[0001] Die Erfindung betrifft einen Schuhboden, insbesondere für Sportschuhe, mit den Merkmalen
gemäß dem Oberbegriff des Anspruches 1.
[0002] Aus der Biomechanik ist es bekannt, daß bei der natürlichen Abrollbewegung des Fusses
zwischen dem Vorfuß und der Ferse etwa im Bereich der Keilbeine, d.h. über dem Gelenk
des Schuhbodens, eine Verdrehung um eine etwa in Fußlängsrichtung verlaufende Achse
stattfindet. Um dieser Verdrehung Rechnung zu tragen, ist es bekannt, im Gelenk des
Schuhbodens gezielt Schwachstellen anzubringen, die eine Verdrehbarkeit des Vordersohlenbereiches
gegenüber dem Hintersohlenbereich um eine etwa in Schuhlängsrichtung verlaufende
Achse ermöglichen (DE-PS 804 901). Solche Schwachstellen können durch eine Verringerung
der Schuhboden- oder Sohlendicke im Gelenkbereich erzielt sein, wobei zweckmässigerweise
ein etwa in Schuhlängsrichtung verlaufender zentraler Steg verbleibt (DE-AS 14 85
804), oder es können vom Seitenrand des Schuhbodens her einspringende Ausnehmungen
vorgesehen sein, die durch ein weniger steifes Füllmaterial ausgefüllt sind (DE-PS
943 996).
[0003] Die die Torsionssteifigkeit herabsetzenden Schwachstellen im Gelenk des Schuhbodens
führen zwangsläufig auch zu einer Herabsetzung der Biegesteifigkeit des Schuhbodens
um eine querverlaufende Achse. Dies ist nach der vorstehend angegebenen Lehre auch
erwünscht, wobei lediglich vorgeschlagen wurde, durch eine Keillangsohle das Durchtreten
des Schuhbodens im Gelenkbereich von Schuhen mit Absatz zu verhindern (vgl. DE-GBM
17 19 678), indem hierdurch dem Fuß auch im Gelenkbereich eine feste Auftrittsfläche
geboten wird. Insbesondere bei Sportschuhen hat sich jedoch gezeigt, daß die prinzipiell
erwünschte Verdreh- oder Verwringbarkeit von Vordersohle gegenüber Hintersohle zu
einer unzureichenden Führung und Halterung des Fusses führt, wenn der Schuhboden
im Gelenkbereich nicht nur torsionsnachgiebig, sondern auch biegeweich ist, weil
hierdurch der Fuß im Bereich der Mittelfußgelenke zuviel Bewegungsfreiheit hat. Das
macht sich als Mangel an seitlicher Stabilität insbesondere dann bemerkbar, wenn der
Läufer mit dem Fuß auf Bahnunebenheiten tritt, was beim Wandern, bei Waldläufen,
beim Jogging und dgl. in der Regel unvermeidbar ist.
[0004] Der Erfindung liegt daher die Aufgabe zugrunde, einen Schuhboden der eingangs beschriebenen
Art zu schaffen, der ohne Beeinträchtigung der erwünschten torsionsmässigen Entkoppelung
zwischen Vorder- und Hintersohle eine bessere Führung und Halterung des Fusses gewährleistet.
[0005] Erfindungsgemäß wird dies erreicht durch die Ausgestaltung gemäß dem Kennzeichen
des Anspruches 1.
[0006] Erfindungsgemäß ist somit das Gelenk des Schuhbodens gegen eine Biegung um eine quer
zur Schuhlängsrichtung verlaufende Achse durch Versteifungsmittel versteift, wobei
die erhöhte Widerstandsfähigkeit gegen Biegung vor allem eine solche Biegung betrifft,
die sich als Krümmung des Schuhbodens konvex nach unten, d.h. zur Laufseite hin, auswirkt.
