[0001] Die Erfindung betrifft neue Klebemittel auf Basis von freie Isocyanatgruppen aufweisenden
Umsetzungsprodukten aus überschüssigen Mengen an organischen Polyisocyanaten und durch
Polymerisation bzw. Copolymerisation von olefinisch ungesättigten Monomeren modifizierten
organischen Polyhydroxylverbindungen und die Verwendung dieser Klebemittel zur Herstellung
von Verklebungen beliebiger Substrate.
[0002] Die Verwendung von Polyisocyanaten bzw. von Polyisocyanat-Zubereitungen, insbesondere
von Polyurethan-Prepolymeren, die freie Isocyanatgruppen enthalten, als Klebemitel
ist bereits seit langem bekannt und hat ebenfalls ihren Niederschlag in der Literatur
gefunden; M. Dollhausen, W. Warrach, Polyurethan Adhesives Technology, Adhesives Age,
June 1982, S. 28; R. Jordan, Polyurethane als Klebstoffe, Seifen, Öle, Fette, Wachse,
109 (1983), Nr. 11/12, S. 333-336; B. Kujawa-Penczek, P. Penczek, Polyurethan-Klebstoffe,
Fortschritte in den 80er Jahren, Adhäsion 28 (1984), Nr. 3, S. 7-12; B. Kujawa-Penczek,
P. Penczek, S. Osiecki, Adhäsion 28 (1984), Nr. 6, S. 30-32.
[0003] Wie jetzt überraschend gefunden wurde, stellen freie Isocyanatgruppen aufweisende
Prepolymere auf Basis von überschüssigen Mengen an organischen Polyisocyanaten und
bestimmten, nachstehend näher beschriebenen, mit Polymerisaten oder Copolymerisaten
von olefinisch ungesättigten Monomeren modifizierten Polyhydroxylverbindungen besonders
wertvolle Bindemittel für derartige Einkomponenten-Klebemittel dar, die insbesondere
die Herstellung von Verklebungen mit ausgezeichneten Scherfestigkeiten gestatten.
[0004] Gegenstand der Erfindung sind unter dem Einfluß von Luftfeuchtigkeit aushärtbare
Klebemittel, bestehend aus
a) einem 2,5 bis 25 Gew.-% an freien Isocyanatgruppen aufweisenden Umsetzungsprodukt
aus
a1) mindestens einem organischen Polyisocyanat und
a2) mindestens einem füllstoffhaltigen Polyol
und gegebenenfalls
b) und üblichen Hilfs- und Zusatzstoffen,
dadurch gekennzeichnet, daß die Komponente a2) eine Dispersion ist mit
1) einem Polyetherpolyol,
2) einem Polymerisat radikalisch polymerisierter olefinischer Monomerer,
3) einem Pfropfpolyether aus dem Polyetherpolyol mit darauf gepfropftem Polymerisat
aus radikalisch polymerisierten olefinischen Monomeren,
4) gegebenenfalls weiteren organischen Polyhydroxylverbindungen,
wobei die Dispersion durch Polymerisation der Monomeren im Polyetherpolyol erzeugt
wurde und
wobei der Anteil der polymerisierten olefinischen Monomere 1 - 50 Gew.%, vorzugsweise
2,5 - 50 Gew.-%, bezogen auf das Gesamtgewicht a2), beträgt.
[0005] Gegenstand der Erfindung ist auch die Verwendung dieser Klebemittel zur Herstellung
von Verklebungen beliebiger Substrate.
