[0001] Die Erfindung bezieht sich auf eine Breitband-Polarisationsweiche zur Trennung orthogonal
linear polarisierter elektromagnetischer Mikrowellen mit einer Verzweigungseinrichtung,
die einen die beiden orthogonalen Polarisationen führenden Wellenleiter in zwei nur
noch jeweils eine dieser Polarisationen führende Rechteckhohlleiterarme aufteilt.
[0002] Praktisch allen bekannten Polarisationsweichen fehlt die Grundvoraussetzung für
eine echte Breitbandanpassung, nämlich die Wellenwiderstandshomogenität entlang den
beiden Durchgängen einer solchen Weiche; denn zwischen jedem der beiden polarisationsselektiven
Weichenanschlüsse, die stets als Rechteckhohlleiter mit dem Seitenverhältnis a ≈
2b ausgebildet sind, und dem Hohlleiter kreisrunden oder quadratischen Querschnitts
(a = b) besteht bei allen bekannten Polarisationsweichen nach der Wellenwiderstandsgleichung

ein Wellenwiderstandssprung Z
rund bzw. Z
Quadrat / Z
Rechteck≈2. In der vorstehenden Gleichung ist Z der Leitungswellenwiderstand, b . K / a der
Querschnittsfaktor für die jeweilige Welle im Rechteckhohlleiter, Z
o der Feldwellenwiderstand einer ebenen Welle im freien Raum, λ
o die Wellenlänge im freien Raum und λ
k die jeweilige kritische Wellenlänge, die auch Grenzwellenlänge des betrachteten
Wellentyps genannt wird. Eine breitbandige Anpassung des Wellenwiderstandssprungs
zwischen den Leitungen ist -jedenfalls über große Bandbreiten von einer Oktave und
mehr - prinzipiell unmöglich.
[0003] Es ist versucht worden, mit stetigen Übergängen, mit Umlenk- und Kurzschlußblechen
unterschiedlichsten Zuschnitts beider Stirnflächen, mit Blenden, Schraubenansammlungen
und ähnlichem den diagnostizierten Wellenwiderstandssprung wenigstens schmalbandig
(bis ca. 20 %) reflektionsarm zu machen.
[0004] Aufgabe der Erfindung ist es, eine Möglichkeit anzugeben, mit welcher die störenden
Wellenwiderstandssprünge bei breitbandig zu verwendenden Polarisationsweichen reduziert
oder ganz eliminiert werden.
[0005] Gemäß der Erfindung, die sich auf Breitband-Polarisationsweichen der eingangs genannten
Art bezieht, wird diese Aufgabe dadurch gelöst, daß Maßnahmen im die beiden Polarisationen
führenden Wellenleiter vorgesehen sind, durch welche dessen ursprünglich etwa doppelt
so großer Leitungswellenwiderstand an die in sich gleichen Leitungswellenwiderstände
der beiden Rechteckhohlleiterarme angenähert oder im Bestfalle angeglichen wird, wozu
zwei Bedingungen zu erfüllen sind, nämlich zum einen die Angleichung der Querschnittsfaktoren
in den Wellenwiderstandsgleichungen der aneinander anzupassenden Wellenleiter und
zum anderen die Angleichung der Grenzfrequenzen der ineinander überzuführenden Wellentypen
in diesen Wellenleitern, und daß verbleibende Reaktanzen in den Wellenleitern durch
nur kurze Baulängen erfordernde Transformationsmaßnahmen angepaßt werden. Die Erfindung
geht von dem Gedanken aus, daß die Leitungswellenwiderstände der rechteckigen Polarisationsweichen-Hohlleiterarme
mit ihrem Seitenverhältnis a ≈ 2 b fest vorgegeben sind, wogegen der Leitungswellenwiderstand
des die beiden Orthogonalpolarisationen führenden Wellenleiters nicht festgelegt
und daher frei wählbar ist. Dies eröffnet die bislang ungenutzte Möglichkeit, den
Leitungswellenwiderstand des die beiden orthogonalen Polarisationen führenden Wellenleiters
durch die angegebenen Maßnahmen abzusenken und damit an die Leitungswellenwiderstände
der Rechteckhohlleiterarme zumindest anzunähern. Ideale Anpassungsbedingungen herrschen,
wenn die Leitungswellenwiderstände des die beiden orthogonalen Polarisationen führenden
Wellenleiters an diejenigen der Rechteckhohlleiterarme breitbandig angeglichen sind.
