[0001] Die vorliegende Erfindung betrifft eine Vakuumschaltröhre gemäß dem Oberbegriff des
Patentanspruchs 1. Eine derartige Vakuumschaltröhre ist beispielsweise aus der DE-AS
26 59 871 bekannt. Dort sind als Lötmaterial verschiedene Lote mit Schmelzpunkten
zwischen 605°C und 960°C mit ihrer Eignung zum Löten verschiedener Materialien von
Vakuumschaltröhren angegeben. Dabei ist als "niedriger" Schmelzpunkt ein Schmelzpunkt
zwischen 605°C und 835°C aufgeführt.
[0002] Die Aufgabe, die der vorliegenden Erfindung zugrundeliegt, besteht in einer kostengünstigen
und für eine Serienfertigung besonders geeigneten Ausführungsform einer Vakuumschaltröhre.
Diese Aufgabe wird bei einer Vakuumschaltröhre gemäß dem Oberbegriff durch die kennzeichnenden
Merkmale des Anspruchs 1 gelöst.
[0003] Gemäß einer Erkenntnis, die unserer Erfindung zugrundeliegt, lassen sich Weichlote
mit einem unter 400°C liegenden Schmelzpunkt auch für Vakuumschaltröhren einsetzen,
ohne daß die Schaltleistung oder die Lebensdauer unzulässig herabgesetzt wird. Insbesondere
in Schützröhren für Mittel- oder Niederspannung läßt sich eine Weichlötung vorteilhaft
einsetzen. Die Erfindung ermöglicht einen besonders wirtschaftlich herstellbaren
Aufbau von pumpstengellosen Vakuumschaltröhren. Durch die Weichlötung wird die Temperaturbelastung
des Gehäuses herabgesetzt, mechanische Spannungen, die beim Erkalten nach der Lötung
entstehen, werden gering gehalten. Dadurch wird der Einsatz von thermisch nicht angepaßten
Materialien ermöglicht, ohne daß Dichtheitsprobleme auftreten. So ist eine erhebliche
Kostenreduzierung möglich.
[0004] Das Weichlot soll dabei einen Schmelzpunkt von höchstens etwa 300°C besitzen. Insbesondere
eignet sich ein hochreines Zinnlot, da dieses einen sehr geringen Dampfdruck bei 300°C
besitzt oder ein Weichlot aus Sn₅₀PbCu, dessen Dampfdruck bei 300°C unter 10⁻¹³bar
liegt. Mit diesen Loten läßt sich eine Bedampfung von isolierenden Gehäuseteilen
vermeiden und somit eine sehr hohe Isolation der fertigen Röhre gewährleisten.
[0005] Das Weichlot eignet sich auch für Metall-Keramik-Verbindungen. Dabei sind die Lötflächen
auf der Keramik vorteilhaft metallisiert.
[0006] Bei einer Weichlotverbindung braucht der thermische Längenausdehnungskoeffizient
der Metallteile nicht an den der Isolierstoffteile angepaßt zu sein. Vielmehr läßt
sich das Weichlot soweit plastisch verformen, daß unterschiedliche Temperaturausdehnungskoeffizienten
ausgeglichen werden. So können z.B. unschwierig Kupferteile mit Keramikteilen weichverlötet
werden, wobei sowohl eine Stumpflötung als auch eine flächige Verlötung mit der Stirnseite
der Keramik möglich ist. Erfindungsgemäß verlötete Vakuumschaltröhren werden vorteilhaft
ohne Pumpstengel ausgeführt. Der gegen mechanische Beanspruchung sehr empfindliche
Pumpstengel wird dabei eine unempfindliche Weichlötstelle ersetzt. Dies vereinfacht
den Aufbau der Vakuumschaltröhre und ihre Handhabung ganz erheblich und reduziert
die Gefahr von Beschädigungen bei der Handhabung der Röhre.
[0007] Die Festigkeit der Weichlötung reicht auch zum Verlöten des gesamten Gehäuses von
Vakuumschaltröhren aus. Dies führt insbesondere bei den relativ billigen Schützröhren
zu einer erheblichen Kostenersparnis.
[0008] Zur Herstellung von erfindungsgemäßen Vakuumschaltröhren ist ein Verfahren vorteilhaft,
bei dem die Weichlötung oxid- und flußmittelfrei im Vakuum erfolgt und bei dem die
Löttemperatur unter 400°C liegt und die Schmelztemperatur des Lotes um nicht mehr
als 100°C kleiner ist als die Löttemperatur und bei dem beim Lötvorgang ein Druck
von weniger als 10⁻⁶bar herrscht. Bei diesem Verfahren wird eine einwandfreie Lötung
erreicht und ein störendes Abdampfen von Lotmetall unterbunden.