[0007] Mit besonderem Vorteil wird als Versteifungsmittel ein zugfestes Element eingesetzt,
das in Schuhlängsrichtung verlaufend im Schuhboden nahe an dessen Laufseite verankert
ist. Dieses zugfeste Element braucht selbst keinerlei Biegesteifigkeit zu haben,
da die Versteifung des Schuhbodens aufgrund der fehlenden oder nur sehr geringen Dehnbarkeit
des zugfesten Elements und dessen Anordnung unterhalb der "neutralen Biegefaser" des
Schuhbodens erzielt wird. Das hat den bedeutsamen Vorteil, daß das zugfeste Element,
das beispielsweise bandartig ausgebildet ist, keinerlei eigene Torsionssteifigkeit
hat und daher die erwünschte Verdrehbarkeit der Vordersohle gegenüber der Hintersohle
in keiner Weise beeinträchtigt. Die Biegesteifigkeit des Schuhbodens im Gelenk kann
deshalb durch Verwendung eines solchen Zugmittels in weiten Grenzen gesteuert werden,
ohne daß hierdurch die Torsionssteifigkeit des Schuhbodens im Gelenk beeinflusst
wird. Ein weiterer wesentlicher Vorteil besteht darin, daß im Vergleich zu Versteifungsmitteln,
die eine eigene Biegesteifigkeit besitzen (z.B. Stahlgelenkfedern od.dgl.) die Versteifung
durch das Zugmittel erheblich leichter gehalten werden kann, was für Sportschuhe von
Bedeutung ist. Denn es stehen zugfeste und nahezu undehnbare Materialien hoher Festigkeit
und sehr geringen Gewichts zur Verfügung, z.b. Metalldrähte, Kohle- und Glasfasern,
Kunststoffdrähte und bandartige Elemente, die aus solchen hergestellt sind.
[0008] In einer besonderen Ausgestaltung der Erfindung ist in bekannter Weise vorgesehen,
daß die die Torsionssteifigkeit herabsetzenden Schwachstellen im Gelenk des Schuhbodens
vom Rand her quer oder schräg (nach vorne oder hinten) einspringende Ausnehmungen
sind, die sich bis zu einem in Schuhlängsrichtung verlaufenden Steg des Schuhbodens
erstrecken. Der Steg verläuft zweckmässigerweise etwa mittig zwischen den seitlichen
Schuhbodenrändern. Bei dieser Ausgestaltung ist vorgesehen, daß das zugfeste Element
längs dieses Steges verläuft. Dabei kann es - bei der üblichen Herstellung des Schuhbodens
aus Kunststoff - in den Steg nahe an dessen Unterseite eingebettet sein. Möglich
ist aber auch die Anordnung des zugfesten Elements längs der freien Unterfläche des
Steges, wobei durch eine auf der Vordersohle und der Hintersohle befestigte Verschleißsohle
dafür gesorgt ist, daß das zugfeste Element nicht direkt in Bodenkontakt kommt. Auf
diese Weise ist das zugfeste Element sehr nahe an der Laufseite des Schuhbodens angeordnet.
[0009] Das Versteifungsmittel, auch wenn es durch das vorstehend besprochene zugfeste Element
gebildet ist, kann auf seiner ganzen Länge im Schuhboden eingebettet sein, so daß
es auf seiner ganzen Länge in der Lage ist, versteifend wirkende Kräfte zu übertragen.
Dies ist jedoch nicht zwingend, da es sowohl bei biegesteifen als auch nur zugfesten
Versteifungsmitteln im wesentlichen darauf ankommt, deren beide Enden ausreichend
fest im Schuhboden zu fixieren. Aus diesem Grund sind zweckmässigerweise an den
Enden des Versteifungsmittels Verankerungseinsätze vorgesehen, die im Schuhboden
befestigt, z.B. direkt eingebettet sind. Diese Verankerungseinsätze sind so ausgelegt,
daß sie sich einer Verlagerung in Schuhlängsrichtung, entsprechend den auf sie beim
Abrollen des Schuhbodens einwirkenden Kräften, widersetzen können.
[0010] Ein Ausführungsbeispiel der vorliegenden Erfindung ist nachfolgend anhand der beiliegenden
Zeichnungen näher erläutert. In den Zeichnungen zeigen:
Fig. 1 eine Untenansicht einer Laufsohle nach der Erfindung, teilweise aufgebrochen;
Fig. 2 eine Seitenansicht der Laufsohle nach Fig. 1, teilweise geschnitten längs der
Linie II-II in Fig. 1, und
Fig. 3 eine Teil-Seitenansicht der Laufsohle gemäß Fig. 1, gesehen in Richtung des
Pfeiles III.