Durch die Erfüllung der angegebenen beiden Bedingungen, nämlich zum einen der Angleichung
der Querschnittsfaktoren in den Wellenwiderstandsgleichungen der aneinander anzupassenden
Wellenleiter, z.B. nach der vorstehend angegebenen Wellenwiderstandsgleichung der
Faktor b . K / a für die H₁₀-Welle im Rechteckhohlleiter, und der Angleichung der
Grenzfrequenzen der ineinander überzuführenden Wellentypen, wird eine Angleichung
der Wellenwiderstände über sehr große Bandbreiten erreicht. Beide Durchgänge solcher
wellenwiderstandshomogenisierter Polarisationsweichen enthalten dann keinerlei Wellenwiderstandssprünge
mehr, sondern nur noch Reaktanzen, die bekanntlich - im Gegensatz zu Wellenwiderstandssprüngen
- sehr breitbandig anpaßbar sind. Dieses Prinzip der Wellenwiderstandshomogenisierung
ist auf praktisch alle bekannten Polarisationsweichen anwendbar. Das Ergebnis ist
stets eine gegenüber bisher wesentlich vergrößerte Bandbreite der Reflexionsarmut.
[0006] In den Unteransprüchen sind vorteilhafte und zweckmäßige Ausführungsmöglichkeiten
der Erfindung zur Erreichung einer Wellenwiderstandshomogenität entlang den beiden
Durchgängen einer Breitband-Polarisationsweiche angegeben.
[0007] Die Erfindung und Ausführungsbeispiele davon werden im folgenden anhand von sieben
Figuren erläutert. Es zeigen
Fig. 1 zwei wellenwiderstandssenkende Maßnahmen im die beiden Orthogonalpolarisationen
führenden Wellenleiter,
Fig. 2 eine Anzahl von Querschnittsmöglichkeiten bei einem die beiden Orthogonalpolarisationen
führenden Wellenleiter jeweils mit einem Innenleiter mit reduziertem Wellenwiderstand
und erweiterten Frequenz-Eindeutigkeitsbereichen,
Fig.3 einen meßtechnisch gewonnenen, quantitativen Zusammenhang zwischen dem Wellenwiderstand
eines Koaxialwellenleiters mit rundem Innenleiter und seinem Durchmesserverhältnis
von Innen- zu Außenleiterdurchmesser,
Fig. 4 ein Diagramm, bei dem für das Durchmesserverhältnis eines jeweils betrachteten
Koaxialwellenleiters der Durchmesser desjenigen gedachten Rundhohlleiters er mittelt
wird, der die gleiche H₁₁-Grenzfrequenz hat wie der Koaxialwellenleiter,
Fig. 5 ein Diagramm, in dem Frequenz-Eindeutigkeitsbereiche in Koaxialwellenleitern
abhängig von ihrem Durchmesserverhältnis dargestellt sind,
Fig. 6 in einer Querschnittsdarstellung eines Koaxialwellenleiters das E-Feld der
H₃₁-Störwelle,
Fig. 7 in einer Schrägansicht die Struktur einer Zweiband-Polarisationsweiche mit
einem Innenleiter zur Reduzierung der Wellenwiderstandssprünge.
[0008] Zur angestrebten Wellenwiderstandssenkung in einem einen Außenleiter 1 runden oder
quadratischen Querschnitts aufweisenden, beide Orthogonalpolarisationen führenden
Wellenleiter eignet sich nach der linken Darstellung entweder eine symmetrische Anordnung
von wenigstens vier Metallstegen 2, 3, 4 und 5 an der Innenfläche der Wand des Außenleiters
1 oder/und, wie in der rechten Darstellung von Fig. 1 gezeigt ist, ein konzentrisch
angeordneter Innenleiter 6. Der Innenleiter 6 ist in der Praxis leichter herzustellen
als die sich in Hohlleiterlängsrichtung erstreckenden leitenden Stege 2, 3, 4 und
5. Der Innenleiter 6 ist in der mittleren Längsachse des Außenleiters 1 angeordnet
und verläuft somit konzentrisch. Der Innenleiter 1 wird vorzugsweise in der Gabelungszone
der drei Polarisationsweichenhohlleiter mit den Außenleiterkonturen fest, d.h. leitend,
verbunden. Diese eigens dafür geschaffene Befestigung ist universell einsetzbar
und läßt sich zur Reflexionskompensation beider Polarisationen ausnützen.