[0009] Um störende Oxidschichten auf dem Lot zu vermeiden, wird vorteilhaft versilbertes
Lot, beispielsweise versilbertes Zinnlot verwendet. Außerdem ist es vorteilhaft, die
Lötflächen und das Lot unmittelbar vor der Lötung von Oxiden zu befreien.
[0010] Das Verfahren wird vorteilhaft weitergebildet, indem das Weichlot in Form eines
gewellten Ringes auf die vorgefertigte Vakuumschaltröhre aufgelegt und auf diesen
Lotring ein Deckel aufgelegt wird und indem mehrere Vakuumschaltröhren in einem Arbeitsgang
evakuiert und im Vakuum dicht verlötet werden. Für hohe Anforderungen empfiehlt es
sich, daß die Kupferteile vor dem Weichlöten versilbert werden. Eine dauerhafte und
sichere Verbindung mit Keramikteilen wird erreicht, indem die Keramikteile vor dem
Weichlöten metallisiert werden.
[0011] Bei erfindungsgemäßen Röhren reicht es aus, daß die Schaltröhren bei nur etwa 200°C
bis 250°C ausgeheizt werden und daß im selben Arbeitsgang die Weichlötung hergestellt
wird.
[0012] Die Erfindung wird nun anhand von acht Figuren näher erläutert. Sie ist nicht auf
die in den Figuren gezeigten Beispiele beschränkt.
Die Figuren 1 bis 5 zeigen Ausführungsformen mit einem Metalldeckel, der auf eine
Gehäuseöffnung aufgelötet ist.
Die Figuren 6 bis 8 zeigen Beispiele für Lötverbindungen zwischen Metallteilen und
Isolierstoffteilen des Gehäuses.
[0013] Die Figur 1 zeigt eine Vakuumschaltröhre 1 schematisch. Die Kontaktbolzen 2 und/oder
3 können beim Schaltvorgang in Pfeilrichtung bewegt werden. Ein Metalldeckel 4 ist
auf eine Öffnung 5 im Gehäuse aufgelötet. Der Metalldeckel 4 ist mechanisch nur wenig
belastet, diese Ausführungsform eignet sich unter anderem auch für mechanisch stark
beanspruchte Vakuumschaltröhren. Der Dekkel 4 kann dabei ein einfacher Lötpfropfen
in einer Öffnung sein. Für größer Schaltröhren weist er vorteilhaft die Gestaltung
der Figur 2 auf. Dabei ist das Lot 6 vorteilhaft in Form eines gewellten Lotringes
7 eingebracht (Fig. 3). Dadurch bleibt beim Evakuierungsvorgang ein Spalt zum Innenraum
der Röhre erhalten, die Röhre kann einwandfrei evakuiert werden. Anstelle des gewellten,
vorteilhaft aus einer Folie gebildeten Lotringes 7 kann auch ein anderer Lotring verwendet
werden, sofern er einen ausreichenden Querschnitt zwischen dem Innenraum 8 der Schaltröhre
und der Umgebung freiläßt. Zum Beispiel kann ein Lotring 9 gemäß Figur 5 eingesetzt
werden, welcher einen Ringsektor darstellt. Gemäß Figur 4 ist der Lotring in einer
Bohrung 10 des Kontaktbolzens 11 untergebracht, die durch schmalere Bohrungen 12
und 13 mit dem Innenraum 8 der Röhre in Verbindung stehen. Diese Ausführungsform
ist insbesondere bei kleinen Röhrentypen vorteilhaft, bei denen außerhalb des Kontaktbolzens
11 keine ausreichenden Flächen für die Anbringung eines Deckels vorhanden sind.
[0014] Gemäß Figur 6 ist auf ein Keramikteil 14 des Gehäuses eine Metallkappe 15 stumpf
aufgelötet. Die Lötverbindung 16 ist mittels Weichlot hergestellt. Ebenso die Lötverbindung
17 zum festen Kontaktbolzen 11.
[0015] Die Lötverbindung 16 kann gemäß Figur 7 als V-Weichlötung ausgeführt sein. Anstelle
der Stumpflötung gemäß Figur 6 kann auch eine Flachlötung gemäß Figur 8 eingesetzt
werden, wobei wieder V-förmige Weichlotnähte 19 eingesetzt werden können, die den
Flansch 18 mit der Stirnfläche des Keramikteiles 14 verbindet. Die Verbindung erfolgt
vorteilhaft über eine Metallschicht 20, die vorher auf die Stirnfläche 21 des Keramikteiles
aufgebracht ist.