[0006] Es ist bereits bekannt, organische Polyisocyanate mit unterschüssigen Mengen an organischen
Polyhydroxylverbindungen, die zumindest zum Teil aus "Pfropfpolyethern" bestehen,
zu NCO-Prepolymeren umzusetzen. Unter "Pfropfpolyethern" sind hierbei solche Polyetherpolyole
zu verstehen, die durch radikalische Polymerisation bzw. Co polymerisation von olefinisch
ungesättigten Monomeren in dem Polyetherpolyol als Reaktionsmedium hergestellt worden
sind. Derartige NCO-Prepolymere sind beispielsweise in DE-A-3 519 693 oder US-A-3
383 351 beschrieben. Der vorveröffentlichten Literatur ist jedoch keinerlei Hinweis
zu entnehmen, daß derartige NCO-Prepolymere ganz ausgezeichnete Bindemittel für Einkomponenten-Klebemittel
darstellen, vielmehr wird in diesen Vorveröffentlichungen insbesondere die Herstellung
von Polyurethanschaumstoffen u.a. nach dem Prepolymerprinzip unter Verwendung der
genannten NCO-Prepolymeren in Betracht gezogen. Aus DE-A-2 638 759 und EP-A-8444 ist
bereits bekannt, wie füllstoffhaltige Polyole hergestellt werden. DE-A-2 638 759
beschreibt polyharnstoffhaltige Polyole, während in EP-A-008 444 Polyole mit Polymerisaten
olefinisch ungesättigter Verbindungen als Füllstoff beschrieben werden. Darüber hinaus
sind füllstoffhaltige Polyole bekannt aus Oertel, Kunststoffhandbuch, Nr. 7, Polyurethane,
1983, Carl-Hanser-Verlag München, Wien, S. 76.
[0007] Die den erfindungsgemäßen Klebemitteln zugrundeliegende Komponente a1) besteht aus
mindestens einem organischen Polyisocyanat, d.h. aus beliebigen Verbindungen bzw.
Gemischen von Verbindungen, die pro Molekül mindestens zwei organisch gebundene Isocyanatgruppen
aufweisen. Hierzu gehören sowohl niedermolekulare Polyisocyanate mit einem unter 400
liegenden Molekulargewicht als auch Modifizierungsprodukte derartiger niedermolekularer
Polyisocyanate, die nach an sich bekannten Verfahren des Standes der Technik aus niedermolekularen
Polyisocyanaten hergestellt werden können wie z.B. Isocyanurate, Biurete, Allophanate,
Carbodiimide und Uretdione.
[0008] Geeignete niedermolekulare Polyisocyanate sind beispielsweise solche der Formel
Q(NCO)
n
in der n = 2 bis 4, vorzugsweise 2,
und Q einen - aliphatischen Kohlenwasserstoffrest mit 2 bis 18, vorzugsweise 6 bis
10 C-Atomen,
- einen cycloaliphatischen Kohlenwasserstoffrest mit 4 bis 15, vorzugsweise 5
bis 10 C-Atomen,
- einen aromatischen Kohlenwasserstoffrest mit 6 bis 15, vorzugsweise 6 bis 13
C-Atomen,
- oder einen araliphatischen Kohlenwasserstoffrest mit 8 bis 15, vorzugsweise
8 bis 13 C-Atomen
bedeuten.
[0009] Geeignete derartige niedermolekulare Polyisocyanate sind z.B. Hexamethylendiisocyanat,
1,12-Dodecandiisocyanat, Cyclobutan-1,3-diisocyanat, Cyclohexan-1,3- und -1,4-diisocyanat
sowie beliebige Gemische dieser Isomeren, 1-Isocyanato-3,3,5-trimethyl-5-isocyanatomethylcyclohexan,
Hexahydro-1,3- und/oder -1,4-phenylendiisocyanat, Perhydro-2,4ʹ- und/oder -4,4ʹ-diphenylmethandiisocyanat,
1,3- und 1,4-Phenylendiisocyanat, 2,4- und 2,6-Tolylendiisocyanat sowie beliebige
Gemische dieser Isomeren, Diphenylmethan-2,4ʹ- und/oder 4,4ʹ-diisocyanat, Naphthylen-1,5-diisocyanat,
Triphenylmethan-4,4ʹ,4ʺ-triisocyanat oder Polyphenylpolymethylenpolyisocyanate, wie
sie durch Anilin-Formaldehyd-Kondensation und an schließende Phosgenierung erhalten
werden. Vorzugsweise werden die bekannten Polyisocyanate bzw. Polyisocyanatgemische
der Diphenylmethanreihe als Komponente a1) verwendet. Hierzu gehören sowohl 4,4ʹ-Diisocyanatodiphenylmethan
als auch dessen Gemische mit 2,4ʹ-Diisocyanatodiphenylmethan und gegebenenfalls untergeordneten
Mengen an 2,2ʹ-Diisocyanatodiphenylmethan als auch Abmischungen dieser Isomeren mit
ihren höheren Homologen, wie sie in an sich bekannter Weise durch Phosgenierung von
Anilin/Formaldehyd-Kondensaten zugänglich sind. Auch durch partielle Urethanisierung
der Isocyanatgruppen dieser Isocyanate modifizierte Polyisocyanate bzw. Polyisocyanatgemische
der Diphenylmethanreihe gehören zu den bevorzugten Ausgangskomponenten a1).