[0009] Die einfachste Form eines Innenleiters 6 ist die in der rechten Darstellung von Fig.
1 gezeigte kreisrunde Querschnittsform. Damit wird neben der angestrebten Wellenwiderstandssenkung
zusätzlich eine wesentliche Ausweitung des Eindeutigkeitsbereiches beim Koaxialwellenleiter
erreicht, wozu im weiteren Verlauf der Beschreibung noch quantitative Angaben folgen.
[0010] Für noch breitere Eindeutigkeitsbereiche f
kE11 / f
kH11, f
kH31 / f
kH11 und f
kE21 / f
kH10 sind günstigere Querschnittsformen des Innenleiters 6 möglich, die in Fig. 2 im einzelnen
dargestellt sind. Danach läßt sich der Innenleiter 6 z.B. kreuzförmig ausbilden, und
auch Kombinationen mit einem runden oder quadratischen Außenleiter 1 ohne oder mit
leitenden Längsstegen 2, 3, 4 und 5 sind möglich.
[0011] Nach dem Aufsatz W. Baier: "Wellentypen in Leitungen rechteckigen Querschnitts"
aus der Zeitschrift "AEÜ", Band 22 (68), Heft 4, Seiten 184 ff. bewirkt der Innenleiter
6 sehr geringe Zusatzverluste und bringt folgende weitere Vorteile. Der über die Polarisationsweiche
hinaus verlängerte Innenleiter 6 eignet sich dazu, das Verhalten eines an die Polarisationsweiche
angeschlossenen Verbrauchers zu verbessern, so z.B. die Bandbreite der Reflexionsarmut
eines Rillenhorns und seine Kreuzpolarisationseigenschaften gegenüber der Hornspeisung
durch einen reinen Hohlleiter - also ohne Innenleiter - zu verbessern. Dabei kann
der Innenleiter 6 im Hornhals, im Rillenbereich oder ausserhalb der Hornapertur stetig,
gestuft oder sprunghaft enden. Ferner kann in einem hohl gestalteten Innenleiter 6
Raum geschaffen werden für Wellen gleicher oder anderer Art mit gleicher oder anderer
Frequenz wie diejenigen außerhalb des Innenleiters 6 bereits vorhandenen Wellen.
Dazu kann der Innenraum des Innenleiters seinerseits in geeigneter Weise mit leitendem
Material oder mit einem Dielektrikum versehen werden. Im Innenraum des Innenleiters
6 und/oder nahe seiner Oberfläche können ferner Koppeleinrichtungen für Wellen angeordnet
werden, die aus dem Raum außerhalb des Innenleiters in sein Inneres und umgekehrt
gekoppelt werden.
[0012] Der Innenleiter 6 erhöht unabhängig von seiner jeweiligen Querschnittsform und derjenigen
des zugehörigen Außenleiters 1 überwiegend die Querkapazität im Wellenwiderstandsersatzschaltbild
für H-Wellen. Somit sinkt der Wellenwiderstand der H₁₁-Welle bzw. der H₁₀-Welle -
wie beabsichtigt - und die zugehörigen Grenzwellenlängen steigen an.