[0016] Für die Ausführungsformen die Figuren 1 bis 5 ist vorteilhaft das Gehäuse der Vakuumschaltröhre
bereits vorgefertigt. Dabei kann das Gehäuse mittels üblicher Hartlotverbindungen
hergestellt sein. Das Ausheizen und das Löten kann dann an einer ganzen Serie von
Vakuumschaltröhren gleichzeitig im selben Vakuum erfolgen, ohne daß hierfür besondere
Einrichtungen nötig wären. Bei dieser Ausführungsform empfiehlt sich ein Druck von
weniger als 10⁻⁷bar für eine Weichlötung bei 300°C.
[0017] Als Material für die Metallteile eignet sich insbesonder Kupfer, als Isolierstoff
eine Keramik, die zumindest 80% Al₂O₃ enthält. Diese Keramik wird vorzugsweise im
Bereich der Lötflächen metallisiert. Vorteilhaft wird das Kupfer versilbert, um störende
Oxide zu vermeiden.
[0018] Auch Glas oder Porzellan können als Isolierstoffe in erfindungsgemäßen Aufbauformen
eingesetzt werden.
1. Vakuumschaltröhre, in der das Gehäuse aus elektrisch nicht leitenden Teilen und
aus Metallteilen zusammengesetzt ist, dadurch gekennzeichnet, daß zumindest ein Teil der Vakuumschaltröhre, welches den Innenraum der Röhre von
der Umgebung trennt, mittels eines Weichlotes, dessen Schmelzpunkt unter 400°C liegt,
vakuumdicht verlötet ist.
2. Vakuumschaltröhre nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß das Weichlot einen Schmelzpunkt von höchstens etwa 300°C besitzt.
3. Vakuumschaltröhre nach Anspruch 2, dadurch gekennzeichnet, daß das Weichlot ein hochreines Zinnlot ist.
4. Vakuumschaltröhre nach einem der Ansprüche 1 bis 2, dadurch gekennzeichnet, daß das Weichlot ein Sn₅₀PbCu-Lot ist, dessen Dampfdruck bei 300°C kleiner ist als
10⁻¹³bar.
5. Vakuumschaltröhre nach einem der Ansprüche 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, daß das Gehäuse bereits in an sich bekannter Weise vorgefertigt ist, daß eine Gehäuseöffnung
vorgesehen ist, die durch einen Deckel verschlossen ist und daß dieser Deckel mittels
Weichlot aufgelötet ist.
6. Vakuumschaltröhre nach einem der Ansprüche 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, daß sie Metall-Keramik-Verbindungen enthält, die mittels Weichlot hergestellt sind.
7. Vakuumschaltröhre nach einem der Ansprüche 1 bis 6, dadurch gekennzeichnet, daß die Temperaturkoeffizienten des Metallteils und des mit ihm verlöteten Isolierstoffteils
nicht aneinander angepaßt sind.
8. Vakuumschaltröhre nach einem der Ansprüche 1 bis 7, dadurch gekennzeichnet, daß sie keinen Pumpstengel enthält.
9. Verfahren zur Herstellung einer Vakuumschaltröhre nach einem der Ansprüche 1 bis
8, dadurch gekennzeichnet, daß die Weichlötung oxid- und flußmittelfrei im Vakuum erfolgt, daß die Löttemperatur
unter 400°C liegt, daß die Schmelztemperatur des Lotes um nicht mehr als 100°C kleiner
ist als die Löttemperatur und daß beim Lötvorgang ein Druck von weniger als 10⁻⁶bar
herrscht.
10. Verfahren nach Anspruch 9, dadurch gekennzeichnet, daß versilbertes Lot verwendet wird.
11. Verfahren nach einem der Ansprüche 9 bis 10, dadurch gekennzeichnet, daß die Lötflächen und das Lot unmittelbar vor der Lötung von Oxiden befreit werden.
12. Verfahren nach einem der Ansprüche 9 bis 11, dadurch gekennzeichnet, daß das Weichlot in Form eines gewellten Ringes auf die vorgefertigte Vakuumschaltröhre
und darauf der Deckel aufgelegt wird und daß mehre Vakuumschaltröhren in einem Arbeitsgang
evakuiert und im Vakuum dicht verlötet werden.
13. Verfahren nach einem der Ansprüche 9 bis 12, dadurch gekennzeichnet, daß Kupferteile vor dem Weichlöten versilbert werden.
14. Verfahren nach einem der Ansprüche 9 bis 13, dadurch gekennzeichnet, daß das Keramikteil vor dem Weichlöten metallisiert wird.
15. Verfahren nach einem der Ansprüche 9 bis 14, dadurch gekennzeichnet, daß die Schaltröhre bei nur etwa 200°C bis 250°C ausgeheizt wird und daß im selben
Arbeitsgang die Weichlötung hergestellt wird.