[0010] Bei der Komponente a2) handelt es sich um füllstoffhaltige Polyole mit Pfropfpolyethern,
bzw. um deren Abmischungen mit den üblichen Polyhydroxylverbindungen der Polyurethanchemie,
wie sie beispielsweise in US-PS 4 218 543, Kolonne 7, Zeile 29 bis Kolonne 9, Zeile
25 beispielhaft offenbart sind.
[0011] Bei den "Pfropfpolyethern" handelt es sich vorzugsweise um Polyetherpolyole, die
unmodifiziert ein aus der Funktionalität und dem Hydroxylgruppengehalt errechenbares
(mittleres) Molekulargewicht von 500 bis 9000, vorzugsweise 1000 bis 6000 aufweisen,
und die durch radikalische Polymerisation oder Copolymerisation von olefinisch ungesättigten
Monomeren in dem Polyetherpolyol als Reaktionsmedium modifiziert worden sind. Die
bei dieser Polymerisations-bzw. Copolymerisationsreaktion entstehenden Polymerisate
liegen in den Polyetherpolyolen zumindest teilweise in Form von echten Pfropfpolymerisaten
vor, wobei jedoch nicht ausgeschlossen werden kann, daß bei der Herstellung der "Pfropfpolyether"
durch radikalische Polymerisation bzw. Copolymerisation in situ auch Polymerisate
bzw. Copolymerisate entstehen, die in Abmischung mit der Polyetherkomponente vorliegen.
[0012] Die Herstellung der "Pfropfpolyether" kann beispielsweise gemäß EP-A-0008444 unter
Verwendung der dort genannten Polyetherpolyole und der dort genannten olefinisch
ungesättigten Monomeren erfolgen. Vorzugsweise werden auch erfindungsgemäß solche
"Pfropfpolyether" verwendet, die unter Verwendung von Acrylnitril oder von Gemischen
aus Acrylnitril und Styrol als olefinisch ungesättigte Monomere hergestellt worden
sind, wobei Acrylnitril und Styrol im Gewichtsverhältnis von 20:80 bis 100:0 zum Einsatz
gelangen.
[0013] Bei der Komponente a2) handelt es sich entweder um reine füllstoffhaltige Polyole
oder um deren Abmischungen mit Polyhydroxylverbindungen der aus der Polyurethanchemie
an sich bekannten Art, wie sie beispielsweise in dem oben zititerten US-Patent beispielhaft
offenbart sind. Als Abmischkomponenten eignen sich insbesondere jedoch auch einfache
mehrwertige Alkohole des Molekulargewichts 62 bis 599, vorzugsweise 62 bis 200, wie
z.B. Ethylenglykol, Trimethylolpropan, Propandiol-1,2 oder Butandiol-1,2 und/oder
höhermolekulare Polyether- und/oder Polyesterpolyole der aus der Polyurethanchemie
an sich bekannten Art mit Molekulargewichten von 600 bis 8000, vorzugsweise 800 bis
4000, die mindestens 2, in der Regel 2 bis 8, vorzugsweise 2 bis 4, primäre und/oder
sekundäre Hydroxylfunktionen aufweisen, deren Herstellung gemäß oder in Analogie
zu der in US-PS 4 218 543 gemachten Offenbarung erfolgt.
[0014] Wenn als Komponente a2) Abmischungen von "Pfropfpolyethern" mit unmodifizierten
Polyhydroxylverbindungen zum Einsatz gelangen, so können beliebige derartige Abmischungen
zum Einsatz gelangen, wobei lediglich darauf zu achten ist, daß in den Abmischungen
der Gehalt an Polymerisaten bzw. Copolymerisaten innerhalb der genannten Grenzen
liegt.
[0015] Die gegebenenfalls in den erfindungsgemäßen Klebemitteln vorliegenden Hilfs- und
Zusatzstoffe b) bestehen aus in der Polyurethanchemie an sich bekannten Substanzen.
Geeignete Komponente b) sind beispielsweise die aus der Klebstoff- und Lacktechnologie
bekannten Lösungsmittel wie z.B. Toluol, Xylol, Ethylacetat, Butylacetat, Methylethylketon,
Methylisobutylketon, Monoethyletheracetat oder beliebige Gemische derartiger Lösungsmittel.
