(57) Ein Gußeisen zur Fertigung von Bremstrommeln, insbesondere von massiven und belüfteten
Bremsscheiben und sonstigen Bremsenkörpern weist die Kombination folgender Merkmale
auf: ein perlitisches Grundgefüge mit maximal 5 % Ferritanteil und einer Zugfestigkeit
von mind. 200 N/mm² mit folgender chemischer Zusammensetzung:
Kohlenstoff 3,62 - 3,68 %
Silizium max. 2,10 %
Mangan 0,70 - 0,85 %
Phosphor weniger als 0,080 %
Schwefel weniger als 0,095 %
Chrom 0,18 - 0,25 %
Molybdän 0,30 - 0,45 %
Kupfer 0,30 - 0,45 %.
[0001] Die Erfindung betrifft ein Gußeisen zur Fertigung von Bremstrommeln, von massiven
und belüfteten Bremsscheiben und sonstigen Bremsenkörpern mit einer Legierung von
über 3,6 % Kohlenstoff
0,6 - 0,9 % Mangan
1,8 - 2,5 % Silizium
weniger als 0,1 % Phosphor
weniger als 0,12 % Schwefel
und mit geringen Bestandteilen von Chrom, Molybdän und Kupfer,
wobei das Gußeisen ein perlitisches Grundgefüge aufweist.
[0002] Ein Gußeisen mit dieser chemischen Zusammensetzung ist in der DE-OS 33 05 184 beschrieben.
Aufgrund der Entwicklung von neuen asbestfreien Bremsbelägen wurde es notwendig auch
Gußeisenlegierungen bei Bremstrommeln, Bremsscheiben und dgl. zu verwenden, die höhere
Temperaturen ertragen. Hierzu ging die allgemeine Tendenz bei den Anwendern bisher
dahin, hoch warmfeste Eisensorten mit höherem Kohlenstoffgehalt zu verwenden, die
jedoch Nachteile aufweisen, insbesondere bezüglich einem groben Gefüge und der Festigkeit.
[0003] Gemäß der DE-OS 33 05 184 wird ein Werkstoff für Bremsenkörper vorgeschlagen, der
einerseits eine ausreichende Festigkeit aufweisen soll, andererseits jedoch auch
eine gute Wärmeableitung und eine hohe Dämpfungseigenschaft. In dieser Druckschrift
wurde angegeben, daß auch bei niederen Festigkeitswerten die Warmzugfestigkeit bei
extrem hohen Temperaturen von GG 30 nur geringfügig höher bzw. fast gleich derjenigen
von GG 15 ist. Der Grauguß mit der relativ niedrigen Festigkeit soll ferner geringere
Eigenspannungen besitzen, sich wegen des hohen C-Gehaltes bei der Bearbeitung weniger
aufheizen und geringere Verzugserscheinigungen bei thermischer Belastung aufweisen
als der bisher verwandte Grauguß mit hoher Festigkeit.
[0004] In der Praxis hat sich nun jedoch gezeigt, daß dieser Grau guß in nicht unerheblichen
Mengen Ferritanteile aufweist. Ferritanteile in der Bremstrommel haben jedoch den
Nachteil, daß die Reibpaarung, d.h. der Reibungskoeffizient zwischen den Bremsbelägen
und der Bremstrommel bzw. Bremsscheibe sich verändert. Dies bedeutet, daß die Verzögerung
beim Bremsen geringer wird. Optimal wäre somit ein möglichst 100%iges perlitisches
Gefüge.
[0005] Außerdem wurde festgestellt, daß in vielen Fällen die Zugfestigkeit dieses Gußeisens
nicht ausreicht.
[0006] Der vorliegenden Erfindung liegt daher die Aufgabe zugrunde ein Gußeisen der eingangs
erwähnten Art zu schaffen, das möglichst geringe Ferritanteile bei hoher Zugfestigkeit
besitzt.