[0013] Für den einfachen, praktisch interessanten Fall des koaxialen Wellenleiters mit einem
kreisrunden Innen- und Außenleiter zeigt Fig. 3 den meßtechnisch gewonnenen, quantitativen
Zusammenhang zwischen dem Wellenwiderstand dieses Koaxialwellenleiters und seinem
Durchmesserverhältnis d/D
k von Innenleiterdurchmesser d zu Außenleiterdurchmesser D
k. Die Messungen sind so ausgeführt, daß für Koaxialwellenleiter mit bestimmten Werten
der Durchmesserverhältnisse (d/D
K)
n jeweils derjenige Rechteckhohlleiter mit seinem Seitenverhältnis (b/a)
n ermittelt ist, der am sprunghaften Übergang zwischen dem jeweiligen Koaxialwellenleiter
und dem Rechteckhohlleiter Breitbandanpassung ergibt. Hierbei sind zuvor die Grenzfrequenzen
der H₁₀-Welle im Rechteckhohlleiter und der H₁₁-Welle im Koaxialwellenleiter gleich
gemacht. Dazu wird für das Durchmesserverhältnis d/D
k des jeweils betrachteten Koaxialwellenleiters aus der Fig. 4 nach Meinke, Gundlach:
"Taschenbuch der Hochfrequenztechnik", 2. Auflage, Springer-Verlag, Seite 309 der
Durchmesser D
o desjenigen gedachten Rundhohlleiters ermittelt, der die gleiche H₁₁-Grenzfrequenz
hat wie der Koaxialwellenleiter. Mithin ergibt sich die Grenzwellenlänge des Koaxialwellenleiters
als λ
kH11 = 1,706 D
o und daraus dann die gesuchte Breitseite a des Rechteckhohlleiters mit der angeglichenen
H₁₀-Grenzwellenlänge 2a = 1,706 D
o.
[0014] Außerdem ist bei diesen Messungen die am Querschnittssprung verbleibende Reaktanz
durch einen passenden Längsversatz des Innenleiteranfangs gegenüber der Sprungstelle
breitbandig kompensiert. Solche sprunghaften Übergänge vom Rechteckwellenleiter auf
den Koaxialwellenleiter beanspruchen praktisch keine Baulänge. Sie erreichen Bandbreiten
der Reflexionsarmut bis zu einer Oktave, und über 50 % Bandbreite ist ihre Reflexion
kleiner als 1 %. Damit ist eine wichtige Grundkomponente wellenwiderstandshomogener
Polarisationsweichen verfügbar.
[0015] Anhand der quantitativen Zusammenhänge der Durchmesserverhältnisse d/D
k von Koaxialwellenleitern mit ihren Wellenwiderständen, dargestellt in Fig. 3, und
ihren H₁₁-Grenzfrequenzen, dargestellt in Fig. 4, lassen sich zunächst für die zumeist
gegebenen Rechteckhohlleiter mit a = 2b die hinsichtlich des Wellenwiderstands und
der H₁₁-Grenzfrequenz dazu passenden Koaxialwellenleiter ermitteln. In diesem Zusammenhang
wird auf die linke Spalte der am Schluß der Beschreibung angefügten Berechnungstabelle
hingewiesen. Darüber hinaus ergeben sich ganz neue Konzeptperspektiven für die Realisierung
von Polarisationsweichen mit extrem großen Bandbreiten aufgrund der Einführung von
niedrigeren Rechteckhohlleitern mit b < a/2 und den daran angepaßten Koaxialwellenleitern
mit relativ dicken Innenleitern. Hierzu werden in der am Schluß der Beschreibung angegebenen
Berechnungstabelle die Beispiele a = 3b und a = 4b ausgewertet. Zur Beurteilung der
zugehörigen Koaxialwellenleiter werden sodann ihre theoretischen Eindeutigkeitsbereiche
im Blick auf die bei symmetrischer H₁₁-Anregung zuerst auftretende E₁₁-Störwelle ermittelt.
Quantitativ kennzeichnend hierfür sind die Grenzfrequenzverhältnisse f
kE11 / f
kH11 abhängig vom Durchmesserverhältnis d/D
k der Koaxialwellenleiter nach Fig. 5 aus Meinke, Gundlach: "Taschenbuch der Hochfrequenztechnik",
Springer-Verlag, 2. Auflage, Seite 309. Es ergeben sich für niedriger gewählte Rechteckhohlleiter
mit b < a/2 und die daran angepaßten Koaxialwellenleiter mit relaiv dicken Innenleitern
Einideutigkeitsbereiche f
kE11 / f
kH11, die mit zunehmendem Durchmesserverhältnis d/D
k äüßerst rasch breiter werden und deren Breite für d/D
k → 1 gegen ∞ gehen.
[0016] Sodann wird auch die auf die E₁₁-folgende H₃₁-Störwelle nach Fig. 6 in die Betachtung
einbezogen. Die H₃₁-Störwelle wird trotz symmetrischer Anregung neben der H₁₁-Grundwelle
angeregt, weil nach Fig. 6 z.B. die E-Feldstärken der H₁₃-Welle an diametral gegenüberliegenden
Stellen des Umfangs im Koaxialwellenleiter stets die gleiche Richtung haben wie die
E-Felder der H₁₁-Welle.