[0016] Weitere Komponente b) sind beispielsweise Pigmente, Füllstoffe, auch anorganische
Füllstoffe wie z.B. Bariumsulfat, Calciumcarbonat, Quarz, Kreide, gefällte Kieselsäure,
Talkum, Zinkoxid und andere, Verlaufhilfsmittel oder oberflächenaktive Substanzen.
[0017] Zu den Komponenten b) gehören ebenfalls katalytisch wirksame Substanzen, die üblicherweise
in der Polyurethanchemie verwendet werden. Eine Literaturübersicht über die gebräuchlichen
Katalysatoren und deren Wirkungsweise geben: A. Farkas und C.A Mills, Advan. Catalysis,
13, 393 (1962); J.H. Saunders und K.C. Frisch, Polyurethanes Part I, Wiley-Interscience,
New York 1962; Chap. VI, L.P. Rumao, J. Macromol. Sci.- Revs. Macromol. Chem. 5/1,
103-150 (1970).
[0018] Besonders bevorzugte Katalysatoren sind die in DE-OS 3 326 566 beschriebenen Komplexe
bzw. Anlagerungsprodukte von Zinnverbindungen und p-Toluolsulfonylisocyanat, die
auch in situ in dem Prepolymeren aus ihren Einzelbestandteilen hergestellt werden
können.
[0019] Zur Herstellung der NCO-Prepolymeren a) werden die Einzelkomponenten a1) und a2)
unter Einhaltung eines NCO/OH-Äquivalentverhältnisses von ca. 1,5:1 bis 20:1, vorzugsweise
5:1 bis 15:1 bei ca. 30 bis 80°C liegenden Temperaturen miteinander zur Reaktion
gebracht. Es resultieren auf diese Weise NCO-Prepolymere mit einem NCO-Gehalt von
2,5 bis 25, vorzugsweise 6 bis 20 Gew.-% und einem (mittleren) Molekulargewicht von
ca. 400 bis 30 000, vorzugsweise 600 bis 20 000 und insbesondere 800 bis 10 000.
[0020] Aus den gemachten Angaben bezüglich des Äquivalentverhältnisses geht hervor, daß
im Rahmen der vorliegenden Erfindung unter "NCO-Prepolymeren" bzw. unter "Prepolymeren
mit endständigen Isocyanatgruppen" sowohl die Umsetzungsprodukte als solche, als
auch ihre Gemische mit überschüssigen Mengen an nicht umgesetzten Ausgangspolyisocyanat,
die oft auch als "Semiprepolymere" bezeichnet werden, zu verstehen sind.
[0021] Die so erhaltenen NCO-Prepolymeren stellen bereits ohne Zusatz von Hilfs- und Zusatzmitteln
b) erfindungsgemäße Klebemittel dar und können gewünschtenfalls durch Abmischung
mit Hilfs- und Zusatzmitteln b) der beispielhaft genannten Art weiter modifiziert
werden.
[0022] Die erfindungsgemäßen Klebemittel weisen bei Ausschluß von Feuchtigkeit eine sehr
gute Lagerstabilität auf und sind als verhältnismäßig niedrigviskose Substanzen gut
verarbeitbar. Die offene Zeit der Klebemittel bzw. die Trocknungsgeschwindigkeit der
unter Verwendung der Klebemittel hergestellten Klebeschichten können auf einfache
Weise durch Variation der Art und Menge der eingesetzten Katalysatoren den jeweiligen
Bedürfnissen angepaßt werden.
[0023] Die erfindungsgemäßen Klebemittel eignen sich zur Verklebung beliebiger Substrate.
Hier sind beispielsweise die Verklebung von Holz, Metallen, Textilien, Kunststoffen
der verschiedensten Art, insbesondere jedoch von Glasfaser-verstärkten Polyesterharzen
mit sich selbst, untereinander oder mit anderen Materialien zu nennen. Die unter Verwendung
der erfindungsgemäßen Klebemittel hergestellten Verklebungen zeichnen sich insbesondere
durch eine ausgezeichnete Scherfestigkeit aus.