[0011] Die in den Zeichnungen dargestellte Laufsohle, die zusammen mit einer nicht dargestellten
Brandsohle einen Schuhboden bildet, besteht im wesentlichen aus einer Zwischensohle
1 aus geschäumtem Kunststoff, z.b. Polyurethan,und einer laufseitig angeordneten
Verschleißsohle 2, die profiliert sein kann. Die Laufsohle ist im Gelenk 5 in einen
Vordersohlenbereich 3 und einen Hintersohlenbereich 4 unterteilt. Die Unterteilung
ist erzielt durch zwei vom Sohlenaußenrand bzw. Sohleninnenrand schräg nach vorne
und innen einspringende Ausnehmungen 6, 7, die - wie aus Fig. 3 hervorgeht - den
Schuhboden mehr als zur Hälfte seiner Höhe durchsetzen. Zwischen den einander zugewendeten
Enden der Ausnehmungen 6 und 7 ist die Zwischensohle 1 in ihrer Dicke unverändert
belassen, so daß dadurch ein etwa mittig in Sohlenlängsrichtung verlaufender Steg
8 geschaffen ist. Durch die Ausnehmungen 6, 7 wird der Vordersohlenbereich 3 gegenüber
dem Hintersohlenbereich 4 torsionsmässig "entkoppelt", d.h. der Vordersohlenbereich
3 kann um eine etwa längs des Steges 8 verlaufende Achse sich gegenüber dem Hintersohlenbereich
4 verdrehen, was der natürlichen Fußbewegung beim Abrollvorgang entspricht und diesen
daher fördert.
[0012] In die Zwischensohle 1 ist ein im Ganzen mit 9 bezeichnetes Versteifungselement eingebettet.
Das Versteifungselement 9 besteht aus zugfesten und dehnungsarmen Kunststoffdrähten
91 (z.B. aus Nylon), die parallel nebeneinander zu einer ebenen Bahn vereinigt sind,
sowie aus an den Enden der Kunststoffdrähte 91 befestigten Verankerungseinsätzen 92
und 93. Die Kunststoffdrähte 91, die beispielsweise einen Durchmesser von 1,5 mm aufweisen,
sind mit den zweckmässigerweise ebenfalls aus Kunststoff hergestellten Verankerungseinsätzen
92, 93 fest verbunden, beispielsweise durch direktes Einbetten in diese. Die Kunststoffdrähte
91 können miteinander auf ihrer Länge ebenfalls verbunden sein. Die Verankerungseinsätze
92, 93 sind plattenförmig (vgl. Fig. 2) und weisen seitliche Flügel 94 auf. In den
Verankerungseinsätzen 92, 93 sind Durchbrüche 95 vorgesehen, durch welche das Material
der Zwischensohle 1 beim Gieß- oder Formvorgang hindurchtreten und die Verankerungseinsätze
einbetten kann.
[0013] Wie aus Fig. 2 hervorgeht, liegt die Unterseite des Steges 8, längs der sich die
Kunststoffdrähte 91 erstrecken, oberhalb der Laufseite der Verschleißsohle 2. In dem
gezeigten Ausführungsbeispiel weist die Verschleißsohle in beiden Abschnitten, nämlich
im Vordersohlenbereich 3 und im Hintersohlenbereich 4, eine Unterbrechung 10 auf,
in der die Kunststoffdrähte 91 freiliegen. Hierdurch wird die Behinderung einer Verwölbung
des durch die Kunststoffdrähte 91 gebildeten Bandes bei einer Torsion des Vordersohlenbereiches
3 gegenüber dem Hintersohlenbereich 4 vermieden. Die Ausnehmung 10 ist jedoch nicht
erforderlich; es ist durchaus möglich, mittels der Verschleißsohle 2 das Versteifungselement
9 und insbesondere die Kunststoffdrähte 91 völlig zu bedecken, um diese vor Beschädigungen
zu schützen.