[0007] Erfindungsgemäß wird diese Aufgabe durch die Kombination folgender Merkmale gelöst,
nämlich einem perlitischen Grundgefüge mit maximal 5% Ferritanteil und einer Zugfestigkeit
von mind. 200 N/mm² mit folgender chemischer Zusammensetzung:
Kohlenstoff 3,62 - 3,68 %
Silizium max. 2,10 %
Mangan 0,70 - 0,85 %
Phosphor weniger als 0,080 %
Schwefel weniger als 0,095 %
Chrom 0,18 - 0,25 %
Molybdän 0,30 - 0,45 %
Kupfer 0,30 - 0,45 %.
[0008] Durch die angegebene und in langen Versuchen ermittelten Legierungsbestandteile,
wie Chrom, Molybdän, Mangan und Kupfer wird eine Zugfestigkeit von mind. 200 N/mm²
erreicht.
[0009] Zusätzlich wurde in überraschender Weise festgestellt, daß Kupfer und auch Molybdän
stabilisierend auf den Perlit wirken und zwar ohne zu Carbidausscheidungen zu führen.
Es wurde festgestellt, daß sich mit dem erfindungsgemäßen Gußeisen ein 100%iges perlitisches
Grundgefüge erreichen läßt.
[0010] Molybdän bewirkt weiterhin in Verbindung mit Chrom eine hohe Kernfestigkeit des Gefüges
und gibt als Legierungsbestandteil gute Warmfestigkeiten bei wechselnder thermischer
Belastung der Bremsscheiben. Der Kohlenstoffgehalt bis max. 3,68 % wird durch Erschmelzen
im Kupolofen im C-Level von 3,4 - 3,45 % erreicht. Die restlichen 0,25 - 0,30 % werden
durch ein Spezialimpfverfahren beim Abstich des Flüssigeisens in die Gießpfanne mittels
Elektrodengraphit eingebracht. Der entstehende optimale Impfeffekt läßt durchweg
A-Graphit der Größe 3-4 entstehen. Dabei wurde überraschenderweise festgestellt,
daß Carbidausscheidungen im perlitischen Grundgefüge trotz deren Legierungselemente
wie Chrom und Molybdän nicht vorkommen.
[0011] Der hohe Kohlenstoffgehalt bewirkt viel Graphitausscheidung mit seinen für Bremsen
hervorragenden Eigenschaften der Wärmeleitfähigkeit und der hohen thermischen Beständigkeit.
Dies bedeutet, daß der Hitzestau auf den Bremsreibringen in kürzester Zeit auf die
gesamte Scheibe verteilt werden kann, wodurch thermische Spannungen und Brandrisse
deutlich vermindert werden.
[0012] Von Vorteil ist auch, daß aufgrund fehlender Carbidausscheidungen in dem perlitischem
Grundgefüge Brandflecken, Risse durch Ausdehnungsfehler an den Reibringoberflächen,
sowie das Auftreten von Hotspots nicht entstehen. Das nachteilige Rubbeln der Scheiben
bei den bisher verwendeten Materialien wird, soweit dies materialbedingt ist, durch
das erfindungsgemäße Gußeisen ausgeschlossen.
[0013] Da Silizium die Wärmeleitfähigkeit erheblich reduziert, darf ein Bestandteil von
2,1 % nicht überschritten werden, da diese Eigenschaft der gewünschten schnellen Wärmeverteilung
in der Scheibe entgegenwirkt. Der angegebene Wert von 0,08 % für Phosphor darf nicht
überschritten werden, um Steadit und damit harte Bestandteile im Grundgefüge zu verhindern.
[0014] Schwefel wird bis maximal 0,095 % zur Erreichung des Mangan- Schwefel-Verhältnisses
gebraucht, sollte jedoch den angegebenen Wert nicht überschreiten.
[0015] Bei dem erfindungsgemäßen Gußeisen ergibt sich ein feines Gefüge und die Graphitlamellen
werden etwas kürzer, wodurch die erfindungsgemäße höhere Festigkeit erreicht werden
kann. Ein hoher Kohlenstoffanteil wirkt diesem an sich entgegen, d.h. bewirkt eine
Festigkeitsverminderung und ein groberes Gefüge. Außerdem stellt ein hoher Kohlenstoffanteil
einen Kostenfaktor dar. In langwierigen Versuchen wurde nun festgestellt, daß man
entgegen der allgemeinen Meinung mit einem geringen Kohlenstoffgehalt auskommt und
zwar in dem ermittelten Bereich von 3,62 - 3,68 %, wenn man dies mit den übrigen
Legierungsbestandteilen kombiniert. In diesem Falle kommt man zu den gewünschten hohen
Festigkeitswerten und der Wärmebeständigkeit.