[0024] Die erfindungsgemäßen Klebemittel eignen sich im übrigen auch als bzw. zur Herstellung
von lufttrocknenden Beschichtungsmitteln für beliebige Substrate, da aus den Klebemitteln
hergestellte, ausgehärtete Flächengebilde die Eigenschaften von hochwertigen Lacküberzügen
aufweisen.
[0025] Die Verarbeitung der erfindungsgemäßen Klebe- bzw. Beschichtungsmittel erfolgt nach
den üblichen Methoden der Klebstoff- bzw. Beschichtungstechnologie.
[0026] In den nachfolgenden Beispielen beziehen sich alle Prozentangaben auf Gewichtsprozente.
Beispiele
[0027] Im folgenden verwendete Abkürzungen:
Roh-MDI
[0028] 4,4ʹ-Diisocyanatodiphenylmethan im Gemisch mit seinen Isomeren und höheren Homologen,
wie sie durch Phosgenierung von Anilin-Formaldehyd-Kondensaten erhalten werden, NCO-Gehalt:
30,4 %, Viskosität η
25°C: 80 mPas.
DBTL
[0029] Dibutylzinndilaurat
TosNCO
[0030] p-Toluolsulfonylisocyanat
Füllstoffhaltiges Polyol 1
[0031] 400 g eines Polyols (auf Starter Trimethylolpropan gestartetes Polyoxypropylentriol,
das 17 Gew.-% an endständigen Polyoxyethylenblöcken enthält und einen Gehalt an primären
OH-Gruppen von mehr als 70 %, bezogen auf den Gesamthydroxylgehalt, sowie eine OH-Zahl
von 35 aufweist) werden in einer Apparatur bestehend aus einem Dreihalskolben mit
einem Tropftrichter, Rückflußkühler, Gaseinleitungsrohr und wirksamen Rührer vorgelegt
und unter Stickstoffatmosphäre auf 120°C erhitzt. Eine Mischung aus 400 g des gleichen
Polyols, 120 g Acrylnitril, 80 g Styrol und 1,2 g Azobisisobutyronitril (0,6 % bezogen
auf die Monomeren) wird durch den Tropftrichter innerhalb von 2,5 Stunden zugegeben;
dabei wird die Temperatur im Bereich von 120-130°C gehalten. Nach erfolgter Zugabe
wird das Reaktionsgemisch noch 2 Stunden gerührt und schließlich zur Entfernung der
Restmonomeren bei einem Vakuum von 14 Torr destilliert. Die Destillation lieferte
wenige Gramm Destillat, der Feststoffgehalt entspricht 20 %. Die Dispersion ist sehr
feinteilig und hat eine OH-Zahl von 28 mg KOH/g.
Füllstoffhaltiges Polyol 2
[0032] 800 g des Polyols aus Beispiel 1 werden zusammen mit 44,4 g Hydrazin-Monohydrat (99
%) bei Raumtemperatur in einer Apparatur bestehend aus einem Dreihalskolben mit einem
Tropftrichter, Rückflußkühler, Gaseinleitungsrohr und wirksamen Rührer bei Raumtemperatur
unter Stickstoffatmosphäre vorgelegt. Das Isocyanat (Toluylendiisocyanat, 2,4- zu
2,6-Isomerenverhältnis 4:1) wird langsam zugetropft; dabei wird die Temperatur durch
Kühlen mit einem Eisbad auf 25°C gehalten. Es entsteht durch intensives Rühren eine
sehr feinteilige Dispersion. Nach Ende der Zugabe wird im Wasserstrahlvakuum das Hydratwasser
bei 25 bis 50°C abdestilliert. Die fertige Dispersion besitzt einen Feststoffgehalt
von 20 % und eine OH-Zahl von 28 mg KOH/g.
Füllstoffhaltiges Polyol 3
[0033] Die Herstellung dieses füllstoffhaltiges Polyols erfolgt in Analogie zu Beispiel
1. Als Ausgangspolyol diente ein Polyetherpolyol der OH-Zahl 45 mg KOH/g, hergestellt
durch Propoxylierung von Trimethylolpropan, anschließende Alkoxylierung des Propoxylierungsprodukts
mit einem Gemisch aus gleichen Gewichtsteilen Ethylenoxid und Propylenoxid und schließlich
Reaktion des so erhaltenen Zwischenprodukts mit Propylenoxid (Gewichtsverhältnis
PO:(PO+EO):PO = 60:30:10). Als Monomeres wird ein Gemisch aus Styrol und Acrylnitril
im Gewichtsverhältnis 20:80 in einer solchen Menge eingesetzt, daß das resultierende
füllstoffhaltige Polyol einen Polymeranteil von 35 % aufweist. Die Hydroxylzahl des
füllstoffhaltigen Polyols liegt bei 28,5 mg KOH/g.
