enthält.
5. Fotografisches Trägermaterial nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß das
Alkalisalz einer organischen Polysäure ein Alkalisalz von Polystyrolsulfonsäure
oder Naphthalinsulfonsäure oder ein Alkalicellulosesulfat ist.
6. Fotografisches Trägermaterial nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß das
Trägermaterial ein polyolefinbeschichtetes Papier ist.
7. Fotografisches Trägermaterial nach einem der Ansprüche 1 bis 6, gekennzeichnet
durch folgende Mengenverhältnisse der Komponenten jeweils bezogen auf die trockene
Schicht:
kolloidale Kieselsäure: 23 - 70 Gew.%
Alkalisalz der Polysäure: 3 - 30 Gew.%
Polymer-Binder: 30 - 70 Gew.%
Montmorillonit: 0 - 30 Gew:%
Aziridin: 2 - 18 Gew.%
8. Verfahren zur Herstellung eines Trägermaterials für fotografische Schichten nach
einem der Ansprüche 1 bis 7, dadurch gekennzeichnet, daß man die Einzelkomponenten
in der Reihenfolge Lösungsmitttel-Gemisch, Montmorillonit, kolloidale, aluminiummodifizierte
Kieselsäure, Copolymerdispersion, Alkalisalz der organischen Polysäure, Aziridin
langsam unter Rühren vermischt, den gewünschten pH-Wert mit Ammoniaklösung einstellt,
die so erhaltene Gießlösung in der gewünschten Schichtdicke aufträgt und anschließend
trocknet.