[0017] Mit der Einführung des Innenleiters wird neben der breitbandigen Angleichung der
Wellenwiderstände auch die Erweiterung des Eindeutigkeitsbereiches f
kH31 / f
kH11 erreicht. Nach Fig. 5 hat der an den Rechteckhohlleiter mit a = 2b angepaßte Koaxialwellenleiter
mit d/D
K = 0,37 einen nutzbaren Eindeutigkeitsbereich f
kH31 / f
kH11 = 2,73 (gegenüber dem nutzbaren Eindeutigkeitsbereich f
kE11 / f
kH11 = 2,08 beim Rundhohlleiter ohne Innenlei ter). Wegen der notwendigen Abstände der
Betriebsfrequenzen von den Grenzfrequenzen entspricht f
kH31 / f
kH11 = 2,73 einer nutzbaren Bandbreite von f
h / f
n = 2,5 maximal. Nach Fig. 5 erreicht der Koaxialwellenleiter bei d/D
K = 0,77 ein Maximum der Breite des Eindeutigkeitsbereiches bei f
kH31 / f
kH11 = 3,09 entsprechend einer nutzbaren Bandbreite von maximal f
h / f
n = 2,8.
[0018] Diese Zahlenwerte gelten für Koaxialwellenleiter mit runden Innen- und Außenleitern.
Noch größere Nutzbandbreiten sind mit Koaxialwellenleitern zu erwarten, deren Querschnittsvarianten
in Fig. 2 skizziert sind. Die Gestaltung dieser Querschnitte zielt auf eine möglichst
starke kapazitive Belastung der H₁₁-Welle - also auf eine niedrige H₁₁-Grenzfrequenz
- bei zugleich möglichst geringer kapazitiver Belastung der H₃₁-Welle und einer folglich
hohen H₃₁-Grenzfrequenz. Mit diesen Methoden erscheint es möglich, z.B. die praktisch
interessierende Kombination der beiden Richtfunkbereiche von 3,4 bis 4,2 GHz und
von 10,7 bis 11,7 GHz mit einer einzigen Polarisationsweiche zu beherrschen.
[0019] Als praktischer Anwendungsfall der Erfindung wird im folgenden anhand der Fig. 7
eine Breitband-Polarisationsweiche eines Zweiband-Antennensystems für die Richtfunkfrequenzbereiche
3,58 bis 4,2 GHz und 6,425 bis 7,125 GHz erläutert. Für diesen Frequenzquotienten
f
h / f
n = 1,99 ist der Rundhohlleiter 7 wegen seiner "Mehrwelligkeit" über Frequenzbereiche,
die einschließlich der notwendigen Grenzfrequenzabstände f
kE11 / f
kH11 = 2,08 erreichen, sowohl als Polarisationsweichenhohlleiter wie auch als Hornhohlleiter
untauglich. Die unumgängliche Erweiterung des Eindeutigkeitsbereiches gelingt mit
der Einführung eines Innenleiters 8, so daß nach Fig. 7 an die z.B. aus dem Aufsatz
von E. Schuegraf "Neuartige Mikrowellenweichen für Zweibandantennen" aus "NTZ", Band
38 (1985), Heft 8, Seiten 554 bis 560 bekannte Doppelverzweigung 9, die der E₁₁- und
H₂₁-störwellenfreien Anregung beider Polarisationen dient, ein Koaxialwellenleiter,
bestehend aus dem Innenleiter 8 und dem Außenleiter 7, angeschlossen ist. Sein Eindeutigkeitsbereich
kann schon mit einem relativ dünnen Innenleiter 8 von d = 7,3 mm im Außenleiter 7
mit D
K = 52,2 mm auf f
kE11 / (11 % unter f
n = 3,58 GHz) und f
kE11 = 7,3 GHz, d.h. 2,5 % über f
h = 7,125 GHz, bei der sich demnach eine ausreichende Störfelddämpfung für die E₁₁-Welle
ergibt. Somit wird einerseits das E₁₁-Störfeld der Doppelverzweigung 9 genügend gedämpft;
und - da der Innenleiter 8 bis in die Nähe der ersten Rille eines angeschlossenen
Rillenhorns verlängert ist - ist die E₁₁-Nutzanregung im Rillenbereich vom Hornhohlleiter
mit der aperiodischen E₁₁-Dämpfung erwünschtermaßen entkoppelt. Im übrigen hat die
Gestalt des Innenleiters 8 auch bei sehr kleinen Änderungen einen ganz entscheidenden
Einfluß auf die Hornreflexion und ebenso auf die Kreuzpolarisationsunterdrückung.