Polyether 1: Polypropylenglykol der OH-Zahl 56 mg KOH/g
Herstellung von erfindungsgemäßen Klebemitteln
Beispiel 1
[0034] 100 g Roh-MDI werden bei 60°C vorgelegt und dann 100 g des füllstoffhaltigen Polyols
1 so zugegeben, daß 65°C Reaktionstemperatur nicht überschritten werden. Nach 3 Stdn.
Reaktion ist ein Isocyanatgehalt von 14 % erreicht; die Viskosität bei 25°C liegt
bei 5208 mPas (Produkt klar).
[0035] Zur Katalyse werden 0,5 Tle. DBTL und 0,63 Tle. TosNCO zugegeben.
Beispiel 2 (Vergleich)
[0036] 100 g Roh-MDI werden bei 60°C vorgelegt und dann mit 100 g des füllstoffhaltigen
Polyols 2 so versetzt, daß 65°C Reaktionstemperatur nicht überschritten werden.
[0037] Nach 2 h 10 Min. Reaktion ist ein Isocyanatgehalt von 13,2 % erreicht, die Viskosität
liegt bei 12 608 mPas (25°C) (Produkt milchig-trüb).
[0038] Zur Katalyse werden 0,5 Tle. DBTL und 0,63 Tle. TosNCO zugegeben.
Beispiel 3 (Vergleich)
[0039] 100 g Roh-MDI werden bei 60°C vorgelegt und dann mit 100 g füllstoffhaltigem Polyol
1 so versetzt, daß 65°C Reaktionstemperatur nicht überschritten werden. Nach 2 1/2
Stdn. ist ein Isocyanatgehalt von 13,4 % erreicht, die Viskosität liegt bei 7500 mPas
(25°C).
[0040] Zur Katalyse werden 0,5 Tle. DBTL und 0,63 Tle. TosNCO zugegeben.
Beispiel 4
[0041] 125 g Roh-MDI werden bei 60°C vorgelegt und dann mit einem Gemisch aus 100 g des
füllstoffhaltigen Polyols 1 und 50 g des Polyethers 1 so versetzt, daß 65°C Reaktionstemperatur
nicht überschritten werden. Nach 3 h 40 Min. ist ein Isocyanatgehalt von 12,2 % erreicht;
die Viskosität liegt bei 6456 mPas (25°C).
[0042] Zur Katalyse werden 0,5 Tle. DBTL und 0,63 Tle. TosNCO zugegeben.
Beispiel 5 (Vergleich)
[0043] 125 g Roh-DMI werden bei 60°C vorgelegt und dann mit einem Gemisch aus 100 g des
füllstoffhaltigen Polyols 2 und 50 g des Polyethers 1 so versetzt, daß 65°C Reaktionstemperatur
nicht überschritten werden. Nach 3 h 40 Min. ist ein Isocyanatgehalt von 12,1 % erreicht;
die Viskosität liegt bei 13 433 mPas (25°C).
[0044] Zur Katalyse werden 0,5 Tle. DBTL und 0,63 Tle. TosNCO zugegeben.
Beispiel 6
[0045] 80 g Roh-MDI werden bei 60°C vorgelegt und dann mit einem Gemisch aus 41,8 g des
füllstoffhaltigen Polyols 3 und 41,7 g des Polyethers 1 so versetzt, daß 65°C Reaktionstemperatur
nicht überschritten werden. Nach 5 h 20 Min. est ein Isocyanatgehalt von 13,6 % erreicht;
die Viskosität liegt bei 6248 mPas (25°C).
[0046] Zur Katalyse werden 0,5 Tle. DBTL und 0,63 Tle. TosNCO zugegeben.
Erfindungsgemäße Verwendung
Beispiel 7
[0047] Unter Verwendung der Klebemittel der Beispiele 1 bis 6 werden Verklebungen von Prüfkörpern
aus Glasfaser-verstärktem Polyesterharz (30 % Glasgehalt) hergestellt. Die Prüfkörper
der Abmessung 2 x 4 x 0,3 cm werden mit Glaspapier leicht angerauht und während ca.