[0016] Zur Entspannung der Gußteile (künstliches Altern) nach Ihrer Herstellung wird erfindungsgemäß
eine an sich bekannte Wärmenachbehandlung vorgeschlagen, die in erfinderischer Weise
an das erfindungsgemäße Gußeisen angepaßt worden ist.
[0017] Hierzu wird erfindungsgemäß vorgeschlagen, daß die zu behandelnden Teile in einer
Aufheizzeit von 180 Minuten auf eine Temperatur von 650 - 720 Grad C gebracht und
anschließend für 30 Minuten bei dieser Temperatur gehalten werden, wonach eine langsame
Abkühlung im Glühofen auf 250 Grad C erfolgt.
[0018] Vor dem Glühen sollen die Teile vorbearbeitet, nämlich geschruppt, werden. Die Gußhaut
der Reibfläche, sowie des Topfinnenbodens, sollte ca. 1,5 mm entfernt werden. Durch
das anschließende erfindungsgemäße Wärmenachbehandlungsverfahren werden sowohl während
der Abkühlung entstandene Eigenspannungen als auch Spannungen, die durch das Bearbeiten
entstanden sind, eliminiert. Wesentlich dabei ist auch, daß aufgrund der durch die
Legierungsbestandteile in einem bestimmten Bereich erzielte angehobene Festigkeit
höhere Eigenspannungen entstehen können, welche durch das erfindungsgemäße Wärmenachbehandlungsverfahren
beseitigt werden können.
[0019] Auf diese Weise sind nach der Wärmebehandlung nur noch geringe Bearbeitungen notwendig,
wodurch ein erneutes Auftreten von Spannungen vermieden werden kann.
[0020] Es wurde festgestellt, daß durch die angegebene längere Aufheizzeit für die Erwärmung
der zu behandelnden Teile deren Verziehen vermieden wird. Die Abkühlung nach der angegebenen
Haltezeit soll auf jeden Fall langsam vorgenommen werden, damit keine neuen Spannungen
entstehen. Dies kann z.B. auf einfache Weise durch ein Abschalten des Glühofens erreicht
werden, wobei die Teile noch längere Zeit in dem sich langsam abkühlenden Glühofen
verbleiben.
1) Gußeisen zur Fertigung von Bremstrommeln, insbesondere von massiven und belüfteten
Bremsscheiben und sonstigen Bremsenkörpern mit einer Legierung von
über 3,6% Kohlenstoff
0,6 - 0,9% Mangan
1,8 - 2,5% Silizium
weniger als 0,1% Phosphor
weniger als 0,12 % Schwefel
und mit geringen Bestandteilen von Chrom, Molybdän und Kupfer,
wobei das Gußeisen ein perlitisches Grundgefüge aufweist,
gekennzeichnet durch
die Kombination folgender Merkmale:
einem perlitischen Grundgefüge mit maximal 5% Ferritanteil und einer Zugfestigkeit
von mind. 200 N/mm² mit folgender chemischer Zusammensetzung:
Kohlenstoff 3,62 - 3,68 %
Silizium max. 2,10 %
Mangan 0,70 - 0,85 %
Phosphor weniger als 0,080 %
Schwefel weniger als 0,095 %
Chrom 0,18 - 0,25 %
Molybdän 0,30 - 0,45 %
Kupfer 0,30 - 0,45 %
2) Verfahren zur Wärmenachbehandlung des Gußeisens nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet, daß
die zu behandelnden Teile in einer Anfahrzeit von 180 Minuten auf eine Temperatur
von 650 - 720 Grad C gebracht und anschließend für 30 Minuten bei dieser Temperatur
gehalten werden, wonach eine langsame Abkühlung im Glühofen auf 250 Grad C erfolgt.