[0020] Die Rechteckhohlleiterzugänge 10 und 11 der in Fig. 7 dargestellten Polarisationsweiche
sind mit a = 2 b = 46 mm ausgeführt. Beide Hohlleitergabeln 12, 12ʹ und 13, 13ʹ und
die Doppelverzweigung 9 sind wellenwiderstandshomogen, und der dazu passende Koaxialwellenleiter
hat nach Fig. 3 und 4 D
K = 43 mm und d = 16 mm. Diese Dimensionierung stellt den Prototyp der erfindungsgemäßen
wellenwiderstandshomogenen Polarisationsweiche dar.
[0021] Bei der Anordnung in Fig. 7 ist der verbleibende Wellenwiderstandssprung zwischen
dem zuvor ermittelten Koaxialwellenleiter (d = 16 mm, D
K = 43 mm) und dem zum Horn weiterführenden mit D
K = 52,2 mm und d = 7,3 mm vorteilhafterweise auf 1,6 reduziert und wird durch λ
H / 4-Transformationsstufen reflexionsarm überbrückt. Der rotationssymmetrisch ausgeführte
Transformator bietet viele, einfach ausführbare Korrekturmöglichkeiten, die stets
für beide Polarisationen gleiche Wirkung haben.
[0022] Die im Ausführungsbeispiel nach Fig. 7 dargestellte Polarisationsweiche hat eine
sehr große Nutzbandbreite. Daher ist sie besonders dazu geeignet, daß an ihre Rechteckhohlleiterarme
10 und 11 je eine Frequenzweiche für zwei oder mehr Richtfunk frequenzbereiche unterschiedlicher
Frequenzlage angeschlossen wird (direkt). Außerdem kann die Verbindung zwischen den
beiden Rechteckhohleiterarmen 10 und 11 der in Fig. 7 dargestellten Polarisationsweiche
und den beiden Frequenzweichen auch durch zwei lange Leitungen hergestellt werden,
die z.B. als mit entsprechenden Übergängen versehene, übermodierte, biegbare Rechteckhohlleiter
ausgebildet sind und die durch alle erdenklichen Maßnahmen zur Erweiterung ihres eindeutigen
Übertragungsfrequenzbereiches dazu geeignet sind, jeweils mehr als einen Richtfunkbereich
gleicher Polarisation vom Ort der Frequenzweichen, z.B. am Fuße des Antennenturms,
dämpfungs-, reflexions- und laufzeitverzerrungsarm zur unmittelbar an der Antenne,
d.h. also beispielsweise auf dem Turm angeordneten Breitband-Polarisationsweiche und
umgekehrt zu übertragen.
[0023] Es wird noch darauf hingewiesen, daß es sich bei dem in Bild 7 des bereits erwähnten
Aufsatzes von E. Schuegraf in der Zeitschrift "NTZ", Band 38 (1985), Heft 8 dargestellten
Innenleiter nicht um einen runden Innenleiter im Sinne der Erfindung handelt, mit
dem eine Wellenwiderstandshomogenisierung entlang der beiden Durchgänge einer Polarisationsweiche
erreicht wird, sondern um einen λ/4-Transformator. Auch der in den Figuren 2a und
2b der DE-PS 28 42 576 dargestellte Innenleiter stellt ein schmalbandiges λ/4-Trafo-Netzwerk
mit Zusatzreaktanzen dar, das speziell auf eine gute Anpassung in zwei schmalen Frequenzbereichen,
die relativ weit auseinander liegen (knappe Oktave), speziell zugeschnitten und mit
einem gemäß der Erfindung bemessenen Innenleiter nicht vergleichbar ist.