2 Sekunden über kochendes Wasser gehalten, damit die für die Reaktion benötigte Feuchtigkeit
an der Oberfläche kondensieren kann. (Diese Maßnahme dient lediglich der Gewährleistung
völlig vergleichbarer Prüfbedingungen; unter normalen Umständen reicht die aufgrund
der Luftfeuchtigkeit an den Substraten haftende Wassermenge für die Aushärtung völlig
aus). Nach dem Auftragen der Klebstoffe mittels eines Pinsels in einer Schichtdicke
von 0,15 mm auf die Oberfläche eines der miteinander zu verklebenden Prüfkörper werden
diese so zusammengelegt, daß eine überlappte Fläche von 2 cm² vorliegt. Anschließend
werden die Prüfkörper mit einem Druck von 0,3 MP zusammengepreßt. Die Scherfestigkeit
(DIN 53 282) wird mit einem Spindelvorschub von 100 mm/Min. nach 1 h, 3 h und 24 h
ermittelt.
[0048] Die Filmtrocknungszeiten und Scherfestigkeiten sind in der nachstehenden Tabelle
zusammengefaßt.

1. Unter dem Einfluß von Luftfeuchtigkeit aushärtbare Klebemittel, bestehend aus
a) einem 2,5 bis 25 Gew.-% an freien Isocyanatgruppen aufweisenden Umsetzungsprodukt
aus
a1) mindestens einem organischen Polyisocyanat
und
a2) mindestens einem füllstoffhaltigen Polyol,
und gegebenenfalls
b) den üblichen Hilfs- und Zusatzstoffen,
dadurch gekennzeichnet, daß die Komponente a2) eine Dispersion ist mit
1) einem Polyetherpolyol,
2) einem Polymerisat radikalisch polymerisierter olefinischer Monomerer,
3) einem Pfropfpolyether aus dem Polyetherpolyol mit darauf gepfropftem Polymerisat
aus radikalisch polymerisierten olefinischen Monomeren,
4) gegebenenfalls weiteren organischen Polyhydroxylverbindungen,
wobei die Dispersion durch Polymerisation der Monomeren im Polyetherpolyol erzeugt
wurde und
wobei der Anteil der polymerisierten olefinischen Monomere 1 - 50 Gew.%, bezogen auf
das Gesamtgewicht a2), beträgt.
2. Klebemittel nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß das Polyisocyanat a1)
folgender Formel entspricht
Q(NCO)n
in der n = 2 bis 4,
und Q einen - aliphatischen Kohlenwasserstoffrest mit 2 bis 18 C-Atomen,
- einen cycloaliphatischen Kohlenwasserstoffrest mit 4 bis 15 C-Atomen,
- einen aromatischen Kohlenwasserstoffrest mit 6 bis 15 C-Atomen,
- oder einen araliphatischen Kohlenwasserstoffrest mit 8 bis 15 C-Atomen
bedeuten.
3. Klebemittel nach wenigstens einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet,
daß das Polyetherpolyol ein aus der Funktionalität und dem Hydroxylgruppengehalt berechenbares
(mittleres) Molekulargewicht von 500 bis 9000 aufweist.
4. Klebemittel nach wenigstens einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet,
daß die in a2) gegebenenfalls vorhandene weitere organische Polyhydroxylverbindung
ein einfacher mehrwertiger Alkohol des Molekulargewichts 62 bis 599 ist.
5. Klebemittel nach wenigstens einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet,
daß als Hilfs- und Zusatzstoff ein aus der Klebstoff- und Lacktechnologie bekanntes
Lösungsmittel enthalten ist.
6. Klebemittel nach wenigstens einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet,
daß die in der Komponente a2) vorliegenden Polymerisate bzw. Copolymerisate zu 20
bis 100 Gew.-% aus polymerisiertem bzw. copolymerisiertem Acrylnitril und zum Rest
aus, zusammen mit dem Acrylnitril copolymerisiertem Styrol bestehen.
7. Klebemittel zum Verkleben beliebiger Substrate mit Hilfe eines Klebemittels, dadurch
gekennzeichnet, daß als Klebemittel wenigstens eines gemäß der vorhergehenden Ansprüche
verwendet wird.