[0014] Aus der vorstehenden Erläuterung ergibt sich, daß die Biegesteifigkeit der Laufsohle
um eine senkrecht zu dem Steg 8 verlaufende Querachse durch die Widerstandsfähigkeit
gegen Zugdehnung des Versteifungselementes 9 gesteuert werden kann. Soll die Biegesteifigkeit
erhöht werden, so kann daran gedacht werden, die Anzahl und damit die Lagenbreite
der Kunststoffdrähte 91 zu erhöhen. Prinzipiell ist auch eine Verdickung der Kunststoffdrähte
denkbar, jedoch soll vermieden werden, daß durch eine Verdickung die Torsionssteifigkeit
des Schuhbodens im Gelenk erhöht wird.
[0015] Es versteht sich, daß anstelle der im Ausführungsbeispiel beschriebenen Kunststoffdrähte
91 auch andere zugfeste Versteifungsmittel eingesetzt werden können. So ist daran
zu denken, mittels der Verankerungseinsätze 92, 93 ein Netz, Geflecht oder Gewebe
aus Glas- oder Kohlefasern vorzusehen, das bandförmig ausgebildet und in ähnlicher
Weise in der Sohle eingebettet ist, wie dies vorstehend erläutert ist. Durch Wahl
der Bandbreite eines solchen Gewebes kann die Zugfestigkeit und damit die resultierende
Biegesteifigkeit in weiten Grenzen gesteuert werden, ohne das Gewicht des Schuhbodens
merklich zu beeinflussen. Im Rahmen der Erfindung liegt jedoch auch die Anordnung
flacher Metallstreifen, die aufgrund einer geringen Dicke eine entsprechend geringe
Biegesteifigkeit besitzen, jedoch erhebliche Zugfestigkeit haben.
1. Schuhboden, insbesondere für Sportschuhe, der im Gelenk (5) die Torsionssteifigkeit
um eine etwa in Schuhlängsrichtung verlaufende Achse herabsetzende Schwachstellen
(6, 7) aufweist, um eine der natürlichen Fußbewegung angepasste Verdrehung des Vordersohlenbereiches
(3) gegenüber dem Hintersohlenbereich (4) um diese Achse zu ermöglichen,
dadurch gekennzeichnet,
daß das Gelenk (5) des Schuhbodens (1, 2) gegen Biegung um eine quer zur Schuhlängsrichtung
verlaufende Achse durch Versteifungsmittel (9) versteift ist.
2. Schuhboden nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß als Versteifungsmittel
ein zugfestes Element (91) vorgesehen ist, das in Schuhlängsrichtung verlaufend im
Schuhboden (1, 2) nahe dessen Laufseite verankert ist.
3. Schuhboden nach Anspruch 2, dadurch gekennzeichnet, daß das zugfeste Element (91)
bandartig ausgebildet ist und an seinen Enden mittels Verankerungseinsätzen (92, 93)
im Schuhboden befestigt ist.
4. Schuhboden nach Anspruch 2 oder 3, bei dem die die Torsionssteifigkeit herabsetzenden
Schwachstellen vom Rand her quer oder schräg einspringende Ausnehmungen (6, 7) sind,
die sich bis zu einem in Schuhlängsrichtung verlaufenden Steg (8) des Schuhbodens
erstrecken, dadurch gekennzeichnet, daß das zugfeste Element (91) längs des Steges
(8) verläuft.
5. Schuhboden nach Anspruch 4, dadurch gekennzeichnet, daß das zugfeste Element (91)
längs der freien Unterfläche des Steges (8) verläuft.
6. Schuhboden nach einem der Ansprüche 2 bis 5, dadurch gekennzeichnet, daß das zugfeste
Element durch Stäbe oder Drähte aus Metall, Kunststoff, Kohle- oder Glasfaser od.dgl.
gebildet ist.
7. Schuhboden nach Anspruch 6, dadurch gekennzeichnet, daß die Stäbe oder Drähte parallel
zueinander angeordnet und miteinander,z.B. durch Klebung oder Schweißung, verbunden
sind.
8. Schuhboden nach einem der Ansprüche 2 bis 5, dadurch gekennzeichnet, daß das zugfeste
Element ein Gewebe oder Geflecht aus zugfesten, dehnungsarmen Fasern ist.