[0024] Nach den erfindungsgemäßen Grundsätzen können nun neue Polarisationsweichen dimensioniert
werden, deren je zwei Rechteckhohlleiterarme beispielsweise mit folgenden Seitenverhältnissen
ausgestattet werden (Berechnungstabelle):

[0025] Dazu wird jeweils derjenige Koaxialwellenleiter ermittelt, der bei rundem Außen-
und Innenleiter die gleiche H₁₁-Grenzfrequenz und frequenzunabhängig gleiche Welllenwiderstände
aufweist wie die Rechteckhohlleiterarme. Aus dem b/a-Wert des Rechteckhohlleiterarms
folgt nach Fig. 3 das Durchmesserverhältnis des wellenwiderstandsgleichen Koaxialwellenleiters
zu
d/D
K = 0,37 | 0,51 | 0,6
Für den jeweiligen d/D
K-Wert des Koaxialwellenleiters folgt aus Fig. 4 das Durchmesserverhältnis (D
K / D
o) mit D
o als Durchmesser desjenigen Rundhohlleiters, der die gleiche H₁₁-Grenzfrequenz hat
wie der jeweilige Koaxialwellenleiter
D
K / D
o = 0,80 | 0,71 | 0,67

D
K = 0.983a | 0,83a | 0,803a
Für den jeweiligen Koaxialwellenleiter mit d / D
K ergibt sich nach Fig. 5 aus Meinke, Gundlach "Taschenbuch der Hochfrequenztechnik",
2. Auflage, Seite 309 der Eindeutigkeitsbereich f
kE11 / f
kH11 bzw. f
kH31 / f
kH11:

Als konkretes Beispiel werden für den 4-GHz-Rechteckhohlleiter mit a = 58,17 mm und
den obigen Seitenverhältnissen folgende vollständige Dimensionierungen angegeben.

1. Breitband-Polarisationsweiche zur Trennung orthogonal linear polarisierter elektromagnetischer
Mikrowellen mit einer Verzweigungseinrichtung, die einen die beiden orthogonalen
Polarisationen führenden Wellenleiter in zwei nur noch jeweils eine dieser Polarisationen
führende Rechteckhohlleiterarme aufteilt,
dadurch gekennzeichnet, daß Maßnahmen im die beiden Polarisationen führenden Wellenleiter (7) vorgesehen
sind, durch welche dessen ursprünglich etwa doppelt so großer Leitungswellenwiderstand
an die in sich gleichen Leitungswellenwiderstände der beiden Rechteckhohlleiterarme
(10, 11) angenähert oder im Bestfalle angeglichen wird, wozu zwei Bedingungen zu erfüllen
sind, nämlich zum einen die Angleichung der Querschnittsfaktoren in den Wellenwiderstandsgleichungen
der aneinander anzupassenden Wellenleiter und zum anderen die Angleichung der Grenzfrequenzen
der ineinander überzuführenden Wellentypen in diesen Wellenleitern, und daß verbleibende
Reaktanzen in den Wellenleitern durch nur kurze Baulängen erfordernde Transformationsmaßnahmen
angepaßt werden.
2. Polarisationsweiche nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet, daß bei räumlich symmetrischer Anregung beider Linearpolarisationen mit je einer
elektrisch symmetrischen Rechteckhohlleitergabel (12, 12ʹ, 13, 13ʹ) die Gabelteilarme
mit der Hälfte der Höhe b der äußeren Zugänge zu den Rechteckhohlleiterarmen und mit
unveränderter Breitseite a in den die beiden Orthogonalpolarisationen führenden Wellenleiter
(7) münden.
3. Polarisationsweiche nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet, daß an der Innenfläche der kreisrund oder quadratisch ausgebildeten Außenwand (1)
des Wellenleiters in Wellenleiterlängsrichtung wenigstens vier Metallstege (2, 3,
4, 5) symmetrisch angeordnet sind.
4. Polarisationsweiche nach einem der vorhergehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet, daß im Innenraum des Wellenleiteraußenleiters (1) kreisrunden oder quadratischen
Querschnitts ein konzentrisch, d.h. in der mittleren Längsachse angeordneter Innenleiter
(6) vorgesehen ist, der querschnittsmäßig so dimensioniert und möglicherweise abgestuft
ist, daß die vorgegebenen Bedingungen zur homogenen Wellenwiderstandsnäherung oder
-homogenisierung erfüllt sind.
5. Polarisationsweiche nach Anspruch 4,
dadurch gekennzeichnet, daß die Zugänge zu den beiden Rechteckhohlleiterarmen (10, 11) mit gegenüber der
Normalhöhe b = a/2 wesentlich reduzierter Höhe ausgeführt sind und daß der Leitungswellenwiderstand
des die beiden Orthogonalpolarisationen führenden Wellenleiters (7) an den Leitungswellenwiderstand
dieser in der Hohlleiterhöhe reduzierten Rechteckhohlleiterarmzugänge durch verstärkte
kapazitive Belastung mittels dickerem Innenleiter (8) im die beiden Orthogonalpolarisationen
führenden Wellenleiter und/oder mit Metallängsstegen innen an dessen Außenwand angeglichen
ist.
6. Polarisationsweiche nach den Ansprüchen 4 oder 5,
dadurch gekennzeichnet, daß der Innenleiter (8) in der Gabelungszone der drei Polarisationsweichenwellenleiter,
z.B. bei einer Doppelverzweigung (9), befestigt und dort mit den Wellenleiterkonturen
fest, d.h. leitend verbunden ist.
7. Polarisationsweiche nach einem der Ansprüche 4 bis 6,
dadurch gekennzeichnet, daß der Innenleiter (8) einen kreisrunden Querschnitt aufweist.
8. Polarisationsweiche nach einem der Ansprüche 4 bis 6,
dadurch gekennzeichnet, daß der Innenleiter (6) einen kreuzförmigen Querschnitt aufweist.
9. Polarisationsweiche nach einem der Ansprüche 4 bis 6,
dadurch gekennzeichnet, daß der Innenleiter (6) einen Vierkantquerschnitt aufweist.
10. Polarisationsweiche nach einem der Ansprüche 4 bis 6,
dadurch gekennzeichnet, daß der Innenleiter (6) einen kreisrunden Querschnitt mit symmetrisch angeordneten
Längsstegen aufweist.
11. Polarisationsweiche nach einem der Ansprüche 4 bis 10,
dadurch gekennzeichnet, daß der Innenleiter (8) im Außenleiter (7) kreisrunden oder quadratischen Querschnitts
über den eigentlichen Polarisationsweichenbereich in Richtung zum angeschlossenen
Verbraucher hin verlängert ist.
12. Polarisationsweiche nach Anspruch 11,
dadurch gekennzeichnet, daß der Innenleiter im Verbraucher, z.B. einem Hornstrahler, insbesondere einem Rillenhornstrahler,
im Hornstrahlerhals, im Rillenbereich oder außerhalb der Hornstrahlerapertur stetig,
gestuft oder sprunghaft endet.
13. Polarisationsweiche nach einem der Ansprüche 4 bis 12,
dadurch gekennzeichnet, daß der Innenleiter hohl ausgebildet ist, so daß darin Wellen gleicher oder anderer
Art mit gleicher oder unterschiedlicher Frequenz wie diejenigen außerhalb des Innenleiters
bereits vorhandenen Wellen geführt werden können.
14. Polarisationsweiche nach Anspruch 13,
dadurch gekennzeichnet, daß der hohle Innenraum des Innenleiters seinerseits in geeigneter Weise mit leitendem
und/oder dielektrischem Material versehen ist.
15. Polarisationsweiche nach Anspruch 12 oder 14,
dadurch gekennzeichnet, daß im hohlen Innenraum des Innenleiters und/oder nahe an seiner Oberfläche Koppeleinrichtungen
für Wellen angeordnet sind, die aus dem Raum außerhalb des Innenleiters in sein Inneres
und umgekehrt gekoppelt werden.
16. Polarisationsweiche nach einem der vorhergehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet, daß an beide polarisationsselektiven Rechteckhohlleiterarme (10, 11) je eine Frequenzweiche
direkt angeschlossen ist.
17. Polarisationsweiche nach einem der Ansprüche 1 bis 15,
dadurch gekennzeichnet, daß an beide polarisationsselektiven Rechteckhohlleiterarme (10, 11) je eine Frequenzweiche
über jeweils eine lange Leitung angeschlossen ist, die als mit entsprechenden Übergängen
versehene, übermodierte Rechteckhohlleitung ausgebildet ist.